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Wer es weiß, mit welch glühender Liebe der Sroßherzog an dem deutschen Vaterlande hing, ter kann ermessen, wie diese traurigen Ereignisse sein

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So ist er in jedem Zuge ein mustergiltiges Vorbild deutscherTreue und darum ist er schon durch seine Persönlichkeit geeignet, erziehlich auf das deutsche Volk und auf die deutsche Jugend zu wirken. Deßhalb ist es nicht nur eine Pflicht der Dankbar­keit gegen den Mann, der für Deutschlands Einheit gelitten und gekämpft hat, wie wenige Andere, sondern es ist auch von weitgehendem patriotischen Interesse, am heutigen Tage in Treue und Dankbarkeit des Großherzogs Friedrich von Baden zu gedenken.

Loos beschieden, so qualvolle Jahre verleben zu 1 müssen, wie sie der Prinz, spätere Regent und dann

Aber noch war er unterwegs, als er die Nachricht erhielt, daß der Kampf für die gute Sache durch einen kläglichen Waffenstillstand ein schmähliches Ende

Erhöhung des Ansangsgehalts scheint nur für die Richter vorgeschlagen zu werden, für die sie allerdings auch ganz besonders nothwendig ist. Ferner ver­lautet, daß das Gehalt der Regierungspräsidenten von 11400 auf 12 000 Mark unter Einführung einer Ortszulage erhöht werden soll, welche je nach dem Umfang des Regierungsbezirkes und der Größe der Haupfftadt desselben 1000, 2000 oder 3000 Mark betragen würde.

* (Die Branntweinsteuerbefreiungs­ordnung), welche gegenwärffg im Finanzministerium au-gearbeitet wird, besteht aus drei Abschnitten. Der erste enthält die Vorschriften für die steuerfreie Verwendung von denaturirtem Branntwein zu ge­werblichen, wissenschaftlichen, Heil-, Koch- oder Beleuchtungszwccken. Der zweite rnthält die Vor­schriften für die steuerfreie Verwendung von nicht denaturirtem Branntwein zu gewerblichen Heil- oder wissenschaftlichen Zwecken. Der dritte Abschnitt endlich enthält die Vorschriften für die steuerfreie Ausfuhr von Branntwein und Branni Weinfabrikation.

* (Nationalliberales.) Eine Vertrauens- männerversammlung der Nationalliberalen in Eisenach hat beschlossen, dem Delegirtentage eine Resolution zu unterbreiten, in der u. A. der Erwartung Aus­druck gegeben wird, daß die nattonallibcrale R-.ichslags- fraktion mit aller Entschiedenheit darauf hinwirken werde, daß ein auf liberaler Grundlage ruhendes Reichsvereins gesetz schleunigst zu Stande komme. Ferner wird der Wunsch und die Hoffnung ausge- sprcchen, daß die nationalliberale Partei den über­mäßigen Pensionirungen von Militär- Personen in Zukunft nach Möglichkeit entgegen­arbeite, da die Zahlung der hohen Pensionen eine schwere Last für die Steuerzahler bedeute.

* (S t r e i k f o l g e n.) Der Streik der Metall- schläger in Dresden tat einen eigenthüwlichen Ausgang genommen. Er ist von den Streikenden aufgehoben worden, weil im ganzen Dresdener Metallschläger­gewerbe, außer dem Jnnungsmeister, kein Arbeitgeber Aufträge hat und Gehilfen ferner überhaupt keine Aussicht auf Beschäftigung haben. Man schreibt diesen Mangel an Aufträgen dem Einfluß des Streiks zu und behauptet, das Dresdener Metall- schlägergewerbe werde sich von den Folgen desselben iberhaupt nicht wieder erholen. Der ? freit währte eit dem 1. April. Die Arbeiter verlangten einen Wochenlohn von durchschnittlich 16 Mark bei 91/, Stunden täglicher Arbeit. Der deutsche Metall- arkeiterverband hat für Streiks der Metallschläger n den letzten 4 Jahren 50 000 Mark ausgegeben.

Zum 70. Geburtstage des Großherzogs Friedrich von Baden.

***Stoßt an ein Hoch dem deutschen Reich", so beginnt ein kräftiger Vers Viktors von Scheffel, des badischen Landeskindes. Seinem Landcsherrtft dem Großherzog Friedrich von Baden, war es ver­gönnt, tas erste Hoch auf dieses neue deutsche Reich an jenem denkwürdigen 18. Januar 1871 im

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Großherzog von Baden in den 22 langen Jahren von 18481870 durchlebt hat. Der Hoffnung auf die baldige Erreichung der deutschen Einigung

Deutsches Reich.

