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Wöchentliche Beilage«: Kreis-latt für >te «reife Mar-«r- **> Kirchham.
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Ler«ntwortlich für bnt allgemeinen Theil: Redakteur M. Hartman», für den Jnseratevtheil: Joh. Ang. Koch, beide in Marburg
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Erscheint täglich «lßer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagm. — Q»art«l-AboMnn«ntS-PrriS bti der Erp«, dition 2 ML, bei allen Postämtern 8 M. 25 Pfg. («rkl. v«ft»llgeld). Jnferti-uSgrbühr für di« gespalten« Zril« »der deren Ra»m 10 Pfg., R«klam«n für die Zeil» 25 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 6. Dezember 1896.
Anzeigen nimmt entgegen di« Expedition dieses Blattes, sowie di, Alllloncen-Burranx von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt «. M., Eaffrl, Magdeburg nnd Wien; Rudolf Stoff« in Frankfurt c. M., Brrlin, München u. Köln, E. 8. Daub« ». Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
XXII. Jahrg.
Erstes Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt zwölf Seiten.
h. Die Lage der Landwirthschast
ist, trotz des guten Willens der Regierungen in Deutschland nach wie vor eine sehr ungünstige. Wenn »amentlich auch anerkannt werden muß, daß sich seit ber Zeit, da Frhr. von Hammerstein-Loxten in Preußen bie Leitung des Landwirthschafts-Ministeriums übernommen hat, die Worte weit eher in Thaten zu Künsten der Landwirthschast verwandelt haben, so hat may im Reiche mit dem Verbote des Termin- Handels an der Getreidebörse, und in Preußen mit kchaffung der Landwirthschaftskammern doch immer erst zwei ansehnlichere Schritte unternommen, von lenen eine wirkliche, wenn auch nicht große und lurchoreifende Besserung der Verhältnisse der Land- »irthschaft zu erhoffen ist. Freilich hat es für die ßerwerthung ihrer diesjährigen Ernte im Reiche die Landwirthe noch geschädigt, daß das Terminhandels- Berbot an der Getreidebörse nicht schon am 1. Oktober b. I. in Kraft trat, sondern erst mit 1. Januar 1897 seine Wirkung ausübt. Auch die Landwirthschaftskammern sind ja für die einzelnen Provinzen fakultativ, nicht obligatorisch; doch unsere Provinz hat ja solche in Cassel bereits in Thätigkeit, und vir hoffen, daß ihre Wünsche, wie die Wünsche der übrigen Kammern, die laut dem Gesetze über die Sammern angehört werden müssen, wesentlich dazu beitragen werden, die Regierungen über die für die Landwirthschast noch unerläßlich nothwendigen Maß- whmen erfolgreich zu verständigen.
Die Landwirthe haben über so viele Dinge mit Recht zu klagen, daß ihre Lage eine Rothlage auch jetzt noch genannt werden muß. Die Nachwirkungen der noch lange Jahre in Kraft bleibenden Handelsverträge haben im Verein mit den übrigen bekannten Vorgängen einen Preisfall für die landwirthschaft- stchcn Produkte mitgebracht, der zur Folge hat, daß schon vielfach die Kosten der Produktion den Erlös ffc die Produkte übersteigen. Es kommen hinzu die miaute« Konkurrenz der Margarine gegen die Natur- Lutter, weiter die in ihrer jetzigen Prämien - Höhe nicht ausreichende Zuckersteuer-Gesetzgebung, die uns keine
(Nachdruck verboten.)
Zwischen Lipp' und Kelchesrand.
Roman von I. Berger.
(Fortsetzung.)
noch
nun
-So mein Junge, nun stoß an, und einmal."
»Willst Du jetzt noch eine Tasse Thee, lieber Sulf?" fragte die Majorin ihren Sohn.
„Danke Mama! Wenn Du mir aber eine besondere Güte anthun willst, so laß mir vom Gilden- hans einen Krug Spatenbräu holen."
Die Majorin lächelte und klingele Anne Marie herbei. Als diese das Bier gebracht hatte, schäntte sie für sich und Wulf zwei Gläser voll.
