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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai».
nd Verlag. UwvEätS-Buchrruck« «i in Marburg. Verantwonlich für den allgemeinen Theil: Redakteur Friedrich Colbatzky
■ — ——yvmwtyrvWH» für den Znseraienlhell: Joh. Aug. Koch, beide in Marburg
Marburg, Dienstag, 18. August 1896.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Burean; von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Caflel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXI. Iaüra. Mosfe rn Frankfurt a. M., Berlm, München u. Köln, C L. lx)U"lo*
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Der Wechsel im Kriegsministerium.
* Wie der „Reichsanzeiger- bekannt giebt, bat der Kaiser ein aus Gesundheitsrücksichten eingereichtcs Ab schieds gesuch des Kriegsminister-, General der Infanterie B r o n s a r t v. Schellen- d o r f f, g e n e h m i g t und den bisherigen Kommandeur der 25. Infanterie-Division Generallieutenant von Goßler in Darmstadt zum Kriegminister ernannt. Gleichzeitig veröffentlicht der „Reichsanzeiger" folgender, Wilhelmehöhe, den 14. August, datines Handschreiben des Kaisers an den bisherigen Kriegsminister:
Ich entspreche nunmehr der Ihnen in Meiner Ordre vom 9. d. Mts. zu erkennen gegebenen Absicht, Ihrem Mir zugcgangenen, durch Ihren Gesundheitszustand begründeten Gesuche vom 15. Juli d. I. um Ver- ablchiedung Folge zu geben dadurch, daß Ich Sie - nachdem Ich Sie in Meiner anderweitigen Ordre vom heutigen Tage vom Amt als Staats- und Kriegsminister mtbunden habe - unter Belassung ä la suite des Großherzoglich Mecklenburgischen Grenadierregiments Nr. 89 und unter Ernennung zu Meinem Gener al- adjutauten mit der gesetzlichen Pension zur Disposition stelle. Ich spreche Ihnen zugleich gern Meine besondere warme Anerkennung für £ \ - ^ftdienste aus, welche Sie sich in Ihrer fast dreijährigen Thatigkeit in der bisherigen schweren und verantwortungsvollen Stellung erworben haben. Lebhaft bedaur« Ich Sie aus derselben scheiden zu sehen, hoffe, aber, daß Ihr G e s u n d h e i t s z u st a n d es bald zulaffen wird, Ihr« bewährte militärische Kraft durch Air« Heranziehung zum Dienst als Mein Generaladjutant Mir und der Armee, in deren Anciennetätsliste Sie auch ferner geführt werden, noch weiter nutzbar zu machen.
Von Interesse ist der aus dem Kaiserlichen Handschreiben zu ersehende Umstand, daß das Abschiedsgesuch schon am 15. Juli eingereicht worden ist, also gleichzeitig oder unmittelbar nach dem Urlaubsantritt des bisherigen Kriegsministers. Es sei daher daran erinnert, daß schon vor Monatsfrist undementirt eine Meldung durch die Presse lief, welche von einem an allerhöchster Stelle vorliegenden Entlassungsgesuch des Kriegsministers sprach. Die Abwesenheit des Kaisers auf der Nordlandreise verzögerte die Erledigung desselben. Ferner geht aus dem Handschreiben des Kaisers hervor, daß das Entlassungsgesuch des Generals Bronsart von Schellendorff lediglich mit dessen Gesundheitszustand motivirt war. In dieser Hinsicht mögen sich jedoch die Freunde des bisherigen Kriegsministers keiner Besorgniß hingeben: General v. Bronsart erfreut sich des besten körperlichen Wohlbefindens, seine Gesundheit ist nichts weniger als erschüttert. Tie „Gesundheitsrücksichten"
(Nachdruck verboten.)
Martha und Maria.
Roman von Arthur Zapp.
(Fottsetzuug.)
„Dein Vater!" Martha hob das Gesicht, das ein häßlicher, abstoßender Zug kleinlicher Bosheit und blinder Angst verzerrte, zu Herbig empor. „Dein Vater erntet nur, was er gefäet, und wenn er sein Geld verliert, so war er doch gewiß selbst schuld daran. Uns aber trifft e8 ganz unverschuldet. Wir muffen nun seinen Leichssinn büßen, wir!"
