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OßeWsch Jälmg.
Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Mch vorl«»: Joh. Ang. Koch, UnivorfitätS-Buchdriukttii in Maröurx. Verantwortlich für der allgemeinen Thril: Aedaktmr Friedrich Loliatzky
Redaktion nnd Expedition: Markt 21. für den Jnseratentheil: Joh. Ang. Koch, beide in Marburg
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Wonnrments-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld) Jnfertionsgebühr für die gespaltene Zeile »der deren Baum 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 25. Oktober 1896.
Älyrrgen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Amroncen-Burtanx von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Gaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moff« in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C. 8. Laub« u. Eo. in Frankfurt a. M„ Berlin, Hannover, Paris.
XXXI. Jahrg.
Rußlands Machtstellung in Europa.
*** Für das Verhältniß Rußlands zu den europäischen Mächten hat der Besuch des Zaren bei den verschiedenen Höfen etwas Neues nicht gebracht. Es war für den, der die europäische Politik nach ihrer »othwenbigen Entwickelung verfolgt unb nicht ani einzelne Worte ober einzelne Ereignisse hervorragenben Werth legt, auch schon vor ber Zarenreise kein Ge- heimniß, baß Rußlanbs Beziehungen zu Groß- brüannien recht kühle, zu ben beiben Kaiserreichen gute unb zu Frankreich sehr herzliche seien Eines aber haben bie Zarenreisen dargethan, einerlei, ob der Zar in Wien ober in Breslau ober in Brlmoral ober in Paris weilte: Daß Ruß'anbs Stellung in Europa gegenwärtig eine so mächtige ist, wie fie es bisher in biesem Jahrhunbert noch nicht gewesen ist.
Rußlanbs Einfluß in Europa war in biesem Jahrhunbert ein sehr wechselnber; neben Zeiten be- beutenben Einflusses sehen wir Zeiten eines erheblichen Nieberganges. Der Fürstenkongreß zu Erfurt 1808, bie Jahre 1848 - 1853, sowie bie Jahre 1866 bis 1875 stehen in einem erheblichen Gegensätze zu den breißiger Jahren, zu ben fünfziger Jahren unb zu dem Ende der siebziger Jahre. Es ist ein eigenartiger Zufall, daß Rußland jedesmal nach großen orientalischen Verwickelungen an Einfluß einbiißt, in den Zwischenzeiten seine bedeutende Stellung aber immer wieder zwückgewinnt. So hervorragend nun auch die Machtstellung Rußlanbs in ben Zeiten bes Erfurter Kongresses, ber beutschen unb ber österreichischen Revolution unb des bentsch - österreichischen «nb beutsch-französischen Krieges war, so muß boch zugegeben werben, baß ber Einfluß, ben es gegenwärtig in bie Wagschale wirft, ein . noch bedeutenderer ist.
Worauf beruht dieser Einfluß? Es ist zweifellos, daß Rußlands Reichthum an hervorragenden Diplomaten ihm viele Erfolge eingebracht hat, ebenso viele beinahe, als bie Ungeschicklichkeit seiner Gegner; es ist nicht tninber zweifellos, baß Rußland in wirth schaftlicher unb kultureller Hinsicht mächtig fortschreitet; es versteht sich schließlich von selbst, baß ein Staat von 80 Millionen Einwohnern eine große politische Bedeutung besitzt, aber all diese Momente würden die hohe Bedeutung des russischen Einflusses ans die Geschicke Europas noch nicht genügend erklären.
Wenn alle Welt heutzutage auf jedes Wort, das der russische Zar ausspricht, achtet und es in dem
• (Nachdruck verboten)
Waisenkind.
Von Mary Widdern.
(Fortsetzung.)
