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Marburg, Sonntag, 19. Juli 1896.

Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nb Kirchhai».

"b gaaggy»" ZllUstrirtes Somttagsblatt.

Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton dieses Blattes, sowie dir Anvoncen-Bllreaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXI. Jabra Moste in Frankfutt a. M., Berlm, München u. Köln, C L. H

Daube u. Co. iu Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, Patts.

Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und X? 4l*Q Feiertagen. Quartal Abonnements-Preis bei der Expe-

Jl=. 10(5 dttion 2 Mk, btt allen Postämtern 2 Mk 25 Pfg. (exll.

Bestellgeld) JnsettionSgebühr für di, gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

E^egen Anschlusses an die erwei­terte Gasröhrenleitung sind wir

in unserem Gasbezuge zum Betrieb

unserer Zeitungsdruckmaschine derart

unterbroch

en

daß wir genöthigt

find, die heutige Nummer unseres

Blattes in zwei Ausgaben er­scheinen zu lassen. Die zweite wird gegen 7 Uhr Abends resp. morgen irich zur Ausgabe gelangen.

Inserate für die zweite Ausgabe können daher für heute noch bis 5 Uhr Nachmittags entgegengenommen werden.

Erste Ausgabe.

Frauenrecht.

+ Die in der bekannten Berliner Frauenver- sammlung gefühtte Sprache verfehlt ihre Wirkung nicht. Die Frauenftage wird lebhafter denn je er- öttett, insbesondere von der Damenwelt selbst, leider abtt gemeinhin mit mehr Leidenschaft als Sach- kcnntniß. Es ist überraschend, was für unbegründete llttheile über die angeblicheRechtlosigkeit" der Frau nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes sich Her­borwagen, während thatsächlich ein wesentliches Ver­dienst des letzteren darin besteht, die Stellung der Frau ungleich freier, als bisher, gemacht zu haben.

Zunächst hat das Gesetz die Geschäftsfähigkeit der Frauen völlig derjenigen der Männer gleichgestellt Md auch ihr persönliches Verhältniß in der Ehe gegenüber dem bestehenden Recht günsttger gestaltet. Die elterliche Gewalt der Mutter hat eine Erwei­terung erfahren, wie sie kein anderes Recht kennt. 3n den Bestimmungen über das Vormundschaftsrecht

(Nachdruck verboten.)

Die seltsame Heirath.

Rom«, nach dem Amettkanischen von August Leo.

(Fotts^ung.)

kIch suchte Dich," fuhr Lad, Dare noch ärger» Wr fort.Zeno ist hier mit zwei Bluthunden; letzt wirst Du mir hoffenüich glauben."

Duvar blickte sie im Anfänge an, als ob er sie 8® nicht verstände; dann hob er die Hand und t-mnelte an die Wand, als ob er sich daran stützen tififfe.

Lady Dare öffnete eine nahe Thür.

.Gehe da hinein," sagte sie;ich will ihn zu wx schicken."

Duvar folgte ihr, ohne ein Wort zu sprechen. ^Sie blickte ihn einen Moment mit zusammen- Kbiffenen Zähnen an und ging dann fort.

Als sie mit dem Riesen zurückkehtte, hatte Duvar Me Stellung noch nicht veräudett. Bei Zenos «uiritt blickte er jedoch auf und fragte ihn:

»Wie konnte da- geschehen?"

Der Mann konnte ihm keine Auskunft geben ° wußte es nicht. Er hatte, als er nach Duvar's «breiie das erste Mal wieder hinaufging, die Puppe °°rnübergefallen und ganz iu Unordnung auf «w Boden liegend gefunden. Hauptmann Sever

Jort.

3n der Hoffnung, ihn wieder einzufangen, hatte «sogleich Langer Cliff mtt den Hunden verlaffen

war den ganzen Weg bis nach Schloß Dare »cwandert, um seinen Herrn von dem, was sich zu- «vragen, zu beuachrichttgen.

»Wie benahmen sich die Hunde?" fragte Duvar.

und über das Erbrecht der Ehefrau und Mutter ist den Besttebungen der Frauen vollste Würdigung ge­zollt worden.

