Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhai«.
»«..«.» Jllnstrirtes Sonntagsblatt.
für den JnseratentheU: Job. Aug. Koch, tobe in Marburg^"^^
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Erscheint räglich außer an Werktagen nach Sonn- und ,'feiertagcn. — Quartal Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk, bei allen Postämtern 2 Mk 25 Pfg. (tjfl, Bestellgeld) Jnsertionsgebühr für btt gespaltene Zeile ober deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg,
Mittwoch, 12. August 1896
At^eigen nimmt entgegen die Expedition dieser Blatter, sowie oi» Annoncrn-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in _____ Frankfurt a. M., Eaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXI. Iadra Moise m Frankfutt a. M., Berlin, München u. Köln, C. L. "
Daube u. Co. in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, Patts.
Irrige Krisengerüchte.
* Die neuerlichen Gerüchte über Ministerkrisen haben sich wieder einmal als irrige erwiesen. Es ist ja nichts natürlicher, als daß man bei dem hohen Alter des Fürsten Hohenlohe schließlich doch einmal Recht behalten muß, wenn man einen Kanzlerwechsel immer auf's Neue für in absehbarer Zeit unvermeidlich hinstellt. Hat man aber nicht triftige Gründe, den Rücktritt des ersten Reichsbeamten für diesen oder jenen Zeitpunkt mit Bestimmtheit vorauszusagen, so sollte man im Interesse der Stabilität unserer inneren Verhältnisse doch endlich einmal davon absehen, grundlose Erregung weiter Volkskreise dadurch herbeizu- sühren, daß man auf vage Vermuthungen hin Krisennachrichten in die Presse bringt.
Zu dem neuesten Krisengerücht hat bekanntlich die Annahme Anlaß gegeben, der Kaiser könnte einer Reform der Militärstrafprozeßordnung seine Zustimmung versagen. Thäte er das aber, so sei für den Reichskanzler, der im Parlament eine bindende Zusage nach dieser Richtung hin gemacht, keine Möglichkeit längeren Verbleibens auf seinem Posten mehr vorhanden. Eine Zuspitzung der Situation wollte man auch darin erblicken, daß der Chef des Militärkabinets, General von Hahnke, unmittelbar nach der Ankunft des Kaisers in Wilhelmshöhe zu diesem beschieden war. Allgemein hieß es, der Würfel sei bereits gefallen, die Argumente seines Militär- kabinetschefs hätten den Kaiser überzeugt, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen Oeffentlichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens in Militärstrafsachen undMchführbar seien. Als darauf die Reise des Kanzlers zum Kaiser nach Wilhelmshöhe bekannt wurde, hielt man einen Wechsel im Reichskanzleramt bereits für eine vollzogene Thatsache.
Dieser irrthümlichen Annahme trat ein Münchener Blatt, anscheinend auf dirette Anweisung durch den Fürsten Hohenlohe ebenso ruhig wie entschieden entgegen, indem es darlegte, daß eS garnicht die Militärstrafprozeßreform sei, deren halben der Kanzler sich zum Vortrag beim Kaiser nach Wilhelmshöhe begeben habe, sondern daß hochbedeutsame Fragen der auswärtigen Politik die persönliche Aussprache des Kaisers mit seinem Kanzler erheischten. Diese Richttg- stellung, welche einen ohne Weiteres überzeugenden Eindruck machte, riß mit einem Stoß den ganzen künstlichen Aufbau der Krisengerüchte nieder.
Zur vollkommenen Beruhigung kann aber noch ein Weiteres mitgetheilt werden. Eine wirkliche Meinungsverschiedenheit über die Sttafprozeßreform
(Nachdruck verboten.)
Martha und Maria.
Roman von Arthur Zapp.
(Fortsetzung.)
