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Verautwortlich für dm -llgmreinm Theil: Redakteur M. Hartman», für dm Meratruthell: Zoh. Ang. Koch, bette in Marburg.

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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.

RidaAo» mü> enxtotau Markt ». taStete‘ Jllustrirtes Sonntagsblatt.

J« 55.

Erscheint täglich außer an Werktagm nach Sonn- und Feiertagen. — Qnartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (eifl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Mle oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonnabend, 6. März 1897.

Sureig« tttamt entgegen die Eweditiou diese» Blatte«,

Mne di« Amwncm-Bureaux vou Haasenstein & Vogler in 3£' W- Magdeburg und Wim; Rudolf TYY1I

Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. AAA*1, «OlUJiy.

D«rbe & So. in Frankfurt a. R., Berlin, Hannover, Pari».

Sozialdemokratische Hetzereien.

In der letzten Reichstagssitzung brachte der wild- siberale Abgeordnete Rösicke die Forderung eines Museums für Unfallverhütung zur Sprache. ES if ohne weiteres als selbstverständlich anzunehmen, daß wir ein solches Museum längst besäßen, wenn dadurch die Möglichkeit gegeben wäre, die Verhütung auch Ml eines Unfalles herbeizuführen. Eine solche Wirkung wird man sich aber von der Ausstellung von Gegenständen zur Verhütung von Unfällen, der allerneuesten Erfindungen auf diesem Gebiet nich versprechen können.

Die Sozialdemokraten stellen die Sache aber so dar, als werde schon durch das Vorhandensein eines solchen Museums ein Theil der sozialen Frage gelöst. Wie bescheiden find doch die Herren, wenn es fich darum handelt, eine Forderung zu erheben, die nicht Aussicht auf Bewilligung hat. Wenn der Arbester- schaft Renten- und Verstchemngen in Höhe von Milliarden bewilligt werden, so nennen das die Sozialdemokraten eine „Bagatelle"; wie wenig aber würde den Verstcherungsauftvendungen gegenüber di« Ausgabe für Errichtung und Unterhaltung eines Unfallmuseums in's Gewicht fallen!

Zieht das die Arbeiterschaft in Betracht, so muß sie zu dem Ergebniß kommen, daß doch wohl nicht finanzielle Gründe für die Nichterfüllung dieser Museums-Forderung maßgebend sind. Gleichwohl aber äußerle „Genosse" Wurm — nach dem „Vorwärts" — in der erwähnten Reichstagsdebatte: „Leider seien im Reiche zwar für alle kultmfeind- lichen Unternehmungen Millionen vorhanden, .zum Schutze der gesunden Knochen der Arbeiter seien aber nicht einmal 5000 Mark jährlich locker zu machen. Dies Verhalten werde denselben Arbeitern gegenüber beobachtet, auf deren Schultern man durch das System der indirekten Steuern fast die gesammte Steuerlast des Reiches lege."

ES ist sehr zu bedauern, daß diese maßlosen Uebertreibungen vom Bundesrathstische aus keine Zurückweisung erfahren haben. Diesen Umstand wird die Sozialdemokratie nun fruktifizieren und behaupten, das Schweigen habe die Berechtigung der Wurm'schen Ausführungen erwiesen. Uns fehlt der parlamentarische Ausdruck zur Kennzeichnung der Dreistigkeit, mit welcher der „Genosse" dem offenen Parlament so faustdicke Unwahrheiten in's Gesicht zu sagen, sich unterfing. Wäre der Herr kein Sozialdemokrat, so

würde er auf eine ernsthafte Würdigung seiner Worte auch nicht zu rechnen haben. In der Sozialdemokratie aber machen selbst die haarsträubenden Lügen, wenn sie nur mit Dreistigkest angebracht werden, noch Eindruck ; denn der sozialdemokratische Anhang ist systematisch an solche Lügen gewöhnt und durch diese Lügen großgezogen.

