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Marburg

Mittwoch, 2. Juni 1897

«iqeigui nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte,, ww» di« Annoncen-Bureanx von Haasenstein & Vogler in Sronffurt a. M., Cassel, Magdeburg and Wien; Rudolf LUN M«ss' Frankfurt a. M„ Berlin, München u. Köln, C L. >5Uyrg.

Venu« fc Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, $eril.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg ««d Kirchhain tut «d *”<•«, to matb”t8, AS>OtttttddS6ldtt* b,n ti[grawi”tn ™' Redaktenr M. Hartmann,

_ T für den M.ratmtheil: Ioh. «ng. Koch, bad. in Marburg.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und jo» Feiertagen. — Quartal-Abonnemems-Preis bei der Erpe- jlO 1 z7 ditton 2 Mk., bei allen Postämtem 2 M. 25 Pfg. («rfl. e/,=* Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile

»d«r deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

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Zn Berlin stieß bei der Einfahrt eines am 27. d. M. Abends 10 Uhr auf dem Anhalter Bahnhofe ankommenden Vorortzuges die Ma­schine desselben vermuthlich infolge zu späten Bremsens gegen den Prellbock, wodurch 22 Fahrgäste leicht verletzt wurden.

es zu vermeiden, daß auf die politische Polizei re- kurrirt werden mußte. Der von dem Agenten an­geregte Verdacht gegen Kukutfch war mit der Ver­nehmung des letzteren selbst sofort verschwunden; mit demselben Augenblick war sowohl der Kriegsminister wie der Zeuge selbst der Ueberzeugung, daß v. Tausch durch den Agenten Lützow beschwindelt worden fei. Als v. Tausch die Quittung brachte, hat er sofort von selbst die Möglichkeit angeregt, daß sie falsch sein könnte, obwohl die Unterschrift fehl geschickt nach- gcmacht toar._ Auch dieser Zeuge erklärt, daß er dem v. Tausch gesagt habe, das Kriegsministerium mache in der Sache nichts weiter; es habe kein Interesse daran, weitere Schritte wegen der Quittungsfälschung zu thun.

Es wird noch die aus Warschau gekommene Zeugin Frl. Wenz vernommen. Sie kann nicht behaupten, daß die Quittung an demselben Abend geschrieben worden sei, wie der Vers-Brief. Sie hat die anonymen Briefe an.Schumann im Auftrage v. Lützows geschrieben, in denen jenem angerathcn wurde, schleunigst Deutschland zu verlassen. Normann- Schumann kannte, wie von Lützow sagte, seine Hand­schrift und deshalb schrieb er nicht selbst. Ob von Lützow ihr gesagt hat, daß ihn Tausch beauftragt habe, die Quittung mit dem Namen Kukutsch zu unterschreiben, weiß die Zeugin jetzt nicht mehr.

Um 6^2 Uhr vertagt der Vorsitzende die Sitzung.

(Sechster Tag. 31. Mai.) In Fortsetzung der Beweisaufnahme wird zunächst Geh. Reg.-Rath von Philippsborn aus dem Ministerium des Innern vernommen. Er soll Auskunft über den anonymen Brief geben, den v. Lützow an das Ministerium des Innern gerichtet bat, wie er behauptet, in Tausch's Auftrage. Der Zeuge erinnert sich, daß einmal ein anonymer Brief im Ministerium des Innern einge­troffen war, der Anschuldigungen gegen den Geh. Reg.-Rath Knack enthielt und besonders denselben bezichtigte, nähere Beziehungen zu socialdemokrattschen und demokratischen Abgeordneten zu unterhalten. Des Näheren kann sich der Zeuge nicht entsinnen. Ob sich der Inhalt dieses Briefes mit der bei den Akten befindlichen Abschrift eines anonymen Briefes deckt, kann Zeuge nicht sagen. — Geb. Ober-Reg.-Rath ; Fricdheim (Stellvertreterdes Polizeipräsidenten): Als v. Tausch mit den Ermittelungen über die Her-

Frankfurt a. M., 31. Mai. (Viehmarkt» Der heutige Viehmarkt war mit 487 Ochsen, 51 Bullen 661 Kühen, Rindern und Stieren, 314 Kälbern, 214 Hammeln, 1030 Schweinen befahren. Die Preise stellten lick wie folgt: Ochsen 1. Qual. 64-68 Mk., 2. Qual. 53 bi, 58 Mk., Bullen 1. Qual. 50 52 Mk., L. Quoll,' 45 Hi *7 Mk., Kühe, Rinder und Stterr 1. Qual. 52-66 Mk., 2. Qualität 44-48 Mk. Alles per 50 Kilo Schlacht- gewicht. Kalber 1. Qualität 65 70 Pfg., 2. Qual 55 H, 60 Pfg., Hümmel 1. Qual. 58-eo Pfg., 2. Qual. 48 bis 54 Pfg., Schweine 1. Qual. 52 - 53 Pfg., 2. Qual. 50 bis 51 Pfg. Alles per V- Kilo Schlachtgewichll Aus Oester­reich standen 51 Ochsen zum Verkauf.

