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Wöchentliche Beilagen: Kreisblati für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Jllustrirtes Sonntagsblatt.

M 211

Zrscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Fnrrtagen. Quartal Abonnements-Preis bei der Erve- ditwn 2 ML, bei Men Postämtern 2 ML 25 Pfg. (erll. Bestellgeld) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeil» -der deren Raum 10 Pfg., Reklamen für di« Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 8. September 1896.

Anzeigen nimmt entgegen di« Expedition dieses Blattes, sowie die Annonckn-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Gaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXI. Iaüra Mosie tu Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, ®. L.

Daub« u. So. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

wenn auch nicht stark, ihr Deutschthum, ein Beweis, daß der nationale Gedanke auch auf den starren Felsen des Klerikalismus nicht ohne Einfluß geblieben ist. Die katholische Volkspartei verfolgt auch soziale und wirthschaftliche Reformen, sie ist also hierin mii der christlich-sozialen und der Demschen Volkspartci

Der Prinz von Wales ist heute Nach­mittag nach beendeter Kur von Homburg abgereist, um nach London zurückzukehren. Rektor a. D. A h l w a r d t wird im Herbst nach Berlin kommen, um sein Mandat niederzulegen. An seiner stelle will man in Friedberg- Arnswalde den Anti-

Die deutschen Parteien Oesterreichs. *)

3. Die Deutsche Fortschrittspartei ist Ws der liberalen Partei entstanden. Ihr neuestes Programm betont den nationalen Standpunkt stärker als die früheren. Die Punkte über die Förderung des Volkswohles entsprechen denen des Linzer Pro­gramms. In der deutschen Fortschrittspartei ist alles noch sehr verschwommen und sie wird bei den nächsten Wahlen einen schweren Stand gegen die Mtiliberalcn Parteien haben. Als Reichsrathsklub besteht noch dieVereinigte deutsche Linke", die 103 Mitglieder zählt. Was aus ihr nach den nächsten Reichsrathswadlen werden wird, läßt sich nicht gut voraussehen, jedenfalls aber wird eine Spaltung insofern Eintreten, als sich die Abgeordneten der Städte und Landgemeinden nicht mehr von den Großgrundbesitzern in's Schlepptau nehmen lassen werden. Die letzteren waren immer ein Hemmschuh in nationalen Fragen und sind in erster Reihe ichuld, daß die liberale Partei alles Ansehen im Volke ver­loren hat. Tie deutschen Abgeordneten des Groß­grundbesitzes und der Handelskammern sind immer regierungsfreundlich und nur zu einer schwachen Opposition zu bewegen. Ihr Führer ist Herr von Chlumecky, der Präsident des Abgeordnetenhauses, der sein Manbat wie seine mährischen Kollegen nur der Gunst der Regierung verdankt. Es muß. leider gesagt werden, daß die Deutschen in Mähren nur durch die g genwärtige Wahlordnung uns die Gunst der Regierung die Mehrheit über die Tschechen Haden. Sollten sich einmal die deutschen Großgrundbesitzer Mährens toeigtrn, der Regierung willfährig zu fein, so kann sie mit Leichtigkeit ihrer Herrlichkeit ein Ende machen. Von diesem Bleigewicht wird sich voraus­sichtlich der linke Flügel derVereinigten deutschen Linken", die Abgeordneten der Städte und Land- bczirke, trennen. Es ist garnidjt unmöglich, daß sie einmal derDeutschen Volkspartei" beitrden werden, Ms demselben Grunde, wie die Christlich-fozialen. Nur müßte inzwischen eine Klärung in der Juden­frage eingetreten sein. Soviel steht aber fest, daß die liberale Partei nie wieder die Bedeutung erlangen wird, die sie einst gehabt hat; ihre Zeit ist vorüber.

4. Die katholische Volksparrei entstand voriges Jahr, indem ungefähr ein Dutzend deutsch- klerikale Abgeordnete Ws dem Hohenwart-Klub aus­traten. Sie bleiben weiter klerikal, nur betonen sie,

*) Vergl. die Artikel in Nr. 199, 204 u. 210. D. Red.