Darum ist es eine kaum noch wieder gut zu machende Unteilassungssünde, daß man die Wurmschen Unwahrheiten im Reichstage ohne Widerspruch hat durchgehen lassen. Unwahr ist es, daß im Reiche kulturfeindliche Unternehmungen gefördert werden — oder rechnet Herr Wurm die Millionen an Steuer­ausfall kostenden Handelsverträge, für welche die Sozialdemokratie gestimmt hat, zu diesen? —; un­wahr ist es, daß das Reich zum Schutze der „ge­sunden Knochen der Arbeiter" kein Geld hcrgebe; un­wahr ist es, daß die Arbeiter fast die gesammten Reichssteuern tragen — kurz „Genoffe" Wurm hat von A bis Z die Unwahrheit gesagt. _

Die durch die Sozialdemokratie ab­gelehnte Unfallversicherung ist der beste Schutz der „gesunden Knochen der Arbeiter". Kein Museum und kein Schutzgesetz würde denjenigen Unter­nehmern, welche sich zu Reformen nicht freiwillig herbeizulassen pflegen, die Nothwendigkeit, ihren Ar­beitern das möchlichst höchste Maß von Schutz für Leben und Gesundheit angedeihen zn lassen, so nahe legen, wie die Thatsache, daß sie für jeden Unfall anfzukommen verpflichtet sind. Das Unfall-Museum wäre also wohl nichts weiter als eine neue — vielleicht sogar problematische — Sehenswürdigkeit der Reichs- Hauptstadt, für die gerade die Arbeiter daS geringste Jntereffe zeigen dürften.

Das Absurde der Wurmschen Behauptung, auf die Schultern der Arbeiter sei durch das System der indirekten Steuern fast die gesammte Steuerlast des Reiches gelegt, kann jeder „Genosse" selbst erkennen, wenn er bedenkt, daß das Reich ungefähr Vlt Mil­liarden im Jahre verausgabt. Wenn die Arbeiter auch nur den zehnten Theil davon aufbringen müßten, so würden sie das gewaltig fühlen! Nein, wir be­haupten im Gegcntheil: trotz der Heranziehung auch der weniger bemittelten Bevölkerung zu den indirekten Steuern, ist gerade der Arbeiter steuerfrei; denn die Befreiung vom Schulgeld und von der direkten Staats­steuer, sowie die Zuwendungen durch die Verstcherungs- gesetze betragen viel mehr als durch die Arbeiter an indirekten Steuern der Reichskasse zufließt.

Umschau.

Die Griechenland gestellte Frist bringt eine kurze Ruhepause in den Nachrichten wie in der Er- örterung. In L o n d o n ist jetzt die Anschauung der Lage nur in den Kreisen hoffiiungsvoll, die am wenigsten gut unterrichtet sind. Die ganze gestrige dortige Morgenpresse redet strenger oder milder je nach Parteifarbe den Griechen zu, nachzugeben; nur „Daily Chronicle" lärmt unbeirrt weiter und bringt einen großen Aufruf an die Nation, in dem sie zu schleunigen Kundgebungen auf Trafalgar Square, Hyde Park und anderswo auffordert, um einen Druck auf die Regierung auszuüben und die Theilnahme Englands an einer möglichen Blockade zu hindern. Der Pariser „TempS" berichtet aus Athen, die Note der Mächte habe keinen Eindruck gemacht. Allgemein denke man, das beste Mittel zur Lösung sei die Er­öffnung der Feindseligkeiten grgen die Türkei; man hoffe, die Mächte würden die beste Waffe Griechen­lands gegen die Türket, die Flotte, nicht neutralisiren. Die Antwort Griechenlands werde angesichts der patriotischen Erregung verneinend ausfallen. Die Ein­nahme von Kandano sei bis jetzt nicht bestäfigt. Man bemühe fich, die türkische Besatzung mit den in Citadelleu eingeschlossenen Frauen und Kindern zu retten. In Wien liegt nachfolgende Meldung aus Belgrad vor: In Altserbien kamen in den l tzten Tagen an mehreren Orten blutige Exzesse gegen die christliche Bevölkerung vor. Auf der Straße in der Nähe von Prilep ermordeten Türken einen Geistlichen und zwei Bauern. Bei Zetomo überfielen bewaffnete Anrauten einen serbischen HochzeitSzug, tödteten 7 Personen und verwundeten 21 schwer. Vor Santo hielten gestern der Kommandant und die Offiziere des englischen Panzers „Barfleur" an Bord einen KriegSrath in Sachen der Ermordung des Obersten Suleiman ab. Der Kriegsrath beschloß, eine Unter­suchung zur Entdeckung des Mörders ins Werk zu setzen. Sollte diese zu keinem Ergebniß führen, so würden 3 gefangene Zaptiehs erschossen werden. Die geplante Fahrt der „Hydra" nach Selino wurde infolge des Widerstandes der Konsuln aufgegeben. In Athen erklärte des Königs Adjutant Thon, Griechenlands Antwort auf die identtsche Note der Großmächte werde Folgendes enthalten: Griechenland ist bereit, binnen der Ablanfzeit der Räumungsftist die griechische Flotte aus den Ge wäffern Kretas zurückzuziehen. Oberst Vassos' Occn- pationskorps dagegen wird auf Kreta blei­ben. Der Correspondent des „TempS" ist der

