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Der Konsul sank auf den nächsten Stuhl fuhr sich mit den Fingern durch sein Haar.
Gisela heftete ihre großen Augen starr forschend auf die hagere Gestalt ihres Vaters,
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nicht verbraucht, sondern aufgespeichert und benutzt zur Erweitemng der Produktion, das heißt dazu, immer größere Menschenmassen gewinnbringend zu beschäftigen, eine sehr gemeinnützige Aufgabe, der sich auch eine sozialistische Gesellschaft nicht wird entziehen können gegenüber der Thatsache, daß es das Volk liebt, zu wachsen. Es genügt nicht, daß man zu Denen, die als Volkszuwachs in's Leben treten, sagt: Arbeitet! Es muß auch Arbeit dargeboten werden, die einen die Existenz fristenden Ertrag liefert. Dieser Arbeitsstoff ist aber nur gegeben im aufgesparten Kapital. Soll also die Kommune kapitalistren? Dann haben wir wiederum im Prinzip die Kapital- wirthschaft. Nur eben eine im Vergleich mit der gegenwärtigen unendlich verschlechterte.
Marburg,
Sonntag, 17. Januar 1897
und mein Schicksal wieder ftcundlicher gestalten wirst. Carlos de Santos ist der Einzige, der helfen und mich aus der mißlichen Lage befreien kann. Er besitzt einen colossalen Reichthum und große vortheil- haste Verbindungen, er wird Hand in Hand mit mir gehen und meiner Firma neuen Aufschwung und neues Ansehen geben. Ja, ich bin fest davon überzeugt, daß er Dir jedes Opfer bringen wird, wenn Du einwilligst, die Seine zu werden." Und seinen Arm um Giselas Nacken schlingend, fuhr er dann schmeichelnd fort:
.Sieh, mein liebes Kind, Du bist veiwöhnt wie ein richtiges Prinzeßchen unb hast Dein Leben im Ueberfluß und in den glänzendsten Verhältnissen verbracht. Du machst Ansprüche, brauchst furchtvar viel Geld und willst eine Rolle spielen in der Welt. Jetzt darfst Du nur Deinen kleinen Finger ausstrecken und Du kannst Deine Lebensgewohnheiten fortsetzen und kommst nicht aus dem Gleise. Als de Santos' Frau wird strahlende Pracht, blendender Luxus und eine solche verschwenderische Fülle von Reichthum Dich umgeben, daß keiner Deiner Wünsche unerfüllt bleiben wird. Andernfalls mußt Du Dich bequemen, Armuth, Entbehmngen und Arbeit auf Dich zu nehmen. Wahrscheinlich wirst Du irgend einen Beruf wählen muffen, um Dein Fortkommen zu finden, wenn ich nicht mehr für Dich sorgen kann. Mich werden Kram und Kummer bald unter die Erde bringen, ich bin ein kranker gebrochener Mann. Also Du hast zu entscheiden über Glück und Unglück, über Leben
Ter neue russische Minister des Auswärtigen, Graf M u r a w i e w, dessen Vater Gouverneur von Littaucn und dessen Großvater Generalgouverneur von Wilna war, als welcher er den Polenaufstand unterdrückte, begann feine diplomatische Laufbahn als Gesandtschaftssecretär im Haag. Dann war er Attache in Paris und kam Mitte der 80er Jahre als votschaftsrath nach Berlin. Es heißt, daß Kaiser Wilhelm II. ihn durch ein besonderes Wohlwollen ausgezeichnet habe. Im Jahre 1893 siedelte Murawiew als Gesandter nach Kovenhagen über. Diese Thätigkeit ließ seinen Namen ziemlich unbekannt bleiben, die Beziehungen des dänischen und des russischen Hofes sind familiär-herzlich, und allzu schwierige Aufgaben wird Murawiew als Gesandter dort nicht auszuführen gehabt haben. Es entzieht sich indes der Beurtheilung, inwiefern er nicht gerade in