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Wöchentliche Beilagen: KreiSblntt für He Kreise Marburg «nb Kirchhai«.

Uttt «nb VftUg: 3»6. 8«g, Koch, Umvrrfität»-Buchdnlck«r«i in Marburg» ^S?*****4,^*8^fcT*4^ Verantwortlich für b»n allgemeinen Thtil: Redakteur M. Hartmann,

Redaktion nnd Expedition: Markt 2i. ^H4^4gß4-4'H4'H'^M für den Jnferatentheil: Joh. Ang. Koch, beide in Marburg

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Erscheint täglich «her an Werktag«! nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal- AbonnnnrntL-Prei« bei der Expe­dition 2 ML, bei allen Postämtern 2 ML 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld) JnsertionSgebühr für di« gespaltene Zeil« «der der«n Raum 10 P§g Reklamen für di« Zeile 35 Pfg.

Marburg,

Donnerstag, 3. Dezember 1896.

Anzeigen nrmmr emgrg«n di« Exp«dition dtrs«S Blattes, sowie bi« Anuonnn-Burraux von Haasrntzrin u. Vogler in Frankfurt « M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moss« in Frankfurt a. M., Berlin, Münch«n u. Köln, C. 8. Daube u. Eo. in Frankfurt a. M Berlin, Hannover, Paris.

XXXI. Jahrg.

h. Heber das Lehrerbesoldungsgesetz ist in der gegnerischen Presse natürlich wieder so Mtl Falsches betreffs der Stellung der konser- Mtioen Partei zu dieser Vorlage geschrieben worden, daß es nothwcndig erscheint, die feststehende That- sache immer und immer wieder in Erinnerung zu dringen, daß seit jeher die Konservativen sich am Wärmsten und Aufrichtigsten der Bedürfnisse des Lehrerstandes angenommen haben. So ist es auch »jeder bei dieser Vorlage gewe'en, welche bekanntlich zur Zeit einer Kommission von 21 Mitgliedern des Abgeordnetenhauses überwiesen ist. In dieser Kom- mssion werden die Konservativen sicher das Mög- stchste thun, die Vorlage den Lehrern günstiger zu gestalten. Es wird hoffentlich der Kommission eine solche güistiuerc Gestaltung gelingen. Wir unserer- sind nicht wenig verwundert, daß mit dieser Lo> läge die Regierung nicht dem Wunsche der Herren­haus-Majorität, sondern der Herrenhaus-Mindci heit »achgekommen ist. Hätte die Regierung gleichzeitig eio Volksschulgcsetz vorgelegt, so würde ihr eine große Neh heit des Landtages sicher gewesen sein; jetzt hat sie durch das Nachgeben gegen die großstadtpolttische Minderheit des Herrenhauses leider den Anschein er­weckt, als wolle sie diese Majorität nicht acceptiren, Venn sie nicht die Billigung der Herrenhaus-Minder­heit erhalten habe.

Die Berathungen, welche in den letzten Tagen dl der konservativen Fraktion stattgefunden, haben 60 nehmlich in Betracht gezogen, ob eine finanzielle Besserung der Bezüge der Lehrer noch über die Vorlage hinaus sich bewerkstelligen lassen würde. Die Ergebnisse dieser Berathungen fielen für die Lehrerschaft günstig aus. Allein man nimmt mit Recht an, daß diese Aufbesserung nicht zu erfolgen habe durch Erhöhung des niedrigsten Grundgehaltes, der in der Praxis ja doch nur für die allerbilligsten Orte in Betracht kommt, sondern durch eine Er­höhung der Alterszulagen nam ntlich in den mittleren Stufen. Es muß aber bei dieser Maßnahme darauf Rücksicht genommen werden, daß solche Er­höhung die Landgemeinden nicht übermäßig belaste. IDenn wenn auch in der Industrie, in Handel und 8roßgewerbe in Preußen, wie im Reiche eine wirth- sldaftliche Besserung sich bemerkbar macht, so leidet hoch die Landwinhschaft, leidet das Kleingewerbe »ter vieler Ungunst der Verhältnisse, so daß sie Untere Lasten zu tragen absolut nicht im Stande sind.

