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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für sie Kreise Marburg mt> Kirchhain.
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Marburg,
Sonntag, 6. September 1896.
Aiyeigen nimmt entgegen di« Expedition dieses Blatte», sowie di« Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Lasse!, Magdeburg und Wien; Rudolf Mofle in Frankfurt a M., B«rlin, München u. Köln, C L. Daube u. Lo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXXI. Jahrg.
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Die deutschen Parteien Oesterreichs. *) m.
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Wie aus der vorhergehenden Erörterung hervorgeht, zeigt das deutschösterreichische Parteileben ein verschwommenes Bild. Es find in diesem Sommer zwei neue Parteien gegründet worden, die „Deutsche VolkSpartei" und die „Deutsche Fortschrittspartei", daneben bestehen aber noch die parlamentarischen Vereinigungen der alten Parteien, aus denen die neuen hervorgegangen sind: die „Deutsche Nationalpartei" und die „Vereinigte deutsche Linke". Klärung werden erst die nächsten Reichsrathswahlen bringen, die vielleicht kommenden Herbst schon stattfinden.
Die deutschen Parteien in Oesterreich sind die folgenden: 1) die Deutsche Volkspartei (dcutsch- nafionale Partei), 2) die christlich-soziale Partei, 3) die Deutsche Fortschrittspartei (liberale Partei), 4) die katholische Volkspartei, 5) die Klerikalen.
1. die Deutsche Volkspartei. Ihr Programm vom 7. Juni d. I. beginnt:
„Die Deutsche VolkSpartei ist streng national und daher mtspi.chtlld den Forderungen eine» praktischen Nationalismus freiheitlich und sozialreformatorifch. Daraus ergeben sich als grundsätzlich« Forderungen:
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I. In nationaler Beziehung:
Di« Aufrechterhaltung und Befestigung deS BündnisieS mit dem deutschen Reiche und die Pfleg« der beiden Staaten gemeinsamen Beziehungen;
di« UMerordnung aller innerpolitischen Fragen unter das oberste natwnale Jntereffe;
der Schutz des DrutschthumS in Oesterreich durch die Gesetzgebung und Verwaltung und vor Allem durch nationale Selbsthilfe. Die Erweckung und Bethätigung des nationalen Bewußtsein»; die Beseitigung des slawischen UebergewichteS, insbesondere durch ein« Sonderstellung Galizien», und der Kampf gegen die foitschreiteade Slawisirung;
die Befreiung von dem auf vielen Gebieten de» öffent lichen Leben» vorherrschenden Einflüße de» Judenthum»." t (II und III beziehen sich auf freiheitlich, wirth- schastlich und sozialpolitische Reformen). Es schließt mit den Worten:
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»Getreu ihrem obersten nationalen Grundsätze, wird die Deutsche VolkSpartei in dem politischen Gegensätze, der zwischen den Deutschen verschiedener Richtungen besteht, stet» da» Trennend« dem, wa» alle Deutschen in Oesterreich einigen soll, unter ordnen, sie bietet Raum für jeden Deutschen, der seine Pflicht gegen die Ration ehrlich erfüllen will '
„Getreu ihrem obersten nationalen Grundsätze, wird die Deutsche Volkspartei in dem politischen Gegensätze, der zwischen den Deutschen verschiedener Richtungen besteht, stets das Trennende dem, was alle Deutschen in Oesterreich einigen soll, unter«
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*) Vergl. die Artikel in Nr. 199 u. 204. D. Red.
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(Nachdruck verboten.)
Martha und Maria.
Roman von Arthur Zapp.
(Fortsetzung.)
VI.
Im Gegensatz zu ihrer heftigen, trotzigen Erklärung auf dem Eise, bemühte sich Martha in der Folge geflissentlich, Herrn von Holleben soviel wie möglich von sich fern zu halten. Ja, es kam sogar vor, was sonst nie geschehen, daß sie Marie aufforderte, sie zum Schlittschuhlaufen zu begleiten.
