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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

Shbattbn md EMbitton: Marv 21. Jllustrirtes Sonntagsblatt. Verantwortiich für bat aUganetnen Thell: Redakteur M. Hartmauu,

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Jt-. 71. dition 2 ML, bei allen Postämtern 2 M. 25 Pfg. (exkl. eS Frankfurt a. M. EoNel vwn rv t

Donnerstag, 25. März 1897. ZLZ2M ' W

Die Centenarfeier im Kaiserschloß.

Bei Ihren Kaiserlichen Majestäten fand am 22. d. M. Nachmittags um 6 Uhr im Weißen Saale des Königl. Schlosses Galatasel statt, zu welcher gegen 650 Einladungen ergangen waren. Der im hellsten Lichterglanz strahlende Saal, die reichbesetzte Tafel mit den großen silbernen Tafel­aufsätzen des Königlichen Hausschatzes, die hohen Kandelaber und prächttgen Blumen - Arrangements boten einen herrlichen Anblick. Die Statue Sr. Majestät des Hochseligen Kaisers Wilhelm I. war mit einem frischen Lorbeerkranz geschmückt, der über dem Knauf des Degens hing. Der Thronhimmel, vor dem die Leibpagen Ihrer Majestäten sich aufge­stellt hatten, trug die goldene Kaiserkrone und Feder­büsche in den deutschen Farben. Unter demselben hatten Ihre Majestät die Kaiserin und Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich Platz genommen, links von der Kaiserin Friedrich Se. Majestät der Kaiser in dem rothen Waffenrock der Gardes du Corps. Es folgten bie_ Prinzessin Friedrich Leopold, der König von Württemberg, die Erbgroßherzogin von Baden, der Herzog von Connaught und die Prinzessin Adolph zu Schaumburg-Lippe, der Großfürst Wladimir von Rußland in preußischer Husaren-Uniform, der Groß­herzog von Baden, der Prinz Ferdinand von Rumänien und andere Fürstlichkeiten. Rechts von Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin hatten ihre Plätze: der Prinz - Regent von Bayern, die Prinzessin Friedrich Karl von Preußen, der König von Sachsen, die Prinzessin Albrecht von Preußen, der Kronprinz von Schweden und Norwegen, die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen und der Herzog von Genua, der Erzherzog Friedrich von Oesterreich, der Großherzog von Hessen, der Graf von Flandern und die anderen Fürstlichkeiten und Prinzen des Königlichen Hauses. Gegenüber Ihren Kaiserlichen Majestäten saß der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst zwischen dem österreichisch- ungarischen Boffchaster von Szözysny - Marich und dem italienischen Botschafter Grafen Lanza, denen zur Seite der großbrilanische Botschafter Sir Frank Lascelles und der russische Botschafter Graf von der Osten-Sacken Platz genommen hatten. Neben dem Letzteren saß der General-Feldmarschall Graf von Blumenthal. Die Tafelmusik wurde von der Kapelle des 1. Garde-Regiments zu Fuß ausgeführt, welche u. A.Des Königs Grenadiere" von Meyer,Bar- barossa's Erwachen" von Reckling und eine Trans- scripton des populärenKornblumenliedes" von Thiele Bortrug.

(Nachdruck verboten.)

Um Wappen und Krone.

Original-Roman von La RosSe.

(Fortsetzung.)

Ruth setzte sich und schrieb folgende Zeilen an Wolfgang, welche sie nach Mondsee adressirte:Daß mir die Gräfin Pretzfeld mittheilte, warum fie mein Sohn zu werden wünschten, wird Ihnen die Gräfin gesagt haben. Ich war im Anfang über die Falsch- hett Ihres Benehmens mir gegenüber schmerzlich überrascht und beleidigt, deßhalb meine Abreise ohne Erklärung und ohne Abschied. Ich mache Ihnen keinen Vorwurf über Ihre Handlungsweise, ich bin im Gegentheil bereit. Sie sobald als möglich zu adoptiren, damit fich Ihre Wünsche erfüllen können. Ich stelle dagegen nur die eine Bedingung, daß Sie, so lange ich lebe, nie mehr nach Thalham kommen, überhaupt keinen Versuch machen mich wieder zu sehen. Ruth Sondheim."

