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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

" h Jllustrirtes Tonntagsblatt. -täsääää'ä-*1-

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bnremix von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXI. Stahrn Mosse in Frankfurt a M., Berlin, München u. Köln, C L. *

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Der Einfluß der Eisenbahnen auf Kultur und Volkswirthschast.

* Der Verein deutscher Eisenbahnverwaltungen, welcher bekanntlich kürzlich in Berlin zu einem Kongreß zusammengetreten war, beging mit seiner Versammlung zugleich die 50jährige Jubelfeier des Bestehens von Eisenbahnen in Deutschland. In unserem Reiche wurde im Jahre 1835 die erste Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth gebaut und im darauf folgenden Jahre dem öffentlichen Be­triebe übergeben. Erst im Jahre 1838 wurde dann die häufig für die älteste Eisenbahn Deutschlands ge­haltene Bahnverbindung zwischen Berlin und Pots­dam hergestellt, von welcher der damalige König Friedrich Wilhelm IV. bei seiner ersten Fahrt gesagt haben soll:Den Karren wird Niemand aufhalten können." Und in der Thai unaufhaltsam war der Riesenfortschritt, den die Umspannung der Erde durch ein dichter und dichter gelegtes Eisenbahnnetz ge­wonnen. Das erste halbe Jahrhundert hat auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens schier Unendliches ge­leistet; und noch immer stehen wir mitten in der Entwickelung. Trotzdem, um bei Deutschland zu bleiben, unser Vaterland bereits über ein staunens- werth verzweigtes, engmaschiges Eisenbahnnetz verfügt, vergeht doch kein einziges Jahr, in dem der Bestand nicht durch Erweiterungen und Neuanlagen vermehrt würde. Unsere Zeit steht unter dem Zeichen des Ver­kehrs, in dessen Hebung und Förderung eine der Hauptaufgaben der zweiten Hälfte des zur Rüste gehendm Jahrhunderts beschlossen war.

Die Segnungen, die uns der Eisenbahnverkehr gebracht hat, sind nun so einschneidende und mannig- foltige, daß eine Geschichte derselben eine ganze Bi­bliothek anzufüllen vermöchte. Beschränken wir uns daher auf eine Andeutung der wesentlichsten Fort­schritte, die wir diesem Verkehrsmittel zu danken haben.

Durch die Eisenbahnen ist die politische Reife oes Volkes gefördert und seine Einigung wesentlich unter­stützt worden. Wer vor 50 Jahren eine Zeitung las, das war ein reicher Mann, und was die Zeilungen brachten, daS waren Nachrichten über Ereignisse, die immer schon vor Wochen, wenn nicht gar vor Monaten sich zugetragen hatten. Nachrichten aus Paris brauchten wenigstens eine Woche, um bis nach Berlin zu ge­langen, von wo sie dann wieder auf dem umständ­lichen Wege der Postbeförderung mehrerer Tage zu chrer Beförderung in die Provinz bedurften. Aus entlegener en Ländern dauerte die Vermittelung natur-

(Nachdnick verbrten.) Die Thurmuhr.

Eine lustige Geschichte aus Plattland von Zöe vo« Rcuß.

Ja, ja, um die Einigkett ist es eine schöne Sache! Das dachten die beiden zusammengehörigen Ge­meinden Hagen und Gröpelingen auch; deßhalb hatten fie sich schon in der vierten Gemeindesitzung über den Ankauf einer neuen Thurmuhr geeinigt, obgleich nicht einmal ein ordentlicher Zank oder eine Schlägerei vorausgegangen war. Die alte Thurm- »hr war allmählig heiser, launisch und grämlich ge­worden, und so altersschwach, daß sie sogar die Tageszeiten verwechselle und zur Besperzett zum Frühstück rief. Die Nachfolgerin war bei dem besten Uhrmacher in der Stadt bestellt worden, der Preis betrug Einhundert fünfzig Mark, und sollte von beiden Gemeinden zu gleichen Theilen getragen werden.

