M. 115.
Marburg
Dienstag, 18. Mai 1897.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnemenlS-PreiS bei der Expedition 2 ML, bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Psg. (exkl. Bestellgeld). JnserlionSgebühr für die gespaltene Zeile »der deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhai«.
W^mrd Verl««: S»h. An«, «oü, UniversitätS-Buchdrnckerri in Marburg, it'H' Bnmitw»rÜich für dm allgemeinen Thett: Redakteur M. Hartmann,
Redaktion und Expüsitton: Markt 21. 'WVWfflr dm »ser-tentheil: Iah. «ug. «och, beide in Marburg.
Anzeigeu nimmt «ntgegm di» Expedition dieses Blatt»«, sowie di, Annoncm-Bnreaux von Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wim; Rudolf LLLII. Iabra. Moff« in Frankfurt a. M., Berlin, München u. «oln, C. L. x) 1 tt
Dani, * La. in Frankfurt a. M., Berlin, Hanuov«, Pari«.
Die Vereinsgesetz-Novelle
Urscht durch die Art, wie die ja in der Mehrzahl hkmidlichc Oppositionspresse diese Angelegenheit wieder wsznbauschen und in ihrem Sinne auszubeuren be- M, nach wie vor die öffentliche Diskussion. Heute jpitb die Novelle im Abgeordnetenhause zur ersten Aimg gebracht und sicher an eine Kommission zur Uberathung überwiesen. Zur Entscheidung meint Ingtn Richter in seinem Organ, werde es im Ab- Ednetenhause in der Woche vor Pfingsten kommen, ab er rechnet sich 219 Gegner und 212 Befürworter r heraus. Dor Allem, denkt jetzt die Demokratie, heißt I -fj jetzt „Schreien*. Und wenn man ihre Presse zch, wenn man dazu die Zeitungen der demokrattscheren mstmnselemente um Ur. Lieber, und der Links- sietionalliberalen studirt, so könnte Jemand, der diese s - xießmache nicht längst kennt, auf den Gedanken bannen, das Ministerium Hohenlohe in Preußen tiiße das preußische Volk „knebeln* in seinem poli- zschen Leben, und deshalb müsse der Reichskanzler Mst Hohenlohe mit dem Rickertschen Annag im Seichstage gegen diesen „reaktionären* preußischen Misterpräsidenten ausgespiell werden. Solche Maaroer find aber rein egoistisch-demokratische Acttonen, richt f ü r das Volk, wie die radikalen Blätter denen, hie nie alle werden, es weiß machen wollen, erfunden, imdern lediglich zur Erschütterung der bestehenden jaien staatlichen Ordnungs-Grundlagen, zur Treibung mies Keils zwischen die Reichs- und die preußische Nietung, weil letztere, fest auf der Staats« Verfassung süßend, dem Hätschelkindc der De- mstatte und Erben derselben, der Sozialdemokratte, « wehren will, in bisher in Preußen möglicher Weise i in Vereinen und Versammlungen ihre sozial- und Mional-revoluttonären Lehren zu promulgiren!
Die Raisonnements der sozialdemokratischen Presse gegen die geplante Aenderung des Vereinsgesetzes in Nüßen zu beachten hat gar keinen Zweck. Die Aruderung ist eben ein Kampfmittel des Staats gegen die revolutionären Elemente, und die Redakteure nnh Redner der Sozialdemokratie, die jetzt dagegen schreiben und reden, find nicht etwa Vertreter der Lrlkssttmmung, sondern pme Agitatoren der iAialdemokratischen revoluttonären Partei. Wer im Staate von den Staatsbürgern, und diese alle sind «s Volk, die Ueberzeugung hat, — und das sind alle ^ttkfähigen Politiker, daß die heuttge Staats- erdmmg dem Volksheile in jeder Hinsicht besser tot, als der Unsinn, den die Bebelianer „Zukunsts-
(Nachdnrck verboten.)
Schwester Ilse.
Roman von Clariffa Lahde.
(Fortsetzung.)