(Nachdruck verboten.)

Martha und Maria.

Roman von Arthnr Zapp.

(Fortsetzung.)

Nach Berlin?" fragte Marie erstaunt.

Freilich. An Toni Krenkel, meine Busenfreundin von der Pension her. Die hat sich vor 'n paar Jahren nach Berlin verhei.arhet. Sie soll mir das Kostüm in Berlin besorgen. Mein Maß habe ich ihr schon geschickt. Natürlich,n bißchen schlau unb findig muß man {ein, wenn man etwas erreichen will. Dir wäre so etwas im ganzen Leben nicht eingefallen."

Nein!" Marie schüttelte sehr entschieden mit dem Kopf. Der Widerwille, den dieses Gewebe von List und Lug und Ting in ihr erregte, dessen Opfer d« ohnehin unglückliche, bedauernswerthe Robert weiden sollte, war so heftig in ih", daß es ihr dies­mal Wmöglich war, mit ihren Empfindungen zurück­zuhalten.

Nein 1 Allerdings, das bekäme ich nicht fertig. Auf an Vergnügen, das ich mir erst so so förmlich erschwindeln müßte, würde ich lie.er ver­zichten."

»So? Würdest Du?" entgegnete die Andere, «ichts weniger als beschämt, mit übeisprudelndem Eifer, ganz durchdrungen von der Gerechtigkeit ihrer Sprache.Das ist Geschmacksache Du bist nun einmal nicht für Vergnügen, da kostet's Dich natür­lich keine Ueberwindung. Tn hast leichter verzichten. Aber ich ich lechze feit Jahren förmlich danach, mich einmal so recht, fe recht von Herzen zu amüfnen. Denkst Du, die Gesellschaften, die wir geben und die wir bei Andern mitmachen, wo man bestätig innerlich zsttern muß, daß nicht irgend ein Malheur passirt, und wo jedes Glas Wein, das man trinkt, jeder

verwandt. Ihre führenden Männer sind die Abgc ordneten Dipauli und Ebenhoch und hat sie vorzugsweise in Tirol und Oberösterreich ihre An­hänger Sie bildet den Uebergang zu der

5. Klerikalen-Partei, deren Abgeordnete im Hohenwart-Klub sitzen. Von den Klerikalen ist nicht viel zu sagen, sie sind erzreaknonär, durch und durch undeutsch gesinnt und haben wacker mitgeholfen, den Deutchen Verlust auf Verlust beizubringen. Wie sie in nationalen Fragen denken, geht aus einer Erklärung des bäuerischen Abgeordneten Kaltenegger hervor, die er vor der Abstimmung über Cilli abgab: Gerade weil er ein Deutscher sei, werde er für die Errichtung eines slowenischen Gymnasiums in (Sitte stimmen." Die allgemeine Entrüstung über diese Judasthat scheint die Klerikalen doch ein bischen zum Nachdenken angeregt zu haben, denn manche von den Abgeordneten dürsten nicht mehr gewählt werden. Das publizistische Organ der Klerikalen ist das WienerVaterland".

Wenn wir am Schlüsse unserer Betrachtung den gegenwärtigen Zustand des deutschen Parteiwesens in Oesterreich überblicken, glimmt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft des deutschen Volksstammes in unfern Herzen auf. Der Bann ist gebrochen, die Massen sind im Fluß. Die mächtige Partei, die jahrzehnte­lang mchls von einem deutschen Volke wußte und immer nur an einen österreichischen Staat dachte, liegt todeswund am Boden. Neue, hoffnungsfreudige, jugendfrische Parteien sind entstanden. Noch schäumt der Most, aber er wird sich zu einem edlen Weine abklären es wird eine wahrhaftige deutsche Volkspartei entstehen, deren oberste Aufgabe der Schutz des DeutschthumS sein wird.

Deutsches Reich.

