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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnb Kirchham. Allustrirtes Sonntagsblatt. SnontoorO ;y0 Marburg 6 “ 6f 9
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Erscheint täglich außer au Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk, bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfa. (erkl. Bestellgeld) JusertionSgrbühr für di, gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für di» Zeile 25Pfg.
Marburg,
Sonntag, 13. September 1896.
Anzeigen nimmt entgegen di« Expedition dieses Blatter, sowie die Anuoncen-Burraux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moff« in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, 6. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXXI. Jahrg.
Die Widersprüche in der sozialdemokratischen Partei.
* Es ist eine der Hauptaufgaben der sozialdemokratischen Parteileiter, die Widersprüche, die sich innerhalb der Sozialdemokratie immer wieder in der Oeffentlichkeit bemerkbar machen, zu verkleistern. Die Sozialdemokratte steckt ja überhaupt voller Widersprüche und wenn sie einmal zur politischen Herrschaft gelangte, würden die Katzbalgerei.n gar kein Ende nehmen. Wird die Erwartung der Sanguiniker, daß die sozialdemokratische Partei infolge d.r in ihren Reihen herrschenden Differenzen in Kürze aus dem Leime gehen werde, immer wieder getäuscht, so liegt das eben daran, daß der trotz aller Widersprüche den zielbewußten „Genossen" gemeinsame Haß gegen die Besitzenden die Auseinanderstrebenden immer wieder unter die rothe Fahne zurückführt. Auch gegenwärttg haben die sozialdemottattschen Führer wieter alle Hände voll zu thun, um Differenzen, die viel schlimmer anssehen, als sie sind, zu schlichten. „Genosse" Auer chul dies in einer Berliner Versammlung, indem er sich gegen den „Vorwärts" — der darum über die betteffende Rede nur auffällig kurz berichtet — wandte und die opttmistische Auffassung des Parteiorgans hinsichtlich der englischen Arbeiterbewegung verurtheilte. Herr Auer hat in dieser Beziehung recht; die Engländer wollen im Großen und Ganzen 'von der internationalen Sozialdemokratie als ausgesprochene nationale Egoisten nichts wissen. Wurde doch auf dem Edinburger Gewerkvereinskongresse am Mittwoch der Londoner Kongreß als eine „Posse" gezeichnet! Beklagte aber Auer die sinkende Opferwilligkeit der Parteigenossen, so ist das nichts Neues; die Sozialdemokratie kann sich ja schon längst nur durch ihre „kapitalistischen" Unternehmungen und durch Beittäge von Kapitalisten erhalten.
s Auch „Genosse" Liebknecht ist in der Gewerkschafts- ftage mit Verkleisterungsversuch n beschäftigt, dabei erklärt er unumwunden, wenn er nicht auf dem Frankfurter Parteitage 1894 die Agrarfrage als offene Frage behandelt hätte, so wäre die Sozialdemokratie wahrscheinlich gesprengt worden. Die Agrarfrage ist für die Sozialdemokratie auch heute noch eine „offene", daneben aber giebt's noch eine ganze Reihe anderer offener Fragen, um welche die P.rtei- leitung vorsichtig wie um einen heißen Brei herumgeht; die ganze Znkunftsstaatsfrage ist beispielsweise solcher Art. Indessen die gut „geschulte" und durch allerlei Zwangsmittel zusammengehaltene Sozial-
(Nachdruck verboten.)
Martha und Maria.
Roman von Arthur Zapp.
(Fottsetzung.)
Des Abends, als man nach dem Abendbrot im Wohnzimmer plaudernd beisammensaß, brachte Martha vorsichtig, evaschlau, auf einem weiten Umwege, sodaß es selbst Marie nicht auffiel, das Gespräch auf die Bataillonskasse, mit der ihr Geist sich unablässig beschäftigte. Ein Bedenken war ihr noch nachttäglich gekommen.
„Was ist denn das für eine Kasse, Robert?" fragte sie, „woher stammt sie und wozu wird sie verwendet?"