„Martha!"
Schmerz und tiefste Empörung zitterten im Ton seiner Stimme. Er stand vor ihr und starrte sie au, erschreckt, bleich, tu tiefem Entsetzen. War es denn möglich, sie, die er liebte, die er vergötterte, konnte so niedrig, so erbärmlich denken! Er wandte sich ab, bedeckte seine Augen mit der Hand und stöhnte in sich hinein.
Sie aber, viel zu sehr von ihrer Empörung, von der Angst nm ihr Schicksal beherrscht, und um in diesem Moment irgend einer andern Regung fähig zu sein, zeterte fort: „Nun ja! Jst's vielleicht nicht wahr? Soll ich vielleicht mich nicht einmal beklagen dürfen? Soll ich mich vielleicht freuen, daß ich einer Zukunft» voll Sorgen und Entbehrungen entgegen 3«he, während ich doch geglaubt habe, mit Dir in 'vrgenlose, ja, in glänzende Verhältnisse zu kommen?!" _ Er taumelte zurück, wie von einem körperlichen Schlag getroffen. Er dachte gor nicht einmal daran, daß sie bereits als eine Thatsache nahm, was erst für die Folgezeit zu befürchten stand, ja, was vielleicht Überhaupt noch einmal an ihnen glücklich vorüber ging. Ihre niedrige Denkweise, die Herz-
siud in diesem Falle ausschließlich politischer Natur, denn unbeftreitbar ist, daß tiefgehende, sachliche und persönliche Differenzen den Ausschlag beim Rückttitt des Kriegsministers gaben. Die ost erörterten Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Reform der Militärstrafprozeß- o r d n u n g ftnb hier in erster Reihe zu nennen, aber es wäre falsch, aus dem Rücktritt des Kriegsministers den Schluß zu ziehen, daß diese Frage nunmehr zu Ungunsten der Reform entschieden sei. Vielmehr bleibt die Möglichkeit bestehen, — und sie hat in der Geschichte der letzten Jahre manches Vorbild — daß die Ideen des Ministers gesiegt haben, während er selbst unterlegen ist. Für diese Möglichkeit spricht vor Allem die Thatsache, daß der Rückttitt les Kriegsministers keine weiteren Veränderungen im Ministerium nach sich gezogen hat. In der Frage der Reform d>r Militärstrafprozeßordnung hatte sich das gesammte Staatsministerium einschließlich des Reichskanzlers mit dem Kriegsminister solidarisch erklärt; wäre der Rücktritt des Kriegsministers erfolgt, weil der Kaiser definitiv abgelehnt hätte, dem vom Ministerium vorgeschlagenen Entwurf seine Zustimmung zu geben, dann wäre Fürst Hohenlohe schwerlich nach Rußland und Herr v. Bötttcher schwerlich aus Berlin abgereist; dem Rücktritt des Kriegsministers wäre vielmehr die Demission des gesummten Ministeriums auf dem Fuße gefolgt.
Aber bei den Erörterungen über die Reform der Militärsttafprozcßordnung stellten sich noch andere Schwierigkeiten heraus, die der Kriegsminister zu überwinden sich außer Stande sah. General Bronsart von Schellendorff glaubte zu erkennen, daß der Einfluß des Militärkabinets und dessen Chefs, des Generals von Hahnke, stärker als sein eigener sei. Diesen Einfluß sah er nicht nur in der Frage der Militärsttasprozeßreform seinen Plänen entgegen arbeiten, er glaubte ihn auch in zahlreichen Fällen zu erkennen, wo in Personenfragen seine Wünsche und Empfehlungen unberücksichttgt blieben. Die Differenzen mit dem Militärkabinet, für dessen Anordnungen der Kriegsminister die Verantwortung übernehmen muß, auch wenn er mit ihnen nicht übereinstimmt, dürsten den Entschluß des Generals Bronsart von Schellcndorff, sein schweres Amt niederzulegen, wohl am stärksten beeinflußt haben.