So thronte die neue Zeitverkündigerin denn nun droben in der Höhe, eingefriedigte Wiesen mit Weide- dieh, saftig grüne Feldbreiten, aus vielhuudertjährigen Eichen lang hervorschauende, strohgedeckte Häuser und dahinter die bienenumsummte Haide des norddeutschen Tieflandes bildeten das stimmungsvolle Landschafts­bild, über das fie hdrwegblickte. Heute, amPfingst- fonntage, erhob fie ihre Stimme zum ersten Male, kuiS, zwei, drei--zwölf mal, so laut und

kräftig, daß die alten Dohlen und Krähen erschrocken in ihren Nestern in die Höhe fuhren, vor der neu- angebrochenen Zeit! Unten aber standen noch die letzten Gruppen der Pfingstkirchgänger, Männlein und Fräulein, und blickten verwundert zu dem-erstandenen Weltwunder auf. Die EttttgkeÜ zwischen Hagen und Gröpelingen war vollkommen, immer wieder schüttelte 6cm sich hocherfreut gegenseitig die Hände.

gemäß bettächtlich länger. Bei solchem Zustand war das Interesse an den polttischen Ereignissen begreiflicher Weise ein wesentlich geringeres als dies heute der Fall ist, wo unmittelbar auf das Ereigniß die Bericht­erstattung erfolgt, und wo auch in die entlegensten Grenzstädtchen die Nachrichten über alle wichtig n Geschehnisse unvcrweilt eintreffen. Das Verdienst dafür gebührt der Eisenbahn.

Ohne den durch die Eisenbahn ermöglichten persönlichen Verkehr wäre auch die durch den glor­reichen Krieg von 1870 71 herbeigeführte Einigung der deutschen Stämme, wenn nicht geradezu unmöglich, so doch sicherlich sehr erschwert gewesen, und wie hätte man in dem Kriege selbst ohne die Eisenbahn in so kurzer Zeit die erforderlichen Truppenmengen an die bedrohte Grenze senden können? Man vergesse auch nicht die Segnungen des Eisenbahndienstes auf den Gebieten der Verproviantirung der Truppen, der Zu­stellung von Munition und der sanitären Hilfs­leistungen.

Eingreifender noch als auf dem politischen Gebicte ist der Einfluß der Eisenbahnen auf dem der Volks- wirthsckaft. Wenn heute ein Mensch zurückkehrte, der unmittelbar vor der Entstehung der Eisenbahnen sein Leben beschloß, er müßte annehmen, daß seit seinem Tode Jahrhunderte verflossen und Generationen zusammengewirkt hätten, um bie'e beispiellosen Erfolge auf dem Gebiete des wirthschaftlichen Lebens hervorzn- rufen.Wo waren früher jene Tausende von Fabriken, die jetzt die Welt mit ihren Produkten ver­sorgen, wo jene Unzahl hervorragender Handels­unternehmungen, wtlche den Güteraustausch zwischen den Nationen und den Erdtheilen vermitteln, wo jene Millionen von Arbeitern, die heute im Dienste der Industrie ihren Erwerb finden? Die Fundstätten unentbehrlicher Rohprodufte, wie Kohlen und Erze, die früher in der Hauptsache auf den beschränften Bedarf der nächsten Wirthschaftsbezirke angewiesen waren, versenden ihre Güter in den großartigsten Massen nach entfernten Ländern und Erdtheilen; die Getteideversorgung der einzelnen Staaten wird durch eine Weltkonkurrenz geregelt, wie sie universaler nicht gedacht werden kann, und ausländische Produkte und Waareu, die früher kaum den Namen nach bekannt, spielen in den Bedürfnissen des Volkes dieselbe wirth- schaftliche Rolle, wie die Frucht, die vor der eigenen Thüre wächst!" In diesen Lobeshymnns auf die Eisenbahn brach ein Regierungsvertreter auf dem Eisenbahnkongreß aus, indem er die völlig ver­änderten volkswirthschastlichen Verhältnisse von heute mit denen vor 50 Jahren verglich.

