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100 Mill. Russen anzunehmen sein, Russen und Angelsachsen seien also überwiegend. Redner besprach dann ferner die deutsch»feindlichen Bestrebungen der Tschechen, dieLage der 2 Millionen Deutschen in Ungarn, erwähnte der günstigen Wandlungen in Belgien mit seine» 6,4 Millionen Einwohnern und mahnte schließlich, in jeder Weise für die deutschen Brüder draußen ewzutreten, wozu namentlich auch die studirende Jugend, als die künftigen Träger der Staatsämter vrd Männer im Vordergründe des öffentlichen Lebens berufen seien. Da heiße es denn, alle kleinlichen btreitigkeiten vergeffen und stets zu fragen: „Was uützt, was schadet dem Reiche und dem Volke?" Es folgte nun ein Hinweis auf Beihilfen zur Unter- Aitzung von deutschen Weihnachtsfeiern draußen in brr Ferne, zu welchem Zwecke unter den Mitgliedern bes Vereins auch noch die Verloosung eines Buches ftattfand. Herr Vizebürgermeister Siebert brachte alsdann ein Hoch auf Herrn Professor Fischer aus,
frärte. Was ihn dazu bewog, zeigt die berühmte Line'SchE: „Mein Austritt aus dem Jesuiteu- Sie läßt uns einen tiefen Blick thun in jnIKre Leben des modernen Jesuitismus und zugleich den Verfasser als eine nach Wahrheit ^chende Persönlichkeit, als einen Charakter, der durch schwere innere Kämpfe sich hindurchringt. Hoensbroech Mrt eine gewandte Feder, daher hat er in feiner Auuischen Periode im Dienst feiner Korporation ^reiche Schriften verfaßt. Noch 1891 erschien die Kannte „Warum sollen die Jesuiten nicht nach Deutschland zurück?" — Zwei Iahte darauf brachte die „Kreuzzeitung" eine Serie von Artikeln „Bedenken «gen den Jesuitenorden", deren große Sachkunde Auffehi" «regte und als erste Kundgebung des Ex- jesuiten bleibenden Werth hat. Seitdem gehört HoenSbroech unserem öffentlichen Leben an und hat durch mannhafte, scharfe Kritik der Kirchenpolitik der letzten Jahre sich anerkannte Verdienste erworben. Es wird vielen Marburger Bürgern eine Freude fein, daß am 29. November Abends im Museum uns Gelegenheit geboten ist, ihn zu hören. Wie wir vernehmen, beabsichtigt Gras Hoensbroech, einen Vortrag über den „Ultramontanismus" zu halten. Wer diesen i kennt, wird durch einen alten Jesuiten gern sich tiefer l «her sein Wesen belehren lassen; wer nichts von ihm f weiß, mag erst recht sich einfinden. Denn kein Protestant kann ihm darüber so gut Bescheid geben wie einer, der in dem Kolleg von Exaeten seine Schulung durchgemacht hat.
* Deutscher Schulverein. In Anwesenheit zweier Universitätsprofessoren, einiger Bürger und einer größeren Anzahl Studenten wurde gestern Abend iw Cafe Quentin eine Versammlung des Allgemeinen Deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutsch- chums im Auslande abgehalten. Herr Professor Dr. Fischer gab einen kurzen Ueberblick auf das verstossene Jahr und thcilte mit, daß der nächste deutsche Abend am 22. Januar stattfinden wird. Die hiesigen beiden Landsmannschaften sind der hiesigen Ortsgruppe jetzt ebenfalls beigetreten. Die Mitgliederzahl hat sich gegen das Vorjahr im Allgemeinen vermehrt. Bon der Ortsgruppe Marburg ist speziell das Dörfchen Trebnitz in Böhmen unterstützt und erreicht, daß der tschechische Einfluß, der dort schon größere Dimensionen angenommen, wieder zmück- gedräugt worden ist. Herr Schatzmeister Braun, der den Kassenbericht erstattete, konnte mittheilen, daß 2504,82 Mk. eingenommen und 2852,11 Mk. aus