„Auf eine glückliche Zukunft für —
— für un» beide!" rief Wulf stöhlich leerte sein Gla» mit einem Zug.
für mich an» und
Draußen zuckte plötzlich ein grelles Wetterleuchten
am über
Himmel auf und die Zimmerwände.
huschte
mtt fahlem Schein
Die Majorin fuhr unwillkürlich zusammen und legte wie segnend ihre Hand auf des Sohnes lockiges Haupt. Ihre Stimme bebte ein wenig, ÄS sie in ihrem Bericht über Senators fortfuhr.
„Es ist jetzt ein bischen mehr Leben und Geselligkeit in der Famttie, seitdem die Hilde auS ihrer Lchweizer Pension wieder heimgekehrt ist."
„Die Hilde?"
„Na, ja, die Netteste! Du thust gerade, als küßtest Du daS nicht mehr!" Sie drohte lachend »it dem Finger.
„Wie kann man alle Kinder im Gedächtnis be- hattcn, wenn man drei Jahre von Hause fort ge- toeftn ist!"
„Die Hilde ist kein Kind mehr, sondern ein herr-
erfolgreiche Konkurrenz des deutschen Zuckers auf dem Weltmarkt ermöglicht, zumal nach ihr sofort Frank reich und Oesterreich - Ungarn ihre Exportprämien erheblich erhöht haben. Weiter sind es die Bestimmungen gegen die Einschleppung von Viehseuchen, welche immer noch nicht genügend ausreichen, um die Seuchengefahr zu beseitigen. Ein Beispiel ist hierfür die westliche Provinz Sachsen, in welcher die Maul- und Klauenseuche in erschreckender Weise grasstrt. Dankbar wird man der Reichsregierung sein müssen für die Wege, die sie noch unlängst beschritten hat, um der Konkurrenz durch amerikanisches Corned- Beef, Schweinefleisch, Speck usw. durch gesundheitliche Conttolle dieser Waaren vorzubeugen.
Es ist diese Konkurrenz amerikanischen Fleisches für die Viehpreise wie für die Neigung, mehr Viehzucht zu tteiben, sehr beeinträchtigend. Ucberdies ist Deutschland kein Land, das, wie die steisinnigen Rathgeber der Landwirthschast rathen, vom nicht eindringlichen Körnerbau abgehen und die Viehzucht in die erste Reihe stellen kann; wir in Deutschland sind, wie Professor Dr. Kühn in Halle so schlagend nachweist, auf den Körnerbau in der Hauptsache unbedingt angewiesen. Mit der Viehzucht ist's vornehmlich auch in ttockenen Jahren schlecht, denn giebts kein Futter, so m u ß man das Vieh verkaufen und welchen Spottpreis bekommt dann der Landwirth dafür? Dies decimirt dann den Viehstand in schädlichster Weise.
Von Staatswegen ist, wie von den Landschaften überdies in letzter Zeit auch Wesentliches gethan worden zur Erleichterung der Gewährung von Kredit für Genossenschaften, wie von Personalkredit. Die Amortisations - Darlehen mancher Kreiskassen ermöglichen in bester Art die Abttagung der Verschuldung. Im übrigen aber wissen unsere Landwirthe recht wohl, daß auch sie selbst Alles thun müssen, was dazu beiträgt, die Noth zu mildern. Hierzu ist in heutiger Zeit in erster Reihe der landwirthschaftliche Unterricht, wie er auch hier in unserer landwirthschaftlichen Winterschule geübt wird, zu nennen; ferner soll und muß der Landwirth heute auch Kaufmann sein; es gehört hierzu die Kenntniß einer guten und rationellen landwirthschaftlichen Buchführung, ein Ver- ständniß der Taxationslehre u. s. w. Die provinziellen Central» Vereine, und wo sie an deren Stelle getteten sind, die Landwirthschaftskammern lassen es ja an Belehrung durch Wanderredner in den landwirthschaftlichen Vereinen auch nicht fehlen, ebenso die Universitäten durch Surfe auch für erwachsene Landwirthe. Findet dies Alles
lich erblühtes Jnngftänlein! Nimm nur Dein Herz in Acht und verliebe Dich nicht gleich in sie!"
