MechM Jeilmg.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain. Jllnstrirtes Lonntagsblatt.
Jti 52.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonncments-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (erkl. Bestellgeld). Jnsertionsgcbühr für die gespaltene Z^ilc oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Mittwoch, 3. März 1897.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux vou H-rasenstein & Vogler ht Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf YYYH Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. AAAi1, -oWJUJ. Daube & Co. in Frankfurt a. M„ Berlin, Hannover, Paris.
Heute ist dies nicht in wesentlichem Maße der Fall, denn der Unternehmer hat es in der Hand, seine Arbeiter je nach ihrer Leistung zu bezahlen. Der Minimallohn und der Moximalarbeitstag würde das ändern. Dann würde der Unternehmer von der Einstellung untüchtiger und saumseliger oder ungeschickter Arbeiter absehen müssen. Wie viele alte oder durch Krankheit geschwächte Arbeiter empfinden es als ein Glück, wenn ihnen sich in irgend einem Betriebe eine Anstellung, sei es auch mit einem Lohne von drei Viertheilen des sonstigen Satzes, bietet. Sie würden unweigerlich arbeitslos, sofern Minimallohn und Maximalarbeitszeit eingeführt wären.
Wenn der Fabrikant oder Handwerksmeister ge- zwungeu ist, einen Minimallohn zu zahlen oder eine Maximaldauer der Arbestszeit innezuhalten, ist er außer Stande, auf solche Ausnahmen sich einzulasien. Die schwachen und leistungsunfähigen Arbeiter also würden brodlos werden. Aehnlich erginge es Leuten, die eine schlechte Lehrzeit hinter sich haben und die später zu geringen Löhnen beschäftigt werden, um sie gewissermaßen noch einmal nachlernen zu lassen. Auch diese würden unter der Herrschaft der erwähnten „Reformen" keine Aussicht auf eine, wenn auch gering bezahlte, Arbeitsgelegenheit haben.
Allein auch für einen großen Theil der besseren Arbeiter würde die Einfühmng von Minimallohn und Maximalarbeüszeft verhängnißvolle Folgen haben. Wird der Unternehmer erst in eine gesetzliche Schablone hineingezwängt, so verliert er sehr häufig die Lust zu fteiwilligen Aufbessemngen — sofern er dazu überhaupt noch „kapitalkräftig" genug ist — oder die Mittel dazu. Es würde sich sehr bald Herausstellen, daß in der Mehrzahl der Betriebe, die zur Einführung eines bestimmten Minimallohnes gezwungen wären, dieser Minimallohn auch zum allgemeinen Lohn werden würde. Die Einführung eines Mindestlohnes würde also die Löhne im allgemeinen herabdrücken, so daß es tüchtigen und geschickten Arbeitern viel schwerer als heute werden würde, einen höheren Lohn zu erlangen. Ebenso würde der Maximalarbeitstag vor allem auch die Wirkung haben, daß Arbeitern, die sich durch Ueberstunden Geld verdienen möchten, diese Quelle eines Nebenverdienstes verschlossen würde.
Der Arbeitgeber ist in der That nicht der unabhängige „Ausbeuter", als welchen ihn die Sozialdemokraten und andere Sozialisten so gern schildern. Sein Betrieb, ja seine Existenz hängt davon ab, daß er der Konkurrenz, namentlich der des Auslandes, gegenüber gewachsen bleibt. Das deutsche Unter-
Ruth lächelte und sah immer wieder auf den letzten Satz. Nicht um Geld, sondern um Rang und Namen. Er ertheilt mir da eigentlich eine Lektion. Der Neffe scheint heftig zu sein. Förster Röslau nennt es „rasch," der Ausdruck wäre da gut angebracht. Nein, mein bester Wolfgang, beleidigen wollte ich Dich aber nicht. Du sollst nun doch kommen. Sie setzte fich nieder und schrieb an dm Neffen:
„Es war ein Mßverständniß. Ich wollte Sie nicht kränken und bitte Sie, dennoch zu kommen. Ihre Tante Ruth Sondheim."
Als sie den Inhalt des Briefes ihres Neffen dem Doktor Wirkhetmer mittheilte, schüttelte dieser mißbilligend den Kopf.
„Mir scheint dieser Mensch ein Komödiant zu sein, und ich warne Sie vor ihm. Trauen Sie ihm nicht, sein Anfinnen ist keck und unverschämt."
Sie sah de» erregten Sprecher forschend an. „Sie haben eine Abneigung gegen den Neffen?"