Wieder vergingen einige Tage, die sie in pein­lichem Warten zubrachte. Von Thekla war ein Brief gekommen, worin fie fich für alles, was sie mit ihren Geschwistern in Thalham genossen, be­dankte. Sie schrieb, daß ihr Bruder Wolfgang noch immer in Mondsee und zwar in einer sehr glücklichen Stimmung sei, er habe aber nichts Näheres darüber mitgetheilt. Am Schluffe schrieb fie, daß sie fich er­laube, der gütigen Tante ihre Verlobung mit Doktor Rudoph Wirkheirner anzuzeigen. Ruth legte den Brief mit einem tiefen Seufzer weg. Wolfgang weilte noch in Mondsee, er mußte also ihren Brief empfangen haben, warum aber kam er nicht, denn daß er unter diesen Umständen fich überglücklich fühlte, war nur natürlich.

Er weilte ja bei der Geliebten, und alle feine

Während der Tafel nahm Se. Majestät der Kaiser das Wort zu folgendem Trinkspruch:

Eia Geist tief empfundener und hoher Festesfreude zieht durch das deutsche Volk, und ihm entsprechend haben sich die Fürsteu zusammenglfunden, um das Andenken des großen verewigten Kaisers ,u feiern.

Ich sprech« Meinen erlauchten Vettern, Oheimen und Verbündeten Meinen tiefgefühltesten, innigsten Dank aus bewegtem Herzen auS; desgleichen allen Vertretern fremder Souveräne, die nicht haben zurückbleiben, sondern theil- nehmen wollen an unserer Feier, von neuem UnS dadurch einen Beweis gebend, daß Europas Fürstenhäuser ein ge­meinsames großes Famllienband umschlingt, und daß Freude und Leid in dem einen Hause von allen anderen mit ge- theilt wird.

Es ist nicht Meines Amtes, hier Meines großen Vor­fahren, Meines Herren Großvaters Verdienste zu feiern. Was wir eben ei lebt, und wie unser Volk fich benommen, kündet wie lebendig alle Seine Werke, wie lebendig die ge- sammte Persönlichkeit des Verewigten vor Aller Augen steht.

Ich denke, Sein Geist schreitet heute durch Sein Volk hindurch, und gewiß hat Er heut« bei Seinen Fahnen einen Besuch gemacht. Wir gedenken Seiner in Seiner Demuth, schlichten Einfachheit und Pflichttreue; wir gedenken Seiner als des Sohnes der herrlichen, lieblichen Königin, wir ge­denken Seiner als Desjenigen, der gesagt hat, daß Er mehr durch Seine Demüthigungen als wie durch alle Seine Er­folge gelernt hat.

Für uns, Ihr hohen Fürsten und Verwandten, soll das Andenken an Ihn ein erneuter Ansporn sein, für unsere Völker zu leben und zu arbeiten wie Er, zum gemeinsamen Ziel der fottschreitenden Kultur und zur Aufrechterhaltung des Friedens. Wir aber, indem Wir uns von neuem zu innigem Bunde fester Freundschaft und Waffenbrüdei schäft versprechen, wollen unsere Gläser erheben, und mit dem R"f auf das Wohl des deutschen Vater­landes und des deutschen Volkes ihm und unseren Fürsten unseren Gruß entbieten: Das deutsche Volk, sein Vaterland und seine Fürsten Hurrah! Hurrah l Hurrah!

Nach der Tafel begaben sich Ihre Kaiserlichen Majestäten mit ihren Gästen zu der Gala-Vorstellung nach dem Königlichen Opernhause. Das Innere des Opernhauses hatte noch einen weit schöneren Schmuck als bei gleichen ftüheren Anlässen erhalten: der erste Rang zeigte an seiner Außenbrüstung eine Dekoration aus rothen Rosen, und vom Kronleuchter zogen sich sechs mächtige Gnirlanden baldachinartig nach der Gallerie hinüber. In der rechten Eck- Prosceniumsloge des ersten Ranges saß der Reichs­kanzler Fürst zu Hohenlohe, in der Mittelloge da­

heißesten Wünsche gingen in Erfüllung. Daß Doktor Wirkheirner sich mit Thekla verlobt hatte, freute sie innig ; aber schon in den nächsten Minuten gedachte fie dieses Ereigniffes kaum mehr, sie sann unaus­gesetzt nach, welche Ursache Wolfgang abhalte, zu ihr zu kommen.

