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WöckeMiche Beilage«: KreiSbl«tt für >ie Kreise Marb«r- m*> Kirchhai«.

Dank ntb V»rl,gr 3»6. Aug. Koch, UuivrrsttLtS-Buchdr-ckirei ta Marburg. Bnantwottlich für den allgemeinen Theil: Redakteur Friedrich Colbatzky

Reaktion und 6g>«Mtbn: Markt 21. für den Inseratenteil: Joh. Aug. Koch, beide in Marburg

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Erscheint täglich autzrr an Werktagen nach Sonn- und Feiertag«. Quartal-AbounemeutS-Prei« bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mt. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnfertionSgebühr für di» gespaltene Zelle b«: deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zell« 25 Pfg.

Marburg, Sonntag, 18. Oktober 1896.

Anzeigen nimmt entgegen di» Expedition dieses Blatte», sowie di« Allnoncra-Burraui von Haasrnsteia u. Vogler in Frankfurt a. M., Soffet, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffr in Frankfurt a. M., Berlin, München n. Köln, C. ß. Daube u. So. in Frankfurt a. M.< Berlin, Hannover, Part».

XXXI. Jahrg.

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Von der Landstraße in's Gefängniß.

** Wer in diesem Sommer häufiger hat über Land Weisen müssen, der wird ziemlich überall bemerkt haben, wie trotz der gesteigerten Fabrikation in der Industrie und zum Theil auch im Kleingewerbe die Zahl jener Individuen, welche ohne eine Spur von Gepäck die Landstraßen entlang ziehen und besonders für die Bewohner alleinstehender Häuser eine große Plage sind, sich eher vermehrt, als vermindert hat. Das Gebühren dieser .armen Reisenden' hat im Laufe der letzten zehn Jahre eine Dreistigkeit an­genommen, die kaum noch gesteigert werden kann, und wenn sie um eine Gabe ansprcchen, erfolgt das keineswegs im Tone der Bitte, sondern in einer I solchen brutalen Weise, daß man am liebsten einen ' derartigen Patron trotz allen Mitleides, das man mit seinem heruntergekommenen Aeußern haben könnte, sofort die Thür vor der Nase zuschlüge. Frauen, welche solchen Vagabonden die Thür öffnen, find am schlimmsten dran und häufig unfläthigen Beleidigungen, nicht selten auch Thätlichkeiten aus­gesetzt. Dabei liegt diesen Leuten wenig an Nahrungs­mitteln, sie wollen nur Geld für Branntwein und scheuen sich nicht, mit Gewalt zu ertrotzen, was sie in Güte nicht bekommen. Sie sind eine Landplage unb eine Volksplage dazu, denn aüs ihnen, denen diele junge Burschen angehören, rekruttrt sich vor­nehmlich die große Armee der Verbrecher.

Die bedauerliche Erscheinung, daß sich die Zahl dieser Existenzen eher vermehrt, als vermindert hat, läßt nur die Folgerung zu, daß auch die Neigung zur ftischen und ftöhlichen Arbest trotz vermehrten Arbeitsangebots nicht gestiegen ist. Es ist das eine bedauerliche Thatsache, mit der weit mehr gerechnet werden sollte, als dies heute geschieht. DieRitter 1er Landstraße" setzen sich ja keineswegs aus

Menschen zusammen, die von allem Anfang an den ----alleruntersten und verwahrlosten Schichten der Be-

»ölkerung angehörten, auch solche Leute find darunter, QW denen ein Loos dieser Art keineswegs an der Wiege V1 gesungen ist, welchen der Hang zum Genuß zum Ver-

derben wurde, indem er sie zum Müßiggang und von da zur Liederlichkeit und Verwahrlosung brachte. Hai dann der Trunk erst sich solcher Gemüther bemächtigt, dann ist es bis zur Obdachlosigkeit nur noch ein 41 Schritt. Trotzdem die weitaus meisten Vagabonden |2* sich ihr unglückliches und elendes Loos selbst bereitet o haben, kann man ihnen doch einiges Mitleid nicht versagen, noch weniger kann man diese Erscheinung

(Nachdruck verboten)

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iu beruhigen, wenn ich Ottilie zürnte und ihr den

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Von Mary Widder».

