Änjrigra nimmt «ntgtgra di« Erptditioo diese» Blatte», sowie die Smuuc«u-B»r«mr von Haasmstrin u. Vogler in ____ ,
FraMirt «. M., Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXI. 3(11)10 Stoff« io Frankfurt a. M., Berlin, München «. Köln, C. 8. O—- »
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& ÄÄ Mittwoch, 9. Dezember 1896
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f Wöchentliche Beilage«: Kreibblatt fit He Streife M«rk«rg *u> Kirchhain.
rnrf -nd »erlag: Z»h. Slug. Koch, Univrrsttäts-Buchdruckeiei in Marburg. Verantwortlich für den allgemeinen Thrll: Redakteur M. Hartman»,
Redaktion and Ervedition: Markt 21. für den Jnfrratenthril: Joh. Aug. Koch, beide in Marburg
Die Etat-Debatte
im Reichstage hat in voriger Woche infolge des «elfach anderen Dingen sich zuwendenden Interesses nicht recht Beachtung finden können. Und doch bot sie viel deS Interessanten. Der Etat ist da bei der zweiten Lesung bekanntlich vom Standpunkte der konservativen Fraktion durch den Abgeordneten von Leipziger in einer sehr ausführlichen und inhalireichen, aber durchaus auf sachlichem Boden gehaltenen Rede beleuchtet worden. Hatte Tags vorher Herr Richter durch allerhand Ausfälle und Sarkasmen zu glänzen versucht, aber im Hause, das den Inhalt dieser Aus- fühmngen bereits aus zahlreichen Leitartikeln- der „Freisinnigen Zeitung" kannte, keinen besonderen Eindruck gemacht; so war gerade der ruhige und sachliche Charakter der konservativen Rede geeignet, nachhaltig zu wirken; umsomehr als Herr v. Leipziger auch in seiner vornehmen Polemik gegen den Führer der „Freisinnigen Volkspartei" durchaus glücklich war.
Herr von Leipziger bezeichnete den Eindruck des vorliegenden Etats als keinen günstigen. Die Noih- lage der Landwirthschaft, die im ganzen Reiche eine sehr große ist, und die naturgemäß auf das Handwerk und Kleingewerbe in kleinen und mitlleren'Städten zurückwirkt, kommt auch im Etat zum Ausdruck. Zwar hat die zeitweilige Erhöhung der Preise für lavdwirthschaftliche Erzeugnisse zur Folge gehabt, daß bei dem Titel Naturalverpflegung der Armee in dem vorliegenden Etat vier Millionen mehr als im Vorjahr eingestellt werden konnten; allein, wenn man berücksichfigt, daß im vorigen Etat dieser Titel auf 15Millionen herabgesetzt werden mußte, so kann fcstgestellt werden, daß der Rückgang der Preise für landwirthschaftliche Produkte wenigstens in Höhe von 12 Millionen noch besteht. Da nun der Verbrauch der Armee ungefähr vier Prozent des Ertrages der deutschen Landwirthschaft beträgt, so geht daraus hervor, daß die Landwirthschaft heute noch einen jährlichen Ausfall von rund 200 Millionen hat. Wenn der Redner diesen Ausfall auf das Konto der Handelsverträge setzte, so war er hierzu vollkommen berechtigt.
Hinsichtlich der Besoldungsverbesserungen und verschiedener Posifionen des Militäretats, der, wie Redner lobend hervorhob, in seinen einmaligen Ausgaben gegen das Vorjahr um über 10 Millionen vermindert ist, sprach Herr von Leipziger sich wohlwollend aus; ebenso stellte er sich dem Postetat sympathisch gegenüber, wennschon er zur Sprache brachte, daß die
(Nachdruck verboten.)
Zwischen Lipp' und Kelchesrand.
Roman von I. Berger.
(Fortsetzung.)
Wulf sah Hilde still zu und ließ nicht eine ihrer Bewegungen aus den Augen.
Er wollte noch etwas erzählen, aber seltsam, es fiel ihm nichts mehr ein. Noch ein paar Minuten hin und her, dann stand er auf, nahm Helm und Säbel in die Hand und rüstete sich zum Gehen.
