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Ein Rückblick auf die Vollendung
Friedrich III." in Wilhelmshaven istnochnachzutragen, daß Admiral Hollmann bei dem Festmahl im Offizierkasino eine Ansprache hielt, aus der folgende Stelle bemerkenswerth ist: „Bin ich doch ein Zeuge, wie Ew. Majestät den regsten Antheil an der Entstehung des Schiffes genommen haben und wie Allerhöchstderselbe in rastloser Arbeit und in nie ermüdender Fürsorge nur von dem einen Wunsche beseelt sind, der Marine eine starke, kriegstüchtige Waffe in die Hand zu geben. Wie oft habe ich beim Betreten des Arbeitszimmers Ew. Majestät über die Pläne des Schiffes gebeugt gefunden mit prüfendem Auge den Linien der Konstruktion folgend und die Eigenschaften abwägend, immer darauf bedacht, Besseres an die Stelle des Guten zu setzen. Gott möge geben, daß das Flaggschiff „Kaiser Friedrich III." in seiner Vollendung den allerhöchsten Erwartungen hinsichtlich seiner Stärke und Seeeigenschaften vollauf entspreche." — In seiner Antwort hierauf schilderte der Kaiser zunächst den Stapellauf als einen imposanten, ja ergreifenden Akt und kam auf die Erinnerungsfeiern des letzten Jahres zu sprechen. Der damals noch im Werden begriffenen Marine sei es nicht beschieden gewesen, in der Weise markirend einzugreifen in die Verhältnisse des jüngsten Krieges durch Aufopfern von Leben und Blut und Material, wie sie es hätte wünschen können. Es habe daher für sie die Reihe der Feste gewiffermaßen etwas Bedrückendes gehabt. Aber gerade die Theilnahme und die Beziehungen der von dem ganzen Volke vergötterten Persönlichkeit des dahingcgangenen Kaisers Friedrich seien doch für unsere Marine nicht ohne große Bedeutung. Durch wiederholte Vertretungen seines Vaters sei Kaiser Friedrich auch in nähere Beziehung zur Marine gekommen. Diese sei also wohl berechtigt, gleichfalls einen Antheil an dieser Person zu haben, und deßhalb habe er, der Kaiser, bestimmt, daß das erste große Panzerschiff, hoffentlich der Vorläufer von manchen von derselben Klasse, den Namen dieses allerhöchsten Herrn tragen soll: gleichsam als dieEröffnung einer neuenAera für unsere Marine, wie auch der Name und die Persönlichkeit Kaiser Friedrichs die Eröffnung einer neuen Aera für das Reich gewesen ist. Der Kaiser schloß: „So will ich denn meinen Wunsch dahin zusammenfassen, daß jeder Kommandant und jeder Offizier und jeder Matrose, der jemals die Ehre hat, auf diesem Schiff zu dienen, sich stets voll bewußt sei der hohen Ehre, die ihm dadurch zu Theil wird, und stets bestrebt sei, diesem Namen Ehre zu machen, und, wo das Schiff auch auftreten möge, um dasselbe einen Nimbus
hat. Die Ereignisse aus der zweiten Lesung im Plenum sind noch frisch in der Erinnerung. Neben dem vom Wildschadenersatz handelnden Bestimmungen veranlaßten haupffächlich die das Familienrecht behandelnden Abschnitte des Entwurfs, sowie das Vereinsnothgesctz längere Debatten.
Eine Reihe von Mängeln, die dem bürgerlichen Gesetzbuch jetzt noch anhaften, hätten zweifellos eine Abänderung erfahren können, wenn man den Reichstagsmitgliedern mehr Zeit zur genaueren Prüfung der Beschlüsse der zweiten Kommissionslesung gegeben hätte, als es bei der Ueberhastung derBerathung geschehen konnte. Was dem Gesetzbuch jetzt an Gebrechen und Mängeln anhaftet, das wird die Praxis lehren und manche Härten und Unzulänglichkeiten werden später noch konigirt werden müssen. Tenn mit dem Gesetzbuch ist doch das bürgerliche Recht nicht in dem Sinne festgelegt, daß alle Bestimmungen desselben nun unverrückbar wie in Erz gegossen wären; es ist mit ihm vielmehr die einheitliche Basis geschaffen, auf der eine fruchtbare reformerische Arbeit fortgesetzt Zeitgemäßes zu leisten haben wird, denn ein Gesetzbuch kann seinem Wesen nach nicht in dem durch Jahrhunderte erstarrten Formen haften bleiben, es muß, soll es anders segensreich wirken, stets „von dem Rechte, das mit uns geboren" erfüllt sein.
