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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die «reife Marburg tm> Kirchhain.

-'reif »ob Öerlag Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckertt in Marburs. Verantwortlich für den allgemeinen Theil: Redakteur Friedrich Colbatzku

Redaktion und EWedition: Markt 21. für den Inseratentheil: Joh. äug. Koch, beide in Marburg

M 245

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Arienagen. Quartal Abonnements-Preis bei der Expe­dition L Mk, bei allen Postämtern L Mk 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für di« Zelle 25 Pfg.

Marburg,

Sonnabend, 17. Oktober 1896.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie dir Amoncrn-Bureaux von Haasenstrin u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, 6. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXXI. Jahrg.

Der Rücktritt des Kolonialamts- Direktors Dr. Kayser.

* Der Direktor der Kolonial - Abtheilung des Auswärtigen Amtes, Geh. Legationsrath Dr. Kayser, hat sein Abschiedsgesuch etngereicht. Dasselbe ist bereits genehmigt und Dr. Kayser zum Senatspräsidenten beim Reichsgericht ernannt worden.

Die Gründe, die Direktor Kayser, der seit 1890 an der Spitze der Kolonialabtheilung stand, zu seinem Rücktritt veranlaßt haben, sind nicht als eine Kon­zession der Regierung an die zahlreichen Gegnerschaften anzusehen, die der Leiter der deutschen Kolonialpolitik sich während der Zeit seiner Amtsführung in kolonial­politischen Kreisen zu erwerb, n verstanden hat und die oft auf persönliches Gebiet hinüberspielten. Es find im Gegenthetl von einflußreicher Seite Versuche gemacht worden, Dr. Kayser zu bewegen, daß er von der Einreichung seines Abschiedsgesuches einst­weilen Abstand nehme. Dr. Kayser bestand aber darauf unter Hinweis auf seine infolge der Arbeit und der damit verbundenen Aufregungen geschwächte Gesundheit. Letztere ist in den Kämpfen der letzten Reichstagssession tatsächlich stark erschüttert worden, und doch waren diese Kämpfe nur unbedeutende Ge­fechte im Vergleich zu den Stürmen, die Dr. Kayser in der nahe bevorstehenden neuen Reichstagskampagne zu bestehen gehabt hätte. Es giebt ruhigere Posten im Reichsdienst, für die sich die zweifellos vielseitige Begabung deS Herrn Dr. Kayser besser eignet, als die verantwortliche Stellung des Direftors der Kolonial-Abtbeilung, und wir glauben gern, daß ein solcher Posten in seiner Ernennung zum Senats­präsidenten gefunden ist.

Dr. Kayser ist, wie dasBert. Tgbl." erwähnt, Mseiner bescheidenen israelitischen Familie" hervor­gegangen. Er wurde im Jahre 1845 in Oels ge­boren, studirte Rechtswissenschaft und wurde 1875 Stadlrichter in Berlin. Fürst Bismarck, dessen Söhne von Dr. Kayser zum juristischen Examen vorbereitet wurden, war damals mit ihm bekannt geworden und veranlaßte ihn, die Regierungslaufbahn einzuschlagen. 1880 wurde Dr. Kayser Regierungsrath im Reichs­justizamt. Aus diesem wurde er 1895 in das Reichsversicherungsamt und von da in das Ministerium des Auswärtigen versetzt, wo er in der Kolonial- Abtheilung Verwendung fand. Nach dem Rücktritt des Fürsten Bismarck zum Direktor dieser dem Reichs­kanzler direkt unterstellten Abtheilung ernannt, lernte Di. Kayser gar bald die Schwierigkeiten kennen, mit denen sein Amt ganz naturgemäß verbunden war

Schwerer als den Verlust zu ertragen, wird es sein, den richtigen Mann für die Leitung unserer Kolonialpolitik zu finden, wenn man wirklich von dem

Manne absehen will, den weite Kreise für den Be­rufensten halten: von Gouverneur Wißmann. Der Wunsch zahlreicher Freunde einer entschiedenen und doch besonner en Kolonialpolitik, gerade diesen an der Stelle des Herrn Dr. Kayser zu sehen, dürste jedoch kaum in Erfüllung gehen. Unter den in Betracht kommenden Persönlichkeiten wird Prinz Arenberg, sowie der Name Dr. Stübcl's, des gegen­wärtigen General-Konsuls in Shanghai, genannt.

