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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «uv Kirchhai«.
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Ninrbura,
Freitag, 14. August 1896.
Anzeigen nimmt entgegen di« Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in _____ _
Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf IXXL Iabra.
Mosse tn Frankfurt a. M„ Berlm, München u. Köln, C L. . ' “
Daube u. Co. in Frankfurt a. M„ Berlin, Hannover, Paris.
Strafrecht und Zurechnungsfähigkeit.
** Am 4. und 5. d. M. wurden in wissenschaftlichen Versammlungen zwei in dies Gebiet tief eingreifende Vorträge gehalten, indem am 4. d. Mts. der Professor Fr. v. Liszt-Halle zu München auf dem internationalen Kongreß für Psychologie über die kriminelle Zurechnungsfähigkeit und am 5. d. Mts. auf dem deutschen Anthropologen-Kongreß zu Speyer Professor Virchow-Berlin über einige Punkte der Kriminal-Anthropologie sprach. Die Reden dieser beiden Autoritäten gingen übrigens von wesentlich verschiedenen Anschauungen aus.
Professor v. Liszt führte aus, daß die Verantwortlichkeit vor dem Strafgesetz durch die geistige Reife bedingt sei, daß aber, auch wenn sie vorliege, nach unserem deutschen Strafgesetzbuch (§ 51) die Zurechnungsfähigkeit nicht anzunehmen sei, „wenn die strafbare Handlung in einem Zustande von Bewußtlosigkeit oder krankhafter Störung der Geistes- thätigkeit begangen sei, wodurch die freie Willensbestimmung ausgeschlossen werde". Da Professor v. Liszt aber die Willensfteiheit in Zweifel zieht, so giebt er der Fassung: „normale Willensbestimmung" den Vorzug; er ist jedoch der Ansicht, daß auch sie bei unausrottbarem Haug zu Verbrechen nicht anzunehmen sei und daß man daher entweder auf die Bestrafung solcher unverbesserlicher Gewohnheitsverbrecher, die den gemeingefährlichen Geisteskranken gleich zu stellen seien oder auf den Begriff der Zurechnungsfähigkeit verzichten müsse; da aber im Interesse des Gemeinwohles eine Bestrafung solcher Verbrecher geboten sei, so solle man bei der Lehre von der Zurechnungsfähigkeit nur von einem sie ausschließenden Zustand der Bewußtlosigkeit oder der krankhaften Hemmung oder Störung der Geistes- thätigkeit reden unter völliger Weglassung der „freien Willensbestimmung".
Man ersieht hieraus, daß die Lehren Lombroso's auch bei unseren Rechtslehrern auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Das ganze Straftecht würde sich hiemach auf einer Fiktion aufbauen, da den Ge- wohnheitsverbrechem gegenüber die Strafe — an sich ein Unrecht — nur, um mit Kant zu reden, ein Postulat der praktischen Vernunft wäre.
Ganz anders sprach sich dagegen am 5. d. Mts. zu Speyer der Professor Virchow aus, indem er energisch gegen jene Theorie Lombroso's protestirte, wonach jede Verantwortlichkeit bei Verbrechen weg-
(Nachdruck verboten.)
Martha und Maria.
Roman von Arthnr Zapp.
(Fortsetzung.)
Martha selbst war in dem Taumel des Tanzes einen Augenblick in Gefahr gekommen, ■ ihre kühle Unempfindlichkeit und Selbstcontrole zu verlieren, als Holleben ihr, berauscht von ihrer Nähe und dem Spiel, das fie den Abend über mit ihm getrieben, zitternde Worte voll flammender Gluth in's Ohr gestammelt. Sie hatte, in feinen Armen schwebend, die Augen geschlossen und den Ausbruch seiner Leidenschaft widerstandslos über sich dahinbrausen lassen. Erst als die Tour vorüber war und er sie aus seinen Armen ließ, hatte sie sich mit der Miene beleidigten Stolzes hoch aufgerichtet und mit zürnender Strenge zu ihm gesagt: „Ich bedauere, Herr von Holleben, daß Sie die Freiheit des Tanzes mißbrauchen. Sie machen es mir unmöglich, Ihnen künftig überhaupt noch einen Tanz zu gewähren."
