öchentttche Beilagen: Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhai«.
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S taatsmann vergebens anstrebte: widerstrebende Elemente zu gemeinsamen Zielen zusammenzufassen
Und das durfte wohl der zweite Grund für Lihungtschang's Besuch in Friedrichsruh sein: ein kleines Kolleg über Staatskunst zu hören, zu erfahren, wie man sich der Gegner im Innern und der Feinde nach Außen am besten erwehrt. Ihm ist Beides nicht recht gelungen, denn das viel kleinere Volk der Japaner hat die Chinesen gehörig auf's Haupt geschlagen, und der chinesische Liberalismus, der Geist der Reformen, der von Lihungtschang vertreten wird, hat einen erbitterten Kampf gegen den Starrsinn der Orthodoxie zu führen, einen Kampf, der nicht immer zu Gunsten der reformatorischen Ideen ausläuft. Freilich wird dieser Kampf auch dadurch erschwert, daß die Reformer nur mit halbem Herzen bei ihrer Sache sind, denn auch sie sind vom chinesischen Dünkel erfüllt, und sie wollen das Neue nicht, well sie es für gut halten, sondern, weil und so lange sie es für nützlich halten.
Das aber ist der Unterschied zwischen den beiden Männern und zugleich der Grund für den gewaltigen Erfolg des Einen und für den Mißerfolg des Anderen. Lihungtschang ist zweifellos ein kluger Mann; aber es fehlt ihm die unbeugsame Energie Bismarck's und der feste Glaube an seine Sache. Bismarck wollte sich, kaum daß er in eine hohe Staatsstellung gelangt war, „unter die Kanonen von Schönhausen zurückziehen", wenn er seinen Willen nicht durchsetzen könnte, und den Glauben an die Einigung Deutschlands hat der junge Student gehabt, der einen Korb Sekt dafür verwettete, es bat ihn der Bundestagsg» sandte gehabt, der sich mit seinen kleinlichen Kollegen herumärgern mußte, es hat ihn der Ministerpräsident gehabt, der die Volksvertteturg und die Volksstimmung fast einmüthig gegen sich hatte: so konnte er schließlich den Glauben in die Tbctt umsetzen. Lihungtschang aber hat sich eine Ehrenstelluvg nach der anderen ab- vchmen und dann wieder zuerkennen lassen und hat für das Eme, wie für das Andere das Lächeln d s Philosophen, aber nicht den gewalligen Groll des Olympiers gehabt. Ein so darniederlie^endes Reick wie das chinesische kann nicht allein durch den Gleich- muti) des Weisen in die Höhe gebracht werden, sondern der Klugh it muß sich die unbeugsame, leidenschaftliche Energie des Kraftmenschen zugesellen und die eis rne Konsequenz, die nur der besitzen kann, der an seine Ziele glaubt. Vielleicht wird Lihungtsckang selbst empfinden, w lche Eigenschaften ihm zum Rcor ganisator Chinas fehlen, wenn er dem Fürsten Bismarck in Friedrichsruh gegenübersitzt. Denn die ge-
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Deutsches Reich.
* Berlin, 24. Juni. (Tagesbericht.) Das Kaiserpaar erfreut sich in Kiel andauernd des besten Wohlseins. Bei der Binnenregatta am gestrigen Tage erlitt die Kaiseryacht „Meteor" während des herrschenden Sturmwindes dadurch Havarie, daß ein Bolzen zum Hatten der Großschote platzte. Die Jacht wurde sofort in die Werft geschleppt. Den ersten Preis errang bei der Regatta die Jacht „Lais", Besitzer Sticker-Hamburg, den zweiten die „Varuna" des Fürsten Schaumburg-Lippe. Nachmittags wohnten der Kaiser und die Kaiserin im Garten der Marine- akadcmie dem Lawn-Tennisspiele bei. Heute betheiligte sich der Kaiser an Bord des bereits reparirten „Meteor" an dem Handicap, welches Rennen die Jacht gewann. Tie Kaiserin wohnte dem Rennen auf der „Hohen- zollern" bei. Abends war im Kieler Hafen großer Blumenkorso, der einen glänzenden Verlauf nahm. — Seinen 78. Geburtstag hat heute der Großherzog von Weimar, der sich des besten Wohlseins erfreut, im Kreise seiner Familie gefeiert. — Der deutsche Botschafter in Wien Graf Eulenburg hat seinen Posten verlassen und sich nach Liebenberg begeben, um sich demnächst auf Befehl des Kaisers dem Gefolge auf der Nordlandsrcise Sr. Majestät anzuschließen. Während der Abwesenheit desselben fungut Legationsrath Prinz Lichnowsky als Gcschästs-
waltige Energie, die starke Leidenschaftlichkeit des Fürsten sind durch das Alter zwar gemildert, aber nicht gebrochen. Und wie der chinesische Staatemann neulich gesagt haben soll: „Mit zehn Bataillonen wie das Lehrinfantericbataillon würde ich die Japaner zu Boden geworfen haben", so wird er jetzt vielleicht die Ueberzcugung erlangen, daß ein Mann von dem Genie und der Willenskraft Bismarck's das chinesische Reich zu dem hätte machen können, was es durch seine Einwohnerzahl und seinen natürlichen Reichthum sein müßte: zur unüberwindlichen Vormacht Astens.