E gegeben wurden. Zur Deckung der letzteren wurde ; eine Summe von dem beim Vorschußverein einge- zahlten Reservefonds entnommen. Der bisherige Borstand wird auch im nächsten Jahre die Geschäfte weiterführen. Nachdem damit der geschäftliche Theil «ledigt war, trat eine kleine Pause ein. — Darauf «griff Herr Professor Di. Fischer das Woit zu seinem Vortrage: „Die augenblickliche Lage des Deutschthums auf der Erde." Bei einer Erdbevölkerung von ca. 1480 Millionen, deren Zahreszunahme auf etwa 5 Millionen jährlich zu beziffern fei, müssen, so führte Redner aus, neben den wirthschaftlichen Interessen auch die Interessen der Nation als solcher, die Ei Haltung und Stärkung des Nationalbewußtseins der deutschen Brüder auch in der Ferne ein nie auS den Augen zu verlierendes Ziel fein, dessen Förderung neben der deutschen Kolonialgesellschast und dem Alldeutschen Verbände auch der deutsche Schulverein sich angelegen sein lasse. In dieser Richtung seien auch die Kaiserlichen Kundgebungen an den Präsidenten der Transvaal-Republik Krüger, sowie die Kundgebung vom 18. Januar 1896 liegend und freubig zu begrüßen. Das Gefühl unser-r deutschen Brüder, die als Träger des Gewerbefleißes draußen das nationale Panier noch halten wollen, müsse gestärkt werden durch das Bewußtsein, daß der Schutz des Mutterlandes ihnen nicht fehle, was allerdings ohne starke Vermehrung der Kriegsflotte Mn Schutze unserer Handelsflotte nicht möglich sei. Vielleicht sei es noch nicht allzuspät, die Südprovinzen Brasiliens mit seinen 250 000 Deutschen in's Auge ju fassen durch wettere Fürsorge bezüglich der Aus- toanberung, der dorten neue Gebiete sich erschlössen. Australien mit seinen 100 000 Deutschen biete in dieser Beziehung weniger Hoffnungen, mehr schon Süd-Afrika mit 600 000 Europäern. Transvaal fei als Auswanderungsgebiet zu erhalten. Was mm die nationale Vermehrung betreffe, so bliebe das deuffche Element hinter dem angelsächsischen und russischen zurück, während bei den Franzosen absoluter Rückgang der Bevölkerungsziffer stattfinde. Es werde Ml Verhältniß von 41 Millionen Franzosen zu 100 Millionen Engländern, 79 Millionen Deutschen und
nach welchem die Versammlung das Lied „Deutschland, Deutschland über Alles" anstimmte, womit der offizielle Theil der Versammlung schloß.
+ KreiS - Krankenkasse. Am nächsten Montag, den 23. d. M, Vormittags 8’/2 Uhr, findet im Kassenlokal, Untergaffe 14, eine Generalversammlung der Kreis-Krankenkasse Marburg statt.
4- Lotterie. Die Erneuerung der Loose zur 1. Klasse 196. preußischer Lotterie muß bis zum Freitag, den 27. November, Abends 6 Uhr, bei Herrn W. Braun erfolgt sein.
* Vertretung. Herr Kreisthierarzt Rievel wird zwecks Theilnahme an einem bakteriologischen Kursus in der Zeit vom 21. bis 28. ds. Mts. von hier abwesend sein und wird während dieser Zeit in seinen amtlichen Geschäften durch den Herrn KreiS- thierarzt K a l b in Frankenberg vertreten.
Panorama. Eine herrliche neue Reise wird von morgen ab daS Panorama in der Barfüßerstraße seinen Besuchern bieten und zwar von der schönen blauen Donau durch Steyerwark, Laibach nach dem Erdbeben, Miramar, Schloß des unglücklichen Kaisers Maximilian mit seinen herrlichen Parkanlagen, Triest, Pola, Valesea, Fiume und Abdazia mit seinen herrlichen Villen und Gestaden. Bei dieser prachtvollen Prachtscrie wird ein guter Besuch zu erwarten sein.
* Jubiläum. Wie man uns heute mittheilt, feierte am 19. November der in der Fabrik der Firma Gebrüder Seidel beschäftigte Arbeiter Jakob P f i n g ft sein 25 jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlaß erfreuten ihn seine Kollegen mit Schenkung eines Regulators, während ihm fein Ches eine silberne Taschenuhr bebicirte. Heute soll btr Tag noch durch eine Faßparthie „befeuchtet" werden.
