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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
S»h. «»» K°-h. Univerfitäts-Buchdruckeni in Marburg, Bnmrtw-rtlich für den aügtnutatn Thril: Redattarr R. Hartman»,
Rtdaktio» mck Expedition: Mark 21. VVIHIlU|pVlUlh für dm HU«atmthM- J-h. Ang. «och, bald« l« Marburg.
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Erfchcint täglich nutzer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeil« •bei deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Sonntag, 25. April 1897.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieser Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasmsteiu & Vogler iu Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wim; Rudolf LLLll. ftobra. Moste in Frankfurt a. M„ Berlin, München u. Köln, C. 8. B
Daube LSo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
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[2$ Evangeliums, die durch die ganze Welt verbreitet
Sounenlichte lebt und webt, das seine Strahlen auch in die Kammern und die Winkel und in die dunklen Stifte sendet, so find es die Lichtstrahlen des
mb, die das wahrhaft Gute in Menschenworten und Werken geweckt, hervorgerufen und gefördert haben.
Die Feier der Einsegnung, die jetzt wieder stattfindet in Dorf und Stadt, bedeutet einen gewissen Abschluß dieser jugendlichen Saatzeit. ES ist eine «schätzbare Wohlthat, wenn die Macht der christ- Üchen Sitte bewirkt, daß fast ausnahmslos jedes khristenkind im Konfirmandenunterricht für längere Zeit unter die besondere Wirkung des Wortes Gottes dmmt. Wieviel dabei durch Gottes Wort und Gottes
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Lager lohet astig
Der Frühling ist die Zeit der Saat. Jetzt E streut der Landmauu den Samen auf das Land, gartet auf den Segen von oben, auf Regen und Sonnenschein, und hofft »ach der mühevollen Arbeit Säens auf den Lohn einer reichen Ernte. — jjit Jugend, der Lebensfrühling, ist auch die Zeit
ter Saat. Eltern und Lehrer find dazu gesetzt, gute» Samen in die empfänglichen Herren der Jugend zu streuen. Die Aufgabe und die Verantwortung ist groß, denn die Eindrücke des Elternhauses und der Zagendzeit, die guten und die bösen, hasten fest für ganze Leben, und der Ertrag deS Lebens bringt es an bett Tag, was einst in der Jugend gesäet war.
Welches ist der gute Same, den wir säen solle»? Die Bibel sagt: „ES ging ein Säemann aus, zu äen seinen Samen. — Der Same ist das Wort Gottes/ Alle wahrhaft gute Saat, die in Menschenherzen gepflanzt und gepflegt wird, die nll heranreist zu edlen Früchten, kommt zuletzt allein
igi5l aas dem Worte Gottes. Wie alles Lebendige im
>aI{ ( Seist in den jungen Herzen ausgerichtet wird, daS [13 «ehr ist, als eine flüchtige Bewegung, weiß Gott anblii allein. Viele Samenkörner mögen wohl auf bett MM Weg oder auf den Fels gestreut, tobt und unfruchtbar । e im Gedächtniß liegen bleibe», aber anch sie mögen «>ch später, unter Gottes Rege» und Sonnenschein keimen, wachsen und Frucht bringen, wie die Er-
=~v') sahrmlg gar manches Mal gezeigt hat.
Kindesglanbe kann noch nicht Mannesglaube sein, noch nicht durch viel- fällige Lebenserfahrung und Erkenntniß des eigenen Herzens versucht, verttest und befestigt. Die Zeit der Einsegnung ist die Zeit der Berufung, wo die junge Seele den Herrn vernehmen soll: Komm her zu mir! Ihr dazu zu verhelfen, daß sie willig und steudig sich entschließe, diesem Rufe zu folgen, ist die Aufgabe deS Seelsorgers — aber auch des Hauses. Mögen wohl bewußt bleiben, daß nicht Nebensache» — der Austritt aus der Schule, der Einttltt in die Gesellschaft, die Gaben der Verwandten — für fie selbst und für die Konfirmanden unvermerkt gut Hauptsache werden. Hier heißt eS bete», für die Kinder und mit bett Kindern, vorher und nachher, damit die Feier der Einsegnung der jungen Seele und der ganzen Familie einen bleibenden geistlichen Segen bringe. Denn das ist die Krone des Familenlrbens, wenn die natürliche Liebe geheiligt wird zur christlichen Liebe und die BlutSgemeinschast sich verklärt zur Glaubensgemeinschaft.