seiner Eigenschaft als Gesandter, sondern als Berather des Zaren während dessen Aufenthalts in Dänemark auf die Leitung der russischen Politik Einfluß gehabt hat; ebenso dürfte es vorläufig eine ziemlich müßige Beschäftigung sein, die Mittheilung zu deuteln und weiterzuspinnen, daß dem Grafen Murawiew die Gunst der mssischen Kaiserin- Wittwe in hohem Grade zu Theil geworden sei. Vollends thöricht ist eS, von dem Gerede, daß ein Charakterzug Murawiews Feindseligkeit gegen Deutschland sei, ausgehend je nachdem düstere oder heitere Prophezeiungen dem Druckpapier anzuvertrauen, wie dies weniger die deutschen als vielmehr voll Schaden- freube ein Theil der französischen und in einem vielbemerkten, zugleich unreifen und böswilligen Artikel die Wiener „Reichswehr" that. Nicht nur Kleider machen Leute, auch ein Amt macht seinen Mann. Der Posten eines russischen Ministers des Auswärtigen ist keine Domäne für persönliche Zu- und Abneigungen, das Interesse Rußlands ist das Ziel und Zar Nikolaus hat dieses Ziel bis jetzt so bedächtig und klug »erfolgt, daß er fein Land schädigen würde, wenn er die eingeschlagene Bahn aufgäve. Rußland, das Land der weiten Strecken, kann auch mit weiten Zeiträumen rechnen und die Thatkraft und das frische Drauflosgehen, die man an Murawiew rühmt, wird sich nicht in sprunghaftem Vorwärtsstreben, sondern in das allmähliche, aber naturmachtkräftige Fortschreiten umsetzen, das Rußland zu den reichsten Erfolgen verhalfen hat. — Auch das Wiener offiziöse „Fremdenblatt" erörtert die Ernennung des Grafen Murawiew zum Verweser des mssischen Ministeriums des Aeußeren und erklärt, es entspreche wenig den gemachten Erfahrungen, wenn mau wirk-
2000 Mk. für Luxus und darum für vertueilungs- fähig zu erklären. Darin irrt er aber. Nach Marx muß der Lohn mindestens die Reproduktionskosten des Arbeiters betragen. Schwerlich aber würden die Reproduktionskosten des Standes der Richter, des
Hal. s Groß» , Zell, lauberg- i Alpen- icr Ge- (212 ie.
mit dem Fuße auf und rief zornig aus: „Nein, ich will nicht! — Nein, nein, nein 1"
„Gisela, Gisela!" seufzte der Consul. „Glaube mir, es wird mir nicht leicht. Dich zu etwas anderem zu überreden, was anscheinend Dir widersteht. Aber ich habe in letzter Zeit viel Unglück gehabt — sehr viel! Darum wünsche ich diese Parthie für Dich!"
Ihr schöner Mund verzog sich zu einem Lächeln, sie zuckte ungeduldig mit den Achseln.
Der Consul trocknete sich die Stirn mit seinem Taschentuch, holte tief Athem und fuhr dann im Sprechen fort:
„Ich will ganz »ffin, ganz ehrlich gegen Dich sein, mein liebes Kind, trotzdem wir das, was ich zu sagen habe, unsagbar schwer fällt. Von den mehrfachen Millionen, die noch vor kurzer Zeit mein Eigenthum waren, ist in Wirklichkeit nichts mehr vorhanden. Mein Geschäft hat so böse Schläge erhalten, so große Verluste erlitten, daß ich es aus eigenen Mitteln nicht mehr zu halten vermag. Das Ende vom Liede-wird der Bankerott fein, der gänzliche Ruin!"
„Das ist nicht wahr, nicht wahr, was Du da sagst, Papa!" stieß Gistla leidenschaftlich hervor und warf wie verzweisell beide Arme in die Lust. Ihr eben noch so rosiges Gesichtchen war tödtlich erblaßt, sie zitterte und senkte ihr Haupt wie eine Blume, über die ein wilder Sturm hinweggebraust ist.
Der Consul stöhnte leise. Er ergriff ihre Hand und preßte sie zwischen die seinen.