* Berlin, 5. Septbr. (Tagesbericht.) Der Herzog Ernst Günther zu Schles- w i g - - H o l st e t n ist durch plötzliche Erkrankung verhindert worden, an den militärischen Festlichkeiten in Breslau theilzunehmen. Dem preußischen Ei enbahnminister Thielen ist das Großkreuz des Civilverdienstordens der bayerischen Krone verliehen

Happen Essen einem in den Mund gezählt wird, wo man in engen, kleinen Zimmern tanzt und alle Minuten mit einem andern Paar oder gar mit Tischen und Stühlen kararnbolirt, denkst Du, daß mir das etwa Vergnügen macht? Ich danke! Und wenn ich nun iche, daß ich auf geradem Wege nicht zum Ziel gelangen kann, wenn ich darauf angewiesen bin, mir mühsam erst durch List und allerlei Flunkereien das zu ergattern, worauf ich doch wohl ein Anrecht habe, dann sollte ich mich auch noch durch übertriebene moralische Bedenken abhalten lassen?! Na, fehlte mir gerade! Ich kann's übrigens gar nicht für etwas so Schlimmes halten. Es ist ja mein Mann und kein Fremder, und das Ganze ist ja doch im Gründe eine harmlose Geschichte, bei der Niemandem ein Unrecht geschieht. Mein Bruder hat uns all die Jahre nichts gegeben, der kann also immer maln bißchen was herausrücken!"

Auf Marie aber machten diese Argumente ge­wissenlosen Leichtsinns keinen Eindruck. Mst von leb­haftestem Eifer gerothe-en Wangen entgegnete sie:

»Aber bedenke doch, wenn Robert dahinter kommt, den moralischen Eindruck! Das würde ihn ja geradezu vernichten. Er könnte ja zu Dir, zu seiner Frau, nicht mehr das geringste Vertrauen haben."

Die Angst um den im stillen heiß vereh.ten und innig bemiteibelen Mann hatte sie beredt gemacht und ihre sonstige Scheu unb Zurückhaltung überwinden lassen. Der Ton ihrer Stimme zitterte, und in dem Blick ihrer beschwörend auf die Cousine gehefteten Augen malte sich bittende Sorge.

Martha betrachtete die so außergewöhnlich Er­regte mit großen Augen und stieß einen leisen Pfiff aus.

Höre mal, DuI" sagte sie dann halb im Ernst halb im Scherz.Du nimmst Dich ja Roberts mit einer Märme und einem Eifer an, der wahrhaft

femiten v. Mosch aufstellen.

* (v. H a h n k e.) Die Ernennung des Chefs des Militärkabinets Generals der Infanterie v. Hahnke zum Chef des 12. Grenadier-Regiments in Frankfurt a. O. erregt fortgesetzt ungemeines Auf­sehen. Die Auszeichnung wird besonders um des­willen als so außerordentlich angesehen, weil nach dem allmähligen Heimgang der meisten in den letzten Kriegen besonders hervorgetretenen Generale die Zahl der Regimentschefs, die nicht fürstlichen Häusern an­gehören, sehr zusammengeschmolzen ist. Generale, die Regimentschefs sind unb noch in ber Armee aktive Dienste thun, giebt es außer Herrn v. Hahnke nur noch ben General- Felbmarschall Grafen v. Blumen­thal, General - Inspekteur ber 111. Armeeinspektion, der Chef des 36. Füsisier - Regiments ist, und den General der Kavallerie v. Hänisch, kommandirenden General des IV. Armeekorps, der Chef des 2. Ulanenregiments ist. Außerdem sind noch die beiden früheren Reichskanzler Regimentschefs, und zwar Fürst Bismarck beim 7. Kürassier-Regiment und General v. Caprivi beim 78. Infanterie - Regiment. Auß rbem zählt die Armee noch 9 Offiziere z. D., die Regimentschefs sind, nämlich die Generale der Infanterie v. Obcrw tz (4. Gren.-Regt.), Verdy du Veinois (14. Jnf.-Regt.), v. Treskow (27. Jnf.- Regt.), v. Strubberg (30. Inf-Regt.), v. Schacht- meyer (34. Jnf.-Regt.), v. Kleist (44. Jnf.-Regt.), v. Leszcynski (60 Jnf.-Regt.) und die Generale der Artillerie v. Bülow (2. Feld > Art. - Regt.) und von Lewinski (24. Feld-Art.-Regt.) Herr v. Hahnke hat seine Ernennung zum Chef des 12. Grenadier- Regiments dem Kommandeur desselben mit folgenden Worten an gezeigt:Oberst Siebert, »erlitt bei Kyritz. Durch besondere Gnade Seiner Majestät des Kaisers und Königs heute zum Chef des Grenadier-Regiments Prinz Karl von Preußen (2. Brandenburgisches) Nr. 12 ernannt, bin ich durch die mir gewordene hohe Ehre nicht nur auf bas Freudigste überrascht, sondern auch hoch beglückt. Diesem tapferen ausge zeichneten Regiment von nun an anzugehören, erfüllt mich mst besonderem Stolz und ruft mir die glück­lichen neun Jahre in die Erinnerung, in welchem ich dem III. Armeekorps als Chef des Generalstabs