Frankfurt, 31. Mall (Grtreidemarkt). Am heuttgen Wochenmarkt waren wesenlliche Veränderungen gegen die Vorwoche nicht zu konstatiren. Das Geschäft blieb bei fruchtbarem Wetter und fehlendem Animo von Auswärts ein schleppendes. Einheimische Brodfrüchte fort- gesetzt angeboten und zu unveränderten Preisen vei kauft Ausländische Waare behauptet, aber nur für dringenden Bedarf gehandelll Tas Gerstegeschäft in Brauwaare ist beendigt, Futtergerste unbeachtet. Hafer gut gefragt und behauptet. Mais unverändert bei befriedigendem Ab­satz. Zu nottren nach Qualität: Weizen, hiesiger und WetteraurrMk. 16,15—16,25, kurhessischer Mk. 15,25—16,00 norddeutscher 15,00,-16,25, russischer Mt, 16,75—19 00 Redwinter Mk. 00,00 - 00,00, Lapiala Mk 18 00 19 00 Rumänischer Mk. 17,75-19,00, Roggen, hiesiger' Mk. 12,50 Pfalzer 12,7o bis 13,00, russischer 12,25—12,80, Gerste hiesig« Mk. 00,00 00,00, Pfälzer Mk. 00,00- 00 00 fränkisch« Mk. 00,00-00,00, Riedgerste Mk. 00,00 - 00 00 Ungar- Mk. 00,00-00,00. Hafer, hies., Mk. 12,50-13,50 Württemberger Mk. 00 00 00 00, bayerischer Mk. 12 50 bis 14,00, russischer Mk. 13,25-15,75 amerikanischer Mk 12,80—13,30. Mais, mixed M. 8,30-8,50, Laplata Mk. 8,00 - 8,60. Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier. — Mehl notier. Es notin nach Qualität: Weizen­mehl, hiesiges Nr. 0 Mk. 26,50 27,00, feiner« Marken 28,00- 29,00, Nr. 1 24,50—25,50, feinere Marken 2*,00 27,0<», Nr. 2 M 23,00—23,60, feiner« Marken Mk 24,00 bis 24,60, Nr. 3 21,75—22,25, feinere Marken 22,60 bis 23 00, Nr. 4 19,00 19,50, feinere Marken 19,75—20 25, Roggenmehl, hiesiges Nr. 0 Mk. 20,00—21,00, Nr 1 Mk 17,00—18,00, 3h. 2 Mk. 14,00- 14,10. Alles per 100 Kilo incl. Sack loco hier. - Futterartikel matter Es nottreu: Weizenschalen Mk. 4,00 4,15 Weizenkleie Mk. 4,00 -4,10, Roggenkleie 4,36—4,45, Futtermehl 5,75-6,75, Biettreber Z»^^^^0-5,00 je nach Qualität. Alles per 50 Kilo netto effeüiv loco hier.

Der von der Vertheidigung geladene Zeuge Generalsekretär Abg. Bneck bekundet: Ich habe in den 80er Jahren bei Siechen an dem Stammtisch v. Tausch kennen gelernt und gern mit ihm verkehtt, weil er in der Gesellschaft, dort eine gute und ehren- baste Stellung einnahm. In den etwa 12 Jahren, die ich v. Tausch kenne, habe ich nie etwas Unwahr­haftes oder Unehrenhaftes an ihm entdeckt. — Staatsanwalt Eger: Hat Ihnen v. Tausch einmal davon gesprochen, daß Victor Schweinburg von dem Centtalvcrbande der Industriellen eine Enffchädigung von jährlich 30 000 Mk. erhalte? — Zeuge: Herr Schweinburg liefert nach einem mit ihm abge­schlossenen Abkommen 12 Exemplare seiner „Berliner Politischen Nachrichten" an ben Centtalverband der Deutschen Industriellen und empfängt dafür jährlich 3000 Mark. Zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hat der Centtalverband ferner eine kleinere Corre- spondenz ins Leben gerufen, welche Schweinburg unter dem Namen „Neue Reichscorrefpondenz" heransgiebt und verttagsmäßig kostenftei an etwa 400 Zeitungen versendet. Es erscheint fast in jeder Nummer ein Artikel über Sozialdemottatie. Für diese Korrespondenz, die Schweinburg zweimal wöchent­lich herzustellen hat, erhält er von mir im Auftrage des Centtalverbandes monattich 1000 Mk. Die Disconto-Gesellschaft isi nur unsere Geldvermittelungs­stelle. (Fortsetzung im Hauptblatt.)

