k A>
öchenlliche Beilage«: Kreisblatt für >te «reffe Marüxrg tm> Kirchhain.
Marburg, Freitag, 6. November 1896.
Auzeigni nimmt tntgtgtn di« Expedition dieses Blatter, sowi« di, Lmiourul-Bllreanx von Haasenstein u. Vogler m _ _ __
Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXI. Iabra Most« iu Fraulfurt a. M„ Berlin, München u. Köln, C. L.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
Jllustrirte- S-uutag-blatt.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und
■z? Feiertagen. — Quartal> Abonnements-Preis bei der Expe-
jlO, ZhZ dition ti Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (erfl.
Bestellgeld) JnIertionLgebühr für di, gespaltene Zeil« »her deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Das Ergebniß der nordamerikanischen Präsidentenwahl.
* Wie bereits durch Privattelegramm gemeldet wurde, ist bei den Wallen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika der republikanische Kandidat Mac Kinley durchgedrungen, der damit in einem Alter von dreiundfünfzig Jahren das Zi,l seines Ehrgeizes erreicht hat. Damit kann ftei- lich für den neuen Präsidenten kein Vorwurf ausgesprochen sein, denn ein jeder echte Janke, und das ist Herr Mac Kinley zweifellos, hat den Ehrgeiz, einmal Präsident seiner Republik zu werden, weil ihm eben die Möglichkeit hierfür gegeben ist. Damit tritt die demokratische Partei, welche sich durch den Präsidenten Cleveland wiederholt die Regierung der nordamerikanischen Union gesichert hatte, die Hei rschaft wieder an die republikanische Partei ab, die früher in dem Rufe, die eifrigsten Beutejäger in ihren Reichen zu Men, stand. Auch heute ist das nicht viel anders, nur daß die Demokraten es nicht viel weniger gut verstanden, ihre Taschen auf Staatskosten zu füllen; eine ernsthafte politische Reformpartei ist heute keine von beiden, jede strebt nach Macht, Beherrschung der Massen und nach Geld, an und für sich hat die große Menge der nordamerikanischen Bevölkerung, leit Europa von Demokraten, wie von Republikanern gleich wenig zu erwarten.
Der Sieg Mac Kinley's und Bryan's Niederlage wird von der liberalen Presse aller Schattirungen begreiflicherweise mit großem Jubel ausgenommen. Wenn auch nicht erwünscht, so ist für die Bimetallisten dieser Ausgang doch wahrscheinlich von größerem Nutzen, als wenn sie jetzt bereits mit kleiner Mehrheit gesiegt hätten. Sie haben jetzt Zeit, sich zu organisiren. Im Jahre 1900 findet ja wieder eure Präsidentenwahl statt! Da jedoch das amerikanische Volk jetzt definitiv gesprochen, so liegt kein Anlaß vor, unS nicht mit der Person des neuen Staatsoberhauptes etwas eingehender zu beschäftigen.
