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Verantwortlich für den allgemeinen Theil: Redakteur M. Hartmann, für den Av'eratentheil: Joh. Ang. Koch, beide in Marburg.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchham.

Redaktion mb Expedition: Markt 21.,,hng' Jllnftrirtes Sonntagsblatt.

Jts. 63.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag. 16. Mürz 1897.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux vou Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosie in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. Daube & So. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Parti.

xxxil. Jtchrg.

h. Die Forderungen für unsere deutsche Flotte.

In der Presse der parlamentarischen Linken ist, wie dies gegen alle unsere nationalen Forderungen dort geschieht, ein Kampf gegen die Marineforderungen entbrannt, bei dem man die Sachlichkeit völlig ver­mißt. Die Art, wie dieser Kampf jetzt wieder ge­führt wird, möchte man leidenschaftlich nennen; man erficht aus ihr, es ist ein grundsätzliches Opponiren ES handelt sich hier für die parlamentarische Linke einfach wieder um eine parlamentarische Machtfrage. Der derzeitige Reichstag ist ja leider vollständig außer Stande, zu irgend welchen festen Mehrheiten zu kommen und cs ist die Sorge der linksliberalen Parteien zweifellos die, daß er selbst bei einer ernst­haften Krisis sein schnelles Ende finden könnte.

Von Seite unserer Reichsregierung ist es ein Verdienst, daß sie fteimüthig und offen darauf hinge wiesen, wie unsere deutsche Kriegsflotte lange nicht den Anforderungen genügt, welche Deutschlands Macht­stellung in der Welt entsprechen. Man müßte wirklich mit Blindheit geschlagen sein, wollte man nicht noch in jüngster Zeit den Mangel namentlich an Kreuzern gesehen haben, der bei den verschiedensten Anlässen zu Tage trat. Und es ist nicht allein die gelegent­liche Machtentfaltung Deutschlands zur See, die hier in Frage steht, sondern auch das Gedeihen unseres Handels und unseres Exports. Wie soll des deutschen Reiches alljährlich um 1l1 2 °/0 steigende Bevölkerung sich ernähren können, wenn ihr nicht die Jmusttic Md besonders auch die Export-Industrie mit Arbeits­gelegenheit böten. Es gehört zu unseren Existenz- Bedingungen, daß uns der Export erhalten bleibt. Wir glauben, das deutsche Volk würde es nicht ver­stehen, wollte jetzt der Reichstag den verbündeten Regierungen das für unsere Flotte Nothwendige ver­weigern. Wir müssen zur See so stark sein, daß wir unsere vitalsten Interessen ausreichend vertheidigen können. Daß dabei jetzt der Geldpunkt in den Vordergrund tritt, ist selbstverständlich, und es ist ja gewiß richtig, daß ein Volk niemals über seine Kräfte hinaus zu Abgaben angehalten werden soll. Aber das ist bei uns in Deutschland absolut nicht der Fall, und wird es auch nicht sein, wenn die neuen Postulate zur Verstärkung unserer Kriegsflotte für die nächsten Jahre bewilligt werden.

Was aber, welche Unsummen von Nationalbesitz gingen uns verloren, wenn unsere Flotte einmal plötz­lich mit einer Macht in Konflikt geriehte, welche eine

(Nachdruck verboten.)

Um Wappen und Krone.

Original-Roman von te Rosse.

(Fortsetzung.)