„Weißt Du," gestand sie der Ueberraschten mit lhrer ungenirten, rüksichtslosen Offenheft, die sie der l Kusine gegenüber von jeher beliebte: „Es ist nur Fredi Holleden's wegen. Ich weiß, Ihr könnt Euch beide nicht ousstehen. Da will ich Dich nun als Abschreckungsmittel gebrauchen. Er macht mir in letzter Zeit wirklich etwas zu auffallend den Hof. Es ist sogar Robert schon aufgefallen."
Maria sah die Sprechende entsetzt an.
„Robert —!" stammelt sie mechanisch.
„Ja. Er hat mir neulich eine Scene deßhalb gemacht. Natürlich habe ich mich nicht einschüchtern lassen."
Marie begriff. Sie erkannte nun den Grund bau Roberts neulicher Schwermuth, die er still in feiner Brust verschlossen. Während ein warmes Mitgefühl mit dem Bedauernswerthen ht ihrer Brust [ vifwallte, regte sich zugleich eine zornige Entrüstung m ihr gegen die Hefter Plaudernde, die sich gar nicht einmal der Gewissenlosigkeit ihres Treibens bewußt schien. Ganz gegen ihre Gewohnheit ließ sie sich von chrem Gefühl zu einer heftig tadelnden" Aeußerung hinreißen.
ordnen, sie bietet Raum für jeden Deutschen, der feine Pflicht gegen die Nation ehrlich erfüllen will".
Wie bereits erwähnt, ist die Deutsche VolkSpartei aus der deutsch - nationalen Partei hervorgegangen. Ter „Klub der dem scheu Nationalpartei" zählt gegenwärtig 17 Mitglieder, ferner giebt es noch einige deutsch-nationale Wilde. Bei den nächsten Wahlen wird die Partei eine beträchtliche Anzahl von Mandaten gewinnen. Sie hat Anhänger in allen Kionländern, besonders aber in Böhmen und in den Alpenländern. Ihre führenden Männer sind die Abgeordneten Dr. Steinwender, Dr. Barenther, Prade, Dr. K. Schücker, ihre wichtigsten Zeitungen, „Deutsche Zeitung", „Ostdeuffche Rundschau" (beide in Wien), „Deutsche Volkszeitung" (Reichenberg), „Grazer Tageblatt". Juneihalb des Rahmens deS gemeinsamen Programms stehen die Radikalen neben den Gemäßigteren (Schönerer und Steinwender).
2. Die christlichsoziale Partei ist eine ausgesprochen antisemitische Partei, weil sie in den Juden die Hauptursache der gegenwärfigen sozialen und wirthschastlichen Uebelstände erblickt. Ihr Programm hat mit der deutschen Volkspartei viel Verwandtes, besonders was soziale Reformen anbetrifft. Sie betont den nationalen Gedanken weniger, ist aber darum gut deutsch gesinnt, was sie mehrfach erwiesen hat. So stimmte sie voriges Jahr bei der Abstimmung über die Cillier Frage (Errichtung eines slowenischen Gymnasiums in Cilli) gegen die Regierung. Tie liberale Partei war unentschieden wie gewöhnlich. Entsprechend ihrem Programm hat die christlichsoziale Partei eine leichte rdigiöfe Färbung, ihr recht r Flügel ist schon mehr klerikal. In einem beispiellos kurzen Kampfe hat die christlichsoziale Partei fast ganz Nicderösterreich und Wien von den Liberalen erobert, wobei ihr die Deutschnationalen mitgcholfen haben. Beide Parteien zusammen besitzen jetzt im Wiener Gemeinderathe die 2/g Mehrheit, sie haben die 3 Bürgermeisterposten besetzt, und bei den nächsten Wahlen werden sie auch im niederösterreichischen Landtage die absolute Mehrheit bekommen. Das Haupt der Partei ist Dr. Karl Lueger, 1. Vizebürgermeister der Stadt Wien, ein unermüdlicher Agitator, ein zündender Volksredner und ein gefürchteter Parlamentarier und Debatter. Seine vorjährigen Kämpfe mit dem Ministerpräsidenten Badeni und seine Audienz beim Kaiser dürften noch in frischer Erinnerung sein. Im Abgeordnetenhause ist die Partei mit 10 Mann vertreten. Ihre zwei größten Zeitungen sind das „Deutsche Volksblatt" und die
„Ich begreife nicht," sagte sie, „wie Du ein so leichtsinniges und unwürdiges Spiel mit Deinem Mann und dem Glück Deiner Ehe treiben kannst. Nach meiner Empfindung wäre es Deine Pflicht, an Herrn von Holleben's Ehrgefühl zu appelliren und von ihm zu fordern, daß er eher, je lieber die Stadt wieder verläßt."