Der junge Lehrer von Hagen, Herr Justus Petersen, der die erste Anregung zum Ankauf der neuen Thurmuhr gegeben hatte,weil man im Leben immer wissen müsse, wieviel die Glocke geschlagen", hatte heute sehr geschwind die Lichter auf dem Altar verlöscht und die Kirchthüre verschlossen, um soganz zufällig" heimkehrend noch mit den beiden jungen Dirnen jufammenjutreffen, die bis jetzt in der Um­gebung der Kirche verweilt hatten, lachend und blumenpflückend, fast als ob fie etwas vergessen hatten.

Freude und Segen zum Pfingstfest!" redete Herr Petersen die größere und schönere an.

Das liebliche Kolorit der Angeredeten verstärke sich um einen Farbenton, dazu schlug fie die Augen nieder. Dann stammelte fie eine verlegene Antwort, die indesien den jungen Mann vollkommen zustieben- zustellen schien. Auch die nachfolgende Unterhaltung war kaum inhaltreich, desto eindringlicher sprachen Augen, Mienen und Ton: es war als ob sich zwei Vögel auf einem Zweige des Lindenbaumes droben über ihnen begegnen, die dasselbe Gefieder tragen und dasselbe Lied fingen! Aber auch dem Ereigntsie des Tages, der Thmmnhr, ward gebührend Erwähnung gethan.Gesche, Dern, wo steckst?" klang eS plötzlich von rauher Baßstimme zurück und rief das Paar aus holdem Traume wach.

Wtt fitafen noch eine lüttge Welle!" antwortete anftatt der erschrockenen Tochter die gefällige Freundin, die daSzufällige" Stelldichein als Tugendlaterne beleuchtete.Aber wtt sind schon hinter Euch, Bauer, Ihr braucht nicht zu warten!"

Werden Sie morgen beim Pfingsttanze fein, Fräulein Gefina?" erwiderte der Lehrer aushorchend zum Abschied.

Gefina schien zweiftlhast, was fie antworten ollte, auch wmde ihr die Entgegnung durch einen

Daß bei diesem rasenden Vorwärtsschreiren manche klein^und gesicherte Existenz, die dem Strome der Zeit nicht so schnell folgen konnte, niedergerissen und zertreten ward, ist srellich auch wahr. Maschine und Eisenbahn haben eine reichere und blendendere Welt wie mit Zauberschlag hervorgerufen; ob auch eine glücklichere? Die Antwort darauf dürfte eine getheilte sein.

Trotzdem darf man es nicht verkennen, daß neben den äußeren Veränderungen, die wir den Eisenbahnen danken, daß auch ein tiefer gehender, innerer Einfluß von denselben ausgegangen ist. Die Welt ist sich erst durch die Eisenbahn ihrer wirthschaftlichen Kraft bewußt geworden. An Stelle der genügsamen Ge­lassenheit ist das Streben und der Wetteifer getreten, sich in wirthschaftlicher Bethätigung auf dem Welt­markt hervorzuthun. Alle Kräfte des Geistes und des Körpers sind ganz anders als vordem angespannt und daher die Summe der Leistungen und Erfolge auch ganz andere wie ehemals. Die Eisenbahn hat das ganze Menschengeschlecht von Grund aus umge­wandelt und demselben eine ganz neue Welt er­schlossen ; genommen aber hat sie ihm das sttlle Glück der Genügsamkeit und die Rnhe seines äußeren und inneren Daseins auf Nimmerwiederkehr.

Deutsches Reich.

