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öcherrtliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes.

sowie die Annonccn-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in

Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXXI

Moste in Frankfurt a M, Berlin, München u. Köln C L. ' 'x)U471ö

Daube a. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Marburg,

Sonntag, 5. Juli 1896.

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Die heutige Nummer umfaßt zehn Seiten.

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Die Vertagung des Reichstages.

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Nach arbeitsreichen 119 Sitzungen ist am Donnerstag der Reichstag bis zum 10. November brrtagt worden, nachdem der Reichskanzler im Auf­trage Sr. Majestät des Kaisers und der verbündeten Regierungen den Dank und die Anerkennung für die ölpferwilligkeit und Hingebung ausgesprochen, mit oelcher das große Gesetzgebungswerk dieser Tagung einer Verabschiedung entgegengeführt worden ist.

Dasgroße Gesetzgebungswelk dieser Tagung", as bürgerliche - Gesetzbuch, hat etwa ander-halb Nutzend Plenarsitzungen und rund fünfzig Kommissions- irrathungen in Anspruch genommen. Was die bngen Ergebnisse der Reichstagssession betrifft, so steten dieselben der konservativen Partei im Großen md Ganzen keinen Anlaß zur Unzufriedenheit, sind -bei gleichwohl weit entfernt, besondere Befriedigung u erwecken. Können wir die Thaffache als erfreu« >4 bezeichnen, daß die Vorlagen der verbündeten iegicrungen im Großen und Gauzen aus Anregungen llffprungen sind, die konservativerseits seit Jahren tgeben wurden, so ist doch andererseits nicht

(Nachdruck mboten.j

Die seltsame Heirath.

Roman nach dem Amerikanischen von August Leo (Fo-tfesung.)

Jedenfalls soll er sich nicht um die unseren wmern/ sagte Lady Dare mit so gehässigem «crem und bedeutsamen Au-diucke, daß sich in rem Bruder eine e-genthümliche Neugierde regte, wie t es verhindern wolle.

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»Sind Sie Lady Rcgima Sever?" fragte er. Ohne einen Augenblick zu zögern, antwortete sie:

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st>e fort.

Das Billet war kurz; doch als Mylady es llas, athmete sie schneller, und ihre Augen funkelten.

nacheV» »Nun ich habe einen Brief, den ich Ihnen geben nb oder Mr. Rupert Sevcr das ist gleich."

Er zog ihn aus der schmutzigen Tasche, und Mady griff begierig danach. Dann rannte der

Die Angelegenheiten werden jetzt bis nach dem Mer ruhen müssen," sagte Lady Dare.So gehe ochl" fügte sie ungeduldig hinzu.Was starrst Du vch denn so ans"

Er blickte sie verwundert au; er hatte bemerkt, * natürlich blaß sie war und welchem sonderbar l-zwungenen Ausdruck sie um den Mund hatte.

Als er gegangen war, blieb sie einen Augen- IJCT tot auf der Terrasse stehen, um sich zu sammeln, r r.Anderer sie sah deun sie hatte Duvar's 51l<f verstanden.

Plötzlich sah sie einen Knaben, der ihr fremd rschien, den Weg heraufkommen und sich umblicken ff017 v° er Jemanden suche. Als er sie sah, näherte .c sich ihr.

zu verkennen, daß die Reichsregierung davor zurückgeschreckt zu fein scheint, in allen den, die schrankenlose Gewerbesteiheit eindämmenden Gesetzen ganze Arbeit zu machen. Börsengesetz, Gewerbenovelle, Genossenschaftsnovelle, Gesetz über unlauteren Wettbewerb, Margarinegesetz u. A. sind nur dadurch annehmbar und wirksam geworden, das sie zum Theil erhebliche Verschärfungen erfahren haben. Namentlich hinsichtlich des Börsengesetzes und der Gewerbenovelle ist dies der Fall, und wie von Seiten der Reichsregiemng den Verschärfungen, die an diesen Vorlagen vorgenommen wurden, widersprochen worden ist, dürfte noch in aller Erinnerung fein. Hat der Bundesrath jedoch sich trotzdem bewogen gesehen, die also verbesserten Gesetze zu acceptireu, so wird man wohl hoffen dürfen, daß dies auch hinsichtlich der Margarinevorlage geschehen werde, wenngleich dieselbe mit der gewohnten sreitzändlerischen ^Notivirung von Seiten der Regierungsvertreter als unannehmbar be­zeichnet worden ist.