„Nein, niemals auf Ehre!" protestirte er eifrig. -Mein Herz ist wie Granit und für Liebe nicht empfänglich. Ich verspüre nicht die geringste Lust zum Heirathen und wenn ich es doch einmal thue, schließe ich eine Vernunstehe mtt einer häßlichen Frau. — Lache nicht, Mama, e8 ist mein völliger Ernst. Meine Zukünftige muß häßlich sein, tote die Nacht, damit die Kameraden sich nicht in sie verschießen und sie anhimmeln und ihr die Cour schneiden, wenn ich nicht da bin. Man kennt das schon! Jeden Tag kann man mit einer schönen Frau den fürchterlichsten Aerger haben, oder sic läuft mit einem Liebhaber davon, wie Hauptmann Körner's schöne Gattin. Ich will aber Weden und keine Anftegung in der Ehe haben und des Abends in Ruhe meinen Skat spielen und mein Glas leeren. — Und reich muß die Erwählte sein, kolossal «ich! Auf jeden Fall ein Goldfischchen — wie Konsul Maier'» Elsa!"
„Um Gottes willen! Die ist ja bucklichl"
Wulf lachte wie ein Kobold.
„Bucklich oder nicht! — Ihre Millionen gleichen Alles aus!"
Die alte Dame schüttelte sich vor Enffetzen.
„Pfui, pfui, das ist abscheulich! — Das kann ich gar nicht mit anhören! Du bist ganz schlecht geworden draußen in der fremden Welt."
Er senkte den Kopf und blickte eine Weile stumm vor sich nieder. Dann sagte er in ernstem Ton:
-Ich war Idealist mtt meinem ganzen Fühlen und Denken. Mein Beruf beftiedigt mich vollständig und luxuriöse Bedürfnisse habe und kenne ich nicht. Aber — Du hast Recht, Mama — draußen in der fremden Welt, wo Alles nach materiellen Hütern
Seitens der Landwitthe mehr und mehr Beachtung und durchdringt auch die Bauern immer mehr die vom Freisinn aus Patteitaktik prinzipiell geleugnete, aber für alle gerechten Kenner der land- witthschaftlichen Verhättnisse unleugbare Wahrheit, daß Groß- und Kleingrundbesitzer heute einig sind im ernsten Erstreben der Besserung der Rothlage ihres Gewerbes, dann wird allmählich doch eint erkennbare Sanirung in Verhältnissen eintreten, die heute mit Recht die Freude am landwitthschaftlichen Beruf als ein unbekanntes Etwas voll erklärlich machen!
Deutsches Reich.
* Berlin, 4. Dezbr. (Tagesbericht.) Sc. Majestät der Kaiser nahm heute in Hannover Vormittags Vorttäge entgegen und begab sich um 11‘/g Uhr nach der Garnisonkirche zur Besichtigung derselben. Um dem Kaiser Gelegenheit zu geben, das von ihm geschentte Geläute bet Kirche zu hören, wurden die Glocken bei seiner Ankunft und Abfahrt geläutet. Vor der Kirche wurde der Monarch von der Geistlichkeit empfangen und in die Kirche geleitet. Weiter waren zum Empfang erschienen: Oberpräsident Dr. v. Bennigsen, der kommandirende General des X. Armeekorps v. Seebeck, der Chef des Generalstabes Oberstlieutenant Hausmann und mehrere der dottigen Generäle. Der Kaiser, welcher vom Militär- Obctpfa«er Konsistorialrath Dr. Rocholl geführt wurde, bezeugte für die Kirche und deren Einrichtung ein großes Interesse. Beim Abschiede blieb er mtt den Herren noch vor der Kirche eine Zeit lang im Gespräch, dabei das Aeuße« der Kirche bettachtend. Der Kaiser bemerkte zum Schluß, daß dies die schönste romanische Kirche sei, die er gesehen zu haben sich erinnere. Von der Kirche fuhr der Kaiser um 12 Uhr zum Schloß zurück, wo gleich nach der Ankunft das Frühstück eingenommen wurde. Die Ab- fahtt zur Hofjagd nach Springe erfolgte kurz vor 1 Uhr. — Der Kaiser hat dem Stadtdireklor als Geschenk für die Stadt das von ihm entworfene Bild „Niemand zu Liebe, Niemand zu Leide", mit seiner Namensunterschrift versehen, übergeben. Der Kaiser wurde auf der Station „Kaiserallee" vom Kriegervereinsverband Springe empfangen und fuhr sodann mit den Jagdgästen am Schlosse vorbei in das Jagdrevier. Dort war am Hallermundskopf die Jägerei aufgestellt. Die Jagd begann bei prächtigem Wetter.
