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auf Einstellung einer Forderung von 200 000 Mk. in den Manne-Etat für den Bau einer Kaserne auf Helgoland einschließlich Grunderwerb zurückzuführen.

* (Moltke's militärische Korrespondenz.) Die Veröffentlichung der militärischen Korrespondenz Moltke's wird vom Großen Generalstab soeben durch ein Heft fortgesetzt, welches die vom 3. September 1870 bis 27. Januar 1871, also die während des zweiten Haupttheiles des Krieges geführte Korrespondenz enthält, in welchem Zeitraum es sich um die Be­lagerung von Paris und die Niederwerfung des Gegners in den Provinzen handelte. Diese Schrift­stücke offenbaren das Genie Moltke's in einer be­sonders schwieligen, neu an ihn herantretenden Auf­gabe: vom Mittelpunkt, von Versailles aus, weithin über die französischen Provinzen die Lestung der K!riegshandlungen in der Hand zu behalten, in ein­heitlichem Ueberblick und nach Maßgabe der Gesammt- lage die Versuche der ftanzöstschen Provinzialheere, von Nord und Süd zum Entsätze von Paris vorzu­dringen, abzuwehren und zugleich den Fall von Paris herbeizuführen.

* (Sozialdemokratisches.) In Rudol­stadt haben die Sozialdemokraten arges Pech gehabt. Bei der Wahlprüfung des mit soziallstischer Hllfe in den Landtag gewählten Abg. Wilhelm wurde nämlich festgestellt, daß dieser gar keinSozialist sei, wie man angenommen hatte. Wilhelm widersprach dieser Festsitzung mit keinem Wort. Die Sozialisten rasen vor Wuth, ihr Dortmunder Führer erklärte, daß die sozialdemokratische Partei wie noch nie hintergangen worden sei.

* (Reichstag.) DiePost" meint, man glaube auch in Reichstagskreisen nicht mehr daran, daß die Justiznooelle noch in diesem Jahre, oder auch nur in dieser Session zu Stande kommen werd, man sei vielmehr überzeugt, daß die gegenwärtigen Ver­handlungen nur schätzbares Material für die spätere Erledigung der Sache bieten werden. Im nächsten Jahre sei dagegen um so sicherer auf ein positives Ergebniß zu rechnen, da solches dann mit Rücksicht auf das bürgerliche Gesetzbuch nothwendig werde und die Regierung in der Berufung gegen die Urtheile der Strafkammer und in der Eatschädigung unschuldig Verurtheilter die stärksten Trümpfe in der Hand halte.

* (Bund esrath.) In der heutigen Sitzung' des Bundesraths wurde die Vorlage, betreffend die Aufhebung des Bianntweinstcuer-Grenzbeziiks gegen Luxemburg, durch Kenntaißnahme erledigt. Dem Entwurf von Aurführun^sbestimmungen zur Gewerbe­ordnung wurde die Zustimmung crtheilt.

(Zur Konvertirungsvorlage.) Wenngleich die Bedenken, welche der Zinsh.rabsetzung unserer 4 prozentigen Staat, Papiere entgcgenstehen, nicht zu verkennen sind, wenn insbesondere zu be­dauern ist, daß durch diese Maßregel die Einkünfte kleinerer Kapitalisten und Kassen von Wohlthätigkeils- anstalten wie auch Kirchenfonds und dadurch auch die Gehälter mancher Geistlichen geschmälert werden, so wird konservativerseits doch zugegeben, daß die Konvertimng nicht zu umgehen ist. Es ist zweifel­los nicht zu verlangen, daß unsire Anleihen dauerns unter dem landläufigen Zinsfüße begeben werden; es ist im Gegeutheil im Jnteiesse der Gesammtheii der Steuerzahler geboten, daß durch die Kon- vertirung die allgemeinen Ausgaben des Staates ge­mindert, anstatt, für die sich steigernden unumgäng­lichen Bedürfnisse, neue Steuern auferlegt werden. Die Schonung, womit die Zinsherabs tzung in's Werk gesetzt werden soll, ist durchaus anzuerkennen; bei dieser Gelegenheit aber wird man uns nicht ver­denken, daß wir unser Bedauem darüber aussprechen, daß man Seitens der Reichsregierung nicht mit gleicher Schonung der Landwi-thschaft gegenüber ver­fahren ist, als es sich um die Einführung der Handelsverträge handelte.