* Berlin, 3. August. (Tagesbericht.) Unser Kaiser hörte heute auf Schloß Wilhelms- Höh e den Vortrag des Chefs deS Civilkabinets von Lueanns.Zum Besuch derLaiserin Friedrich ist das hessische Großherzogspaar in Friedrichskron eingetroffen. Dem Finanzminister Miquel hat Prinzregent Luitpold von Bayern das Großkreuz des Civil-Verdienstfteuzes der bayerischen Krone verliehen. Vizeadmiral Valois hat, wie aus Wilhelms­haven gemeldet wird, seinen Abschied genommen; an seiner Stelle ist Vizeadmiral Karcher zum Ches der Marinestation derNordsee ernannt worden. Das Gentralcomitö der deutsch en Vereine vom Rothen Kreuz erläßt einen Aufruf zum Besten der durch den Untergang desIltis' in Trauer und Leid versetzten Fomllien.

* (Die Helden der deutschen Flotte.) Der radikale LondonerDaily Chronicle" schreibt:Unser herzliches Mitgefühl geht nach Deutsch­land wegen des Unterganges des Kanonenbootes Jltts" in ostasiattschen Gewässern. Nicht sowohl deßhalb, weil das Schiff viel werth war. Denn es

neuen heftigen Zuruf des Vaters unmöglich. Noth- gedrnngen schlossen sich die Mädchen nach kurzem Gruße den heimkehrenden Kirchgängern an.

Am Nachmittage saß Bauer Claus Steffen hemdärmelig und qualmend unter den Eichen seines stattlichen Hofes in Gröpelingen und hörte behaglich die erften Sommerfliegen summen. Da kam Hansen Mater, der lahme Schneider und Heirathsvermittler, herangehinft. Claus Steffen war nicht sehr über­rascht, vielleicht hatte er ihn heute, am heiligen Pfingsttage, sogar erwartet. Denn es war bekannt, daß Peter Röhrsen, teffen schöner einstelliger Hof draußen in der Haide lag, die Gesche Steffen freien wollte. Und weil Hansen Maier die Sache in die Hand genommen, der einen feinen Kopf besaß und als Flickschneider ans einem Hanse tti's andere ging und feinen Kunden in die Taschen und in's Herz guckte, konnte ans der Sache etwas werden! Nach kurzem Gruße begann er auch ohne Vorrede die An- ftage, indem er die Vermögensverhältnisse des Freiers prahlerisch barlegte.

Die Wiese am Kuhbrok habt ihr bei den Grund­stücken vergessen!" verbefferte ihn Claus Steffen dennoch.Sie ist ihre drettausend Mark werth!" Dann rief er in's Haus hinein, Hansen Maier Kaffee, Branntwein und Kuchen auf die Diele zu stellen. Verständnißvoll humpelte der Lahme auch sogleich hinein, um sich gebührend zu stärkeu und dem Bauer Zett zur Antwort zu lasten. Für ge­wöhnlich war das nur ein Komödienspiel, Claus Steffen aber brauchte die Heirath seiner Tochter nicht zu übereilen. Und weil die Gesche just über den Hos gegangen kam, thellte der Vater der Tochter die Sache sogar mtt.

Gefina erschrak und ward todtenbleich. Ver­schiedenartige Seelenbetoegungen spiegelten sich auf

war ein 18 Jahre altes Fahrzeug, aber weil ein ritterlicher Kapitän und eine tüchtig ausgebildete Be­satzung den Tod in den Wellen fand. Es besteht eine so intime Freundschaft zwischen unserer eigenen und der deutschen Marine nicht nur in europäischen Gewässern, sondern besonders auf entfernten Stationen daß viele in unserer Flotte das Unglück gerade so empfinden werden, als ob es einem unserer eigenen Schiffe begegnet wäre, die in jenem tückischen Meere kreuzen. England ttauert mit Deutschland wegen des Todes so vieler braver Männer."

* (Parlamentarisches.) Für die Ersatz- wähl zum Reichstag in Gießen wird von den Sozialdemoftaten der Redakteur Scheidemann aus­gestellt. Die Antisemtten haben bekanntlich den bis­herigen Vertteter, Köhler, wieder ausgestellt.