Es ist erfreulich, daß sich der Herr Finanz­minister einer Erhöhung der Alter szulagen der Lehrer

(Nachdruck verboten)

Wa: jenkind.

Von Martz Widder».

(Schluß)

Tief in einen Pelz gehüllt, stieg die gebeugte Gestalt eines alten Herrn aus dem Wagen, reichte -dem Kutscher seinen Lohn und ging mit wankenden schritten durch das Gärtchen dem Hause der von Etelsen zu.

Vor der Thür angelangt aber, beugte der alte Herr seine Kniee und wie er die gefalteten Hände gen Himmel hob, da kam es über seine Lippen: »Guter, gnädiger Gott, wie danke ich Dir, daß Du mich noch einmal mein Weib und Sinb umarmen äffest, au die ich in so vielen schlaflosen Nächte in hoffnungsloser Sehnsucht gedacht."

i Der alte Herr erhob sich wieder, ganz leise drückte 0 auf die Klinke der Thür, fie war unverschlossen tod fo_ gelangte er unbemerkt auf den Flur. Vor «r Thür zum Wohnzimmer blieb er aber stehen, flöhliche Stimmen schallten ihm entgegen, o Gott, ® waren die Stimmen seiner Kinder! Und wieder Mar er nahe daran, in die Kniee zu finken,so viel Sreligkcit," flüsterte er und heiße Thräneu rollten Am üdct die Wangen in den schneeweiß gewordenen Voll -art.

Dann öffnete er leise, so leise, daß die, welche un Wohnzimmer um den großen Tisch saßen, auf tot die singende Theemaschine stand, nicht seinen «intritt bemerkten.

Erst als er mitten im Zimmer stand, hob die 8rau auf dem Sopha, deren Gesicht heute nichts Mehr zeigte von jenem apathischen Ausdruck, der ihr früher eigen, seit dem Tage wenigstens, an dem Man ihren Gatten veruriheili, das Auge und wie

im neuen Lehrerbesoldungsgesetze gegenüber nicht ab­lehnend verhalten hat. Wahrend die Minorität der Großstadtpobtiker im Herrenhause, um int Lehrer­besoldungswesen etwas zu sparen, es durchaus nicht anerkennen will, daß das Kommunalsteuergesetz, den städtischen Gemeinden erheblich zu Gute gekommen ist, finden wir Herrn br. Miquel doch als Schöpfer dieses Gesetzes so gerecht, daß er sich zugänglich erweist den ärmlichen Besoldungsverhältnissen der Lehrer und feine Mitwirkung zu der Verbesserung dieser Verhältnisse auch durch Alterszulagen nicht ver­sagt. Die städtischen Kommunen können wirklich voll zufrieden sein mit dem, was ihnen gerade die jetzige Vorlage an Entgegenkommen bietet; man müßte sonst an einer Möglichkeit, sie zu befriedigen, überhaupt zweifeln. Dann würde es allerdings auf Kosten noch größerer Unzuftiedenheit leicht fein, noch gewisse Ein­schränkungen zu machen, die dann dem Lehrerstande zu Gute kämen!

Deutsches Reich.

* Berlin, 1. Dezbr. (Tagesbericht.) Se. Majestät der Kaiser hörte heute Vormittag von 9 Uhr ab den Voitrag des stellvertretenden Chefs des Militär-Ka inets, Obersten v. Villaume, und begab sich mit Ihrer Majestät der Kaiserin mittels fahrplanmäßigen Zuges um 10 Uhr 10 Min. von der Wildparkstation nach Berlin, unterwegs im Zuge noch die Vorträge des Ministers des Innern, Frhrn. von der Recke von der Horst, und des Handels­ministers Brefeld entgegennehmend. In Berlin an- gelangt, besuchte Se. Majestät die Ateliers der Professoren Geselschap und Werner, empfing Mittags im Königlichen Schlosse die Präsidien des Landtages (vergl. untenstehenden Bericht. D. Red.) und nahm um 1 Uhr eine Reihe militärischer Meldungen ent­gegen. Abends besuchten Ihre Kaiser!. Majestäten die Vorstellung im Berliner Theater.