* (Koloniales.) Aus Deutsch - Südwest­afrika liegt aus Windhoek die Meldung vor, daß sowohl in Gioßnamaland, als auch in den anderen Gebieten die H u n g e r s n o t h als gänzlich gehoben zu betrachten ist. Nachdem kräftiger Landregm gefallen ist, sind auch die Ernteaussichten als günstig zu be­zeichnen. Um einer Wiederholung eines ähnlichen Nothstandes zu begegnen, sollen Kornhäuser gebaut werden, in welchen das den E ngcborenen abgekaufte entbehrliche Korn aufgcspeichert wird. Es geschieht dies auch, um spekulativen Händlern, die den Noth- stand dazu benutzten, ihr billig aufgekauftes, an­gesammeltes Getreide zu enormen Preisen zu ver­kaufen, das Handwerk zu legen. Die Gefahr, daß die Rinderpest den gesammten Viehstand unserer Kolonie ernstlich bedrohe, ist gegenwäriig geringer denn je. Ti otz der nicht verkennbaren Schwierigkeilen hat der Landeshauptmann eine Bewachung der Ost- grevze angeordnet und in den exponirtesten Gebieten die Schutzimpfung eingerichtet.

* (Neuguinea-Kompagnie.) Ueber den neuen Vertrag betr. die Ucvernahme des Gebiets der Neu­guinea-Kompagnie in die Reichsverwalmng berichtet diePost", derselbe unterscheide sich wesentlich von dem letzten Sommer abgelehnten in drei Punkten: 1) wird die Kompagnie nicht ohne Weiteres auf alles herrenlose Land Anspruch haben, 2) werden ihr nur Richte, nicht aber ausschließlich Privilegien zugestanden werden, und 3) wird das Reich sich eine Ablösung der der Kompagnie noch verbleibenden Rechte gegen rathenweise Zahlung einer Entschädigung Vorbehalten, während zuerst die einmalige Zahlung einer Summe, die, je später ihre Zahlung erfolgen würde, desto größer sein sollte, vorgesehen war.

* Hamburg, 26. Nov. (Streik.) Jetzt streiken auch die Ewerführer und Seeleute, im ganzen 810 000 Mann. Den Streikenden wurde mitgetheilt, alle Genossen in Antwerpen, Rotterdam, Ebristianra, Gothenburg und den englischen Hafen­plätzen seien zur Unterstützung vorbereitet. Der Hafenverkehr ruht fast ganz. In Bremen sind außer den Arbeitern der Lagerhausgesellschaft alle Hafen­arbeiter ausständig, in Kiel wollen die Schauerleute streiken.

r!amentarifd)t&

Deutscher Reichstag.

' Berlin, 26. November. (133. Sitzung.) Auf der Tagesordnung steht die Interpellation der Abgg. Auer (Soz.) u. Gen.: Die Unterzeichneten fragen hiermit den Herrn Reichskanzler, welche Schritte die Regierung gethan hat, um die Verfügung de« russischen Zolldepartements vom 22 August und 3. September d I. betr. die Zollbehandlung feiner Ledirwaaren rc. rückgängig zu machen und wie weit seitdem die evel tuellen Schritte gediehcn?

Auf Befragen des Vizepräsidenten Schmidt, ob der Ver­treter der verbündeten Regierungen Antwort zu e theilen bereit sei, erklärt

Staatssekretär v. Bötticher: Ich Bebau« lebhaft gc- nöthigt zu sein, di« Beantwortung ablehnen zu muffen, und zweifle nicht, daß der Grund hierfür von dem Hause voll gewürdigt werden wird. Es schweben z. Z. hier in Berlin iniernationale Verhandlungen über Beschwerden, welche hin­sichtlich der Ausdehnung mit Rußland laut geworden sind. Bevor nicht diese Verhandlungen zum Abschluß gediehen sind und das Eigebniß der Verhandlungen die Zustimmung der verbündeten Regierungen gefunden hat, erscheint es nicht im Interesse der deutschen Wirthschaftspolitik, die Sache zum Gegenstand öffentlicher Verhandlungen zu m chen. Auch eine etwaige spätere Beantwortung zuzusagen, würde ich nur bereit sein, wenn ich einen Termin hierfür überseh n könnte. Auch das ist aber nicht der Fall, denn die Ver­handlungen haben eben erst begonnen. Ueberdies ist es a: ch möglich und denkbar, daß der Anlaß dieser Interpellation infolge der internationalen Verhandlungen ganz fortfällt Ich kann daher nur erklären, daß ich die Beantwortung sans phrase ablehne.

