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Jahrg.

Marbur

Sonntag, 16. Augu

®rfd)eint täglich anher an Werktagen nach Sonn- uns Settttogen, - Quartal Abonnement«-Preis bei der Erve- düton 2 Mk, bei allen Postämtern 2 Mk 25 Pfg. ierkl. Bestellgeld) Jnsemonsyebühr für dir gespaltene Zeile oder deren Raum o Pfg, Reklamen für die Zeil- --5 Pia.

Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg unb Kirchhai«.

Md DnI-g. a.^^^r^fttLlS-Buchdni-k» ri m Warbvrg. ^rtl«ürirtes ^a««taasblatt. Bnanlworrlichsürdw allgcmrm'N Tbnl: R.dak'rur Friedrich Colbatzky

' w y»wvt« für den Jnierateniheil: Job. Aug Koch, beide in Marburg.

Anzeigen nimmt entgegen di« Expedition dieses BlaneS, , sowie die Annoncen-Bureaux von Haasentzein u. Vogler in

Frankfurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wien; Rudolf lö9o. Mosse in Frankfurt a M., Beilin, München u. Köln, C L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M Berlin, Hannover, Paris.

Petroleum.

*** Lange Hal man daran gezweifelt, ob der verwegene Plan des amerikanischenPetroleumkönigs" Rockefeller, ein Weltmonopol für Petroleum zu schaffen, gelingen werde, und noch kürzlich wurde eine dahin lautende Nachlicht, daß die letzten, wirthschaftlich kräf­tigen deutschen Konkurrenten nunmehr endgiltig be­seitigt seien, mit ungläubigem Lächeln ausgenommen. Man wußte ja aus den Reichstagsverhandlungen vom Mai vorigen Jahres, daß Herr v. Boetticher seine schützende Hand über Deuffchland ausgebreitct habe und zweifellos Alles zum Besten kehren werde. Als damals der Petroleumpreis zu einer solchen Höhe emporgeschnellt war, daß unfern Hausfrauen die Haare zu Berge stiegen, da hatte die deutschsoziale Reform- Partei sich das Verdienst erworben, eine Aussprache im Parlamente herbeizuführen. Sie halte die Re­gierung über die Maßregeln interpelliit, die sie treffen wolle, umdie Ausbeutung, von der das gesammte deutsche Volk durch die künstlichen Preistreibereien augenblicklich betroffen ist, zu beseitigen", und Staats­minister v. Boetticher hatte in der üblichen glatten Weise geantwortet, daß die Regierung sich schon seit längerer Zeit mit der Frage beschäftige, welche Maß­regeln zu ergreifen wären, die Erwägungen seien dem Abschluß nahe, cs sei jedoch noch nicht gerathen, sich über das Ergebniß zu äußern und deßhalb enffpreche es den Interessen des deutschen Handels und der Kon­sumenten, wenn, er die Beantwortung der Inter­pellation ablehne. Der Reichstag, der ja so viele schöne und wichtige Dinge zu thun hat, der ganze Wochen mit einem aufgeknüpften Schwarzen, mildem Duell, mit Wahlzänkereien und ähnlichen Sachen zu­bringt, hatte natürlich keine Zeit, auf die für das Wirthschaftslebeu so eminent wichtige Frage einzugehen.

Nun sind 15 Monate in's Land gegangen, immerhin ein ganz netter Zeitraum, um recht ein­gehendeErwägungen" anzustellen. Wir haben zu dem ganzen deutsch - französischen Kriege kaum acht Monate gebraucht, aber in 15 Monaten können die werthvollen Erwägungen" scheinbar nicht zu Ende ge­langen. Es wird wohl wieder so kommen, wie in der Zeit des seligen Bundestages: genau um einen Posttag zu spät. Das ist um so wahrscheinlicher, als sich die Verhältnisse inzwischen ganz wesentlich geändert haben, so daß das, was bisher möglich war, vollständig zur Unmöglichkeit wurde. Während nämlich bisher eine Anzahl deutscher Geschäfte, vor Allem die großen Firmen Philipp Poth in Mannheim, Rassow, Jung & Co. in Bremen, Goepel & Trübe in New-York

