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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.

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Jllustrirtes Sonntagsblatt

etxi* tfodoet 3»6- Kit fioci, UnimrsttätS-Buchdruckerei in Marburg.

Sttboftion uud Exptdttisn: Markt 21.

verantwortlich für ben eOgtrneintn Thril: Rrdaürur M. Hartmann, für btn MrratrntheL: Joh. Lug. «och, btibt tx Marburg.

K 132

Gesetzliche Maßregeln

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Wie unsäglich absurd das ist, dafür

it man auf jener Seite kaum ein Verständniß

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rhtt I rischen Vorgehens gegen die Sozialdemokratie die kgebunden: solche Versuche find aber konservativer-

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i- und jtt vor Schritt, dann aber mit immer zunehmender BEI dität von dem Boden der konservativen Partei

Die Christlich-Sozialen nehmen bekanntlich ebenso die National - Sozialen gegenüber der Sozial-

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Thatsache resultirende Würdigung Bebel'scher Agitations­reden ist durch keine noch so ausführlichen und noch so lebhaften Erörterungen aus der Welt zu schaffen. Auch ein Volksvertreter und Politiker sollte nur sagen, „was er wirklich weiß", besonders wenn e$ sich um die Ehre seiner Mttbürger handelt.

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■Strendnm hne etc.

.rburg.

Erscheim täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnemems-PrciS bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Psg. (ejfl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die geivaltene Zeile oder bereu Raum 10 Psg.. Reklamen für die Zeile 25 Psg.

l stets einmüthig zurückgewiesen worden.

Der streitige Parteipunkt lautet: „Diejenigen

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Marburg

Mittwoch, 9. Juni 1897

s vaterlandslose und auf den Umsturz gerichtete nbungen weite Kreise unseres Volkes gefährden, als Feinde der staatlichen Ordnung zu bekämpfen." pi hat schon am 16. Januar 1893 die „Konser­ve Korrespondenz" de» folgenden Kommentar ien: „Die konservative Partei hat bei Forrnu- «g des erwähnten Programm satzes in keiner die diejenige Stellung aufgegeben, die ste prinzipiell fahren gegenüber der Sozialdemokratie einnimmt, re der in dem Entwürfe zum neuen Programm psehene Passus über die Bekämpfung der Sozial- loiratie „durch gesetzliche Mittel" beibehalten icn, so hätte wohl allerdings aus diesem Umstände Wen werden können, die konservative Partei Pchtige, im Reichstage bezügliche Anträge zu m. Ein solches Vorgehen liegt aber naturgemäß iionservativen zur Zeit fern. Aus der Streichung

der erwähnten Worlc wird aber keinesfalls der Schluß gezogen werden können, die konservative Partei werde sich für die Folge grund­sätzlich ablehnend verhalten, wenn Seitens der verbündeten Regierungen gesetzliche Maßnahmen gegen die Umsturzpropaganda einmal wieder für nothwendig gehalten werden sollten. Für solche Fälle hat die konservative Partei nach wie vor freie Hand und wird nur zu prüfen haben, ob thatsächlich ein legis­latorisches Vorgehen gegen die sozialdemokrattschen Volksverführer unumgänglich geboten sei."

Die Herren Christlich- und Rational-Sozialen werden es sich also nach wie vor gefallen lassen müssen, wenn wir Konservative uns nicht nach ihren Programmauslegungen richten, sondern beharrlich und fest unseren Weg als grundsätzliche Gegner der sozialdemokratischen „Gleichberechtignng" weiterver- folgcn. Die Raumann'sche Richtung hat ja gezeigt, wohin man mit immer weitergehenden Zugeständnissen an die Sozialdemokratie kommt. Viel fehlt nicht mehr und die Nationalsozialen find — wohin sie ihrem Wesen nach längst gehören — auch thatsächlich im sozialdemokratischen Lager angekommen. Wenn man erst anfängt, mit notorischen Feinden von Kirche und Monarchie zu paksiren, so verliert man eben ttotz aller „nationalen" Aushängeschilder den Boden unter den Füßen. Das sollten auch endlich die Christlich- Sozialen einsehen. Uns aber mögen diese Herrschaften mit Programmauslegungen verschont lassen, von jener Seite wollen wir uns am allerwenigsten Rath­schläge holen.