Ruth saß in ihrem Gemache, dessen Fenster in die Parkanlagen gingen. Im Ofen brannte ein lustiges Feuer, und der silberne Theekeffel summte und zischte in seiner eintönigen Weise. Sie hatte versucht, sich die Zeit mit Lesen zu vertreiben aber wiederhost ließ sie das Buch in den Schoß sinken und sah hinaus, obschon auch draußen nichts ihr Interesse feffelte. Die Blumenbeete waren mit Fichtenzweigen, die Bassins mit Brettern bedeckt, aus dem Boden lag welkes Laub. Ein Gäriner war damit beschäftigt, die Pfade davon zu befreien, da brachte ihr Martin eine Karte. Sie nahm sie in Empfang und las Überrascht: Fürst Than-Lengdorf. Was bedeutet denn dieser Besuch? dachte sie und sah erwartungsvoll nach der Thür, die rasch ge­öffnet wurde. Mit einem lauten Rufe sprang sie jäh vorn Stuhle empor.

Wolfgang!" rief sie. Sie zitterte an allen Gliedern und versuchte ihn abzuwehren, da lag er schon vor ihr auf den Steen. Er hatte ihre beiden Hände ergriffen und küßte dieselben stürmisch.

Was soll dieser unpassend angebrachte Scherz? Ich bin wahrlich nicht dazu aufgelegt."

»Es ist fein Scherz," sagte er ausstehend und suchte die sich Sttänbende zu umarmen.

Lassen Sie mich!" rief fie,ich bitte vor allem um Erklärung, was diese Einführung unter fremdem Namen bezwecken soll."

Es ist kein frember Name, Geliebte, sondern mein eigener."

neben sah man die Botschafter Oesterreich-Ungarns und Rußlands mit ihren Damen, sowie den Bot­schafter Italiens. Die Staats - Minister hatten sich auf verschiedenen Plätzen vertheilt, desgleichen die Bevollmächtigten zum Bundesrath. In der linken mittleren Prosceniumsloge des ersten Ranges hatten die ältesten Prinzen Söhne Ihrer Majestäten Platz genommen. Zur Darstellunz gelangte, nach dem Vortrage der Ouvertüre zu .Coriolan" von L. van Beethoven, die dramatische Legende von Ernst von Wildenbruch in vier Bildern,Willehalm": eine symbolische Darstellung der deutschen Befreiung?- und Einigungskämpfe. Nach dem zweiten Bilde wurde im großen Saale des Opernhauses von den Herr­schaften der Thee eingenommen und von Ihren Majestäten Cercle gehalten. Die Festvorstillung er­reichte gegen 12 Uhr ihr Ende.

Umschau.

Aus Friedrichsruh wird unterm 22. März berichtet: Etwa 2000 Personen aus Friedrichsruh und zahlreichen Ortschaften der Umgebung brachten dem Fürsten Bismarck anläßlich der Kaiser Wilhelm - Feier einen glänzenden Fackelzug. Der Graf Herbert Bismarck und Graf Rantzau ließen mit ihren Familien auf dem Balkon des Schlosses stehend, den Zug defiliren. Der Vorbeimarsch dauerte */2 Stunde. Der Fürst, welcher sich in den letzten Tagen nicht wohl fühlte, verließ wegen des kühlen Wetters das Schloß nicht und ließ durch den Amtsvorsteher, Hauptmann Schellwitz vor dem Zusammenwerfen der Fackeln seinen Dank für die dargebrachte Ovation aussprechen. Emil Späht hielt eine längere An- sprache, in welcher er auf die Enthüllungsfcier in Berlin hinwies, den Fürsten als Baumeister des deutschen Reiches feierte und die Menge aufforderte, dem Fürsten ein donnerndes Hoch zu bringen. Als das durch den Wald erschallende brausende Hoch ver­klungen war, sang die Menge unter Musikbegleitung ein Lied. Dann wurden die Fackeln zusammen- geworsen. Dem Fürsten sind überaus zahlreiche Depeschen (darunter auch ein Huldigungstelegramm der Bürger Marburgs an dessen Ehrenbürger) zuge­gangen.