Robert freute sich, daß Martha einmal für dienstliche Angelegenheiten Interesse zeigte, das weüab lag von den sie fast ansschließlich beschäftigenden Dingen, llnd er beeilte sich, zu antworttn: „Das ist ein Fonds für außergewöhnliche Ausgaben, der zur Disposition des Bataillons-Kommandeurs steht, und der aus den Ersparnissen im Bekleidungsfonds, aus den Ueberschüssen der Kantinenwtrthschast und noch anders woher nach und nach sich angesammelt hat. Er wird zur Aufbesserung der Mannschafts-Menage, zu Unteroffiziersprämi.n und zur Weihnachtsbescheerung für die Kompagnien verwendet."
„Und darüber wttd ordentlich Buch geführt?"
„Selbstverständlich."
Sie lachte und sah ihn mit einer Schelmen- Miene an.
„Weißt Du, es kommt mir zu komisch vor, Dich m'r als Rechnungsführer und Buchhalter zu denken. Verstehst Du denn was vom Buchführen?"
Ihre frohe Laune steckte auch ihn an.
demottatie verttägt solche Zustände; darum gelingt es noch immer der Parteileitung, die Differenzen in Güte oder mit Gewalt beizulegen.
Emen famosen Trick leistete sich übrigens kürzlich der „Vorwärts", indem er die Ausweisung Bevel's und Bueb's aus Frankreich benutzt, um die deuffche Sozialdemottatte als „internationalen Friedens stifter" hinzustellen. Das Centralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands schreibt nämlich:
Fürst Hohenlohe hätte allen Grund, dem Ministerium Meline seinen Dank abzustatten für die H lfe, die es seiner Politik geleistet. Das Ministerium Meline liefert aber auch damit wieder einm l den Beweis, daß die Bourgeoisie überall cieselde ist, kurzstch ig, intolerant und feige. Im Eifer, dem russischen Zaren Frankreich als ein Musterland nach seinem Herzen zu präsentiren hauen in hündischem Serviliimus Herr Meline und Konsorten auf Alles los, was nur im geringsten diesen guten Ruf gesährden könnte.
Aber diese Ausweisung«cffaire hat der Welt auch die Achillesferse des Ministeriums Meline und der französischen Bourgeoisie enthüllt Als das beste Mittel, den französischen Revanchepolitikern das Gelüst nach Wiedererlangung Elsaß- Lothringens gründlich zu verleiden, erweist sich der Gedanke, seine Bevölkerung — sozialdemokratisch zu machen. Bor einem sozialdemokratischen Elsaß-Lothringen besteht bei den herrschenden Klassen jenseits der Vogesen ein gewaltiger Horror. Di« Lust, Elsaß-Lothrtngen wieder zu erlangen, verschwindet bei hnen mit ehern Schlage, sobald si« ent- dcck n, daß die Mehrheit seiner Bevölkerung sozialistisch ist Eir, sozialistisches Elsaß Lothringen fürchien und hassen sie wie der Teufel das Credo.
So erweist sich auch auf diesem Gebie e die deutsche Sozialdemokratie als internationaler Friedensiiifter. Werden Fürst Hohenlohe und Andere das begreifen? -
Das ist wirklich recht spaßig. Aber wir haben nun wohl von sozialdemokratischer Seite im Reichstage den Anttag zu erwarten, daß das Reichsland den Liebknecht, Bebel, Singer und Genossen im Interesse des Weltfriedens ausgeliefert wird, damit sie es sozialdemottatisiren und so zugleich Gelegenheit finden, ihren Zukunftsstaat einmal in die Praxis umzusetzen.
Deutsches Reich.