(Fortsetzung.)

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Die Obrist in fuhr nervös zusammen, als sie so «S ihrem Sinnen und Rechnen gerissen, dann schüttelte sie energisch den Kopf:Unter keiner Be­dingung," sagte sie schroff, doch setzte gleich darauf um Vieles ftmndlicher hinzu,jetzt noch nicht, mein Kind, ich möchte Dir doch vor allen Dingen erst . mein Haus zeigen, das ja für Dich doppelt intereffant »Asein muß, erstens weil es sich Dir gastlich aufgethan wd zweitens, da ja Deine Mutter auch so manchen Tag darin zugebracht."

Hildegard nickte:Mütterchen hat mir erzählt," sagte sie,und ich hörte ihr so gern zu, wenn sie dir schilderte, wie frohe Stunden sie hier verlebt, » daß ihre Freundinnen sie am liebsten besuchten, los1» denn sie nach Dseid kam und in dem allen Hanse 99! der Solms-Hegendorf (das der Urgroßvater erbaut, Mr, wenn ihn Geschäfte vom Majorat fort nach der _ Stadt riefen, nicht in einem Gasthofe Logis nehmen 39) M müssen, sondern, wo er auch war, sich überall zu Hause zu wissen) ihre hübsch eingerichteten Zimmer bezog, in denen dann sofort kleine luftige --- Gesellschaften entrirt wurden, hübsche Soupers, nach fvach denen die Mädchen mit einander tanzten und" !Allen möglichen durchaus nicht statthaften lOi^Mnn trieben," unterbrach die Obristin sie,ja, ja, icoir0 "achte sie's und Bruder Hans, der jetzige IOC) Najoratsherr, der ja nur wenige Jahre älter war, als seine leichtsinnige Schwester, der arme, er ist seit Jahren geisteskrank," schaltete sie ein ein,unter­stützte sie in Allem und suchte mich auch immer wieder

unbeachtet laffen, eben deßhalb nicht, weil sie eine Gefadr von allgemeiner Bedeutung in sich schließt. Mit Bitten, Ermahnungen und schönen Worten ist in dieser Angelegenheit recht wenig auszurichten: in Fällen, wo cs Einzelnen gar zu schlecht ergehen mag, versprechen sie wohl Alles, was sie können, aber tritt nur eine leise Besserung ihrer Verhä tnisse ein, schwindet besonders in Krankhellsfällen die Lebens­gefahr, dann beginnt auch das ftühere Leben von Neuem. Da hilft vor allen Dingen die Sttenge, enffprechende Strafe für die, welche sich eines zu ahnenden Vergehens schuldig machten, strenge Zucht­mittel aber für die jungen Leute, bei welchen in un­verkennbarer Weise ein Hang zur Liederlichkeit hervor­tritt. Vom scheinbar harmlosen Anfang geht es sehr leicht zum bedenklicheren Fortgang.

Die neu beginnende rauhere Jahreszeit ist die­jenige, welche die Landstraßen in etwas von den Herumtreibern entoöllert, weil sie die Unbilden der Witterung noch mehr fürchten, als Gensdarmen und Polizei. Irgend ein nicht gar zu schweres Vergehen, meist einen Stteich rohen Uebermuthes wissen sie mit vieler Fettigkeit auszuführen und sind dann selig, einige Monate in's warme Gefängniß wandem zu können, wo sie zwar keinen Schnaps, aber doch zu essen haben. Diese Uebermuthsstreiche sollten den Pattonen aber doch gründlich bedacht werden, es wird sonst mit der Landstreicherplage ärger und ärger. Schreiber dieser Zeilen hatte in der Eigenschaft als Schöffe einmal über einen Landstreicher mit ab- zuuttheilen, der aus einem Fleischerladen einen statt­lichen Schinken gestohlen, diesen dann bis auf den Knochen in einem Zufluchtsorte verehrt hatte, worauf er zumAbschluß der Sommersaison" dem bestohlenen Fleischermeister mit dem Schinkenknochen das schöne Schaufenster cinwarf. Dem Kerl wurde seine Frech­heit so gründlich angekreidet, daß ihm sein höhni ches Lachen dann doch etwas verging. Aber derartige Fälle kommen in dieser oder jener Form sttts wieder von Neuem vor, und eine thunlichst exemplattsche Strafe, vet Kunden mit tüchtiger Arbeit, kann ihnen allein die winterliche Gefän^nißschnsucht aus dem Kopfe tteiben. Es mag nicht versäumt werden, diesen Punkt im Auge zu behalten, denn gerade jetzt kommt die Zeit, wo sich das Sttolchthum bestrebt, sich freit Winterquartiere zu sichet n.

