Verantwortlich für den allgemeinen Theil: Redaüeur M. Hartmann für de» Anseratentheil: Joh. «ug. Koch, beide in Marburg.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain Redaktion «nd Expeditton-'Markt 21. Jllnftrirtes Sonntagsblatt.
Zweites Blatt.
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diesen Opal geben? De Ding an und sagte bedächtig das ist nur ein — Katzen
etwas machte und nicht einmal schielende, rothhaarige Mädchen fürchtete. Allein, als dieser Freund an der Börse eines Tages eine große Summe verlor, wurde ihm etwas ungemüthlich. Er machte sich nicht mehr viel aus der Nadel; und als bald darauf einer seiner „jungen Leute" das „Feuer" der Nadel wunderte, überraschte er ihn durch seine Freigebigkeit „Nehmen Sie sie nur, wenn sie Ihnen gefällt." Der junge Mann überhäufte ihn mit Danksagungen. Der Wohlthäter aber erwartete schuldbewußt den Fluch der bösen That. Er brauchte nicht lange zu warten. Schon in der nächsten Woche wurde der Beschenkte krank und fehlte vier Tage im Geschäft. Der Börsenmaun fühlte sein Gewissen beschwert und erzählte dem jungen Manne nun, was für ein böser Aberglaube an der Opalnadel hafte. Nach einiger Ueberlegung beschloß der gute Junge, die Nadel einer jungen Dame zu verehren. Kaum war der Opal in anderen Besitz übergegangen, als er auch schon rasche und gründliche Arbeit leistete. Die Dame hatte ihn nämlich erst zwei Tage getragen, als sie beim Versuch, eines Abends das Gas anzuzünden, eine Gardine in Flamm en setzte und bei dem weiteren Versuche, das Feuer zu ersticken, sich Brandwunden an beiden Händen zuzog. Dem jungen Mann, der ihr die Nadel geschenkt, schlug das Ge
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wie sind Sie dazu gekommen? — Angekl.: Ich wurde mit dem Wichsen von Pantoffeln beschäftigt. — Bors.: Nun dachten Sie wohl, die Zeugen würden Sie nicht wiedererkennen? — Angeklagter schweigt. — Natürlich hatte der Gerichtshof keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten, der zu drei Jahren Zuchthaus, fünfjährigem Ehrverlust und 600 Mk. Geldstrafe ev. noch 40 Tagen Zuchthaus verurtheilt wurde.
Der unheilvolle Opal. Es war einmal ein Mann, und der war beim Würfelspiel gerade an der Reihe. Er schüttelte den Becher, warf und verlor. „Kein Wunder", sagte ein Zuschauer, „Sie tragen ja einen Opal, da können Sie fteilich kein Glück haben." Das gab unserem Manne zu denken. Bier Tage später glitt er beim Absteigen von der Pferdebahn aus und verstauchte sich den Fuß. Das gab den Ausschlag. Er schenkte die Nadel mit dem Opal einem Freunde, von dem er wußte, daß er sich weder aus der Zahl 13, noch aus schwarzen Katern
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wissen nun ebenfalls, und die Reihe, eine Rech ferttgungsrede zu halten, war jetzt an ihm. Zui Glück war die Rede nicht lang. „Vielleicht war bi Opal Kasan schuld", sagte er. „Der Opal soll j Unglück bringen. Ich glaubte es nur nicht, weil ii nicht abergläubisch bin." — „Ich will das schrecklich Ding keinen Tag länger tragen!" lautete die Anl wort. Und sie trug es auch nicht. Sie gab bi Nadel ihrem Bruder, der sich über den Aberglauber daß ein kleiner Stein einen bösen oder guten Ein fluß ausüben könnte, sehr lustig machte. Als e aber einmal nach dem Westen reiste, sprang der Zu aus den Schienen. Der Zweifler wurde aus der Wagen geschleudert und war von der Slunde a:
Vom Büchermarkt
k *** 2l«f Kreta und den Konflikt Griechenlands mii bett Großmächten und der Hohen Pforte vereinigt sich in diesem Augenblick das gejammte Interesse der politischen llustrirtt Zeitung" Nr. 2801 vom
4 Marz schildert nach guten Aufnahmen neuesten Datums Land und Volk der vielumftrittenen Insel, die Städte Kandia und Retimo an der Nordküste, das in Trümmern liegende Christenviertel von Kanea, Platonia, wo das griechische Expiditionskorvs unter dem Oberst Vasios landete, die Sudabei; die Türken und Griechen find durch charakteristische Typen vertreten Das Geschwader vor gmT in8»m lAld vorgeführt, auch der Kreuzer 2. Klaff- »Kaiserin Augusta". Dieselbe Numme der „Illn- ftnrlen Zeitung" giebt eine Faksimile-Nachbildung de von der Hand des deutschen Kaisers entworfenen Marine- Ladellen,
Ein Landedelmann zeigte eine Besucherin in feinem Garten bie Blumen, Zierstrauch unb Fruchtbäume, als biese beim Erblicken eine Reihe von Kirschbäumen plötzlich fragte: „Warun ist nur ein Theil dieser Kirschbäume burch Netze ge schützt unb die übrigen nicht!" — erwidert der freundliche Besitzer, „die nicht geschützten sind fir bte Vögel bestimmt; sie bilben bei mir alljährlick das Honorar für bas Orchester."