* (Die Präsidenten des Landtages) wurden heute von Ihren Majestäten dem Kaiser und der K a i s e r t n empfangen. Ueber den Ver­lauf der Audienzen wird das Folgende mitgetheilt: Zunächst wurden die beiden Vizepräsidenten des Herrenhauses Freiherr von Manteuffel und Oberbürgermeister Becker von Köln empfangen. Se. Majestät der K a i s e r gab seinem Bedauern über das Ableben des bisherigen ersten Präsidenten des Herrenhauses, des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode mit lebhaften Worten Ausdruck. Nicht das Herren­haus allein, sondern das ganze Vaterland haben

sie dem feinen begegnete, da fuhr sie auf,der Vater, der Vater," jubelte sie, und ehe die anderen noch zur Besinnung kamen, lag sie an seiner Brust, lachte und weinte in einem Athem.

Uni) nun drängten sich auch die Kinder herzu, undVater, lieber, theurer Vater, bist Du da? Wir erwarteten Dich erst morgen, wollten Dir Ehren- Pforten bauen zum Empfange," schallte es durch­einander.

Und für jedes hatte er ein liebevolles Wort, jedes umarmte er, den ältesten seiner Söhne aber hielten die alten, schwachen Arme am längsten um­schlungen:Du hast Dir eine Brant ge-oählt in­zwischen," sagte er leise und sah ihm zärtlich in die Augen,aber sie ist aus dem Geschlecht der Solms- Hegendorf, wird das auch Glück bringen in unser Haus?"

Der Segen ist ja schon mit ihr eingezogen," erwiderte Konrad und sich rasch umwendend, winkte er der Geliebten, die sich schüchtern in die dunkelste Fensternische zurückgezogen hatte; und wie sie dann leise näher trat und ihr Haupt über die Hand des Greises beugte, da war auch er bezwungen von ihrem Liebreiz und da» junge Geschöpf an seine Brust drückend, sagte er zärtlich:Gott segne Dich, meine Tochter!"

Die kleine Lida war inzwischen, nachdem auch fie ihren Theil von des VaterS Zärtlichkeit empfangen, in die Küche geeilt und hatte mit vor Freude zitternden Händen allerlei Erfrischungen auf ein Theebrett gestellt, das fie dann neben die Maschine auf den Tisch vor das Sopha stellte. Und wie sie dann Alle, die gefüllten Gläser vor sich, Platz ge- nommmen hatten, dem Greise zur Rechten die über glückliche Gattin, zur Linken das holde zukünftige Schwiegertöchterchen, La sagte der Geheimrath plötz-

durch den Tod des Fürsten, der sich unvergeßliche Verdunste um den Staat erworben habe, einen schweren Verlust erlitt-n. .Weiter berührte Se. Majestät kurz die politischen Tagesfrag-n und sprach besonders die Hoffnung aus, daß die Vorlage wegen der Konvertimng eine möglichst schnelle Er­ledigung finde. Auch Ihre Majestät die Kaiserin erwähnte in der Audienz, die sie unmittelbar nach der Sr. Majestät des Kaisers den Herren gewährte, den Tod des Fürsten zu Stolberg. In der Audienz des Präsidiums des Abgeordneten­hauses sprach Se. Majestät der Kaiser zunächst seine Befriedigung Über die Wiederwahl der Herren von Köller, Freiherr von Heereman und br. Krause aus. Auch ihnen gegenüber machte er dann einige Bemerkungen über die dem Landtag zugegangeven Vorlagen, um darauf sich im besonderen den land- wirthschaftlichen Fragen zuzuwenden. Er sprach da­bei von dem Stande der Wintersaaten und äußerte seine Zufriedenhctt besonders über den Ausbau des Kleinbahnnetzes, das den Landwirthen erhebliche Vor­theile gewähre. Nach beendeter Audienz empfing auch Jore Majestät die Kaiserin das Präsidium des Landtags.