War es Hildegards Absicht gewesen, sich Muth einzusprechen, so hatte sie wenigstens bie Freube, ihren Zweck vollstänbig erreicht zu haben, es schwanb wirklich jedwebe Furcht aus ihrem Herzen, als sie an bie Thür des kleinen Vorzimmers klopfte, hinter dem bie Wohn- unb Schlafgemächer ber Obristin lagen; ba fie aber auf wieberholtes Pochen keinerlei Einlabung hereinzutreten vernahm, öffnete fie auch ohne biefe unb sah sich im nächsten Augenblick in dem kleinen Entree, dessen Thür nach dem Nebengemach weit offen stand; ihr ganz genau gegenüber hing ein langer Spiegel und zufällig trafen ihn Hildegards Blicke zuerst — er reflektirte deutlich das ganze Zimmer, in welches zu treten das junge Mädchen eben im Begriff gewesen — nun aber hemmte sich ihr Fuß, es war ein seltsames Bild, daS sich in dem geborstenen Glase ihrem entsetzten Blick offenbarte, ein Bild, das ihr unvergeßlich blieb flr alle Zeit. —
Sie sah dasselbe Gemach, in dem fie gestern Übend der Tante Gesellschaft geleistet, nur erschien Ä jetzt im Morgenlicht noch unbehaglicher und unsauberer — sie sah Stück für Stück wieder des alten Gerümpels, mit dem die Obristin ihr Heim ansgestattet — und fie sah schließlich auch diese selbst. Vor dem Schceibsekttetär, in dem damals vor Jahren das Vermögen der Mutter — zur Chimäre geworden, saß die alte Frau in lässigem widerlichem Neglige; während den unteren Theil ihres Körpers ein verblichener, rother Flanellrock be- tkibeie, schlotterte ber obere in einer zerrissenen
einen ober anberen Sinne auslegt, so hat Rußlanb biefe so schmeichelhafte Beachtung vor Allem ber französischen Nevanchelust zu veibankeu. Die Un- ähigkett ber Franzosen, sich mit gegebenen Verhältnissen abzufinden, hat es nothweudig gemacht, baß ganz Europa feit 25 Jahren in Waffen starrt; sie hat es veranlaßt, baß ber Dreibund sich zusammen- chloß, um dem berufsmäßigen Friedensstörer die Lust, den Frieden Europas muthwillig zu gefährden, zu benehmen; sie hat endlich die Verbindung Rußlands und Frankreichs hervorgerufen, denn das republikanische Frankreich würde nie daran gedacht habm, dem autokratischen Rußland sich in dieser Weise zu nähern, wenn es nicht von Rußland bie Erfüllung einer Wünsche erhoffte.
Daburch ist für Rußland eine Situation ge= chaffen, wie sie vorzüglicher nicht gedacht werden kann. Es ist in der Lage, seinen Zielen im Osten nachzugeyen, ohne zu befürchten, daß ihm eine der kontinentalen Mächte in den Arm fällt, oder baß biefe Mächte sich znsammenthun, um ihrerseits eine aktive Rolle in Asien zu spielen. Man erinnert sich, daß ber Fall eines foalirten Zusammengehens europäischer Mächte in Asten nicht nur eine müßige Kombination ist, fonbern schon in bie Wirklichkeit übersetzt worben ist. Man benfe nur an den gemeinsamen Krieg, ben Frankreich unb England gegen China führten. Der Gefahr, durch eine derartige Verbindung in seinen Plänen gestört zu werden, ist Rußland jetzt überhoben, einmal, weil Frankreich >chon mit Rücksicht auf das Verhältniß zu Rußland nicht einseitig mit England zusammen in Asten vorgehen kann, und zweitens, weil die kontinentalen Mächte durch bie Nethwcndigkeit, gegen französische Gelüste auf ber Hut zu fein, noch weniger als sonst Neigung haben, ihre Kräfte burch Aspirationen im Osten zu zersplittern unb außerbem badurch Rußlanbs Gegnerschaft hervorzurufen. Durch biefe Situation hat also Rußlanb als einzigen Gegner bei st inen asiatischen Bestrebungen Englanb gegenüber unb es ist in ber Vortheilhaften Lage, gegen diesen Gegner, wenn es darauf ankommt, sich mit voller Kraft zu wenden.
