öchentliche Beilagen: Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhai«.
R222 ^77 Jllustrirtes Sonntagsblatt.
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Marburg,
Freitag, 3. Juli 1896.
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XXXI. Jahrg.
Zweites Blatt.
(Nachdruck verboten.)
Die Rose im Leben der Völker.
Von Konrad Münch (Erfurt).
Keine Blume ist in dem Maße der Liebling aller iationen geworden, wie die Königin der Blumen, di« Blume tt prangenden Sommerpracht, der Lebensfreude, der Schönheit und Liebeslust. Seit sich die Ros« aus ihrer central- istatischen llrheimath nach Osten und Westen, fast über den ganzen Erdkreis verbreitet hat, hat sie im Leben der Völker . eine ungemeine Bedeutung gewonnen. In ihre Geschichte und Sage, in ihre Bräuche und Religionen hat sie sich gedrängt. Sie leuchtet im Rabenhaare der Sevillanerin und schmückt die Bäder zu Täbr s; sie duftete einst an der Bildsäule der Kybrle und blüht heute als Opfer vor dem Marienstöckel.
,WaS könnt« überhaupt ohne Rosen gethan weiden?" so fragt in einem seiner Gedichte Anak eon, und bezeichnet damit treffend die Rolle, die di« Rose bei d«n Griechen spielte Die schönheitsvolle Phantasie der Hellenen ließ die Blume aus dem Blute der Aphrodite entstehen, die sich, als sie dem geliebten verwundeten Adonis zu Hilfe eilen will, den zarten Fuß verletz!; und der Liebesgöttin blieb die Blume auch geweiht. Ihre Feste waren Blumenfeste, und mit der Myrthe vereint, prangte die Rose in allen Kränzen, umwand alle Statuen füllte alle Altäre. Doch auch zum Kultus des Eros, des Dionysos und der Demeter gehörte die hellige Blume, und aus i osengeschmückter Halle trat die rosenfingerig« Eos hervor. So verband bereits die hellenische Mythologie die Rose mit der Liebe und mit den fröhlichen Genüssen der Tafel. Nie dursie beim Gelage der Rosenkranz fehlen, der, wie Plutarch meinte, den Kopf kühlte und der Trunkenheit wehrt, und rosenbekränzt trat der übermüthige Alcibiades zu jenem unsterblichen Gastmahle im Hause des Plato. Die Rose war die bevor,ugte Gabe der Liebe, «du spiichst Rosen", sagte das Sprichwort von dem, dem die Gab« lieblirer Red« gegeben war. Die Damen ma ten aus d.n gepreßten und getrockneten Blättern «In Pulv.r und streuten «8 nach dem Bade aus die Haut: später adgewaschen, hinterließ es einen lteblichm Duft. Die schöne ASpasia, die in ihrer Jugend durch ein Gewächs am Kinn «ntnellt wurde, soll den Makel los geworden sein, als sie, einem Traume folgend, die welken Rosenkränze von dir Statue der Aphrodite nahm und die zerbrochenen Blätter auf die unschöne Stelle legte. Selbst im Tode wollten sich d e Griechen von dieser geliebtesten aller Blumen nicht trennen: sie schmückten die Gräber der Verblichenen, und .Roseneffen" nannten die Römer ein« Mahlzeit, die alljährlich am Tage der Bekränzung der Grä er abgehalten wurde.
Denn die Romer tbeilten die innige Liebe der Griechen zur Rose. Ja, sie übertrieben sie mit der Zeit in’» Maßlose. Der Ackerbau wurde in Italien vernachlässigt, damit die Gartenkultur und die Rosenzucht Raum gewinne. Das Getreide mußte für theureS Geld aus der Fremde bezogen werden, aber von Rosen strotzten Västum's und Baja's Fluren. Es kam die Kaiserzeit und die Blumenkinigin wurd« zum Symbol des raffinirtesten Genusses herabgewürdigt. Das Haus des Reichen mußte im Winter von Rosen voll sein, die Kaiser traten auf Wege von Rosen, ganze Schiffsladungen wurden zugefahren. Eine ungeheure Verschwendung wurde mit der Blume getrieben; die Sitze wu den mit ihren Blättern gepolstert, di« Säle ellenhoch mit ihnen bestreut, die Speisetafeln von ihnen erdrückt. Roscnblälter schwammen im Wein, Rosenblätter im Bade. Nero verbrauchte bei einem einzigen Gelage für 30« 00 Thaler Rosen, Heliogabal ließ Rosen auf seine Gäste regnen und regnen, bis sie in ihnen erstickten. Man aß Rosengerichte, man brauchte die Rose als Gewürz, man trank Rosenwein. Wo sich Nero zu Gaste lud, verlangte er, daß alle Fontänen von Rosenwaffer sprudeln sollten; «in anderer Imperator badete in Rosenwein und schenkt« ihn dann dem Volk«; bei den Luftfahrten in der Bucht von Vaja schwamm bas Meer voller Rosenblätter.