* *

*

Gouverneur v. Wißmann sagte zu einem Interviewer, er habe hinsichtlich seiner Rückkehr nach Afrika noch keine Entschließungen getroffen. Die endgiltige Ent­scheidung hierüber hänge von verschiedenen Faktoren ab, und er sei zu dem Zwecke nach Berlin gekommen, um diese Angelegenheit jetzt zur Erledigung zu bringen. Der Rücktritt Dr. Kayser's werde seine, Wißmann's, Enffchließungen nicht beeinflussen. Ueber Geheimrath Dr. Kayser machte Wißmann folgende charakteristische Aeußerung:Er hat auch stets das Bestreben gehabt, Jedem entgegenzukomm-n, es Jedem recht zu machen, und Sie wissen, daß das nicht möglich ist, daß man das nicht durchführen kann."

Deutsches Reich.

* Berlin, 15. Oktober. (Tagesbericht.) Die Kaiserlichen Majestäten machten heute früh einen gemeinsamen Spazierritt in die Umgebung Potsdams. Später hörte der Kaiser im Neuen Palais den Vortrag des Kriegsministers v. Goßler und arbeitete mit dem Chef des Civilkabinets. Prinz Heinrich von Preußen, welcher gestern beim Kaiserpaar weilte, ist heute in Kiel wieder eingetroffen. Der Kronprinz und Prinz Eitel Fritz werden fich am 21. d. M. von Plön nach Potsdam begeben, um an der Geburts­tagsfeier der Kaiserin theilzunehmen. Der Geheime Legationsrath Constantin Rößler, der bekannte ftühere Leiter der offiziösen Presse in Preußen, ist hier, 75 Jahre alt, gestorben. In Görlitz starb Gencrallieutenant z. D. Unger. Der neue PanzerAegir" ist heute in Kiel unter Kommando des Korvettenkapitäns Wallmann zu Probefahrten in Dienst gestellt worden.

* (Grumbckow-Pascha.) Eine hohe politische Bedeutung mißt diePost" der Audienz des türkischen Spezialgesandien Generals v Grumbckow-Pascha beim Kaiser bei. Entziehe sich auch der Inhalt des Schreibens, das Grumbckow in Gegenwart des türkischen Botschafters Sr. Majestät überreichte, der Kenntniß weiterer Kreise, so dürfe doch die ungewöhnlich lange Dauer der Audienz (drei Viertelstunden) als ein Beweis dafür angesehen

(Nachdruck verboten)

Waisenkind.

Von Mary Widder».

(Fortsetzung.)

Da die Lehrersftau in der Residenz Ver­bindungen hatte," fuhr Hidegard fort,so verschaffte sie mir Arbeit in Hülle und Fülle ich malte hauptsächlich Fächer und stand mich gut dabei, so daß uns wirklich Noth fern blieb, selbst als die Mutter krank lag, freilich wurde ich auch im Streben, sie zu pflegen, von edlen Menschen unterstützt die Lehrersfrau zum Beispiel verband sich mit mehreren anderen Damen, in deren Häusern die Mutter thätig gewesen, um den Miethspreis für unser kleines Logis zu entrichten, damit mir doch wenigstens diese Sorge von der Schulter genommen wurde und ich"

Die Obristin unterbrach sie, ihre Augen funkelten, als sie lebhaft sagte, wie wenn sie die letzten Worte ihrer Nichte gar nicht gehört hätte:Also Fächer hast Du gemalt? Das ist ja eine ganz reizende Beschäftigung! Ich glaube, daß Dn sie hier ver­missen wstst, Kind," fuhr sie lauernd fort,und sobald ich es mir überlege, ist es eigentlich grausam, wenn ich Dir verbiete, auch fernerhin zu malen."

