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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhai«.
3«h Au» «och, UnikrsitätS-Buchdruckerti in Marburg, BrrautworSich für kn allgemein«» TM: Redaktrur M. Hartmann,
Rrdavdm «L Exprdition: Markt 91. VVHIHUyPVIUlU für kn Mi-tmthoU- Zoh. Ang. Koch, kik in Marburg.
M 112.
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Marburg
Freitag. 14. Mai 1897.
Anzeigen nimmt entgegen bk Expedition dieser Blatter, somi« di« Annoncm-Bnreaui von Haafrnstrin & Bögler in ____w Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXII. Iabra. M-ff« in Frankfurt o. M., Berlin, München u. Köln, C. 8. '
Duub« «Co. in Frankfurt a. M., Brrlin, Hamrov«, Pari».
98rviers Beleidigung Frankreichs.
p. AlS der Präsident der französischen Republik, hta Faure dem TrauergottcSdienst für die Opfer Xi Bazar - Brandkatastrophe in Paris verließ, sagte a zu einem französischen Würdenträger über die in Xi Notrc-Dame-Kirche soeben angehörte Predigt: zch fühle mich verletzt als Mensch
als Franzose." Gehalten hatte diese zredtzt ein Dominikaner-Pater Ollivier. Ihr Inhalt # etwa folgender:
Ollivier kschreibt den Engel des TokS, der seine Mml gleichmäßig ausbreitete über di« Wappenkione -rimkeichs (mit Bezug auf die Herzogin von illengon), «eie« Kopftuch der Nonne, kn Blumenhut der Zung- !«, den Trauerschleier der Wittwe und die bescheidene Mbedcckung der Dienstmagd. Alle versammelte es zur Mu Hekatombe .Wehhalb', so fragt P. Ollivier den HM des katholischen Frankreichs, »hast Du UNS so ge- chla-en, uns, die wir doch Dein kvorzugtes Volk waren?" La P. Ollivier, statt sich demüthig vor kt Unerforscht ch- •tü der göttlichen Beschlüffe zu beugen, hebt, wie er sagt, M Schleier auf" und finkt, daß die Züchtigung eine verdiente ist, weil Frankreich, statt au der Spitze Ui christlichen Gesittung einbeizuschreiten, bk Sklavin von zchrrn geworden ist, die seinem Genius und se ner Taufe «dntzresten; Frankreichs Name ist daher gleichbedeutend eit Thorhe t und Undankbarkeit gegen Gott geworkn. ,8oi fiinfundzwanzig Jahren schlugst Tu Frankreich auf tat Haupt und warfst auf das Schlachtfeld eines doppelten fctegeä (des deutsch - französischen und deS Kommune-Auf- ßmdeS) Soldaten und Priester, Finanzleute und Gelehrte, tzaadwerker und Beamte, Matrosen und Arkiter. Damals, i!t wir die blutigen Reste dieser lobten hier in dieser Mika um den Sarg des Erzbischofs riederlegten, hatten «: das Recht, zu hoffen, daß Deine Barmherzigkeit uns Üt Thore der Zukunft öffnen werde. Indessen bk Sühne mi nicht ausreichend: die reinsten Opfer fehlten dem Halokanst. Zwar hatten bk stolzen und süßen Frauen, ter« Väter, Söhne, Gatten und Brüder ihr Blut für das kterland vergossen, schwer gelitten. Aber eS scheint, als »um Gott «8 ihnen ükl angerechnet, daß sie nur Thiineu und Bitten hergaben. Bei unS haben seit un- »rdenklichen Zeiten die Frauen einen männlichen Geist. Sei» Opfer ist ihr Antheil e. enso schön, wie der ihrer rihue und Gatten; daher hatten sie von ihrem Blut et» wenig in die Opferschale beizusteuern. Gott aber konnte ie nicht zu dem Kesseltreiben verurtheilen, von km der Mwäitige Krieg und der Bürgerkrieg ihnen ein trauriges Ssbeden hinterlassen. Einen solchen Gedanken könnten wir ficht ertragen, so groß auch unser Glaube an die göttliche Aesthest ist. Aber — und das hat Gott nun gethan — er konnte unter ihnen die reinsten und heiligsten wählen «d sie im Tode den Opfern deS Krieges beigesellen ob so die Sühne, dk uns die Hoffnung gewährleistet, wkwdeu. Du wußtest, daß Du von ihnen das Opfer ihres Gebens verlangen konntest, und, in unsäglichem Erbarmen, Nil du sie beim Wort genommen, aber ohne ihnen die Zeit !? lasten, sich auf das, was ihnen lieb war, zu besinnen, vierbrn war ihnen nicht schwer. Aber wer hätte, ohne zu
(Nachdruck verboten.)