4 Strafkammer. (Schluß des gestrigen Berichtes.) Während nun der Bürgermeister, welcher mit dem Angeklagten verwandt ist, denselben als einen feigen Menschen und den Keller als einen eifersüchttgen und jähzornigen Mann schilderte, behauptete der Gensdarm das Gegentheil. Keller fei ein äußerst arbeitsamer und friedferttger Mann, mancher Andere, der in ähnlicher Sage sei, hätte sich vielleicht schon längst das Trinken angewöhnt; wenn Keller behaupte, daß durch das Benehmen seiner Frau sein ehelicher Frieden und fein häusliches, Glück vollständig vernichtet sei, so glaube er dies gern. Die Zeugin Wittwe Schorge kam mit ihrem Gespann gerade dazu, als Keller mit blutendem Kopfe hinter der Hecke hervorgekommen sei. Sie habe gefragt: „Ei Hannes, was hast Du denn gemacht!" worauf Keller geantwortet hätte: „Ich habe mich mit einem „Vielgeliebten" gehabt, einer muß doch noch einmal sterben." Den Vorfall selber hätte sie wegen der Krümmung der Sttaße nicht sehen können. Die als Zeugin vernommene Ehefrau Keller wollte keinen Brief empfangen haben, das hätte keinen Zweck, denn sie könne weder lesen noch schreiben. Ihr Mann habe einen Brief in den Wttthschaften herumgeiragen und in Fronhausen wäre er mit dem Brief von dem Amtmann beinahe hinausgeworfen worben. Daß ihr Mann so Possen mache unb so eifersüchtig fei, hätte gar keinen Grunb. Schlechte Menschen hätten vielleicht ben bewußten Brief geschrieben unb in das Gesangbuch gelegt. Ihr Mann sei schon seit 28 Jahren, so lauge sie verheirathet wären, mißtrauisch und eifersüchtig. Auf die Frage, ob der Bries vielleicht an eine ihrer Töchter gerichtet gewesen sei, antwortete die sehr mundfertige Frau: „Wenn eine von unseren Mädchen von einem Bursch einen Liebesbrief bekommt, das geht mich nichts an, den zeigen sie mir doch nicht." Hiermit war die Zeugenvernehmung beendigt. Das Urtheil ging dahin, daß die Be- rufung des Angeklagten verworfen wurde und derselbe auch noch die Kosten dieses Termins zu tragen hat.
* Die Röntgen - Strahlen gegen Bliudheit. Der „Newyork Herald" theilt mit, daß Edison feine Uebergeugung erkläre, mittelst der Röntgen-Strahlen den Blinden die Sehkraft wiedergeben zu können, selbst denen, die die Augen verloren haben, vorausgesetzt, daß der Sehnerv nicht verletzt ist. Die Exverimente, die er an zwei Erblindeten angestellt, hätten gute Resultate. Daher widmet er sich mit großem Eifer diesen Untersuchungen. Man muß allerdings abwarten, ob nicht Edison feine lebhafte Erfinderphantasie einen Strich gespielt hat.
4 Verein zvr Pflege jüdischer Geschichte und Literatur. Die Reihe der diesjährigen Winter- Vorttäge wird morgen Abend durch einen im Vereinslokale Wehrdaerweg 2 I. abzuhaltenden Vortrag des Herrn Distrtttsrabbiners Er. A. Cohn über „R. Jochanan ben Sakai" eröffnet.
* Witterung. Diese Nacht waren 0 Grab C. Wärme. Heute Mittag hatte die Luft eine Temperatur von 7,5 Grad C. Wärme. Barometerstand 755 mm, gegen gestern um 6 mm gestiegen. Windrichtung: SW.
S-Ml«n-«Ufgim, 7,38 Mond-Süss,«*, 4,11 Sonneu-Untersim« 4 04 SReiMhtteuag 8,53
Hessen-Nassau und Nachbai^iele.
Frankfurt a. M, 20. November. (Das Nachspiel znm Friedens fest.) Die'Klage des Hoteliers Stern, Pächter des „Hotel zum Schwan" in Frankfurt a. M. gegen die Stadt Frankfurt auf Zahlung von 10 000 Mark für entgangenen Verdienst während der Vorberettungen für den Kaiserbesuch wurde heute vom Landgericht kostenfällig abgewiesen. Wiederholte Vergleichsversuche der Stadt
auf Einsetzung eines Schiedsgerichts hatte Kläger abgewiesen.
Wetzlar, 20. Nov. (Verunglückt.) An der Schlackensandhalde der Buderus'schen Essenwerke Sophienhütte hier hat sich heute Mittag gegen 21/* Uhr ein recht trauriges Unglück zugettagen. Eine größere Anzahl Arbeiter war damit beschäftigt, von dem daselbst lagernden Schlackensand in Eisenbahnwaggons zu verladen. Sie unterminirten die Halde, wodurch eine tausende Centner schwere Decke gebildet wurde, welche einstürzte und drei Arbeiter unter sich begrub, darunter einen Vater von 8 Kindern. Ein Arbeiter ist beretts tobt ausgegraben worden, die Anderen wird dasselbe Schicksal ereilt haben.