Ein Antrag Ulrich (Soz), den Antrag dennoch zur Besprechung zu bringen, findet, da nur die Sozialdemokraten dafür eintreten, nicht die erforderliche Unterstützung von 50 Mitgliedern

Weiter fleht auf der Tagesordnung die Interpellation Auer u. Gen betr. die kommunalen Bestrebungen in Sachsen bezüglich der Konsumvereine.

Abg. Bebel (Soz) (nachdem sich Staatssekretär von Bötticher zur sofoitigen Beantwortung der Jntelpellation bereit erklärt): Ich möchte da« Haus auf die Anregung zu derartigen Besteuerungen Hinweisen, welche die zweite sächsische Kammer in ihrer Sitzung am 27. März durch einen einfchlägigen Beschluß gegeben hat, Auch das Ministerium des Innern hat am 12. Mai einen entsprechenden Erlaß an die Kreishauptmannschaften gerichtet. Dabei ft ht doch that- sächlich eine solche Besteuerung der Konsumvereine im Wider­spruch zur Reiisgewerbeordnung, § 7 Ziffer 6, zum Artikel II der Reichs Verfassung und zum Genossenfchafls- gesetz. Das hat, allerdings mit Bezug auf die großen Waarengefchäfte, auch in voriger Session des p eußischen Abgeordnetenhauses der Generalsteuerdirektor Burghard! gegenüber dem Anträge Brockhausen ausgeführt. Gleichwohl werden die Gemeinden von den Amtshaupilenten direkt auf gefordert, bi« Konsumvereine scharfen Umsatzsteuern zu unter­werfen. Skandalöserweise lasse man bas, was aus den Konsumvereinen gerabezu räuberischerweise herausgepreßt werde, den Grundbesitzern zu Gut« kommen, indem man ihnen die Grundsteuer bis um 25 Prozent herabsetze. Be­lastet werden durch die Umsatzsteuer in erster Linie bie Arbeiter Sachsens mit ihrem ausgedehnten Konsumvereins- betrieie. Dieses Vorgehen bei sächsischen Regierung deckt sich allerdings mit dem Gesammtverhalten dieser Regierung gegen die Arbeiter: Vernichtung ihres Koalitionsrechts, Schmälerung ihres Wahlrechts re. Daß in den Konsum- Vereinen viel Sozialdemokraten sind, das ist auch der eigent­liche G und der «reesfioen Besteuerung der genannten Versink Dagegen muß meine Partei auf« Entschiedenste protestiren.

Staatsminister v. Boetticher: Herr Bebel hat seiner Interpellation einen unerwartet weiten Rahmen in seiner Rede gegeben. Ich war nicht gefaßt auf einen Excurs in das Geb et der hohen Wirthschaftspolitik, und will dem Interpellanten dahin nicht folgen. Herr Bebel fragte: wie wollen Si« den gegenwärtigen Eniwicklungsprozeß hemmen? Ich gebe ihm diese Frage zurück. Und wenn er unS da auf den Znkunftsftaat verweisen will, so halte 'ch ihn doch für viel zu intelligent, als daß er etwa das Maschinenwesen wieder zurücks > rauben sollte. (Lachen links.) Was nun die Interpellation anlangt, so hat der Reichskanzler wohl Kenntniß von dem Beschlug dir zweiten sächsischen Kammer, aber Über bie Folgen beffeiben in Sachsen nicht. Darüber wirb Ihnen > achher ein Herr Kommissar aus Sachsen Näheres mittbeilen. Der Vorredner bestreitet den Ge­meinden das Recht, die Genossenschaften zu besteuern. Da bin ich doch anberer<Anficht, das Genoffenschaftsgesetz ver bietet an keiner Stelle -ine solche Besteuerung. Und nun bie Gewerbeorbnung. Diese gestattet aber ausbmcklich staatliche unb kommunale Gewerbesteuer. Haben also die von dem Interpellanten angefochtenen Steuern die Natur einer Gewerbesteuer, bann werben alle Juristen baiüber einig fein, daß sie durch bie Gewerbeordnung gestattet find. Darüber aber, ob die betr. Stenern in Sachsen den Eharokter einer Gewerbesteuer haben - und darum allein handelt er sich hier darüber bitte ich den Herrn Präsi­denten, dem sächsischen Herrn Kommissar das Woit zu geben.