Wir haben uns bereits in unserer letzten Freitags­nummer über die Mißachtung ausgesprochen, welche der Presse im Allgemeinen ungerechtfertigter Weise aus dem Tausch-Prozeß, geworden ist. Jetzt schreibt zu demselben Thema die „Ndd. Allg. Ztg."

„Wie das Publikum ein sehr mannigfaltiges ist, so ist aber auch das Lesebedürfniß ein sehr ver­schiedenes. Namentlich ist die avitische Gewohnheit deS Philisters in Betracht zu ziehen, als besonders interessant Dasjenige anzusehen, was man etwa vom Leben der Vor­nehmen und höher Gestellten wahrnehmen könnte, wenn eS gelänge, durch eine Thürspalte hindurch zu sehen oder den Zipfel einer Portiöre zu lüften- Bezieht sich das durchs Schlüffelloch Beobachtete auf einen Minister oder sonstigen hohen Staatsbeamten, so bildet sich der Zeitungleser dieses Schlages ein, die Befriedigung seiner Neugierde sei Be­schäftigung mit hoher Politik. Eine ganze Anzahl Blätter, namentlich die sogenannten unparteiischen kulti- viren diesen „politischen" Klatsch und Tratsch und verdienen Geld bei ihrem Handwerk. Ihnen läuft die Gesellschaft zu, wie wir sie in der Tausch - Lützowsche» Atmosphäre kennen gelernt haben. Die ernsthafte Publizistik hat mit diesen Leuten nichts zu thun; sie nimmt auch selten von den Blättern Notiz, worin die Waare dieser Nachrichtenschnapver und Neuigkeitskrämer» dieser Händler mit ganzen, halben uud Viertels-Lügen Ver­wendung findet. Daß die Polizei diesen Leuten, die fich Schriftsteller nennen, wie ein Fuselverkäufer am Ende auch Kaufmann heißen kann, eine besonders liebevolle Beachtung zuwendet, ist offenbar ganz in der Ordnung. Nickt auf die deutsche Presse als solche wird durch diese Enthüllungen ein fatales Licht geworfen, sondern weit mehr auf den Ge­schmack und das Verhalten eines Theiles des Publikum?, wodurch so che widerliche Auswüchse der Journalistik ge­nährt werden."

Weiter sagt die „Köln. Ztg.":

„Wir gehören nicht zu denen, die in pharisä scher Weise den Stand der Journalisten im Gegensatz und unter Zurück­stellung von andern als eine Art von Musterstand hin­stellen; aber wenn wir uns in diesem Stande umseden, so erkennen wir doch auch, welche gewaltige Summe an Wissen, Bildung, Zuverlässigkeit, Charakterstärke und Arbeitskraft darin vertreten ist und wie diese guten Eigenschaften unter Verhältnissen und Anfechtungen aufrechterhalten werden, wie sie so leicht bei keinem andern Stande anzutreffen sein werden. Daß fich in jedem Stande räudige Schafe be­finden, ist ebenso sicher, als daß daraus kein allge­meiner Vorwurf erhoben weiden kann. Dieser würde erst bann berechtigt sein, wenn man beweisen könnte, daß von der Preffe allgemein nicht die gehörige Vorsicht bei Aufnahme neuer Mitglieder angewandt, ober daß es bei der Beschäftigung der einzelnen unterlaßen werde, neben

...... .Umschau. ±, .... ,

Da bekanntlich die Technik der wahren Staats- kunft einerseits zwar in der richtigen Duldung, ja Förderung eines regen, das politische Leben im Fluß haltenden Vereins- und Versammlungs­lebens gipfelt, so besteht ihre negative Seite, wie es klassisch v. I h e r i n g in seinem „Zweck im Recht" (I, S. 317) ausdrückt, vor allem: „in der Verhinderung einer dem Staat bedrohlichen Organisasion feindlicher Elemente, oder, da die Organisation in Form der Vereine erfolgt, in der richtigen legislativen Gestaltung und der sorgsamen administrativen Ueberwachung des Vereinswesens. Die Machtmittel der Vereine sind qualitativ von denen des Staates nicht verschieden, und in quanti- tattver Beziehung liegt in ihnen selber kein Moment, welches der Ansammlung derselben eine bestimmte Grenze