William Mac Kinley stammt aus einer Mitte des vorigen Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten eingewanderten irischen Familie ab. Er ward als das siebente Kind seiner Eltern im Januar 1843 gebar n; das Univerfitätsstudium mußte er wegen Kränklichkeit aufgeben. Als der Sezessionskrieg ausbrach, trat er als gemeiner Soldat in die Armee der Nordstaaten, wo er es bis zum Major brachte. Nachdem er ursprünglich große Neigung zum Lehrerberuf gehegt, wollte er jetzt dauernd in der Armee bleiben, widmete
sich jedoch auf Rath seiner Eltern der richterlichen Laufbahn und ward 1867 Rechtsanwalt in Ohio, 1876 begann seine pailamentarische Thättgkeit 1891 ward er Gouverneur von Ohio, verlor aber infolge der durch die Einführung des nach ihm benannten Tarifs (Prohibitivzölle) eingetretenen wirth- schaftlichen Krisis die Volksgunst gänzlich, bis der innere Zerfall der demokratischen Partei ihm wieder günstigeren Wind in die Segel ab. Für Cubas Unabhängigkit hat er sich wiederholt sehr entschieden erklärt. Aeußerlich hat Mac Kinley Aehnlichkeit mit Napoleon I. Er ist echter Janke, also Geschäftsmann durch und durch und zwar auch in Fragen der Politik Es kommt ihm nicht an auf Fragen der Gerechfigkrit, sondern auf Fragen des Dollar-Verdienstes, was er genügend in seinen wirthfchastlichen Prinzipien beweist. Den bekannten neuen Zolltarif mit seinen thurmhohen Chikanen, durch welche der deutsche Waarenabsatz in Nordamerika ganz bedeutend geschmälert worden ist, ist nicht in allen Einzelheiten von ihm ausgearbeiiet, hat aber seine schärfsten Spitzen auf den Antrieb des Herrn Mac Kinley ei halten. Er hat auch in gelegentlichen Reden gar keinen Zweifel daran gelassen, daß seiner Ueberzeugung nach europäische Industrie- Erzeugnisse in Nordamerika überhaupt nichts zu suchen hätten, man könne Alles und Jedes, was man gebrauche, allein fabriziren. An die Möglichkeit, daß dann Europa sich eines schönen Tages gegen die nordamerikanische Waaren-Einfuhr werde absperren können, hat der heutige Präsident in seinem klassischen Iankee-Uebermuthe freilich nicht gedacht, weil die Herren in der neuen Welt eben glauben, Europa Alle» und Jedes bieten zu können. Nun wird am Ende ja nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird, und der Präsident Mac Kinley wird sich nicht mehr ganz so kräftig ausdrücken, wie der Parteiführer Mac Kinley, aber daß von den Präsidenten der nord- amerikanischen Union ein tüchtiges Stück zu erwarten ist, hat man schon aus der nicht geringen Zahl von Streitigkeiten gesehen, die selbst der doch als recht besonnen geltende Präsident Cleveland vom Zaune brach. An einen Krieg mittels Gewehren und Kanonen mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika wird auch in Zukunft Niemand zu denken brauchen, aber schweren wirthschaftlichen Verwicklungen sind vielleicht wir eher zu nah, als zu fern.
In den Vereinigten Staaten von Nordamerika dreht sich die ganze Staatspolitik in ihrem innersten Kern nur dämm, Denen, die schon Milliarden besitzen, weitere Milliarden zuzuführen. Zur Erreichung dieses gerade nicht sehr edlen Zieles werden die
großen Massen der Bevölkemng von den Parteien t ingespannt, werden ihnen Versprechungen gemacht, die sich nun und nimmer erfüllen können und daher auch zu nichts Anderem führen werden, als zu einer weiteren Verschärfung der schon heute außerordentlich weitgehenden Gegensätze sozialer Natur. Es wird viel über die Bewegung und Verbittemng der Massen, wie sie bei uns im deutschen Reiche herrscht, geschrieben, aber wir sind noch gut dran int Vergleich zu den Verhältnissen, die jenseits des OceanS obwalten. Schon mehr als ein gründlicher Kenner der Verhältnisse der nordamerikanischen Freistaaten hat sich dahin ausgesprochen, daß sie wohl den ersten Staat zeigen werden, der einen sozialen Krieg erlebt. Gerade die letzte Präsidentenwahl hat wieder die Massen in außerordentlicher Weise bewegt, und die Folgen werden nicht ausbleiben.
Deutsches Reich.
* ® erlitt, 4. November. (Tagesbericht.) Se. Majestät der Kaiser ist gestem früh zur Jagd in Groß-Strehlitz eingetroffen. Der Monarch begab sich sofort in das Jagdgclände. Morgen Nachmittag reist der Kaiser nach Pleß weiter. — Ihre Majestät die Kaiserin wohnte hmte Vormittag der EInwechung des neuen Erziehungshauses bei Zehlendorf bei. — Dem Herzog Adolph Friedrich zu Mecklenburg-Schwerin verlieh der Kaiser den Rothen Adlerorden ersten Klasse. — General z. D. v. Zychlinski in Berlin begeht am 15. November die diamantene Hochzeit. — Zahlmeister Loß, welcher bei der Strandung des „Iltis" zufällig an Land war, ist soeben aus Ostasien in Wilhelmshaven angekommen.