Schwester Ilse.
Roman von Clariffa Lohde.
(Fortsetzung.)
. »Schütte mir nur Dein bekümmertes Herz aus," M der Pastor zu Ilse, „und daun laß uns erst ob die Sache, die Dich so sehr betrübt auch »Älich so schlimm ist, wie sie Dir jetzt erscheint."
Ihre Hände in die seinen nehmend blickte er ihr Mbrehmend in's Auge.
»Es ist Alles aus. Alles zu Ende," kam es von ihren Lippen.
.Was ist aus?" ftagte er milde. „Ist etwas ^'chen Dir und Deinem Gatten vorgefallen?"
Sie nickte, und ihren Kopf anf'S Neue in seine Schulter legend, erwiderte sie thonlos:
.Wir haben uns für immer getrennt."
, . »Hoho!" schrie der Pastor auf. „Das geht
. "^t so leicht, wie Du denkst. Ehen lassen
<3 so ohne Weiteres nicht heute schließen und nach Jahr — und es ist noch kaum ein Jahr her. Du des Barons Frau geworden bist — wieder WJ.*
«Und doch muß es sein, Herr Pastor. Ja, ich 7® es auch, die das entscheidende Wort dabei ge- ^»cheu hat."
| -Du — und aus welchem Grunde?"
^»Weil zwischen mir und ihm eine andere steht, £ Andere, die er liebt während er mich nie, nie wird."
Suf’ä Neue brach sie in Schluchzen aus, der iJ,02L faßte beruhigend ihre Hände und ließ sie Weile gewähren; daun sagte er ernst:
. »Das klingt freilich schlimm, mein armes Kind; P* berichte mir erst Genaueres, vielleicht urtheilst
zittern, denken können an den Schmerz, der unter so vielen, die ihnen thener, burch ihren Tob entftonben wäre! Du haft ihnen ben Ran» bes Todesbechers versüßt, du hast ihnen nicht gestattet, vor dem Blitze zu zittern!" Vor dem Grabe, das alle kdeckt, so schließt in völlig unverständlichen Optimismus der Prediger, werde der Klaffenhab verschwinden. Die Opfer vom 4. Mai vergleicht er mit Jeavne d'Aic auf dem Scheiterhaufen und ruft der Traner- gemeinde zu: „Vergeßt nicht das Vaterland und zwingt CH istus, den König der Franken, im Frieden seines Reiches diejenigen zu versammeln, die mau von km Reiche zu trennen gesucht hat, damit es hinfür nur noch ein einziges, gegen all feine Feinde durch die Einheit im Glauben unbesiegbares Frankreich giebt."
Auf den Straßen von Paris am Tage nach der Trauerfeier wurde in Notre-Dame P. Oüiviers Rede von den Kolporteuren als „Skandal in Notte-Dame" und „Sacrileg des Paters Ollivier" ausgecufeu. Nach obiger Rede des Paters ist Gott zunächst ein Franzose, der Gott der Franken — was allerdings ein-, alte Anschauung ist —, der Frankreich ob all der Dinge zürnt, die jetzt sich in der dritten Republik breit machen. Er hat daher über Frankreichs Männer den Krieg von 1870 und über die Frauen den Feuertod am 4. Mai 1897 verhängt, und zwar letzkern, indem er sich die reinsten uud helligsten aussuchte. Er betraut diese jetzt mit der Revanche- Idee im Himmel; sie sollen Christus dort zur Wiedervereinigung Elsaß-Lothringens mit Frankreich zwingen. Pater Ollivier bestätigt auch selbst den beabsichtigten poetischen Charakter seiner Predigt. Ec habe gerade angesichts des Staatshauptes, der Gesetzgeber und der Beamtenhierarchie betone« wollen, daß Frankreich seit 1870 seine religiösen Traditionen aufgegeben habe; indessen habe er weder auf die armenischen Gräuel auspielen wollen, noch habe er an die preußische Generalsuwiform des Fürsten Radziwill vor ihm gedacht, als er von den Niederlagen 1870 gesprochen habe.