Agnes und Gertrud laufen zusammen in den Wald und sammeln Farrnkräuter," lautete der Brief Isabellas an Wolfgang weiter.Ich ich bin bei einer so seltsam köstlichen Stimmung und träume den lieben, langen Tag, o Du lieber Wolfgang! Welch' eine herzensgute Dame muß die Gräfin sein! Daß sie eigentlich unsere Tante ist, kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich bitte Dich, küffe dieser stemden und doch so hochverehrten Tante in meinem Namen die Hand und sage ihr, daß ich sie liebe, die man das Gute nur liebeu kauu. Mit dem Herrn Pfarrer sprachen wir sehr oft und auch mit dem dicken, rothbackigen Förster, der ein recht.an­genehmer Mann ist und Dich über alle Maße» lobt. Üeberhaupt scheinen Dich alle Menschen hier zu liebeu. Bon den Brüdern wirst Du wohl Nachricht haben. Margarethe, welche jetzt in Theklas Abwesenheit daheim den Haushalt führt, hat uus geschrieben, daß Titus und Ulrich sehr fleißig find, und daß Willibald «eint, er müffe jetzt die Stelle des Hausvaters an­trete», er sei so ernst und gravitäüsch wie ein Alter. Lieber Wolfgang! Wenn Du nun wirklich ein Graf «irst, daun muß unser Respekt vor Dir noch größer «erden, als er so schon ist. Willibald nennt Dich jetzt schon mit großem Stolzeunser Graf*. Ich «6er kann mir nicht denken, daß unsere Verehrung fc Dich sich noch steigern könnte. Die Schwestern bstteu Dich, der Frau Gräfin ihren herzlichen Dank zn entrichten."

Er schob den Brief wieder in die Brusttasche. »Auch ich danke Dir für Deine Güte, ich kann Dir

stärkere Kriegsflotte, rote wir besitzt. Die Anhänger der Herren Eugen Richter, Rickert, Dr. Barth, Haus­mann und Sonnemann schwärmen dafür, im Gegen­satz zu deutschen öffentlichen Einrichtungen stets die englischen als ganz besonders mustergiltig hinzustellen. Nun, nicht blos diese begeisterten Verehrer John Bull's sondern jeder Deutsche weiß, wie gcwalttg ent« wickelk und stark Englands Kriegsflotte zur Zeit da­steht. Es wird nun den Parteien, welche nicht nur grundsätzlich gegen alle deutschen Marine-Forderungen als Freisinnige und Demokraten kämpfen, sondern auch gern jeden mit Hohn bedenken, der sich mit Ernst der Förderung der Wehrhaftigkeit zur See hingiebt, gewiß ein englisches Urtheil über unsere deutsche Flotte natürlich auch maß- aeblicher sein, als einnur" Deutsches! Und da finden wir denn eine ungemein lehrreiche Bettachtung in der hochangesehenen englischen WochenschriftThe Spectator", welche gerade die Aussicht eines Kon­fliktes zwischen England und Deutschland eingehend behandelt. In dieser Betrachtung nun giebt das englische Blatt ja zu, daß an und für sich die heutige deutsche Kriegsflotte eine wohl in Betracht zu ziehende Macht ist, namentlich seien Offiziere und Mann­schaften der deutschen Marine alles Lobes werth und ihre Tapferkeit verdienten alle Anerkennung. Zweifellos hat hier auch die Heldenbesatzung desIltis" dem Blatte vor Augen gestanden, wie sie mit einem drei­maligen Hurah auf Kaiser und Reich in den Tod ging. Ehre, und immer Ehre solchen Helden! Aber, so sagt nun das englische Blatt, unseren englischen Panzern gegenüber ist im eventuellen Kampfe die deutsch« Flotte kein nenaenswerther Faktor.

Im Kriegsfälle" schreibt derSpectator" -würden zunächst jene deutschen Kriegsschiffe, die im Stillen Ozean oder an der afrikanischen Küste kreuzen, in den Grund gebohrt. Die deutsche Handelsflagge, die auf allen Meeren wehe und Deutschlands Weltmachtsstellung repräsentire, sei den Engländern auf Gnade und Ungnade ausgeliefett. Allüberall in den Weltmeeren, die unsere (Englands) Kreuzer durchfurchen, würden deutsche Handels­schiffe getapert und in den Grund gebohrt. Die deutschen Kolonisten müßten im Kriegsfälle froh sein, wenn sie ihren Grund und Boden zu Spottpreisen losschlagen und dann mit heiler Haut sich in die Heimath retten. Auf diese Weise ginge das deutsche Mutterland mit einem Schlage aller der Vottheile, die deutscher Geist und deutsche That- kraft in der Ferne errungen, verlustig. Der Norddeutsche Lloyd, diese größte Handelsmarine der Welt, wäre ruinitt! Dazu die Blockade von deutschen Häfen, durch tie dem deutschen Ueberseehandel Verluste von 100 Millionen Pfund