* (Von der Justiznovelle.) DieNordd. Allgemeine Zeitung" bespricht die Erledigung der zweiten Lesung der Justiznovelle im Reichstage, welche 12 Sitzuagstage in Anspruch genommen. Die Annahme der bei dieser Lesung vorgenommenen Abänderungen Seitens der Regiei nngen ist aus­geschlossen. Da nun nicht anzunehmen ist, so schreibt das citirte Blatt wörtlich, daß der Reichs­tag in seiner Mehrheit die Absicht haben sollte, gerade die Reformen des Justizwesens Wiedereinführung der Berufung und Entschädigung unschuldig Ver- urtheilier zu Falle zu bri gen, so darf man gewiß vertrauen, daß bet der dritten Lesung der Vo-.lage diejenigen Juristen die entscheid,nde Stimme nicht wieder haben werden, die sie bei der zweiten hatten. Andrerseits würde ein sehr unerwünschtes R fultat in dem Scheitern dieser, nach Jahre langer Vorarbeit fast bis an das Endzttl geführten Reform zu be­klagen sein, und auch auf die bevorstehende Erledigung andrer Vorlagen, z. B. der Militarstrafprozeßordmmg, eine kaum sehr aussichtsreiche Perspektive sich eröffnen.

* (Der Gesammtausschuß des Bundes der Landwirthe) ist in Berlin versammelt ge­wesen und hat zwei Resolutionen beschlossen. Die erstere beschäftigt sich mit dem Anträge Kunitz und erwartet, daß die verbündeten Regierungen, nach-

lich und sah sich im Kreise seiner Sieben wie suchend um:Ich vermisse die Schwester? Ich hörte doch, die arme, schwergeprüfte Ludowika wäre jetzt ganz bei Euch."

Sie war es, geliebter Mann," sagte die Wirthin,seit acht Tagen aber hat fie wieder von dem Haus der Hegendorf, in das sie mit Fug und Recht ja auch gehört, Besitz genommen, haupffächlich nur, nm sich ganz der Pflege ihres Großneffen zu widmen, Du erinnerst Dich doch noch des armen Harald, der Knabe ist feit längerer Zeit kränker als je. Aber unser Stabsarzt, den man seinetwillen' konsultirt, hat sich verpflichtet, den unglücklichen Erben eines beinahe fürstlichen Besitzes wieder voll­ständig herzustellen, er verspricht, ihn nicht blos von seinen epileptischen Anfällen zu heilen, sondern ihn auch sonst noch zu einem vollständig kräftigen Menschen zu machen, die gerade Figur, die er durch einen unglücklichen Fall verloren, kann er ihm freilich nicht zurückgeben, die ist nun einmal für ewig dahin, aber diesen Mangel wird fein Reichthum und seine Herzensgüte überall decken. Aber Du weißt ja noch nicht, daß der alte Majorathsherr tobt, seiner Schwester sehr bald nachfolgte in das Jenseits. Vorläufig wird nun das Majorat bis zur Großjährigkeit des Erben von einem unter gerichtliche Aufsicht gestellten Beamten verwüstet, dem Knaben selbst find zwei Vormünder gestellt, der Präsident von Norden und der Landschaftsrath Plachten, welche Beide ganz gewiß sein Bestes im Auge haben. Der Letztere ist übrigens auch der Vormund unserer Hildegard; aber Dir ist ja auch noch unbekannt, daß Konrads Braut, ohne daß sie eine Ahnung davon gehabt, von der Frau Obrist zur Universal erbin ernannt worden, gar nicht zur Freude Deines Aeltesten, lieber Mann, ihm würde es, in seinem

dem sie ebenso wie der Reichstag diesen Antrag als den Bestimmungen der Handelsverträge widersprechend und unausführbar abgelehnt hätten, nunmehr andere durchgreifende Mirtel für die Rettung der Landwirth- schast ergründen und durchzuführen suchen werden, welche ihrer Meinung nach den Handelsverträgen nicht widersprechen und ausführbar sind. Die zweite Resolution bemängelt die Zusammensetzung des Börsen­ausschusses.