Sächsischer Geh. Rath Fischer: Ich muß voran«- schicken, daß es sich hier um eine lediglich einzelstaatliche Angelegenheit handelt, aus Achtung vor dem hohen Hause gehe ich aber materiell auf die Frage ein. Wie niedrig denkt man doch von der sächsi'chen Regiemng, wenn man meint, daß dieselbe den Koniumvereinen eins auswischen wolle (Lachen bei den Sozialdemokraten ) Bei den Ver­handlungen in der sächsischen Kammer hat bie Regierung Licht unb Schatten durchaus gerecht verthellt, bie Vortheile der Konsumvereine durchaus anerkannt und nur bie Aus­wüchse bemängelt. Die sächsische Regierung hat auch in ihrem Erlaß die Gemeinden keineswegs anreizen wollen, die Konsumvereine hoch zu besteuern Thatsächlich handelt es sich bei den in Rebe stehenden Umsatzsteuern um zu affige Gewerbesteuern. Alle Juristen find darüber ein g. Die sächsischen Oberlandesgerichte haben den § 7 Nr. 6 der Ge­werbeordnung dahin ausgelegt, daß derselbe ein« Abgabe nur insoweit verbietet, als sie einen einzelnen Gewerbe­treibenden herausgreift und ihn vor Zahlung der Abgabe verh ndert, fein Gewerbe zu betreiben. Bebel hat kein Recht, das Vorgehen der sächsischen Regierung brutal zu nennen. Im fiebrigen hat die sächsische Regierung eine Umfrage gehalten, nach deren Ergebniß fte Stellung zur Kommu albefteuerung der Konsumvereine nehme- wird.

Abg. Fuchs (Ctr.): Wir find der Ansicht, daß dir

Umsatzsteuern auf Konsumvereine zulässig find, nur dann i't dies nicht der Fall, wenn bie Steuer eine geradezu pro hibitive Höhe hat. Im Uebiigen glaube auch ich nicht, daß den Arbeitern mit Konsumvereinen zu helfen ist, sondern lediglich auf dem Wege der sozialpolitischen Gesetzgebung. WünschenSwerth ist es, baß man ben Auswüchsen de« Groß­kapitals zu Leibe gebt, wie diese sich in den groß-n Bazar- und Waareuhänsern darstellen. Hier find hohe Stenern am Platze.

Abg. Stolle (Soz.): Die Steuer beträgt bei einzelnen Konsumvereinen 50 Prozent, das ist eine große Ungerechng feit, bie lediglich auf die Initiative bet sächsischen Regierung zurückzuführen ist.

Geh. Rath Fischer: Ich weise nochmals bie Unter­stellung zurück, als habe bie sächsische Regierung diese Um satzsteuer angeregt oder beabsichtige, die Arbeiter zu unter­drücken.

Abg. Zimmermann (Antis.): Die Auswüchse des Konsumvereinswesers in Sachsen untergraben den Mittel­stand. Die Umsatzsteuer ist zweifellos gesetzt ch und zweck­mäßig.

Abg. Schneider (fr. Vp.): Ich lege Verwahrung ein gegen den vom Abg. Fuchs empfohlenen Gedanken einer Steuer von prohibitiver Höhe. D e Berechtigung der Um­satzsteuer in Sachsen ist je enfalls zweifelhaft. Auch hat ja der Staatssekretär v. Bötticher die Verantwortung auf den sächsischen Kommissar ab ewälzt und dieser hat, indem er für die sächsische Regierung bie letzte Entschließung vor behalten hat, ein non liquet ausgesprochen.

Abg. Hausmann (südd. Vp.): Ich bebaue«, baß sich bet Staatssekretär bie Sache heute so leicht gemacht hat, die Berechtigung der Erhebung einer Umsatzsteuer ist durchaus nicht so klar und unangreifbar, wie bie Herren am Bunbesrathstische meinen.