„Allerdings, dieser Mmsch will fich in ein warmes Nest setzm und glaubt, daß es sehr leicht ist, fich bei einer einzelnm Frau einzuschleichen. Ich wiederhole Ihnen, hüten Sie fich. Ich wette meinen Kopf, er hat einen Haufen Schulden, die Sie dann bezahlen muffen. *
„Wir werden ja sehen, wie er ist, wenn er kommt," erwiderte sie kleinlaut.
„O, kommen wird er ganz sicher, darauf können Sie fich verlaffen."
Dem Pfarrer gefiel dagegm der Brief des Lieutenants. „Aehnlich würde in diesem Falle Ihr Herr Gemahl auch geschrieben haben," meinte er lächelnd.
Förster Röslau lachte auch über den Jnhatt des Schreibens. „Scheint mir rasch zu sein, der Junge,
Machdruck verboten.)
Um Wappen und Krone. Qriginal-Roman von La Nasse.
(Fortsetzung.)
„Was wird mein Neffe schreiben?" flüsterte Ruth und erbrach den Brief, der also lautete:
„Gnädige Frau Tante! Sie irren fich in meiner Person. Ich bin zwar ein armer Mensch, aber kein Glücksjäger, wie Sie denken. Ihr Wunsch, mich vorher kennen lernen zu wollen, ehe Sie mir die Rechte eines Sohnes einräumen, ist sehr natürlich, und hätten Sie mich ohne den Nachsatz cingeladeu, so wäre ich nicht nur mit Freuden, sondern mit großen Glückshoffnungen gekommen. So aber bin ich außer Stand gesetzt, Ihrem Wunsche zu folgen, denn wenn Sie mich schon im Voraus so ungünstig bmrtheilm, würden alle meine Handlungen Ihnen auch in demselben: Lichte erscheinen. Ich bin ein einfacher, ehrlicher Charakter, und von so großem Nutzen mir auch Ihr Name gewesen wäre — denn ich bin das Oberhaupt einer Familie, die aus acht mrversorgtm Schwestem und drei jüngeren Brüdern besteht — so verzichte ich doch darauf unter diesen Umständen. Wenn ich Ihr Vertrauen nicht gerecht- fertigt, und Sie mich nach Ablauf des Jahres nicht advpttren können, so wäre ich einfach um eine Hoffnung beraubt zu dm Meinigen zurückgekehrt. Daß Sie mich aber wie einen Bettler mit einem •clbfad fortschicken wollen, das ist eine Beleidigung, der ich mich nicht anssetzen will; dmn sie verträgt sich nicht mit der Ansicht über die Ehre eines redlich bexfenben Mannes. Ich kam als Bittmder um Ihren Rang und Namm, aber nicht um Ihr Geld. Mit ehrlicher?» Gruße Ihr Neffe Wolfgang Wit- poldsried,"
Minimallohn und Maximalarbeitstag.
Wenn die Arbeiter die theoretischen Darstellungen über die angeblich günstigen Wirkungen von Minimallohn und Maximalarbeitstag lesm, so müssen sie ohne weiteres die Ansicht gewinnen, von der Einführung dieser beiden „Reformen" würde ihnen ein großer Vortheil erwachsen. Bettachten sie sich aber die Dinge genauer, so sehen sie dieselben in einem ganz anderen Lichte, und es ergibt sich, daß die G e s a m m t h e i t der Arbeiter nur Nachtheil haben würde, wenn ein allgemeiner Minimallohn und ein solcher Maximalarbeitstag eingeführt würde.
Die Freunde des Minimallohnes betonen, daß durch dessen Einfühmng dem Arbeiter eine bestimmte Einnahme gesichert sei, unter welche der Arbeitgeber auch in Zetten großen Arbeiterüberflusses nicht hin- mrtergehen dürfe. Diese Rechnung stimmt in der Theorie. In der Praxis aber sieht die Sache anders aus. Der Arbeitgeber wird, Sofern er an einen bestimmten Minimallohnsatz gebunden ist, nicht etwa jeden Arbeiter anstellm, der sich ihm anbietet, sondern er wird nur die tüchtigsten und leistungsfähigsten sich heraussuchm und minder tüchtige wie schwächliche zurückweism.