Briefkasten der Redaktion.
Dem „Geistreichen". Nein; warten Sie gefl, bis das Resultat bekannt ist. Ihretwegen konnten wir doch kein (Extrablatt drucken.
Kirchliche Nachrichten.
Gottesdienst am Sonntag, den 22. Novbr. 1896.
Refvrmirte Stadt- und UniverfitätSNrche.
Vormittags: Herr Pfarrer Scheffer (AmtSwoche).
11 Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagsschule).
Abend» 5 Uhr: Herr Pfarrer Schindewolf.
Auszug aus de« Staudesbüchern des Kgl. Preutz. Standesamtsbezirks Marburg.
Vom 14. bi» 21. November 1898.
Verehelichte.
1. Fabrikarbeiter Ludwig Müller, von hier, mit Sophie August« Caroline Heimbürger von Münden, beide wohnh. hier. 2. Feldwebel im Heff. Jäger-Bat. Nr. 11 Nikolaus Georg Christian Simon mit Dorothea Bertha Balzer von Rauschenberg.
Geborene.
1. Karl, S. des Müllers Johannes Sinne. 2. Wilhelm, 3. Anna Elisabeth, Zwillinge de« Arbeiter» Heinrich Heuser. 4. Georg Johann Jakob Heinrich, S. des Schmiedemeisters Georg Wllhelm Klein. 5. Ungenannt, S. des Gymnastal- Oberlehrers Constantin Palm Ludwig Ewold. 6. Martin Hermann Friedrich, Sohn des DachdeckeimeisterS Nikolaus Schuchardt. 7. Ingbert Oskar, S. des Musikers Theodor Apoenrodt. 8. Nikolaus, Sohn des Ackermanns Nikolaus Schneider von Ockersbausen. 9. Albert, S. des Weißbinders Johannes Reinhardt in Marbach.
Gestorbene.
1. Weißbinder Conrad Dietrich, 64 I. alt. 2. Sophie, T- des WeißvinderS Theodor Riehl, 9 Tage alt. 3. Todt- geborener Sohn des Kutschers Heinrich Wagner. 4. Todt- geborener Sohn des Bergmanns Julius Zubrod in Ockershausen. 5. Kaufmann und Huthändler Franz Heinrich Louis Heinemann au8 Cassel, 38 I. alt. 6. Caroline Graß, geb. Trotte, aus Freienhagen in Waldeck, 25 I alt. 7. Arbeiter Conrad Wisker aus Langenstein, Kr. Kirchhain, 52 I. alt.
Marktberichte.
Marburg, 21. November. Der heutige Wochenmarki war mittelmäßig besucht.
Butter per Pfd. 90 bis 100 Pfg.
Hühnereier 2 St. 14—16 Pfg.
Käse per Stück 8—11 Pfg.
Käschen 5 Stück 20 Pfg.
Kochkäse per Pfd. 40 Pfg.
Käscmalle per Stück 5 Pfg.
ZwetschenmuS per Maßtopf 0,90 - 1,20 Mk.
Binrenmu» p. Maßtopf 120 bis 180 Pfg.
Bienenhonig p. Pf. 80- 90 Pf.
Bim n 3—5 St. 10 Pfg.
Aepfel 4-5 St. 10 Pfg.
Aepfel p. Korb 3-4 Mk
Tomaten p. Pfd. 25 30 Pfg.
Erbsen 2 Liter 20—25 Pfg.
Linsen 2 Liter 30-35 Pfg.
Möhren p. Pfd. 8 Psg. Salat 3 Köpfe 10 Pfg. Kohlrabi p. St. 5-8 Pfg. Blumenkohlp. St 10—40Pf Rosenkohl 2 Liter 30 Pfg.
Wirsing p. St. 10 20 Pfg.
Endivien 2 St. 10 Pfg.
Weißkraut p. Kopf 5—6 Pfg. „ ICO Köpfe 3-4 Mk.
Sellerie». Porree 100 Knollen 300- 350. Pfg.
Scorzionerewurzel per Korb 2.50 - 3 00 Mk
Kartoffel 2 Liter 14 -15 Pfg. do p. Korb 100 120 Pfg do. p.Ctr.200 - 250Pfg.