sich ihre Selbstständigkeit gewahrt haben, ist jetzt Seitens der Standard Oil Company auch der letzte Widerstand gegen ihr Einfuhrmonopol in Deuffchland beseitigt worden. Die Mannheimer Firma ist gleich den anderen in die Hände des Trusts gefallen. Was das aber für das praktische Leben bedeutet, das können sich unsere Hausfrauen vergegenwärtigen, wenn sie sich an die Preisbildung des vorletzten Winters erinnern. Damals wurde die erste Probe auf den riesigen Gauner st reich gemacht, den die Herren Rockefeller und Rothschild gegen den Säckel der Menschheit, gegen Reich und Arm, gegen Gesunde und Kranke planten. Damals stieg der Preis im Detailhandel in kürzester Frist von 15 Pfennigen auf 25, ja bis auf 32 Pfennige, und es galt nicht als Unmöglichkeit, daß sogar eine Steigerung bis zu HO Pfennigen erfolgte. Welch enorme Zahlen hierbei in Frage kommen und auch in Zukunft in Rechnung zu setzen sind, cigießt sich aus folgenden Thatsachcn: Das deutsche Reich hat nach der amtlichen Statistik int Jahre 1894 rund 74;5 Millionen Doppelcentner eingeführt und verbraucht. Eine Preissteigerung von nur 1 Pfennig auf den Liter macht für den dentschen Konsum eine Mehrbelastung von 10 Millionen Mark aus. Die jähe Preissteigerung von Monat Januar bis 15. April 1895 von 129 auf 256 Mark kostete uns die Kleinigkeit von rund 100 Millionen. Ein ähnlicher Scherz, der im Jahre 1876 durch die Standard Oil Company in Scene gesetzt wurde, als das Petroleum von 11 auf 34 Mark stieg, würde im Jahresdurchschnitt uns 200 Millionen Mark kosten. Es handelt sich also um das nutzlose Vergeuden von Summen, deren zehnter oder-zwanzigster Tyeil, falls er etwa für Heereszwecke oder zur Unterstützung des Handwerks gefordert würde, Herrn Eugen Richter und den gesummten Manchestertroß vollständig aus dem Häuschen bringen würde. Aber ebenso wenig, wie man auf dieser Seite jemals ein kräftiges Wörtlein gegen die Auswüchse des Börsentreibens erwarten darf, ebenso wenig hat man hier Neigung, ein so ungeheuerliches Attentat abzuwehren, wie es von Rockefeller und Rothschild geplant wird zur höheren Ehre ihres unersättlichen Geldbeutels. Im vorigen Jahre standen noch ein paar kapitalkräftige, deutsche Großkaufleute in wilder Fehde den Monopolisten gegenüber, die mit ihren persönlichen Interessen zugleich große deutsch-nationale Interessen verfochten; jetzt ist auch dieser Kampf zu Ende, und e8 ist trotz aller Erwägungen" nicht gelungen, noch in zwölfter Stunde Mittel und Wege zu finden, um die drohende Gefahr abzuwehren.

Treubruch, Meineid, Gewaltthätigkeit, Aussaugung, Betrug und Bestechung so charakterisirt Walter Mancke in seinem BuchEin Weltmonopol in Petroleum" die Mittel, mit denen John Rockefeller seinen Weg zurückgelegt hat. Im Jahre 1862 hat Rockefeller eine kleine Petroleum-Raffinerie iu Cleve­land, Hunderte von englischen Meilen von den Oel- quellen entfernt, errichtet, vorher war er Buchhalter in einem kleinen Produktengeschäft gewesen; schon im Jahre 1893 betrug das Nominalkapital über 100 Millionen Dollars. Und während er im Westen seinen Weg machte, schritten im Osten die Rothschild vor. Bis tief hinein in die armseligste Lebens­führung griff der gierige Arm, indem man die Ringe und Privatmonopole schuf, Kohle, Kupfer, Queck­silber, in denen sich der Bedarf steigerte, aufkaufte und aufstapelte, um den Verkehr zu sperren und die Preise dikttren zu können. Selvst vor dem Gedanken ist mau nicht zurückgeschreckt, die Golderzeugung zu monopolisiren. Auf dem Wege jedoch, für das Petroleum die gleiche Praxis einzuschlagen, traf man auf Rockefeller. Ihn konnte man nicht, gleich so vielen Anderen, einfach verschlingen; was lag näher als mit ihm eine für beide Theile gleichmäßig nütz­liche Vereinbarung izu treffen, und da nicht Jeder allein herrschen konnte, zusammen, zu herrschen! Man beschloß, die Kleineren zu vernichten, und theilte die Welt. In Batu wurden die Nobels beseitigt, in Amerika vereinigte man sich mit der Tidewater-Pipe- Line - Company und bekam so über 90 Prozent der gelammten, transatlantischen Produktion in die Hände. Um bann Herr des ganzen Reiches zu werden, ver­nichtete Man den -Rest durch einen kolossalen Preis­sturz : Der Ring ist geschlossen, auch die Letzten Haden sich auf Gnade und Ungnade ergeben.