Umschau.
In vielen Beschwerde» an die Presse wird laut „Köln. Ztg." zu der Veranlagung der Ergänzungssteuer geradezu behauptet, daß bei fehlender Vermögensanzeige die Veranlagungskommisfionen die Eivzuschätzenden blindlings von Jahr zu Jahr oder jetzt von zwei zu zwei Jahren in die Höhe schätzten, um dieselben dadurch mittelbar zur eigenen Vermögensanzeige zu zwingen. Es hält für die Presse schwer, in den Einzelfällen die Berechtigung dieser Beschwerden beweiskräftig festzustellen. Bei der großen Anzahl dieserBeschwerde» können fie abernichtohneGrund fein. Ist das der Fall, dann tragen wir keine Bedenken zu sagen, daß diejenigen Kommissionen, die in dieser Weise den Einzuschätzenden ohne thatsächlichen Anhalt in die Höhe schrauben und ihn dadurch mittelbar zur Vermögensanzeige zwingen wollen, sich dadurch einer Verletzung des ErgänzungSsteuer- gesetzes vom 14. Juli 1893 zu Schulden kommen lasten, die sehr ernstlich zu bekämpfen ist. Denn das Gesetz verlangt nicht in erster Linie die Ver- mögenSanzeige; es gestattet fie nur und unterläßt eS wohlweislich, für die Unterlastung der Anzeige irgend einen Nachtheil, geschweige den» eine Strafe
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(Nachdruck verboten.)
Schwester Ilse.
Roman von Clariffa Lahde.
(Fortsetzung.)
„Nach dem, was ich Dir eben gesagt?" wiederholte Frau von Belli», und schaute Ilse ganz ver- stättdnißloS an.
! „Kann ich mich nicht von alle» eigene» Mitteln «tblöße». Denn sollte daS Schlimmste einttete», Vas Gott verhüten möge, uud Wolf doch noch seinem ^Leiden erliegen, dann wirst Du begreifen, daß ich die Erbschaft, die mir unter solchen Voraussetzungen
Macht ist, niemals antreten würde. Zum Werk-
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IC« „Ich weiß nicht, was ich von Dir denken soll,"! N) Frau von Belli» endlich ärgerlich hervor. . -^lles habe ich erwartet, nur nicht das! Meine drpftl' Erste Bitte, die ich an die reiche Tochter richte, mir Eise». Zuschlägen! Und aus solchen Gründe»! Natürlich chuhe, 4 das nur ein Vorwand; denn so geradezu verrückt ^vust Du ja doch nicht handeln. Aber für Deine, siunilie hast Du nie etwas übrig gehabt, nie. Da' Uferst Du einer fixe» Idee ganz ohne Weiteres ** Zukunft und das ganze Glück Deines einzigen StuberV
pug der Rache laffe ich mich nicht benutzen."
Frau von Belli» sah »och immer gang verdutzt •N ihre Tochter hin. Hatte sie fich doch gerade den
Ung# Entgegengesetzten Erfolg von ihren Mitthellunge» ver- srrochen, daß Ilse fich nun bestimmen lasten würde, zu viel Bedenken ihre Situation zum Nutzen iied*.< Familie auszunutzen. Aber fie war ja nicht wie -Aj. ®4ete Menschen, die Ilse, närrisch war fie, ganz nvttsch!
»Nicht so, Mama, nicht so," wehrte Ilse ernst'
ab. „Ich werde für Bruno thun, so viel ich vermag. Laste ihn mir das Berzetchniß seiner Schulde» zusende»; wenn die Summe nicht zu hoch ist, werde ich fie tilgen, da ich in den letzten Jahren einige Ersparnifle gemacht habe. Aber von dem kleinen Kapital kenne ich mich nicht, da» ist mein fester Entschluß!"