Abg. Wurm (Soz): Die Ausführungen bei Ver trete« bet sächsischen Regierung waren wenig überzeugend. Nach kurzen persönlichen Bemerkungen wirb bie Debatte geschlossen. Freitag 1 Uhr Fortsetzung bet zweiten Lesung der Justiznovelle. Schluß 63/4 Uhr.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

* Berlin, 26 Novbt. (5. Sitzung.) Die erste Berathnng des Schulbentilgungrgcsetzes wirb fortgesetzt.

Finanzminister M i q u e l legt gegenüber ben gestrigen Ausführungen des Abg. Richter dar, daß er die Ansichien, die er 669 geäußert, schon sehr bald als Abgeordneter ab­gelegt und 1879 schon die gleichen Ansichten geäußeu habe, die er heute al« Minister hege. Ferner bemerkt der Minister gegenüber dem Abg. Bachem, der dar Reich aU arm bezeichnet hat, ob der wirklich arm zu nennen sei, bet in der angenehmen Lage sei, seine Schulden durch andere Leute nämlich durch die Einzelstaaten bezahle i zu lassen Ich hoffe, in der Kommission Nachweisen zu rönnen, daß der vorgeschlagene Ausgleichefonds durchaus den früher ans dem Centium geäußerten Ansichten -ntspricht, und ferner, daß dar Cenlrum d nn auch der obligatorif; en Schulden­tilgung zustimmen wird, auch wenn ich es bin, der sie voi- schlägt. (Heiterkeit.) Wenn Herr Sattler die Finanzvet- waltung gleichsam als ein n reißenden, die Bahnverwaltung bedrängenden Wärwolf dargestellt hat, so ent'pricht dar nicht den Thatsachen. Würde der Vorschlag angenommen, so könnte das der Finanzverwaltung nut angenehm sein, denn sie könnte bann ben Ansturm aller Anforderungen e n fach mrückweisen.

Abg. v. Zedlitz (freit.) kann ebenfalls eine völlige Trennung zwischen den allgemeinen "Staats- und den Ei enbahnfinanzen nicht billigen, hält aber doch eine gewisse feste Grenze für nothwendig, die zu ziehen, Aufgabe der Kommission fein werde. Redner hofft auf Annahme des Gesetzes mit großer Mehrheit

Abg v. E y n e r n (ntl.) begrüßt bie Wiebereinsührung eines festen Tilgungsplanes rntt Freuden. Ob das Cent,um im Reichstage so sparsam bleiben wird wenn seine Herr­schaft dort erst fester steht, bezweifle ich. Darum muß jedenfalls der Begehrlichkeit des Reichs eden-all« ein Riegel vorgeschoben werden. Die Hauptsache ist aber bie Be­seitigung bes Abhängigkeitsvetyäl nisses, in welchem bet Eisenbahnminister zum Finanzminister steht.

Abg. Fritzen (Ctr ): Eine obligatorische Schulden­tilgung ist durchaus unnöihig; bisher ist freiwillig schon viel mehr getilgt worden. Gegen einen Ausgleichfor-ds habe ich an sich nichts einzuwenden; aber ich ve, lange Bürgschaften für eine rechte Vermei dung desselben. Redner wende! sich gegen die Angriffe auf die Reichs-Finanzpolitik des Centrums. Hierauf wird die Vorlage an eine besondere Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. Es folgt die erste Lesung dis Lehrerbesoldungsge etz s.

Abg Knörcke (f f): Wir bedauern, daß trotz de« guten Willens des Kultusministers den Lehrern wiederum nicht gewährt tooiben ist, was ihnen gebührt Insbesondere ist eine Erhöhung des Grundgehalt« und der AlterSzulagen zu fordern. Die nichtige Besoldung steht in gar keinem Verhältniß zu ihrer Lorbildirug und der Wichtigkeit ihres Berns«, sowie zu den Besoldungen bei U ter beamten. Seht bedenklich ist auch bie Bevorzugung des Platten Landes vor den Städten. Ich hoffe, bei Finanzminister wird in der Kommission noch mit sich reben lasten- (Rufe: Na! Ra!) Ach, Herr Miquel ist unter Umftänben gar nicht so schlimm! (Heiterkeit.)