Aus diesen Zuständen ist es zu erklären, daß das frühe Chriftenthum gegen die Ros« Abneigung zeigt. Es ist ihm ein Symbol irdischer Sündenlust. Nur im Paradies« ist sie >ein und dornenlos. Diese Vorstellung hat d«r Rose wohl den Charakter der Todesbolin aufgedrückt, und sie hat diese Bedeumng das ganze Mittelalter hmdurch bewahrt. Kriem- hllden schwant Böses, weil sie im Traume auf der Haide Blumen roth werden «ah. Zu BreSlau, zu Hildesheim und zu Lübeck fand der Domherr dem der Tod beoorstand, drei Tage vor seinem Ende eine weiße Rose auf seinem Stuhl. In Lübeck legte einmal ein Domherr, Namens Rabundns, die Ros«, die er auf s inrm Stuhl« fand, auf den seines Nachbars, dem er die Vorbedeutung lieber gönnte, und es entstand ein großer Streit, aber Rabundus mußte trotz dieser List sein junges Leben laflen. Doch gewann die Rose NN christlichen Licht noch eine andere Bedeutung. War sie im Heidenthume vornehmlich den weiblichen Gottheiten heilig Sewesen, so wurde sie jetzt die Blume der Maria. Sie selbst wird als die .schönste Ro e unter den Frauen", al- .Welten rose" gegrüßt und gepriesen; im .Rosenhage" malte sie mit köstlich naiver Schönheit Martin Schongauer. Einen armen Fuhrmann bittet sie um einen Trunk; der aber hat keinen Vecher. Da läßt Maria ei.« Rose au» einem Dornenstrauch hervoisprießen und trinkt daraus; den Rosenbecher aber ichenkt sie dem Fuhrmann und er erwies sich als wunder- ihätig. So kommt die zuerst b.feinbete Rose in der christ- lliben Legende allmählig wieder zur Geltung, und eine ganze Reihe von blühenden und duftenden Rosenlegenden entsteht. Das Moorröschrn, so erzählt die Sage, ist aus einem Blutstropfen Christi en: standen, der unter m Kreuze auf dar Moos fit'. Im Schnee fand Kaiser Ludwig der Fromme
einen b.ühenden Rosenstrauch, über ihm ließ er eine Kirche bauen und der Ort wurde Hildesheim genannt, angeblich weil der Kaiser hier „Hilde (großen) Schnee" gefunden hatte. Der Rosenstock aber steht noch heut am Tome zu Hildesheim, er ist der älteste und größte, der uns bekannt ist, und bedeckt die Wand in einer Höhe von 8 Metern und einer Breite von 8-10 Metern. Als der heilige Nico laus von Toledo seinem Kloster Brot stahl, um es den Armen zu übergeben, und sein Abt das Körbchen öffnete, fand er statt des Brotes Rosen darin. Diese Legende 'vielte um'S Jahr 300; Schleiden hat sie weiter verfolgt und um 600 von der heiligen Radegunde, und weiter in einer großen Reihe von Versionen gefunden, bis sie ihre populärste Fassung in der lieblichen Geschichte Elisabeths von Thüringen (t 1230) erhalte» hat.