„Kommen Sie, bitte zu uns, so oft Sie wollen und ganz ungenirt, ohne sich anzumelden, mein lieber Schollermark," sagte der Senator. „Unter Freunden sind große Formalitäten einfach unnöthig und Sie sind uns immer willkommen. Morgen haben wir eine kleine Abendgesellschaft, da erwarten wir Sie und Frau Majorin ganz bestimmt. Um acht Uhr wird gespeist. Bitte, recht pünktlich zu sein! — Na, auf fröhliches Wiedersehen!"
Sehr vergnügt, mit dankbarem Herzen nahm Wulf die freundttche Einladung an. Dann empfahl er sich rasch.
Am Nachmittag stattete er noch einige Besuch bei alten Freunden und Bekannten ab. Der Abend wurde der Mama gewidmet.
Während der Nacht regnete es, doch als Wulf am Morgen aus tiefem Schlafe erwachte, schien die Sonne und es war herrliches frühliughastes Wetter.
Er frühstückte mit der Mutter im Freim, au dem offenen klemm Erker vor der Wohnstube. Da die alte Dame es vorzog, zu Hause die milde Morgmlust und dm Sonnenschein zu gmirßen, schleuderte er durch die Stadt und io die f(tönen Harrberge hinein, wo der Lenz seine herrlichsten Reize entfallet hatte. Ein fröhliches Soldatenlied
Reichspostverwallung bei ihren Bauten zu wenig Sparsamkeit walten lasse, also aus den von ihr erzielten Ueberschüsseu zuviel für den eigenen Bedarf vorwegnehme. Was das Kanalamt betrifft, so betonte der konservative Wortführer mit Recht, daß der Ausfall für die Reichskasse, der sich bei dieser Position ergebe, bestätige, wie sehr die Konservativen Recht hatten, als sie eine billigere Einrichtung der Kanal- veiwaltung befürworteten. Im Anschluß an eine kurze Würdigung der Leistungen der Arbeitcrver- icherung wandte sich Herr von Leipziger unter Hinweis auf die Delegirtentagsverhandlungen nochmals gegen die Unterstellungen, als wolle die konservattve
Zartei den Stillstand der Sozialreform.
Den schwerstwiegenden Theil des vorliegenden Etats nannte Herr von Leipziger tteffend den Marineetat und konstatirte, daß dessen einmalige Ausgaben eine ganz bedenkliche Zunahme aufweisen. Namens der konservativen Fraktion erklärte darum der Redner, daß diese Steigerung zu Bedenken Anlaß gebe, daß er aber nicht etwa die Fraktion auf Ablehnung aller ersten Raten sestlegen, oder von Stteichungen überhaupt sprechen, sondern daß er den Vorbehalt ausdrücken wolle, daß die konservative Fraktion ihre Entschließung vollständig von der Begründung, die Seitens der Regier ung im Plenum bezw. in der Kommission gegeben wird, abhängig machen werde.
Besondere Beachtung verdient namentlich die nachstehende Aenßerung des konservativen Redners:
„Bei dem ganzen Zusammenkommen so vieler Bauten auf den Werften wird auch der Gesichtspunkt nicht aus dem Auge zu taffen sein, ob unsere Wersten wirklich so leistungsfähig sind, ob unsere Werften, ohne Vergrößerung zu verlangen, ohne Verstärkung des ArbeilSPersonals zu verlangen, in der Lage sind, da» zu leisten Wir wollen, da wir in dem Tempo doch unmöglich weiter arbeiten können nicht bewirken, daß die Werften auf dies Maß von Arbeit sich neu einrichten, vermehrte Arbeitereinstellungen machen und dann, wenn der Rückschlag eintritt, genöthigt sind, die Arbeiter wieder zu entlassen. Mit dem, was jetzt aus den Werften an Arbeitermaterial vorhanden ist, muß das bewältigt werden können, wa» wir bewill geu, und auch nach dieser Richtung hin werden un» dadurch die Schranken unserer Bewilligung gezogen fein."