Abg. Poisch (Ctr): Wie im vorigen Jahre, so hat bas Centrum prinzipielle unb taktische Bedenken gegen bi-fen Entwurf, weil e8 bie Regelung des genannten Volkrschulwesens und zwar auf christlicher Grundlage fordert. Das Grundgehalt, das ja übrigens nur ein Mindestgrunbgehalt ist, wird sich kaum höher fest- setzen lassen, wohl aber hoffen mir, in der Kon Mission di Bestimmungen über die AlterSzulagen noch Derbefftrn zu können Redner bedauert, daß der vorjährige KommWon« reschluß zu Gunsten der Lehrer an Privatanstalten in bie jetzige Vorlage nicht ausgenommen worden ist unb beantragt die Verweisung des E. twursS an eine Kownri siorr von 21 Mitg ledern, in der er auf eine Ve ftänbigung hoffe

Abg. v. T z s ch o v p e (fr kons.) empfiehlt eine Erhöhung deS Minimalgehalts auf 1000 Mk, sowie «Ine Erhöhung bei Alter Szulagensätze übet die Vorlage hinaus. Feiner ist eine Vorlage zur Ausbiss rurg der W> timen- unb Waisen­gehälter zu fordern Das Entgegenkommen gegen die großer. Städte bezüglich bei Staatszuschüsse ist sehr bebeutenb. Trotz unserer Bedenken hiergegen mürben mir gleichwohl selbst noch größeren Konzessionen an bi« Stähle uns fügen, wenn nur baduich bas Zustandekommen beS Gesetzes ge­sichert werben kann.

Abg von H ybebrand (kous.) kritifirt scharf die Aenberungen gegen die frühe« Vorlage zu Gunsten der großen S äbte. Wir können unter keinen U ständen einer Steigerung der Belastung des platten Landes zu Gunsten her Lehrer zustimmen. Mit einer Erhöhung her Gehalts­sätze find wir einverstanden, wenn die Staatsleiswngen er­höht ober aber bie Staats leistuugen an die großen Städte entsprechend gekürzt werden

Kultusminister Boise: Ich glaube tonftatiren zu können, daß die Aufnahme der Vorlage im Allgememen ein« sympathische ist. Ich werde jeder.fallS Alles thun, um die Lage der Lehrer zu verbessern. (Beifall.) Aber ich habe über dem Wünschenswert Heu daS Erreichbare nich auße Acht lassen wollen. Die Zugefländnisse an bie großen Städte find nur dem dringenden Wunsche nach balhmög»

eichst «m Zustandekommen deS Gesetz« entsprungen, z» kommt her Regierung barauf an, nicht wieder verg^ gearbeitet zu haben; sie wird daher auch m ben Einzech? gern bie Hand zur Verständigung biete . (Beifall.)

Abg. Nölle (ntl.) erklärt, seine Partei halte eit«s, Höhung des Grundgehalts unb ber Alterszulagen über k Vorlage hinaus für durchaus geboten. Die Weiter beroch^ wird alsdann auf Freitag 12 Uhr vertagt.

Ausland.

Oesterreich-Ungar«.

* Pest, 26. Novbr. (Thronrede.) König empfing heute Vormittag im Thronsaale j-, Ofener Hofburg die Mitglieder des ungarisch, Reichstages und eröffnete mit einer Thronrede Reichstag. In derselben wird zunä st hervor^ hoben, daß außer der Feststellung des Kostenvor anschlages vor allem Zoll- und Hundelsbündng beider Staaten der Monarchie, sowie die Quotch und die Bankangelegenheit zu regeln find, am zahlreiche andere wirthschaftliche Fragen. A Thronrede hofft zuversichtlich, daß bei gegenseitig Berücksichtigung der bestehenden Verhältnisse und b, materi.llcn Kräfte beider Staaten es gelingen wer^ alle diese Angelegenheiten zu allseitiger Befriedig^ zu erledigen. Endlich kündigt die Thronrede o® neuen Vorlagen einen Entwurf über die Verwaltung; reform, den Em Wurf eines allgemeinen bürgerlich, Gesetzbuchs, die Valutaregulirung sowie eine Vorlax über die Militärstraiprozeßordnung an, in welche^ soweit düs ohne Schädigung des militärischen Dienste und dec Disziplin möglich sei, die Grundsätze be mod rnen Rechtswissenschaft zur Geltung gelang, sollen. Ueber die auswärtige Politik sagt die Thro, rede nichts, wie sie auch die erwart.te Erkläniq über die Haltung Oesterreich - Ungarns nach d« Hamburger Enthüllungen vergeblich suchen läßt.