Der sozialdemokratische Führer Bebel macht im „Vorwärts" den Versuch, die Widersprüche zu lösen, die zwischen den Behauptungen des Abg. Bebel und des im Tausche Prozeß vernommenen Zeugen Bebel festgestellt worden sind. Herr Bebel schreibt:

„Was mir als Volksvertreter und Polisiker zusteht, was ich als solcher zu thun verpflichtet bin, das steht mir als Zeuge nicht zu, und so habe ich auch in meiner Zeugenaussage mich darauf beschränkt, das zu sagen, was ich wirk­lich wußte und mit gutem Gewissen auf meinen Eid nehmen konnte, und ich habe deßhalb dem Versuche der Anklage wie der Vertheidigung wider­standen, von mir auch Vermuthungen uud Kombinationen zu hören."

Herr Bebel charakterifirt also das, was er in unverantwortlicher Stellung über die „Hintermänner" erklärt hat, als „Vermuthungen und Kombinasionen"; er hat aber, als jene Behauptungen aufgestellt wurden, diese Einschränkung keineswegs gemacht, sondern den Anschein erweckt, als ob seinen Aufstellungen ein tiefes Wissen zu Grunde läge. Die aus dieser

* nnms die Feder. Dieselben Politiker, welche । die allerkühnsten „Mauserungen" sich anfangs

verbrauei [Bf haben, halten sich für berufen, das „Ge- MJangn g ^er Konservativen darzustellen und ihnen au- .vS tische Auslegungen ihres Programms entgegen- rennstol stell. S”11'

egen die Sozialdemokratie und Tivoliprogramm".

die Sozialdemokratie keinesfalls als eine gleich- '• ! ßtigte politische Partei erachtet werden dürfe,

r källff k® Grundsätze steht der Punkt 14 unseres Word jeiprogramms in keiner Weise entgegen. Es hat (351 k von christlich-sozialer Seite nicht an Versuchen y , hü, diesen Punkt so auszulegen, als habe dadurch ClCj| konservative Partei sich hinsichtlich eines gesetz-

lamte Al der christlich- und national sozialen Presse 1 »bewährte" Hüter^ des konservativen Partei-

setzt; der Verein kann mehr Vermögen besitzen, als der Staat, und wenn er sich über die Grenzen des Territoriums ausdehnt, mehr Mitglieder zählen, als der Staat. Nimmt man nun noch hinzu, daß der Verein für seine Zwecke ganz denselben Mechanismus zur Anwendung bringt, wie der Staat, so ergiebt sich daraus die hohe Gefahr, welche er für ihn sich schließt. Sein wirksamster Gehilfe bei der Ver­folgung der sozialen Zwecke, wenn er auf seiner Seite steht, verwandelt er sich in seinen gefährlichsten Feind, wenn er eine entgegengesetzte Richtung ein­schlägt." — „Es giebt kein von der Autorität des Staates unabhängiges, sondern nur ein von ihm ab­geleitetes VereiuSrecht (ebenso Versammlungs­recht. D. Red.) Damit hat der Staat, wie der Begriff der höchsten Gewalt es mit fich bringt, den Prinzipat über sämmtliche Vereine auf seinem Gebiete. Gesteht er ihnen innerhalb ihrer Sphäre ein Recht zu, so gilt dies nur auf so lange, als er es für gut befindet — ein staatsrechtliches Prekarium, das aller entgegenstehenden Zusicherungen ungeachtet jeder Zeit von ihm wieder zurückgenommen werden kann, da der­artige Verträge, als dem Wesen des Staates wider­sprechend, null und nichtig find. Die Nutzanwendung dieser goldenen Worte des berühmten Rechtslehrers, der sich dadurch zugleich als echt philosophischer Realpolitiker erweist, auf die gegenwärtige VereinS- und Versammlungsrechtsfrage ergiebt sich von selbst.

Anzeigm nimmt entgegen bit Expedition dieses Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein & Vogler in _

Öffnet a. M., Cassel, Magdeburg und Men; Rudolf XaXII ^rthrO e in Frankfurt a. M.» Berlin, München u. Rita, C. L. • -x) ) »•

Boebe ft da. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».