fünft der Artikel der „Welt am Montag" betraut war, habe ich wiederholt mit ihm über die Angelegen­heit gesprochen. Er theilte mir eines Tages mit, es sei erstaunlich, daß die Sache aus dem Auswärtigen Amt stammen solle. Er erklärte, daß er die Nachricht von seinem Agenten habe, dessen Namen er nicht nannte. Als die Verhandlung im Leckert-Prozeß bevorstand, hat v. Tausch seine Freude darüber ausgedrückt, daß es ihm nun möglich sein werde, vor aller Oeffentlich- kcit klarzulegen, daß die polittsche Polizei keine poli- tischen Jntriguen spinne oder überhaupt Polttik tteibe. Als der viel erwähnte Arükel im „Berliner Tagebl." erschienen war, hat sich v. Tausch mir gegenüber beklagt, daß Dr. Levysohu eine vertrauliche Mit­theilung, bei der er ausdrücklich Discretton zugesichert hatte, nun doch veröffentlicht habe, und noch dazu unrichtig. Ich habe an der vollen Ernstlichkeit von Tauschs Mittheilungen keinen Augenblick einen Zweifel gehabt. — Botschafter Graf Philipp zu Eulenburg: Ich habe v. Tausch in Abbazia kennen gelernt und hier und da mit ihm mich unterhalten. Ich halte

Brand eines Güterzugs in Lehrte. Am Sonntag Mittag zwischen 12 und 12 V, Uhr brach wie erst jetzt bekannt wird, an der Umlädebühne des Verschiebebahnhofes Lehrte in einem mit feuerge­fährlichen Chemikalien beladenen Eisenbahn-Güter­wagen F e u e r aus welches so schnell um sich griff, daß, ehe noch wirkungsvolle Löschversuche gemacht werden konnten, 20 Eisenbahnwagen erheblich zerstört und deren Ladungen vernichtet, während 10 Eisenbahnwagen und deren Ladungen theilweise beschädigt wurden. Da wegen der Sonntagsruhe im Güterzugsdienst der Abferttgungs- und Rangir- dienst auf dem Verschiebebahnhofe vollständig ruhte, so ist anzunehmen, daß das Feuer durch Selbstent­zündung der feuergefährlichen Chemikalien ent- tanden ist.

Blitz'chlag. Die „Schlesische Zeitung" meldet aus Görlitz: Am 28. v. M. Nachmttags schlug em Blitz in deu F a b r i k s ch 0 r u st e i n der Eiftn-

es nicht für unwahrscheinlich, daß ich ihm einmal gesagt habe: „Wenn Sie einmal etwas Interessantes wissen, so theilen Sie es mir mit." Als mir von Tausch den Ausschnitt aus der „Welt am Montag" zuschickte, welcher meinen Detter, den Hofmarschall, betraf, hatte ich nicht den Eindruck, daß eine be­sondere Jntrigue oder sonst etwas dahinter liege. Ich nahm an, daß v. Tausch glaubte, mir mit der Uebersendung des Artikels einen Gefallen zu erweisen. Ich hatte kein Interesse daran, die Quelle des Artikels näher kennen zu lernen.

Makulatur Papier

ist zu haben in d< Expedition d. M.

gießerei von Kruschwitz in Olbersdorf bei Zwickau und zerstörte den oberen Theil des Schornsteins. Die herabstürzenden Trümmer schlugen durch das Dach und tödteten zwei Arbeiter.

Bon den vier russischen Grenzsoldaten, welche den Raubmordversuch auf den Fischereipächter in G r a j e w 0 verübten, sind drei zum Tode durch die Kugel, einer zur Deportation nach Sibirien ver- urtheilt worden. Am 20. Mai wurden jene drei standrechtlich erhoffen. Bei dem vierten, welcher fteiwillig ein Geständniß abgelegt und seine Komplicen namhaft gemacht hatte, ist das auf zehn­jährige Deportation nach Sibirien lautende Urti)eil in dieser Form belassen worden.