Daß Herr von Leipziger bei dieser Gelegenheit der braven Mannschaft des „Iltis", welche mit dem Gedanken an Gott und mit einem Hoch auf ihren Kaiser in den Tod gegangen sind, mit warmen Worten gedachte, rief lebhaften Beifall im Hause hervor. Natürlich waren die Sozialdemokraten davon nicht erbaut, daß der Redner wegen ihres Versuchs, diese Braven mit Schmutz zu besudeln,
vor sich hersummend, wanderte er stundenlang bergauf, bergab, über Höhen und durch Thälcr, ziellos kreuz und quer, bis Hunger und Durst ihn zur Einkehr in eine ländliche Gastwirthschaft nöthigte. Hier ließ er sich Bier und ein einfaches Mittagsmahl serviren und bettachtcte voller Behagen die Pracht der herrlichen Natur. Die Sonne war bereits im Sinken, als er wieder heimkehrte und das Zimmer seiner Mutter betrat.
Die Majorin saß, ihn erwartend, in ihrem Armsessel und hatte schon große Toilette zur Gesellschaft bei Senators gemacht. In ihrem hellgrauen Seidenkleide und dem zarten Spitzenhäubchen auf dem feingeformten Kopfe sah sie noch ganz jugendlich aus.
„Schelte mich tüchtig aus, ich Habs verdient, Mama l" rief Wulf mit reumüthiger Miene. Zugleich beugte er das Knie vor ihr.
Sie gab ihm einen Klaps auf die Schütter. „Da, da, hast Du," sagte sie. „Schelten reicht nicht aus, ich muß Dich züchtigen, damtt Du pünkt- lich wirst. — Und nun zieh Dich an! Auf Deiner Kommode findest Du frische Wäsche und ein Fläschchen mit Odeur für Dein Taschentuch. Beeile Dich recht, damit man nicht zu lange auf uns wartet!"
Sie nickte ihm herzlich zu und streichelte dabet sein Haar.
Er wurde ganz roth unter so viel Güte und Fürsorge. Ein köstliches Gefühl schwellte seine Brust in Dank gegen diese treue Mutter. Und da konnte er nicht anders. Er küßte und herzte sie — zwei, dreimal. Dann stürzte er fort, um sich umzuziehen.
Der Senator Lindner bewohnte die erste Etage seine» eigenen Hauses. Er war ein schlichter ehren- werther Manu, der sich allmählich, Schritt für Schritt vom Beamten zn seiner jetzigen Stellung empor
seinen Abscheu aussprach. Der „Vorwärts" versucht fiese „edle" Handlungsweise der „Genossen" durch Hinweis auf das amtliche Protokoll des Gothaer s. Zarteitags zu leugnen; allein bekanntlich hat hin- chtlich des amtlichen Protokolls des Breslauer Zarteitags „Genosse" Bock-Gotha erklärt, seine damalige Rede sei im Protokoll unrichttg wiedergegeben, ferner hat „Genosse" Schneider festgestellt, die Bebel'sche Parteitagsrede sei „in manchen Theilen ganz anders als sie gehalten worden," im Protokoll veröffentlicht und „Genossin" Rohrlack hat geäußert, daß die sozialdemokratische Parteileitung in Breslau „gemogelt" habe. Diese drei Zeugenaussagen sind wohl ausreichend, um die „Zuverlässigkeit" der „amtlichen" sozialdemokratischen Protokolle zu kennzeichnen.
Deutsches Reich.