Ta Hlldegard nicht gleich antwortete, während doch ihre erstaunten Augen stagend auf dem Gesicht der Tante hafteten, fuhr sie fort, ein wenig zögernd wohl, aber doch ohne, daß ihre rasselnde Stimme debte:Wie wäre es, Kind, wenn Du auch hier der Kunst lebtest, die Dir gewiß recht an's Herz gewachsen und Deine höchste Freude ist? Uebrigens

nähme Dir Deine Beschäfttgung auch das immerhin demüthigende Gefühl, so ganz von mir abhängig zu sein."

Hildegard hatte sie verstanden, aber überraschend war ihr die Erlaubniß. Doch daß die Obristin von Hilgenstein selbst ihre Nichte auffordern würde, für Geld zu arbeiten, hatte sie ganz gewiß nicht erwartet, d-sto ersteuender kam ihr aber das Anerbieten,' wenn sie auch nicht begriff, wie der ausgeprägte Famlienstolz dieser Frau etwas Derartiges zulassen konnte.

Genug aber, sie war erfreut und dies ihr Empfinden stand so deutlich auf dem Gesicht des jungen Mädchens geschrieben, daß die Tante gar nickt erst eines mündlichen Bescheids bedurft hätte, um zu wissen, der Vorschlag würde mit Freuden accepttrt, dennoch aber müsse sie ihn abwarten. Einige Minuten zögerte Hildegard, w-ßhalb wußte sie eigentlich selbst nicht, und doch war es da instinkttve Gefühl, die Tante ein wenig zu strafen für ihren Geiz und das grau'ame Benehmen Harald gegenüber, dann aber sagte sie lächelnd:

Ich bin Dir dankbar, Tante, und werde gleich morgen mit der Arbeit beginnen, ich habe nämlich noch zwei Dutzend unfertiger Fächer in meinem Koffer liegen, die ich von hier aus nach der Residenz schicken wollte; wie unangeuebm es mir auch war, ein gegebenes Wort zu brechen. Deine freundliche Erlaubniß nun überhebt mich dessen! Ja, Tante," und sie faßte über den Tisch weg nach der Hand der älteren Dame, ohne sie zum Aerger derselb n jedoch an die Lippen zu ziehen,ja Tante, Tu

werden, welches lebhafte Interesse auch der Monarch der türkischen Frage und der Entwickelung der Dinge am Goldenen Hoin eutgegenbringt. Daß der Kaiser seine schon mehrfach zum Ausdruck gebrachte wohl­wollende Haltung dem «Sultan gegenüber nach wie vor bewahrt, dürfte daraus erhellen, daß er den außerordentlichen Gesandten des SultMs ersucht hat, sich vor seiner Mckkehr nach Konstantinopel nochmals bei ihm zu melden.

* (I n f o r m a t i o n S r e i s e n.) Um den Ge­schäftsgang bei den deutschen Gerichten kennen zu lernen, hat der österreichische Minister eine Studien­reise angetreten. Er traf soeben in Nürnberg ein. Um das deutsche Gefängnißwesen kennen zu lernen, besichtigt gegenwärtig der japanische Ge- fängnißdirettor Ogawa sämmtliche größere Straf­anstalten des Reichs.

* (Kein Zoll auf Quebrachoholz.) Der Bundesrath hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, der Resolutton des Reichstags wegen Einführung eines wirksamen Schutzzolles auf Ouetbrachoholz keine Folge zu geben.

* (Geschenk für Bismarck.) Der Sultan Abdul Hamid II. hat bekanntlich große Hochachtung vor dem Fürsten Bismarck, er wird demselben durch einen besonderen Kurier zwei kunstvolle Vasen von unschätzbarem Werthe zum Geschenke machen. Der Kurier wird dem Fürsten gleichzeitig ein Handschreiben des Sultans überreichen.