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Mavbuva,
Sonnabend, 4. Juli 1896.
Deutsches Reich.
* Berlin, 2. Juli. (Tagesbericht.) Ihre Majestät die Kaiserin ist aus Wilhelmshaven im besten Wohlsein im Neuen Palais bei Potsdam wieder eing» troffen. — Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord sollte heute Abend bei Sunda! am Maueranger Meerbusen vor Anker gehen. — Prinz Heinrich von Preußen meldete seine Jacht „Gudruda" zur Theilnahme an der am 5. Juli beginnenden Segelregatta bei Kopenhagen. Der Prinz hat sein persönliches Erscheinen zugesagt. — Oberhofprediger Dr. Kögel, der treue Seelsorger, ja gern gehörte Rathgeber Kaiser Wilhelms I. und der auch unseren jetzigen Kaiser als Prinzen in die Lehren des Christenthums einführen und einsegnen durste, ist heute gestorben. — Die Konservativen Thüringens halten ihren Parteitag zu Eisenach im November ab und haben als offizielles Parteiorgan daS der konservativen Genossenschaft erklärt.
* (Die jüngste Kaiserrede.) Den Mittheilungen über den Stappellauf des Panzers „Kaiser
* Das große nationale Werk, das bürgerliche Gesetzbuch steht nunmehr, nachdem es der Reichstag am Mittwoch auch in dritter Lesung angenommen hat, vollendet da, um als einheitliche Rechtsnorm für das deutsche Volk auf Jahrhunderte hinaus zu dienen. Das Entstehen des Gedankens der Schaffung eines solchen Gesetzes führt uns zurück bis in die Zeit vor 25 Jahren, wo das mit Blut und Eisen erkämpfte deuffche Reich errichtet ward. Neben der einheitlichen Sprache und der einhettlichen Verfassung ist die Einheitlichkeit des Rkchts eine nothwendige Voraussetzung für eine dauernde und feste Verbindung verwandter Stämme. Darum drängte sich auch die Pflicht, ein einheitliches deutsches Civilrecht zu schaffen, in den Vordergrund der Aufgaben Derer, denen die erforderlichen Neueinrichtungen für das junge Reich oblagen. Die Aufgabe war riefengroß. Galt es doch nicht nur aus den Bestimmungen der einzelnen Landesgesetzgebungen die bewährtesten Bestimmungen herauszusuchen und zu einem organischen Ganzen zu verbmden; die Aufgabe bestand doch auch darin, das hundertjährige Recht der Einzelstaaten, das mit Land wld Leuten auf das Innigste verwachsen war, nach Möglichkeit zu wahren und zeitgemäße Reformen, nöthigenfalls gänzlich neue Gesetzesbestimmungen zu treffen. Welcher Reichthum von Kenntnissen und Erfahrungen, welche Feinheit des Taktes, welch eifern er Fleiß waren erforderlich zur Lösung dieser
grandiosen Aufgabe. Aber es gelang, die rechte:' Männer zu finden, die im Laufe des verflossenen Vierteljahrhunderts das schier unendliche Material sichteten und redigirten und ein Werk zu Stand» brachten, das, weil es nur von Menschen geschaffen, auch menschliche Unvollkommenheiten an sich trägt, das aber im Großen und Ganzen als ein Triumph deutschen Fleißes und deutscher Wissenschaft angesehen werden darf.