nicht sagen, wie sehr mir die Geschwister an's Herz gewachsen sind."

Was sehe ich? Fran Gräfin Sondheim, welch' ein angenehmer Znfall," schrie in diesem Augenblick mit lauter Stimme schon von Weitem die Gräfin Pretzfeld, die von einigen Damen begleitet schnell auf sie zukam.

Bei dem lauten Gruße hatte sich der große, alte Herr rasch nmgewendet und musterte jetzt aufmerksam die Gesellschaft. Ruth schien ihm aber besonders zu gefallen, denn sein Auge hing ganz gespannt auf ihr.

Wolfgong aber war erschrocken in die Höhe ge­fahren.

Sie scheinen nicht erfreut darüber, mein Herr, mich zu sehen," lachte ffuni boshaft.Und für Sie liebe Gräfin, bin ich auch keine frohe Ucberraschnng. Papa ist heute mit der Mademoiselle und Dorothea auf den Schachen hinauf. Ich blieb eigen» zu Hause, denn ich dachte sicherlich, daß Sie, Herr Lieutenant, den Papa besuchen würden. Ich war den ganzen Vormittag daheim, ober ich wartete umsonst. Ja, wenn man eine so hübsche, junge Tante hat, dann ist gut Neffe zu sein. Allen Erb­tanten ihm man schön des Geldes halber, jungen, hübschen aber um ihrer selbst willen, habe ich es getroffen, Herr Lieutenant?"

Gräfin Kuni, jene Damen schauen nach uns, Sie schreien so laut, daß man Sie ja bis Parten­kirchen hört."

Was ich sage, kann die ganze Well höre», Ihnen freilich ist die Wahrhett unangenehm, so scheint es wir wenigstens. Warum find Sie heute Morgen nicht gekommen?" fragte sie, und ihr Ange blitzte in Hellem Zorn auf, während ihr Mund fein lächelte.

Sterling zugefügt würden! Das Ergebniß eines Konflikts mit Englands wäre für Deutschland die Niederwerfung seiner Handelsmarine, der Verlust eines nach Hunderten von Millionen zählende» Nationalvermögens, die Aufgabe seiner Koloniee» und der Verlust feines Ansehens in der Welt."

So kann heute noch, 26 Jahre nach der Schaffung des deutschen Reiches, ein englisches Blatt leider un­widerlegbar sprechen. DerSpectator" hält seine Ausführungen, nur zu sehr mit Recht, selbst auch für unanfechtbar, so lange Deutschland über eine Kriegsflotte verfügt, die über ihren jetzigen Umfang nicht hinausgeht. Wir unsererseits sind insofern ab­weichender Anficht vomSpectator", als wohl nicht alle englischen Schiffsmanöver gegen uns zunächst so glatt abgehen würden, manche Heldenthat der deutschen Kriegsflotte würde deren Untergang zu verlangsamen wissen, aber schließlich wäre cs doch um unsere Flotte geschehen! Das englische Blatt führt uns mit größter Deutlichkeit vor, welche Folgen die Vernachlässigung unserer Seemacht haben muß. Es wird dies hier in Deutschland, so Gott will, die Geister zu energischer That wecken, es wird die Er- kenntniß nur festigen, wie dringend nöthig unsere Sicherung auch durch eine den Verhältnissen ge­wachsene Kriegsflotte ist. Merkte mgn nicht zu deutlich die Absicht obiger englischer Ausführungen, die wohl auch die überlegene Konkurrenz der deutschen Jndusttie gegen England vornehmlich mit einschüchtern sollen, nun so dürfte man glauben, cs liege in obiger Darstellung die Stimme eines freundlichen Warners. Ja, ohne den Willen desSpectator" sind seine Be- ttachiungen zu einer Mahnung für das deutsche Volk geworden, die in alle Schichten unserer Bevölkerung eindringen möge, die jeder, der sei» Vaterland liebt, wohl beherzigen und beachten möge zur rechtzeitigen, opferbereiten Vorsorge an deutscher Wehrhaftigkeit auch zur See!