* (Lehrerbesoldungsgesetz.) Bezüglich des Lehrerbesoldnngsgesetzes sind die Verhandlungen zwischen dem Kultusministerium und dem Finanzministerium schon soweit zum Abschluß gebracht, daß der Entwurf bereits in diesen Tagen vollständig fertig gestellt werden konnte, nachdem bei den Ministerien über die einzelnen besonders in Betracht kommenden Punkte eine Verständigung erzielt worden war Die bis dahin noch vorhandenen Differenzen sind aus­geglichen, sodaß der Entwurf alsbald an das Staats- Ministerium gehen und dort zur Verhandlung kommen kann, was aller Wahrscheinlichkeit nach schon in der nächsten Woche geschehen dürste. Auf besondere Schwierigkeiten wird er dort voraussichtlich nicht stoßen, so daß seine Annahme an dieser Stelle nicht zweifel­haft erscheint. Im Großen und Ganzen schließt sich der neue Entwurf an den vorjährigen an, nur den Wünschen und Interessen der großen Städte kommt er mehr entgegen. Es soll den letzteren annähernd das belassen werden, was ihnen bisher an Dotatton gesetzlich zustand, so daß man sich der HofftiMg hin- giebt, die Städte werden sich damit zufrieden erklären und ihren früheren Widerstand aufgeben. Einige Verbesserungen enthält der Entwurf auch zu Gunsten dcr Lehrer, beispielsweise in Bezug auf die Anweisung

machst mich wirklich glücklich mit diesem Entgegen­kommen."

Die Obristin fühlte fich im höchsten Grade be­friedigt durch das Benehmen der Nichte und wurde um Vieles freundlicher, nun sie die Ueberzeugung haben durste, keine unnöthige Brotesserin im Hause zu haben ein Gedanke, der ihr schwer auf der Seele gelegen, seit der Stunde, in welcher sie Hildegard die Erlaubniß gegeben, ihr Haus sich zur neuen Heimath zu machen an Stelle der verlorenen. Und einen ganzen Tag hatte sie damtt zugebracht, auf Heller und Pfennig zu berechnen, welche Mehr­ausgaben der Wirihschaftskasse darch den (Eintritt Hildegards in den Haushalt abgezwungen würden. Zu ihrem Schrecken fand sie diese aber durchaus nicht unbedeutend.

Sie rechnete und rechnete immer wieder, bis sie zu dem Resultat kam, durchaus keinMehr" zu gestatten, sondern Johann anzuweisin, nur die Ouamität der Speisen zu vergrößern, die Qualität aber so weit zu verschlechtern, daß der Wirthschasts- kasse keinerlei Schaden entstehen konnte.

Nimm zum Mehlbrei ein paar Tassenköpfe Wasser mehr das Mehl und die Butler aber lasse die gleiche Poitton sein, wie früher." Und a!s der Alte schüchtern einzuwenden wagte:Frau Ooristtn erlauben, aber die Suppe ist ja jetzt schon so dünn und ohne Nährkraft," sah sie ihn nur zornig an aus den tiefliegenden schwarzen Augen, der Alte kannte diesen Blick und schwieg.

Am Abend aber, als er in Haralds Stübchen saß, er konnte es in der Küche nicht aushalten vor

der Feuerung, die in dem letzten Entwurf so vor­gesehen war, daß ein Theil der Lehrer dabei empfind­lich betroffen werden mußte. In Betteff des Gmnd- gehalts scheint der Satz von 900 Mark fest gehalten zu sein. Die Vorlegung des Entwurfs wird übrigens sofort beim Zusammentritt des Landtages erfolgen, so daß bei Annahme des Gesetzes, auf die man zu­versichtlich rechnet, die Lehrer die ihnen zugedachten Gehaltserhöhungen zu dem im vorigen Entwürfe in Aussicht genommenen Termin (1. April 1897) noch erhalten würden, wie es der Kultusminister seiner Zeit ausdrücklich versprochen hatte.