* Berlin, 7. Septbr. (Tagesbericht.) Zum morgigen Empfang der russischen Majestäten in Kiel wird auch der Kronprinz anwesend sein. Fürst Bismarck machte Sonntag Nach­mittag eine Spazierfahrt, auf der er von 120 Lübecker Turnern begrüßt wurde. Der Fürst sah wohl aus, sein Befinden ist gut. Der Reichskanzler Für st Hohenlohe und Staatssekretär v. Marschall sind von Breslau, Finanzminister Miquel aus Wiesbaden hierher zurückgekehrt. Die Zahl der Fürstlichkeiten, welche ä la suite unserer Marine geführt werden, beträgt jetzt sieben: König Oskar von Schweden, Erzherzog KarlS tephan von Oester­reich, Herzog Alfted von Koburg, die Prinzen Ludwig und Thomas von Italien, Großfürst Alexis von Ruß­land und Kaiser Nikolaus II. Auch Zar Alexander III. wmde ä la suite der deutschen Marine geführt. Der antisemitische Reichstagsabgeordnete P a st o r Jskraut hat in der hiesigen Sophienkftche eine Antrittspredigt gehalten und darin erklärt, daß er gekommen sei, um Berlin, das im Schlafe liege, aufzuwecken. Unter zahlreicher Betheiligung fand gestern ein außerordentlicher Verbandstag des Alldeutschen Verbandes in Berlin statt, auf dem auch das deutsche Ausland vertreten war. Es wurden Telegramme an den Kaiser sowie an den Fürsten Bismarck als Ehrenmitglied des Verbandes abgesanist. Zur Unterstützung der Hinterbliebenen der verunglückten Besatzung desIltis" hat die Kaiserin von Japan 1000 Jen gespendet.

* (Zur Gehältsaufbesserungsfrage.) Ueber die geplanten Gehaltsaufbesserungen für die höheren Beamten hört dieRat.:Zig." ferner, daß das berechtigte Verlangen nach einer Steigerung des Anfangsgehalts der Richter erfüllt weiden soll: die Erhöhung der jetzigen Besoldungen der Richter erster Instanz (Amts- und Landrichter) von 24006000 Mark soll auf 3000 bis 6600 Mk. erfolgen. Eine

Truppen nicht mit den badischen Truppen vereint für eine deutsche Sache kämpften, sondern gegen sie ampfen mußten, weil sie die Fahne der Rebellion rgriffen hatten. Es kam das Jahr 1850 und mit ihm die Demüthigung Preußens in Olmütz. Es kamen die Jahre der Reaktion und die Jahre jenes unglücklichen Verfassungskonfliktes in Preußen, der dieses Land, auf das Großherzog Friedrich unwandel­bar seine Hoffnung für Deutschlands Zukunft setzte,

Herz zerfleischten. Aber mit unwandelbarer deutscher Treue hielt er an seinen Hoffnungen fest und that Alles, was in seinen Klüften stand, um sie der Ver­wirklichung enigeg nzuführer. Und mit deutscher Treue war er der Erste, der das Schwert zog, als es galt, den Entscheidungskampf für die deutsche Einheit zu führen. Keinen Augenblick schwankte er, wiewohl sein Land der Rache des Feindes am Meisten ausgesetzt war.

Hal er mit deutscher Treue an der Begründung des Reiches milgewirkt, so hat er sich später auch dem Ausbau des Reiches gewidmet. Wann immer sich Schwierigkeiten für d.s Reich ergaben wir erinnern nur an die Zeit der Regierung Kaiser Friedrichs da war er bereit, zu rathen, zu helfen, zu versöhnen. Und ebenso wie Fürst Bismarck bei seinem 80. Geburtstage die studirende Jugend Deutsch­lands mahnend beschwor: ^Halten Sie fest am Reiche", so läßt Großherzog Friedrich keine Gelegen­heit vorübergehen, ohne mit rew glichen Worten zu mahnen, an dem geeinten Vaterlands fest zu halten. Der große Mann im Sachsenwalde und der weise und gütige Fürst des Schwarzwaldlandes, sie haben ja beide gleichermaßen unter dem Jammer der früheren Verhältnisse gelitten, sie haben ja beide in gleicher Weise und in gemeinsamer Arbeit erfahren, welche Mühe es gekostet hat, das deutsche Reich wiederherzustellen. Und darum sind sie beide dazu berufen, getreue Eckarte des deutschen Volkes zu sein. Und sie sind es beide. Wie dem großen deutschen Laterlande, so hat Großherzog Friedrich auch seinem engeren badischen Vaterlande die Treue gewahrt. Ich wüßte nicht, daß. ein feindlicher Gegensatz vor­handen wäre zwischen den Rechten des Fürsten und den Rechten des Volkes", so äußerte er sich kurz nach seinem Regierungsantritte dem badischen Land­tage gegenüber. Dieser Auffassung gemäß ist er stets verfahren. Er hielt streng an seinen ver­fassungsmäßigen Pflichten fest und war stets be­müht, nicht nur zwischen sich und seinem Volke keinen Gegensatz aufkommen zu lassen, sondern auch die Gegensätze, die zwischen den Parteien und Kon­fessionen des Landes bestanden, auszugleichen oder wenigstens zu mildern. Er selbst verstand und ver­steht es, sich über den Parteien zu halten und er hat ebenso Männern von konservativen Auffassungen sein Vertrauen geschenft, wie dem politischen Flücht­ling und früheren Radikalen Karl Mathy. Und an den Männern, denen er sein Vertrauen gegeben hatte und die er dieses Vertrauens für würdig erprobt hatte, hielt er mit derselben deutschen Treue fest, wie einst Kaiser Wilhelm I.

