Einzelbild herunterladen
 

Jg 66.

Marburg

Freitag. 19. März 1897.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exll. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile ober deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Anreigm nimmt entgegen die Eweditiou dieser Blattes, sowie die Amwncen-Bureaux vou Haasenstein & Bögler in

Eass°l, Magdeburg und Wien; Rudolf YYYH

Moss- in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. AAA11

Daube & Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.

Jllustrirtcs Sonntagsblatt.

c. Hausirer im Lande!

Es ist die alte Thatsache, daß man dem ahnungs­lose» Landvolke die Ramschwaare aufzureden sucht, die man in den Großstädten nicht mehr los werden taut. Wenden sich die gewiegteren Käufer immer «ergischer von zum hundertsten Male vorgelegtem Schunde ab, so wird die Schleuderwaare in Wander­lagern und auf dem Rücken zungengewandter Hausirer a»f's glatte Land getragen derBauer" wird schon auf den Leim kriechen. Da hat sich in Leipzig unter kräftigem Reklameblasen ihrer Gründe die neue P a r t e i f i r m a derNational-Sozialen" wfgethan. Unter die soliden Geschäfte kann die aene Firma nicht gerechnet werden; wie wir unfern Lesern schon öfters darlegten, hat sie ihr ganzes Inventar in den Läden ihrer Nachbarn zusammen­geliehen. Daher ist es kein Wunder, daß in den Zmtren der öffentlichen Meinung keine Partei mit den National-Sozialen Geschäfte machen will, um nicht bei dem unausbleiblichen Konftrrse derselben ihren eigenen Kredit zu erschüttern. Die staats­erhaltenden Parteien haben alsbald den National- Sozialen eine genügend deutliche Absage ertheilt, und die Sozialdemokraten setzen ihrem Liebeswerben einen mitleidig lächelnden, aber um so zäheren Widerstand entgegen. Ihre Betheiligung an dem Hamburger Streike deckte der Firma v. Gerlach, Naumann und kompagnie nicht einmal die Kosten. Außer den Inhabern und Namensgebern der Firma find nur wenige Männer von Ruf in Beziehung zu ihr ge­treten, die indeß fast alle von einer wunderbaren Harmlosigkeit in Dingen des öffentlichen Lebens sind, welche sich bei ihnen häufig selbst bei sonst hoher wissenschaftlicher Tüchtigkeit findet.

Wollen die National-Sozialen also nicht Bankrott wachen, ehe ihr Geschäft überhaupt recht begonnen hat, so müssen sie sich einstweilen von dem Groß­handel der Politik zurückziehen, und im Kleinhandel hanfirend auf einen grünen Zweig zu kommen suchen. Dieser grüne Zweig scheint das Reichstags- «audat des Kreises Marburg werden zu sollen. Zwar sind einige ortsansässige Agenten schon seit fast Jahresfrist im Stillen für die National-Sozialen chättg, aber die Agitation derselben scheint nicht weit über die Pforten ihrer Studirstuben gewirkt zu haben. Da ist zunächst Herr Pfarrer Naumann in Marburg ausgetreten und hat dem Publikum die Musterkarte seiner Ansichten en gros präsentirt, und dann erschien sein rühriger Kompagnon Herr v. Gerlach und bereiste bm Distrikt von Haus zu Haus, packte allenthalben seine Desstnkiste aus, und erklärte sich im Stande, Jedermanns Wünsche zu erfüllen. Man kann in seinem Moniteur, derZeit", lesen, wie er Regen, lleberschwemmungen, nächtliche Fahrten und schlechte

Machbruck verboten.)

Um Wappen und Krone.

Original-Roman von La Rosöe.

(Fortsetzung.)