Meinung, Griechenlands'Antwortjsei gleichbedeutend mit einer Blockade des Piräus und dem sofortigen Ausbruch des Krieges in Makedonien. Der ntne Kriegsminister, Oberst Metaxas, hat beim Amts­antritt fernere energische Rüstungen angeordnet. Er empfahl den Befehlshabern der Truppen, die äußerste Thättgkeit zu entwickeln, um die Armee fähig zu machen, den gegenwärtigen Verhältnissen ins Auge zu sehen. Der griechische Marineminister gab tele­graphische Weisung an den Flottenkommandanten, Kanea nicht ohne ausdrücklichen Befehl zn verlaffen. Einen ähnlichen Befehl erhielt Prinz Georg. Den Standpunkt der Regierung kennzeichnet folgende Aeußerung Delyannis': „Heute find wir in der De­fensive, morgen werden wir wahrscheinlich zum An­griff übergehen. * Auch der König versicherte wieder­holt, er werde in die Abberufung des Heeres und der Flotte unter keinen Umständen willigen. Die „Akropolis" versichert, daß die Antwort ungefähr folgenden Inhalt haben wird: Autonomie für Kreta sei nutzlos; das vorgeschlagene Mittel der Abberufung des griechischen Heeres, das beauftragt sei, Barbarei zu verhüten, würde neue Maffacres bewirken, die jedesmal auch das Königreich erschüttern würden. Deßhalb sei die Regierung, trotz ihrer Hochachtung vor den Beschlüffen der Großmächte außer Stande, Heer und Flotte zurückzurufen.

In einer öffentlichen Erklärung des Vorsitzenden des Verbandes deutscher Müller wird die Behauptung aufgestellt, daß die am 23. und 24. v. M. wegen der Zollbehandlung der Exportmühlen nach dem Reichsschatzamt berufene Versammlung in einer jenen Großmühle» ungünstigen Weise zusammen­gefitzt worden sei und demgemäß auch nur ein nega­tives Resultat gehabt habe.

.Reben den Führern der Agrarier," so heißt e» dort, »den Herren Grafen Klinckowstroem, Schwerin-Löwitz und v. Puttkanier-Plouth, feie so viel kleine Müller und Ge­neralsekretäre la- dwirthschaftlicher Vereine geladen, denen ihre Antworten, wie ixntlich zu merken war, von den obigen Führern vordiktirt waren, daß an ein anderes Resultat nicht zu denken war"

In dieser Zuschrift ist offenbar übersehen, daß jene Versammlung nicht eine beschlußfassende war, sondern lediglich eine Versammlung von Sachverständigen, von denen jeder Einzelne sein Gutachten nach bestem Wiffen uud Gewiffen ab­zugeben hatte. Die Versammlung konnte hiernach auch nur in einer Weise zusammengesetzt werden, daß allen an der Frage Betheiligten, d. h. den Ver- ttetern der Großmüllerei, der Kleinmüllerei und der

„Run was Wetter?" fragte Ruth gespannt.