Später lustwandetten sie alle drei im Park. Das Gespräch schlich träge, von häufigen Pausen unterbrochen, hin. Ohne Marie würden Mattha und Alfted von Holleben wohl leichter einen ungezwungenen Ton gefunden haben, aber die Gegenwart der Cousine, die einst die Vettraute ihrer Heimlichkeiten gewesen, rief mit Gewalt die Erinnerung wach. Dazu kam, daß unzählige Stellen des Parkes, die sie passirten, an gewisse Phasen in der Entwickelung ihres geheimen Liebesbuudes gemahnten. Hier hatte er ihr zum ersten Mal von seiner Liebe gesprochen, hier hatten sie den ersten Kuß getauscht. Dott, hinter jenem dicken Eichenstamme, hatte er sich einst mü hochklopfendem He^en versteckt gehatten, als Marthas Mutter unvermuthet den Park betteten und die Liebenden aus dem süßen Zusammensein jäh aufgeschreckt hatte.
Erst als gegen Abend Robett erschien, löste sich die eigenthümliche, peinlich süße Befangenheit von den beiden, und ein lebhaftes Gespräch kam endlich in Gang.--
Als em Jahr herum war, veranlaßten neue Pflichten die junge Frau, dem gesellschaftlichen Leben der kleine» Garnison, in welchem sie nach wie vor den Mittelpunft bildete, für einige Zeit fern zu bleiben. Ein Söhnchen wurde dem jungen Ehepaar beschert. Trotz der Freude und des stolzen Entzückens, die das Erscheinen des kleinen Weltbürgers bei der jungen Mutter sowohl, wie bei Robert hervorrief, wurde der kleine Willy — man hatte ihn nach
im Heere besteht zwischen dem Kaiser und seinem Kanzler garnicht. Btt einigermaßen ruhigem Nachdenken muß man doch auch von selber zu der Ueber- zeugung kommen, daß der besonnene und charaftervollc Politiker im Reichstage nicht Versprechungen gemacht haben würde, über deren überhaupt mögliche Innehaltung er sich nicht vollkommen versichert Haden sollte. Im Gegentheil ist es ganz klar, daß der Reichskanzler dem Kaiser zunächst Vorttag über die von ihm im Reichstage abzugebenden Erklärungen gehalten hat, und daß der Monarch seine Zustimmung zu den Vorschlägen des Fürsten ettheilt hat. Diesen Stand- puntt hat der Kaiser auch gelegentlich der jüngsten Audienz des Reichskanzlers eingenommen.
Eine andere Frage ist es, ob der Reichskanzler sich zur Durchbringung von Marinevorlagen bereit finden lassen wird, dir unvermeidlich geworden sind. Durch die treue Anhängerschaft des Centrums hat der Reichskanzler im Parlament bekanntlich bedeutende Erfolge zu erzielen gehabt. Für Mattne- forderungen ist das Centtom aber bekanntlich schwer zu haben. Hier dürste viel mehr als bei der Militärstrafprozeßreform die Möglichkeit zu einem Kabinetswechsel geboten sein. Die Entscheidung wäre damit aber bis in das kommende Jahr hinausgeschoben; bis dahin sollte man billigerweise auf neue Krisengerüchte verzichten.
Deutsches Reich.
* Berlin, 10. August. (Tagesbericht.) Aus Cassel wird berichtet: Seine Majestät der Kaiser arbeitete heute Vormittag mtt dem Reichskanzler und machte dann mit der Kaiserin einen Spaziergang. Hierauf gab der Monarch dem Reichs- kanzer bei dessen Abreise nach Berlin das Geleite bis zum Bahnhof Cassel In das Schloß zurückgekehrt, nahm Se. Majestät den Vorttag des Staatssekretärs im Reichsmarineamt, Exeellenz Admttal Hollmann, entgegen. Letzterer hat sich darauf ebenfalls wieder nach Berlin begeben. Der Aufenthalt Ihrer Majestäten in Wilhelmshöhe, welcher bis zum 17. August währen sollte, wird dem Vernehmen nach bei anhaltender guter Witterung noch um einige Tage verlängert werden. — lieber die vorzeitige Rückkehr unseres Kaisers von seiner Nordlandsreise schreibt die „Voss. Zig.« in ihrem jüngsten Leitarttkel, nach ihren zuverlässigen Jnsormationen habe eine an sich ganz unerhebliche, aber hartnäckige und auf der Reise schwer zu behebende körperliche Verstimmung, zu deren Be-
dem Großpapa so genannt — doch die Ursache des ersten ernstlichen Zwistes. Robert war entschieden dafür, daß Mattha das Kind selbst nähre, die junge Mutter aber protestttte mit hartnäckiger, wortreicher Entschiedenheit.