Mein Vater," fuhr Gräfin Pretzfeld zu Ruth Mandt fort,deflen Liebling ich bin, sann hin und er und sprach auch mit seinem Rechtsanwalt darüber, »b dieser nicht etwas, irgend ein Wort im Testament nibecken könne, das mir das Geld und den Ge­lebten laffe. Rechtsanwalt Ellrichhausen erklärte die Lache als sehr einfach, er hatte auf Wunsch meines Löters schon früher über WitpoldSried genaue Er- wdigungen eingezogen und hatte erfahren, daß seine Ratter eine Gräfin Sondheim gewesen sei. Jnfolge- kffen rieih er, sich an die adeligen Verwandtcn zu toben, vielleicht wäre einer davon mittellos, und Rr eine Summe Geldes zu bewegen, den Lieutenant I adoptireu. Ich war von einer schweren Sorge rlöst. Welch ein prächtiger Einfall von diesem kllrichshausenl Mein Vater ließ sofort Witpoldsried dmmen und erklärte ihm den Rath des Rechtsau- MteS. Wolfgang selbst war überrascht, er sagte, *4 er von den Verwandten seiner Mutter niemand keime. Dieselbe habe wohl einen Bruder gehabt den letzten seines Stammes; dieser sei aber gestorben. »Eo existirt also kein Sondheim mehr?" fragte *tin Vater.Nein, nur eine Gräfin Sondheim die «ittwe meines Onkels, so viel ich weiß, ich kenne St ober nicht," antwortete Wolfgang.So machen Sie einen Versuch," rietfj mein Vater,reifen Sie Iw, erklären Sie ihr den Fall, bitten Sie, daß sie

Nachtquartiere nicht gescheut hat, um denblinden Hfff-n" das Licht der Erkenntniß zu bringen. Eine wie große Neigung muß er zu unserem Kreise be­sitzen, daß er, ungerufen und zum Theil von Undankbar­keit verfolgt, hier seine Gesundheit auf's Spiel setzt und seine kostbare Zeit verbringt, trotzdem ihn weder Bande der Pflicht, noch der Familie, noch der Heimath hierher ziehen! Als seiner Zeft im Reichstage die Einschränkung des Haufirhandels zur Debatte stand, konnte man hören, wie von freisinniger Seite mit Entrüstung der Stand der Hausirer gegen jegliche Angriffe vertheidigt wurde, dieser Stand, der aus purem Idealismus keine Mühe und Beschwerde scheue, um der armen fern von der Stadt wohnenden Landbevölkerung die Erzeugnisse der Kultur zuzu­führen. Herr von Gerlach würde sich in seinem Innersten verletzt fühlen, wenn wir seiner Thätigkeit im Marburger Kreise andere Motive unterschieben würden, als den idealen Drang, die Erkenntniß der Wahrheit auszubreiten und unsere und anderer Leute Fehler und Jrrthümer aller Welt vor Augen zu stellen.

Aber der ehrlichste Hausirer muß etwas verdienen; würde der Hausirhandel nichts einbringen, so würde ihn nicht Einer betreiben. Auch Herr von Gerlach will etwas erwerben, er kommt nicht her, um unsere hübsche Umgebung anzusehen, sondern um feiner Partei unser Marburger Reichstags - Mandat zu er­ringen. Das ratijen wir allen denen, zu bedenken, die geneigt sein sollten, Beziehungen mit Herrn v. Gerlach und seinen Agenten anzuknüpfen. Man kaust im geschäftlichen Leben nur bei Reisenden vertrauens­würdiger Firmen, wird vou anderer Seite dagegen etwas angeboten, so betrachtet man es ein, zwei und dreimal, und legt es lieber uugekauft in die Kiepe des Händlers zurück, als daß man einen vielleicht werthlosen Gegenstand für treueren Preis erwürbe.