Alles sprach dafür, daß Axel von Wenzelen männere Gefühle für Käthe Altwiel besaß, anderseüs hatte die Mittheilung Fran von Bellins, daß «af Wölben ihn zum Schwiegersohn ersehen habe, 161 Pastor stutzig gemacht.
Da sie ihm Vieles über die Amerikanerin erzähtt, 5 jetzt so verhängnißvoll sich zwischen Ilse und Gatten gestellt hatte, drängte es ihn, mit ihr Sprache über das Geschehene zu nehmen. Ihm ^ien es Pflicht, auch gegen Ilses direkten Willen, ’M wenigstens nicht ungewarnt in sein Unglück zu lassen. Jedenfalls wollte er Käthe zu ^the ziehen und vielleicht ihren Beistand erbitten.
Die Gesuchte» saßen wirklich unter der allen ?*®e- Käthe, den Kopf an ihren Stamm gelehnt, p Blick gedankenvoll in die duftende Feme ge- Cornteß Helene, eine nicht gerade hübsche, jugendfrische Erscheinung, neben ihr, in lebhafter Erhaltung mit Axel begriffen, der vor den beiden *?®en st, einem Gartenstuhle lehnte, den er leise •’efitnb hm und her bewegte.
^Er galt trotz seiner reservirtm Art doch sür Ar gewandten Gesellschafter, der mit Takt in jeder Ge- ^ichast den richtigm Ton zu taffen wußte. Scharf Unheil, zuweilen gar schonungslos, hatte er doch so viele Selbstbeherrschung, dornst nie an unge- . Orte hervorzutreten.
^Eluch jetzt wußte er das Gespräch ganz in den ? Denkm und Fühlm eines noch sehr jungen ^chens angemessenen Grenzen zu hallen. Als , p® Freund des Hauses, sein verstorbener Vater
staat* neunen, der hat die Pflicht, den Kampf gegen die Sozialdemokratte mitzuführen.
Wir wollen, wie schon bemerkt, allerdings auch besttmmtere Definition der im §§ 1 und 3 gemeinten „öffentlichen Sicherheit* und des „öffentlichen Friedens*; beliebige Auslegung der Bestimmungen jener Paragraphen durch subalterne Polizei-Organe können wir unmöglich billigen. Aber das läßt sich doch in der Kommiffionsberathung sicherlich wohl auch in unserem Sinne abändern. Der § 1 des Sozialistengesetzes wird viel cittrt, er lautete: „Vereine, welche durch sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische Bestrebungen den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung bezwecken, sind zu verbieten.* Die „Deutsche Tageszeitung* schlägt vor, an Stelle der strittigen Artikel 1 und 3 folgende Arttkel zu setzen:
„Art. 1. Versammlungen, welche den Bestand der monarchischen Verfassung des Staates oder die öffentliche Ordnung gefährden, können von den Abgeordneten der Polizeibehörde aufgelöst werden.
Att. 3. Vereine, deren Zweck oder Thätigkeit den Bestand der monarchischen Verfaffung des Staates oder die öffentliche Ordnung gefährden, können von der Landespolizeibehörde geschloffen werden.*
So ober ähnlich wird man doch wahrlich im Stande sein, eine präcisere Definition obiger, in der Novelle gemeinter Dinge zu geben. Hierüber ist nach unserer Ansicht nachzusinnen, und es ist dem Volke absolut gar kein Zweifel darüber zu lassen, daß es endlich durch die Novelle von den Volksverhetzern und Unzufriedenhests - Aposteln befreit werden soll. Diese Freiheit ist wahrhaftig tausend Mal mehr werth, als diejenige angebliche Freiheit, die ein Bebel und Liebknecht nebst den Vorfrüchten der Sozialdemokratie predigen.