Daß sich der verabschiedete Kriegsminister jedoch mit seiner Vermuthung, er besitze das Vertrauen des Kaisers nicht mehr in dem erforderlichen Maße, gründlich auf dem Holzwege befunden, das beweist das sehr gnädige Handschreiben des Kaisers, der ihm
losigkeit, der schrankenlose Egoismus ihrer Nainr, die sich ihm so plötzlich und in so häßlicher Form enthüllte, verfitzte ihn in einen Zustand dumpfer Betäubung. Wie mit Centnerlast senkte sich das Bewußtsein auf ihn: sie liebt Dich nicht, sie hat nie irgend ein Gefühl selbstloser Zuneigung für Dich gehabt, sie hat Deine Werbung erhört, nur weil Dein Reichthum sie lockte.
Ein so furchtbares, brennendes Weh durchfuhr ihn, daß er zitternd nach einem Halt tastete, und daß ihm der Schweiß in hellen Tropfen auf die Stirn trat.
„O, Martha, Martha!" stöhnte er und blickte mit dem Ausdruck unsäglichen Schmerzes auf sie. Sie aber zuckte unempfindlich mit den Achseln.
„Fühlst Du denn nicht," schrie er auf, während shm das Blut heiß in's Gesicht schoß und sein Herz m fieberhaften Schlägen pochte, „fühlst Du denn nicht, wie abscheulich herzlos Du bist? Fühlst Du >enu nicht, daß Du Dich mir in einem Lichte zeigst, n einem Lichte---
Er rang vergebens nach einem Ausdruck und fuhr, den Satz unvollendet abbrechend, fort: „Kennst Du denn nichts Höheres, als äußeres Wohlleben und äußeren Glanz? Du zitterst vor dem drohenden Verlust, Du fürchtest Dich vor dem Anmnth und bedenkst nicht, daß Du mir in diesem Augenblick einen viel — viel größeren Verlust zugefügt, daß Du mich viel — viel ärmer gemacht."
Sie blickte ihm verwirrt in das in heftiger schmerzlicher Gemüthsbcwegung zuckende Gefichi, und das Gefühl ihrer Kleinlichkeit dämmette in ihr auf. Erröthend, in unwillkürlicher Scham senkte sie ihr Haupt.
„Ich — wenn es nur mich allein träfe," stotterte sie, „aber Willy und — Du, Du selbst —'
zugleich mit der Verabschiedung zugestellt wurde, und worin er zum General-Adjutanten Sr. Majestät ernannt wurde.
Empfindlich wird man das Scheiden des Herrn von Bronsart in den weitesten Kreisen bei den parlamentarischen Verhandlungen des Reichstages vermissen. Er war einer der rede gewandtesten und schlagfertigsten Kriegsminister, die Preußen gehabt hat. Er war ein ebenso schneidiger wie sachlicher Redner und besaß einen kräftigen und wirkungsvollen Humor, der ihm die schwierigsten Situationen leicht überwinden half. Wiederholt in den nicht drei vollen Jahren, die er im Amte war, drängte sich dem aufmerksamen Beobachter der parlamentarischen Vorgänge die Erkenntniß auf, daß kein einziger Minister so geschickt die Angriffe der Sozialdemokratie zu pariren wußte wie er. Es ist denn auch Thatsache, daß es außer dem Fürsten Bismarck kaum einen Minister gegeben hat, der von den Sozialdemokraten im Reichstage mit so fanattschem Haß, mit so verbissenem Grolle und mit so vielen kleinen Nadelstichen verfolgt worden ist, wie General Bronsart v. Schellendorf. Mit seinen Geist und Witz sprühenden Abfertigungen wußte er den Sozialdemokraten stets auf den Leib zu rücken. Seine einmal gebrauchte Redewendung: Gegen unnütze Sozialdemokraten gebrauchen wir die Feuerspritze" — ist geradezu zu einem geflügelten Wort geworden, lieber seinen Rückttitt wird daher die Sozialdemottatie ein wahres Freudengeheul an stimmen.