rührend fft. Nur gut, daß ich nicht zur Eifersucht neige, sonst--"

Sie lachte und brohte der Erbleichenden schelmisch mit dem Finger, fuhr bann aber ernst werdend und r achdenklich fort:

Sollte am Ende er das geheimnißvolle Ideal sein, das Du im Herzen trägst und um dessentwillen Du dem armen, dicken Müutmann erbarmungslos einen Korb geflochten?"

Heber Marie kam bei diesen Worten eine so tiefe Verwirrung und Beschämung, solch ein aufrichtiges, quälendes Entsetzen über sich selbst, daß sie ganz unfähig war, auch nur ein Wort des Protestes zu erwidern. Sie senkte ihr Haupt auf die Brust, um der Cousine den Anblick ihres abwechselnd erbleichenden und enöthenden Gesichts zu entziehen.

Als sie am Abend allein war, ging sie gewissen­haft mit sich ins Gericht. Hatte Martha recht, war es um Roberts willen gewesen, daß sie Müntmann ausgeschlagen? Liebte sie Robert?

Dre ganze Nacht lag sie schlaflos und marterte sich mst dieser Frage. Sie war sich nicht bewußt, irgend etwas zu wünschen und zu begehren, das sie nicht vor dem Richterstuhl ftiengfter Moral hätte verantworten lönnen.

Marie fühle nur den innigen, brennenden Wunsch in sich, soviel in ihren schwachen Kräften stand, dem schwer leidenden, unglücklichen Manu sein hartes Ge­schick erleichtern zu helfen. War denn das weh', als ein Ausfluß menschlichen Mitgefühls? War es denn eine Sünde, daß ihr Herz in liefern Weh zuckte, wenn sie sah, wie ber beste, der edelste, der uneigennützigste Mann von einem Weib-, das moralisch tief unter ihm stand, das nicht werth war, dieselbe Lust mit ihm zu athmen, schändlich hinter- gangen und seelisch mißhandelt wurde? Lag denn in solchem Mitempfinden etwas Sträfliches? Undenkbar!

angehören durfte. Ich bitte, dem Regiment dies Telegramm mitzutheilen und zeichne mit kamerad­schaftlichem Gruß v. Hahnke, General und Chef des Grcn.-Regts. Prinz Karl von Preußen."

* (Graf von Hutten - Czapski.) Der Stabsoffizier, welcher im Auswärtigen Amte in Zu- fünft die Angelegenheiten der Schutz­truppe bearbeiten soll, erhält gleichzeitig die Befugnisse eines Regiments-Kommandeurs über alle in der Heimath befindlichen Mitglieder der Schutz« truppe. Für die Stelle ist, derFranks. Ztg." zu­folge, in Aussicht genommen Major Graf von Hutten-Czapski vom Hessischen Husaren - Re­giment Nr. 14 in Cassel, das bekannte katholische Mitglieb des Herrenhauses.