Zum Schluß noch Eins; die demokratische Presse beutet eine Idee ihrer geistigen Führerin in Frankfurt a. M. aus, der „Frkftt. Ztg.', welche zu dem Aendemngs-Entwmfe sagt:
„Mk gut ttisft flch's doch, daß der Vater des Entwurfs, Freiherr v. d. Recke, erst in der jüngsten Debatte den liberalen Bauernverein „Rordost* in einer Weife als friedenstörend bezeichnet hat, daß Jedermann jetzt de» Eindruck haben wird, daß auch dieser Verein nach der Meinung des Ministers dem Schwerte dieses neuen Vereins- und VerfammlungSrechteS verfallen würde!*
Der liberale Bauernverein „Norbost", eine Rickert'sche Schöpfung,' die wir nur zu gut in ihrem Zwecke kennen, wird niemals Positives leisten und dem Bauernstände nie nützlich sein können, aber in gewisser Beziehung kann er gefährlich werden durch Verhetzung der Landwirthe gegen einander.
war Studiengenosse des Grafen Wolden, seine Mutter noch entfernt verwandt mit der Gräfin gewesen, hatte er vielfache Anknüpfungspunkte mit der jungen Comteß. Man sprach von Diesem und Jenem aus der Gesellschaft, wagte wohl auch einen Staifzug in die Kunst und Literatur, ohne fich ftgendwo zu verttefen oder auf ernstere Fragen, wie er sie mit Käthe zu behandeln liebte, einzugehen.
Der Pastor wurde von den jungen Damen lebhaft, von Axel höflich bewillkommet. Man rückte ihm einen Stuhl hin und bat ihn, Platz zu nehmen, was er indessen ablehnte. Er habe nur Comteß Helene begrüßen wollen, die er schon beim Seron Tennis vergeblich gesucht habe.
„Wttd schon gespielt?* fragte sie.
„Man hat eben begonnen, ich glaube, Sie wurden vermißt.*
„Wirklich? Ja, ich habe versprochen, mitzuspielen und spiele ja auch sehr gerne."
„Darf ich Sie hingeleiten?* fragte Axel aufspringend und bot der jungen Dame seinen Arm.
„Und Sie?* fragte sie, ihn mit leisem Erröthen annehmend.
„Sie wissen, ich spiele nie.*
Er war schon vorwärts geschritten, in einiger Entfernung folgten der Pastor und Käthe.
Diese hatte sogleich des würdigen Herrn Absicht verstanden und sah ihn gespannt an.
„Sie haben mir etwas zu sagen, Herr Pastor?* „Errathen Sie es? Nun ja, und ich bin froh, daß eS mir so rasch gelungen ist, Sie allein zu sprechen. Sie wissen vielleicht schon, daß Ilse zurück- gekehr: ist, allein, ohne Gatten, und in das Haus der Mutter?*
„Ich hörte davon und war erstaunt."
Wetter kann er nichts erreichen und das ist auch wohl fein „idealer Lebenszweck.* Ein Verein, der Gutes zum Theil nicht erreichen kann und zum Theil nicht will, der blos kleine Besitzer gegen die großen aufhetzen will, ist offenbar staatsgefährlicher Natur und bedroht in eminenter Weise den öffentlichen Frieden. Das hat der Minister Frhr. v. d. Recke auch mit staatsmännischem Blick wohl eingesehen und deuttich ausgesprochen. Wir find garnidjt so engherzig, daß wir nicht auch gegen Vereine von anderer Tendenz tolerant sein würden, wenn wir einsähen, daß sie wirklich Nützliches förderten und beabsichtigen. Ein Verein dagegen, der nur Hader und Streit ftiften, einen Nachbarn gegen den andern aufroregeln will, der überall das Gift des Klaffenhasses ausstrenl, den Neid und die Begehrlichkeit gegen größere Besitzer wachrnfi, ist unbedingt zu verwerfen. Die Herren Demokraten, die ihn protegiren, laden eine schwere Schuld auf sich.
