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Marburg,
Donnerstag, 6. August 1896.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie di, Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXI Mosie in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln, C L. ‘
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für Vie Kreise Marburg «nv Kirchhai«.
U Redakt^n tn Marburg. ^NNNtaasVlatt. D.ranlworllich für d-n M-m-mai Thril: Rrdaklwi Friedrich Colbatzky
—————— ' MrVfür den Jnseratentheil: Joh. Aug. Koch, beide in Marburg.
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Zwangsorganifatiou des Handwerks.
* Die ministerielle „Berliner Korrespondenz" führt aus:
Die Novellen zur Gewerbeordnung von 1881, 1884, 1886 und 1887 verfolgten den Zweck, die Innungen wieder zu Organen der gewerblichen Selbstverwaltung werden zu lassen, die ihm Stande seien, einerseits durch die Förderung der gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder und durch die Pflege des Gemeingeistes und des Standesbewußtseins eine wirth- schastliche und sittliche Hebung des Handwerkerstandes anzubahnen, und andererseits dem Staate geeignete Organe für die Erfüllung wichsiger Aufgaben der Gewerbeverwaltung darzubieten. Die damit erzielten Erfolge haben den gehegten Erwartungen nicht entsprochen. Es ist den auf Freiwilligkeit beruhenden Innungen nicht gelungen, den größeren Theil der Handwerker in sich zu vereinen; sie haben infolgedessen nicht die persönlichen Kräfte und die finanziellen Mittel zu gewinnen vermocht, die sie befähigt haben würden, eine allgemeine Besserung der Lage des Handwerks herbeizuführen. Ihre Thätigteit ist im Allgemeinen auf verhältnißmäßig enge Grenzen beschränkt geblieben, und auch da, wo sie in größerer Zahl errichtet worden und weftere Kreise des Handwerkerstandes ihnen beigetreten sind, haben sie die Wirksamkeit, zu der sie an sich befähigt find, nicht in vollem Maße entfalten können, weil sie in ihrer gegenwärtigen Organisation des sicheren Bestandes ermangeln, indem es jedem einzelnen Mitgliede in jedem Augenblicke unbenommen ist, sich den Folgen ihm lästiger und seinen unmittel aren Interessen vielleicht zuwiderlaufender Beschlüsse und Anordnungen der Innung durch den Aus- tritt zu entziehen.
Diese Erfahrung hat in den betheiligten Kreisen die Ueberzeugung begründet, daß nur auf dem Wege der Zwangsorganisation dem Handwerke eine seinen Bedürfnissen entsprechende Organisation gegeben werden kann. Dieser Ueberzeugung trägt der von der preußischen Regierung dem Bundesrathe vorgelegte Gesetzentwurf, betr. die Abänderung der Gewerbeordnung, Rechnung, indem er eine das ganze Handwerk umfassende Organisation vorschlägt, die dazu bestimmt ist, die gleichzeitig her beizuführende Neuregelung des Lehrlingswesens auszugestalten und durchzuführen, die übrigen Interessen des Handwerkerstandes wahrzunehmen und eine Standesvertretung gegenüber der Gesetzgebung und der BerwaÜung barzustellen. Zu dem Zweck soll der Handwerkcr-
(Nachdruck verboten.)
Die Thurmuhr.
Eine lustige Geschichte aus Plattland von Zöe tum Reuß.
(Schluß.)
3n Hagen war man wüthend und fing schon an, sich auf einen hübschen Prozeß zu erfreuen, an dem rufalltg gerade Mangel war. Die Thurmuhr stieg noch in Würdigung und der Schulmeister, der den Ankauf angeregt hatte, dazu. Der junge Mann selbst erkannte die Sachlage vollkommen klar, und ahnte, daß die Waffe in erster Linie gegen seine Person gerichtet war. Man wollte ihm Schwieligkeiten bereiten, Steine in den Weg rollen, ihn vielleicht Zwingen, um seine Versetzung einzukommen. Aber er empfand nicht die geringste Lust das Feld zu räumen, und noch weniger seiner Liebe zu entsagen.