Umschau.

DieBerl. Pol. Nachr." schreiben: Der Bundes- rath hat den Gesetzentwurf über die Organisation des Handwerks einsttmmig angenommen. Be­kanntlich beruht dieser Entwurf bereits auf einstimmigen Beschlüssen der mit der Vorberathung des preußischen Entwurfs betrauten Ausschüsse, welche unter dem Vorsitze des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe getagt haben. Dabei hat aber eine Veihe von Bundesregierungen ihre Zu­stimmung ausdrücklich an die Voraussetzung

Well ich vom Posthalter hörte, daß Ihr Herr Vater für heute den Wagen bestellt habe."

Sie wähnten mich also nicht daheim? Nun, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ich habe ein Rechr, Sie zu erwarten. Also auf Wiedersehen, Adieu Gräfin Sondheim."

Welch' ein widerwärtiges, ungezogenes Geschöpf diese Pretzfeld ist," sagte Ruth,komm, laß »ns gehe», sie schaut immer zu »ns herüber."

Wolfgang machte ihr ein Zeichen, daß sie schweige, beugte sich vor und flüsterte:Jener dicke Herr da drüben hat jedes Wort verstanden, auch er beobachtet uns. Kunis Benehmen ist wie das eines Straßenjungen."

Beide erhoben sich. Wolfgang grüßte nach dem Tisch hinüber, wo die Gräfin Pretzfeld saß, diese aber ließ seinen Gruß unerwidert.

Sie verdirbt uns den ganzen hiesigen Aufent­halt," seufzte Ruth.Du. wie wäre es, wenn wir von hier abreifen würden und zwar gleich morgen früh? Wtt könnten den Mondsee besuchen, was sagst Du dazu?

Daß Du ein Engel an Güte und Weisheit bist," erwiderte er.

Also abgemacht," jubelte sie,morgen geht es fort."

Neunzehntes Kapitel.

Ruth und ihr Neffe befanden sich in Mondsee, sie wollten da einige Wochen verbringen, Gmunden, Ischl und zuletzt den Hallstädter-See besuchen, und bann zuiückkehren. Von den Schwellern waren wieder­holt günsttge Nachrichten eingetroffen.

Thekla wird von Tag zu Tag kräftiger," chrieb Isabella,und ich spiele mtt dem Doftor Wirkheimer die Zllher. Wir haben jeden Abend ein

g eknüpft, daß damit die äußere Grenze gezogen ist, dis zu welcher den Wünschen der innungsmäßig or- ganifitten Handwerker entgegengekommen weiden kann, und daß insbesondere der Wunsch auf allgemeine Einführung des Befähigungsnachweises als Bedingung für die Zulassung des Gewerbes eutschieden abgelehnt werde. In dem Hauptpuntte der Zwangsinnung steht der jetzige Entwurf zwar im Widerspruche mit den Beschlüssen der Handwerkerconferenzen vom September vorigen Jahres, aber grundsätzlich auf demselben Boden, wie der preußische Entwurf. Denn, wenn zwar in diesem der Landesaufsichtsbehörde nur die Befngniß beigelegt war, bei dem Widerspruche der Mehrzahl der Behelligten von der Bildung einer Innung abzusehen, so lassen die Motive doch keinen Zweifel darüber, daß die Bestimmung in dem Sinne gedacht war, daß die Behörde von dieser Befngniß überall auch Gebrauch zu machen haben würde. In der Praxis würde daher bei Ausführung des preu­ßischen Entwurfs voraussichtlich im Wesentlichen das­selbe herausgekommen sein, wie bei der Durchführung der jetzigen Bestimmung, Inhalts deren bei dem Widerspruch der Mehrzahl der beteiligten Handwerks­meister von der Jnnungsbildung abgesehen werden muß."