»Da hielt mich das arme Mädchen für ihren Geliebten, sie umarmte mich, preßte mich an fich und schrie: „Franz, Du bist nicht tobt, Du lebst!" -Ich bin ja nicht Dem Franz," sagte ich sanft. Da erst sah fie mich fester an, stieß einen lauten, markerschütternden Schrei aus, der in den Bergen widerhallte. Sie wollte fich von mir loßreißen, doch üh packte sie fest und trug sie von der gefährlichen Stelle hinweg. Sie wehrte sich nicht, regungslos blieb fie in meinem Arme, ihr Kops lag wie der einer Tobten an meiner Brust. Erschrocken legte ich fie zu Boden und flößte ihr einige Tropfen Enzian

gab mir die Hand zum Abschied. „Nein," sagte ich, „ich bleibe bei Dir und führe Dich heim, den Bock hab' ich doch verfehlt." „Hast Du ihn wollen?"

(Nachdruck verboten.)

Um Wappen und Krone.

Qriginal-Roman von Ve Rosse.

(Fortsetzung.)

»Das Weib warf sich bei dem Kreuze auf die Knie," fuhr Wolfgang fort, „umklammerte es mit beiden Armen und schluchzte, daß ihr ganzer Körper bebte; bann ging es bis an den Rand des Felsens, unter dem der schauerliche Abgrund gähnt. Es bog den Kopf vor und schien zu lauschen, murmelte einige Worte und strich fich mit einer verzweiflungs­vollen Gebärde die wirren Haare ans der Sttrn. Mich schauderte, ich fürchtete, es stürzte im nächsten Rament hinab. Ich warf meine Flinte weg, sprang schnell »ar und faßte eS in meine Arme. - Und da —' er schwieg und sah auf seinen Teller nieder.

war er auch, Du hast ganz seine Figur, oh Franz," und wieder gab fie fich einem Ausbruch wttden Schmerzes hin. Mir wurde angst und bange, ich wußte nicht, was ich beginnen sollte. Es war in­zwischen Nacht geworden, weit und breit keine mensch­liche Seele. Unmöglich konnte ich das arme Mädchen in seinem grenzen lose» Jammer fich selbst über­lassen. So blieb ich denn geduldig vor ihr sieben und wartete ab, bis fie sich erholt hatte. Die übernatürliche Erregung hatte sie matt gemacht, sie war so schwach und hülflos wie ein Kind geworden. Ich half ihr vom Boden anf; nm sie zu stützen, schlang ich meinen Arm um fie und führte sie hin­weg. Sie ließ Alles mit fich geschehen, und einmal, als ich mich mit ihr bücken mußte, um unter dem tief herabhängenden Aste eines Baumes hindurch zu schlüpfen, lehnte fie ihren Kopf an mich. „Wer Du auch bist," sagte fie, „Du gleichst ihm und bist der­selbe gute Mensch wie er. Seit langer Zeit war Niemand mehr fteundlich mit mir, ich bin allein, mutterseelenallem. Im Wald, wenn es recht still ist und nur die Bäume rauschen, da ist mir noch am wohlsten." Als wir dann später an eine kleine Lichtung kamen, blieb fie stehen und sagte: „Laß mich jetzt allein gehen, behüt Dich Gott! und geh nicht so spät auf die Geschwendwiese, es find jetzt gerade vier von der drübern Grenze auf der Fährt' eines Hirschen, hott' Dich fern von ihnen." Sie

Mschen dre halbgeöffneten Lippen. Sie seufzte und fragte fie, „der ist gestern geschossen worden." Ich schlug die Augen aus Ich sprach ihr Dost zu, fragte fie woher sie das wisse. Darauf gab sie mir

«ch! das arme Geschöpf ihat nur ft leid. Sie keine Antwort. Ich ging mit ihr, bis wir an den

[° seltsam an. Paulushof gelangten. Sie sprach kein Wort mehr.