Ernst und gedankenvoll ging er zur Vesperzeit nues Hochsommertages in dem wohlgepflegten Schul- garten umher und sah die Arbeitsbienen geschäftig em- und aurfliegen. Es ging Alles wie auf Kommando. „Die Bienen haben einen ordentlichen Weisel: darum geht's eben!' überlegte er. Und so ttn richtiger Bienenstock, mit seinem Weisel und leinen Arbeitsbienen braucht auch keinen Feind zu sichten: er kann sie allesammt verjagen! Keine Schwalbe, kein Spatz und kein Fliegenschnepper kann an so ein festes Hüsing heran! . . . Nun, ich habe die Geschichte einmal angeregt, und will, muß — wm auch der Weisel sein. Kein Prozeß, nein nein!
würde den Advokaten nur die Taschen füllen und die Nachbarn auf Jahrzehnte hinaus verfeinden! Aber, wie sich anders herausfinde»? . ; . Halt — ><h hab's!" setzte er lustig hinzu, indem das lebhafte, wanuliche Geficht plötzlich seinen gewöhnlichen Aus
stand eine Gliederung in Innungen, Handwerksausschüsse und Handwerkskammern erhalten.
Die unterste Stufe, „die Innung", ist als Zwangsinnung gedacht, welcher kraft Gesetzes, ohne daß es des ausdrücklichen Eintritts oder der Aufnahme bedürfte, alle im Jnnungsbezirk vorhandenen selbstständigen Handwerker des Gewerbszweiges, für welchen die Innung errichtet ist, als Mitglieder au- gehören. Als nothwendige Aufgaben der künftigen Innungen sind im Wesentlichen dieselben hingestellt, welche der bisherige § 97 der Gewerbeordnung den bestehenden Innungen zugewiesen hat; jedoch sollen die Innungen in Zukunft zum Erlaß von Vorschriften zur Regelung des Lehrlingswesens nur insoweit be- rcdjtigt und verpflichtet sein, als die hierüber erlassenen gesetzlichen Vorschriften und die auf Grund dieser Vorschriften von der Handwerkskammer getroffenen Bestimmungen dafür noch Raum und Bedürfniß übrig lassen. Die Aufgaben der Innung, namentlich die Pflege des Gerne iugeistes und der Standesehre, sowie die Fürsorge für das Lehrlingswesen werden um so mehr auf Erfüllung rechnen können, je mehr ihre Mitglieder schon in ihrem Berufe und in ihren Lebensoerhältnissen eine natürliche Grundlage für ihren Zusammenschluß und ihre gemeinsame Thätigkeit finden. Eine wirksame Pflege des Lehrlingswesens kann in vollem Maße nur von Innungen erwartet werden, welche aus Genossen desselben Handwerks oder mindestens aus Genossen verwandter Handwerke bestehen. Der Gesetz eutwurf sieht deßhalb nur die Bildung von Fachinnungen und Innungen verwandter Handwerke vor, wobei er unter verwandten Handwerken solche versteht, welche nach örtlichem Brauche vielfach gemeinsam betrieben werden und in ihrer Technik einander so nahe stehen, daß der Betrieb des einen zugleich ein ausreichendes Vcrständniß für die technischen Fertigkeiten, die geschäftlichen Betriebe und die wichtigsten Interessen des anderen gewährleisten. k;
Die bisherige Gesetzgebung hat in der Zulassung der Bildung von Jnnungsausschüssen bereits anerkannt, daß die Innungen zu einer wirksamen Verfolgung ihrer Aufgaben eine Vertretung ihrer ge meiusamen lokalen Interessen nicht entbehren können. Hierzu kommt, daß es bei der durch die Verhältnisse bedingten Beschränkung der Jnnungsbilduug nicht möglich sein wird, alle Handwerker zu Innungen zu vereinigen. Es wird überall eine Anzahl von Handwerkern übrig bleiben, die von der JnnungsbUdung nicht erfaßt wird. Für diese muß ein Organ geschaffen werden, welches für sie wenigstens noth-
druck zurückgewann, und aus den Augen hell der Schalk blitzte. „Die von der Gemeinde Gröpelingen verweigerten fünfundfiebzig Mark, ich bezahle sie selbst, ich, der Hungerleider! Dafür haben sie drüben aber gar keinen Antheil mehr an der Thurmuhr!.. . Auf meine Hagener kann ich zählen!" . . .