* (König Albert von Sachsen als Jurist.) Aus Anlaß der Thatsache, daß unter dem Vorsitze des Königs von Sachsen zu Dresden das Schiedsgericht über die lippische Thronfolge zu- sammenttat, wird der „Köln. Ztg." geschrieben: König Albert ist nicht nur ein im besten Sinne kluger, umsichtiger und dabei sehr wohlwollender Fürst, sondern auch ein tüchtiger Jurist, als welcher er in höchsten Kreisen mit Recht in nicht geringem Ansehen steht. Mit Vorliebe pflegt er, ein Freund prunklosen, geistvollen Verkehrs, in kleinerem Kreise bei Tisch die Unterhaltung auf juristische Fragen zu lenken, und auch Fachleute scheiden häufig von dem Monarchen mit dem beglückenden Gefühl, in ihm dem ersten Diener des Staates, überhaupt aber nament
lich dem ersten Diener des Rechts und der Gerechtigkeit begegnet zu fein. In seiner Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue, zu denen sich eine ausgesprochene Hinneigung zum Recht gesellt, läßt es sich der König nicht nehmen, alle Gnadensachen, insbesondere die Todesurtheile selbst zu prüfen. ... Die stteitenden Theile dürfen sich namentlich auch in Bezug auf den erlauchten Vorsitzenden des Schiedsgerichts aller Sachkunde und Gründlichkeit versichert halten. Strenge Geheimhaltung der verttauten Verhandlungen verstand sich von selbst. Mit voller Zuversicht darf man dem wichtigen Schiedsspruch entgegensehen, dessen hohe Aufgabe es ist, eine innerdeutsche Erbfrage so fried- lich wie schiedlich endgilttg zu regeln.
* ( v. Trotha.) Oberstlieutenant v. Trotha, der stellvertretende Gouverneur von Deuisch-Ostafrika, tritt nach einer der „Deutschen Tagesztg." zugegangenen telegraphischen Meldung aus Dar-es-Salaam von seinem Posten als Vizegouverneur und Kommandant der Schutztruppe zurück. Oberstlieutenannt v. Trotha begiebt sich, sowie er von seiner Inspektionsreise zurückgekehrt ist, nach Europa. Das Ausscheiden v. Trotha's aus dem Reichsdienst sei auf den Rücktritt des Gouverneurs v. Wißmann und auf die Personal- frcge betreffs dessen Nachfolgers wohl in erster Linie zurückzuführen. Für die Nachfolgerschaft von Wißmann's auf den Gouverneurposten in Deutsch- Ostaftika kommen nach der „Deutschen Tagesztg." nur noch Legationsrath von Schwartzkoppen und Finanzdirektor von Bennigsen in Dar - es - Salaam in Bettacht.
* (Gehaltserhöhungen der Beamten.) Die endgiltige Beschlußfassung über die Gehaltserhöhungen der Beamten wird in einer in den nächsten Tagen stattfindenden Sitzung des Staatsministeriums erfolgen. Die früher gemachten Mittheilungen dürften sich bestätigen, insbesondere auch die über die Erhöhung des Anfangsgehalts btr Richter von 2400 auf 3000 Mark. In btr Presse verbreitete Zweifel, ob eine Gebaltssteigerung für bie Lehrer der höheren Schulen beabsichtigt sei, kann auch die „Rat.-Ztg." als grundlos bezeichnen; auch für diese Beamtenklasse ist eine Verbesserung gegen die vor einigen Jahren erfolgte Regelung ihrer Besoldungsverhältnisse vorgesehen. Daß für die Universitätsprofessoren eine Erhöhung stattfinden wird, ist schon berichtet ; weiter ist für sie auch eine Milderung der zum Theil schreienden Ungleichheiten in Bezug von Kollegiengelderu beabsichtigt; den gegenwärttg angestellten Professoren sollen dieselben
(Nachdruck virbotkn)
Waisenkind.