Die National-Sozialen zeichnen sich bis jetzt nur durch eine allseitig anerkannte Verschwommenheit ihrer Ansichten aus, die selbstverständlich ist, denn diese Ansichten sind so sehr von allen Parteien zusammen­geborgt, daß jede einzelne Punkte ihres Programms bei den National-Sozialen wiederfindet. Was man uns alsganz neu" anpreist, ist eine Sammlung von Abfällen von anderer Herren Tischen. Wir bleiben lieber bei unserem eigenen selbstbackenen Brode. Würde Herr von Gerlach, oder einer seiner Kompagnons Marburgs Reichstagsvertreter, so wäre auf keinen Fall anzunehmen, daß man Vortheil davon hätte. Eine große geschlossene Partei weiß den Interessen ihrer Wähler eine andere Vertretung zu bieten, als ein politischer Sonderling, dessen Unter­stützung höchstens politisch kornprornittiren kann. Wern daher an seiner Partei diese oder jene Kleinigkeit nicht gefällt, der kann bei weitem mehr durch gütliche Unterhandlung innerhalb derselben erreichen, als wenn

Sie adoptiere. Sondheim ist ein alter, guter Name, als Graf Sondheim sind Sie mir hoch willkommen. Mit diesem Rang konnen Sie das Vermögen und die Frau, die Sie lieben, erhallen. Bis Sie ihn haben, muffen Sie aber mein Haus meiden, ich will nicht, daß meine Tochter in das Gespräch der Leute kommt, will auch nichts toiffen von einem langen Verhältniß. Sie kommen entweder als Standes- genofle, oder Sie nehmen Abschied für immer von meinem Kinde. Einen brieflichen Verkehr verbiete ich ebenfalls auf'S strengste."

Der Schleier war zerrissen. Ruth kannte jetzt den Beweggrund, weßhalb er SohneSrechte von ihr begehrte. O die unselige Verblendung! und sie hatte geglaubt, nur der Ehrgeiz, die Sehnsucht nach dem stolz klingenden Namen wäre es gewesen, was ihn zu ihr geführt. Sie hatte diesen Wunsch so gut begriffen und so rasch entschuldigt, war doch selbst ihre Seele einst von demselben Verlangen erfüllt und durchdrungen.

Sie wissen nun, Gräfin Sondheim, daß mein Glück in Ihren Händen liegt. Wenn Wolfgang mir momentan auch zürnt, ich habe doch sein Wort, und dann bin ich keine Fran, die man nicht lieben kann. O, ich bin mir meiner Macht bewußt, wenn ich will, kehrt er reuig zu mir zurück und vergißt Sie eben so rasch, wie er mich vergessen zu haben glaubt. Aber ich liebe ihn, ja ich liebe ihn rasend. Ein fünfter Blick seiner Augen kann mich zu allem verleiten, ein zärtliches Wort von seinem Munde kann mich zu allem bringen. Ich will, ich muß ihn besitze», ich nehme den Kampf auf. Aber was

er sich gleich dem ersten besten Durchreisenden an den Hals wirst, und mit diesem in Grund und Boden verdammt, was er früher schätzte. Gerade an die National-Sozialen ist ein Anschluß vor allen Dingen deßhalb ein Unding, weil diese, abgesehen von ihrer Verworrenheit, eine durchaus städtische, industrielle Gruppe sind. Der Kreis Marburg ist mit den Interessen der L a n d w i r t h s ch a f t eng ver­wachsen, welche jenen Interessen in wichtigen Punkten entgegenlaufen. Die Interessen der Landwirthschast aber Berieten vor allem die rechtsstehenden Parteien, welche in diesem Stande die Grundlage eines ge­sunden Staatswesens sehen, nicht aber Herr v. Ger­lach, Pfarrer Naumann u. f. w., welche die Ent­wicklung Deutschlands zum Jndustriestaate mit liebevollem Interesse betrachten.

So mahnt das eigenste Interesse unserer Be­völkerung: Vorsicht vor den Hansirern im Lande! Schöne Worte sind kein Geld, und Versprechungen sind billig, also beide jedenfalls viel zu theuer be­zahlt mit einem Wechsel der Gesinnung, deren Stand­haftigkeit ein so hohes moralisches Gut ist. Schöne Worte und wohlfeile Versprechungen, das halte man sich vor Augen, sind bisher daS einzige, was die durchreisenden National-Sozialen geboten; was giebt derblinde Hesse" der aber in Wirklichkeit durch­aus nicht ans den Kopf gefallen ist dafür? Ant­wort: Keinen Pfennig, viel weniger feine Stimme.