Der neue Kriegs Minister General von Goßler, ein Bruder des früheren Kultusministers, ist einer der bekanntesten jüngeren Generale; er hat fein 55. Lebensjahr noch nicht vollendet. Er war Anfangs der neunziger Jahre Direktor des allgemeinen Kriegsdepartements im Kricgsministerium und ist im Reichtage bei der Berathung der Militärvorlage im Jahre 1893 in hervorragender Weise thätig gewesen. Man geht schwerlich fehl in der Annahme, daß er in den wichtigsten militärischen und politischen Fragen, speziell was die Reform des Militärsttasprozesses betrifft, auf dem Standpunkt seines Amtsvorgängers steht.
Deutsches Reich.
* Berlin, 16. August. (Tagesbericht.) Der Geburtstag des Prinzen Heinrich wurde auf Schloß Wilhelm shöhe durch eine Festtafel gefeiert, an welcher der kommandirende General von Wittich, der frühere Botschafter General v. Schweinitz, der Oberpräsident Magdeburg, Prof. Hanstein, der
Er schnitt ihr mit einer raschen Handbewegung die heuchlerische Rede ab. „Es handelt sich nicht um mich. Pfui über den Sohn, der an sich denkt, wenn sein Vater in Noth und Gefahr ist! Und was Willy betrifft, ihm wird unter keinen Umständen das, was nöthig ist, abgehen. Im Uebrigen, Deine klein- siche Angst ist vielleicht ganz gegenstandslos. Ich ügte: mein Vater stand vor dem Bankerott! Hoffentlich gelingt es ihm, die Krists zu überwinden und es kommt gar nicht zum Aeußersten."
Sie sah ihn überrascht und bestürzt an. So hatte ie sich voreilig eine Blöße gegeben? Dicht an ihn Ijerantretenb, wand sie mit schmeichlerischer Geberde ihren Arm um seine Schulter.
»Du mußt mir's nicht übel nehmen, Robert," agte fie, sich an ihn schmiegend, „Du mußt nicht gleich jedes Wort, das man in der Aufregung chwatzt, auf die Goldwage legen 1 Mein Gott, ich bin ja von Natur etwas ängstlicher und--also
e« steht wirklich noch gar nicht so schlimm? Du Böser, Du hast mir einen furchtbaren Schreck eineingejagt. Ich glaubte natürlich, daß Alles verloren ei, auch Dein mütterliches Erbtheil, und nun war's nur ein Schreckschuß. Nicht war? Oder ist's doch, st Dein persönliches Vermögen auch im Spiel?"
Er stieß eS rauh heraus und machte sich aus ihrer Umschlingung los, so heftig, daß sie sich verletzt auf die Lippen biß. Aber sic überwand ihren aufkochenden Aerger und zwang sich zu einem demüthigen Ton: „So sage mir doch, wie es steht, was Dein Vater mit Dir verhandelt hat!"