Schlagfertig hat Herr Freiherr von Manteuffel darauf hingewiesen, daß eine Ablehnung des Margarine- gesetzeS Seitens des Bundesrathes im Laude den Eindruck Hervorrufen werde, daß die Regierung selbst gegenüber den kleinen Mitteln für die Landwiith- schast sich ablehnend verhalte, wie sie grundsätzlich von den großen Mitteln nichts wissen will. Diese großen Mittel Antrag Graf Kanitz und Währungsfrage sind auch in der nunmehr vertagten Reichstagssession von konservativer Seite ausgiebig zur Sprache ge­bracht worden. Der Erfolg war, wie vorauszusehen, vorläufig ein negativer. Wir sagen: vorläufig; denn auch diese Debatten haben wieder gezeigt, daß die Zahl der Anhänger der großen Mittel im Wachsen ist, und daß die Gegner derselben nicht im Stande sind, trotz all ihres Wohlwollens für die Landwirth- schaft und ihrer Anerkennung der landwirthschaftlichen Nothlage, einen Weg zu bezeichnen, auf dem in anderer als der vorgeschlagenen Weise dem noth- leidenden Agrargewerbe zu helfen fei

Wir verzichten darauf, die einzelnen Befchlüfse des Reichstags aufzuzählen; nothwendig ist es aber im Zusammenhänge mit der Polittk der halben Arbeit, wie sie die diesmaligen Vorlagen ganz besonders gezeigt haben, des Schicksals des Handwerkskammern­entwurfs zu erwähnen. Mit Bezug auf diese Vorlage kann man mit Fug sagen, der Berg habe ein Mäuslein' geboren. Wenn dieses minimale, theilweise sogar bedenkliche Zngeständniß an die Handwerkerbewegung die Frucht der jahrelangen Enqueten, Erörterungen und Erwägungen darstellen soll, so ist es kein Wunder,

Das ist ein Glück, daß dies in meine Hände fiel!" flüsterte sie vor sich hin.Was soll ich aber jetzt damit thun? Es Derrick sagen? Nein, er be­trügt mich beständig Ich habe jetzt mit Rupert die Sache selbst in die Hand genommen; ich will auch das selbst unterfucheu. Ich bin es müde, immer im Ungewissen und unter Derricks Oberherrschaft zu sein."

Sie blickte wieder auf das Billet.

Ich sehe ich kann es mir denken, wie er mich hier betrogen hat. Doch so wahr ich lebe, ich werde mit ihm in's Reine kommen! Noch heute Abend bringe ich mit dem Herzoge Alles in Ordnung, und morgen werde ich wissen, was mit Sever vor­gegangen ist."

Das Billet war dasselbe, welches der arme Stroud geschrieben und so eilig fortgeschickt hatte.

Es hätte wenigstens achtundvierzig Stunden früher an seinen Bestimmungsort gelangen sollen; doch Tim war von seinem betrunkenen Vater auf- gehalten und an der Reise gehindert worden Allein der Knabe war seinem Versprechen insofern treu ge­blieben, daß, als er sah, daß er die Sache nicht selbst ausführen konnte, er dieselbe einem anderen Knaben übergab.

Doch er hatte in der Eile seinen Stellvertreter nicht so genau unterrichten können, wie Sttoud es bei ihm gethan hatte, und infolge dessen war die Sacheschief" gegangen.

Als Mylady kurz vor dem Diner das Speise­zimmer betrat, hatte sie anscheinend ihre gute Laune wiedergefunden.

Sie hatte ihre Toilette auf Eroberung eingerichtet und noch niemals prächttger ausgesehen.

Mrs. St. Ulm trug ein kostbares, schwarzes

daß die Handwerksmeister nun den Muth völlig verlieren.

So war die Reichstagssession bis zu ihrer Ver­tagung zwar fruchtbar und theilweise auch erfreulich; allein das Erfreuliche verdankt fein Dasein nicht der Jnittative der Regierung. Im Gegentheil: der Mangel an Initiative der Reichsregierung ist diesmal besonders scharf hervorgetteten, und das ist im Interesse der Staatserhaltung tief zu beklagen. Wenn wir sehen müssen, daß die Reichstags- ersatzwahlen fast durchweg einen scharf oppositionellen, Unzufriedenheit verrathenden Charatter annehmen, daß die radikalen Elemente den Sieg davontragen und die reichstteuen Wähler, verstimmt und miß- mnthig gemacht durch die Unsicherheit und Programm- losigkeit der Reichsregierung seit dem Rückttttt des Fürsten Bismarck, in großer Zahl von der Urne feinbleiben, so hatten wir cs für unsere Pflicht, der Regierung die Beachtung dieser bedenklichen Er­scheinung dringend an's Herz zu legen. Möchte man an maßgebender Stelle daraus die entsprechenden Schlüsse ziehen und durch Bezeichnung klarer Ziele diejenigen Elcm-nte aus der Bevölkerung zu politischer Arbeit zurückgewinnen bezw. zu erhaben trachten, auf deren Stütze eine reichstreue, monarchische Re­gierung einmal angewiesen ist.