L । ifrätie eine grundsätzlich andere Stellung Q 6 konservative Partei, die weder vor noch nach “ * >li jemals von dem Grundsätze abgewichen ist,

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nannte sie allgemein Alt-Kirchentrud.

t und selbst die ältesten Leute hatten sie in ihrer tob schon fitzen gesehen. Sie war ungewöhnlich ■if noch ziemlich rüstig, aber völlig zur Mumie

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«ie fie dieselben, denn ihr genügte, was sie als tobnerin erhielt, sondern fie gab die gesammeüeu en zur Kleidung und Verpflegung für arme Ander und soll damit ganz in der «Stille viel verbreitet haben.

Obgleich man dies Alles wußte, mied man fie ' denn fie galt allgemein für etwas irrfinnig tot zudem rücksichtslos in Rede und Benehmen.

en ward sie von den Kindern sehr geliebt und

»ge Kälte es verbot, eine Pfündnerin des Elisabeth- titä, milde Gaben von den frommen Kirchen-

(Nachdrnck verboten.)

Die Bettlerin von Marburg.

Horische Erzählung von Arthur Eugen Simsou. 8m Portale der schönen Elisabethkirche zu tong, saß nach 1821 fast täglich, wenn nicht

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«et, trug eine wunderliche Gewandung nach

1 früherer Jahrhunderte und hielt auf ihrem ifcttei einen uralten metallenen Becher, in welchen tu.!-1 Gaben einsammelte. Nicht für fich ver-

n- A selbst hielt fie für den letzten Nachkommen ’«< Aleutiud, der geliebten Gesellschafterin der (6F ^geu durch lange Jahre hindurch, bis Elisabeths

; fast stets umgab fie ein Kreis derselben, , ste ausschließlich nur Geschichten aus dem Leben öligen Elisabeth erzählte, deren sie eine vie' Fülle besaß, als sonst irgend bekannt. Sie —'' Me dabei so einfach schlicht, aber so aus voller l<M* 1 heran daß die Kinder wie gefeffelt ihren

' Stoi einsammelnd. Durch viele Jahre saß sie

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Beichtvater Konrad dieselbe von ihr schied, um gänz­lich alles Irdische von ihr zu entfernen. Zuweilen saß fie auch Nachmittags vor dem nahen Elisabeth- thore auf ben Stufen des alten Brunnens, an welchem die Heilige eigenhändig die Wäsche der Kranken auf einem blauen Steine gereinigt haben soll, der später in die Kirche versetzt wurde, mtd auch dort sammelten fich die Kinder, um ihren Er­zählungen zu lauschen, und selbst wohl manche Magd versäumte darüber die Zeü. Doch ließ fie sich mit Erwachsenen nicht gern ein, antwortete nur kurz und nannte Jedermann Du.

Einmal in der Woche ging fie auch früh in das eine Stunde von Marburg entfernte Dorf Wehrda, wo einst die heilige Elisabeth, fern vom Geräusche der Welt, um ganz ihrer Andacht zu leben, ein dürftiges Häuschen bewohnt hatte, das, jetzt einem Bauern Namens Schütz gehörig, zum Andenken an fie schon seit ältester Zett mit einem Rosengarten umgeben war. Dort befand fich auch noch auS jener Zett eine verwitterte Steinbank im Garten, auf welcher die Heüige ost gefeffen und für die Armen genäht haben soll. Diese Bank wähtte auch Kttchen- trud zu ihrem Sitze, bis zum Abend verweilend, und erzählte in der Zwischenzeit den Kindern des Ortes, die fie ebenfalls tarnten und fich um fie schaarten nur von Elisabeth. Von dem freunblidjen Herrn des Hauses nahm sie Mtttags nur ein Stück trocken Brod an, alles Andere stets zurückweisend. —

Ich hatte Alt Kttchentrnd selbst noch nicht ge­sehen, dennoch waren mtt diese Nachrichten über sie höchst iutereffant, da ich gleich ihr von jeher wahr­hafte Verehrung für Elisabeth empfunden, die wunderbare Königstochter aus Ungarn, die lieblichste Frauengestalt des Mtttelalters, die so schwer geprüfte Heilige, gefeiert wie keine Andere, in anmuthigster

Poesie des Volkes, von der Wiege bis wett über Tod und Grab hinaus.