Er aber hatte heftig mit den Schultern gezuckt und ihr in mühsam beherrschter Erregung zuge- wisvert: „Ich konnte nicht anders und wenn es mein Leben gekostet hätte. Machen Sie mich nicht verantwortlich, Martha, machen Sie den bezwingenden, hir reißenden Zauber Ihrer Schönhett verantwortlich, vor der jede Selbstbeherrschung in Scherben geht. Sie bringt mich noch von Sinnen."
Sie hatte ihm auf diese kühnen Worte mit äußerlicher Indignation den Rücken gekehrt, ihrer Eigenliebe aber war diese Erklärung labendes Manna gewesen.
Und nun, währeud fie das reiche Blondhaar zum Schlaf löste, betrachtete fie mtt dem berauschenden Gefühl innigster Selbstzufriedenhett ihr Spiegelbild.
falle, da der Mensch nur das Resultat der Vorgänge fein solle, die sich an seinem Körper abspielten. Prof. Virchow spottete über die Anschauung, daß gewisse Verbrecher von der Natur zum Verbrechen verpflichtet seien, wie der Tiger zum Fressen und der Wolf zum Zerreißen und er prophezeite« daß nach Lombroso, der eine gewisse Aehnlichkeit mit Hall habe, in dreißig Jahren Niemand mehr fragen werde.
Wir müssen gestehen, daß wir auf diesem Gebiet der Psychiattie dem Professor Virchow gegen Pros, v. Liszt die größere Autorität zuerkeuncu und daß cs uns nicht einleuchten will, warum wir bei Tagedieben, die zum dritten Male bei einem Diebstahl oder einer feinangelegten Betrügerei ober Bauernfängerei ertappt werden, nur um dieses wiederholten Rückfalls willen einen Zustand geistiger Erkrankung annehmen sollen, der irn Uebrigen nirgends bei ihnen zu Tage tritt. Denn es sind, wie der Geh. Rath Prof. Casper in feinem anerkannten Handbuch der gerichtlichen Medizin mit Recht bemerkt, einem jeden Menschen die ewigen Wahrheiten des Sittengesetzes, die Grundangel der ganzen Zurechnungslehre, in's Gewissen gegraben, so daß sich das Unterscheidungs- Vermögen, welches vorzugsweise im Gemüth wurzelt, nicht als ein Denkprozeß darstellt, und es beruht hierauf allein die psychologische Möglichkeit der Wirksamkeit des Strafgesetzes. Dagegen spricht auch nicht die Thatsache, daß es zu allen Zeiten, um mit Nero und Tiberius anzufangen, bestialische Naturen gegeben hat, die sich an den Leiden ihrer Mitmenschen ergötzten.
Wir wollen hoffen, daß sich unsere Strafgesetzgebung niemals von jenen verkehrten Theorien beeinflussen läßt, wenngleich Prof. v. Liszt ttotz feiner Doktrin im Hinblick auf die Nothwendigkeit der Aufrechterhaltung der Rechtsordnung zu praktischen Ergebnissen kommt, die seiner Theorie fundamental roiberftreiten.
Deutsches Reich.
* Berti«, 12. August. (Tagesbericht.) Se. Majestät ber Kaiser unb Jbre Majestät bie Kaiserin unternahmen, wie aus Cassel gemelbet wirb, gestern Vormittag einen längeren Spaziergang durch bie Wilhelmshöher Parkanlagen. Gegen ’/?4 Uhr Nachmittags machten bie Prinzen Oscar unb Joachim unb bie Prinzessin Luise Victoria mit Begleitung einen Wagenausflug nach bem Dörnberg. Die Majestäten fuhren eine halbe Stunde ipater mit
War ihre Schönheit wirklich eine so dämonisch berückende? ....
Das Experiment mit Marie hatte sich so vollauf bewährt, daß es unwillkürlich zur Wiederholung reizte.