Schmetternd sandten di« Jagdhörner der auf der Höhe der Kuppe aufgestellten Jägerei dem Jagdherrn den Fürsten-
sttebt, haben sich meine Ansichten geändert. Meine Kameraden und StandeSgenoffen — Du solltest sie nur hören — suchen sämmtlich großartige reiche Partien, um vor der gemeinen Roth des Lebens bewahrt zu bleiben. Sie hatten eS für ganz selbstverständlich, vornehme einflußreiche Verbindungen zu erwerben, um dadurch Karriere machen zu können. Die meisten sind schon ausgewachsen in solchen Traditionen. Hangen und Bangen in schwebender Pein, unglückliche Liebe giebt es bei ihnen nicht, denn ihre Herzen sind von anderen Interessen erfüllt. — Ja, so geht es her in der Welt und wer darin lebt, darf ihren Anforderungen nicht gegenüberstehen, um seine Zukunft nicht in schlechte Position zu bringen!"
„Ach Wulf, laß diese schrecklichen Erötterungen, damit kann ich mich nicht befreunden. Hier bei uns sind die Menschen anders geartet. Da macht man keine Jagd auf reiche Mädchen, um zu Wohlleben und Luxus zu gelangen. Bei uns hält man auf Liebe und Treue, die dem Famllieulebm nur allein die rechte Weihe giebt und alle Selbstsucht erstickt. — Und nun gleich ein leuchtendes Beispiel, daß man hier nach anderen Gesichtspunkten seine Gattin wählt und nur das Herz sprechen läßt. Hildegard Lindner ist kein reiches Mädchen, ttotzdem hat sie Bewerber »ud Freier. Der steinreiche Mühlenbefitzer in Grauhof, ein feiner hochgebildeter, junger Mann mit besten Manieren, wirbt gleichfalls ernstlich um sie."
„Wird sie ihn denn nehmen?"
„Gott, Wulf, das ist doch selbstverständlich, wenn sie seine Liebe erwidert! Sollte es nicht der Fall sein, wird sie ihm den Korb geben. Ums Geld nimmt die Hilde ihn nicht, sie ist eine ideell angelegte Natur und wird sich niemals verkaufen."
grüß zu. Dann nahm der Kaiser seinen Platz auf der am Abhang für ihn errichteten Schießkanzel ein, nachdem er mit den Geladenen Willkommensworte gewechselt hatte. Die meisten der Jäger trugen, wie der Jagdherr, die von diesem eingesühtte Jagduniform. Der Anzug des Kaisers wurde durch eine gestickte Deistermütze in der Farbe d«S Tuches vervollständigt; den grünen Jagdhut zierte ein Gemsbart von ganz seltener Größe und Schönh-it. Kur, nach 2‘/< Uhr wurde die Jagd angeblasen und wenig« Minuten später hallte der Wald von Schüssen wieder, deren ersten der Kaiser auf einen starken Ke ler abgegeben hatte. Es ist bekannt, daß der Kaiser ein außerordentlich trefflicher Schütze ist; heute trat seine Schießfertigkeit noch stärker hervor, weil die Schwarzröcke zum Theil in viel größerem Abstand bei dem Kaiserlichen Standplatze vorbeikamen, als «8 bei enteren Hofjagden wohl der Fall war. Die Signal« des Rüdenmeisters mischten sich mit dem Gebell und — dem Klagen der Hunde, mtt betten die Sauen, wenn sie ihrer habhaft werden können, nicht zart umzugehen pflegen; sie wehren sich eben ihrer Haut. Als die Jagd eine Stunde gedauert hatte, erschallte das Signal „Sau tobt". Der Kaiser, in ersichtlich heiterer Stimmung, sah sich bie stärksten erlegten Sauen an; er hatte neunzehn Stück, barunter recht „grobe" Exemplare, zur Strecke gebracht; eine Gesammtstrecke würbe heute nicht bereitet. Den Rückweg nach dem nahegelegenen Jagbschloß legte der Kaiser mit seinen Gästen auf einem neu ang, legten Wege zu Fuß zurück.