Von Mary Widder«.
(Fortsetzung.)
„Das Kloster von Sanft Marien in B—bürg ist aufgehoben," sagte Johann ohne wettere Vorbereitungen zu Hildegard, „und Baronin Ludowika wf dem Wege zu ihren Verwandten, ober gar schon in ihrem Hause!"
„Johann, ist bas Wahrheit?"
Jetzt war sie boch in hohem Grabe intereffirt, bet Name Lubowika wirkte nahezu zauberisch auf ihre jugenbliche Einbildungskraft und ihr — Herz.
Im Augenblick war der geschmückte Baum, Alles, Alles vergessen, was mit ihm zusammenhing. Sie dachte nur an jene arme unglückliche Frau, deren schöne Züge fie begeistert noch in einem anderen Menschenantlitz.
„Ich hab' e» mit meinen eigenen Auge« gelesen, kt Frau Obristin vorgelesen und nun sind die Gnädige ganz, ganz wie ans sich heraus; die Frau Baronin könnten ja jeden Tag kommen und von dem unteren Geschoß dieses Hauses Besitz ergreifen, dar aber wäre für die Frau Obristtn daS Schrecklichste, ich glaube, lieber — mein Gott, die Klingel," Unterbrach er sich, als der schrille Ton der Glocke aus dem Zimmer seiner Herrin durch die weiten ®änge des alten Hauses schallte. — „Ich dachte, die Gnädige würden für heute auf den Kaffee verzichten — nun wird's ein gutes Gewitter geben, daß ich ihn noch nicht einmal aufgebrüht, aber, uur Much, alter Johann, nur Muth!"
* * *
Und bann war ier Abend gefömmen. Hildegard hatte sich aus all' ihrer Aufregung heraus, in die
sie des Dieners Nachricht versetzt, wieder der Freude hingegeben, ein wenig Sonnenschein in das Leben Haralds zu bringen.
Auf dem weißgedeckten Tisch neben dem lichter- sttahlenden Baum lagen allerlei hübsche Kleinigktttn für den Knaben ausgewählt, Zeichenutenstlteu, ein eleganter Tuschkasten und dergleichen, neben ihnen einfache Ausgaben von Goethe's und Schiller's Gedichten ; eine Schüssel mit Näschereien, Johannes Gabe, fehlten nicht. Aber wenn dir Alte mit so vieler Liebe an seine beiden Pflegebefohlenen gedacht, so sollte sie auch Erwiderung finden. Hildegard Hütte ihm eigenhändig ein Paar schöne baumwollene Handschuhe gesttickt, an denen er sich, nachdem zur Bescheerung gerufen, gar nicht satt sehen konnte, immer wieder streifte er sie sich über die hartgearbeiteten Hände, und sagte mit vor Freude bebender Stimme: „Und das hat Baroneß Ottiliens Tochter mit ihren kleinen zarten Fingerchen selbst für mich gearbeitet!" während Haralds Augen bewundernd an dem Baume hingen; man sah es dem armen Knaben an, solch' ein Anblick war chm lange nicht geworden. „O, Hildegard, wie schön ist daS!" rief er dann auch, und seine Arme schlangen sich in überströmender Dankbarkeit um den Hals des jungen Mädchens. „Und nun nimm auch mein Angebinde," fügte er mit leuchtendem Auge hinzu, indem er rasch nach dem der Thür zunächst liegenden Theil des Zimmers eilte, wohin er beim Eintritt eilends einen ziemlich großen verhüllten Gegenstand gestellt, aber nachdem er ihr ihn hastig gereicht und ,ste die weiße Leinwanb davon entfernt, kam auch über' ihre Lippen ein Ruf der Freude: „Ludowiktns Bild in Kreide gezeichmt? Und das ist Dein Werk, Harald? Mein Gott, aber bann bist Du ja ein Künstler, Harald! Junge, mein lieber, lieber Junge,
dieses wundervolle Talent habe ich gar nicht in Dir vermuthet!"