Martha war int ersten Augenblick sprachlos vor Ueberraschung, bann aber brach sie in ein spöttisches Lachen aus und sagte:
„Höre mal, ich glaube gar, Du spielst Dich mir gegenüber als Moralpredigerin auf. Das muß ich mir denn doch ein für allemal »erbitten. Ich soll Fredi Holleben aus der Stadt graulen? Fällt mir auch nicht im Traume em. Soll ich mich vielleicht ärgern, daß er noch immer in mich verliebt ist? Ich ermuntere ihn ja nicht. Daß er mir die Com macht, was ist da weiter? Das thun all die Andern auch. Natürlich, Du ärgerst Dich darüber. Das ist begreiflich."
Die letzten Worte waren in jenem ätzend scharfen Ton, mit der beleidigenden Ueberhebung gesprochen worden, mit der die, in ihren äußeren Vorzügen sich Blähende so gern die weniger glücklich bedachte Cousine den zwischen ihnen bestehenden Unterschied ühlen ließ. Aber das zornige Stufflammen verrauchte ebenso schnell, wie es gekommen, und mit jener ungenirten Vertraulichkeit, die Marie manchmal nur peinlich berührte, fuhr sie mit einem frivolen Lächeln fort:
„Ich möchte Robert gerade jetzt nm feinen Preis erzürnen. Im nächste» Monat findet der große Maskenball im Kasino statt. Du glaubst gar nicht, wie ich mich darauf freue! Du weißt ja, daß ich noch nie einen Maskenball mitgemacht. In unserem kleine» Nest war ja nicht daran z» denken. Dies-
„Reichspost", beide in Wien. Letztere ist schon mehr klerikal. Es liegt die Möglichkeit nahe, daß sich ein Theil der christlichsozialen Partei einmal der deutschen Volkspartei anschließen wiid, weil sich auch in Oesterreich das Bestteben zeigt, allgemeine politische und religiöse Fragen aus den Programmen zu entfernen und nur wftthschaftliche und soziale Ziele zu verfolgen. (Schluß in nächster Nummer.)
Deutsches Reich.
* Berlin, 4. Septbr. (Tagesbericht.) Wie die „Post" meldet, ist dem Prinzen Albert von Sachsen, jüngstem Sohne des Prinzen Georg, vom Kaiser bei der gestrigen Parade bei Zeithain der Schwarze Adlerorden verliehen. Prinz Albert wurde am 25. Februar 1875 in Dresden geboren und gehört der Armee als Premierlieutenant im König!. Sächsischen 2. Jägerbataillon Nr. 13 an. — Einer neueren Nachricht zufolge, findet der Besuch des russischen Kaiserpa a r e s nicht auf Hernmeluiark, dem Gute des Prinzen Heinrich, sondern im Königlichen Schlosse zu Kiel statt. Der prinzliche Hofstaat siedelt morgen von Hemmelmark nach Kiel über. — Fürst Bismarck erhielt am Sedantage zahlreiche Huldigungstelegrarnme. — Der Gouverneur von Wißmann ist heute Nachrnfttag mit seiner Frau, von Köln kommend, in Lauterberg ein- getroffen; zu seinem heutigen Geburtstage wurde ihm von der Badekapelle eine Ovation dargebracht.