Andern Tag» war Sonntag
Es war eine arbeitsvolle Woche gewesen, mit dem säuern Schaffen der Erntezeit: dafür waren Ruhe und Frieden des Feiertags nun doppelt willkommen. Die Kirche zu Hagen war gedrängt voll, auch von Gröpelingern: fteilich gab es zur Erntezeit immer mehr Kirchenschläfer als sonst, trotz aller Donnerworte, die von der Kanzel herübertönten und die Schläfer immer wieder ermunterten.
Auch heute stand man wieder nach Beendigung des Gottesdienstes^ in Gruppen beisammen. Die großen Bauern schüttelten sich die Hände und boten einander die Schnupftabaksdose, die Frauen schwatzten md hechelten und die ledigen Dirnen lachten und schäkerten mit den heiratsfähigen Burschen.
„Erst die richtige Tid mitnehmen, Nachbar!" sagte der Hufschmied von Gröpelingen, indem er rückwärtsschauend am Anfang deS sich nach seinem Heimathdorfe abzweigcnden Wege stehen blieh und die dicke silberne Uhr aus der Tasche zog. Denn es war während des Sommers Gebrauch und Regel geworden den eigenen Zeitmeffer nach der neuen Tburmuhr zu reguliten: dann schnurrte sich die Wirthschaft während der ganzen Woche mir so ab. »Wollt Ihr Eure Kartoffel nicht auch richten, Nachbar Steffen?" wandte er sich an Claus Steffen, der mit seinem Gesinde gleichfalls heimwärts ging, während Gesina als Hüterin des Hauses heute in Gröpelingen verblieben war.
Der Bauer schaute zur Thurmuhr empor und
dürftig die der Innung zugewiesenen Aufgaben zu erfüllen hat. Dieses Organ soll nach dem Vorschläge des Entwurfes der sog. Handwerksausschuß und seine Aufgabe sein:
1. die Wahrnehmung der gemeinsamen Interessen aller Handwerker seines Bezirks,
2. die Erfüllung der Aufgaben der Innung für die einer Innung nicht angehörenden Handwerker,
3. die Erfüllung einzelner Aufgaben, die ihnen von den ihm angehörigen Innungen übertragen werden.
Außerdem soll der Haudweiksausschuß die Unterlage für die letzte Stufe der Organisation, die Handwerkskammer, bilden, deren Aufgabe es ist, die Gesammtinteressen des Handwerks gegenüber der Gesetzgebung und Verwaltung des Staates zu vertreten, daneben aber als Selbstverwaltungsköiper diejenigen zur Regelung der Verhältnisse des Handwerks erlassenen gesetzlichen Bestimmungen, welche noch einer Ergänzung durch Einzelvorschriften bedürftig und fähig sind, für ihren Bezirk weiter auszubauen, die Durchführung der gesetzlichen und der von ihr selbst erlassenen Vorschriften in ihrem Bezirk zu regeln und zu überwachen und endlich solche auf die Förderung des Handwerks abzielenden Veranstaltungen zu treffen, zu deren Begründung und Unterhaltung die Kräfte der einzelnen Innungen und Handwerksausschüsse nicht ausreichen.
Auf jeder Stufe der Organisation sollen die Gesellen durch einen Ausschuß vertreten fein, dem bei allen Geschäften, die das Interesse der Gesellen und Lehrlinge berühren oder Leistungen irgend einer Art von den Gesellen in Anspruch nehmen, eine Mitwirkung eingeräumt wird.