Selbst in der Frage, welche von den Frauen als Kardinalpuntt der ganzen Frauenbewegung bezeichnet wird, in den das eheliche Güterrecht betteffenden Be- sttmmungen, hat das neue Gesetz die Rechte der Frauen in hohem Maße wahrgenommen. Der deut- schen Rechtsanschauung, die sich trotz der Einflüsse des römischen Rechtes in diesem Falle frei nach deutscher Eigenatt entwickelt hat, entsprach bisher der Gedanke am meisten, daß die ehelichen Lasten, dem innersten Wesen der Ehe gemäß als einer das ganze Leben zweier Personen umfassenden Gemein­schaft, von beiden Gatten gemeinschaftlich zu tragen sind, und zwar so, daß die Tragung derselben formell dem Manne allein auferlegt wird, die Frau ihren Beitrag aber dadurch leistet, daß dem Manne ein besttmmtes, festes, absolutes Recht an dem Ver­mögen der Frau eingeräumt wird. Das sind die Grundgedanken, die sich in dem Recht der allgemeinen Gütergemeinschaft aussprechen. Das Vermögen beider Gatten wird zu einem Gesammtgute vereinigt, an welchem dem Manne die Verwaltung und Ver­fügung zusteht, und aus welchem er die ehelichen Lasten bestteitet.

Da diese Gütergemeinschaft vielfach beanstandet, in anderen Staaten, so neuerdings in England, ganz aufgehoben worden ist, so hat das neue Gesetz sie nicht übernommen. An seine Stelle hat es in An­lehnung an die in Deutschland noch tief eingewurzelten Auffassungen des ehelichen Lebcnsverhältnisses das Prinzip der Verwaltungsgemeinschaft gesetzt. Bei diesem steht dem Manne keineswegs die alleinige Versügung über das Vermögen der Frau zu, sondern nur die Verwaltung; der Beitrag der Frau zu den ehelichen Lasten wird dadurch bewirkt, daß die Früchte ihres Vermögens dem Manne überlassen werden, und er dafür auf seine Gefahr, mögen diese Früchte groß oder klein sein, allein die ehelichen Lasten zu fragen hat.

Das Gesetz ist der Frau aber noch weiter ent­gegengekommen; es besttmmt ferner, daß für die Frau bei Eingehung der Ehe ein Vorbehaltsgut be­stellt werden kann, dessen Verwaltung und Nutz­nießung der Frau allein verbleibt. Als Vorbehalts­gut gilt auch, was die Frau vor der Ehe durch eigene Arbeit verdient hat und während der Ehe aus selbstständiger Arbeit erwirbt. Zu ihrer Sicherung kann ferner vor Eingehung der Ehe ein Ehevertrag abgeschlossen werden, der die Rechte des Maunes

Sie fanden feine Spur und folgten derselben bis zur Eisenbahnstation."

Und wo sind sie jetzt?"

In einer der Hundehütten hier, festgekettet."

Derrick Duvar sah jetzt zum ersten Male, seitdem er die Unterhaltung seinem Untergebenen be­gonnen hatte, seine Schwester an, welche zuhörend, ohne sich zu setzen, an der Thür stehen geblieben war.

ES wäre mtt lieber, wenn Du das Zimmer verließest, Sylvia," sagte er plötzlich.

Weßhalb?"

.Weil ich Dich hier nicht brauche."

Das ist unangenehm, da ich hier zu bleiben gedenke," sagte Mylady kalt.Ich wünsche von jetzt an jeden Schritt zu kennen, der in dieser Angelegenheit unternommen wird."

O, wirklich?" höhnte Duvar, während eine krankhafte Blässe auf seinem Gesichte lag.Ich dachte, es wäre bester, wenn Du über das, was zu geschehen hat, in Ungewißheit bliebest."

Da hast Du Dich geirrt!"

»So schlage ich denn vor," sagte der Exchirurg nach einer Pause,Zeno nach L. zu schicken, um einen Mann zu holen, der mir schon früher gedient hat, und die beiden Männer mtt den Hunden all­nächtlich den Park durchstteifen zu lasten. Wenn sie nichts finden, so ist es ohne Schaden; wenn sie jedoch im Gegentheil einen Wahnsinnigen finden, der fich hier verbttgt, so werden fie ihn fangen oder ihn bei diesem Versuche tödten."

Mylady horchte stolzem, finsterem Gesichte, und ihre Lippen wurden immer bleicher, je weiter er sprach.

»DaS wäre zu gefährlich, wenn es überhaupt möglich wäre, was nicht der Fall ist," sagte fie.

ES ist sehr möglich und gefährlich nut für die

am Vermögen der Frau genau umschreibt und eventuell völlige Güterttennung festsetzt. Auch während der Ehe kann die ttchterliche Entscheidung in Sachen des ehelichen Güterrechts beantragt werden, wenn der Mann einen Mißbrauch von der Verwaltung des Vermögens der Frau macht.