* (3um Zarenbesuch.) Der „Reichsanzeiger" widmet dem Zarenpaar folgenden Willkommens- gruß: „Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von Rußland weilen zum ersten Mal seit ihrer Thronbesteigung auf deutschem Boden. Freudigen Herzens begrüßt das deutsche Volk in dem jungen, mit soviel Tugenden geschmückten Herrscherpaar den edelsinnigen Sohn Alexanders III. und die Erlauchte Fürstin aus deutschem Stamm, die an seiner Seite den Thron des befreundeten Nachbarreiches ziert. Die kommenden Tage werden das zwischen den hohen Gästen und unserem Kaiserpaar bestehende Band herzlicher Zuneigung noch fester knüpfen. Möge eine vertrauensvolle Freundschaft der Herrscherhäuser für immer des Wahrzeichen fein, unter welchem Deutschland und Rußland sich in friedlicher, oft gemeinsamer Arbeit der Erfüllung ihrer Kulturaufgaben widmen können." >
* (Auszeichnungen.) Der„Reichsanzeiger" bringt zahlreiche Ordensverleihungen aus Anlaß der
mal aber laß ich mir's nicht entgehen. Diesmal muß ich dabei sein, unter allen Umständen. Ich denke es mir reizend, geradezu entzückend. Dieses Jnttiguiren, ohne erkannt zu werden, gleichsam incognito; überhaupt die Maskenfreiheit . . . Meinst Du nicht?"
Aber ohne eine Antwort abzuwarten, plauderte sie, sich an ihren eigenen Worten mehr und mehr berauschend, lebhaft weiter: „Und das Kostüm, das ich tragen werde, ich sage Dir, einzig! Ich habe es mir schon in allen Einzelheiten ausgemalt. Denke Dir: ein Phantasiekostüm, so etwas wie eine Göttin des Tabakbaues. Rock und Mieder au8 braunem Atlas, das Mieder mit Cigarren garniit, mit wirklichen Cigarren. Nun male Dir den Effeft aus, den das machen muß 1 Originell, wie? Ich bin überzeugt, so etwas ist hier noch nie dagewesen. Meinst Du nicht?"
Sie hatte sich ganz warm geschwatzt, ihre Augen leuchteten im Genuß der Vorfteude, ihre Wangen glühte». Schon sah sie sich im hell erleuchteten Ballsaal, im originellen, prunkvollen Maskenkostüm, von einem Schwarm männlicher und weiblicher Ball- genosien umgeben und bewundert.
Marie aber starrte sie ganz entsetzt an und ihrer beklommenen Brust entrangen sich wie ein Stoßseufzer die Worte: „Aber das viele Gcü», das solch ein Kostüm kosten wird!"
Martha zuckte die Achseln. „Freilich. Aber ich rächte, ich habe genug geknausert und gedarbt und hätte nun das Recht, mir auch einmal etwas zu gönnen. Natürlich, Robert darf eS nicht wiffen. Er würde mir das Geld nimmermehr geben, und er kann's ja auch nicht. Aber ich habe mir schon etwas ausgedacht."
Sie lächelte listig vor sich hi», während Marie
Anwesenheit deS Kaisers bei den Manöver» des 5. und 6. Armeekorps. So erhielten der Oberpräsident von Schlesien Fürst Hatzfeldt das Großkreuz des Rothen Adlerordens, Regierungspräsident v. Hehde- brand - Breslau die Krone zum Rothen Adlerorden 2. Klasse, der Vorsitzende des schlesischen Provinziallandtags v. Skydewitz die Brillanten zum Rothen Adlerorden 1. Klasse, Obermundschenk und General- Landschaftsdirektor Graf Pückler den Rothen Adlerorden 1. Klaffe.