Türkei.

* (Die finanziellen Verhältniss, werden immer elender. Auf der Pforte beispielswch sind nur die höchsten Beamten, und diese auch m theilwise bezahlt; die anderen haben das ganze Iah noch nichts bekommen, auch im Palais haben s« drei Monaten, ausgenommen Izzet Bey und not wenige Begünstigte, die Beamten kein G halt bt kommen. Viele Beamte des Palastes befinden fti in solcher Roth, daß sie Gesuche um Unterstützung c den Sultan richten mußten. Alle Ministerien a hielten Befehl, mindestens 15 bis 25 Prozent ihn Speien zu ersparen. Der Unterrichtsminister hil sich, indem er seinen Beamten kundgab, daß forte jeder Monat vierzig Tage zähle, so daß sie jährli nur auf neun Monate Gehalt Anspruch haben.

Aus Marburg und Umgegend.

+ Marburg, 27. Novbr. Kalte. Morgen waren viele Wassertümpel usw. mit G l bedeckt. Auch z erten mannigfache Fensterscheiben bt schönsten Eisblumen.

4- Neue Kirchenfenster. Da drei nach bi Ostsettr der reformirten Kirche befindlich Fenster bis auf dieMalerei fertiggestellt sind, fo wird gega wänig das große Außengerüst abgeiiffen. Nächste - Jahr kommen die and ren nach der Straße obe demKornmarkt" zu gelegenen Fenster an die Reitz

* Entwässerungsanlagen. Der hiesige Ha Landrath fordert im heutigen Kreisblatt unter Ä zugnahme aus die Bekanntmachung vom 31. Juli d.! veröffentlicht in Nr. 70 des Kreisblattes vo f 4. August er. die Eigenthümer der an bi Gisselbergerstraße, Frankfm terstraße, Schwanallt Kasernemiraße von der Frankfurt r- bis zur Jäga ftraße, Jäger-, Schul-, Grünersttaße und Rudolphi platz gelegenen Grundstücke nochmals auf, binnen Wochen von der Fenigstellunq ihrer Entwässerung! anlagen, die bis zum 1. d. Mts. erfolgt sein mußt dem städtischen Sielbauamte behufs Abnahmeprüfio Anzeige zu machen, widrigenfalls Bestrafung ® Grund der Poliz ioerordnung vom 19. Dezemtz 1895 erfolgen wird.

+ Befitzwechsel. Das Wohn- und Geschäft | hauS des Herrn F. W. Wick am Grün ging s i 25 000 Mk. in dm Besitz des Herm Malermeist« ' Kuschmann über.

-4- Studentisches. Diejenigen Studirenden, west bereits Karte» zu dem Vortrag des Herrn Graft von Hoensbroech gelöst Haden, können dieselben, der Herr Referent wegen Krankheit verhindert i s gegen Rückerstattung der Gebühr im Sekretariat b F Universität zurückgeben.

4- Reitkur u6. Da der Reitkursus der hiesig Offiziere beendigt ist, so hat daS seither hier beste liehe Husaren-Kommando unsere Stadt wieder verlaß

* Witterung. Diese Nacht waren 7,5 (Stab < Kälte. Heute Mittag hatte die Lust eine Temperad on 5 Grad C. Seite. Barometerstand 749 wi gegen gestern um 5 mm gefallen. Windrichtung: NI SomlM-AMg«mg 7,37 Moud-Aufgemi 11,13 I

6onnen=Unt«ig«ng 3 58 Mond-Unteig««, 12,26 J

Hessischer Kommunallandtag.

Cassel, 26. November. Die zweite öffentlO Sitzung des zweiundzwanzigsten KommunallandtaM fand heute Vormittag von 10 Uhr ab statt. ZunÄ wurde über den Voranschlag der Einnahmen ü Ausgaben des Landes Hospitals zu Hai» für daS Jahr 1897 und betreffend die fernere » Nutzung des Landeshospital»Gutes zu Haina W

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