Berti«, 7. Dezember. (Tagesbericht.) In Bückeburg wurde Se. Majestät der Kaiser gestern Abend 6 Uhr bei der Ankunft auf dem Bahnhof von dem Fürsten Georg und dem Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe empfangen und fuhr mit dem Fürsten in offenem Wagen durch die festlich erleuchtete Bahnhofssttaße nach dem Schlosse, in welchem bald darauf ein Diner zu 60 Gedecken tattfand. Die Stadt war festlich beflaggt. Se. Majestät fuhr heute Vormittag 9 Uhr mit dem Fürsten von Schaumburg-Lippe in offenem Vier- pänner zur Jagd am Bückeberge. Se. Majestät firschte zuerst allein auf Hirsche. Um 12 Uhr wurde das Jagdfrühstück eingenommen, zu welchem auch die übrigen Jagdgäste aus Bückeburg eingetroffen waren. Hierauf fand ein eingestelltes Jagen statt. Se. Majestät wurde auf der Fahrt in das Jagd- gehege von der Bevölkerung lebhaft begrüßt. Die Schulen bildeten Spalier. Das Wetter ist schön. Der Kaiser kehrte mit dem Fürsten um 5 Uhr von der Jagd zurück. Im Pürschgange am Bückeberge erlegte der Kaiser 18 starke Hirsche, davon drei Achtzehnender und mehrere Vierzehnender. Nach dem im Walde eingenommenen Jagdfiühstück fuhren der Kaiser und der Fürst in den Schaumburger Wald, wo der Kaiser auf der Pürsche noch 11 starke Hirsche schoß, während Prinz Adolf mit der übrigen Jagdgesellschaft ein eingestelltes Jagen am Bückeberge machte, wobei an 100 Stück Rothwild zur Strecke gebracht wurden. Auf der Fahrt begrüßten überall Landleute in Nationaltracht den Kaiser, der namentlich die neuesten bunten Trachten der Frauen mit Interesse
gearbeitet hatte. Er wußte sich in Verwaltungssachen der Stadt durch große Sachkenntniß und Umsicht unentbehrlich zu machen und genoß hohes Ansehen bei den Bürgern. In seinem Haushalt herrschte weder Schein, noch Prunk, er verachtete das protzenhafte Großthun so Vieler, die bei dem industriellen Aufschwung Goslars reich geworden waren und sich nun auffpielten. Seine verstorbene Frau, allem Luxus und Wohlleben abhold, tote er, hatte die Kinder in den Grundsätzen der Ellern erzogen und was sie nicht vollenden konnte, setzte Fräulein Jakoba in energischer Weise fort und unterstützte den Hausherrn in seinem Bestreben, ein einfaches, aber gemächliches Leben mit seiner Famllie zu führen.
Heute war die ganze Flucht von Räumen der sehr großen, aber bescheiden ausgestatteten Wohnung erleuchtet. Die Einrichtung war bürgerlich, doch traulich, und bildete zusammen ein harmonisches Ganzes. Als die Majorin am Arm ihres Sohnes im Salon erschien, waren schon eine Anzahl Gäste da, Herrm und Damen aus den ersten Kreisen der Stadt. Fräulein Jakoba präsentirte, und hatte sür jeden Ankommenden ein herzliches Wort. Es erfolgte eine feierliche Vorstellung, obgleich der größte The l der Anwesenden sich kannte. Wulf machte rechts un) links seine tiefen Verbeugungen und ließ Namen un) Titel achtlos an seinem Ohr vorüberschwirren, bis ihm ein Herr vorgestellt wurde, der rasch sein Interesse in Anspruch nahm. Es war der Mühlenbesitzer Strube, eine sehr anziehende Persönlichkeit, die nicht leicht übersehen werden konnte. Er war hochgewachsen und von vornehmer Haltung. Das Gesicht war schmal, tief gebräunt und von einem kurz gehaltenen Vollbart umrahmt. Aus den großen dunklen Augen leuchteten die Empfindungen einer feurigen leidenschaftlichen Seele.
betrachtete und den „Guten Morgen, Majestät" mtt reuudlichem „Guten Morgen, Mädchen" erwiderte. Das Jagddiner im Schlosse fand um 7 llhr statt.