Deutsches Reich.

* Berti«, 3. Juli. (Tagesbericht.) Wie dieNordd. Allg. Ztg." meldet, gedenkt sich der Reichskanzler, Für st zu Hohenlohe- Sch i l l i n g s s ü r st, morgen für einige Zeit nach Alt-Aussee zu begeben. Dem Generallieutenant von T r e s k o w, bisher Kommandant von Danzig, hat der Kaiser den Stern zum Rothen Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern verliehen, dem Hofmarschall des Herzogs Emst Günther zu Schleswig Hollstein, v. Buddenbrock, den Rothen Adlerorden zweiter Klasse. Professor Ur. Quidde hat einer Meldung ans München zufolge nunmehr die gegen ihn wegen Majestätsbeleidigung verhängte dreimonatliche Gefängnißstrafe angetreten.

(Bürgerliches G esetzbuch.) Anläßlich der Annahme des bürgerlichen Gesetzbuches sind ver­schiedene anerkennende Telegramme abgesandt worden. Der Kaiser depeschirte an den Reichskanzler: Christiansand, 3. Juli 1896. Eurer Durchlaucht spreche Ich Meine hohe Beftiedigung über die end­gültige Erledigung des großen Werkes ans, das

Spitzenkleid und Regima war in ihrem rothen Seidenkleid einfach bezaubernd.

Rupert kam nicht, und sie begann, wie Mr. Duvar, sich zu fragen, wo er denn nur sein könne?

Lord Alwyn kam mit halb unverschämter, halb ttotziger Miene, und Regima empfing ihn ziemlich wie gewöhnlich.

Der junge Lord freute sich im Süllen über ihre Freundlichkeit.

Ich wußte, daß Sever lügt,' dachte er sich ubelnd, als er das schöne Gesicht rntt feinen an= betenden Blicken verzehrte.

Was ist aus Sever geworden?" fragte Jeder­mann beim Dir er; doch Niemand vermochte zu antworten. Nur Duvar, welcher feine Schwester anblickte, begegnete ihrem voll auf ihn gerichteten Blick und las etwas in ihren großen Augen, das ihn verwirrte und unbestimmt bmnmhigte.

Sowohl Regima, wie auch Mrs. St. Uta hatten diesen Austausch der Blicke bemerkt.

Diese Beiden wissen es," sagte sich Regima.

Ich möchte wissen, ob Mylady ihn aufgehoben hat?" fragte die schöne Wittwe sich innerlich.

27. Kapitel.

Was nun?

Um neun Uhr sah man Lady Dare in ihrem hellblauen Seidenkleide über die Elmen-Terrasse dem Lesezimmer zugleiten, wo mit dem Herzoge von Berwick zusammenzutreffen sie versprochen hatte. Sie war fest entschlossen, ihm ihr Wort zu geben, und wenn nöthig ihrem Bmder Trotz zu bieten.

Um neun Uhr gelang es auch Regima, ihren beständigen Begleitern, Lord Alwyn und Miß France, welche es sich vorgenommen zu haben schienen, sie nicht einen Augenblick allein zu lassen, zu entkommen.

Deutschland ein einheitliches bürgerliches Recht sichert. Mit dem Ausdruck Meiner Anerkennung verbinde Ich gem Meinen besonderen Dank für Ihre angestrengte Mitwirkung und erfolgreiche Leitung bei dieser Arbeit, in deren Abschluß Ich ein neues Bindemittel für das im Reich geeinte Vaterland erblicke. Wilhelm. I. B." In einem Kaiserlichen Schreiben, das dem Staatssekretär des Reichsjustizamts Nieder- ding zuging, werden dessen Verdienste um das bürgerliche Gesetzbuch in ehrender Form hervorge­hoben. Reichstagspräsident Frhr. von Buol- Bercnberg erhielt aus Langenberg, Rheinprovinz, folgendes Telegramm:Bürger der preußischen Stadt Langenberg, seit Karls des Großen Zeiten rechtlich in .zwei ungleiche Theile gespalten, zuletzt bis jetzt größten Theils bergisch und französischrechtlich, zum geringeren preußisch landrechtlich, bekunden ihre be­sondere Freude über die Annahme des allen deutschen Stämmen und damit auch ihnen Rechtseinheit ge­währleistenden großen Werkes des deutschen bürger­lichen Gesetzbuches. Der Bürgermeister Frowein."