Fra« von Bellin kannte ihre Tochter zu genau, um nicht zu wiffen, daß »ach dieser entschiedenen Erklärung nichts Welleres zu erwarten wäre. So ließ fie fich den» an dem Erreichbaren genüge», aber ihre Miene blieb verdroffeu und der Abschied zwischen Mutter uud Tochter war ein ungemein kühler. Gebeugt wie unter einer schweren Last verließ Ilse das heimathliche Hans. Im Gatten ehe fie das große Gittetthor öffnete, blieb fie einen Moment stehen. Es überfiel fie wie ein Schwindel, fie mußte fich auf eine der dort stehenden Bänke niederlaffen. Dann, den Kopf in die Hände beugend, brach fie in ein heftiges unaufhaltsames Schluchzen aus. Ach so btitere Thräuen wie diese, hatte fie ja noch nie geweint! ES war ihr, als lösten fich mit ihnen alle Hoffmmg, alles Vertraue», alle Liebe aus ihrem Herzen. Lange bauerte es, ehe fie die Faflung fand, fich aufzmichten und ihren Weg fort« zusetzen. Vor dem Gtttetthor draußen harrte bereits der Wagen. Ein Diener in der reichen Livree der Wenzelen stand am Schlage und half ihr beim Einsteigen. Sie bemerkte eS kaum. Ganz mechanisch ließ fie fich in die Kisten finken und gab daS Zeichen zum Abfahren. Erst als der Wagen um eine Waldecke bog, die ihr in wenige» Sekunden schon die Billa der Mutter verbergen mußte, wandte fie noch einmal ben Blick zurück und nickte ihr ein letztes Lebewohl zu.
aufzuerlegeu. Die Vermögensanzeige ist nur ein Recht, daS dem Steuerpflichtigen beigelegt ist, die VeranlagnngSkommisfion aber ist, wenn dieses Recht nicht ausgeübt wird, verpflichtet, ihrerseüs nach § 24 des Gesetzes die „erforderlichen Werthermittlungen vorzunehmen und den Werth der steuerbaren Vermögen zu begutachten". Das Gesetz hält es also für ausgeschlossen, eine Höherschätzung ein treten zu lasten auf gut Glück hin, daß der Kommission ein Vermögens- wetth entgangen sein kann. ZujederHöherschätzung bedarf eS vielmehr eines thatsächlichen Anhalts und Grundes. Die Kommission, die ohne solch einen thatsächlichen Anhalt die Steuerschraube anzieht, handelt unbedingt gesetzwidttg. Jeder Steuerpflichtige, der in dieser Hinsicht Grund zur Beschwerde hat, sollte nicht unterlasten, »eben der von ihm einzulegenden Berufung auch direkt über daS gesetzwidttge Verfahren der Veranlagungskommisfion sich bei der Kgl. Regierung oder je nachdem beim Finanzmivister nachdrücklich zu beschweren.
Die „Konserv. Korresp." schreibt heute gegen die Z itung „Das Volk": „Leider muffen wir uns immer wieder der recht unangenehmen Aufgabe unterziehen, die direkten Unwahrheiten, die daS „Volk" mit einer Ahlwardt'schen Beharrlichkeit gegen die konservative Partei „aktenmäßig" verbreitet, ttchtig zu stellen. Die KampfeSmethode des christlich-sozialen PatteiorganS hat eS nämlich an fich, nnbettchtigt geloffene Unwahrheiten später als feststehende Wahrheiten auszugeben. Diesmal operirt das „Volk" wieder mit der unwahren Behauptung, die „partei- offiziöse" konservattve Korrespondenz habe „erflärt, die Sozialreform müsse Halt machen." Wir sehen davon ab, noch einmal auf diesen sattsam bargelegten Gegenstanb zurückzukommen unb begnügen uns bannt, zu erklären, baß bas „Volk" mit ber Verwetthung bieser angeblich patteiöffiziösen, aber gar nicht existirenben „Erklärung" unehrlich handelt. Ebenso ist das ber Fall mit ber weiteren Behauptung deS christlich-sozialen Organs, auf ber Dresdener konservativen Versammlung habe Herr Graf Herbert Bismarck, ber nie konservativ gewesen, daS große Wort geführt^ einer Behauptung, ans welcher bas „Volk" eigenartig eine Verbindung der konservativen Pattei mtt Herrn von Stumm ableitet. Herr Graf von Bismarck, ber mit ber konservativen Partei besonders in wirthschaftlichen Fragen vielfach Hand in Hand geht, im übrigen aber keiner parlamentarischen Fraktion angehött, hat, wie daS „Volk" wissen müßte, vor der Tagesordnung als geladener Gast der Dresdener gesprochen. ES ist mindestens
10.
