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WScheEche Beilagen: Kreisblatt für >ie «reife Marburg un> Kirchham.

Dauk wb Btriegs » h. Ang. Koch, Uri:v«rsttätS-Buchdrm'-ri! in SDtarburc. Verantwortlich fürden allgemeinen Tbeil: Redakteur Friedrich Colbatzk ,

R^ecktiou und (Synbition: Markt 21. VWvW für den Jnseratentcheil: Joh. Aug. Koch, beide in Marburg

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Delegirtentag

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zuzuschreiben hat, verdankt sie namentlich dem selbst» losen Eintreten der konservativen Partei und in dieser Hinsicht hat sich die Stellungnahme der Partei nicht im geringsten geändert. Was aber verlangt werden muß, ist, daß nicht wie beim Abschluß der geltenden Handelsverträge Vortheile für die Industrie durch Preisgabe wesentlicher Interessen der Land» wirthschaft erzielt werden. An der Gleichstellung der übrigen nationalen Produktivzweige mit der In­dustrie in Bezug auf einen wirksamen Schutz ist sestzuhalten und dieses Bestreben sollte die deutsche Industrie nicht bekämpfen, sondern unterstützen.

Nachzutragen ist noch, daß in der Versammlung am Freitag beschlossen wurde, im Laufe des Jahres 1897 einen allgemeinen konservativen Parteitag ab­zuhalten.

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;s v°° der Deutschen konservativen Partei.

durchgreifende Mittel, um die Preise für landwirth- schaftltche Erzeugnisse zu heben und damit der Noth der Landwirthschaft abzuhelfen. Es ist darum Haupt­aufgabe ebensowohl der konservativen Partei wie der Regierungen, unablässig auf Wege bedacht zu sein, um dieses Mittel in Anwendung zu bringen. Auch die internationale Regelung der Währungsfrage ist fortgesetzt im Auge zu behalten, und die auf Er­reichung dieses Zieles gerichteten Bestrebungen sind wirksam zu fördern.

Die Erhaltung des ländlichen Grundbesitzes, ins­besondere auch des Kleinbesttzcs liegt der konservativen Partei besonders am Herzen. Darum ist eine größere Anpassung unseres privaten Rechts an die Interessen der Landwirthschaft in die Wege zu leiten und das Genossenschaftswesen auch zu Gunsten der Landwirth­schaft und des Handwerks in möglichster Ausdehnung zu fördern.

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Auguste Viktoria und Kaiserin Friedrich richteten an die städtischen Behörden Charlottenburgs Dankschreiben für die Glückwünsche zum Geburtstage; erstere ist heute Morgen nach dem Neuen Palais zurück^ekehrt. Prinz Adalbert, dritter Sohn des Kaiserpaares, ist gegenwärtig dem Pwent nach ältester Unterlieutenant zur See. Sein Dienstein­tritt in die Marine dattrt vom 31. Mai 1894, das Patent vom 14. Juli 1894, dem Tage, an welchem

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Beschlüsse:

In seiner Sitzung am Donnerstag hat der Dele- girtentag den folgenden Resolutionen seine Zustimmung ertheilt:

1.

Der Delegirtentag der Deutschen konservativen Partei stellt auch heute, wie es in dem Programm dom 8. Dezember 1892 geschehen ist, die Erweckung, Erhaltung und Kräftigung der christlichen Lebens- Mschauung an die Spitze seiner Aufgaben. Er er­achtet den Kampf gegen die Sozialdemokratie als eine Hauptaufgabe der Parteien und der Regierung. Dem verhetzenden Treiben gewerbsmäßiger Agitatoren, 4ie jede göttliche und weltliche Autorität untergraben Md die durch den Mißbrauch politischer Freiheiten auf Zerstörung der christlichen Gesinnung im Volke hmarbeiten, muß durch energische Handhabung staat­licher Machtmittel ein Ziel gesetzt werden.

Der Delegirtentag hält eS besonders für geboten, htm stetigen Vordringen der Sozialdemokratie gegen« tber vor Partei - Zersplitterungen zu warnen. Die Vielheit kleiner Parteibildungen führt zur Ohnmacht gegenüber straff organistrten Parteien. Es ist darum

schiffesFriedrich Karl" bei.

Lihungtschang dem Offizierkorps des 12. Jnf.- Regiments (Frankfurt a. O.) sein Bildniß gestiftet hat, ist unrichtig. Das Bild ist vielmchr ein Geschenk des Malers v. Cranach.