Aber nach Deutschland hat nicht erst das Chriftenthum die Liebe zur Rose gebracht Vielmehr ist sie die uralte Blume der germanischen Frühlingsfeier, und die Stätten dieser Frühlingsfeste hießen Rosengärten. Dieser Nam n hat sich auch erhalten, als der alt« Brauch schon abgestoid n war; die Rheininsel, auf der Kriemhild lebte, hieß so, und andere Rosengärten kennen wir z. B. in Tirol, Konstanz, München, bei Osnabrück und Rostock Im sogenannten großen Rosengarten bei Tambach in Thüringen wird bis auf den heutigen Tag am 1. Mai das Frühlingsfest gefeiert. Es blieb aber die Rose die Blume des jungen Lebens und der Liebe „W«ß Herz vor Minne brennt, der soll einen Kranz von Rosen tragen", singt der Tannhäuser. Am Hochzeitstage trugen Braut und Bräutigam Rosenschapel, auf das Grab von Liebenden wurden Rosen gepflanzt. Wer um Liebe warb, der warf wohl dem Mädchen eine Rose zu und das Gleiche that das Mädchen, wenn sie die Werbung erhörte. Bei diesem Zusammenhänge ist e» nur natürlich, daß ein Minnesänger singt:
So oft ich meine Frau ansehe, Ist mir wie Alles Rosen trag«, und daß bei Tanz und Fest die Rose die liebste aller Blumen war. Ja, das deutsche Mittelalter ist bei seinen Spielen und Festen ohne die Rose gar nicht zu bentem Rosen deckten im Pallas Boden und Wände, mit Rosenkränzen geschmückt, zogen die ehrsamen Zünfte auf, mit ihnen zierten sich die preislichen Minnesänger, der Ritter trug sie, wenn er zum Turniere zog er empfing sie als Lohn für den S eg von der Herrin und setzte sie in sein Wappen. Unter dem Zeichen der roihen und der weißen Rose ist in England einer der blutigsten Bürgerkriege des Mittelalters ausqesochten worden. Beim «Belage wurde vielfach eine Rose über der Tafel aufgehängt, als Mahnung daran, das, was hier „sub rosa" in der Weinlau e geplaudert wurde, nicht weiter herumzubringen. So ist diese Periode gewissermaßen durchwoben und durchduftet von der schönsten der Blumen und die naive Freude an ihr drückt sich in kem Glauben aus daß der Teufel die. Rose nicht le den mag Vom Teufel Besessene vertragen den Rosengeruch nicht und auch Hexen können kein« Rose» brechen. Sie besitzt auch vielfach heilende Kraft; sie hilft gegen Tiefäugigkeit und Liebestränke, gegen Entzündungen und Trunkenheit, gegen Kahlköpfigkeit und schlechten Teint.
Der manigfache Aberglaube, der mit der Rose von je verbunden wurde, hat sich bis in die Neuzeit hinein erhalten. Noch im Jahre 1892 stahlen drei junge Mädchen in Wien bei Nacht Rosen vom Friedhof; denn, so sagt die .GebrautSanweisung": .Rosen vom Grab pflücke Dir ab, dann leg' sie bei Nacht auf's HeiA Dir sacht, sie br ngen Tir Glück und Frieden zurück." Aber die Neuzeit hat von der Vergangenheit auch die Liebe zur Rose ungeschmälert übernommen und besonders in glänzender und rationeller Rosenzucht bethätigt. Zu Malmaison legte Kaiserin Jose phine das herrliche Blumenparterre an, in dem die Buchstaben ihres Namens von den se lensten Rosen dargestellt wurden. In Den schland wurde die Rosenzucht des Gartens zu Caffel, die Rosenau bei Coburg, das Rosarium auf der Pfaueninsel zu Potsdam berühmt. Neue herrliche Sorten wurden gezüchtet, die Wissenschaft beschäftigte sich eifrig mit das Systematik der Rose, und die romantische Kuntz und Dichtung hing mit einer fast brünstigen Verehrung an ihr. Mehr als je ist sie uns das Sinnbild aller zarten Empfindungen. Selbst der trockene Philosoph Kant, der Weibeifeind, überreichte einet Dame, die ihm beim Aufstehen von einem Falle behllflich war, eine Rose. Und beredter als Alles sagt uns, was die Rose uns bedeutet, eine Anekdote von einem Schulmeister, der ein junges Bauernmädchen liebte. Als sie starb (so erzählt Zimmermam.), meißelte er mit ungeübter Hand eine Rose aus ihren Grabstein und setzte auf ihn die Worte: „So war sie."
Vermischtes.
Einen herrlichen Springbrunnen hat der Kaiser seiner Großmutter, der Königin von England, geschenkt. Ein Adler breitet die Flügel aus, und wenn das Wasser hinter ihm hervorquillt, so hat es den Anschein, als ob er durch das Wasser flöge. Die Königin Victoria will den Springbrunnen im sogenannten kleinen Garten des Schlosses Windsor auf stellen lassen, nahe dem Springbrunnen, welchen der verstorbene Kaiser Wilhelm I. der Königin zum Geschenk machte.
Vom „Drummond Castle"-Unterqang. Tie Stelle, wo der Dampfer „Drummond Castle" gesunken ist, hat ein Fischer aus Qnessant gefunden; sie liegt eine Meile von den „Pierrcs verles" genannten Klippen. Die Tiefe beträgt dort nur 50 m.