Senfgurken p St. 10- 15 Pfg. Hafergrütze p. Str. 35 Pf. Radischen per Pack 5 - loPfg Rettig 2-3 St. 10 Pfg. Zwiebeln p. Pfd. 6—8 Pfg Knoblauch per finotte 5 Pf. Wolle p. Pfd. 1,10- 1,20 Mk. Wachs p. Pfd. 1 Mk.
Ganse p Pfd. 50 - 60 Pfg. Tauben das Paar 60- 70 Pf. EMen p. St. 1,50—1,80 Mk. Hühner p. St. 80—120 Pfg. Junge Hähne P.St. 70 80 Pf. Hähne p. St. 100-150 Pfg Hasen p. St 300 320 Pfg. Reh p. Pfd. 50 Pfg.
Neueste Telegramme
Wolffs Büreau.
Berlin, 21. Nov. Dem provisorischen Börsenausschuß ging ein Entwurf über die Bestimmungen, betreff enb bie Zulassung von Werthpapieren zum Börsenhanbel, zu. § 1 bestimmt, daß nur solche Papiere zum Börsenhanbel zugelassen ftnb, bereu gejammter Nominalwerth an ber Berliner Börse mindestens 3 Millionen, an der Frankfurter und Hamburger mindestens 2 Millionen und an den übrigen Börsen mindestens 500 000 Mk. beträgt. Ferner werden Ausnahmebestimmungen aufgeführt.
Berlin, 21. Nov. Die .Post" schreibt: Bei Berathung des Reichs-Amts des Innern werde die Börsenreform zur Sprache gebracht werben. Von agraricher Seite werbe eine Reihe von Beschwerben erwartet, worin ausgebrückt wird, daß bie nach ben Retchstagsberathungen gehegten Erwartungen sich nicht erfüllt haben.
Berlin, 21. Novbr. DieHauptverhandluug gegen die beiden Mörder des Justssraths Levy findet in der nächsten Woche vor dem Schwurgericht statt.
Bochum, 21. November. Auf der benachbarten Zeche „Carl Friedrich" fand gestern eine Schlagwetterexplosion statt. Bis jetzt wurden 5 Bergleute, die schwer verletzt find, in'S Krankenhaus „Bergmannsheil' überführt. (F. Ztg.)
St. Galle«, 21. Novbr. Gegen den Beschluß bes Großen RatheS auf Einführung ber fakultativen Feuerbestattung im Kanton
hat bas CenttalcomitS ber katholisch-konservativen Partei erklärt, baß es ben Beschluß als eine Kriegserklärung unb als muthwllligen Angriff gegen bie gesetzliche Ordnung bes Staates bettachte, weil ber Beschluß ber Volksabstimmung entzogen worben fe:. Montag wirb bas Comitö über bie Lage beschließen.
Paris, 21. Novbr. Infolge einer Zeitung»- nem, wegen der Dreyfus-Angelegeuheit fand heute ein vj ft e« b u e 11 zwischen dem Korrespondenten der „Franks. Ztg. Dr. Paul Gold mann und dem ehemaligen Deputirteu Millevoye statt.
-- 21. November. Die „Gazette de France" ver
öffentlicht eine Kundgebung des Don CailoS an seine Anhänger, in der er erklärt, seine von dem Maler Folchi entführte Tochter, Donna Elvira, sei für ihn nunmehr tobt
Loudon, 21. November. Aus Kapstadt wird gemeldet: Tie Post vom 4. dS. bringt die Nachricht, daß Dr. Edingtan, der Kolonialbakteriologe, die Rinderpest- Mikroben entdeckt habe.
Vermischtes.
Ueber das Grubenunglück auf btr Zeche „General Blumenthal" bringt bie „Köln. Zeitung" noch folgenbe Einzelheiten: Die Explosion erfolgte vorgestern kurz nach 9i/2 Uhr in Flötz I Sohle IV in 75 Metern Tiefe. Von 32 Eingefahrenen fanben ber 1. Betriebsführer unb 24 Bergleute ben Tob. Bergrath Kirstein unb ber technische Direktor Driessen fuhren sofort mit Rettungsmannschaften an den Ort bes Unglückes. Zwei Stunben nach ber Explosion waren bie Leichen geborgen. Nachbem ein normaler Wetterzug hergestellt, war weitere Gefahr ausgeschlossen. Die größere Zahl ber übrigen betriebe waren vom Unfälle unberührt geblieben, sobaß ber Betrieb keine Unterbrechung erleibet. Eine amtliche Untersuchung durch Bergrath Kirstein ist eingeleitet. Die Leichen konnten nur langsam gefördert werben. Drei Schwer- unb zwei Leichtverwundete wurden in das Krankenhaus gebracht. Aerzte waren sofort zur Stelle. Die Beerdigung ber Opfer erfolgt am Sonntag in Recklinghausen.