Auf ein von Augsburg aus an ihn am 9. b. M. gerichtetes Telegramm hat der Reichskanzler am Tage darauf folgende Antwort gesandt:

Der Versammlung rcichstrener Männer aller Stände, deren Begrüßung und patriotische Wünsche auf Vermehrung unserer Macht zur See Sie mir gestern übermittelten, sage ich meinen Dank. Fürst Hohenlohe."

Es wird übrigens denBerl. Pol. Nachr."be­stätigt", daß der Staatssekretär des Rcichsmarine- amts, Admiral Hollmann, die Absicht habe, fein Entlassungsgesuch einzuretchen, nach­dem die Budgettommission des Reichstags die gefor­derten ersten Raten für die beiden neuen Kreuzer 0" undP" und für denErsatz Falke" abge­lehnt habe.

Der Entwurf des dem Reichstag zugegangenen Auswanderungsgesetzes enthält im wesent­lichen die folgenden Bestimmungen: Wer die Be­förderung von Auswanderern nach außerdeutschen Ländern betteiben will, bedarf der Eilaubniß, für die der Reichskanzler zuständig ist. Die Er- laubniß darf in der Segel nur an Reichsangehörige oder Gesellschaften ertheilt werden, die ihren Sitz im Reichsgebiet haben. Vor der Ertheilung derEr-

kleines Konzert, dem auch Doktor Rudolph Wirk­heimer beiwohnt. Noch nie in unserem Leben waren wir so vergnügt, wie hier."

Ruth lächelte über diesen Brief, es freute sie, daß seine Schwestern so gerne in Thalham weilten, fie selbst aber war verstimmt. Der Gedanke an die Gräfin war kein angenehmer. Ihre Flucht kam ihr jetzt lächerlich vor. Warum schwieg Wolfgang so beharrlich. Ihr bangte vor der Zukunft, natürlich war die Idee mit demSohne" eine unausführbare geworden. Sie liebte Wolfgang leidenschaftlich und fand nur Ruhe bei ihm; war er nicht anwesend, so ging ihr etwas ab. Und er? Wußte sie denn nicht, daß er ihre Liebe erwiderte? Sagte es ihr nicht jeder Blick seines Auges, der oft wie gebannt an ihr hing? Warum aber schwieg er? Warum begehrte er fie nicht zum Weibe? War sie schon zu alt für ihn ober traute er feiner Neigung zu ihr keinen festen Bestand zu? Sie fühlte sich beschämt, wen» fie an den Grund ihrer Abreise von Thalham dachte, sie floh vor der Gefahr, die ihr von einem Bauernmädchen drohte. Und nun war fie abermals geflohen, nun fürchtete fie die Gräfin Pretzfeld. Immer konnte fie solchen Versuchungen nicht Vor­beugen, immer würde auch er es nicht wollen. Er hatte kein Vertrauen zu ihr oder keines zu fich. Warum nannte er die Gräfin Pretzfeld nicht wieder? Warum erzählte er ihr nicht von den früheren Be­ziehungen zu ihr? Ebenso vermied er es von Philomele zu sprechen. So ost fie auch von ihr anfing, jedesmal brach er das Gespräch rasch ab. ?uf solche Weise, mtt solchen mißttauische» Gedanken schon vor der Ehe konnte man ein zukünftiges Glück nicht hoffen.

(Fortsetzung folgt.)