* (Sozialdemokrat scher Parteitag.) In der geftrigen Sitzung des sozialdemokratischen Parteitages in Gotha wurde beschlossen, den 1. Mai 1897 wie bisher zu feiern. Abg. Bebel berichtete hierauf über den int.mattonalen Arbeiterkongreß in London und theilte mit, es fei gelungen, Vorkehrungen zu treffen, daß der nächste im Jahre 1899 statt­findende internationale Kongreß ungestört in Deutsch­land werde tagen können. Von diesem würden die Anarchisten, deren Bewegung überall immer mehr zurückgehe, von vornherein ausgeschlossen fein. End­lich wurde noch einem Anträge Auer zugestimmt, nach welchem die politische Leitung der Partei der sozialdemokratischen Reichstagsfraktton, die geschäftliche einem geschäftsführenden Ausschuß in Hamburg über­tragen wird.

* (Französisches Staatsceremoniell.) lieber alle die Schnitzer, welche von dem Vorgesetzten des Staatseeremoniells während des Zarenbesuchs begangen worden sein sollen, erzählt man sich nach­träglich die heitersten Geschichten, in denen die sach­kundigen Monarchisten und die solch eitlen Tand ver­achtenden Radikalen wetteifern. So auch die folgende: Als die zuständigen Elikettenmeister in der Tribüne, welche zu Chälons für den Kaiser non Rußland er­richtet worden war, vier ganz gleiche Tbronsessel in Roth und Go!d neben einander sahen, waren sie außer sich vor Entsetzen. Für wen diese vier Stühle? Natürlich für den Kaiser, die Kaise in, den Präsidenten der Republik und Frau Felix Faurc. Das war ja unnhört! Schnell wurden zwei der Lehnstühle in Roth und Gold bei Seite geschafft und durch einen Lehnstuhl mit weißseidewm Polster für die Kaiserin und einen ganz gewöhnlichen Stuhl für die Präsi­dentin ersetzt. Das hätte vielleicht noch einen Sinn gehabt, wenn nicht eine Menge Leute zugegen ge­wesen wären, die darüber Witze rissen und die Chinoi- serie gar zu drollig sanden.

* Oldenburg, 15. Oft. (Zur Hochzeits­feier des Erbgroßherzogs) am 24. Oktober werden u. A. in Schwerin erwartet: Großherzog Peter und seine Enkelin Herzogin Sophie Charlotte

Kälte, die Scheiben in den Fenstern waren zerschlagen und die Obristin ließ grundsätzlich nichts renoviren, sagte er ttefbekümmert:Mein Gott, Junker, die Großmama werden auch mit jedem Tag genauer! Ach, das arme Fräulein, meiner lieben Baroneß Ottilie junges Töchterlein, wird schön die Augen aufmachen, wenn sie mit elender Wassersuppe regalirt wird, anstatt einer kräftigen Fleischspeise."

Nun, zu verschlechtem brauchten sich die Gerichte, die die Obristin auf ihren Speisezettel gesetzt, jetzt doch nicht mehr, da Hildegard, statt der gefürchteten Last, mehr eine Stütze zu werden versprach, denn daß das junge Mädchen ihrm Theil mit zur Wirth- schaft beisteuerte, fand die alte Dame nur selbstver­ständlich und dachte schon ganz ernsthaft darüber nach, wie viel wohl daS Fächermalen einbringen würde, wenn Hildegard sich des Frühanfftchens be­fleißigte, und dann überlegte sie doch wieder, ob sich's auch überhaupt lohnen würde, daß sie früh aufstand, da die Tage jetzt so kurz und sie ohne Frage, wenn sie arbeiten wollte, am Morgen Licht rennen mußte freilich, wenn man Petroleum­lampen besäße das Petroleum war ja so billig a! er nein, angeschafft wurde nichts, gar nichts; so eine Lampe kostete doch zum Mindesten einen Thaler und für einen Thaler konnte man schon dreißig Lichter kaufen und

Siebe Tante, möchtest Du mir nicht jetzt ge­statten, zu Harald zu gehen, mir bangt so um den armen Knaben "

(Fo tietzung folgt.)