* (Militärisches.) Das Gerücht, der Chef des MllftärkabinetS, General v. Hahnke, sei zum Nachfolger des Generalobersten v. Loe als Oberbefehlshaber der Marken und Gouverneur von Berlin ausersehen, wird dem „Hann. Cour." von mUitärischer Seite als unbegründet bezeichnet. Wahrscheinlicher soll es sein, daß General v. Hahnke die Führung des IV. Armeekorps übernimmt. Uebrigens werden in diesem Herbste noch mehrere Armeekorps frei, so daß eine Verschiebung in der höheren Generalität eintritt, bei welcher der Erbgroßherzog von Baden das II. Armeekorps, General v. Lindequist daS Gardekorps, General v. Falkenstein das XIII. Korps übernehmen dürsten. Für das XV. Korps und später auch für das V. dürften neue fommanbirenbe Generale ernannt, die Gouvernements von Mainz und Ulm frei werden. Danach hätte man die Verabschiedung der Generale v. Hänisch, v. Blomberg, v. Winterseldt, Frhr. v. Falkenstein und v. Seeckt zu erwarten.
* (Graf Schuwalow.) Der junge Kaiser Nikolaus II. macht seine Rundreise an die europäischen Höfe unter den schwierigsten Umständen und großen Sorgen. Noch ist sein so jäh verstorbener kluger und verläßlicher Berather auf dem Gebiete der auswärtigen Politik, Fürst Lobanow-Rostowski, nicht zur Ruhe bestattet, da trifft den Zaren eine zweite Hiobspost — die von der Erkrankung des Grafen Paul Schuwalow, des Mannes gerade, der in den letzten Tagen vielfach als eventueller Nachfolger des verstorbenen Fürsten bezeichnet wurde. Bei dem verhältnißmäßig noch nicht hohen Alter des Grafen, d r im 66. Lebensjahre steht, ist's aber andererseits auch wohl möglich, daß er wieder ganz hergestellt wird und seinem Monarchen und Vaterland noch lange erhalten bleibt. Jedoch zunächst wird er jedenfalls eine längere Zeit der Ruhe und Schonung bedürfen, und im Hinblick auf der oben angebeuteten Umstand erscheint daher seine Erkrankung im jetzigen Augenblick ganz besonders beklagenswerth.
mit innerem Mißbehagen und doch voll Spannung zuhörte.
„Du weißt," fuhr Martha fort, „daß mir Mama so leicht nichts abschlagen kann. Ich habe ihr nun geschrieben, daß ich dringend zweihundert Mark gebrauche. Soviel wird's ja doch wohl kosten, und wenn etwas übrig bleibt, na, ich kann's auch so verwenden. Natürlich mein Bruder würde es ihr ja abschlagen, wenn er den wahren Zweck erführe. Deßhalb habe ich ihr auf die Seele gebunden, mich ja nicht zu verrathen, sonder» Georg etwas weiszumachen von Schulden, die wir gemacht hätten und die unter allen Umständen bezahlt werden müßten. Na, Du verstehst."
Sie rieb sich sehr selbstzufrieden die Hände und sah der Cousine mtt einem Blick des Triumphes in's Gesicht.
„Hab' ich da» nicht schlau angestellt?"
Marie konnte nur mtt großer Mühe die in ihr arbeitenden Gefühle des Abscheues und der Empörung zmückhalte».
„Aber wen» daS Geld ankomutt," entgegnete sie, von dem Bestreben geleitet, die Cousine von der Uu- durchführbarkeit ihres Vorhabens zu überzeugen, „wenn das Geld ankommt, waS wird Robert dazu sagen?"
„Robert?" Martha lachte und zuckte mitleidig die Achseln. „Na, höre mal, so dumm werde ich doch nicht fein und Robert daS Geld in die Hände fallen lassen! Dann natürlich hält' ich das Nachsehen. Mama muß Georg beranlaffen, daß er ihr die Absendung deS Geldes anvertraut und bann ist's ’ne einfache Sache. Mama schickt daS Geld nicht hierher an uns, sondern direkt nach Berlin."
(Fortsetznng folgt.)