„Gewiß, ich habe den süßen, kleinen Kerl zum Aufstessen lieb, aber soll ich mich darum zu seiner Sklavin machen I Bedenke doch, was Du von mir verlangst, Robett! Ich soll in der ganze» Saison keinen Ball, kein Konzert, keine Gesellschaft mitmachen 1 Immer und ewig angeschmiedet an die Kinderstube! Nein, das — das ist eine pure Unmöglichkeit!«
Robctt machte ein sehr unwilliges Gesicht und schüttelte heftig den Kopf.
„An Deiner Stelle wäre es mtt als Mutter unmöglich/ erklärte er ernst, „mein Kind ftemden Händen zu überlassen und mich außerhalb des Hauses zu amüsire». Ich würde glauben, mich einer Pflichtverletzung schuldig zu machen.«
„Einer Pflichtverletzung? Du übertteibst, Robett! Man hat auch Pflichten gegen sich und gegen die Gesellschaft!«
»Die höchste und heiligste Pflicht einer Mutter ist die Sorge um ihr Kind und ihr müssen sich alle anderen Rücksichten unterordnen. Ich begreife überhäupt nicht, wie man auf den ganzen gesellschaftlichen Firlefanz so hohen Werth legen kann.«
Seine ungewohnte Hartnäckigkeit und Entschiedenheit brachten sie immer mehr in Harnisch und heftig rief sie:
„Und ich begreife nicht, wie man als geblldeter Mensch ohne die Anregungen des gesellschaftlichen Lebens überhaupt existtteu kann. Ohne gesellschaftlichen Verkehr müßre man ja in Stumpfsinn und Barbarei versinken!«
„So? — Nun, dann kannst Du mich gettost
kämpfung Luftwechsel und Ruhe empfehlenswetth erschienen, den Anlaß zu der beschleunigten Rückkehr geboten; besonders bedeutungsreiche politische Kon- stellattonen hatten die Abkürzung der Nordlandsreise nicht veranlaßt. — Dem Staatssekretär des Auswärtige« Amts v. Marschall hat der Kaiser die Erlaubniß zur Anlegung der vom Kaiser von China ihm verliehenen ersten Klasse des Ordens vom doppelten Drachen ettheilt. — Generallieutenant z. D. v. Koppen ist in Görlitz im 75. Lebensjahre gestorben. Er war Ritter des Eisemen Kreuzes 1. Kl. — lieber die Reise des Professors Mendel nach Petersburg verlautet jetzt auS unbedingt zuverlässiger Quelle, daß derselbe zu einem reichen Kaufmann nach Petersburg berufen worden fei, der die merkwürdige Manie besitzt, alle ärztlichen Autoritäten des Kontinents zu konsultiren, und jeder derselben 20 000 Mk. für die gehabten Bemühungen auszuzahlen.
* (Gouverneur v. Wißmann) soll sich, wie gemeldet, nach der „Staatsb.-Ztg.« entschlossen haben, nach Ostafrika nicht wieder zurückzugehen, sondem als Landwirth in Deutschland zu bleiben. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß ein Ausscheiden dieses erfahrenen und hochverdienten Astikaners aus dem aktiven Kolonialdienste überall mit dem lebhaftesten Bedauern aufgenommen werden würde. Auch würde Herr v. Wißmann selbst, dessen Fordemng in Bezug auf Unterstellung der Schutztruppe unter das Gouvemement ja erfüllt worden ist, sich zweisellos nur mit schwerem Herzen und aus zwingenden gesundheitlichen Gründen zu einem solchen Schritte entschlossen haben. Einer durch die Blätter gehenden Version, wonach der Kaiser nicht mehr von dem sonsttgen Verttauen zu Herm v. Wißmann erfüllt und dieser Umstand für den Entschluß des letzteren maßgebend gewesen sein soll, vermögen wir keinen Glauben beizumessen und halten zunächst überhaupt noch an der Hoffnung fest, daß die ganze Rückttittsmeldung sich nicht bewahrheiten möge.