Als der Entwurf gerade an dem Tage dem Reichstage übergeben wurde, an welchem dieser die 25 jährige Wiederkehr des ersten Sitzungstages beging, trat das Gesetzbuch in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Ueberall herrschte das Gefühl, daß man etwas Besonderem, etwas Außergewöhnlichem gegenüberstehe. Nie zuvor hat ein Gesetzentwurf in so hohem Maße das eifrigfte Interesse und die gespannteste Aufmerksamkeit für so lange Zeit auf sich zu vereinigen vermocht, als dies bei dem Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuches der Fall gewesen ist. Bald folgte die erste Berathung. Die Parteien sprachen sich im Großen und Ganzen zustimmend zu dem Gesetzentwurf aus, wenn es natürlich auch keine einzige Fraktion im ganzen Reichstag gab, die nicht die Berücksichtigung von mehr oder weniger Sonder- wünfchen verlangt hätte. Die Kommission, welche da, auf in Arbeit trat, um das Gesetz für die zweite Lesung voMbereiten und den Wünschen der einzelnen Parteien nach Möglichkeit einen Platz in dem Gesetzentwurf zu sichern, hat gleichfalls mit dem alleraner- kennenswerthesten Fleiße gearbeitet. Lange schwankte der Kampf der Parteien; wohl hegte man im Allgemeinen die Zuversicht auf em glückliches Zustandekommen, aber der strittigen Punkte waren so viele, daß bisweilen auch die Zuversichtlichsten voll Zweifel über den Ausgang der Beiathungen waren. Eine entschiedene Wendung erfolgte bann aber durch den Abschluß eines Kompromisses zwischen dem Centrum und den Nationalliberalen, lieber die Gründe, die das Centrum veranlaßt haben mögen, plötzlich mit einer so unerwarteten Entschiedenheit für die unverweilte Erledigung des Gesetzentwurfs einzutteten, hat man sich in den verschiedensten Verrnuthungeu ergangen, zumal man die Selbstüberwindung, die dem Centtum dieser Entschluß gekostet hat — man denke an die Zustimmung zur Auftechterhaltung der obligatorischen Civilehe — nicht unterschätzen konnte Hier genügt es, die Thcttsache zu konstattren, daß das Centtum als der Führer im Kampf um die ununterbrochene Verabschiedung des bürgerlichen Gesetzbuchs bis zur letzten Stunde seinen Platz behauptet
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(Nachdruck verboten.)
Die rertfame Herrath.
Stoman nach dem Amerikanischen von August Leo (Fortsetzung.)
26. Kapitel.
D a s B i 1 l e t.
Dr. Sttoud's „steife alte Knochen" waren durch dieses Klettern über die Felsen und die lange, enge, fterfe Treppe hinauf zu Magnus Sever's Gesängniß durchaus nicht geschmeidiger geworden, und als er denselben schwierigen Weg zurückging, wurde es ihm viel schwerer, hinunterzugehen, als ihm das Heraus- steigen geworden war. Er wäre fast die Treppen hinuntergefallen, und als et unten war, athmete er Mef auf und dankte Gott, daß er noch nicht den Hals gebrochen hatte.
Nach kurzer Rast setzte er seinen Weg fort, bis «r zu der Wendung des steilen Felsens kam.
Dort erwartete ihn das Mißgeschick. Der Unglückliche glitt ttotz seiner Vorsicht aus und fiel den m ^’nunter, bis in das ausgettockuete
w^cheS er kurz vorher so tapfer überschritten.
Dort lag er vollkommen hilflos.
„Das ist das Endel" murmelte er muthlos, al8 er das Geschehene übersah; die alten Knochen batten wirklich versagt; er hatte ein Bein gebrochen.
Da lag er nun allein, an diesem einsamen Platze, wo das Geräusch des Ozeans fein lautestes Hilfe- W(brei übertönte, wohin auch gar kein menschliches ■Kefen kam und wo fein Mensch ihn sehen konnte, ms das allsehende Ange des himmlffchen SaterS. W konnte Tausend gegen Eins wetten, daß er da
liegen bleiben mußte, bis er verhungerte. Doch der muthige kleine Mann dachte, so viel er auch litt, weniger an sich selbst als an Sever.
„Das Herz wird ihm brechen vor Erwartung," stöhnte er. „Er wird wahnsinnig werden vor Verzweiflung. Gott im Himmel," betete er inbrünstig, „o schicke Du Hilfe 1"
Die Worte hatten kaum feine Lippen verlassen, als wie eine Antwort darauf ein helles, knabenhaftes Pfeifen aus geringer Entfernung hörbar wurde.
Ter Doktor erhob den Kopf und rief laut, und in wenigen Augenblicken sah er mit Entzücken einen kleinen zerlumpten Buben die Felsen herab auf ihn zugesprungen kommen.
Der Junge suchte natürlich Vogelnester, war ungefähr vierzehn Jahre alt und hatte ein schmales, scharfes, kluges Gesichtchen.
Erst wollte der Dottor, der immer noch nicht an sich dachte, den Jungen zu Hauptmann Sever schicken, um ihm sagen zu lassen, was geschehen sei, und ihn zu beschwören, nicht ben Muth zu verlieren, es würbe Alles noch gut werben.