Umschau.

Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet und auch von anderer Seite bestätigt wird, ist das vom Staatssekretär Admiral Hollmann eingereichte Entlassungsgesuch an Allerhöchster Stelle nicht an­genommen worden.

DieNordd. Allg. Ztg." sagt in einem Leit­artikel über den modernen Sozialismus:Wenn die Sozialen" dem deutschen Bürgerthum den Vorwurf machen, es habe keine politischenIdeale" mehr, so kann, je nachdem das Wort verstanden wird, damit das größte Lob ausgesprochen sein. Abstrakte Ideale bildete die literarisch - revolutionäre Staatsphilosophie des achtzehnten Jahrhunderts, die im laufenden Säkulum in Karl Marx ihren die rational-konstruktive Betrachtungsweise auf die Spitze treibenden Pro­tagonisten ans dem Grunde abstrakte Ideale ver­zichtet , weil seine Bestrebungen mit der Idee unseres nationalen Gemeinwesens z u f a m m e n f o 11 e n, so ist ein solches Verhalten, als polstisches Reifezeugniß, mit Freuden zu be­grüßen. Das ideale Streben hört darum nicht auf, weil es sich in Einklang zu bringen sucht mit dem historischen Entwicklungsgesetz. Es setzt nur an die

schwätze ich von Kampf. Es giebt keinen, nein, es ist eine einfache Thatsache, die mit keinen Kampf zu überwindm ist. Ich wende mich an Ihre Großmuth, Sie lieben ihn nicht so wie ich. Sie haben ihn gern und möchten doch seinem Glücke nicht hinderlich sein. Betrachten wir zusammen die Sache, wie sie wirklich ist. Führen wir uns beide Fälle, eine Heirath Wolfgangs mit mir und eine mit Ihnen vor die Augen. Werde ich seine Frau, das heißt, ich kann es nur durch Sie werden, ich meine, wenn Sie ihn adoptiren, dann ist Wolfgang Graf Sond­heim und bekommt durch mich ein Vermögen von zwei Millionen Thaler. Er kann bann feine acht Schwester» ausstatten und versorgen und seine drei Brüder reichlich unterstütze». Die Liebe zu feiner Familie ist sehr groß bei ihm. Ferner hat er bann eine hübsche, junge Fran, die zu seinen Jahren paßt; ich bin um fünf Jahre jünger als er. Kurz, Wolf­gang hat in diesem Falle eine glänzende, glückliche Zukunft vor sich. Nehmen wir nun den andern an. Wenn Sie ihn heirathen, können Sie ihn nicht adoptireu, denn der Sohn kann nicht die Mutter heirathen, er bleibt also bann ber einfache Herr Witpolbsrieb. Sie können ihm, wie ber Rechts­anwalt Ellrichshausen in Erfahrung brachte, nur bie Nutznießung Ihres gesummten Vermögens unb Ihrer Güter überlassen, so lange Sie leben. Nach Ihrem Tobe fällt Alles einer anbern Linie zu, und Wolf­gang ist wieder ber arme Mann, ber er vor seiner Vermählung war, und seine Geschwister fallen der Annnth anheim. Nein, seien Sie großmüthig, über­lassen Sie ihn mir zu seinem eigenen Glücke.