In Qnessant 'oder Conqnet soll zur Erinnerung an die Katastrophe ein Denkmal errichtet werden. — Herr Marquardt, der einzige Passagier des Dampfers „Drummond Castle", welcher der Katastrophe entgangen ist, theilt mit, daß außer Herrn v. Giese kein Deutscher an Bord des - gesunkenen Dampfers gewesen sei. Er wird demnächst zum Besuch seiner Mutter in Mainz eintreffen.
Feuerdrünste Ans Guben wird berichtet, daß das halbe Dorf Grabko, im Ganzen 8 Bauerngüter nicdergebrannt ist. Sämmtliches Vieh ist vernicht.t. Eine 70 jährige Frau fand in den Flammen den Tod. — In Reichenberg in Böhmen brach in der Baumwollspinnerei von Johann Liebig Feuer aus. Zahlreiche Arbeiterinnen flüchteten auf das Dach der Fabrik und dürften in den Flammen ihren Tod gefunden haben. Acht Arbeiterinnen werden vermißt, zwei Leichen find bis jetzt anfgefunden worden. Eine Arbeiterin fiel aus einem Dachfenster und verletzte sich lebensgefährlich. Das Feuer ergriff noch zwei Wohn: ebäude. Der Schaden ist sehr groß. — Durch eine Feuersbrunst vollständig zerstört wurde der russische Badeort Birschtany im Gouvernement Wilna. Hilflos standen die Menschen dem entfesselt,n Elemente gegenüber, denn int Wilna'schen Gouvernement sind alle ... . Feuerwehr-Vereine verboten (!)
Ein seltener Fall Das Schwurgericht Ostrowo verhandelte feit Montag gegen die Arbeiter Bieganek und Stawrony wegen Meineids und gegen den Land- wirth Schikora wegen Verleitung dazu. Die Geschworenen bejahten die Schuldfragen gegen die beiden Ersteren. Der Gerichtshof war jedoch der Ansicht, die Geschworenen hätten sich zum Nachtheil der Angeklagten geirrt. Der Spruch der Geschworenen wurde kassirt und die Angeklagten freigelassen.
, Tie letzten Mohikaner spielten in Erfurt eine Zeit lang drei größere Schulknaben. Sie hatten sich in dem alten Krämpfer-Wallgraben nach Jndianerart Wigwams in Höhlenform eingerichtet und diese u. A. auch mit regelrechten Feuerstellen versehen, auf denen erlegte Sperlin e, ja sogar ein Kaninchen am Spieße gebraten wurden. Ferner brachen die Jungen in benachbarte Keller ein und stahlen mehrere Beile, die sie ihrer Tomahawk-Bestimmung überwiesen. Als sie aber eine Katze, das Lieblingsthier einer alten Jungfer, schlachteten und das abgezogene Fell ähnlich wie jenes des Kaninchens als Skalp bertixnbeten, brach das Verhängniß in die schlichten Hütten. Die augenscheinlich durch das Lesen von Jndianergeschichten verdreht gewordenen Knaben wurden aus ihren Höhlen geholt und bekamen von den betreffenden Herren Eltern ihre gehörige „Wig-Wammse".
Jahn - Denkmal. Im Dorfe Lenz bei Lenzen wurde am Montag Nachmittag das neue Denkmal des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn nuw- it seiner Geburtsstätte im Beisein von 400 märkischen Turnern feierlich enthüllt. Unter der alten Kastanie, unter ber der 70jährige Jahn im Jahre 1848 eine begeisternde Ansprache an die Lenzer Tugend gerichtet, hielt der Ortsgeistliche eine Begrüßungsrede, die mit einem Hoch auf den Kaiser endete. Hoppe-Berlin legte im Namen des Ausschusses der deutschen Turnerschaft einen Kranz nieder.
Miß Gertrude Vanderbilt, eine Tochter des Newyorker Millionärs, hat sich mit Henry P. Whitney, verlobt. Das Vermögen der jungen Dame wird auf 100 000 000 Mk. geschätzt. Sie ist eben 20 Jahre alt geworden. Erst im letzten Jahre führte sie ihr Later in die „Gesellschaft" ein. Eine große Schönheit ist sie nicht. Aber sie besitzt ein „nettes" Wesen und soll sehr „demokratisch" angehaucht fein. Der Bräutigam, ein Sohn des früheren Marinesekretärs, wird vom Vater natürlich auch mit einigen Milliönchen versorgt werden.
Amerikanische Bauficherheit. Dem Wiener Extrablatt wird aus San Francisko gemeldet: Am Montag stürzte hier ein vollbesetztes Logirhaus ein, die meisten Insassen untr sich begrabend. 13 Personen wurdiN getobter, 12 schwer verletzt ans ben Trümmern hcrvorgczogen; man befürct tet, baß noch weitere Leichen sich unter ben Trümmern befinden.