Der Entwurf geht von der Auffassung aus, daß der Handwerkerstand in der vorgesehenen Organisation wieder einen festen Boden gewinnen könne, auf welchem er den Kampf gegen die Mißstände, an denen er gegenwärtig krankt, mit vereinten Kräften erfolgreich aufzunchmen in der Lage fei. Eines der wichtigsten Mittel zur Hebung des Handwerkerstandes sieht der Entwurf in einer zweckmäßigen Gestaltung des Lehrlingswesens; diese soll daher durch eine Reihe neuer Vorschriften angebahnt werden. Neben der der Handwerkskammer eingeräumten Befuguiß, die Dauer der Lehrzeit festzusetzen, ist besonders die Vorschrift hervorzuheben, wonach für die Folge im Handwerk nur solche Personen befugt sein sollen, Lehrlinge anzuleiten, die das 24. Lebensjahr vollendet und entweder die vorgeschriebene Lehrzeit zurückgelegt und eine Gesellenprüfung bestanden haben oder fünf
mit ihm fast sämmtliche Gröpelinger. Aber — o Wunder! Die Thurmuhr hatte ihr Antlitz mit einem Tuche verhüllt, und auf der weißen Umhüllung stand groß und leserlich eine Fünfundsiebzig geschrieben. „Was ist bat?" klang es hocherstaunt von den Gröpelingern, unter dem Hohngelächter der Hagener.
„Wir haben sie betahlt, wir!" rief einer von ihnen.
„Man die Hälfte!" klang es von Gröpelingen. „Der Lehrer hat Alles betahlt!" tönte es zurück. „Der — Hungerleider?" protzte Claus Steffen. „Na, der sein Geld nicht weiß tu vemall'n, der köpe Pötte und laß sie fall'«!" hohnlachte er verächtlich.
„Ihr kommt in's Kreisblatt!" triumphirte man von Hagen.
Die Gröpelinger standen auf einem Haufen zu- ummeu, und schallen wie die Rohrsperlinge. Und als sie endlich doch den Rückweg antraten, um Reissuppe mit Rindfleisch und Backpflaumen nicht kalt werden zu lassen, geschah es racheschnaubend und im Ersinnen von allerlei Listen, um zum Mitgebrauch der Thurmuhr zu gelangen, ohne die Kosten tragen zu müssen. Andern Tags schon ward der hoffnungsvollen Gröpelinger Jugend fest eingeknüpft, jedeSmal vor Antritt des Heimganges sehr genau nach der Thurmuhr zu sehen, um daheim die Zeit melden zu können. Da man aber niemals dahinter kam, wie lange sich die tapfere Schuljugend unterwegs bei ihren Privatvergnügungen und Katzbalgereien verwellt hatte, und wie schnell oder wie langsam die Kinder gegangen waren, erwies sich ihre zeitbestimmende Mittheilung als unzuverlässig, zumal die ßüttgen auch niemals untereinander übereinstimmten.
Der Haß stieg noch — Hagen und Gröpelingen agen untereinander in offener, erbitterter, erbarmungsloser Fehde! Auch ward der Kampf keiues-
Jahre hindurch in dem Gewerbe, in dem die Anleitung der Lehrlinge erfolgen soll, selbstständig ober als Werkmeister oder in ähnlicher Stellung thätig gewesen sind.
Deutsches Reich.