„Ich rede niemals die Unwahrheit, mein Kind. Sieh mich genau an, was aus mir geworden ist seit Kurzem, wo Gram und Sorgen mir das Lebensmark ausdörrten und mein Haar bleichten. Jetzt hält mich eins nur noch auftecht, das ist die Hoffnung, daß Du klug und einsichtsvoll handeln und Dein
Eine feine Linie erschien zwischen ihren schöngeschwungenen Brauen, sie biß die Zähne in die zuckenden Lippen und krampfte die Hände ineinander. Minutenlang blieb sie so, regungslos wie eine Statue, fast ohne Athem. Dann veränderte sich der Ausdruck ihrer Züge, der starre Schreck entfloh und Ruhe, Festigkeit und Entschlossenheit traten hinein. Ihre verblaßten Wangen rötheten sich, ihre Augen leuchteten, sie richtete das schöne Haupt hoch empor.
„Papa," sagte sie. „Papa, Dein Verstauen macht mich stolz und Du sollst Dich nicht in mir getäuscht finden, wenngleich Erzwungenes nicht nach meinem Sinn ist. Leider muß ich mich den Umständen fügen und mein Entschluß ist gefaßt. Ich bin nicht danach geartet, Armuth unb kleine Verhältnisse zu ertragen. Wahrhaftig, das könnte ich nicht, — lieber sterben! Ich kann nur in der Luft bes Reichthums athmen! Und das weißt Du doch am besten, Papa, der Du mich von Klein auf an die köstlichen Genüsse der Welt gewöhnt hast. Das Leben ist so schön, wenn man reich ist. Darum werde ich Carlos de Santos heirathen, Es wäre Thorheit, ja Wahnsinn, die rettende Hand abzuweisen!"
Des Konsuls Gesicht erhellte sich, ein befreiender Athemzug schwellte seine Brust.
„Du bist ein kluges, ein braves Mädchen, meine Gisela. Du wachst mir die Sache leichter als ich dachte und ich danke Dir."
Er blickte ste voll Stolz und Freude an und küßte sie auf die Stirn und auf die Wange. „Wie glücklich wird de Santos sein, wenn er Dein Jawort erhält, denn Du bist seine Wonne, sein Herrlichstes auf Erden. Ich werde ihm gleich Nachricht senden, er muß erfahren, daß er sein Glück in Empfang nehmen darf. Die Hochzeit wollen wir beschleunigen,
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den mittleren Einkommen sind also richt die Schätze zu finden, die mir gehoben zu werden brauchen, um alle Welt glücklich zu machen.
Nun aber die Riesenvermögen! Man kennt die Antwort, welche der Frankfurter Baron Rothschild im Jahre 1848 auf das Ansinnen gab, der ge- fammten Bevölkerung Deutschlands einen gleichen Antheil an seinem Vermögen zu gewähren. Er meinte, die Petenten sollten ihm erst genau ausrechnen, welche Summe jeden Einzelnen treffe. Im heutigen Deutschen Reich zählt mau rund 50 Mill. Einwohner. Wenn also ein Vermögen von 50 Millionen Mk. zu gleichen Theilen reparttrt werden sollte, so würde auf die Person eine Mark kommen. Ob nun der Werth dieser Mk. in Genußmittcl oder in Produktionsmittel umgesetzt würde, weit reichen könnte sie keinenfalls. Am wenigsten so weit, um einen Menschen, der sich so ganz mit Leib und Seele in den Millionentraum versenkt hätte, glücklich zu machen.