Doch ber Keine Tim hatte schreckliche Geschichten, nicht blos von bem „Verrückten" auf Tanger Cliff, fonbem auch von ben Bluthunbeu gehört, die.biefe geheimen Zugänge bewachen, — unb nichts war im Staube, ihn bazu zu bringen, sich diesen Schrecken zu nähern.
Dann fragte sich der Heine Mann, ob er ihn zur Polizei schicken sollte, verwarf jedoch diese Idee sogleich wieder, weil sich daS zu sehr in die Länge ziehen konnte, selbst wenn der Knabe feine Sache so gut tote möglich ausrichtete.
Endlich dachte er an Rupert Sever und Lady Regima, von denen er den Hauptmann hatte sprechen hören. Er nahm aus feiner Brusttasche ein Notiz
buch und schrieb mit demselben Bleistift, den Hauptmann Sever ihm zurückgegeben, einige bezeichnende, doch sorgfältig gewählte Worte, an Eines von den Beiden .adresflrt.
Dann gab er dem jungen Tim ausführliche Anweisungen, auf welche der Knabe mtt ziemlichem Verständnisse zu horchen schien und die er pünktlich auszuführen versprach.
Wenn alle Umstände günstig waren, so rechnete Sttoud, würde Tim in zehn Stunden nach Schloß Dare und zurückgelangen.
Er gab ihm Gelb zur Eisenbahnfahrt und versprach ihm eine große Belohnung, wenn er seinen Auftrag ausrichtete.
Bis jetzt hatte das hilflose kleine Männchen noch mit keinem Worte an sich gedacht, trotzdem er furcht: are Schmerzen leiden mußte. Er ließ sich jetzt von dem Knaben helfen, das gebrochene Bein lang auszusttecken und dann einen Stein unter seinen Kopf zu schieben. Ta der Knabe die Taschen voll Eier hatte, kaufte er ihm dieselben ab, um sich damit zu erhalten, bis Hilfe kommen würde.
Zuletzt sagte er ihm, daß, wenn er Jemanden träfe, er sagen solle, wo und wie er sich befände, und bitten solle, ihm zu Hilfe zu kommen. Das war Alles.
Er dachte nicht daran, die wichttge Botschaft zu verschieben, bis für ihn Beistand erlangt werden konnte.
Tim sollte geradeaus über die Berge den Weg gehen, den er so gut wie Dnvar kannte, bis zur Eisenbahnstatton, um so schnell wie die vereinte Kraft des Dampfes und seiner Beine eS im Stande wären, nach Schloß Dare zu gelangen.
Begegnete er Jemandem, den er ihm zu Hilfe schicken konnte, so war es gut, wenn nicht, so mußte
es bleiben, und es war sehr zu vermuthen, daß der gute Dr. Sttoud würde bleiben müssen, wo er war, bis Tim zurückkehrte — wenn er überhaupt zurückkehrte.
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Lady Dare hatte Duvar holen lassen, als er sich mit Mrs. St. Ulm und deren Bruder unterhielt; sie ließ ihn Bitten, einen Augenblick auf die Elrnen- Terrasse zu kommen.
„Hast Du Rupert noch nicht gefunden?" fragte sie, als sie ihn sah.
Er blickte sie erstaunt an.
„Ich habe ihn ja schon vor mehr als einer Stunde zu Dir geschickt," antwortete er.
„Bis jetzt ist er noch nicht gekommen," log Lady Dare ruhig. „Du hättest ihn nicht aus den äugen verlieren und ihn selbst zu mir bringen sollen! Du weißt, wie er eine Unterredung mit mir scheut!"
„Er ging sogleich fort und sagte, er ginge zu Dir; das ist ganz sonderbar!" entgegnete Duvar ärgerlich. „Jetzt bringst Du ihn heute Abend nicht mehr fort."
„Wahrscheinlich nicht," erwiderte Mylady ruhig. „Aber deßhalb brauchst Du doch nicht so in Wuth zu gerochen."
„Ich glaube, er hat mit Lord Alwin Streit gehabt," sagte Duvar düster. „Sie kamen zusammen zurück und sahen aus, als ob sie sich ermorden wollten. Ah!" rief Myady und fügte, gerade wie vorher er selbst hinzu: „Das freut mich!"
„Ein klein wenig Geschicklichkett ist da genügend, um ben Lord in Äthern zu halten und Rupert mit einen eigenen Angelegenheiten so genügend zu be- chästigeu, daß er sich nicht um die unseren bekümmern kann."
(Fortsetzung folgt)