Auch Robert fühlte sich beruhigt, wenn er Marie bei dem Kinde wußte, nur trug er Bedenken, des jungen Mädchens Opferwilligkeit allzuoft in Anspruch zu nehmen. Aber Marie legte selbst soviel herzliche Freude an den Tag, so oft sie sich mit dem ihr entgegenzappelnden und jauchzenden kleinen Neffen beschäftigen konnte, daß er ihrer Betreuerung gern Glauben schenkte, es sei für sie kein Opfer, dem Kleinen zuliebe auf einen Ball ober sonst eine Festlichkeit zu verzichten. Er war ja oft genug Zeuge gewesen, wie verlassen unb bebrüeft fie sich in jeher größeren Gesellschaft zu fühlen schien unb wie sie, übersehen unb vernachlässigt von ben Herren, offen- bar eher Unbehagen empfanb, als Lust.
_ Ju ber stillen Häuslichkeit aber, in ber Beschäftigung mit bem Kinbe, lebte fie förmlich auf, ging sie aus ihrer starren Zurückhaltung heraus unb plauberte, lachte unb tänbelte mit bem Kleinen, baß e§ ein Vergnügen war, ihr zuznfehen. Keiner wußte, wie sie, die Wünsche bes Kinbes zu erratIjen, sich in bie Kinbesseele hinein zu versetzen, und es war überraschend, mü welcher Feinfühligkett sie stets bas Richtige zu treffen wußte.
Dazu kam, baß Robert jebesmal schwer litt unter ben Zwisten, bie sich zwischen Martha unb ihm zu entspinnen pflegten, so oft er ihr ein Vergnügen verweigerte oder fie in ber Theilnahme an einem solchen beschränkte. Er selbst machte sich heimlich regelmäßig Vorwürfe. War fie nicht jung und hatte fie nicht ein Recht auf die Freuden der Geselligkett? Durste er fie tadeln, daß sie, vom Elternhause her an ein rauschendes Gesellschaftsleben gewöhnt, mehr Sinn und Neigung für diese leichten Zerstreuungen
Gefolge nach demselben Ziel. Hier angekommen, wurde eine Waldpromenade unternommen. Die Kaiserlichen Kinder mit ihren Begleitern fuhren zurück, wohingegen Ihre Majestäten den größten Theil des Rückweges nach dem Schloß zu Fuß zurücklegten. — Das Zarenpaar wird einer Meldung zufolge mit dem deutschen Kaiser und der Kaiserin auch nach Görlitz kommen. Die Ankunft erfolgt am 7. September Vormittags 103/4 Uhr. Beide Kaiserpaare begeben sich daun auf das Manöverfeld. Die Abreise des Zarenpaares erfolgt 6 Uhr Abends. Bei der in Breslau stattfindendeu Parade werden der Kaiser und die Kaiserin von Rußland ihre Regimenter persönlich dem Kaiser Wilhelm vorführen. Die Truppen kehren dann am 7. September mit der Bahn nach Berlin zurück.
* (Kaiserliche Dankeskundgebungen.) Der „Reichsanzeiger" bringt einen Erlaß des Kaisers, in welchem der Monarch sein Bedauern ausdrückt, daß er auf die Rheinlandreise verzichten mußte. Zugleich sagt der Kaiser seinen und der Kaiserin Dank für die begeisterten Kundgebungen der Anhänglichkeit an fein Haus bei den Festen in Wesel, Ruhrort und Essen. — Der Erlaß lautet:
„Zu Meinem lebhaften Bedauern hat Mich eine Unpäßlichkeit genöthigt, auf die schon seit Monate geplante Reise nach Wesel, Ruhrort und Esten zu verzichten Es ist Mir dies um so schmerzlicher gewesen, als er Mir eine hohe Freude bereitet haben würde, aus Anlaß der Wieder- einweihung des hehren Gotteshauses» der Willibroidikirche in Wesrl, altangestammte Lande Meiner Krone zu besuchen und deren treue Bewohner zu begrüßen. Mit wahrer Befriedigung und großer Freude haben Mich daher die Berichte über den jubelnden Willkomm und btt warmen Huldigungen erfüllt, mit denen Meine Gemahlin, Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, und Mein Bruder, Seine Kgl. Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen, an allen Orten, die si berührt haben, empfangen worden. Tie begeisterten Kundgebungen der Anhänglichkeit an Mich und Mein Haus aus allen Kreisen der Bevölkerung und die herrlichen Veranstaltungen der verschiedenartigsten Begrüßungsformen werden Mir wie Meiner Gemablin und Meinem Bruder stets in freudigster Erinnerung bleiben. Indem Ich dahe- Allen, welche zu einem so schönen Verlauf der festlicher Tage beigetragen haben, Meinen und Meiner Gemahlin innigen Dank ausspreche, will Ich der Stadt Wesel für ihren Rachhaussaal, welcher bereits mit einer stattlichen Reihe von Gemälden Meiner Ahnen geschmückt ist, Mein eigenes Bildniß hiermit verleihen."