Da es sich nun nicht leugnen läßt, daß gerade viele gute Katholiken sich durch Ollivier beleidigt fühlen und der „Eclair" z. B. erklärt, der Kirche werde diese Predigt thener zu stehen kommen, so schrieb der Kardinal-Erzbischof Richard in Paris an Präsident Faure Folgendes:
.Herr Präsident der Republik! Ich kann diesen großen Tag nicht vorüber gehen laflen, ohne Sie zu bitten, ben Ausbiuck meiner lebhaften Dankbarkeit entgegen zu nehmen für bie Huldigung, welche bie Regierung ber Republik ben Opfern ber schmerzlichen Katastrophe, bk Paris, Frankreich, ja ganz Europa so tief erregt, hat barbringen wollen. Jnbem wir in Notre Dame um Sie, Herr Präfibeut, bie Mitglieber Ihrer Regierung, bas Parlament, bie Magistratur, bie Aimee, alle öffentlich n Gewalten vereinigt sahen, waren wir mitten in unserm ungeheuren Schmerze getröftet Um bie Reste ber töpfern Frauen, bie in der Ausübung ber
Milbthätigkeit gestorben sind, hat Frankreich selbst sich einig, stark und groß etngefunben, in ber Gemeinschaft kr gleichen Thronen nnb der gleichen Gebete. Erlauben Sie mir auch, Herr Piäfibent, dem biplomattschen Korps, bas in so ebler Weise sich unsrer Trauer beigesellt hat, die Hulbigung unserer tiefen Dankbarkeit auszudrücken Die Feier in Notre Dame wirb, ich bin bavsn fest überzeugt, einen Markstein Silben: den ber Einigung Aller in ber Ergebenheit gegen baS Baterlanb. Da« ist auch ber theuerfte Wunsch Leo's XIII., von dessen Lippen ich soeben den Ansdrnck seiner unerschütterlichen Anhänglichkeit an Frankreich vernommen habe. Die heiligen Seelen, die wir beweinen, roerkn mit unS an diesem gemeinsamen Werke arbeiten. Das Unglück, Herr Präsident, hat alle franzöfischen Seelen geeinigt; kein Zwiespalt wird sie fortan trennen. Ich bin mit tiefem Respekt, Herr Präsident der Republik, Ew. Excelleuz unterthänigster und gehorsamer Diener f Franz Kardinal Richard, Erzbischof von Paris.
Nach der Predigt des Pater Ollivier muß allerdings die angebliche Einigung aller französischen Seelen ganz extra hervorgehoben werden, sonst glaubt man sie eben nicht. Hier soll Herrn Richards Wunsch Herrn Olliviers Unklugheit vergessen machen. Das wird bei den Franzosen schwerer gelingen, als es der Kirche zu wünschen ist.
Umschau.
Die Rede des Herrn Ministers des Innern Frhrn. von der Recke int Abgeordnetenhause am 11. Mai hatte nachstehenden Wortlaut:
„Meine Herren! Ich bedauere es, daß der Herr Abg. Rickert in seinem, ich möchte fast sagen jugendlichem Ungestüm sich dazu hat verleiten lassen, einige Stürme im Glase Wasser der Provinz Pommern (Oh! oh! links) zu Cyklonen auSzngestalten, welche angeblich geeignet fein sollen, die ganzen verfassungsmäßigen Grundlagen in dieser Provinz über den Haufen zu werfen. Ich glaube, es wäre umsomehr angezeigt gewesen, diese Sache mit vollster Ruhe und Objektivität zu behandeln, als, wie sich doch nicht leugnen läßt, der Herr Abg. Rickert hinsichtlich einer Reihe von Fällen Partei ist. (Sehr richtig! rechts.) Denn ihm selbst sind ja einige derartige Vorfälle be gegnct. Ich werde mich meinerseits bemühen, mit desto größerer Objektivität die Sache hier ganz kurz zu beleuchten.
Meine Herren, der Herr Abg. Rickert macht, wie es scheint, dem Herrn Landrath des Kreises Stolp hauptsächlich einen Vorwurf daraus, daß er es überhaupt gewagt hat, eine Aktion gegen den hier schon so ost genannten Verein „Mord ist" zu unternehmen. (Zuruf links.) In dieser Beurtheilung weiche ich von ihm ab. (Bravo! rechts.) Nach meiner Meinung
Du doch härter über Deine» Manu, als nöthig ist. Wer ist denn diejenige, die sich zwischen Dich uud ihn gedrängt hat?"