Er sah sie an, mit einem Blick so tiefer Empfindung, so überseliger Freude, daß die idealen Züge nach idealer erschienen. „Also es gefällt Dir?" sagte er leise. „Nun, auch Konrad meint, es fei mir gelungen — er spricht ganz wie Du, liebe kleine Tante, und — und —" er erröthete, „und hat mir Aussicht gemacht, wie sich mir durch eben diese Fertigkeit ein ungeahnter Erwerb eröffnen könnte. Einer der wenigen Freunde, die ihm tteu geblieben sind, trotz der Schmach, die das Urthril der Menschen auf feine Familie gewälzt, ist der be- deutendste Kunsthändler hier am Ott, ihm hat er mein Werk gezeigt, und daS Versprechen entgegengenommen, sobald ich wieder eine solche Arbeit beendet, sie zu erstehen, und Konrad meint, gegen geringes Honar! — Denke nur Hilda," setzte er glückstrahlend hinzu: „wie schön das wäre! Und wie anders sich hier Alles dadurch gestalten könnte! Ich habe schon daran gedacht, uns ein gemeinsames Atelier einzurichten," setzte er mit ungeahnter Lebhaftigkeit hinzu — „all dieses häßliche alte Gerümpel müßte selbstverständlich gleich wieder auf den Boden geschafft werden, von woher Johann es auf Großmutters Befehl genommen, und hübsche neue Mobilien ttäten natürlich an seine Stelle. Aber mein Gott," unterbrach er erschrocken den kühnen Aufbau solcher Luftschlösser, „es klopft ja, hilf Himmel, wenn das die Großmutter wäre. Welch' ein böses Ende nähme der Christabend für uns!"
Hildegard war inzwischen, ebenfalls erschrocken, an die Thür geeilt, sie öffnete fie behuffam, aber nicht die Obristin war es, deren Anblick rhr wurde, sondern ein hübscher, etwa lljäfjriger Knabe stand vor ihr, der sie mit ein Paar großen treuherzigen
Rehaugen fteundlich anblickte und ihr ein Kästchen überreichte.
„Für Fräulein Hildegard Winter," sagte er, und ehe das junge Mädchen auch nur im Stande war, eine Frage zu stellen, huschte der Kleine auch schon wieder über den dunklen Korridor und im nächsten Augenblick hörte man ihn behuffam die alte Treppe hinabeilen.
„Wer war er? Und was enthält das Kästchen?" Die drei Mensche» im Zimmer sahen sich verwundert an und es verging immerhin eine kleine Weile, ehe der alte Johann daran g'ng, wieder die Thür zu schließen. Und dann standen sie am licht rstrahlenden Baum und Hildegard löste mit bebenden Fingern die Schnüre, w-lche man um das Kästchen geschlungen. Jetzt ein Druck nur an der Feder desselben noch und es sprang auf. Drei Paar Augen blickten neugierig in den fit inen Behälter; da lagen ans dnufelviolkttern Sammet zwei flehte in Seidenpapier gehüllte Gegenstände, auf dem einen befand sich ein Zettelchen mit der Aufschrift: für Hildegard, das andere geigte die Worte: Harald zugeeignet.
„Wie das Alles so geheimnißvoll erscheint," sagte das junge Mädchen und schüttelte den Kopf, »man hat ordentlich Angst, die Umhüllungen zu lösen — Unsinn," fuhr fie fort, „wer sollte uns erschrecken wollen und noch dazu am Christabend? Harald, siehst Du, ich öffne muthig das für mich bestimmte Päckchen da — und hier ist das Deine — thue ein Gleiches."
„Wie wunderschön!" Hildegard hielt mit aufrichtigem Entzücken ein prachtvolles Brillantfreuz in die Höhe — da» funfelte und glühte unter den Lichtern des Baumes, daß sie schier meinte, so etwas Köstliches noch gar nicht gesehen zu haben.
(Fortsetzung folgt.)