-----tat deutschen Staaten entfremdete. Es kam das tteig.4 Jahr 1863 mit der Frankfurter Fürstenkonferenz, ingang bie Großherzog Friedrichs Pläne zu durchkreuzen ftohte. Es kam der Bruderkrieg der deutschen dlotztr etämme im Jahre 1866 und es kam das Jahr L.Sm 667, in dem das Gesuch Badens um Aufnahme Näh. pt in den norddeutschen Burd abgelehnt wurde.

Spiegelsaale des Schlosses zu Versailles auszubringen. In jener Minute erfüllte sich diesem Manne, was

lauten, Sehnsucht seines Levens gebildet hatte.

(4955 In weiten Kreisen des Volkes herrscht noch immer jene kindliche Vorstellung, daß ein Fürst, well er von Glanz und Reichthum umgeben ist,

Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für bie Kreise Marburg «nb Kirchhain.

Druck mb Verlag. »g.^K^'^^lttatS-Buchdruckerer m Marburg. Verantwortlichfärben allgemeinen Theil: Redakteur Friedrich Colbatzky

______________für den Jnseratemheil: Joh. Ang. Koch, beide in Marburg.

fm a voll, zog der junge Prinz im Jahre 1848 mit den iJU badischen Truppen nordwärts,um, mit den preußischen JVi Truppen vereint, für ein wahrhaft deutsches Ziel, 1 für die Befreiung Schleswig-Holsteins zu kämpfen.

Anzeigen nimmt «Mgegrn die Expedition dieses Blattes, sowie die Aunoucen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXI Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und w

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g Mittwoch, 9. September 1896.

genommen habe. Das war der erste Schlag, der MM seine leidenschaftlichen Hoffnungen auf Deutschlands W Einigung krach. Nun sollten sie rasch aufeinander .. folgen: es kam das Jahr 1849, in dem preußische

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(Nachdruck verboten.)

Rn Begründer der deutschen Einheit. (515' - Zum 70. Geburtstage des GroßherzogS von Baden, 9. September 1896.

> Von Robert Berndt.

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fa Männer auf den Kampfplatz traten, die das nationale Seit zum Siege hinauszufühien bestimmt waren!

L Der Fürst, der in diesem Jahre 1862, zunächst an SteQe seines unheilbar stechen Binders als Regent und »56 enbgtltig als Großherzog an die Spitze des Badener «ndes trat, gehörte zu diesen Mäuern. Ei stand in der tagen Blüthe seiner Mannekjahre, er war eine frische und österliche Erscheinung, und auS dem Blicke seiner blauen «egen sprachen gute deuffche Eigenschaften: Treue Mannei- Auth und HerzenSftöhlichkeit. Und frisch, männlich und kwhlich wirkten in der dumpfen Atmosphäre jener Jahre «M Worte und Thaten. Während Alles lleinmüthig vei- Mte, gab der junge Großherzog bei jeder Gelegenheü Deutlich zu erkennen, daß er an Deutschland glaube, und SB er sich ihm geweiht fühle. Deutschlands Recht und bie lägen ihm eben so sehr am Herzen, als seines eigenen Sandes Wohl also «urtwortete er im Jahre 1857 auf fce Adresse bei Landtages. Solches Wort mochte Mana en Pflichten und wie mußte es aus Männer und Jüng'inge Fiten, als sie vom folgenden Jahre ab allsonntäglich im vauptgebete den Geistlichen Gottes Schutzfür unser ge« tarnte« deutsch? Vaterland" anrufen hörten. Großherzog miedrich hatte diese Einschiebung veranlaßt, und es hieß Rin:Vereinige seine Fürsten und Völker durch dar Band SB Friedens . . . und laß Glauben und Treue, Kraft und taheit seinen Ruhm und seine Ehre sein". Ja fürwahr k- da sprach ein deutscher Fürst und ein fester Mann, und