* (Ein erfreulicher Schritt.) Gegm den unlautern Wettbewerb der Margarine wendet sich in anerkennenswerther Weise die preußische Eisenbahnverwaltung. Den Bahnhofs- wirthen wird eine schriftliche Erklärung darüber abgefoidert, ob sie zur Herstellung von bestnchenen Brödchen Butter oder Margarine verwenden wollen. Diejenigen unter ihnen, die für Oellalg optiren, müssen dieses dem reisenden Publikum zur Kenntniß bringen und auf ihren in den Wartesälen auS- hängenden Preisverzeichnissen neben den Butterbroden Margarinebrode unter entsprechender Abstufung des Preises aufsühren. Den Wirthen, welche sich für die Verwendung von Butter entscheiden und später doch versuchen sollten, Oeltalg an Stelle derselben unterzuschieben, wird neben der gesetzlichen Strafe mit Kündigung des Pachtvertrages Testens der Eisenbahnverwaltung gedroht. Herrn Minister Thielen danken wir für dies sein Einschreiten gegen diesen unlautern Wettbewerb, nicht weil wir besonders große pekuniäre Vortheile für unsere deutschen Molkereien davon erhoffen, sondern weil er als Bahn­brecher auf diesem Gebiete gewirkt Kat und sein Beispiel hoffentlich auf die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches von ermulhigendem Einfluß fein wird; was den Bahnhofswirthen recht ist, kann anbem gegenüber nur billig fein.

* (Fortbilbungsschulwesen.) Der Abg. v. S ch e n ck e n d o r f f hat im Abgeordvetenhanse den Antrag eingebracht, die Königliche Staats­regierung aufzufordern, dem Fortbildungs- s ch n l w e s e n dem gewerblichen, landwirthfchaft- licheu, kaufmännischen und weiblichen künftig eine höhere Beachtung, insbesondere durch vermehrte Staatsmittel, zuzuwenden.

* (Zehn Mann von der geretteten Besatzung desIltis") tr-ffen, wie jetzt amtlich bestätigt wirb, am 17. Dezember in Ham­burg ein.

* (Ein LehrkursuS über Gefängn wesen) finbet in Berlin unter Leitung bes Geh. Regierungs­

unpraktischen Sinn viel, viel lieber sein, wenn fie ihm ganz arm an ben Altar folgte."

Gelehrtenspleen! nicht wahr, Väterchen," meinte ba bie kleine ßtba, inbem sie, hinter ben Stuhl des Vaters tretenb, zärtlich ihre Arme um seinen Hals schlang.Ich ärgere mich gar nicht, eine so reiche Schwägerin zu bekommen, im Gegentheil, als Hllba versprach, Jebem von uns Kinbern, fobalb sie brei Tage vor ihrer Hochzeit mit unserem Glückspilz, bem Konrab, für großjährig erklärt würbe, baar fünftaufenb Thaler zu schenken, bin ich ihr um ben Hals gefallen unb habe sie so lange geküßt, bis wir Selbe ganz außer Athem gerathen."

Der Geheimroth streckte gerührt über ben Tisch weg ber Braut seines Sohn bie Hand entgegen, so bringt doch ein Sproß des alten Geschlechts der Solms-Hegendorf Freude und Friede in unsere Familie."

Hildegard wurde der gute Engel des Hauses, ganz im Geheimen wußte fie dem Vater ihres Ge­liebten all: Sorgen von den Schultern zu nehmen, und jedesmal wenn der alte Herr irgend einen seiner Gläubiger aufsuchte, um ihn mit einer Ralhenzahluug, die er seiner Pension entnahm, zur Geduld zu be­wegen, erhielt er die Antwort:Aber Herr Gehestn- rath, Sie tilgten ja schon vor einigen Tagen die Schuld, bitte, hier ist das Beglestschreiben." Und wenn er erstaunt einen Blick darauf warf, so waren es immer wieder die lieben, wenn auch verstellten Schriftzüge des Schwiegertöchterchens, die ihm auf glänzendem Briefpapier entgegen traten.

Und wie dann Jahr an Jahr sich reihte, Hilde­gard Winter lange Frau Doktor von Steifen, die glücklichste Gattin unb glücklichste Mutter geworden, da hatte fie auch die Schwägerinnen zu jungen Ehen ausgestattet und die Brüder ihnS Gatten studiren