Deutsches Reich.

* Berlin, 16. Oftober. (Tagesbericht.) Se. Majestät der Kaiser, welcher nach dem Besuch

phantastischen Kopf zurecht fetzen wollte. Er war's ja auch," fuhr sie bitter fort,der jenen Winter, der damals hier konzertirte und dem alle Welt huldigend zu Füßen log, nur ich nicht, in dies Haus brachte (ich hab's ihm nie verzeihen können und bin ihm noch heute gram deßhalb) gerade als Ottilie ihre Allotria darin trieb nun die Folgen kennst Du ja sich sehen, sich lieben war eins und als der Vater, den der Musikus ganz ohne Umstände um die Hand seiner Tochter bat, ihn eben so umständelos abwies und ihn noch umständeloser ersuchte, nie wieder zu wagen, dies HauS zu betreten ober auf baS Majorat zu kommen, geschah bas Unbegreifliche, Ottilie, eine Baroneß Solms-Hegen- dorf, ging einfach mit ihrem Auserwählten aus unb bavon, ein von ihr hinterlassenes Schreiben sagte uns, sie könne ohne Arno Winter nicht leben, eher wolle fie den väterlichen Zorn auf sich lasten fühlen, als von ihm getrennt fein, dem ihr ganzes Herz gehöre und was der Sentimentalitäten mehr waren."

Ich laS das unsinnige Schreiben zuerst und aus meiner Hand erst erhielt es der Vater. Ohne ein Wort zu sprechen, hatten die Augen die flüchtig hingeworfenen Zeilen überflogen, dann ging er eben so still ans dem Zimmer, wir hatten uns im Salon des Schlosses da draußen, das schon in den Händen meines älteren Bruders war, auf Hegendorf be­funden. Zwei Stunden später aber sah ich unseren Kutscher mit der besten Equipage, die sich in der Remise befand, nach der Stadt fahren und als ich Johann fragte, der damals die Stelle eines Kammer­dieners bei dem Vater inne hatte, wohin die Fahrt so schnell gegangen, erwiderte er traurig:Nach der Stadt znm Advokaten, er soll sofort herüberkommen, der gnädige Herr Baron wollen sein Testament machen." Und so geschah es auch; in der Nacht,

der Oper gestern Abend im hiesigen Schlosse übernachtete, während Ihre Maj. die Kaiserin sich wieder nach Potsdam zurückbegeben hatte, fuhr heute Vormittag 9 Uhr mittelst SondeiMges nach dem Schießplatz bei Kummersdorf, empfing Nachmittags im hiesigen schlosse den Reichskanzler zu längerem Vortrage und fuhr um 5 Uhr nach Potsdam, um im Offizierkasino des 1. Gardc-RegimentS z. F. dem Abschiedsmahl für den Flügeladjutanten Major Freiherrn v. Berg beizuwohnen. Nach Petersburger Blättern wird im November der Besuch des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe in Petersburg erwartet. Die Nordd. Allg. Ztg." meldet, daß sicherem Vernehmen nach das Mitglied der ägyptischen Schuldenkommission, Frhr. v.Richthofen, als Nachfolger des Direktors der Kolonialabtheilnng Dr. Kayser in Aussicht genom­men sei. Landtagsabgeordneter v. Gliszczynski (Centt.)ist zu Ko stau in Schlesien gestorben. Er gehörte dem preußischen Abgeordnetenhause seit 1882 an und vertrat den Wahlkreis Kreuzburg-Rosenberg. Der Druck des Armee-Verordnungs­blatts, das bisher in der Hofbuchdruckerei von Mittler und Sohn in Berlin hergestellt wurde, ist nunmehr der Reichsdruckerei übertragen worden. Der Grmrd für diese Maßnahme ist in dem bekanntlich s. Zt. vorgekommenen Diebstahl zu suchen. Der österreichische Thronfolger wellt gegenwärtig in Meran. Von hier begiebt er sich auf seine Be­sitzungen in Sizilien, wo er den ganzen Winter am Meere verbleiben wird.