* (Der Bürgemeister Kümmert) zu K o l b e r g war bekanntlich von dem Regierungspräsidenten zu Stettin wegen beha«licher Weigerung, die Schließung einer Schule aus sanitätspolizeilichen Erwägungen vorzunehmen, mit einer Ordnungsstrafe von 50 Mk. belegt und war auf die hiergegen erhobene Beschwerde von dem Oberprästdenten der Provinz Pommern abschlägig beschieden worden. Die darauf von Kümmert erhobene Klage hat das Oberverwattungsgericht heute abgewiesen.
* (Zum FallBrüsewitz) hätte — wenn man dem „Hann. Anz." glauben will —der Kaiser gestern in der Hannoverschen Militärreitschule, zu welcher bekanntlich Kaoallerieoffiziere aller Regimenter kommandirt sind, eine hochbedeuffame Rede gehalten. Dieser Fall habe ihn äußerst schmerzlich berührt. Er richte hauptsächlich an die jüngeren Offiziere die Mahnung, sich stets der hohen Pflichten, welche ihnen die Uniform auferlege, bewußt zu bleiben. Namentlich sollten sie dessen eingedenk sein, daß die Uniform keiner weg' einen Gegensatz zwischen Offizierkorps und Bürgerschaft bilde, und daß ein derartiger Unterschied keinesfalls durch das Benehmen der Offiziere markirt werden dürfe. Er hoffe und erwarte, daß das Offizierkorps, soweit es an ihm (dem Offizierkorps) läge, stets bestrebt sein werde, in einem guten Verhältniß mit der Bürgerschaft zu bleiben.
„So! So! — Hm! Das Kind kennt die Welt eben noch nicht," meinte Wulf und trat ans offene Fenster, durch welches süßer Blüthenduft ins Zimmer fluthete. Der Vollmond lag über der alten Kaiser- stadt und füllte Plätze und Sttaßen mit seinem Zauberlicht. Ein leiser Wind säuselte in ben grünen Maien. Weißliche Nebel woben phantastische Schleier um bie Kuppen bes Gebirges, währenb hin und wieber ein jähes Wetterleuchten durch die schwülen Lüste flammte.
Die Majorin trat neben Wulf und schaute gleich ihm still in die feierliche Majestät dieser wunderbar schönen Frühlingsnacht, die wie geschaffen war zum Denken und Träumen.
Vom Thurm schlug die Glocke elf.
„Es ist Zett zum Schlafen," sagte fie leise. „Also gute Nacht, mein Junge! Ruhe sanft und ttäume recht schön!"
Als Wulf gegangen war, lehnte fie fich noch eine Weile in die Sophaecke und ttäumte vor fich hin. Ihr Blick flog zu dem Bllde des verstorbenen Gatte« hmüber und blieb daran hasten mit Zärtlich- kett und Wehmuth. Wie lieb hatte fie ihn gehabt und was für eine glückliche Ehe hatten sie miteinander geführt, bis ein jäher Tod den Geliebten im kräftigsten Mannesalter dahinraffte und' allem Glück ein Ende bereitete. Damals wollte ihr das Herz brechen vor Gram und grenzenlos war ihr Schmerz. Aber fie mußte sich auftecht halten und Muth sammeln, um für ihr Kind zu leben.
Und wie fie jetzt so daran dachte, welch ein Trostesengel der kleine Wulf ihr gewesen war, wie reich er sie gemacht hatte ttotz Kummer und Sorgen, da verklärte ein seliger Schimmer ihr sanftes Gesicht. Ja, niemals hatte er sie durch Unarten und böse Gewohnheiten betrübt, sein Gemüth war weich und