Rußland hat also ein hohes Interesse daran, den gegenwärtigen Zustand zu erhalten. Wollte es sich den ftanzösischen Revanchebestrebungen geneigt zeigen, so würde damit — daran kann die ftanzösische Stimmung, die sich jetzt wieder bei der Anwesenheit des Zaren hervorgewagt hat, keinen Zweifel lassen — ber Krieg herbeigeführt sein. Der Ausgang eines
dunklen Barchentjacke. Das schwarze Haar war noch ungeordnet und hing, da keine Haube es deckte, in wirren Strähnen um das bleifarbene G>.sicht. Es war ein Anblick zum Schaudern, und seine Unheimlichkeit wurde noch erhöht durch die Beschäftigung, der sich die alte Dame in diesem Augenblick unterzog: Vor ihr auf der niedergelassenen Platte lagen ganze Berge von funkelnden Goldmünzen unb glitzernden Geschmeiden; mit Zangen und allen möglichen winzigen Werkzeugen zerrten die Finger der Ooristin an den letzteren hemm — anfangs begriff die unfreiwillige Beobachterin diese Scene nicht, was da an dem Schreibttsch vorging, wie es ihr bei noch aufmerksamerem Hinsehen doch endlich klar wurde: Die Tante entfeinte den Diamantenenschatz ihres Hauses aus seinen, im Verhältniß zu dem ungeheuren Werth der Steine wenig kostbaren Fassungen; — Hildegard ahnte noch nicht, zu welchem Zwecke: wußte sie doch nichts davon, daß bie alte Dame auch mit den hinterlassenen Schmuckgegenständen ihres Gatten die gleiche elende Manipulation vorgenommen und daß das nicht unbettächtliche Häufchen Gold, welches jetzt neben ben Diamanten ber Solms- Hegendors lag, baS schnöbe ffaufgelb war für bie kostbaren Steine. Hildegards Augen sahen immer forschender, immer verwunderter auf das seltsame Treiben der Tante, da aber hatte sie das Unglück, mit dem Fuß an einen alten Bilderrahmen zu stoßen, der an ber Wanb lehnte, er stürzte polternd zusammen unb bei bem unvermutheten Geräusch wandte bie Obristin mit einem leisen Schrei des Erschreckens den Kopf nach rückwärts. . Wie sie aber bem Gesicht ber Nichte begegnete, fnhr sie zornig auf unb Gold wie Brillanten heftig in ein Geheimfach bes Schreibtisches werfend, schloß sie die Platte, stand auf und näherte sich mit großen Schritten dem erschrockenen jungen
blchen Krieges aber wäre für Rußlands Pläne unter allen Umständen nachtheilig. Unterliegt der Zweibund, so ist Rußlands Macht geschwächt unb Englanb kann alsdann seinen Vortheil daraus ziehen, um’ometjr als ber Dreibund ihm bann im Interesse ber Schwächung Rußlands behilflich dabei fein würde. Siegt aber der Zweibund, so würde Rußland, das a auf europäische Erwerbungen nicht ausgeht, keinen Vortheil baden, wohl aber den Nachtheil, daß es int Westen unb Südwesten erbitterte Feinde haben würde, die ihm ein energisches Betteiben ber asiatischen Pläne zur Unmöglichkeit machen würben, weil es jebcrzeit eine Truppenmacht an ber Westgrenze bereithalten müßte. Man ersteht baraus, baß eine Veränberung bes gegenwärtigen Zustanbes für Frankreich möglicherr- alls einen Vortheil, für England unter allen Um- tändkn einen Vortheil, für Rußland unter allen Imfiänben einen Nachtheil bedeuten würde.
Durch diese Sachlage ist zugleich bie Grenze des russischen Einflusses gezeigt. Rußlanb kann, wenn anbers es seinen Vortheil wahren will, nicht nach Belieben Krieg ober Frieben herbeiführen, fonbern es muß ben Frieben in Europa aufrecht zu erhalten uchen. Rußlanbs Friebenspolitik ist also nicht nur auf bie persönliche Friedensliebe des Zaren, sondern auf eine politische Nothwendigkeit für Rußland zurückzuführen.