Um die Hetze gegen die Vereinsgesetz - Novelle möglichst in ihrem Sinne auszubeuten, haben auch hiesige Demokraten eine öffentliche Dolks- versammlung für heute Abend in das 6af6 Ouentin in Marburg einberufen. Sie hoffen, es würde ihnen durch Befürworter der Novelle dort besondere Gelegenheit zum Spektakel und den üblichen Beleidigungen gegeben werden. Wir unsererseits haben den Glauben, daß es besser ist, den Einberuser», soweit sie und ihre Hörer Interesse an unserer Ansicht haben, zu empfehlen, den heutigen Leitarttkel der „Oberhessischen Zeitung" recht ohne Voreingenommenheit durchzulesen. Da haben sie unsere Ansicht, die durch den Ton, den die Demokratte hier in Versammlungen dem Gegner gegenüber anzuschlagen Gelegenheit sucht, nicht geändert werden kann. Wir sind und bleiben der Meinung, daß nun und nimmermehr reaktionäre Neuerungssucht, sondem allein das dringende Be- dürsniß zur Feststellung und Verstärkung der staatlichen Machtmittel für die Forderungen der preußischen Regierung, die wir ja auch präciser gefaßt sehen wollen, maßgebend gewesen ist. Sie verlangt nur dasjenige Maß von Schutzbefugvissen, das andere Bundesstaaten, wie Bayern und Sachsen, schon seit lange besitzen. Man lasse sich daher durch d e m a g o g isch e S ch I a g wör t er nicht beirren. Ein unbefangenes Urtheil, das die That- sachen zu würdigen versteht, kann und roirb dem Vorgehen der Regierung schließlich feine Billigung nicht versagen.
„Wissen Sie auch, wer die direkte Ursache davon ist?"
„Adeline Graham, wie ich voraussetze."
„Wie, Sie haben also auch schon davon gehört?"
„Auch davon, lieber Herr Pastor, die Welt ist so klein —"
„3a, ja, ich erinnere mich jetzt, auch Bruno sprach davon, daß irgend Jemand der Dame in Italien begegnet sei und sie von Ihrer Absicht gesprochen habe, nach Korfu zu gehen."
„So ist es, und als ich das hörte, habe ich mir sofort Alles zusammengereimt. Sie ist wirklich eine Sirene, diese schöne Adeline, wie ich ihr BUd getauft habe, und wenn sie will, gelingt ihr bei Männern Alles."
„Sie denken sehr klein von unferm Geschlecht. Ich meine doch —*
„Daß es Ausnahmen giebt, gewiß, Herr Pastor; aber Wolf von Menzelen gehört sicher nicht zu diesen Ausnahmen!"
„Sie wollen damit doch nicht sagen, daß Sie ih» für rettungslos verstrickt in die Netze dieser Zauberin halten?"
„Das glaube ich allerdings."
-dlch, und ich hoffte so sehr anf Ihren Beistand, Fräulein Käthe. Wenn Jemand, so könnten Sie ihn warnen —"
„Warnen, wovor? Was geschehen ist, weiß er, auch, was sie ihm angethan hat."
„Ihm angethan?"
„Nun ja, auch mit ihm hat sie ja gespielt, ihn bis zur Leidenschaft gereizt, um ihn bann mit ber Nachricht zu überraschen, baß sie schon mti Axel verlobt sei —"
Der Pastor schüttelte ben Kopf.
„Und dennoch, dennoch, es ist unbegreiflich!"
Umschau.
In unserer Provinzialhauptstabt Cassel tagte am Sonnabenb bie X. Generalversammlung ber beutschen Fahrbeamtenvereinigung. Sie hat für ihre Steibekasse unb bie Hinterbliebenen ihrer Mitglieder mit großer Mehrheit beschlossen, die Beiträge auf jährlich 9 Mark festzusetzen und zwar sollen im Juli 3 Mk., an den übrigen Quartalen je 2 Mk. erhoben werden. Den hohen Staatsbeamten, die in der Versammlung erschienen, gegenüber bemerkte der Vorsitzende, ihre Anwesenheit ehre nicht nur bie heuttge Generalversammlung, sie ehre baS gesummte deutsche Eisenbahnpersonal von der Weichsel bis über den Rhein, und ec bringe den hohen Herren daS Dankgefühl von 11 200 Fahrbeamten aus allen Theilen Deutschlands zum Ausdruck. Hierauf erhob sich Se. Excellenz Herr Oberpräsident Magdeburg und hielt etwa folgende Ansprache:
„Meine Herren! ES gereicht mir zu großer Freude, der Einladung Folge geleistet zu haben. Bisher habe ich Ihren Stand nur von der dienstlichen Sette kennen gelernt. Heute lerne ich Sie auch kennen von der Sette, die Bedacht nimmt für das Haus und Familie. Auf d, m Boden des Familienlebens, wo Sitte, Zucht und Ordnung herrscht, beruht der Geist der gesellschaftlichen Ordnung. Trennen Sie sich nicht von dem Geiste, der Sie jetzt beseelt, und hiermit nehmen Sie meine herzlichen Wünsche entgegen für das Wohl Ihres Standes und Ihrer Familie."