„Seines Vetters ehemalige Braut, die schöne Miß Graham."
Noch ernster wurde des Pastors Gesicht:
„Diese? Um des Himmels willen, sie hat doch nicht etwa die Kühnheit gehabt. Euch nach Korfu nachzureisen?"
„Ja, sie kam, ihres Sieges gewiß, der selbstverständlich auch nicht ausgeblieben ist."
Und mtt fliegendem Athem erzählte fie die Vorgänge der Osternacht m der Kathedrale von San Spiridion.
„Das ist stark, sehr stark," rief der Pastor der aufmerksam mtt gespanntestem Interesse ihrer Mittheilung zugehört hatte. „Dennoch, um offen zu sein, Mrchte ich, Du bist zu rasch gewesen, mein Kind, hast den leidenschaftlichen Einflüsterungen der Eisersucht zu sehr Dein Ohr geliehen."
„Meiner Eifersucht?"
„Wie willst Du es anders neunen, Kind! Und ist es nicht natürlich, wen» Du Deinen Gatten liebst, daß Du eifersüchtig bist auf jene Sirene, wie Fräulein Altwiel fie in ihrem Bilde genannt hat, die Dir sein &er$ entreiße» will? Die schöne Amerikanerin muß ja eine ganz gefährliche und abenteuerliche Person sein, die überdem ihre Netze nicht allein nach dem Herzen, sondern allem Anscheine nach mehr noch nach dem Reichthum eines Mannes auszuweisen scheint, der ihr helfen soll, ihr Verlangen nach Glanz uud Genuß zu befriedigen."
„Ich dachte, fie wäre selbst sehr reich," wars Ilse aushorcheud ein.
„Im Gegenthett, fie hat als Grund ihrer Absage an den Assessor von Wenzelen den Verlust ihres
Vermögens angegeben, und was das Aergste ist, fie hat es nicht einmal für nöthig befunden, ihr Porttät, das fie selbst bestellt hat, Fräulein Altwiel, von der fie weiß, daß sie auf die Erttägnisie ihrer Kunst angewiesen ist, zu bezahlen. Wer weiß da, ob nicht auch ihre Liebe zu Deinem Gemahl nur gespielt ist, um sich den reichen Mann zu sichern "
„Nein, nein," unterbrach ihn Ilse mtt traurigem Kopstchüüelu, „fie liebt ihn. Das laS ich in ihren Augen, die mit ben feinen in gleicher Leidenschaft sich begegneten."
„Verzeihe, wenn ich Dir darin kein unbedingtes Uriheil zuttaue. Du bist zu unerfahren, um solche Verstellungskünste durchschauen zu können. Jedenfalls, wenn Du eine wirkliche Liebe für Deinen Gatten hegst, wie Du mir ja zugestanden hast, hättest Du ihn nicht verlaffen sondern ihn davor zu bewahren suchen sollen einem frevlen Spiel zum Opfer zu falle». Man sagt den Amerikanerinnen, besonders denen, die hier in Europa, wie jene Miß Graham, auf der Jagd nach einer guten Parthie sich befinden, viel Kühle und Berechnung nach. Das ganze Verhalten dieser Dame scheint mir verdächtig. Ist es nicht möglich, daß fie Anfangs nur darum dem Assessor ben Vorzug gegeben hat, wett fie ihn für reich hielt, und ihn fallen ließ, als seine Aussichten auf Reichthum durch das Testament des Onkels und Wolfs Heirath zerstört wurden? Und einem Manne nachzureisen, von dem fie weiß, daß er durch heilige Bande gefeffelt ist, daß er nächst Gott seine Genesung von tödtlichem Leiden zumeist der Gattin treuer Pflege verdankt, ihre Macht an ihm von Steuern zu üben, wie frivol und nnver- wcrflich! Glaubst Du denn, daß ein flatterndes Blatt im Winde ist, glücklich, ja auch nur zufrieden machen könne? ®in Rausch wirds sein, ein kurzer,
ist der Landrath nicht nur dazu da, Steuern einzuschätzen, Aushebungen und sonstige Geschäfte zu vollziehen, sondern es ist sein Recht und seine Pflicht, allen Bewegungen im Kreise auf politischem und sozialem Gebiet genau nachzuforschen und sich zu überlegen, was er derartigen Bewegungen gegenüber, wenn sie ihm gefährlich scheinen, zu thun hat. (Bravo! rechts.) Ich muß deswegen grundsätzlich das Recht für den Landrath in Anspruch nehmen, in derartigen Fällen dasjenige zu thun, was er im Interesse der guten Sache (Zuruf links: gute Sache!) als Beamter für erforderlich erachte. (Bravo! rechts.) Das schließt ober garnicht aus, meine Herren, daß ich in den vorliegenden Spezialfällen auf einem anderen Standpunkt stehe. (Sehr richtig! rechts.) Es liegt mir durchaus fern, mir die Aktton des Landraths und die Ausdrücke, die sich in den einzelnen Schreiben finden, anzueignen; ebenso wenig bin ich in der Lage, alle diejenigen Ausführungen, die sich in der gehaltenen und nicht gehaltenen ober publizirten Rede finden, hier zu vertreten. Meine Herren, ich mache daraus gar kein Hehl, und ich glaube auch, daß dem be- tteffenden Beamten bereits nach dieser Richtung hin das Erforderliche eröffnet worden ist. Sollte das noch nicht geschehen fein, so wird cs sicherlich noch erfolgen.