Erwehrte fie ab. „Laß mich jetzt! Im bin nicht in der Stimmung.“
Ein zorniger Blick zuckte in ihren Augen auf, aber der Anblick seines finster gerunzelten Gesichts
ehemalige Lehrer des Prinzen Heinrich, und die Direktoren Vogt und Hanßner, die ehemaligen Lehrer des Kaisers, theilnahmen. Gestern hat das Kaiserpaar mit dem gejammten Hofstaat von Schloß Wilhelmshöhe ans einen Ausflug in zehn Wagen nach Bannsberge gemacht, wo im Walde ein Picknick veranstaltet wurde. Der Kaiser sah sehr gut aus und grüßte lächelnd die spalierbildende Menschenmenge. Das Wetter war prächttg. Heute besuchten die Majestäten mit dem gesammten Hofstaat den Gottesdienst in der Schloßkapelle zn Wilhelmshöhe. Zur Frühstückstafel war Professor Oncken aus Gießen geladen worden. Nachmittags wurden Spaziergänge unternommen. — Nach den enbgdtigen Dispositionen wird das Kaiserpaar mit dem Gefolge am morgigen Montag Vormittag um 11«/, Uhr mit Extrazug von Wilhelmshöhe abreisen und auf der Wildparkstation bei Potsdam Nachmittags 51/2 Uhr eintaffen. — Die Anwesenheit König Alberts von Sachsen bei den Breslauer Kaisermauövern ist, wie es heißt, unwahrscheinlich geworden, da das körperliche Befinden des Königs zu wünschen übrig lasse. — Das Zarenpaar wird sich, tote ans Wien gemeldet wird, am 29. August von Wien nach Gmunden begeben jum Besuche der Königin Marie von Hannover, sotoie des Herzogs und der Herzogin von Cumberland. In Paris dürste das Zarenpaar am 6. oder 8. Oktober zu achttägigem Aufenthalt eintreffen und im Palais der russischen Botschaft reftbtren. Es findet ein Galadiner mit Empfang im Elysee und Galaoper statt. — Abg. Böckel (Antif.) ist an einem bösartigen Fieber bedenklich erkrankt. Seine Wiederherstellung dürste längere Zeit beanspruchen.
* (Eine ähnliche Differenz), tote zwischen dem Kriegsminister und dem General v. Hahnke besteht auch zwischen dem Marinechef Hollmann und dem Chef des Marinekabinets, Freiherrn v. Senden- Bibron. Es ist seinerzeit erzählt und niemals in wirklich glaubhafter Weise besttitten worden, daß Herr von Senden-Bibran den Auftag erhalten habe, einen Plan zur Vermehrung der Flotte aufzustellen. In der Budgetkommisston des Reichstags ist diese Sache zur Sprache gekommen und Herr Hollmann hat sich dagegen verwahrt, daß es ernstere Meinungsverschiedenheiten in der angedeuteten Richtung gebe. Aber volle Beruhigung wurde durch die damalige Behandlung der Angelegenheit nicht verbreitet, und es wäre schon möglich, daß auch diese Fragen jetzt wieder mehr in den Vordergrund getreten sind.
veranlaßte fie, ihren Aerger hinunter zu schlucken und sich leise zu entfernen.
Es waren unerquickliche Wochen, welche dem heftigen Austritt folgten. Robert litt insgeheim schwer unter den Eindrücken, die Matthas kleinlicher Egoismus tu ihm hinterlassen. Es schlug seinem Herzen eine schwere Wunde, daß er an ihr einen so häßlichen Flecken entdeckt. Er hatte immer geglaubt, ihrer äußeren Schönheit müßten auch Marthas innere Eigenschaften entsprechen, und nun mußte er die Wahrnehmung machen, daß hier ein großes Miß- verhältniß bestand. Am schwersten konnte er die- enige Aeußerung verwinden, der er die nieder- chmetternde Vermuthung entnehmen zu müssen glaubte, daß er für sie lediglich seines Reichthums wegen Bedeutung gehabt:
„Ich habe geglaubt, mit Dir in glänzende Ver- hältniffe zu kommen."
Diese Worte tönten ihm unaufhörlich in den Ohren und machten ihn mißtauisch und schwer- mülhig. Und während er sonst sich nie Wohler ge< Wt als in Marthas Gesellschaft, mied er sie jetzt mit einer unverkennbaren Geflissenheit. Seine dienst- reie Zeit brachte er meist einsam in feinem Zimmer ju. Konnte er denn noch je ihren Worten, ihren Blicken Glauben schenken?
Martha aber bemühte sich, mit dem Aufgebot ihrer ganzen Liebenswürdigkeit das, was geschehen, in Vergessenheit zu bringen. Sie war ärgerlich auf sich, daß sie sich von der Angst so sehr hatte überrumpeln lassen, ihrer innersten Herzensmeinung so offen Ausdruck zu geben. Das war unschicklich und in jedem Fall unvorfichttg. Schon die Klughest hätte fi- abhalten müffen. so uubedacht zu handeln
Es dauerte aber Wochen und Monate, bis es ihr gelungen war, einigermaßen die frühere Unbe-