nehmerthum ist durch die internationalen Wähnmgs-1 gewonnen, FainUimlebm gebaut, Frauenarbeit ge= Verhältnisse sowie durch die Aufwendungm, die ihm! hoben, Männerkraft geschützt, Deutschlands Arbeiter die soziale Gesetzgebung heute schon auferlegt, ohne- l um sich geschart, so gut wie seine Ahnen die mär. die« schwerer belastet, als die Konkurrenz des Aus-Irischen Bauern um sich hatten!? Soll man ihn land es. Vermehrt man feine Betriebskosten noch! nicht einst unter die Ahnen eines positiven, praktischen
durch weitere gesetzliche Maßnahmen, so kann das I Sozialismus zählen? Das wenigstens waren die nur gegen das Interesse der Arbeiterschaft ausschlagen. I Hoffnungen von 1890. Doch was gesprochen ist. Wenn die Sozialdemokraten behaupten, in ihrem list gesprochen. Schon rollt es in den Wolken. Die Zukunstsstaate würden sie dergleichen Schwierigkeiten! Hundertjahrfeier Wilhelms I. wird zur Agitation spielend überwinden, so befinden sie sich in Selbst-!gegen den „Umsturz" werden. Es wäre besser ge- täuschung oder sie täuschen absichtlich ihren Anhang. I wesen, wenn wir sie hätten ftiedlicher feiern können, Auch unter sozialdemottatischer Herrschaft würde — Imehr unter den Erinnerungen von 1870, als unter wofern nicht das ganze Erdreich unter die Führung «denen von 1848. Aber Klagen helfen nichts, es des Herm Singer geriete — die deutsche Produktion l gilt tapfer zu bleiben und Gott zu verttauen, daß von der des Auslandes abhängig sein und danach! sich die Flammenzeichen nicht enthüllen." Die letzte ihre Bettiebskosten einrichten muffen. Auch im l Insinuation weist die „National-Zeitung" also zurück: sozialdemokratischen Zukunftsstaate würden nicht blo§I„Wir sehen unfererseits keinen Grund, aus der Rede „Normalarbeiter" sich befinden, sondem es würde! vom Freitag zu folgern, daß die Jahrhundertfeier darin ebenfalls faule und fleißige, geschickte und un-!„zur Agitation gegen den „Umsturz" werden wird", geschickte, kluge und dumme Arbeiter geben. Ein-1 Sie wird unseres Erachtens einfach die Feier der richtungen wie die eines Normallohnes und einer I seltenen Mannes- und Herrschertugenden Wllhelms I. Normalarbeitszeit würden also auch unter sozial-!sein, zu denen vor allem die gehörte, große und demokratischer Herrschaft nicht lange Bestand haben;! geniale Männer, wie Bismarck und Moltke, an die denn Ehrgeiz, Neid und Selbstsucht werden am «Stellen zu bringen, wo sie das Höchste leisten konnten." allerwenigsten in einer Gesellschaft verschwinden, die! -------------
den Grundsatz predigt, „Zuftiedenheit ist ein Laster."! Der Vorstand des Jnnungsverbandes „Bund Die Arbeiter sollten fich also durch Schlagworte,! deutscher Tischlerinnungen" hat, wie wir jüngst an wie Minimallohn und Maximalarbeitstag nicht be-l anderer Stelle meldeten, an den Reichstag eine Hören lassen, sondern ijn redlichen Bemühen und in «Petition gerichtet, in welcher um die Ausdehnung der tteuem Zusammenhalten mit den Unternehmern sichiUufallversicherungspflicht auf das g e - bestreben, friedlich an einer immer besseren GestaltungIsam inte Tischlereigewerbe ersucht wird. ES ihrer Lage mitzuarbeiten. Eine enffchlossene Eman- k wird in der Petition zwar anerkannt, daß die Novelle zipierung der Arbctter von der sozialdemokratischen! zu den Unfallversicherungsgesetzen, wie sie gegenwärttg Fühmug würde für sie von erheblichem Vortheil sein. I dem Reichstage vorliegt, insofern eine Beffemng gegen =" ~ I den bisherigen Zustand schafft, als diejenigen Tisch-
nmfrflrtir Itereien, welche sich mit Bauarbeiten befassen, in ihrem
m u"HU)uu. ganzen Umfange der Unfallversicherung unterstellt