* Berlin, 11. Septbr. (Tagesbericht.) Se. Maj. der Kaiser wird sich morgen Vormittag zu dem Grafen zu Solms in Klitschdorf auf die Pürsche begeben. — Ihre Maj. die Kaiserin tiaf heute ftüh 10 Uhr 30 Min. mittelst Sonderzuges auf der Wildparkstation ein und wurde vom Prinzen Adalbett am Bahnhofe empfangen. Nach herzlicher Begrüßung fuhr die Kaiserin nach dem Neuen Palais. — Das preußische Staatsministerium hielt
„Oho. Du unterschätzest mich," gab er launig zurück. „Das Rechnen ist immer meine starke Seite gewesen und das Vcrhältniß von Kredit und D-bet ist mir vom Elternhause her geläufig. Uebrigens werde ich kaum in die Lage kommen, meine Fertigkeit in dieser Beziehung praktisch zu erproben."
„Wieso?"
Sie beugte sich über das Buch, das noch aufgeschlagen vor ihr auf dem Tisch lag, in dem sie vorher geblättert, um nicht die Rölhe der Spannung, die sie trotz aller ihrer Verschlagenheit nicht unterdrücken tonnt', sehen zu lassen.
„Der Beitrag zur Menage ist für das laufende Vierteljahr bereits gezahlt und die nächste Prämien- vertheilung findet erst Anfang April statt Bis dahin aber habe ich ja die Kasse längst wieder ab- geliefert."
Sie frohlockte im Stillen. Alles ging nach Wunsch. Er würde in den ganzen drei oder vier Wochen seiner Kaffenverwaltung das Geld nicht einmal ansehen.
Sie konnte kaum die Schlafenszeit erwarten. Eine fiebernde Ungeduld kam über sie. Nun hatte sie keine Ruhe mehr, bis cs vollbracht.
Als Robert sich niedergelegt, bewachte sie mit gespannter Aufmerksamkest seine Athemzüge. Ihre Geduld wurde auf keine harte Probe gestellt, denn kaum hatte er den Kopf auf daS Kiffen gelegt, so verrieth auch sein ruhiges und langsam werdendes Athmen, daß er im Einschlummern begriffen. Dennoch hielt sie sich mit Aufoittung aller ihrer Selbstbeherrschung noch eine volle Stunde zurück, während wahnsinnige Aufregung ihren, sich unruhig auf den erhitzenden Federn hin und her wälzenden Kö.per durchglühte und ihre Pulse wie im Fieber pochten.
unter dem Vorsitze des Fürsten zu Hohenlohe eine mehrstündige Sitzung ab. — Ceremonienmeister v. Kotze, der sich zur Zeit auf der Festung in Glatz befindet, soll in persönlicher Angelegenheit (Konsultation eines Arztes) auf einige Tage beurlaubt worden sein und diesen Urlaub theils bei seiner in Landeck sich aufhaltenden Gattin, theils in Breslau zugebracht haben. — Die feierliche Grundsteinlegung der Dankeskirche in Holtenau, welche auf der Wunsch des Kaisers zur Erinnerung an die glückliche Vollendung des Nordostseekanals errichtet wird, soll am 13. September stattfinden.
* (Kaisermanöver.) Von den Kaisermanöv.rn wird berichtet, daß der Kaiser am Freitag die Ostarmee führte. Er begann den Angriff mit kolossalen Artillericmassen. Die Sachsen oder wenigstens ihr 12. Korps wurden geschlagen, auch das 18. Korps ging zurück. Dies stellt einen glänzenden Erfolg der Ostaimee dar.
* (Regimentschef Friedrich vonBaden.) Die Verleihung eines bayerischen Infanterie- re g i m e n t s an den Großherzog von Baden hat, so schreibt die „Nat.-Ztg.", eine kleine Vorgeschichte. Seit dem Uebergange von Heidelberg und Mannheim in badischen Besitz war das Verhältniß zwischen München und Karlsruhe niemals besonders freundschaftlich gewesen; man kennt die Wiedererwerbungsversuche des Königs Ludwig I. Noch im Jahre 1866 sollen diese Wünsche eine gewisse Rolle gespielt haben. Infolge davon hatte noch ein bayerischer Truppenkörpcr den Namen eines badischen Inhabers getragen, und mit Stolz wies in einem dem Groß- Herzog Friedrich gewidmeten gehässigen Arttkel Dr. Sigl auf diese Thatsache hin. An demselben Tage aber brachte das bayerische Militär-Verordnungsblatt die Ernennung des Großherzogs von Baden zum Inhaber des in Metz stehenden 8. bayerischen Infanterieregiments.