Seine Großmutter. Eine ergötzliche Episobe aus bem Manöver ber großherzoglich hessischen Division berichtet ein Augenzeuge bem „B. T.": Einer ber jugenblichen Söhne bes Prinzen Christian von Schleswig-Holstein, Gemahls ber Prinzessin Helene von Englanb, bient augenblicklich bei ben hessischen Gardedragonern als Lieutenant. Der Prinz that eines schönen Morgens Dienst im Vorposten- gelänbe unb war bem Vorposten-Kommandeur, einem hessischen Jnfanteriehauptmann, unterstellt. Letzterer kannte ben jungen Lieutenant nicht persönlich und begann zum Zeitvertreib ein kleines „Schwätzchen" mit ihm, zumal ba er sich über bie Ordensdekoration des jungen Offiziers wunderte. „Herr Lieutenant, wasch habe Sie denn ba für ’nen Orbe?" fragte er. „Das ist das Johanniterkreuz, Herr Hauptmann," war bie Erwiberung. „Ja, das Ding schaut doch aber kurios aus." „Es ist das englische Johanniterkreuz, Herr Hauptmann." „Ja, der Tausend, wo hoabe Sie denn das Ding her?" „Das hat man mir in England gegeben, Herr Hauptmann." „Ja, wie komme denn Sie aber dazu?" „Meine Großmutter hat es mir gegeben, Herr Hauptmann." „Daß bi bas Mäusle! Wolle Sie mich zum Beschteu habe, Herr Lieutenant? Wer ist benn Ihre Großmutter?" „Die Königin von Englanb, Herr Hauptmann," war bie prompte Entgegnung.
Ein Gaunerstückchen. Aus Paris wirb berichtet : In ber Nähe des Troeadero wurde ein Priester das Opfer eines Bettugs. Zwei elegante Männer gingen auf ihn zu, gaben sich für Polizisten aus, erklärten ihn für verhaftet unb legten ihm Hanbschellen an. Sie führten ihn in ber Richtung nach bem Kommissariat; auf bem Wege schloß sich ihnen ein brittes Individuum an, bas angeblich ein Zeuge des Verbrechens sein sollte, dessen ber Priester beschulbigt wurde. Die natürlich falschen Polizisten machten unterwegs Andeutungen über Bestechlichkeit, worauf der eingeschüchterte Greis ihnen Uhr und Geld, zusammen int Werthe von 300 Franks übergab. Zwei Gauner begletieten den Pfarrer sogar noch in seine Wohnung, wo ihnen derselbe wettere 150 Franks aushändigte. Von den falschen Polizisten hat man bis jetzt keine Spur.
Unser'Kaiser im Profil. An einem neuen Porträt des Kaisers arbeitet Prof. Koner. In mehr- stündiger Sitzung hat der bekannte und vom Kaiser sehr geschätzte Äünftler soeben seine Arbeit begonnen. Der Kaiser soll in der Uniform seines sächsischen Regiments, stehend und — hier zum ersten Mal — rein Profil dargestellt sein. Es ist wahrscheinlich, daß diese bisher noch nicht beliebte Darstellungsweise den Kopf des Kaisers in einer völlig neuen Auslassung zeigen wird. Bestimmt ist dies neue Porträt dem Vernehmen nach znm Geschenk für den König Albert von Sachsen.
Li Hung Tschang'S Sarg. Der „Hong Kong Telegraph" flieht den Gmnd an, weshalb Li Hung Tfchang seinen Sarg nicht nach den Vereinigten Staaten rnünahm. Nachdem er Rußland, Deutschland und Frankreich durchzogen, glaubte er, der Hei- math nahe genug zu sein, um ben Sarg seinen eigenen Weg gehen zu lassen. Der Sarg würbe )ann auch an Bord des „GlenarMey" gebracht. An Bord aber entstand Feuer, und der große Kasten verbrannte. Nach chinesischer Anschauung bedeutet das, daß Li steinalt werde, „fast ewig" leben wird.