Die Kaiserin richtete an Geheimrath Krupp in Essen folgeubes Danftelegramm:
„Ich kann es Mir nicht versagen, Ihnen und Ihrer Gemahlin Meinen Dank für die in Ihrem Hause und inmitten Ihres Wirkungskreises verlebten Stunden zu wiederholen. Es ist Mir eine groge Freude gewesen, aus persönlicher
besaß, als er? War es nicht gerade ihr sicheres, imponirenbes Auftreten, ihre gesellschaftliche Gewanbt- heit, ihre Anmuth unb Grazie gewesen, bie sich nirgenbs entzückender unb siegreicher entfaltete als im Ballsaal, bie zuerst feine Aufmerksamkeit auf fie gelenkt unb feine Bewunberung herausgeforbert hatte?
Von allen Hefen Erwägungen unb Empfindungen geleitet, begrüßte er es mit aufrichtiger Freude, als Martha eines Tages bie Frage aufwarf, ob es nicht für alle Theile vortheilhaster wäre, wenn Marie von bem Gute ber Eltern zu ihnen in bie Stabt übersiebelte. Nur Marie selbst schien über ben Vorschlag erschrocken unb wibersprach hastig: „Was wirb Tante bazu sagen unb werde — werbe ich Euch nicht beschwerlich fallen. Euch nicht geniren?"
Martha aber wollte keinen ber beiden Grünbe gelten lassen.
„Was Mama betrifft, pah — mtt ber werbe ich bie Sache schon in Drbnung bringen. Du versauerst ja ganz auf dem einsamen Lande, seit ich nicht wehr da bin, besonders zur Winterszeit. Du, die Du so schon von Hause aus zur Melancholie neigst. Hier aber bei uns kommst Du gar nicht dazu, trüb» selig zu fein. Wir rütteln Dich schon auf. Unb was uns betrifft, na, Du weißt ja, wtt machen weiter keine Umftänbe, Du gehörst ja zur Familie."
Auch Robert fetunbirte. „Daß Sie uns beschwerlich fallen und irgendwelche Unbequemlichkeiten bereüen könnten, davon kann doch gar nicht bie Rebe sein, liebe Marie. Sie wissen, daß wir Sie alle gern bei uns sehen unb es Ihnen aufrichtig Dank wiffen, so ost Sie unS bas Vergnügen ihrer Gegenwart schenken. Nie ist Willy so artig unb luftig, als wenn Sie ba find, unb es ist dann bei uns noch einmal so heimisch."
(Fortsetzung folgt.)
Anschauung die mannigfachen Einrichtungen kennen zu lernen durch welche sich der Geist einer von Herzen kommenden Umsorge für alle Angehörigen des großartigen Unternehmens kundg ebt, das von Ihrem hochgeach eten seligen Vater geschaffen, von Ihnen und Ihrer Gemahlin tat Sinne Ihrer Eltern fortgeführt und ausgedehnt wird. Der Mir zu Theil gewordene Eindruck und der mir überall bereitete herzliche, Mich wahrhaft bewegende Empfang, worüber Ich dem Kaiser soeben berichte', gewähren Mir eine dankbar bewahrte, freundliche Erinnerung."