Ich habe dem Herrn Abg. Rickert ferner zu bestätigen, daß ans dem Stolper Wahlkreise und auch aus anderen Kreisen eine Reihe von Beschwerden über angebliche unrichtige Auslegung und Handhabung des Vereinsrechts an mich gediehen find, theils auf schriftlichem Wege, theils telegraphisch. Nun ist das für mich sehr schmeichelhaft, wenn man sich aus einer Versammlung direkt an die höchste Verwaltungsstelle wendet, aber praktisch und zweckmäßig ist das sicher nicht; denn man wird nicht von mir verlangen können, daß ich ohne Kenniniß ber thatsächlichen Verhältnisse sofort eine Entscheidung tteffe. (Sehr richtig! rechts.) Es bleibt mir also nichts Anderes übrig, als daß ich diese einzelnen Beschwerden derjenigen Instanz übermittele, die darüber nach den bestehenden Gesetzen zu entscheiden hat. Es ist das auch in diesen Fällen geschehen, es ist, soviel ich weiß, auch schon von einzelnen Stellen Entscheidungen getroffen worden. Es wird also abzn- toorten bleiben, wie endgiltig entschieden wird. ES ist aber nicht richtig, wenn der Herr Abg. Rickert mir imputirt, daß ich es bei diesem Verfahren belasten hätte. Ich habe gerade deswegen, weil eine größere
nur zu rasch verfliegender Rausch, nach dem er sich elender fühlen wird als je vorher. Was ihm fehlte von seiner Jugend an, .das war die sichere Hand der Liebe, die ihn milde uud doch bestimmt zn leiten versteht. Verhätschelt, vergöttert durch eigenartige Verhältnisse in eine schiefe Sage gebracht, die der Knabe, wie er mir bei meinem Besuche in Gattersberg vor Eurer Vermählung bekannte, schon schmerzlich empfand, find mit seinen liebenswürdigen Eigenschaften auch alle Fehler hochgeschosten und haben daS Gute fast überwuchert, Kraft und Willen gelähmt. Du gerade, mtt Deinem festen und doch sanften Wollen hättest feine Helferin und Heilerin werden können. Das glaubte und hoffte ich, als ich Euren unter so feltfamen Umständen geschloffenen Bund einsegnete. Und nun hast Du selbst Alles zerstört!"
„Konnte ich denn anders?" rief fie schmerzlich, ihre Hände flehend zu ihm erhebend. „Durste ich meine Frauenwürde so verletzen laffeu? Und hätte ich das auch über mich vermocht, glauben Sic doch mir, es wäre dennoch vergeblich gewesen."
„Vielleicht; aber Du hättest auf alle Fälle abwarten sollen. So hast Du ihm einen Schein des Rechtes für seine Handlungsweise verliehen."
„Mag es brum sein. Die ungeliebte Frau muß ber geliebten weichen."
„Auch ber unwürdigen? Das meine ich doch nicht. Indessen, was geschehen, ist nicht zu ändern. Du hast ihn frei gegeben, und kehrt et nicht von selbst zu Dir zurück, so hast Du keine Macht mehr, ihn zu halten."
„Dessen bin ich mir völlig bewußt."
(Fortsetzung folgt.)