Dabei ist noch gar nicht berückstchttgt, daß die modernen Vermögen nicht in Gold ober Rinberheerden bestehen, sovbern in Papier. Diese Millionen ftnb nur Fiktionen, die ihren Werth verlieren in dem Augenblick, wo die dazu gehörigen Rechtsverhältnisse nicht mehr gelten, die schon unwahr werden, w.nn ein Krieg oder eine Revolution den ruhigen Gang der Geschäfte stört. Diese Aktien oder Hypotheken gelten eigentlich nur für einen Augenblick wirklich so viel in Gold ober Lebensmitteln, als sie anzeigen, nämlich bann, wenn sie von e’nem Kapitalisten an ben andern verkauft werben. Beschlössen ater alle Kapitalisten, ihre Papiere zu verkaufen, so würben diese Papiere eben nur Papier sein, weil Niemanb da wäre, ber „Realitäten" bafür geben könnte. Unb so würbe es auch ben Proletariern gehen, wenn sie bie Vermögen ber Riichen theilen wollten. Sie würben von allen Millionen Roihsch lbs nur Papier übrig behalten unb bas Anrecht auf Rente aus besem Landgut ober jener Fabrik, vorausgesetzt, daß beide noch gut im Stande wären unb mit Erfolg wirth- schafteten.
Wo ftnb bie Fonds, und wie hoch belaufen sie sich, aus denen die Kurkosten des „allgemeinen Elends" bestritten werden sollen? Erst eine Antwort auf diese Frage, ehe man in den Tag hinein Forderungen stellt! Das Privatkapital erfüllt zur Zeit einige wichtige Aufgaben, die auch in einem sozialistisch geordneten Staate nicht vernachlässigt werden dükfen. Ein großer Theil des „Tributs", den die Arbeit an die Besitzer der Arbeitsgelegenheit zahlt, wird von diesen
Umschau.
„Nicht Werth, den Namen Deutscher zu tragen." Mit diesen treffenden Worten charakteristite unser Kaiser vor länger als einem Jahre die sozialdemokratischen Führer und Zeitungsschreiber, welche gewagt haben, „das deutsche Volk zu schmähen und die geheiligte Person des großen Kaiseis Wilhelm in den Staub zu ziehen." Dieser „Rotte von Menschen" stellt sich die „Berliner Zeitung" des Herrn Ullstein in einem Artikel über „das Wilhelms- fest" an die Seite, charakterisirt also sich und ihren Anhang ebenfalls als Leute, die nicht werth sind, den Namen Deutsche zu tragen. Dies Ullsteinsche Blatt schreibt u. A.:
„Am 22. März werden hundert Jahre vergangen sein, seitdem er das Licht der Welt erblickte, Und es soll darum eine Jahrhundertfeier veranstaltet werden, bei der das Volk pflichtschuldigst in Wonne und Rührung schwimmen soll, und bei der die Soldaten und die Schutzleute wieder viel zu thun bekommen werden. Wir hätten nichts dagegen, wenn es an diesem Tage bei Hofe hoch herginge. Der alte Wilhelm war ein ausnehmend erfolgbegnadeter Mehrer der preußischen HauSmacht, und das Erbtheil, das er hinterlassen, rechtfertig Dank und Freude. Wird in der Nation in freudiger Erinnerung daran, daß er der erste Kaiser de« neu aufge- richtelen Deutschen Reiches war, der 22. März freundlich gewürdigt, so ist nichts dagegen zu sagen."
Gröber waren bie sozialdemokratischen Schmähungen auch nicht, die damals unter allen Deutschen die größte Enttüstung hervorriefeu; es waren eben auch dort — wie sie es bei der obigen Auslassung sind — internationale Federn, die sich solche gegen das nationale Empfinden gerichtete Exzesse erlauben.
»Es will uns scheinen, als ob Viele von uns Jungen nicht ganz frei wären von jenem echt sozialdemokratischen Haß gegen das Privat- kapital. Von solchen wird der Sroßbesttzer abgemalt di ein verstockter Sünder, der zwar die Macht hätte, allen Menschen zur Glückseligkeit zu verhelfen, aber ans Bosheit «orzieht, alle im Elend zu erhalten."
Pfarrer Naumann'sche Sozialpolitik und die „Grenzboten."