* (Der „neue Kolonialskanbal".) Kürzlich würbe gemelbet, daß ber Rittmeister v. Stetten, zuletzt Kommanbeur ber Schutztruppe in Kamerun, aus bem Kolonialbienst ausgeschiebeu unb pensionirt worben ist. Das „Berliner Tageblatt" setzte bann bie Grünbe über Hefen Rücktritt auseinander, bie ben Gouverneur von Kamerun, Herrn Jesco v. Putt- kamer, schwer belasten. Zunächst wirb angegeben, Henn v. Stetten sei bie Stellung bes stellvertretenben Gouverneurs versprochen worben. Man habe bies Versprechen inbessen nicht gehalten. Sobanu werben eine Menge Angriffe gegen Herrn v. Puttkamer gemacht. v. Puttkamer sei tmnksüchttg, burch pekuniäre Mißwirthschaft sei er von ben in Kamerun ansässigen Handelshäusern abhängig unb außerdem tropenunfähig. Hieran schließen sich noch schwerere Beschulbigungen. v. Puttkamer soll in Abwesenheit v. Stetten's bessen Wohnung burchsucht unb Bücher unb einen Atlas sich angeeignet haben. Bei einer anbern Gelegenheit habe er einen werthvollen Kompaß genommen unb erst nach dringlichen Vorstellungen herausgegeben. Hierdurch sei Stetten veranlaßt worden, um seinen Abschieb einzukommen, um so mehr, als feine glänzend durchgeführte Niederwerfung ber Batokos vom Kolonialamt fast gänzlich tobtgeschwiegeu würbe unb basselbe irgenbwelche Verwendung im äußeren Dienst ober provisorisch als Hilfsarbeiter im Kolonialamt für ihn auch nicht zu haben schien. Weiter verlautet jetzt, baß v. Puttkamer sich schon vor Beginn seiner kolonialen Laufbahn als außergewöhnlich untüchtig erwiesen habe, u. A. zweimal im Assessorexamen durchgefallen sei. Die Begünstigung des Herrn v. Puttkamer burch ben Ministerialdirektor Dr. Kayser erscheint unter solchen Umständen wenig berechtigt, unb wenn ein parlamentarischer Berichterstatter schreibt, bie Enthüllungen in bem neuesten Kolonialskandal würben an ben in Bettacht fommenben offiziellen Stellen sehr kühl auf genommen unb einer amtlichen Zurückweisung nicht getoürbigt werben, so wird sich diese Auffassung ber öffentlichen Meinung gegenüber auf bie Dauer schwerlich aufrecht erhalten lassen. Ja, bie „Krenzztg." will aus bester Quelle erfahren haben,
(Nachdruck verboten.) Auf der Teufelskanzel.
Novellette von Otto Elster.
Der Doktor unb außerordentliche Professor ber Philosophie, Aesthetik unb schönen Wissenschaften, Eberharb Norben, war in ben letzten Monaten ein recht fonberbarer Mensch geworden. Der Arzt sagte, baß er sich überarbeitet habe unb neroenleibenb sei; bie Damen aber behaupteten, er leibe an einer unglücklichen Liebe. Unb wie bie Damen stets Recht haben, so auch bieses Mal' Ja, ber Doktor unb Professor ber schönen Wissenschaften liebte unglücklich, bas heißt, er vermochte es mit feiner Ueberzeugung nicht zu vereinbaren, Fräulein Henni Neubek heimzuführen, obgleich er sie leibenschaftlich liebte unb von ihr toieber geliebt würbe. Aber feit er sie auf einem Zweirab gesehen, im kecken Sportanzuge, bie Wangen erhitzt, bie Augen glühenb, bie Locken verwirrt von ber toilben Fahrt burch ben Grünewald mit mehreren anderen Damen unb Herren, ba sagte er sich, daß eine solche Fran nicht für einen Professor ber Aesthetik passe unb zog sich von ihr zurück. Das Schöuheits- gesühl bes Professors ber Aesthetik wurde empfinblich durch dieses unweibliche Bild verletzt und als nun gar Fräulein Henni ihn auslachte, wie er ihr seine Ansicht auseinander setzen wollte, und ihm spöttisch entgegnete, zu solchen Sportübungen gehöre allerdings Kraft und Muth, da wandte er sich empört ab und sah die schöne Radfahrerin nicht wieder.
Einige Wochen vertiefte er sich in seine wifsen- schastlichen Arbetten. Aber die Wissenschaft ist eine schlechte Trösterin, wenn es im Herzen schmerzhaft tackt und brennt. So eilte er denn hinaus in die freie Natur, in die wilde Romantik der Berge.
Er athmete erleichtert auf, als er in den schattigen Garten der kleinen, ruhigen, vornehmen Pension ttat,