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--- , Das Jahr 1852 war angebrochen. ES war eine trübe laltent Seit für das deutsche Land. Die unseligen Ereigniste von hatten eine tiefe Niedergeschlagenheit zurückg-lassen, taßmuthig sahen die Patrioten in die Zukunft, der Main tont schien schärfer alt je die verwandten Stämme zu tnnen. Wer konnte wohl ahnen, daß eben in dieser »stnungkarmen Zett die Kräfte unseres Volkes zur großen atscheidung im Stillen sich sammelten, daß eben damals

ein solwes Vorbild wirkte erzieherisch. Mit Hoffnung und stolz blickten die Badenser auf ihren jungen Herrn, als er der Feier der 100. Geburtstages unseres großen vater­ländischen Dichters, des Sängers derSeid einig!", bei wohnte, als er dem einst vervehmteu Dichter des lieben alten FrageliedsWas ist des Deutschen Vaterland" eine hohe Auszeichnung verlieh. Und konnte wohl etwas deutlicher sprechen, als die schwarz-roth-goldene Fahne, die bei der Einweihung der neuen Rheinbrücke zu Kehl (1861) eine schicksalrreiche Brücke sollte eS werden über dem badischen LandeSbanner hoch in Lüften flatterte?

Doch leicht beieinander wohnen die Gedanken und hart im Raume stoßen sich die Dinge. Wohl wollten alle Vater­landsfreunde in dem schönen Allamannen-Lande Deutschlands Einigung, aber die reale Frage desWie?" schied die Geister Die verhängnißvollen Schlagwotte vonGroß deutsch undKleindeutsch" standen einander noch in aller Scharfe gegenüber; und als 1859 auf Italiens Schlacht- elderu die Loose Oesterreichs geworfen wurden, da ging durch ganz Badenland ein Strom warmer Sympathie für das ledern Süddeutschen doppelt theure Bruderland an der Donau, dem em entschiedener Mißmuth gegen den nord- beutfdien ,3unferftaat" beigemischt war. Inmitten der tchwankenden Meinungen hatte Friedrich von Baden sich f1 cs.-Ifsi/vtschreben: er den Weg gewählt, auf dem

die Geschichte unser Volk zur Einhett führen sollte. Ter grerse Preußenkonrg war ihm mehr als ein theurrr Schwieger­vater und werther Freund, er war auch politisch seine Hoff­nung. Und m einem bedeutenden Momente sollte Gioß- herzog Friedrich Gelegenheit erhatten, seine Ansicht zu bewahren und für sie zu wirken.

In Frankfurt a. M. trat 1863 der deutsche Fürstentag Susammeu. Preußen hatte abgelehnt zn erscheinen, aber 29 deutsche Fürsten umringten Oesterreichs liebenswürdigen Herrscher. Dem Badener Fürsten aber fiel die schwere Jlufßflbc zu, hier btc ©ebanfen der nationalen Palilik dlfUB-nS zu vertreten. Seine Aufgabe war mißlich; aber wahrend Volk und Fürsten Kaiser Franz Joseph zujubetten, wahne Großherzcg Friedrich seinen Standpuntt mit Ge schick, Festigkeit und Würde. Er verlangte die Heranziehung tlreußenS, er forderte erne Mitwirkung der versa,jung- mäßig dazu berufenen Organe der deutschen Staaten ai dem geplanten Reformwerke, er protestirte gegen die Aus

dehnung der Befugnisse des BundeS-Direttoriums, er stellte die Forderung einer allgemeinen deutschen Volksv rtretnng auf ; und als seine Aut äge nicht durchgingen, stimmte er schließlich gegen das ganze Werk. Er hatte sich tapfer und klug gehalten, und die Badener verstanden ihn; als ihn eine Adreffe der 7 größten Städte seines Landes einen Vorkämpfer für eine wahrhaft volksthümliche Umgestaltung Deutschlands" nannte, da mag ihm fein Herz höher ge­schlagen haben,