* (Kaiser Wilhelm und Kaiser Nikolaus.) Folgendeeigenthümliche Mitthellung geht derKöln. Ztg." aus Paris zu: Da in mehreren Stottern in ziemlich unverbindlicher Weise von einem Telegramm des deutschen Kaisers an den Zaren während des Aufenthalts des letzteren in Frankreich die Rede war, fühlt man sich hier ver­anlaßt, den ziemlich einfachen Thatoestand folgender­maßen klarzulegen. Während des Mahlcs in Ver­sailles erhielt Kaiser Nikolaus eine in englischer Sprache abgefaßte Depesche, worin Kaiser Wilhelm sagte, da die russischen Herrschaften Freitags spät in der Nacht auf deutsches Gebiet überfahren und ge­wiß ermüdet sein und wünschen würden, sich von den Festlichkeiten auszuinhen, so habe er, Kaiser Wilhelm, den Garnisonen in Lothringen Befehl ertheilt, beim Durchfahren des Kaiserlichen Zuges die mllitärischen Ehren nicht zu erweisen. Er werde die Maje- stäten in Wiesbaden begrüßen. Kaiser Nikolaus theilte Herrn Felix Fanre dieses Tele­gramm mit.

der Notar traf erst spät Abends in Hegendorf ein, wurde der letzte Wille des BaronS Richard Solms- Hegendorf aufgesetzt, in dem Deine Mutter enterbt wurde fie erhielt nichts außer ihrem Pflichtthell."

Unb bieseS würbe ihr auch erst bann ansge- händigt," sagte Hildegarb mit möglichster Ruhe,als die Papiere, aus dem es bestanden, werthlos ge­worden."

Weßhalb zögerte Ottllie so lange, fie in Empfang zu nehmen?" sagte die Obristin höhnisch glaubte fie etwa gar, ich würde mich sogleich befassen, die Papiere nicht verfallen zu laffen? Da in dem Sekretär des Vaters haben fie gelegen," fie deutete mit der Hand nach einem alten Schreib­spinde, das in der Ecke des Gemaches seinen Platz gesunden,bis fie eines Tages ihren Bevollmächtigten schickte so eine elende Scttbentenseele ans Eurem Krähwinkel, der sich mit seinen Vatermörde n und dem langschößigen Bratenrocke von blauem Tuch mit blanken Knöpfen das Ansehen wunder was für einer hohen Stanbesperfon gab. Ich sehe ihn noch vor mir," höhnte sie und zerrte dabei mit den unsauberen Fingern an der zersetzten Tischdeckehaha, wie seine Augen leuchteten, als er die Scheine zählte, ein ganzes Vermögen," sagte er schmunzelnd,es überhebt Fran Winter bis an ihr Lebensende aller Sogen und Roth und der kleinen süßen Hildegard verschafft es die Aussicht auf einen standesgemäßen Freier" aber plötzlich nahmen seine Züge einen ganz komisch ftappirten Ausdruck an unb baftig in seine Brieftasche gteifenb, zog er ein Notizbuch hervor er schlug es auf und über feine Schulter hinweg sah ich das Verzeichniß der vor acht Tagen fällig gewordenen Staatsschulden suchte er vergeblich die Nummern mit denen auf den ihm von mir über­gebenen Werthpapieren und sand"

* (Militärstrafprozeßreform und Aus­wanderungsgesetz.) Der Entwurf über die Militärstrafprozeßreform ist nach einer amtlichen Meldung derNordd. Allg. Ztg." nebst unfangreicher Begründung vom Reichskanzler mit Ermächtigung des Kaisers dem Bundesrathe zur Be­schlußfassung vorgelegt worden. Wie ferner aus guter Quelle verlautet, wird auch ein Gesetzentwurf über das Auswanderungswesen alsbald dem Bundesrathe zugehen, lieber die streitigen Punkte soll an den zuständigen Stellen eine Entscheidung herbeigeführt worden sein.