Anläßlich des gestrigen Bürgerfestzuges regte fich in den Straßen Berlins schon in aller Frühe ein festliches Leben. Um lO1,^ Uhr erschien die Spitze des etwa 30 000 Personen zählenden Fest- zugcs, welcher Vergangenheit, Gegenwart und Zu-

Pah!" rief sie ungläubig und ließ sich wie er­schöpft auf das Sopha nieder.Rede endlich, was bedeutet das Alles.

Mein Glück!" rief er jauchzend, zog einen Sessel heran und setzte fich ganz nahe zu ihr.Sei nicht böse, Ruth, schau mich an, ich bitte Dich Du thust mir wahrlich unrecht, wennschon ich ein Sünder bin, aber eine solche Strafe, wie Du fie mir angekündigt, verdiene ich doch nicht. Ich soll nie wieder nach Thalham kommen so? und so? Dich nie wieder sehen? als ob dies möglich wäre! Wir beide gehören zusammen, Ruth, weißt Du das nicht?"

Nein, das weiß ich nicht. Warum hast Du so lange gezögert zu kommen?"

Weil ich nicht eher fort konnte, und weil mein guter Vater"er lachte luftig auf, es eben so wünschte."

Dein Vater?"

Ja, mein Vater, mein lieber, guter, herrlicher Vater, den ich so innig liebe, daß ich kaum Worte finde, es Dir zu sagen. O Ruth, Du bist ein kleines, thörichtes Frauchen. Aber so seid Ihr alle; wie die Eifersucht Macht Bei Euch bekommt, rennt ihr alles über den Haufen. Da ist keine lleber- legung, kein Urtheil, keine Gerechtigkeit bei Euch zu finden."

O bttte spare Deine Worte, ich bin nicht eifer­süchtig, dies überlasse ich in Zukunft Deiner Gräfin Kunigunde!"

Meiner Kuni?" spottete er,wie Du einfältig bist, Ruth! Aber stretten wir nicht um des Kaisers Bart, sondern laß Dir erzählen. Bist Du denn nicht begierig zu erfahren, wie alles gekommen ist?"

Nein, nicht im Geringsten, denn Deine Gräfin hak mich noch in Mondsee über Alles aufgeklärt."

kunft darstellen sollte, am Brandenburger Thor; Fanfaren verkündeten sein Herannahen. In dem H Augenblick, als das in Heroldstracht des Mittelalters 1 gekleidete Musikkorps unter den Klängen des Hohen­friedberger Marsches durch das Thor ritt, brach die Sonne durch die Wolken und beleuchtete die prächtig schimmernden Uniformen des Korps.