Wolf saß vor seinem Schreibtisch. Er benutzte Ilses Abwesenheit, um seine Papiere durchzusehen, zu verbrennen, was nach seinem Tode nicht in fremde Hände gelangen sollte. Auch einige Briefe Adelinens befanden fich darunter, Aufforderungen, »ach der Eisbahn zu kommen, Einladungen in ihr Hans, alle kurz und nichtssagend; aber er hatte fie doch damals im Rausche seiner Leidenschaft als heilige Reliquien bettachtet, die großen steilen Schriftzüge, ach wie so oft an feine Lippen gedrückt. Sein Auge folgte einen Moment der züngelnden Flamme, die jetzt nach der Photographie hinlenkte, die er einst von ihr erbettelt und lange auf dem Herzen gekagen und eben auch ber Vernichtung preisgegeben hatte. Da guckte plötzlich feine Hand: dieses schöne Bild, ob auch in so unvollkommener Form, zerstören, war da» nicht Vandalismus?
Mit raschem Griffe hatte er daS kleine Blatt ergriffen, unb versenkte seinen Blick in diese reigvollen Züge, bie fein Herz bethört hatten, baß er lange Zeit ihren Verlust nicht glaubte überwinden gu können. Und wie hatte er sie verloren? Während er am Kranken- und LeidenSbttte des Onkels saß, hatte man fich ihr Herz, ihr Jawott heimlich zu erschleichen ge» wußt. Nein, diese Augen konnten nicht so lügen, fie hatten ihm Liebe versprochen — und doch, und doch!
WaS wäre aus seinem Leben geworden, wie anders, wie herrlich hätte es sich gestattet, wenn ihm diese Enttäuschung erspatt geblieben, wenn er sie, die er heißer geliebt, wie je tin Weib auf Erden, deren Bild schon sein Herz auf’8 Neue heftig klopfen ließ, als sein Weib hier in sein Schloß hätte einführen dürfen! Glücklich, überglücklich wäre er geworden, alle Wonnen des Lebens hätte er in ihren Armen ge»
taktlos von dem chttstlich-sozialen Organ, den Umstand, daß Herr Graf von BiSmarck als Nichtkonservativer in einer konservativen Versammlung eine — übrigens sehr beachtenswetthe und durchweg auf konservativen Grundsätzen beruhende, aber für die konservative Partei absolut unverbindliche — Rede gehalten hat, gegen unsere Partei lediglich auf Grund unzureichender Zeitungsausschnitte auszubeuten. Wen« das „Volk" ferner die Landwirthschastskammern „ausschließliche Befitzerklubs" nennt, so beweist eS, daß es feine jung-chttstlich-sozialen Eierschalen immer noch nicht abgeftreift hat; doch in dieser Hinsicht können wir das christlich-soziale Parteiorgan seinem Schicksal überlassen." Daß übrigens andere Gegner von diesen Unwahrheiten des „Volk" ansgiebigstm Gebrauch gegen die Konservativen machen, ist bei der Art dieser Gegner selbstverständlich.