* (Zeichnung des Kaisers.) Aus London wird telegraphirt:Daily Graphic" meldet aus Berlin, daß der deutsche Kaiser die Zeichnung zu einer drei Fuß hohen Vase beendigt, welche dem Gewinner eines bei der Feier des 60. Jahrestages der Thron­besteigung d.r Königin Viktoria zwischen Dover und Helgoland zu veranstaltendcn Iachttennens eigen­händig überreicht werden soll.

* (Helgoland.) DerNord. Allg. Ztg." zufolge find die auf Verstärkung der Garnison der Insel Helgoland bezüglichen Erörterungen zweifellos

3.

Der Deleairtentag erkennt gerne an, daß im Rahmen der Kompetenz der Einzelstoaten die Fürsorge für die Landwiithschaft eine thatkräftigere geworden ist. Eine gleiche Fürsorge aber Seitens der Reichs­regierung ist noch immer zu vermissen; insonderheit ist die Ablehnung des Margarinegesetzes und dcS Quebrachozolles durch dcn Bundesrath und die ab­weisende Haltung gegenüber den Wünschen auf Gleich­stellung der landschaftlichen Pfandöiiefe im Reichs- bankoerkchr zu beklagen.

Die Abwehr der ausländischen, unter den in ländischen Produktionskosten erzeugenden Konkurrenz, insonderheit in Getreide und Vieh, ist das einzige

zu erwarten, daß fein konservativer Mann eine neue Paneilildung fördern werde, auch wenn diese an geblich auf konservativem Boden sich befindet oder Berührungspunkte mit dem konservativen Programm darbietet. Es muß vielmehr gefordert werden, daß Versuchen, neue Parteien auf Kosten der konservativen Partei zu gründen, entschieden und kräftig entgegen« gearbeitet werde. Es ist unzulässig, daß ein Mit­glied der konservativen Partei gleichzeitig einer anderen politischen Partei angchöre.

2.

In Erwägung, daß von verschiedenen Seiten ver­sucht worden ist, über die sozialpolitische Haltung der konservativen Partei Mißve ständnisse und Miß­deutungen öffentlich hervorzurufen, erklärt der Delegirtentag rc.:

1) Die konservative Partei erachtet es für ge­boten, den in unserem Volksleben hervorgetretenen vielfachen sittlichen Schäden energisch entgegen« zutreten. Sie steht nach wie vor auf dem Boden der Allerhöchsten Botschaft von 1881. Demgemäß wünscht sie nicht den Stillstand der Sozialreform, sondern die planvolle Wetterführung derselben.

2) Die Sozialleform ist nicht ausschließlich oder wesentlich als eine Angelegenheit der Lohnarbeiter zu erachten; sie hat sich vielmehr gleichmäßig auf Arbeit nehmer und Arbeitgeber und auf alle Produktiostände zu erstrecken.

3) Die Arbeiterversicherungsgesetze bedürfen der Vereinfachung und Verbesserung. Der vor kurzem imReichsanzölger" veröffentlichte Entwurf einer Abänderung der erwähnten Gesetze genügt in keiner Hinsicht.

In seiner Sitzung am Freitag hat der Delegirten­tag den folgenden Resolutionen seine Zustimmung ertheilt:

4.

Der Delegirtentag rc. gießt seiner Genugthuung darüber Ausdruck, daß die Gesetzgebung zvm Schutze von Handwerk und Kleingewerbe in den letzten Jahren versucht hat, fortzuschreiten. Dieser Beginn eines Fortschritts ist in erster Linie der beharrlichen Initiative der konservativen Partei zu verdanken. In dem von der Königlich preußischen Staatsregierung dem Bundesrathe vorgelegten Gesetzentwürfe beirefimd die Organisation des Handwerks erblickt der Telegierten­tag einen bedeutungsvollen Schritt auf diesem Wege. Erfüllt dieser Entwurf auch nicht alle berechtigten Forderungen der Handwerker, so gießt er ihnen doch eine feste Organisation und damit die Möglichkeit, ßeffer als bisher die Interessen ihres Standes wahr- zunehmen. Bei btr großen Bedeutung, die der Handwerkerstand auch heute noch als Kern des ge­werblichen Mittelstandes hat, wird die konservative Partei für seine Erhaltung, wie für den Schutz der nationalen Arbeit überhaupt, auch in Zukunft ein- treten. Sie wird insonderheit darauf bestehen, daß die weitergehenden programmatischen Forderungen: Einführung des Befähigungsnachweises, Beseitigung der Wanderlager und Wanderauktionen, Beseitigung der Bevorzugungen des großen Geldkapitals, erfüllt werden.