* (LandwirthschaftlicheS.) Dem preußischen Landwirthschastsminister ist von derLand- wirthschaftskammer in Posen ein Gesuch betteffs Gründung eines besonderen Königl. Instituts für Forschungen auf dem Gebiet der Vieh-Jnfeftions- Krankheiteu unterbreitet worben. Die Kammer em­pfiehlt ferner die Anstellung von Versuchen mit Tuberkulin-Impfungen bei Rindvieh unb mitLorenz'scher Rothlanfimpfung bei Schweinen von Staatswegen.

* (Parlamentarisches.) Für bie nächste Reichstagswahl in Mainz hat bas Gentrum den Landtagsabgeorbneten Schmitt zum Kandidaten ernannt. Die Nationalliberalen wollen Oberfinanz­rath Braun- Darmstadt aufstellen. Kandidat der Sozial­demokraten ist Redafteur David in Mainz.

* (Sozialdemokratische Gefühlsrohheit.) Ans dem sozialdemokratischen Parteitage in Gotha ist auch das in letzter Zeit so vielfach mit warmer Anerkennung besprochene Verhalten der wackeren Mannschaft des verlorenen Kanonen­bootesIltis" in einer Weise besprochen worden, die in weiten Kreisen bekannt zu werden verdient. DerVorwärts" berichtet darüber:Schwarz-Lübeck richtet die Aufforderung an die Fraktion, den Staats­sekretär für die Marine bei der Budgetberathung zu fragen, ob es gebräuchlich werden soll, daß auf Schiffen, bie sich in höchster Gefahr befinden, das Flaggenliib angestimmt und Hochs ausgc bracht werden sollen. Da in Deutschland Alles nachgeäfft wirb, soll es mich nicht tounbern, wenn sich auch auf Kauffahrteischiffen ähnliche ©eenen wie beim Unter­gänge desIltis" ereignen. Wir können gewärtig sein, baß ein Kapitän eines Handelsschiffes, das in höchster Roth ist, vielleicht mit Cognac geröthetem Gesicht den Befehl giebt, das Flaggenlied zu fingen und das Schiff mit Mann und Maus zu Grunde gehen läßt. (Sehr richtig.) Als ich den Bericht über den Untergang desIltis" las, glaubte ich

Daß meine Mutter arm war wie zuvor," unterbrach fie Hildegard bitterTante, ich bitte Dich, sprechen wir nicht mehr davon es schmerzt mich, wenn ich mir das Weh der Verstorbenen ver- gegeutoärtige, mit dem sie die traurige Nachricht ent­gegennahm nicht wahr," fie stand auf unb reichte mit bittendem Blick der Obristin ihre Hand hinüber, es war nicht absichtlich geschehen, daß Du die Scheine nicht zu rechter Zeit eingelöst?"

Diesmal hielt die Obristin den Blick der Nichte mit vollkommener Ruhe aus,nein, bas versichere ich Dir," sagte fie bann in dem Ton der Wahrheit, wenn der Zorn gegen Deine Mutter auch treu- lebendig noch in meiner Seele lebte, um das Geld hatte ich sie nicht bringen wolle» und nun laß uns gehen," sagte fie dann und nahm, sich erhebend, auch das Licht vom Tischwir haben noch eine ganze Stunde, ehe Johann unser Abendsüppchen servirt ich effe zur Nacht durchaus keine kompakte Speise," unterbrach fie stch selbst,und natürlich müssen fich meine Hausgenossen darin fügen." Sie stand bei den letzten Worten schon an einer der Thüren, die Hildegard, welche ihr gefolgt war, auf einen Wink von ihr öffnete, um vorerst in ein kleines Vorzimmer zu gelangen, in dem fich auch nicht der geringste Hausrath befand, weder Tisch noch Stühle; auch das Fenster war unverhüllt und die Marmor- platte im Kamin geborsten. Dafür zeigten die Wände aber desto mehr Schmuck; da reihte sich Porträt an Porträt und in dem Ton unverkennbaren Stolzes sagte die Obristin, während ihre Linke auf sie deutete und Recht das Licht hob:Die Solms- Hegendorf alle, Hildegard ich habe mir die Bilder vom Majorat herüberkommen lassen meinen armen Bruder intereffiren sie ja doch nicht mehr und zur Belustigung seines Generaldireftors sind sie nicht