_ Daß die Gefahr, wie wir sie hier in kurzen Um­rissen bailegten, in ber Thal besteht, hat im vorigen Jahre kein Anberer, als Graf Posadowsky in ber Sitzung vom 24. April eingesi ariden. Er führte aus, wie eigenthümlich es sei, baß, wenn bie Re­gierung eine Zollerhöhung vorschlägt, so außerorbent lich scharf mit Pfennigen gerechnet werbe, währenb weltwirthschastliche Ereignisse von viel tieferer Be- beutung sehr oft spurlos an bem konsumirenden Publikum vorübergingen. Man habe in ben letzten Wochen eine ganz ungewöhnliche Hausse bes Petroleums erlebt, eine Preissteigerung, welche ben Bemühungen be§ Trusts zu banken sei, ben ber amerikanische Präsibent Cleveland sehr tteffend als Kommunismus des Mammons bezeichnet habe. Es sei ausgerechnet worden, daß diese Trustbestrebungen dem deutschen

Volke für seinen Petroleum bedarf, falls nicht ein be­deutender Konsumrückgang eintritt, jährlich eine Mehr­ausgabe von 300 Millionen auf erlegen würde. Be­darf es eines besseren Zeugniffes, um die Noth- wendigkeit zu betonen, daß man nun endlich mit ben Erwägungen" zu Ende und zu Thaten gelange? Das Publikum selbst hat ja fein anderes Mittel, als die Verringerung des Konsums, ben Ersatz durch andere Mittel; aber für die Regierung ist doch wahrlich nicht die Lage so hoffnungslos, daß sie die Flinte in's Korn werfen müßte, Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Deutsches Reich.

* »erlitt, 14. August. (Tagesbericht.) Die Kaiserlichen Majestäten machten heute wiederum in dem herrlichen Park von Wilhelms- Höhe ausgedehnte Spaziergänge. Dem Kais er- manöver weiden int2luf trage ber schweizerischen Regierung ber Oberstbrigadier Heller-Luzern und berößerftlieutenant Berffchinger-Aargau beiwohnen. Die Fahrt ber Manöverflotte burch ben Kaiser Wilhelms-Kanal ist heute beenbet worben; sie verlief glatt unb ohne Zwischenfall. Generaloberst Graf SB alberfee hat gestern in Friebrichsruh bem Fürsten Bismarck einen Besuch gemacht. Er würbe vom Fürsten, ber Uniform trug, persönlich am Bahnhofe empfangen. Abenbs kehrte Graf Walbersee nach Hamburg zurück. Der Lanbeshauptmann für bie Marschall­inseln, Dr. 3 rin er, welcher sich im Frühjahr toegert eines Augenleidens mit seiner Familie nach Sydney begeben hatte, ist, benB. N. N." zufolge, von Australien nach Sahnt im Marschallarchipel zurück- gekehrt. (I. war bekanntlich früher in Marburg thätig. D. Reb.) Die Nachricht, baß Herr von Kotze begnabigt werden soll, kommt aus . . . Amerika. DieNew-Yorker Staatszeitung" meldet nämlich aus angeblich sicherer Quelle, daß die Be­gnadigung des Herrn v Kotze gelegentlich der in Schlesien stattfindendcn Kaisermanöver erfolgen w.rde.