NurAeghtv
bekehrt. Weitergeben wollte er bas Ding aber nicht er beschloß, es zu verkaufen. Er betrat zu biesev Zweck ben Laben eines Juweliers. „Was wolle. Sie mir wohl für " ' Juwelier sah sich das „Das ist kein Opal, äuge."
Sein Orchester.
Gaunerkniffe. Der ersten Strafkammer des Landgerichts I wurde dieser Tage in B e r l i n der Arbeiter Rud. Eifer mann aus der Untersuchungshaft vorgeführt, ein Mensch, der von dem Kriminalkommissar Wehn als der gefährlichste Ringnepper Berlins bezeichnet wurde. Thatsache ist, daß derselbe bereits drei Mal wegen dieser Art von Bauernfang vorbestraft wurde. Man sollte es kaum glauben, daß es in Berlin noch Leute giebt, welche auf einen derartigen Schwindel hineinfallen, wie ihn der Angeklagte in der Nacht zum 12. Dezember v. I. in Szene setzte. Gegen l1/, Uhr Nachts wurde der Hausdiener Krüger, der auf dem Heimwege nach Moabit begriffen war, von dem Angeklagten in der Nähe der Siegessäule befragt, wo die Sennthaler- straße sei. Als Krüger erwiederte, daß er eine solche Straße nicht kenne, und meinte, daß es gewiß die Stendalerstiaße sein solle, kam eine dritte, unermittelt gebliebene Person hinzu, welche anscheinend das Gespräch gehört hatte und sich hineinmischte mit der Frage, was der Angeklagte denn in der gesuchten Straße wolle. Dieser erwiderte, daß dort ein Pfandleiher wohnen solle, bei dem er einen werthvollen Ring, ein Erbstück, versetzen wolle. Er sei fremd in Berlin und in Geldverlegenheit ge- rathen. Der Hinzugekommene belehrte ihn, daß bei Nachtzeit eine Pfandleihe nicht geöffnet sei, er möchte ihm den Ring einmal zeigen. Der Angeklagte gab ihm den Ring, der mit Kennermiene unter einer Gaslaterne bettachtet wurde. „Ich bin Goldarbeiter und kenne es, der Stein ist echt und mindestens 100 Mk. werth, wenn Sie wollen, will ich Ihnen 40 Mk. dafür geben." Der Angeklagte schwankte, dann entschied er sich verneinend und beharrte auch auf seiner Weigerung, als der Fremde sein Portemonnaie zog und zwei blanke Goldstücke herausnahm, die er ihm reichen wollte. „Nun, verdenken kann ich es Ihnen nicht," meinte schließlich der Fremde und ging davon. Nun wandte der Angeklagte sich wieder an den Zeugen Krüger, der bis dahin ein stummer Zu-
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schauer gewesen war. „Was meinen Sie wohl, ich werde einem Fremden den Ring für 40 Mk. verpfänden und zumal einem Goldarbeiter, der mir ja leicht den echten Stein gegen einen unechten vertauschen kann." Dies leuchtete dem Hausdiener
Krüger sehr ein. Ob er denn nicht den Ring
gegen 40 Mk. auf einige Tage in Pfand nehmen "olle? Zu ihm habe er mehr Vertrauen, und er solle 10 Mk. bei dem Geschäft verdienen. Krüger fühlte sich geschmeichelt, er sei auch nicht abgeneigt, aber er habe nur 12 Mk. baares Geld. Ob er denn nidjt eine Uhr habe, die man auf einige Tage verstell könne? Ja, die hatte er, unb er gab feine llfjr nebst ben 12 Mk. hin unb erhielt bafür ben Ning- Nachdem der Angeklagte bann noch bie genaue Adresse des Krüger in sein Notizbuch geschrieben, trennten sich bie Beiden. Am folgenden Morgen erfuhr Krüger, daß das Kleinod einen Werth 50 Pfg. hatte. In ähnlicher Welfe war es dem Angeklagten in einem zweiten Falle geglückt. Im Termine behauptete er, er sei nicht idenlisch mit dem Betrüger. I Daß der Zeuge Krüger nicht zu den „hellen" gehörte, bewies fein Verhalten vor Gericht, wodurch er allgemeine Heiterkeit erregte. Als der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Rieck, ihn aufforderte, vor den Tisch |ju treten, um den Schwur zu leisten, mußte der Zeuge dies wohl falsch verstanden haben, denn er pickte sich an, auf den Tisch zu klettern. Schon war er mit beiden Knieen oben, als der Vorsitzende ihm zurief: „Aber was machen Sie? Wollen Sie mal vom Tisch herunter!" Der Zeuge sprang hinunter, stellte sich mit erhobener Rechten nun aber so, daß er dem Gerichtshöfe den Rücken zuwandte. Bei seiner Vernehmung war der Zeuge aber sicher, mit aller Bestimmtheit behauptete er, daß der Angeklagte der Betrüger sei, er irre nicht, obgleich derselbe in jener Nacht fuchsrothe Haare und einen blonden Schnurrbart gehabt habe. Der Präsident horchte auf und sah den Angeklagten prüfend an: Angeklagter, haben Sie sich gefärbt? Der Gefragte schwieg, endlich gab er dies kleinlaut zu. Vors.: Wo haben Sie dies fertig gebracht? — Angekl.: Im Unter» suchungsgefängniß. — Vors.: Wann? — Angekl.: Vor einigen Tagen, nachdem mir die Vorladung Zum Termine zugestellt worden war. — Vors.: Unb womit? — Angekl.: Mit Wichse. — Vors.: Und
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