* (Sansibar.) Aus Sansibar kommt die Kabel-Nachricht, daß es bei der durch den Sultans» sekretär erfolgten Proklamimng Said ben Hamand's auf der Insel Pemba zu ernstlichen Unruhen ge­kommen sei. Ein großer Theil der dem Eintags- sultan Said Kalid ergebenen Araber hat sich trotz der regen Aufmerksamkeit der englischen Kreuzer mittels Dhau nach der deutschen Küste geflüchtet und erhält dort Wohnsitze angewiesen. Zwei englische Kriegsschiffe sind wieder nach Mombassa abgedampft, da man dort den Ausbruch der Rebellion von Neuem befürchtet. Der Weg MombassaVictoria - See ist durch Einfall der Massais unpassirbar. Englische Truppen haben sich dahin in Marsch gesetzt. Der britische KreuzerRacoon" ist nach Pemba gegangen.

Die Kaisertage in Schlesien.

Das russische Kaiserpaar ist, wie schon durch Privattelegramm km; mitgetheilt, am Sonnabend in Breslau ein getroffen unb überaus festlich empfangen worden. Die Ehrenkompagnie des Grenadierregiments Kronprinz Friedrich Wilhelm präfenlirte das Gewehr, während die Musik den Präsenttrmarfch spielte. Zum Empfange waren an­wesend: das Kaiserpaar, die Prinzen Hinrich, Albrecht und Friedrich Leopold von Preußen, Prinzen Ludwig, Rupprecht unb Leopolb von Bayern, Prinz Georg von Sachsen, Graf von Turin, Herzog Nikolaus von Württemberg, Prinz Albert von Belgien, Erbprinz-ssin von Meiningen, bie Generalität unb bie Spitzen ber Behörben. Ferner waren Reichskanzler Fürst Hohen­lohe unb Staatssekretär v. Marschall erschienen. Unser Kaiser unb bie Prinzen Heinrich, Friedrich

Denn ihrer Antheilnahme an dem, was ihn betraf, log fein selbstsüchtiges Interesse zu Grunde. Sie bewunderte ihn aus voller Seele, sie empfand ein ehrliches, warmes Gefühl der Sympathie und herz­liche Freundschaft für ihn. War das Liebe?

So lag sie bis zum Morgengrauen schlaflos und zergliederte ihre Empfindungen und die Anttiebe der­selben. Und als sie sich am Morgen von ihrem Lager erhob, schwächer und matter, als am Abend, da war ihr der Kopf wirr und benommen unb sie war noch weniger klar in Bezug auf bas, was sie innerlich unablässig beschäftigte, als zuvor. Was sollte sie nun thun? Das Haus verlassen? Was aber würbe in biefem Fall aus Willy werben, ber ihr an's Herz gewachsen war, ben sie aufgezogen hatte, wie ein eigenes Kinb? War es nicht vielmehr ihre Pflicht, auszuharren auf dem Posten, auf dem sie sie konnte es wohl gestehen unersetzlich war?

Zu biefem martetnben Seelenkampf kam noch ein anbei er Zweifel, mit bem sie nicht minder schwer in selbstquälerischer Grübelei rang. Wie sollte sie sich zu dem von Martha beabsichtigten Betrug ver­halten ? Durfte sie ruhig, unthätig zusehen, wie Robert gewissenlos genarrt, betrogen wurde? Machte sie sich durch ihr Schweigen nicht zur Mitschuldigen?

Aber da sie sich schon halb und halb entschlossen, zu sprechen und Alles zu enthüllen, kam ihr wieder ber lähmenbe Gedanke: Wenn sie Martha vecrieth unb sich zwischen sie nnb ihren Gatten stellte, gab sie damit nicht bem von Martha geäußerten beschämen­den Verdacht neue Nahrung? Machte sie dadurch nicht ihre Stellung in ber Familie unhaltbar?

Diese beständigen innerlichen Kämpfe blieben nicht ohne Wirkung auch auf Maries äußere Erscheinung.

(Fortsetzung folgt.)