* Berti«, 4. August. (Tagesbericht.) Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin werden am Donnerstag Abend sich von Cassel nach Wesel begeben. Am Sonntag Abend kehren der Kaiser und die Kaiserin wieder nach Wilhelmshöhe zurück und werden noch einige Tage dort residiren. — Ein Münchener Blatt erfährt aus Wien, daß der Besuch des Kaisers auf den ungarischen Besitzungen des Erzherzogs Friedrich dies Jahr unterbleibe, weil letzterer die Verschiebung des Besuchs bis zur Vollendung des neuen Jagdschlosses wünsche. — Reichskanzler Hohenlohe wird Freitag Abend auS AÜ- Anssee hier erwartet. — Zum Hafenkapttän bei dem Kaiser Wilhelm-Kanal ist der Kapitän z. S. a. D. G e r tz ernannt worden. — Die älteste Urenkelin von Kaiser Wilhelms I. jüngster Schwester, der Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg- Schwerin, die einzige Tochter des 1878 verstorbenen Patriziers von Venedig, Grafen Andrea» Monccnigo, Gräfin Valentine Moncmigo (geb. 1872), hat sich mit einem Großneffen der greifen Fürstin Mathilde Radziwill, dem italienischen Arttllerieoffizier Grafen Edmond Robilant, ältesten Sohn des 1888 verstorbenen Gesandten Grafen Carlo Nicoli von Robllant und Cereaglio verlobt. Die Moncenigos gehören einem alten, streng katholischen Dogengeschlechte an.
* (Professor Delbrück über die Lage.) Jrn Augusthest der „Preußischen Jahrbücher" be- spricht Professor Delbrück die innerpolittsche Lage und kommt dabei zu dem Ergebniß, daß das augenblickliche Ueberwiegen des Ultramontani-mus keine so große Gefahr bedeute. Seine weiteren Ausfühl ungen, die den Nagel auf den Kopf treffen und nur leider in den Schlußworten eine zur Zeit in Deutschland unerreichbare Utopie schildern, lauten wie folgt: „Das Schlimmste, was geschehen könnte, wäre, wenn in nächster Zeit ein Militärkonflikt etwa über die Marineforderungen ausbräche. Deutschland bedarf unbedingt einer starken Vermehrung der Flotte. Die Auflösung der Türkei ist in rapidem Fortschreiten begriffen; der Augenblick muß einmal kommen, wo Europa den scheußlichen Massenmetzeleien nicht mehr
wegs^ ritterlich auSgefochten. Man that sich ohne Umstände allen möglichen Schabernak an, spie aus, wenn man einander begegnete, zuletzt bissen sich sogar die Hagener und Gröpelinger Hunde . . . Dazu verbreitete sich die ärgerliche Neuigkeit, daß die ganze Geschichte nächstens im Kreirblatt zu lesen sein werde. Natürlich galt der junge Lehrer wieder als Anstifter, vielleicht war er gar selbst unter die Zeitungsschreiber gegangen: zu so etwas gehörten ja nicht viel „Knoken". Die Geschichte war fatal. Was würde man in Hannover, Hamburg, Berlin, was würde der Kaiser von den Gröpelingern denken? Man würde sie anderwärts wahrscheinlich für „Bettel- voll" halten, das die Kleinigkeiten nicht bezahlen könne. . . . Dazu litt nachgerade Ordnung und Zucht im Hause und im ganzen Dorfe, aus Mangel eines richttgen Zeitmessers, selbst das liebe Vieh bekam nicht einmal vollständig sein Recht! . . . Man fand plötzlich, daß man doch sehr dumm gewesen war, sich von Claus Steffen „regieren zu lassen", wenn er auch ein großer Bauer war, zumal der Rechtsanwalt in der Stadt, den man heimlich für theures Geld be- ragte, erklärte, daß ein angestrengter Prozeß unzweifelhaft verloren gehen werde. So mußte man ich leider diesmal das Vergnügen versagen. — „Jk mein, wir bethalen den Bettel!" sagte der Huf- chmied in der Gemeindeschenke, „endlich muß wieder Ordnung in's Haus kommen, besonders in den Stall! Toviel Recht ist Unrecht!" Die Zu- ttmmung, die er fand, war Anfangs gering, allmählig vergrößerte sich aber die Anzahl der Verständigen und Bekehrten. Es ward eine Gemeindesitzung angesetzt, in der die Sache zur Sprache gebracht werden sollte. Nur Claus Steffen und sein Anhang widerstrebte energisch. Dafür ward aber der lahme Schneider, und Heirathsvermittler, Hausen Maier, zu einer