* (Der Prozeß Leckert—v. Lützow) hat gezeigt, daß in der politischen Polizei in Berlin sich em Wer pennest eingenistet hatte, das vom Grund aus zu zerstören sich Frhr. Marschall v. Bieberstein vorgenommen hatte. Mit der Verhaftung des kriminalkommissars v. Tausch scheint dies er- reulicherweise gelungen zu fein; er war die Seele fieses Wespennest's, und die Sorte von Zeitungschreibern L la Leckert und Genossen, die mit v. Tausch gewirkt hat, wird ihrer Strafe und der nöthigen Verachtung verfallen. Es ist ttaurig, daß solche Subjekte den Ruf der Presse so eminent kompromittiren. Noch trauriger aber ist die Erscheinung, daß es in Deutschland eine Presse giebt, die mit diesem Herren v. Tausch, Leckert, Lützow usw. unser» Altreichskanzler, den Fürsten Bismarck, in irgendwelchen Zusammenhang bringen zu wollen sich nicht schämt. Das kommt dem Schmutz gleich, den dieser Prozeß aufgedeckt hat! Die Verhaftung des von Tausch erfolgte nach Vernehmung des Cheftedakteurs Dr. Levysohn. Hierüber geben wir im Nachstehenden den Bericht der „Post" wieder:
Präsident: Herr Zeuge! Es ist im „Berliner Tageblatt" eine Notiz erschienen des Inhalt», daß Leckert im AuSwärttgen Amt empfangen worden sei. Von wem haben Sie diese Notiz? — Zeuge: Von dem Kriminalkommissar v. Tausch. — Präsident: Unter welchen Umständen geschah dies? — Zeuge: Eine» Abends erschien Herr 8. Tausch bei mir und bat mich um die zweite Halste des von uns gebrachten Föllmerschen Artikels, da er nur die erste Hälfte habe und die zweite ihm abhanden gekommen sei. Diese Unterredung fand am Abend des 21. Oktober statt. Ich wollte jedoch der politischen Polizei keine Dienste leisten. ES wurde mir auch sehr bald klar, daß der ganze Besuch des v. Tausch nur ein Vorwand war, wie diese Herren gewöhnlich irgend einen Vorwand vorschützen. Im Laufe der Unterredung fragte ich v. Tausch: „Wer find denn eigentlich diese Leckert und Lützow?" (Auf Antrag deS Oberstaatsanwalts Drescher beschließt der Gerichtshof, den Zeugen v. Tausch während der weiteren Vernehmung bei Zeugen Levysohn «hinten zu lasse«.) v. Tausch sagte hierauf, Leckert sei ein Mann, der in feuilletonistischer Weise und als Theaterreferent für verschiedene Zeitungen, so u. A. für die „Tägliche Rundschau" thätig sei. Ich fragte dann weiter: „Wie kommt Leckert dazu, sich auch mit Politik zu befassen, und wie kommt Lützow zu einer Verbindung mit Leckert?" v. Tausch antwortete mir: „Leckert hat Beziehungen zum Auswärtigen Amt, Lützvw ist hierbei nur ein Strohmann und der Dupirte gewesen." Alles dies ist später von mir ausgeschrieben und iu einem Artikel veröffentlicht worden. Dieser Attikel wird g-treuer al» mein Gedächtniß die Ereignisse wiedergeben. Ich ahnte damals auch noch nicht die Bedeutung der Sache.
Aber Wulf hatte keine Zeit, sich lange von der fremdett Erscheinung feffeln zu lassen, denn jetzt mußte er Hüde begrüßen, die unweit von ihm in der Fensternische unter dem großen Lorbeerbäume stand und zu ihm hivüberblickte.
Sie sah entzückend ans in ihrem duftigen weißen Kleide mit den blaßrothen Rosenzweigen im Gürtel und in dem blonden Haar.
Er trat schnell zu ihr und verbeugte sich tief und ehrerbietig.
Sie begrüßte ihn wie gestern, indem sie ihm harmlos die Hand entgegenstreckte.
Diesmal konnte er nicht unterlassen, sie flüchtig an seine Lippen zu führen. „Darf ich Ihne» ein bißchen Gesellschaft leisten, gnädiges Fräulein?" fragte er.
Hilde nickte. „Bitte, ganz wie Sie wollen!"
Rings umher herrschte ein wirres Durcheinander von lachenden und schwatzenden Menschcnstimmen. Am Klavier saß eine Dame und spielle eine Rhapsodie von Liszt.
Endlich machte Hilde eine kleine unsichere Handbewegung, um Wulf zum Sitzen einzuladen. Sie setzte sich selbst auf den nächsten Stuhl. Lässig mtt ihrem großen Fächer spielend, heftete sie ab und zn verstohlene Blicke auf sein Gesicht, als wolle sie prüfend in sein Inneres hineindringen.
Er saß ganz still, sagte gar nichts und blickte unverwandt auf die Dame am Klavier. ZuweUen strich er mit den Fingern über fein dunkles Bärtchen — ruhig, kühl, ohne die geringste Erregung. Sein Stuhl war dem Kronleuchter nahe, der sein Licht über ihn ergoß. Sie konnte ihn eingehend bettachten. Er merfte es, aber er gab sich den Anschein, al» gewahre er nicht» davon.
(Ksrtsetznn, f»I|t