Welchen Sinn hat da noch die laute Forderung einer grundsätzlichen Gütertrennung, die dem deutschen Rechtsgefühl durchaus widerstrebt? Prakttsch würde sie ohnehin nur zu oft darauf hinauskommen, daß der Mann das, was er erwirbt, mit der Frau theilen muß, wenn er aber Einbuße erleidet, diese allein zu tragen hat. Auch der Einwand, daß bei der Güter- oder Verwaltungsgemeinschaft ein Miß­brauch des Mannes nicht ausgeschlossen ist, ist gegen­standslos, denn ein solcher kann auch bei dem Recht der Güterttennung vorkommen; derselbe hat seinen Grund nicht in der Rechtsgestaltung, sondern in den Schwächen der Menschen. Die Rechte der Frauen sind also in dem neuen Gesetz in weitem Maße gewahrt und erweitett, und nur die Ver­blendung ehrgeiziger und die Unkenntniß irregeleiteter Frauen vermag sich dagegen zu verschließen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 17. Juli. (Tagesbericht.) Kaiser Wilhelm ist bekanntlich Chef des russischen 85. Wiborg'schen Infanterie-Regiments, das dieser Tage sein Regimentsfest feierte. Der Kommandeur beglückwünsch:: - dazu tat Kaffer, von dem hierauf folgende Antwort einging: Sende aus dem weiten Norden meinen Dank und Gruß dem braven Regi­ment in der Ueberzeugung, daß ich Dank der Gnade Sr. Majestät des Kaisers an die Spitze des helden- müthigsten Seiner Regimenter gestellt bin. Dem als Eskadronches im 2. Garde - Dragoner- Regiment kommandirten württembergischen Major Prinzen Ernst von Weimar verlieh der Kaiser den Rothen Adlerorden 1. Klasse. DerHamb. Korresp." bestreitet die Richttgkeit der Meldung, Dr. Bumiller halte sich auf Befehl des Kaisers auf Kreta auf, um über die dorttge Lage auth ntische Berichte zu liefern. (Wir hatten in diese Meldung bekanntlich von vornherein Zweifel gesetzt. D. Red.) Einer Hofansage zufolge findet der Besuch des russischen Kaiserpaares in Wien am 27. August statt.

* (Bismarck's neuestes Doktordiplom.) Wie schon telegraphisch gemeldet wurde, hat die medi­zinische Fakultät der Universität Jena den

Person, für die cs dies fein soll. Wenn sich dieser Teufel hier hemm versteckt und irgend einen wilden, hirnverbrannten Racheplan hegt, so ist das ein ge­nügendes Zeugniß dafür, daß er wahnsinnig ist, was er auch wirklich ist. Jeder vernünftige Mensch würde offen und am Hellen Tage handeln. Ich halte ihn für verrückt, und es wäre das Beste für uns, toenn wir das beweisen könnten. Es bleiben uns nur verzweifelte Mittel; wir müssen fügen oder sterben. Wir haben nichts zu verlieren, aber Alles zu gewinum."

Wer ist der Mann, nach dem Du schicken willst ?" fragte Mylady düster.

Du kennst ihn nicht, wenn ich Dir es auch fegte.

»Rann man fich auf ihn verlaffen, wie auf Zeno?"

Richt so; aber wenn man ihn gut bezahlt, wird er das Seine thnn."

33. Kapttel.

Vorbereitungen.

Zeno wurde sogleich sorgfältigen Instruktionen nach L. geschickt.

Um die Wahrheit zu gestehen, Duvar war zu furchtsam, um sich selbst hinaus zn wagen.

Zeno kehrte am folgenden Tage zurück und brachte unseren alten Bekannten, denFäustling", Annettes Mann, mit sich.

Bald nach ihrer Ankunft stürzte Mrs. St Ulm's Mädchen, welche für ihre Herrin einige Blumen aus dem Garten gehott hatte, vom Kopf bis zu den Füßen zittemd, leichenblaß unb mtt ganz verstörten Gesichtszügen zur Thür herein.

Annette!" rief MrS. St. Ulm erschreckt.