* (Der deutsche Anwaltstag), welcher von über 3000 Mitgliedern besucht ist, hat im Sitzungssaale des Reichstagsgebäudes zu Berlin seine Jahres Versammlung eröffnet. Nach den üblichen Begrüßungsreden ergriff der Justtzminister Schönstedt das Wort, um mit Genugthuung zu bestätigen, daß der deutsche Anwaltsstand nach besten Kräften dazu beigetragen habe, das Werk des bürgerlichen Gesetzbuchs zum gedeihlichen Ende zu führen. Doch harrten noch andere große Aufgaben der Lösung, und er hoffe, daß auch zu dieser der deutsche Anwaltsstand bereit sein werde, selbst wenn es auch
Endlich ekhob sic sich leise, mit äußerster Vorsicht. Langsam, nach jedem dritten oder vierten Schritte stehen bleibend und lauschend, tappte sie sich nach Roberts Kleidern, — und nun war es geschehen, nun hielt sie den Schlüssel in ihren Händen und es wurde ihr schwer, einen Triumphlaut zu unterdrücken. Leise klinkte sie die Thür auf und schlich auf den Zehnspitzen hinaus. Durch das Wohnzimmer gelangte sie, obgleich sie ohne Licht im Dunkleu schritt, mit tastend vorgestteckken Händen, ohne das geringste Geräusch zu verursachen. Nur die Thür zu Roberts Arbeitszimmer gab, als sie sie öffnete, einen knarrenden Ton von sich, der in der Stille der Nacht erschreckend laut erschien. Als sie dir Schwelle überschritten, blieb sie stehen. Einen Augenblick lang gönnte sie sich eine kurze Pause zum Athemholen. Dann entzündete sie das Licht, das in dem Leuchter des Rauchtisches steckte. Und nun, mit dem brennenden Licht in der Hand, mit ein paar eiligen Schritten hin zum Schreibtisch. Kein Bedenken, keine Scrubel hemmten sie mehr. Nur die Gier nach dem (Selbe und Furcht, überrascht zu werden, lebten in ihr und trieben sie an, mit fliegender Eile das Schubfach aufzuschließen und mit zuckenden Fingern dem schnell geftlndencn Päckchen zwei blaue Scheine zu entnehmen.
Dann hastig das übrige wieder in die Ledertasche zurückgeschoben und den Schlüssel herumgedreht. Und jetzt empor und den Rückweg angettettn. Als sie den halben Weg zur Thür durchmessen, war es ihr, als dringe von nebenan das Geräusch huschender Schritte herein. Mit rascher Geistesgegcnwatt blies sie das Licht aus, das sie noch brennend in ihrer Hand gehalten, und legte es auf den Tisch. Tann stand sie lauschend. Aber nichts — nichts, als das überlaute Klopfen ihres Herzens, jdas stoßweise Athmen ihrer ringenden Brust.
einmal gelte, dem Gesammtinteresse das Standes- intercsie zum Opfer zu bringen. Die preußische Justizverwaltung werde stets darauf bedacht fein, Rathschlägen zu folgen oder Notiz zu nehmen von den Wünschen der Anwälte, die prakttsche Erfahrung mit theorettschem Wissen verbänden. In einer zweiten Sitzung sprach Staatssettetär Nieberding dem Anwaltstande gleichfalls seinen Dank für dessen Eintreten zu Gunsten des Zustandekommens des bürgerlichen Gesetzbuchs aus. Eine Resolution des Anwaltstages äußert die hohe Genugthuung über das glückliche Gelingen dieses großen nationalen Werkes. — Anläßlich der Jahresversammlung, mit welcher der Anwaltstag die Feier seines 25jährigen Bestehens begeht, ist einer größeren Anzahl von Rechtsanwälten und Notaren aus den 13 preußischen Oberlandesgerichts-Bezirken der Titel Justiz-Rath verliehen worden.