Stelle des jugendlich-revolutionären:Ich kann nicht Fürstendiener fein" das königlich Erhabene:Ich bin der erste Diener des Staats".Der Geist, au8 dem heraus wir handeln, ist das Höchste." Damit hat Goethe das Wesen der wahren Idealismus, auch des staatlichen, in klarster und zutreffendster Weise gekennzeichnet. Bei den Römern kam dieser imperiale Idealismus in der Berufung auf die mores majorum zum Ausdruck. Für un« Deutsche und Preußen handelt es sich um eine kraftvolle, den Bedingungen der ethischen Subjektivität entsprechende Erfassung der monarchischen Tradition. Eine Wissenschaft vom Staat, die eint haltbare Be­gründung hätte, besitzen wir heute nicht. Die zum Kommunismus entartete liberale Staatsidee hat sich überlebt und harrt der Ablösung. Stahls theokratische Konstruktion hat zu bestimmter Zeit als disziplinirende Macht eine heilsame Wirkung geübt; daß sie jemals im deutschen Wesen begründet war, wird man schwer­lich behaupten können. Durch die nationale Ent­wicklung ist sie jedenfalls beseitigt. Dagegen hat die monarchische Tradition durch die Sozialreform des großen Kaisers Wilhelm I. und des Fürsten Bis­marck eine wesentliche Vertiefung erhalten. Eine politische Wissenschaft, die in diesem Erdreich wurzelte, mußte Blüihen und Früchte treiben, die der Nation aus viele Geschlechter hinaus zur Freude und zum Segen gereichen könnten."

Nehmt die Deutschen zum Vorbild! Unter dieser Ueberschrist bringt dieDeutsche Zeitung" in Mexiko nach einem New-Yorker Blatte eine Aussprache des Generalkonsuls der Ver. Staaten in Mexiko, der wir folgendes entnehmen: Der Handel zwischen Mexiko und Deutschland hat in den letzten Jahren bedeutend zugenommen, was ich auf verschiedene Gründe zurückfühie, auf den Unternehmungsgeist ber deutschen Kaufleute, auf bie befriebigente Güte ihrer Fabrikate, ferner auf ben wichtigen Umstanb, daß bie Deutschen schnell bie Landessprache lernen, sich in Mexiko niederlassen, baß die deutschen Kaufleute ihre jungen Söhne nach Mexiko schicken, damit sie sich dort eingewöhnen. Viele derselben sind natnralisirte Bürger geworden und erfreuen sich, wie überhaupt bie Deutschen, großen Ansehens.*) Wenn wir in Mexiko mit Deutschlanb in einen ausfichtsvollen Wettbewerb treten wollen, so ist es unbedingt nöthig, baß unsere jungen Geschäftsleute denYankee" abstreifen, spanisch lernen und versuchen, sich in die Verhältnisse

*) Wenn sich bie Deutschen in Mexiko überhaupt einer großen Ansehens erfreuen, so geht daraus hervor, daß man, um dies zu erreichen, nicht nöthig hat, sich erst dort natnralifiren ,n lasten und seine deutsche RetchSangehörigkeit aufzugeben.

Glauben Sie mir, wenn Sie ihn heirathen, werden weder Sie noch er glücklich sein. Der Gedanke an das große Vermögen, mit dem er hätte schalten und walten können, wird ihm nie aus dem Sinne gehen. Nicht seinethalben, denn er ist einfach und hat wenig, ich möchte sagen, kein Bedürfniß. Er kann von Wasser und Brot leben und doch lachen, o so froh und glücklich lachen, ober der Gedanke an seine Ge­schwister wird ihn martern, er wird bann an mich denken, und die Reue wird sich einstellen, unb bann ist es um Ihren Frieben unb ihre Ruhe geschehen, unb Sie selbst sind bann auch nicht glücklich. Ich habe Ihnen nun bie Wahrheit gesagt, Frau Gräfin Sonbheim, unb überlasse es Ihrem Verstaube bas Richtige zu wählen. Aber es ist beinahe finster ge­worben, ja, ja bie Herbsttage find gefäkrlich in der Natur unb bei ben Menschen, bie Dunkelheit ist da, ehe man sich versieht. Wollen wir nicht aufbrechen, wir haben noch eine ziemliche Strecke des Weges vor uns."

Ruth schüttelte nur verneinend ben Kopf unb auch als fluni sich erhob, grüßte unb heimeilte, blieb sie noch bewegungslos fitzen und flüsterte die letzten Worte flunis vor sich hin:Ja, der Herbst ist dunkel, hoffnungslos dunkel." Nun stand auch fie auf, aber anstatt den Weg nach Mondsee ein» zuschlagen, ging fie ben Fußweg hinab, ber zum See führte.

(Fortsetzung folgt.)