Nichts zu handeln? Der Reisende des „Berliner Tageblatts", Eugen Wolf, schreibt in einem chinesischen Reiseberichte: „Jeder Chinese scheint als Kaufmann oder Händler auf die Welt gekommen zu fein. Jeder Chinese, der mir be­gegnete, ......hatte — so kam es mir immer

vor — ein gewisses etwas im Gesichtsausdrucke, in der luchsartigen Lauermine, was vernehmbar zu ftagen schien: Nichts zu handeln?"

Prozeß v. Tausch-v. Lützow.

Berlin, 29. Mai.

Der nächste Zeuge ist Oberst Gaede, der s. Z. s Ariegsministerium die Preßangelegenheiten nach jer Direktive des Kriegsministers bearbeitete. Der ßkschästsoerkehr mit Herrn v. Tausch bestand damals ! jt/2—2 Jahre; Herr v. Tausch hatte sich stets als id" durchaus zuverlässiger und brauchbarer Agent Miesen. Weder der Kriegsminister noch er selbst jäiien sich jemals darum bekümmert, welche Mittel Hm v. Tausch bei der Ausführung seiner Stufträge sroanbte; sie hatten sich wohl gehütet, in die Interna

i tottung aufrecht erhalten und hinzugefügt, daß ihm iu der- Agent v. Lützow diese Meldung aus Grund von J «blichen Mittheilungen Kukutschs auf das be- id? ms laueste gemacht habe. Diese Sache spielte sich J bi 9. oder 10. November ab, bis zur Vernehmung :ein für §cmn tiom literarischen Bureau vergingen etwa

10 Tage; in dieser Zwischenzeit hat Herr v. Tausch ! Nst Behauptung, die Sache sei eine Jnttigue des andere ausrecht erhalten und alle Zweifel

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findet noch bis zum 20. Juni statt.

Mstrages nicht ausgesprochen worden. Möglich sei - fotoir. j, daß man zunächst die Namen der Minister ung bet: te[f)ging und in Erwägung nahm, ob wohl einer bindmz Herren über die Staatsministerialsitznng mit

fc Polizei einzudringen. Auch der Ausgang der Hr in Frage kommenden Angelegenheit habe das zmgsmiuisterium nicht veranlaßt, die Verbindung su Herrn v. Tausch abzubrechen. Man war der Mcht, daß Herr v. Tausch dem Kriegsministerium gtgenüber völlig bona fide gehandelt habe und von ms 6tt Agenten betrogen worden sei. In der Dar-

Wong des Auftrages an v. Tausch stimmt der Zeuge irle^en; j>em Vorzeugen überein. Ein Verdacht gegen richtW Minister v. Köller sei bei der Erfheilung des

Saute und daß dabei auch der Name v. Köller ge- Gesetzee jejn fann; unter keinen Umständen aber ist j Wdwie angedeutet worden, daß der Auftrag des ige bch Sera v. Tausch dahin ging, Material gegen Herrn age bet; t KM: zu sammeln. Um so überraschender war , j it Mittheilung des Herrn v. Tausch, daß er es nun Nst eL pnz bestimmt herausgebracht habe: es handle sich ® eine bewußte Jnttigue des Ministers v. Köller sta'sch« ng(n beit Kriegsminister. Er habe aber die Be-

. m Einwendungen des Kriegsministers zu widerlegen wf cm untct dauernder Berufung auf Lützow, der . « sehr sicherer Mann sei. Als es dann darauf ehreri; Hie Herren des literarischen Bureaus zu Der

Mimen, erklärte Herr v. Tausch, daß er natürlich , toem Chef gegenüber in eine sehr unangenehme : % komme, aber diese Beschuldigung nicht erheben

Nrbe, wenn er auf Grund der Lützow'schen Mitthei- bttgen nicht von der absoluten Richtigkeit überzeugt zEe. Die Vernehmung der Herren des literarischen t^tous hätte lediglich den Zweck gehabt, zu er- । Wen, ob sie die Person des b-Korre'vondenten der : -Nuch. Reuest. Nachr." kannten. Die Verabredung -«Abfassung des bekannten anonymen Vers-Vrieses I* den Zweck desselben schildert Zmge in voller ? Einstimmung mit dem General v. Bronsart.

Zweck des Briefes war, Hrn. v. Tausch selbst l^ömbtr seiner vorgesetzten Behörde zu decken und.

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