* (Herzog Ernst von Altenburg.) Noch ein zweiter deutscher Bundesfürst begeht in diesem Monat seinen 70. Gebuttstag, Herzog Ernst von Altenburg, der am 16. September 1826 geboren ist. Von größeren Festlichkeiten sicht das Land auf Wunsch des Fürsten, der feit 43 Jahren zum größten Segen des Herzogtums die Regierung führt, seine Anhänglichkeit und Verehrung zu bekunden, ab. In weiteren Kreisen wiid man sich den Glückwünschen für Herzog Ernst, der stets eine deutsch - pattiotische Gesinnung bethätigt hat, gern anschließen.
* (L a n d w i r t h s ch a f t l i ch e s.) Der „Berl. Korrespondenz" zufolge stellte der Minister des Innern für die Ausbietung und Lieferung von Wirthschaftsbedürfnissen neue Bedingungen auf, in welchen ungeordnet wird, daß Kartoffeln, Hülsen- fiüchte, Magerkäse, Milch und Butter, fofern es ohne Schädigung fiskalischer Interessen geschehen kann, von den Produzenten bezogen werden können. Die Regierungs-Präsidenten sind ermächtigt worden, bei dem Bezüge von landwirthschaftlichen Erzeugnissen von den Produzenten geeigneten Falles einen freihändigen Ankauf anzuordnen. Ferner bestimmt der Minister, daß die Anstalten vier Wochen vor der öffentlichen Bekanntmachung von dem Termine der Ausbietung der Lieferungen, der Art und Menge der zu liefernden Gegenstände, den Ausbietungsbedingungen und den Lieferungsbedingungen den Landwitthschafts- kammern und den landwirthschaftlichen Centralvereinen der Provinz Mittheilung zu machen haben.
* (Das Neueste von Reuß ä. L.) Der Parttkularismus ist im Allgemeinen sicherlich eine
Aber als sie nun die Thür aufilinkte und die Schwelle des Wohnzimmers überschritt, blintte ihr matter Lichtschein entgegen und ein Angstruf entfuhr ihr, als sie mitten im Zimmer Marie sah, die nicht minder überrascht zu ihr hinüber starrte.
Der Schrecken der sich ertappt Glaubenden, die im ersten Augenblick nichts Anderes annahm, als daß die Cousine ihr nachgespürt habe und Alles wisse, war so groß, daß ihr die beiden Banknoten, die sie zusammengeknüllt in der zitternden Hand hielt, entfielen. Marie, die noch immer völlig ahnungslos war, bückte sich und hob das zu Boden Gefallene wieder auf. Erst als sie die werthvollen Scheine erkannte, kam ihr blitzschnell das Verständniß der Situation, erst da wurde ihr die Bedeutung der schuldbewußten Miene der wie erstarrt vor ihr Stehenden klar. Darum also das sonderbare Gespräch am Abend, dessen staunende Ohrenzeugin sie gewesen, darum jetzt diese nächtliche Begegnung.
Und mit dieser Erkenntaiß flammte auch der energische Entschluß in ihr empor, dem Verbrechen mit aller Kraft entgegenzutreten.
„Mattha, um Gottes willen, was thust Du?" Martha abcr hatte sich rasch von dem Schreck der Ueberraschuug erholt.
Es war ja nur Marie, die ihr gegenüber stand. Wüthender Zorn ergriff sie, und das Gefühl der Ueberlegenheu, der verächtlichen Geringschätzung, das sie von jeher der Cousine gegenüber besessen, kehrte ihr in vollem Maße zurück.
„Laß mich!" zischelte sic zornig, und mit raschem Griff hatte sie der Anderen die Banknoten wieder entrissen. „Was geht es Dich an! Wie kannst Du Dich erdreisten, mir nachzuschleichen! Spionin!"
(Fottsetzung folgt.)