Wer bist Du? fragte sie, liehst ihm ähnlich, so groß unb ich schwieg auch. Bei ihrer Hausthür gab sie

mir nochmals bic Hand unb sagte Lieber: „Behüt Dich Gott!" Ich blieb noch eine Weile draußen stehen; nichts regte fich im Haus, auch fein Licht ward sichtbar, sie mußte fich im Finstern zur Ruhe begeben haben, wenn anders fie Ruhe finden konnte. Nach einigen Tagen führte mich mein Weg beim Paulushof vorbei. Das Mädchen saß vor dem Hause, ihre Hände lagen müßig im Schooße. Beim hellen Tageslicht sah ich die Spuren der Leidenschaft in ihren Zügen eingegraben, aber ich bewunderte das edelgeformte Gesicht mit den tiefbunflen Augen unb dem prächtige» Körperbau, der ttotz allen Mangels ans Pflege unb vielleicht auch au Nahrung, boch vou vollkommener Formschönhett war.

„Also sehe ich Dich beim lichten Tag," sagte fie, unb streckte mir die Hand entgegen. „Ich habe die lanze Zeit über auf Dich gewartet, und wie Du so >ei der Ecke hervorgekommen bist, da hätte ich laut aufschreien mögen. Ach! ebenso hat er ausgeschaut, ebenso groß, so kräftig, so lieb, so gut — und die- elbeu blauen Augen, denselben blonden Bart." Und ehe ich es verhindern konnte, hatte fie meine Hand geküßt. Ich entzog fie ihr rasch und streichelte ihren wirren Scheitel. „Kannst Du ihn gar nicht ver» gessku?" fragte ich. TbrSnen stiegen in ihren großen, dunklen Augen auf. „Frage nicht," bat sie, „mein perj ist so schwer, es weiß ja Niemand, wie es da drinnen ausfiebt, unb begreift es auch Niemand." „Armes Mädchen," suchte ich sie zu trösten, „unb Dein Haus siebt auch so verfallen aus." „Ich brauche kein Haus unb kein Grab," rief fie, „es muß ja boch einmal anders werden." Um ihre Ge­danken abzulenken, fing ich an von meinen Schwestern zu erzählen. Ich sagte ihr, daß meine älteste Schwester auch ein schweres Leib zu tragen gehabt habe, daß sie ihren Bränttgarn acht Tage vor der

Hochzeit durch den Tod verloren, daß fie aber ttotz der großen Trauer und ttotz ihres Herzeleids ihre jüngeren Geschwister nicht vernachlässigte, sondern für dieselben Tag und Nacht versorgt und gearbeitet habe, Philomele lächelte verächilich. „Rann es nicht verstehen," flüsterte sie vor fich hin, „meine ganze Seele ist bei ihm, ich habe nichts anderes mehr zu denken." Ein schwerer Seufzer entwand fich ihrer Binst. Plötzlich fragte fie mich: „Wer bist Du? wie heißt Du?" „Wolfgang Witpoldsried," ant­wortete ich. „Wo wohnst Du?" fuhr fie fort. »Im Schlosse." Da wich fie zurück. „Im Schloß!" wiederholte fie gedehnt. „Was ist dabei?" fragte ich. -Bist Du der Jäger?" „Ja," lachte ich, „nebenbei ober auch der Neffe von der Frau Gräfin." „Ah, ein so großer Herr!" sagte fie halblaut vor sich hin, „ich mag fie alle nicht die Herrischen." „Dann gehe ich," sagte fie und stand auf. Sie legte ihre Hand auf meinen Arm. „Dich hab ich gern," flüsterte fie, „Du siehst ihm gleich und bist so gut wie er, geh nie au meiner Thür vorbei, ohne daß Du mir Grüß Gott sogst." „Das will ich Dir versprechen," erwiderte ich und ging. Sv habe ich die Philomele kennen gelernt," schloß Wolfgang Witpoldsiied. „Findest Du, daß eS Unrecht von mir war, mit dem armen Geschöpfe fteundlich ge­wesen zu sein?"

„Nein — das nicht — aber —"

-Was aber?" fragte er schnell, fie forschend anschend.

„Bitte, lassen wir es," wehrte sie ab. „Wie Du willst," sagte er, fich erhebend.

(Fortsetzung folgt)