Aus dieser Thatsache ist aber für bie kontinentalen Mächte bie Lehre zu entnehmen, baß fie, um ien Frieben zu erhalten, es nicht nöthig haben, Rußlanb unter allen Umftänben nachzugeben. So wenig erwünscht unb angemessen es wäre, Rußlanb ohne Noth zu reizen, so wäre es auch nicht nur unwürbig, fonbern ber Lage ber Verhältnisse nach überflüssig, unter Schädigung ber eigenen Interessen Rußland zu weit entgegenzukommen. Von diesem Gesichtspunkte wird sich auch, daran ist kein Zweifel, Deutschland bei den Verhandlungen über die Zollschwierigkeiten leiten lassen.
„Der Zar bittirt ber Welt seinen Willen," hat währenb ber Zarentage in widerlicher Selbsterniedrigung ein französisches Blatt gesagt. Die nichiftaitzöflschen Politiker haben glücklicherweise eine andere Auffassung und so hoch sie auch den Einfluß Rußlands veranschlagen, so wissen sie doch wohl, daß auch dieser Einfluß seine natürlichen Grenzen hat, die von Rußland um so sicherer werden refpeftirt werden, als sie sich mit dem wohlverstandenen Interesse Rußlands vollkommen decken.
Mädchen. Und wie sie nun vor ihr stand, die stechenden Augen unverwandt auf das Gesicht der Nichte geheftet, ba hätte es auch wohl eine noch stärkere Seele mit Grauen gefaßt — aber Hildegarb raffte gewaltsam ihre ganze Willenskraft zusammen, sie wollte wenigstens nicht schwach erscheinen, wenn sie's anch im Moment war und so begegnete ihr klares braunes Auge ruhig, ohne baß auch nur eine Wimper gezuckt hatte, bem Blicke ber taute.
So sttnben sie sich sekundenlang still gegenüber, dieses fehlerhafte Weib und das junge unschuldige Mädchen, bann aber wae's bie erstere, bie bas nutz imiiche Schweigen brach: „Du hast mich beobachtet," zischte bie Obristin, „wolltest mein Treiben belauschen! Aber glaube nicht, Mädch.n, baß Du je irgenb welchen Vortheil ziehen kannst aus bem, was Du gesehen, unb nun komm — erwidere kein Wort, keine Silbe, ich verbiete es Dir/ fuhr sie leidenschaftlich fort und stampfte mit dem Fuß auf die schmutzige Diele — „ich will keine Entschuldigung hören — unb nehme auch, ohne baß Du mir irgenb welckes Versprechen giebft, an, Du wirst niemals wieder wagen, Dich auf solche Weise' in mein Thun und Schaffen zu drängen.
Sie machte eine gebieterische yandbewegung nach dem Nebenzimmer hin und Hildegard Winter _— gehorchte ihr. Keine fünf Minuten vergingen, so saßen die beiden Frauen am Kaffeetisch, auf dem schon über glimmenden Holzkohlen der braune Trank ein zweifelhaftes Aroma verbreitete. Die Tante war sonderbarer Weise mit einem Male bie Liebenswürbigkeit selbst, unb ba Johann nicht zugegen, so plauberte sie mit einer Art Vertraulichkeit von bie em unb jemm. Hilbegard glaubte, für fie sei ber rechte Zeitpunkt gekommen, ber alten harten Frau nun auch einen Wunsch vorzuttagen, ber ihr wirklich sehr
Deutsches Reich.
* Berlin, 23. Oktober. (Tagesbericht.) Der Geburtstagstisch ber Kaiserin war auch in biesem Jahre wieder mit ben schönsten Blumen, welche bie Jahreszeit bietet, geschmückt. Die Mitte zierte ber Geburtstagskuchen mit 38 Lichtern. Unter ber Fülle von Geschenken bemerkte man eine SBiebergabe des neuen Bildes des Kaisers, 'einer ein großes Oelgemälde, eine italienische Landschaft darstellend, bann Kassetten mit Briefpapier in jeher Form, Bonbonieren mit ben feinsten Chokolaben, prächtige Fächer unb eine Serie von neuesten Winterhüten. An das aus Anlaß der Geburtstagsfeier stattgehabte Diner schloß sich eine musikalische Abendunterhaltung int Muschelsaal. — Heute Vormittag hörte der Kaiser nach einem Spazierritt mit der Kaiserin Marinevortrage. Nachmittags sind der Kaiser und Prinz Heinrich zu den Hochzeitsfeierlichkeiten in Schwerin cingetroffen. Im Goldenen Saale bes Grobherzoglichen Schlosses fanb um 9 Uhr Hoftouzert statt; ihm folgt morgen bie fiierliche Trauung des Erbg oßherzogs von Oldenburg mit der Herzogin Elisabeth von Mecklenburg.