Obwohl ich nicht fern der Elisabethkirche wohnte, hatte sich's bisher für mich doch nicht fügen wollen, Kttcheutrud anzutreffen, bis es mir endlich gelang, sie am Pottale der Kirche, ganz umgeben von einer Kinderschaar, zu finden. SÄ mich zu letzteren ge­sellend und aufmerksam den Motten der Erzählerin horchend, wurde ich durch die Att und Weise ihres Vortrages, wie des Vorgettagenm selbst mit größter Theilnahme erfüllt; sonst gut bewandert in all' den lieblichen Dichtungen und Geschichten über die Heüige, war doch fast Alles, was ich hier vernahm, mir gänzlich unbekannt.

Da ich wußte, wie wenig fie fich mit Erwachsenen einließ, versuchte ich auch nicht, ihr zu nahen, be­schloß aber, das Gehörte auszuzeichnen und so ost wiederzukommen wie thunlich.

Anfangs schien fie mich gar nicht zu bemerken, endlich aber fielen ihr meine wiederholten Besuche doch aus, fie schaute mich eine Zett lang groß und scharf an, und ich glaubte zu erkennen, daß ihr meine Gegenwart nicht unangenehm fei.

So war es auch in der Thal, denn je öfter ich fortan kam, je freundlicher wurden ihre sonst so sttengen Züge, so daß ich zuletzt wagte, näher zu ihr heranzutrtten und meinen Dank auszusprechen für die schönen Geschichten, die fie zwar wohl nur für die Kinder erzählt, die mich aber ungemein erfreut hätten, da ich in Wahrheit einer der wärmsten Verehrer Elifabeth's fei und Alles sammle, was ihr «eben betreffe. Lange schaute fie mich prüfend an, dann sprach fie, leise lächelnd:

„Hast ein gut Theil erwählt; ist feiten bei Euch jungen Leuten, und hättet es doch nöthig auf Euren Wege durch's domenvolle Leben auf einen Stern zu

schauen, wie Die war, zu deren Ehre dieses Gottes­haus hier gebaut ist, wo es jetzt eben zum Gebet läutet."

Es war die Mittagsstunde. Sie neigte das Haupt, faltete die Hände zum Gebete und erhob fich dann, um zu ihrer Mahlzeit nach dem Spttale zu gehen.

Seltsam angezogm füllte ich mich von ihrem eigenthümlichen, wie aus einem ganz anderen Jahr­hundert in unsere Tage hereinragenden Wesen, und ich beschloß, mich näher mtt ihr bekannt zu machm.

Ein unverhofftes Ereigniß brachte dies früher, als zu ermatten stand. Als ich ihr nämlich eines Tages wieder aufmerksam zuhötte, grüßte mich ein Bekannter, laut meinen Namen nennend, von der nah an der Kirche vorübersührendeu Straße her und wiederholte, da ich ben Gruß nicht gleich bernommen, nur um so lauter meinen Namen. Bei Nennung beffeiben horchte fie hoch auf unb betrachtete mich in ganz eigentümlicher Weise. Dann brach sie in ein krampfhaftes hohles Lachen aus uub barg, wie ganz erschöpft, ihr Gesicht in ben welken Händen.

Höchst betroffen über dies seltsame Benehmen, schim es mir wirklich, als ob sie doch etwas an Irrsinn leibe. Bald aber war fie beruhigt und wieder wie zuvor, verabschiedete bie Kinder, die ihr aufs Wort folgten, und wandte fich zu mtt.

„Komm näher!" sprach fie. „@ben hör' ich Deinen Namm, der mich an bie bunfelfte Zett meines Lebens erinnert, aus welcher mich ein Träger bieses Namms, wohl ein Verwandter von Dir aufs Edelmüthigste befreite, unb bem zu banken ich nie Gelegeuhett fanb. Nie auch begegnete mir im langen Leben Jemanb biefeS Namms wieder."

(Fortsetzung folgt.)