So sehr einerseits die Sozialdemokratie bemüht ist, ihren Anhängern jegliches Autoritätsgefühl zu rauben, so eifrig ist fie andererseits darauf bedacht, wissenschaftliche Autoritäten für die angebliche Richtigkeit ihrer Anschauungen heranzuziehen. Das Autott- tätsgefühl in unserem Volke ist also, namentlich was den Respekt vor der Wiffenschast bekifft, keineswegs ganz geschwunden. Tatsächlich ist die Zahl der Gelehrten aber, welche bewußlermaßen der Sozialdemokratie wiffenschaftliche Argumente für ihre Klassen Verhetzung liefern, sehr gering. Dagegen giebt eS eine ganze Reihe von Nationalökonomen, die, der Sozialdemokratie feindlich gegenüberstehend, gleichwohl nicht selten die Erfahrung machen müffen, daß das Gute, was fie anstreben, in der Hand der sozialdemokratische» Agitatoren zum Ueblen verkehrt wird. So ist eS, wie auf der Elberfelder Delegirtenver- f a m nt Iu n g des Gesammtvecbandes der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands zu Tage geketen ist, auch kürzlich dem Herrn Prof. Ad. Wagner gegangen. Der Vorsitzende der Versammlung. Herr l-ie. Weber, war genötbigt, Herrn Prof. Wagner, dessen „vielfach mißverstandener Voitrag" auf der letzten Bergarbeiterversammlung zu Bochum „verschiedentlich" die Furcht vor einem Streik hervorgerufen, ja der, wie ein Delegirter ausdrücklich erklärte, beinahe einen Skeik von 180000 Bergarbeitern entfacht habe, in Schutz gu nehmen und zn erklären, der Herr Prof, fet „nicht verstanden worden." Ebenso mußte Herr Lic. Weber sich selbst dagegen verwahren, daß er seiner Zeit „den Krieg der Arbeitervereine gegen das Kapital erklärt" habe. Auch daS sei ein Mißver- ständniß. Wir sehen also hier, daß mißverstandene Reden wiffenschaftlich gebildeter Männer in Arbeiter- ■....... 1
»offen, und nun? In Zorn und Verzweiflung hatte er den glücklicheren Nebenbuhler vor seine Waffe ge» fordert, und das Schicksal hatte gegen ihn entschieden. Ein Siecher war er jetzt, der es noch wie einen Lichtstrahl von oben begrüßte, daß er in seiner Pflegerin ein mitfühlendes Herz an seine Seite hatte fesseln dürfe», die ihn zugleich von der peinigende» Perspektive erlöste, lachende Erben über seine Leiche hinweg in Gattersberg einziehen zn wissen.
Welch armseliger Abschluß eines reichen, so viel versprechenden Lebens.
Aufsenfzend stützte er den Kopf in die Hand. Dankbar, von ganzem Herzen dankbar war er Ilse, daß fie ihm das Opfer, eines todkranken Mannes Weib zu werden, so fteudig, so liebevoll gebracht hatte. Er erkannte ajle ihre Verdienste an, ihre Selbstlosigkeit, ihre Hingabe und Liebe gu ihm, — ja Liebe, Liebe, die er nie würde gu erwidern vermögen. Da» bimmelstürmende beseligende Gefühl, das ihn in Adelinens Nähe erfüllte, das bange zagende Verlangen nach einem alles Begehren stillenden Glück, lag ja verstorben in ihm für immer. Ilses Nähe blieb ihm lieb und angenehm, aber fie war ihm noch immer nichts mehr als die Pflegerin, darüber hinaus kam sein Empfinden nicht. Er machte fich selbst Borwürfe darüber, um zuletzt den einzigen Trost stets darin zu finden, daß dieses eigenartige Verhältniß ja nicht von Dauer sein konnte und mit seinem Tode einen auch für Ilse befriedigenden Abschluß finden mußte!
Aber wenn er doch nicht sterben, wenn er wirklich, wie der.Arzt ihm verficherte, wieder gesund werden sollte? Aber nein, Thorheit, so etwas zu denken 1
(Fortsetzung folgt.)