Wir geben hier auch noch die Ansprache wieder, welche Herr Eisenbahndireftionspräsident Ulrich hielt, nachdem der Casseler Vereinsvorsitzende Herr Gebhard fich gedrängt gefühlt, die liebevolle Fürsorge hervorzuheben, mit welcher Herr Direkttonspräfibent Ulrich für feine unterstellten Beamten und Arbeiter eintritt, „ihm sei hier, so sagte Herr Gebhard, besonders herzlicher Dank abgeftatiet. Unserer Pflicht eingedenk, werden wir stets die ersten sein, wenn eS gilt für Kaiser und Vaterland einzustehen, denn, ehe eine militärische Aktion beginnen kann, wird die Eisenbahn bemüht sein müssen, ihre völlige Schuldigkeit zu thun." Hierauf entgegnete Herr Eisenbahndirekttonspräsident Ulrich- Cassel, daß er diesen Dank für seine Person nicht annehmen könne, er habe noch nicht so viel thun können, als er gewollt. Er habe «s bei seiner Hierherkunst vor zwei Jahren für selbstverständlich gehalten, alle unterstellten Beamten und Arbeiter als Kollegen und Mttarbeiter zu bewachten (Bravo), er bewacht» sich nicht nur als der Vorgesetzte der Untergebenen im disziplinarischer und administrattver Beziehung, sondern auch als ihr Freund und Berather. (Stürmische, lang auhattende Bravorufe.) Wenn die höheren
„Sie wird ihn zu überreden gewußt haben, daß fie die Verlobung mit Axel nur aufgelöst habe, weil sie chn liebe. Und doch that fie es sicher nur, weil Axels Hoffnungen auf bie Erbschaft durch Wolfs Heirath ihr vernichtet erschienen."
„Und nun spekulirt sie auf Wolf, trotzdem er bereits vermählt ist?"
„So roirb es wohl sein. Wovor scheute eine Dame zurück, bereu Lebensziel unb Zweck darin besteht, Mämterherzen zu erobern unb sich anbeten zn lassen."
„So beurteilen Sie biefe Miß Graham, unb wollen Wolf doch nicht warnen?"
„ES wäre ganz vergeblich, wenn ich es täte, Herr Pastor. Auf Warnungen hört die erregte Leidenschaft niemals. In solchem Falle kamt nur noch die eigene Erfahrung wirken, und diese kommt gewöhnlich zu spät, wie bei meinem Vetter Axel.*
„Doch nicht zu spät! Es war ja ein Glück für ihn, daß aus ber Heirath nichts geworben ist."
„Das wohl! aber was er innerlich babei ein« gebüßt hat, wie Manches feitbem anders in ihm geworden ist, das weiß ich am besten."
Man »ar in der Nähe des Schlosses angelangt."
„Sie haben also keinen Rat?" fragte er noch einmal hastig leise.
„Einen Rath nicht, doch lassen Sie un8 hoffen, daß Wolf die Erkenntniß von selbst kommen werde, durch Andere wwd er fie nicht gewinnen. Darf ich denn Ihre Ilse kennen lernen ?"
„Ich hoffe, daß sie fich in kurzer Zeit so »eit erholen roirb, um ein Zusammensein in meinem Hause mit Ihnen ermöglichen zu können."
„Aber halb, lieber Herr Pastor, benn ich reife in ben nächsten Tagen."
(Fortsetzung folgt.)