Die Darstellung, als ob die Bestrebungen der konservativen Partei hinsichtlich eines genügenden Schutzes für Landwirthschaft, Handwerk und Klein­handel einen gegen die Industrie gerichteten feindlichen Akt bedeuten, ist unrichtig und tendenziös. Den Zollschutz, dem die Industrie ihre günstige Stellung

Deutsches Reich.

* Berlin, 26. Nov. (Tagesbericht.) Mie aus Kiel berichtet wird, wohnte der Kaiser heute Torpedo-Schießübungen an Bord des Schul-

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(Fortsetzung.)

FDa hatte sich Herr von Steifen denn doch sehr dl mir getäuscht," fuhr die Obristin zu Ludowika pwandt fort,arg verrechnet, eine Ulrike von Eolms-Hegendorf vergißt nie, nie, bis zu jener stunde, in der ihr Geist sich aus dem allen Körper tagt, eine ihr angethane Schmach."

i Ludowika neigte bejahend das edle verhüllte Haupt.Ja, ja, so ist Deine Art, Du bist unver­söhnlich und Dein einmal erweckter Haß kennt keine Grenzen! Und nicht an dem Schuldige» allein lachst Du Dich zu rächen, nein, auch den Unschuldigen dafolgst Du mit Deiner Raffinirtheit, Deiner furiosen Wuth. Aber still davon, es gilt heute ja doch nur das eine, Dich auf die Gefahr aufmerksam iu machen, in der Du schwebst, wtt haben den Be- *°ti8 vor uns, Ulrike, daß Du meinen unglücklichen Bruber an jenem Nachmittag gerade in der Stunde, |>u der der Mord geschehen, zu Dir berufen, einen Brief von Deiner Hand ist gefunden, welcher die Einladung enthält, und daß er gefolgt ist, unterliegt keinem Zweifel, meine Schwägerin kann es be- fchwören, wie er mit der Bemerkung das Haus ber« pfiffen, er wolle von einem seiner Bekannten zwanzig khaler leihen, um Dir Abschlagszahlung zu leisten Und daß sie geleistet worden, Ulrike, unterliegt ebenso fcaig einer Frage, denn in unserer Hand liegt jetzt & Quittung über dieses Geld und weißt Du, welche Sorte sich neben Deinem Namen unter ihr be- Men, welche Worte von Deiner Hand geschrieben? Bfeld, den 8. November 18 . ., 5 Uhr Nach­mittags in meiner Behausung."

Die Obristin hatte während der ganzen Zeit, in der Ludowika gesprochen, ihr Gefickt nach dem Fenster gewendet, jetzt drehte sie den Kopf und ein Paar flammende Augen glühten haßerfüllt in das Gesicht der Nonne.

Eine solche Quittung von meiner Hand existirt nicht, Ihr habt das Ding gefälscht und es Euch vielleicht manchen Gang in das Pfandhaus kosten lassen, ehe Ihr die Summe beisammen hattet, ver­mittelst der Ihr irgend ein verbrecherisches Subjet zur Nachahmung meiner Schrift beweget!"

Kennt denn die Schamlosigkeit keine Grenzen!" rief Konrad außer sich, indem er mit wenigen Schritten aus seinem halben Versteck hervorttat und sich dem Platze der Obristin näherte. Hoch auf­gerichtet, wie ein zürnender Gott unserer Voreltern stand er ihr da gegenüber und donnerte in das Ge­wissen seiner Partnerin:Jetzt, jetzt, nachdem wir alle Beweise in Händen haben,' wollen Sie noch leugnen?" Er athmete schwer und setzte dann um Vieles ruhiger hinzu;Als wir heute dieses Haus bettaten, geschah es in bester Absicht: Wir wollten Ihnen rathen, nach schriftlichem Bekenntniß, das wir so lange in sicherem Gewahrsam halten wollten, bis Sie geborgen wären vor dem Aim der Gerechttg kett, nach Amerika zu entfliehen, wo Sie ja viele und einflußreiche Bekannte aufnehmen können. Nun aber ändert sich die Sache, Sie wollen auch- jetzt noch nicht das Alibi meines Vaters beweisen können und werfen noch eine Schmach auf unseren Namen, so müssen wir denn sofort handeln und das Buch und die Briefschaften dem Staatsanwall übergeb-n. Daß in Nächstem für meinen armen Vater die Be- fteiungsstunde schlägt, dafür bürge ich Ihnen."