* (Preußische Minister.) Seit dem Rück­tritt des Handelsministers v. Berlepsch schwirren be­kanntlich die Gerüchte über bevorstehende neue Krisen nur so durch die Lust. Ein Minister nach dem anderen, cs ist fast kein einziger ausgenommen worden, wurde als amtsmüde bezeichnet. Diese Nachrichten sind offiziös sammt und sonders für freie Erfindungen erklärt und gründlich abgethan worden. Interessant ist cs nun, von den Urhebern der verschiedenen Kriscugerüchte deren Begründung für dieselben zu vernehmen. Es seien schon soviele Minister unter der Regierung unseres Kaisers zurückgetreten es werden 18 namentlich auf­gezählt, daß die Mittheilung von einer bevorstehenden Krise niemals so ganz grundlos ist. Trifft es heute nicht, dann vielleicht morgen, oder doch ganz gewiß in nicht allzu langer Zeit. Da es manchem Leser willkommen sein mag, bb währ nd der letzten 8 Jahre abgetretenen Minister zusamnv ngestellt zu sehen, so theilen wir hiermit deren Ranen mit. Es sind 2 Justizminister, von F iebberg, der 1889 und von Schelling, der 1894 ging. 3 Kriegsminister: B-onsart v. Schellendorf I (1889), v. Ve dy (1890) und v. Kaltenborn-Siachau (1893). 2 Minister der aus- wärügcn Angelegenheiten: Fürst v. Bismarck (1890) »nd Graf Caprivi (1894). 1 Minister ohne

Portefeuille: Graf Herbert v. Bismarck (1890), Finanzminister: v. Scholz (1890). 2 Landwirth- schaft-Minister: Freiherr v. Lucius (1890) und von Heyben-Cadow (1894). 2 Kultusminister: von

Goßler (1891) unb Graf Zedlitz (1892). 1

In unbestimmter Unruhe und Verwunderung wegen Rupert konnte sie es kaum erwarten, den Ort zu erreichen, den sie ihm zu einer längeren Be­sprechung bezeichnet hatte. Trotzdem er nicht beim Diner gewesen war, erwartete sie doch sicher, ihn hier zu finden.

Wenigstens sagte sie sich das fortwährend; sie wollte sich es nicht zugestehen, daß sie irgend welche Unruhe oder Zweifel fühlte. Er war vielmehr vom Diner zurückgehalten worden oder auch ab­sichtlich fortgeblieben; doch bei der Zusammenkunft würde er nicht fehlen, ohne sie davon zu benachrichtgen.

Sie erreichte den Platz bei der unteren Fontaine; etztere befand sich am Eingang des Pavillons.

Das leise Murmeln des Wassers war der einzige Ton, der das Müschen bei seinem Einttitte begrüßte. Ihre lebhaften Augen durchsuchten rings die be- chatteten Stellen, doch Niemand war da.

Vielleicht kommt er noch," dachte sie.

Sie wartete noch etwa zehn Minuten, aufmerk­sam lauschend, und bei jedem Geräusche erschreckend.

Das begreife ich nicht!" sagte sie dann und fügte, sich tröstend, hinzu:Doch deßhalb brauche ich mich nicht zu ängstigen. Wie ihöricht von mir, einer solchen Kleinigkeit wegen mich w aufzuregen!"

Plötzlich stieß sie einen kurzen Schrei aus und treckie die Hände, wie abwehrend, von sich. Am ganzen Körper zitternd, flüsterte sie, starr vor sich nieberblitfenb:Schon wieder einer 1'

Bon der Höhe herab fl itterte plötzlich ein drei­eckiger Zettel weißen Papiers und fiel gerade zu ihren Füßen nieder.

Sie wußte, ehe sie es noch berührte, was es war; sie hoo ihn mit zitternden Händen auf und Ls mit entsetzten Bucken bas einzige roth geschriebene Wort, das darauf stand:Verrälherei!"