* (Zur Hand werker organisatio ns frage.) Die abfälligen Urtheile über den Gesetzentwurf über die Zwangsorganisation des Handwerks mehren sich. Sogar offiziöse Preßstimmen erklären sich mit dem neuen Entwurf wenig einverstanden. So wird darauf hingewiesen, daß die Bestimmungen nicht nur das Handwerk berühren, sondern auch die Industrie in Mitleidenschaft ziehen müßten. Mangels eines Kriteriums für die Zugehörigkeit zur Handwerks- organisatton wäre die Möglichkeit gegeben, daß auch industtielle Kreise, namentlich in einzelnen Beruss-
einen Barbaren nennen,« versetzte er trocken, und mtt einer unerschütterlichen Ruhe, die sie empörte, fügte er hinzu: „Ich meinentheils könnte ganz gut ohne Tanzen und Medisiren bestehen. Mein Beruf und meine Häuslichkeit würden mir vollkommen genügen."
„Du vergißt," entgegnete sie aufbrausend, mit immer mehr anschwellender Stimme, „Du vergißt, daß Du nicht allein bist nub daß Du die Verpflichtung hast, auf mich und meine Wünsche ein wenig Rücksicht zu nehmen. Ich habe nun einmal ein anderes Temperament, wie Du, andere Ansichten und Ge- wohnhetteu.«
Er blickte ihr mit schmerzlichem Erstaunen in das erhitzte, zuckende Gesicht, in dem er zum ersten Mal einen unschönen Zug entdeckte. Den Aerger, die Empfindlichkeft, die in ihm aufsteigen wollten, überwand er rasch, und gelassen, wenn auch mtt Nachdruck, entgegnete er:
„Ich bin mtt dieser Verpflichtung wohl bewußt und ich habe sie nie aus dem Auge gesetzt. Wolltest Du das behMpetn, so würdest Du — doch ich will nicht hatte Worte gebrauchen. Du hast Dich ohnedies mehr erregt, als gut ist. Komm, laß uns Dernünftig in aller Ruhe sprechen.«
Das Resultat der Besprechung, die sich nun, dank seiner Mäßigung, in ruhigeren Bahnen vollzog, war ein Kompromiß. Man einigte sich dahin, daß Martha den Säugling selbst nähren sollte — für eine Amme konnte sich Robett absolut nicht entscheiden —, daß aber das Kind gleichzeittg an die Flasche gewöhnt würde. Als Wätterin für dm Klemm wurde eine ältere, erfahrene Kinderfrau angenommen. Dieses Arrangement ermöglichte allerdings, daß Mattha stundenlang sich von dem Kleinen entfernen und wenigstens hie und da an einem geselligen Vergnügen theilnehmm konnte. Freilich, alle Ver
zweigen, wo schon die Beschäftigung weniger Arbeiter einen großen Aufwand von Intelligenz und Kapital erfordert, in die Organisation hineinbezogen werden könnten, ohne davon selbst scheinbar den gettngsten Nutzen zu haben. Bedenklicher noch erscheinen die Aenderungen über Regelung des Lehrlingswesens. Es wird darauf hingewiesen, daß nach der Novelle nunmehr auf dem in Rede stehenden Gebiete allgemeine Bestimmungen und solche besonderer Natur für das Handwerk erlassen werden sollen, und daß beispielsweise nach den ersteren bei Personen unter 17 Jahren, welche mit technischen Hilfsleistungen nicht lediglich ausnahmsweise oder vorübergehend be- schäfttgt werden, allgemein die Vermuthung gelten soll, daß sie in einem Lehrverhältniß stehen, also Lehrlinge sind. — Auch der offiziöse „Hamb. Korr.