* (Zur innerpolitischen Lage.) Wie von Goethe in ben zweiten Theil seinesFaust", so wirb von unseren Krisenfabrikanfen in ihre Elaborate nncnblich vielhincingeheimnißt", was ihren Mach­werken ben Stempel bes Bedeutungsvollen aufdrücken und den Anschein erwecken soll, als wüßten diese Herren etwas, das sie nur noch nicht verrathen dürsten. Die innere Sage scheine auch nach den Wilhelmshöher Besprechungen nicht derart geklärt, daß bebeut-

(Nachdruck verboten.)

Martha und Maria.

Roman von Arthur Zapp.

(Fortsetzung.)

Und als Marie sich nun mit plötzlicher Bewegung hcrabbeugte und dem Kinde, wie von ihrem Gefühl hingerissen, mit überströmender Zärtlichkeit und doch mit zarter Behutsamkeit einen Kuß auf bie schwellende, hochgeröthcte Wange drückte, da machte Hcrbig unwill­kürlich einen Schritt in's Zimmer hinein.

Mit leisem Schrei flog sie in die Höhe und schreckensbleich, mit weitgeöffneten Augen starrte sie nach ihm hin. Dann, als sie ihn erkannt, flammte eine jähe Röthe in ihrem Gesicht auf unb zitternb, mst niedergeschlagenem Blick stand sie vor ihm.

Verzeihen Sie, daß ich Sie erschreckt habe," redete er sie an, sich ihr nähernd.Die Unruhe um Willy trieb mich aus der Gesellschaft fort. Aber ich sehe, daß kein Grund zur Besorgniß vorhanden. Nicht wahr?"

Sie bewegte stumm das Haupt, während er am dett stand und sich mit entzückten Blicken an dem lieblichen Anblick weidete, den das in sanftem Schlummer ruhende Kind bot.

sie sollten sich mehr schonen, Marie," sagte er ben Blick forschend, auf ihr blasses Gesicht richtend Warum sind Sie nicht längst zu Bett gegangen? »i- opfern sich ja rein für den kleinen Kerl. Wie 'eilen wir Ihnen das je vergelten."

Sie machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand.

Sie find mir keinen Dank schuldig," entgegnete stc,eher ich Ihnen, daß Sie mir Gelegenheit ge­geben, mir sein kleines Kinderherz zu erobern. Er

vergilt mir überreichlich das bißchen Mühe, das ich mit ihm habe. Sie wissen ja, mit wie rührender Siebe er an mir hängt, unb ich habe so wenig Liebe gehabt in meinem Leben."

3n diesen wenigen, leise hervorgestammelten Worten lag eine ganze Leidensgeschichte, unb in Robert regte sich ein warmes Mitgefühl. Er ergriff ihre Hand unb drückte sie herzlich.Sie sind zu be- scheiden, zu selbstlos, Marie. Noch einmal: herz­lichen Dank."

Er nickte ihr freundlich zu und schlich sich auf >en Zehenspitzen davon. Sie stand noch lange an derselben Stelle unb blickte mit stillem Lächeln vor ich hin.

ui.

SineS Tages kam ganz unerwartet, ohne baß er vorher feinen Besuch angemeldet, Roberts Vater au. Martha empfing ihn mit ihrer gewinnenden Liebens­würdigkeit, denn ihr Schwiegerpapa hatte sich durch >ie reichen Geschenke, bie er ihr zur Hochzeit gemacht, ihre volle Sympathie erworben.

Es verstimmte sie etwas, daß ber alte Herr ihr wortreiches Entzücken über fein angenehm über« raschenbes Erscheinen nur mit einem zerstreuten Lächeln beantwortete und sogleich nach Robert fragte. Auch das halbe Stündchen, das noch verstrich, bis Robert aus dem Dienst nach Hause kam, verbrachte er wortkarg und in sich gekehrt. Von einer auf­fallenden Unruhe beherrscht, ging er zwischen Sofa «nb Fenster hin unb her und auf Marthas Fragen gab er nur halbe, ausweichende Antworten. Selbst der kleine Willy, den er eine Minute lang auf den Arm nahm, konnte ihm kein nachhaltiges Jnterefle abgewinnen.