Richt diesen Namm! O, nicht so!" rief

Fürsten Bismarck in Erinnemng an die heute vor 20 Jahren erfolgte Eröffnung des Reichsgesundheits­amtes zum Ehrendoktor ernannt. Das dem Fürsten zugesandte Diplom besagt nach derMagd, Zig.":Die medizinische Fakultät der Universität Jena hat Se. Durchlaucht dm Fürsten Bismarck, Wilhelms 1., des Wiederherstellers des deutschen Reiches ersten und einzigen Kanzler, Doktor der Theologie, der Jurispmdenz, der Philosophie und der Staatswissenschaften, wegen seiner unsterblichen Thatcn, die er in seinem langen mühe- und erfolg­reichen Leben im Dienste des Gesammtwohles des Vaterlandes vollbracht hat, und wegen der Gesetze und Einrichtungen, durch die er das Medizinalwesen des Gesammtvaterlandes nach einheitlichem Plane umgestaltet hat, zum Andenken an den Tag, an dem vor 20 Jahren das Kaiserliche Reichsgesundheitsamt eröffnet wurde, zugleich in Erinnerung an die Ehre, die er vor vier Jahren im Monat Juli dieser Stadt und der Universität Jena erwiesen hat, zum Doktor der Medizin ehrenhalber ernannt." Das Diplom ist auf Pergament gedruckt, das Fakultätssiegel in eine Kapsel aus oxidirtem Silber eingeschlossen. In gettiebener Reliefarbeit zeigt der Deckel das Wappen des Fürsten Bismarck, auf das Aeskulap und Minerva einen Lorbeerttanz niederlegen, und die Unterschrift: 18. Juli 1896. Der Boden der Kapsel enthält das Bild des Marktes von Jena, im Vordergründe den Bismarckbrunnen und die Unterschrift: Jena, 30./31. Juli 1892. Diplom und Siegelkapsel ruhen in einer Rollenhülle aus gepreßtem, theilweise vergoldetem urd buntbemaltem Leder. Der Mantel der Hülle stellt oben das Bismarck'sche Wappen, unten die In­signien der medizinischen Dottorwürde, beides um­rankt von Eichen- und Epheulaub, dar. Fürst Bismarck gehört nunmehr sämmtlichen Fakultätm an; die Ehren-Ernennungen haben folgende Daten: 1) Dr. pbilosophiae zu Halle 21. Juni 1867, 2) Dr. juris zu Göttingen 18. März 1885, 3) Dr. juris zu Erlangen 1. April 1885, 4) Dr. scient. pol. zu Tübingen 1. April 1885, 5) Dr. theol. zu Gießen 10. November 1888, 6) Dr. medicinae zu Jena 16. Juli 1896.

* (Zur Reichstagsstichwahl in Löwen­berg), in welcher der freisinnige Kandidat, Rektor Kopsch-Berlin, den Sieg über den konservattven Gegen­kandidaten, Grafen Nostiz, davontrug, schreibt die Nordd. Allg. Ztg.": Ueberwiegt auch die ländliche konservative Bevölkemng im dorttgen Wahltteise die städttsche, so mußte auch eine in die Erntezeit fallende Hochsommerwahl die Chancen der

das Weib, kaum fähig die Worte hervorzubringen, als sie die Blumen hinwarf und verzweifelnd die Hände rang.

Ach ja ich vergaß. Also Rosine," verbesserte sich die Lady,beruhigen Sie sich und sagen Sie mir, waS geschehen ist?"

Ich habe ihn geschm, meinen elenden Mann, Madame! Ich muß fort fliehen, so weit wie ich kann!"

Unsinn!" sagte ihre Herrin.Setzen Sie fich und erzählen Sie mir, was fich zugettageu hat."

Das Weib fummelte sich und erklärte dann ihre Furcht.

Es war wirklich Annette Veli, durch eine Perrücke und andere Künste so verändert, daß Derrick Duvar sie nicht erkennen konnte, um so weniger, da ihre Herrin sie gewöhnlich Rosine nannte.

Sie hatte die Ankommenden gesehen; doch diese hatten fie nicht bemerkt.

Er würde Sie auch nicht erkannt haben, wenn er Sie gesehen hätte," sagte Mrs. St. Ulm,so verändert sind Sie durch Ihre Verkleidung, unb so lange ist es her, seit er Sie zum letzten Male sah."

Er wirb mich erkennen, Mabame, was ich auch mtt mir anfangen mag."

So bleiben Sie ihm fern! Sie können das ganz leicht. Ich werde zu erfahren suchen, wie lange er hier bleibt."

Annette gegenüber sprach fie hetter; doch hatte sie selbst böse Ahnungen. Duvar mußte den Mann haben holen laffen. Warum? Das war die Frage.

Konnte er durch irgend einen Zufall entdeckt haben, wer fie war, unb nach diesem Manne geschickt haben, darntt et ihm seine früheren Angriffe erneuern helfen möge?

(Fortsetzung folgt.)