Sie werden mir Glauben schenken," fuh- Konrad fort,wenn ich hinzusetze, auch der wahre

Mörder ist gefunden und wird in wenigen Tagen ein umfassendes Gestandniß ablegen."

Die Obristin hatte das erdfahle Gesicht wieder nach dem Fenster zugekehrt, aber man sah, wie unter diesem Schlage ber beinahe herkulische Körper zitterte und bebte gleich wie ein schwankendes Rohr. Es rang wohl in ihrer Seele, eine entsetzliche Angst vor der Strafe wenigstens mußte doch in das erbarmungs­lose Herz fassen. In den Schläfen der Nonne hämmerte es fiebrisch:Was bringt die nächste Stunde, die nächste Minute?" fragte fie sich und unwillkürlich drüclle sie dabei die Hand auf die Brust. Da, Ulrike von Hilgenstein toanbte plötzlich ihren Kopf:Seid Ihr noch ba?" fragte sie höhnisch:Nun ich muß Euch sagen, bie tragische Komödie, die Ihr mir da aufgefühlt, hat mich herz­lich belusttgt, aber ich habe jetzt nun genug davon und Ihr verbindet mich zu großem Dank, wenn Ihr jetzt mein Haus verlassen wolltet. Hall, aber noch ein Wort an Sie, mein Herr Doktor," sie richtete sich hoch auf:Selbst wenn man Ihren Vater freispricht, man kann es ja auch, trotzdem ich nun von Neuem schwören muß, hier bei mir ist er an jenem Tage nicht gewesen, dürfen Sie sich doch keine Hoffnung auf das Majorat machen, Harald stirbt nicht, merken Sie sich das."

Habe ich schon je daran gedacht, Herr auf Hegendorf zu werden?" brauste Konrad auf.

Still Konrad," bie Nonne legte von Neuem ihre Hand auf feinen Arm,laß un8 fortgehen," sagte fie.

Drunten an ber Treppe halb verborgen hinter den Pfosten erwartete Hildegarb mit angstpochenbkm Herzen die Rückkehr .ber beiben Menschen in bereu Hanb fie das Wohl und Wehe der Tante gelegt, und ba, bie ausgetretene Stiege knarrte, unb nun

standen sie neben ihr, bleich und mit düsteren Ge­sichtern.

Herr Gott erbarme Dich," stöhnte sie.

Es war vergeblich," sagte die Nonne traurig und blickte tiefbewegt in das Gesicht des aufgeregten Mädchens,sie leugnete noch immer."

Und was soll nun geschehen?"

Hildegard sah von der Tante weg zu Konrad auf und schauerte zusammen, als sie den entschlossenen Ausdruck in dem Gesichi des Geliebten bemerkte.

Wir begingen ein Verbrechen an dem Un­schuldigen, zögerten wir noch länger, den Alibibeweis dem Staatsanwalt zu übergeben. Holen Sie uns Buch und Briefschaften," setzte er bittend hinzu unb fein Ange senkte sich tief in bie braunen thränen- verschleierien Sterne in bem holden Mädchengesicht.

Sie zuckte zusammen:Herr Gott, was hast Du mir aufgegeben," stöhnte sie leise. Aber fie zögerte doch nur wenige Sekunden, bann stieg sie, wenn auch mtt zitternden Snieen, bie Treppe hinauf, um nach ein paar Minuten, die doch für bie Wartenden eine Ewigkeit erschienen, mit den gewichtigen Zeugen von des Geheimrath Unschuld zurückzukehren.

Johann hat das Buch beim Reinigen des Ge­rn üllkastens gefunden, wie er dazu gekommen, weiß er natürlich nicht, jedenfalls aber hat der alte Herr es an jenem Unglücksabend hier auf dem Hofe ver­loren."

Mit fieberhafter Hast hatte Konrad nach bem unscheinbaren Notes gegriffen und überzeugte sich schnell von dem Inhalt demselben, fein Antlitz verlor dabei wieder viel von feinem strengen Ausdruck unb wie er bem jungen Mädchen dann die Hand reichte und mit festem Griff die eisig falten Fingercheu um­schloß da zuckte es in tiefer Rührung um den schönzn ernsten Mund. (Fortsetzung folgt^ß