Doch die Stellung dieses Vorkämpfers wurde schwerer und schwerer. Der VerfaflungS-Konflitt erregte in Baden tiefe Verstimmung gegen die preußische Regierung, die nüchtern - prattische Politik P-eußens in der sch'eswig- Holstein!! chen Sache fand kein Verständniß und laut legte der alte Roßhirt Verwahrung gegenein großes Preußen mit einem kleinen Deutschland" ein. So kam dar Unver­meidliche - der Tag, an dem der preußisch gesinnte Fürst seine braven Truppen gegen Preußen warschiren lassen mußte.Wir stehen nicht aus der richt gen Sette," meinte traurig der treffliche Mathy;wir stehen nicht auf der richtigen Seite," dachte ttaurig auch fein Fürst, und wie ein Alp fiel es von seinem Herzen, als die Waffen eine schnelle Entscheidung brachten. Fr udig traten in'sBündniß mit Preußen ein; eS brachte das EinigungSweik mllitärisch und wirthschafttich weiter, eS bestimmte die Einführung der preußischen Armee-Organisation in Baden, eS erhielt den Zollverein und sah gemeinsame Abmachungen über den Eis nbahnbau nud bie Befreiung des Rheins von allen Zöllen an. Damals verbreitete sich an der Seine das Ge­rücht, auf der Keller Blöcke wehe neben der badischen die preußische Flagge. Nein, sie wehte bort nicht; und doch - etwas wie eine Ahnung lag in dem Gerüchte: Nord und Süd hatten den ersten entscheidenden Schritt zu ein­ander gethan.

Ja, nun durfte der Großherzog wohl glauben, daß die chwereu Zeiten hinter ihm lagen. Gefallen war die Ent- cheidnng, vor der Deutschland jahrzehntelang bangend ge tanben hatte, und, Deutschlands Banner hoch am Masie, fon: te nun wohl das Schiff in den lang ersehnten Hasen gleiten. Friedrich von Baden ahnte nicht, daß vielleicht der schwerste Tag seines Lebens gerade jetzt vor ihm stand Im November 1867 richtete Karl Mathy in beweglichen Wotten an den Kanzler des Norddeuffcheu Bundes die

Bitte um Aufnahme Badens in ben Bund« Keine Antwort kam. Enblich, auf dem gewöhnlichen diplomatischen Wege, eine kühle Ablehnung. Da standen der Großherzog und sein Berather einander gegenüber, gebeugt und traurig, und in Mathy'S Hand zitterte das Papier, und ein pein­lichesWarum?" lag auf Beider Antlitz. Aber Mathy richtete sich auf und sprach:Und wir thun doch unsere Pflicht!"

Der sonst so nüchterne Kant hat an die hohe Göttin der Pflicht einen begeisterten Hymnus gerichtet. Nicht ohne tiefe Bewegung in der That können wir heut daran denken, wie Großherzog Friedrich nach diesem Hanen Schlage, ohne zu schwanken, seines Wege» weiter ging, feine nationale Pflicht ganz erfaßte und erfüllte.Mein Entschluß steht fest', fo sagte er einmal,dieser nationalen Einigung un­ausgesetzt nachzustreben, und gerne werde ich und wird mit mir mein Volk die Opfer bringen, die mit dem Eintritt in dieselbe unzertrennlich verbunden sind," Und ein andermal n nut er als sein Ziel:enffchloffene Theilnahme an der nationalen Wiedergeburt Deutschlands". Ueber manchen Trübungen in der inneren Politik behielt er doch vor Allem die hohe Ausgabe im Auge, sein Volk bereit zu halten,baß e?, wenn die Zett gekommen sein wird, als ein ebenbürtiges Glied des Ganzen in die volle nationale Gemeinschaft ein- treten kann".

Und drei Monate, nachdem das Bort gefallen war, toarbie Zett gekommen". Da drang Frantteichs Kriegs­ruf über den Rhein, und in den deutschen Süden flatterten weliche Lockungen und Hoffnungen. Aber glänzend bewähtte sich jetzt Friedttchs LebenSweik; nicht einen Augenblick ent­stand Zögerung und Bedenken, Fürst und Volk standen wie ein Mann zusammen und über bie Kehler Brücke zogen jubelnd Baden? wackere Söhne in's Feindesland, glänzenden RuhweSthaten entgegen. . . .

Darüber ist nun mehr als ein Vietteljahrhundert hin­gegangen, und ungebrochen steht des Großherzogs ManneS- geftalt noch unter uns. Wir aber denken heul' der Ver­gangenheit, und an feinem Ehrentage legt das dent'che Volk Friedrich von Baden den schönsten Kranz zu Füßen, ben es in diesem Jahrhundert zu vergeben hat, ihm als einenBegründer der deutschen Einheit".