Völlig zum Anwalt der Sozialdemokratie macht I werden sollen und als damit das Unfallversicherungs- sich wieder Pfarrer Naumann, der in der „Zeil" Igesetz auf sämmtliche im Betriebe beschästtgten Arbeiter so „national" ist, Sr. Majestät dem Kaiser gegen-«und BettiebSbeamte, auch wenn sie persönlich nicht über aus die Kaiserliche Ansprache vom letzten Freitag I bei den Arbeiten für Bauten beschäftigt werden, An- zum Brandenburger Provinziallandtagsmohl folgende! Wendung finden soll, indessen würde damit noch keine Erwiderung zu wagen: „O, deuffcher Kaiser,«völlig zufriedenstellender Zustand in den Tischlereien nein und abermals nein! Ein Kaiserleben ist größer «geschaffen. Das würde erst der Fall sein, wenn auch und eine Kaiserhand ist mächtiger, als daß sie nur I diejenigen Tischlereien, welche weder Maschinenbetrieb zum Zerdrücken der Jrrthümer der Arbeiterbewegung I haben, noch im Handbettiebe weniger als 10 Arbeiter vorhanden fein könnte. Will derselbe Mund, der das beschäftigen, noch endlich Bauarbeit unfertigen, in die Ssort öom größeren Deutschland sprach, nicht auch! Versicherung einbezogen werden. Der genannte Vor- das Wort vom freieren Deutschland reden? Sollen! stand beanttagt demgemäß, in die dem Reichstare nicht einst einmal die Pilgerzüge aus allen Ländern I vorliegende Novelle eine Bestimmung aufzunehmen kommen, um zu sagen: er hat Ketten gelöst, Herzen «nach welcher die gesammte Tischlerei für unfalloer- das hab' ich immer gern, eS ist viel besser als fol neugierig nach ihm. Er hatte eine auffallende, fast an zahmer Ducker. Ich bin begieiig, wie er ist. riesenhafte Größe, kräftigen und doch schlanken Kommen totrb er, dann stimme ich dem Henn Wuchs. Als er sie sah, schritt er ihr mit abge-
i?Vet' . „ rogenem Hute entgegen, und nun stand er vor ihr
{ . „ gmg em allgemeines Warten an, be- und schaute erstaunt, beinahe erschrocken auf sie befand sich m aufgeregter Stimmung, nieder. Im selben Moment ging ein Windhauch ©Jon öfters hatte sie den Wagen nach der nächsten durch die «este der Bäume, und in Massen flatterten S r aber da er immer wieder leer die weißen Blütheu auf die beide» herab. Er deutete
zumckkehtte, so unterließ sie es fernerhin. Zum auf seine übersäte Schulter. „Ein gutes Zeichen " großen Aerger Wlrkheimer's wähste sie zu ihrem «sagte er, „ein freundlicher Gruß "
Spaziergang stets die Straße, die zur Station führte, Fest und eindringlich sahen sie sich gegenseitig aber auch sie kam ledesmal allem zurück. So ver-1 an; plötzlich lachten beide hell auf.
gmg bte nste Woche. I .Ist es möglich?! Sie?! Sie find meine
o "5 J beleidigt, er kommt nicht," sagte Ruth. Taute?! rief er. „O, ich hatte Sie mir ganz anders
.Ob »ch wohl noch einmal an ihn schreiben soll?"!vorgestellt." u 4
„Um Gotteswillen! ihm. Sie dies ja nicht,"! Sie legte ihre Hand in die feinige. Ja," widerrieth Wirkheirner, „danken Sie lieber Gott,!sagte sie, „ich habe mir Sie auch ganz anders ae- wenn er nicht kommt." Idacht."
Auch die nächste Woche schwand dahin, ohne daß! .Unser erstes Begegnen war also mit einer der Ermattete erschien. Täuschung verbunden, allein dieser Blüthenregm da
B i e r z e h n t e s K a p i t e l. ! war doch ein gutes Omen."
Ruth war im Gatten, derstch hinter dem Schlosse das" Ist 5? lefb
Älft SÄ» * *-
JÄ t§“* E, -md .3» „h- w SM.- er, .der Mm,--,
\ -n8 war so prächtig unb ich so froh, daß ich kommen
„Frau Gräfin, er fft da! Er ist eben zu Fuß «durste. Darf ich gleich in der ersten Sttmde eine
gekommen. «Bitte anssprechen?'
Ruths Herzschlag ging schneller. „Führen Sie! „Ja," sagte sie.
hu zu mir in den Gatten, Martin." I „Wir wollen einen Vertrag eingehen Tante
Sie blieb in größter Spannung stehen, ihn zu «daß wir zusammen während der Zeit meines Hier' erwatten. Und da kam er mit Martin, der ihm diel seins nicht davon reden, was mich hierher führte All« zeigte, in welcher sie fich befand. Sie sah, (Attsetzung folgte)
Bestellungen
auf die
Hktlhtff. ZMirg
für den Monat März
«ebst deren Gratisbeilage« „Kreisblatt" für die Kreise Marburg url Kirchhain, „Illustriertes SonntagS- blatt" und „Verloosungsliste be*.
preußischen Klassenlotterie" werden von allen Postanstaltm, 2ant- brief trägem, in der Expedition (Markt 21/ sowie von unseren Filial- Expeditione: in Kirchhain, Neustadt und Wetter em gegengenommen.