« macht gegen den Entwurf eine ganze Reihe Bedcnke» geltend. — In ihrer Wochenschau unterwirft auch die „Kreuzzeitung« den neuen Gesetzentwurf einer eingehenden Besprechung, in der sie u. A. Folgendes ausführt: Im Allgemeinen begrüßen wir den Entwurf mit Frmden, obgleich er nicht alle Wünsche erfüllt. Wir glauben, daß er Gesetz werden wird, denn die Grundlage ist hier gegeben, auf der sich eine Mehrheit bereinigen kann; er wird kaum allzu einschneidender Abänderungen bedürfen. Die „Germania« sagt zwar, der Entwurf habe drei Mängel: die übertriebene Bevormundung der Handwerker durch das Aufsichtsrecht der Behörde, der Mangel der Forderung des Befähigungsnachweises und die Möglichkeit des Lehrlingehaltens durch jeden beliebigen Meister. Diese Ausstellungen unterschreibt die „Kreuzzeitung« zwar, hält sie aber keineswegs für so in's Gewicht fallend, um dem Entwurf zu opponiren. Manches könne auch geändert werden; es sei z. B. bemerkenswerth, daß die Begründung sich keineswegs so scharf gegen den Befähigungsnachweis ausspricht, wie auf Grund des Umstandes, daß der Entwurf denselben nicht enthält, zu erwarten gewesen wäre. Jedenfalls werden die Handwerker gut daran thun, sich zunächst auf den Boden des zu Erreichenden zu stellen, auf diesem Grunde weiter fottzubauen und nicht „der Taube auf dem Dache« nachzujagen.
* (Landwirthfchaftliches.) Nach der letzten Lebensmittelpreistabelle sind im Juli die Ge- treibepreife weiter gesunken, während die Fleischpreise eine Neigung zum Steigen bekunden und der Kartoffelpreis erheblich in die Höhe gegangen ist.
* (Pariser Welt-Ausstellung.) Die Betheiligung Deutschlands an der nächsten
anlaffungen zu gegenseitigen kleinen Uneinigteüen waren damit noch nicht aus der Welt geschafft. Währmb Martha in vollen Zügen das Vergnügen genoß, das für sie in den oberflächlichen Reizungen des gesell- schastlichen Lebens lag, litt Robert im Stillen wahrhafte Qualen. Seine Gedanken schweiften unaufhörlich von Sang und Spiel hinweg, und die Sorge um den Kleinen erfüllte ihn mit Ungeduld und machte ihm jede im Geräusch der Gesellschaft verbrachte Stunde zu schwer ertragener Matter.
Wenn nun die gemietete fremde Person ihre Pflicht vernachlässigte, wenn er sie, die Mutter, sttahlend vor Freude, sprudelnd vor heiterer Laune, mit allen Sinnen bei Tanz ober Spiel sah.
Wenn er bann an sie heranttat unb sie zum Nachhansegehen aufforberte, so setzte sie seinem Dränge» heftigen Wiberspruch entgegen. Man sei ja kaum erst warm geworben und es sei unverantwortlich vo» ihm, sie gerade jetzt, wo sie eben erst aufange, sich zu amüsiren, zum Weggehen zwingen zu wollen. Seine ewige Angst unb Sorge nm Willy fei geradezu lächerlich.
Oft fügte er sich seufzend, zuweilen aber, wenn die Zett schon vorgerückt war, zeigte er sich unerbittlich und er wußte dann mit solchem Nachbrnck seine Antotttät herauszukehren, daß sie den Widerspruch aufgab und ihm, wenn auch widerwillig, in stiller Erbitterung folgte. Sie rächte sich in solchen Fällen dadurch, daß sie ihm die nächsten Tage kein fteundliches Gesicht zeigte und in Mienen und Worten die arme Mißhandelte und Unterdrückte spielte.
Doch auf die Dauer begnügte sie sich mü diesem Passiven Widerstreben nicht, bas ihrem Temperament so garnicht entsprach. Sie suchte nach einem Mittel, sich zu helfen, und sie fanb es.
(Fortsetzung folgt.)