* (Zur Zweikaiser-Zusammenkunft.) Die ftanzösische Presse ist allgemein der Ansicht, daß in Darmstadt und Wiesbaden zwischen dem deutschen Kaiser und dem Zaren politische Unterredungen statt- gesunden und daß dieselbe die orientalische Frage betroffen haben. Dabei wird erklärt, daß beide Monarchen in dieser Angelegenheit ein gemeinsames Vorgehen mit Frankreich befürwortet haben. In durchaus anzuerkennender Weise hebt der „Figaro" hervor, baß biesem Einvernehmen zwischen ben brei Mächten bezüglich ber orientalischen Frage ebenso wenig etwas im Wege stehe, als bies betreffs Chinas feiner Zeit ber Fall war. Der „Figaro" schließt feine Auslassung mit folgenben beachtensweithen Worten: Wenn der Herstellung eines modus vivendi ober gar eines biretten Einvernehmens über gewisse Punkte zwischen Deutschlanb unb Frankreich ber unüberlegte Drang eines überspannten Chauvinismus nicht gegeniiberftänbe, so würden wir offen sagen, daß in dem Augenblick, wo Frankreich seinen Rang unb seinen Einfluß in Europa toiebergetoonnen hat, es sich eines anderen Verfahrens bedienen kann, als zu der Zett, wo es als eine gedemüthigte und besiegte Nation baftanb.
* (Wißmann's Nachfolger?) Entgegen bem Dementt ber „Nordb. Allg. Ztg.", bie allerdings
am Herzen lag unb so sagte fie beim, ba gerade eine kleine Gesprächspause entstauben, ein wenig unvermittelt wohl unb durch nichts nwtioirt: „Liebe Tante, wenn ich Dir nun mit einer Bitte kommen wollte, bereu Erfüllung mich nicht recht beglücken würbe, würbest Du fie wohl gütigst berücksichtigen?"
Die Obristin fuhr heft'g von bem alten Kanapee in bie Höhe. „Da haben wir's schon," kreischte sie unb sah wüthenb zu ber jungen Bittstellerin hinüber, von ber sie burch ben Tisch mit ber Kaffeemaschine getrennt war, „hält baS Mäbchen boch Spielmarken 'unb höhnisches Glas für eitel Golb unb Edelstein unb natürlich baut sie sich baraus gleich irgenb welches Luftschloß — ich gewähre keinen Deiner Wünsche," schrie sie bann, „ich kann Dir nichts geben, benn ich bin arm unb —"
„Aber liebe Tante," unterbrach Hildegard sie ba, ber es nur mit Mühe gelang, ihren Ekel nieber« zukämpfen, „aber liebe Tante, ich will ja nicht Golb unb Golbeswerth von Dir."
„Nicht —l" Die Obristin athmete bebeutenb erleichtert auf unb sank schnell wieber auf bas harte Ploster zurück. „Nun, so sprich," sagte sie bann, „unb/ setzte sie gnädig wie eine regierende Fürstin hinzu, „wenn es mir möglich ist, soll Dein Wunsch gemährt fein!'
„Es ist Dir möglich!" Hild'gardS Wangen glühten. „Handelt es sich ja doch nur darum," sagte sie dann schon wieder um ein gut Theil ängstlicher, „daß — daß Du mich an — den Unterrichts- ftunbin, die Doktor von Steifen unserem Harald gvibt, theilnehmeu lässest."
Die Augen ber alten Frau öffneten sich weit, s war, als wenn sie aus ihren Höhlen treten wollten, so starr blickten bie großen dunklen Pupillen.
„Doktor von Steifen — Unterricht theilnehmeu,"