* „Die Demokratie ist der Neid", so sagt Pierre Proudhon, der es wissen mußte. Die Leipziger .Srenzbotcn", die sich zu den christlich-sozialen Bestrebungen zwar immer noch fteundlich stellen, aber stch in letzter Zeit bemühen, den falschen Idealismus auf den Boden der Wirklichkeit unb des gesunden Menschenverstandes zurückzuführen, machen in ihrer letzten Nummer die an Proudhon anklingeude sehr Memäße Bemerkung:
Weiter meint der Schreiber des Grenzbotenaufsatzes, man wüßte es als ein Unglück ansehen, wenn die Führer der neuesten sozialen Bewegung blind würden gegen die Grenzen des Möglichen und, wie die Sozialdemokraten, mehr versprächen, als sie halten können.
»Wer sich zum Volkstribunen macht, der muß genau das Gefühl der Verantwortlichkeit für die Erfüllbarkeit seiner Versprechungen haben, wie ein Minister auch, sonst gehört er nicht unter die Regierer, sondern unter die Verführer des Volks. Will die neue Partei ebenso wie die alte ihre Kessel mit btm Neid und der Begehrlichkeit der Kleinen Heizen, so werden ihr ja die Sohlen nicht ausgehen, aber sie wi.d eine wilde Fahrt machen."
In der Nauman .'scheu „Zeit" wird ausgeführt: 75 Prozent aller erwerbsfähigen Deutschen haben ein Einkommen unter 900 Mk., 99 pCt. haben ein Einkommen unter 6000 Maik. Daraus zieht der Mit- arbeiter der „Zeit" den Schluß, daß wir an einer । sozialen Krankheit leiden. Darauf antwortet in den ! .Grenzboten" der gesunde Menschenverstand:
»Eine andere Folgerung dürste näher liegen, daß nämlich die Hülfe recht ohnmächtig sein würde, die aus einer anderen Vertheilung der nationalen Reichthümer kommen soll."
Der Neid der Armen, wird bann weiter ansge- sührt, ist natürlich gleich bereit, alle Einkommen über
iC’ci)CI in ihr aufbäumte.
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Erscheint täglich außer en Werktagen nach Sonn- and Feiertagen. — Ouartal'WomremrntS-PrriS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (erfi. i^-stellgüd). JusertisuSgebühr für die gespaltene Zelle »der deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die Lrmoncen-Burrau; von Haafenstein u. Vogler in Frankfurt «. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXII. Mra. Rosse in Frankfurt «. M., Berlin, München u. Köln, C. L. '
Daube u. Co. in Frankfurt a M., Berlin, Hannover, Paris.
(Nachdruck verboten.)
Zwischen Lipp' und Kelchesrand.
Roman von I. Berger.
(Fortsetzung.)
„Ich soll heiraihen?" fragte Gisela erstaunt »Jetzt schon soll ich meine goldene Freiheit aufgeben? Fällt mir gar nicht ein!" erwiderte sie in sehr unkindlichem Ton. „Du Papa, wie kommst Du nur Mif solche dumme Idee!"
| Und dann richtete sie sich straff empor, machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand und schüttelte energisch ihr Köpfchen. Die duftige Gaze- ivolke glitt hierbei zur Erde nieder.
Der Consul betrachtete sie stumm, krampfhaft umspannten seine Finger den Griff eines Federhalters, der neben ihm auf dem Schreibtische lag. Sie sah, die nervös es um seine Mundwinkel zuckte.
„Ja, das kommt Dir wohl unerwattct, Gisela? ~~ Freilich! — Aber ich hoffe, daß Du vernünfttg fern und Dir durch Deine Weigerung nicht ein Glück verscherzen wirst, um das Tausende von Mädchen Dich beneiden würden. Damm entschließe Dich und Mdre nicht lange, dem reichen Brasilaner Dein Ja- dort zu geben."
Es war das erste Mal, daß der Consul seine Tochter zu einer Heirath bewegen wollte. Sie war ^werrascht, erstaunt, fast betrübt über solche Willkür. |3a seinem ganzen W-sen, im Ton feiner Stimme «8 eine Festigkeit und Energie, die er ihr gegenüber niemals geltend machte. Es wurde ihr etwas ; Mgstlich ZU Muthe. Doch gewohnt, stets ihren MUen durchzufetzen und auf ihre Macht bauend, unterdrückte sie diese Regung, während der Trotz sich