Ruch Roberts herzliche Begrüßung brach er kurz

mit ber hastigen Bemerkung ab, baß er eine bringenbe, wichtige Angelegenheit mit bem Sohn zu besprechen habe. Robert führte ben Vater in fein Zimmer, unb hier öffnete ber alte Mann rückhaltslos, ohne Umschweife fein Herz.

»Mein Sohn," sagte er, sich schwer in einen Sessel fallen lassen!),Du siehst einen gebrochenen Mann in mir. 3ch stehe vor bem Ruin."

Robert sah erschrocken auf ben Sprechenben, dessen Gesicht, nachbem das gezwungene Lächeln baraus verschwunden, plötzlich um ein Jahrzehnt ge­altert zu fein schien. Diese Eröffnung kam ihm foi unerwartet, baß er ihre schwerwiegende Bedeutung noch nicht zu fassen imstande war. Er hatte seinen Vater, der eine große Maschinenfabrik besaß, immer für einen sehr reichen Mann gehalten, und nun hörte er plötzlich, aus dem Munde des Vaters selbst, das Gegentheil.

Aber wie wie ist denn das möglich?" brachte er endlich schwerathrnend heraus.

Der alte Mann stöhnte tief auf, richtete feine in sich zufammcngkfunkene Gestalt etwas straffer in die Höhe und sagte:Ungünstige Konjunkturen, thenre Einkäufe des Rohmaterials, Baarverluste, Ausfälle in der Kundschaft, ber täglich sich mehr znspitzenbe Kampf in ber Konkurrenz, Alles das wirfte zusammen, das blühende Geschäft herabzubringen. Schon seit Jahren arbeite ich mit Unterbilanz. Wenn ich Dir bisher von diesem Rückgang keine Mittheilung ge­macht, so geschah es, weil Du mir ja doch nicht beistehen konntest und weil ich andreiffeits hoffte, mit der Zeit wieder hoch zu kommen. Vergebens! Es bleibt mir nichts übrig, als den Konkurs an« zumelden.

Den jungen Offizier durchglühte ein heißes Angstgefühl. Der Anblick des gebeugten alten

Mannes, der mit gramdurchfurchtem Gesicht, mit düster zu Boden stierenden Blicken vor ihm saß, schnitt ihm in die Seele. Daß er selbst, baß feine kleine Familie von bem Ruin ebenfalls hart mit- betroffen wurde, kam ihm auch nicht einen Augen­blick in den Sinn. Ihn bekümmerte nur das Ge- 'chick des Vaters, der nun in seinen alten Tagen vor dem Mangel stand.

Giebt es denn gar keine Möglichkeit, kein Mittel, das Unglück abzuwenden?" fragte er bebend.

Der Gefragte hob den auf der Brust ruhenden Kopf und streifte mit scheuem, forschendem Blick das Gesicht des Sohnes.

Ein Mittel," antwortete er,ein letztes gäbe es wohl, noch einmal den Versuch zu machen, die Fabrik, die seit dreißig Jahren in meinem Besitz, zu erhalten. Aber ich ich weiß nicht, ob"

»So sprich doch, lieber Papa, ich bitte Dich. Wenn ich imstande bin, Dir irgendwie zu Helsen, so soll's mit tausend Freuden geschehen."

Das Vermögen Deiner verstorbenen Mutter, das ich für Dich verwalte, ist noch unberührt. Hunderttausend Mark, die"

Warum nimmst Du sie nicht?" unterbrach ihn der Sohn glühendem Eifer.Warum hast Du sie nicht längst genommen ?"

Der alte Herr gab sich einen energischen Ruck und zeigte eine ernste Miene.

Dazu hatte ich so ohne Weüeres nicht das Recht. Das Geld ist in guten Papieren auf einer Berliner Bank deponirt und um zu erheben, bedarf eS Deiner Einwilligung."

Der Lieutenant blickte mit liebevollem Vorwurf auf seinen Vater herab.

Du kannst doch nicht glauben, Papa, daß ich daS Geld kalt, herzlos zurückhalten werde, wenn e§