Hinter der Musik ritt der Kornmisflons - Rath Renz, von der Menge durch Zuruf begrüßt auf prachtvollem Pferde, di« Germania eskortirend, welcher ein Zug Panzer- reiter in silberschimmernder Rüstung mit den Hohenzollern- schen Farben auf dem Helm, die Pferde gleichfalls in silbernem Panzerüberwurs, voranritt Die Germania (dar­gestellt von Frau von Strantz) saß in einem prachtvoll dekorirten offenen Triumphwagen nach Art einer Muschel, vor ihr zwei liebliche Kindergestalten. Dem Wagen folgte ein Trupp gleichfalls in silberschimmernde Rüstung ge­kleideter Hellebardiere. Sodann kam der Wagen mit dem FestcouritS, dem fich die Gruppe II der Ehrengäste an» schloß. Es,folgten die alten Krieger, meist geschmückt mit dem Eisernen Kreuz erster Klaffe und dem Militär- Ehrenzeichen neben den Kriegs-Medaillen auf der Brust: lauter ehrwürdige Gestalten, welche in strammer Haltung und festen Tritts mitten zwischen Reihen von Ehrenjung- frauen marschtrten Da die Ehrenjungftauen auch den Zug zur Seite einrahmten, so rief dieses BUd einen ergreifenden Eindruck hervor. Nun folgte die endlose Schaar der Kriegervereine, deren Abtheilung von der Kapelle der II. Mattosen - Division eröffnet wurde. Gegen 8GOO Kri-ger, die meisten mit Kriegs - Denkmünzen auf der Brust, ?"Ä!isken in geschloffener, zehn Mann breiter Kolonne, durch Muykkorps der Garde-Regimenter unterbrochen, vorbei. Am rechten Flügel der Glieder befanden sich die Fahnen, die em zeitweise stark einsetzender Wind oft den Trägern zu entreißen drohte. Den Schluß der Kriegervereine bildeten das uniformirte Berliner VeieraneukorpS, zum Theil noch mit allen Gewehren, und die freiwilligen Kriegs - Kranken- Pfleger, darunter einige Frauen. Den Krieger vereinen folgte die Gruppe der Gewerk« und Innungen, deren Zug dn Trowpeteikorps in der Uniform der Seydlitz-Kürassiere er­öffnete, als letzte die Fleischer - Innung zu Pferde. Unter den Innungen fiel besonders die Schlosser - Innung auf, deren Spitze drei Ritter in eiserner Rüstung bildeten, von einem Germanen geleitet. Auch die Gärtner gruppe mit rdchem Blumenschmuck erregte Bewunderung. Der Zug gewährte trotz der meist schwarzen An- zuge der Theilnehmer durch die vielen V-reinsbanner ein lebhaftes Bild. Von den nun folgenden Vereinen des GastwirthS-VerbandeS waren es namentlich die Abordnungen der Brauereien, welche Aufmerksamkeit erregten. Die Brauerei Königstadt hatte einen prachtvoll mit Tannen­gewinden und Kornblumenkränzen dekorirten Wagen mit Jaffern entsandt, dem ein Bläserkorps in der Tracht der Zeit der Hussitenkriege und eine weitere Schaar von Panzer­reitern sich anschloß. Landrknechie in den gleichen Kostümen, eine alte Kanone ans jener Zett, ein Marketender­wagen uub rin Bauernwagen mit jung n Mädcken erhöhten den reizvollen Eindruck des GesammtblldeS: Die Vereine tiir Kunst und Wissenschaft, die Gesang-, Musik- und Theatervereine, die Vereine ehemaliger Schüler und die ge­meinnützigen Vereine leiteten zu den Beamtenvereinen über, unter denen die stattliche Schaar der Post- und Eisenbahn-

Du, sag mir über die fiuni nichts, denn ihr verdanke ich mein jetziges Glück. O diese fiuni ist ein famoses Mädel!" er lachte wieder.

ffienn Du gehört hättest, wie fie mich am Tage nach Deiner Abreise abfangelte, wie sie mich von oben bis unten maß und mir den Ring, den fie mir vor einiger Zeit abgefordert hatte, vor die Füße warf. Hni! war das Frauenzimmer giftig! Doch nun will ich Dir endlich erzählen, wie Alles gefommen ist, und zu welch großem Danf ich dieser Kuni Pretzfeld verpflichtet bin. Daß sie einem Mann gefallen fann, dies wirst Du nicht bezweifeln; denn sie ist wirflich sehr hübsch, und ich sand dies vor einem Jahre auch. Ich ttaf fie auf einem Ball bei unferm Oberst, ich tanzte viel mit ihr und ich machte ihr auch ein wenig die Sour. Was Du aber nicht glauben wirst, ist" er blinzelte fie schelmisch an,daß ich ihr gefiel, mehr als gut unb flug war; kurz, fie verliebte sich in mich und da fie ein leidenschaftliches Temperament hat und diesem seit ihrer Kindhett nicht gesteuert worden ist, so suchte fie ihren Willen durchzusetzen. Sie machte mir mehr Avancen als ich von einem Mädchen aus diesen Kreisen erwartet hätte. Ich muß Dtt auf­richtig bekennen, ich war manchmal ftappirt. Da Du aber weißt, welch' sündiger Bursche ich bin, so wirst Du Dich auch nicht wundern wenn mir die Geschichte mit der reichen Gräfin eigentlich doch aeficl. Aber ich gebe Dir mein Ehrenwort, mir wär nie der Gedanke gekommen, dieses Mädchen zu heirathen, wenn nicht meine Geschwister gewesen waren; denn ich sollte für die Armen sorgen und hatte doch selbst nichts als die liebe Roth."

(Fortsetzung folgt)