Das Allerneueste ist der Danersänger. Dem „Pest. Bl." theilt nämlich ein Herr Solak mit, daß er am Sonntag um 1 Uhr Mittags in Pest, Hotel Europa, ein auf 12 Stunden berechnetes Dauer
singen beginnen wird, bei dem er 200 Lieder zum Vortrag bringen will.
Erplofion einer Locomotive. DaS Wiener „Ertrabl." meldet aus New-Aork, daß unweit Wake (Texas) der Kessel eines vorüberfahrenden Eisenbahnzuges in dem Augenblick explodirte, als zwei mitHochzests- gäfte voll besetzte Wagen dicht vor der Barriere hielten. Elf Personen, darunter das Brautpaar, wurden ge- tödtet, die übrigen mehr oder weniger verletzt. Der Locomottoführer und der Heizer sind gleichfalls tobt.
Die Gefahren des landwirtschaftlichen Betriebes.
Kein Lanbwirth ist in ber Lage, jeben Verkehr frentber Personen innerhalb seiner Betriebsstätte aus- zuschließen, vielmehr bringt es gerabe ber lanbwirth- schaftliche Betrieb mit sich, baß auf ben landwirth- schastlichen Höfen stets viele Personen verkehren. Daß biese leicht burch mangelhafte Beleuchtung bes Hof- lanmes, ber Treppen, Gänge unb Hausflure, ourch schadhafte Treppenstufen, burch bas Fehlen ober bie Schadhaftigkeit von Geländern und Einftiedigungen durch ungenügende Schutzvorrichtungen an Maschinen unb an ben Transmissionen unb noch burch mannigfache anbere Ursachen Schaben erleiden können und aus diesen Gründen den Landwirthen die schwersten Haftpflicht-Gefahren und Vermögenseinbußen drohen, lehren uns folgende Beispiele, die wir einer Mittheilung des Allgemeinen deuffchen Versicherungs- Vereins zu Stuttgart (Vertragsverhältniß mit dem „Bund ber Landwirthe") entnehmen:
Ein Lanbwirth ließ auf seinem Boben burch ben Thierarzt Heu untersuchen. Als sich letzterer nach Beenbigtem Geschäft aus ber Luke lehnte, brachen ber Querbaum bezw. bie Halter, welche im Laufe ber Zeit schadhaft geworden waren, beim Dagegenlegen auseinander, so daß der Thierarzt herabstürzte und einen Armbruch erlitt.
Der Besitzer der Scheune ist für diesen Unfall mit Erfolg haftbar gemacht worden.
Bei einem anderen Lanbwirth verunglückte ein dreizehnjähriger, beim Treiben der vor die Drehmaschine gespannten Pferde beschäftigter Knabe, indem er durch die nicht genügend geschlossene Klappe in's Getriebe des Roßwerkes stürzte. Hierbei wurde ihm ein Fuß zermalmt, so daß derselbe abgenommen werden mußte. Aus Rücksicht auf alle Neben- umstände, und weil der Gutsherr sich von jeder Fahrlässigkeit frei wußte, glaubte er die Ansprüche der Angehörigen des Knaben auf lebenslänglichen Unter« hast desselben nicht anerkennen zu dürfen. Es kam zu einem langwierigen Prozeß, der nun in letzter Instanz dahin entschieden worden ist, daß die Gutsverwaltung gehalten sein soll, dem bereits erwachsenen, nur theilweise erwerbsfähigen jungen Menschen bis an sein Lebensende eine Rente zu gewähren. Nebenbei hat der Prozeß dem Gutsbesitzer noch gegen 1500 Mark Kosten verursacht. — Das find gewiß sehr lehrreiche Vorkommnisse, die jeder Landwirih wohl beherzigen sollte!
Vergnugungsanzeiger.
Rkpertoir-Entwurf der Frankfurter Stadttheater.
S «b a u s p i e l h a n S
Donnerstag, den 2 Juli: Vorstellung bei kleinen Preisen: „Charlcy'S Tante". „Frankfurt in Feindesland". Freitag, den 3. Juli: „Alt-Frankfurt". Sonnabend, den 4. Juli: „Die Ehre". Sonntaa, den 5. Juli: „Ultimo". Montag, den 6. Ju i: „Gräfin Fritzi". Dienstag den 7. Juli: Letzte Vorstellung vor den Schauspiel-Ferien: „Fedora".
Henneberg-Seide
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