* (Keine Deportation.) Die Frage der Deportation von Strafgefangenen hat neuerdings wieder häufiger den Gegenstand öffentlicher Erörterungen in Deutschland gebildet. Es scheint, so schreibt die Nordd. Allg. Ztg.", daß deßwegen in den deutschen Schutzgebieten, insbesondere in Südwestafrika eine gewisse Beunruhigung entstanden ist, indem die Befürchtung gehegt wurde, die bentsche «Regierung gehe damit um, Verbrecher nach Südwestafrika zu deportireu. Diese Befürchtung hat auch in den benachbarten fremden Kolonien Ausdruck gefunden und namentlich einem Theile der kapländischen Presse mehrfach Anlaß zu Angriffen gegeben. Wie die Nordd. Allg. Ztg." hört, besteht indessen jene Absicht an maßgebender Stelle keineswegs, was um so natürlicher ist, als gegen die Durchführbarkeit und Zweckmäßigkeit der Deportation gewichtige Bedenken erhoben werden.

* (Kreta.) Die Verhandlungen der Kabinette über die Kretaftage haben bisher lediglich die Aus­übung eines gemeinsamen starken Druckes in Athen bezweckt. Der gemeinsame Druck mußte unterbleiben, da England sich weigerte, an irgendwelchen gegen Griechenland unternommenen Schritten theilzunehmen. Tie Großmächte, insbesondere Rußland versolgen die Sonderstellung Englands mit Mißtrauen, beharren aber bei der Absicht gemeinsamen Vorgehens in der Kretaftage auch ohne England. Bestimmte Erklärungen in dieser Richtung sind von Deutschland, Rußland und Oesterreich bereits abgegeben worden.

* Hamburg, 3. August. (Fürst Bismarck) wurde neulich in einer pfälzischen Centrumsversamm- lung mit dem AusdruckBuschklepper im Sachsen­walde" bedacht. Auf diese unfeine Beschimpfung

ihrem Gesichte bis ein letzter, schlauer Einfall die Mundwinkel schelmisch kräuselte.Vating," sagte sie mit erzwungener Gleichgiltigkeit,muß denn schon geftett sein? Die Trina ist eine bannig große Dirne, aber sie meint! wer sich in den Hofdiensten tobt arbeit', kommst einst in den Himmel!"

Aber willst leddig bleib'n?"

Laßt mich noch 'ne lüttge Zett im Hause schaffen, Vating! Man kann ehrne Kuh nt dem Stall spinnen, als bertn! Denkt an Mutting! Sie hat mich Alles in Schick halten lassen, als fie noch lebte. Nicht immer ist's wahr: Fließige Mübber giebt fühle Töchter! Ist benn mein Unterkommen so Hille?" (eilig.)

Suat nicht verquer! Du brauchst keinen Menschen in ber Wett nicht! Aber ber Peter Röhrsen hat den besten Hof! Aber es soll gelten, wenn er warten will bis nach ber Ernte l"

Die neue Thurmuhr bewährte sich glängenb: niemals vorher war in Hagen Alles so genau nach ber Schnur gegangen! Das Gefinbe verschlief sich nicht mehr, bie Schulbuben kürzten ihre Balgereien auf ber Straße ab, unb bie Hausfrauen und Mägde verschwatzten sich weniger lange auf ber Dorfgasse. Wenn bie Glocke Mittag rief, stauben Bohnen, Lüsten unb Speck pünktlich auf bem Tische, selbst bie Zngthiere unb Pferde auf bem Felde kannten halb ben Ruf der Thurmuhr, blieben vor dem Pfluge stehen und zwangen den Bauer zur Heimkehr.

Dieser Zustand allgemeinster Zustiedenhett dünste dem verliebten Schulmeister als richtiger Augenblick, um wegen der längst versprochenen Gehallsaufbesserung einzukommen. Bei seiner Ordnungsliebe unb Spar­samkeit hatte bas Gehalt für bie bescheidenen Be­dürfnisse des jungen Mannes eben auSgereicht. Weil er aber demnächst als Freier der schönen unb reichen