Noch mehr als Alles, was der chinesische Staatsmann bisher geschaut hat, wird ihm die Zusammenkunft mit dem Fürsten Bismarck vor Augen führen, welche natürliche Kraft in einem Volke liegen muß, das solche Söhne hervorzubringen vermag. Der Respekt, den ihm sicherlich während seiner Anwesenheit Deutschland eingeflößt hat, wird sich — zum Nutzen des deutschen Reiches — durch den Besuch bei dem alten Helden noch steigern. Und deßhalb können wir uns aufrichtig des Besuches in Friednchsruh freuen.
desselben möglich war. Denn die „Oberh. Zig " hat mit die größte Auflage der in der Provinz Heffen-Naflau erscheinenden Zeitungen und ist das beste, angesehenste, für die Jntereffen der Bevölkerung gesundeste und v e r b r r i- tetste Blatt des Kreises Marburg und der diesen berührenden Kreise; es ist ein in allen Gesellschafts- schichten gelesener und «in gern gesehener Familienfreund. Beweise hierfür erübrigen stch, denn obige Angaben wiederholen nur bekannte Thalsachen.
Der Inseratentheil, besten Umgang von Woche zu Woche zunimmt, empfiehlt sich von selbst. Der Preis der Zeile ist der denkbar niedrigste, er bettägt bekanntlich 10 Pfg.
Marburg,
Freitag, 26. Juni 1896.
Zwei Staatsmänner.
(Zum Besuche Lihungtschang's in Friedrichsruh am 26. Juni.)
*** Der deutsche Kaiser und junge Studenten, besternte Exzellenzen und einfache Handwerksmeister haben den großen Einsiedler im Sachsenwalde aufgesucht; auch fremde Staatsmänner haben ihm in seiner Einsamkeit einen Besuch abgestattet, um seinem Worte zu lauschen. Graf Kalnoky und Criepi, der Amerikaner Grant und der Dittator Gambetta, und wie immer sie heißen mögen. Aber der Sohn des fernsten Ostens in seiner eigenartigen Gewandung wird den ölten Buchen vor dem Schlosse, die schon so Vieles geschaut haben, ein ungewohnter Anblick sein; sie werden verwundert die Wipfel schütteln und fragen: „Ja, was will denn der?"
Nun, zunächst will Lihunglschang, was sie alle gewollt haben, die Besucher: dem großen Manne seine Hochachtung ausdrücken. Der fernste Osten ist nicht fern genug, als daß nicht die Kunde von dem Manne, der ein mächtiges „Reich der Mitte" in Europa geschaffen hat, dorthin gedrungen wäre. Hat doch ein arabischer Wüstenscheich, der von Deutschland nichts wußte, einem deutschen Arabienreisenden nach mühevollen Verstäudigungsversuchen endlich gesagt: „Ach, sen Bismarkli" („Du bist ein Bismarckmarin"). Und Lihungtschang, dessen Kenntniß der Weltgeschichte denn doch bettächtlich Wetter reicht, als die jenes Beduinenscheichs, mochte wohl lange schon den Wunsch hegen, mit dem Manne zusammenzu- komm'N, dem gelungen war, was er, der chinesische
(Nachdruck verboten.)
Die seltsame Heirath.
Roman nach dem Amerikanischen von August Leo (Fortsetzung.)
21. Kapitel.
Drohungen.
»Suchen Sie Lady Regima, Mr. Sever? ' fragte Miß France, zu Rupert tretenb, als dieser durch die Zimmer schritt und augenscheinlich Jemanden suchte.
„Sie suche ich jedenfalls nicht!" dachte Rupert ärgerlich.
„Ich weiß, wo sie ist; kommen Sie mit mir," fuhr die junge Dame fort, indem fie ihn zu der Thür zog, die in den Garten führte.
Ein hübscher, schattiger Weg leitete von dieser Thür direkt zu einem Sommerhäuschen, das mit Weinlaub bewachsen war, und fast ehe er es wußte, hatte Miß France Rupert zu dem Eingänge dieses ländlichen Rubeplätzens gebracht.
Rcgima war dort, aber nicht allein; Lord Alwyn war bei ihr und lag vor ihr auf den Knien. Doch sprang er rasch auf, als er die Gegenwart der Anderen gewahrte, und blieb, sehr verwint und verlegen aussehend, stehen.
Miß France kicherte.
Rvpert erröthete ärgerlich und blickte den Lord mst blitzenden Augen an.
Regima lachte auf.
„Lord Alwyn probttte ein Tableau mit mir," sagte fie kaltblütig. „Miß France kann jetzt meint Stelle einnehmen; ich komme mit Dir, Rupert, wenn Lord Alwyn mich gütigst entschuldigt."
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„Es ist zu viel und dauert zu lange. Indessen kannst Du, wenn Du willst, mit Lord Alwyn sprechen und ihm erklären, wie die Sachen zwischen uns stehen. Das wäre mir recht lieb."
Lady Dare sah gerade zufällig zu einem der oberen Fenster der Endgallerie heraus, als Regima und Rupert sich langsam dem Hause näherten, und bei dem Anblicke schlug sie ärgerlich die Hände zusammen.
„Ich habe jetzt zu viele Eisen im Feuer," zischte sie vor sich hin, „und einige derselben könnten mir zn heiß werden, wenn ich nicht vorsichttg bin."
Sie blieb und beobachtete das junge Paar mit einem Gesichte, das immer finsterer und finsterer wurde.
„Eins ist gewiß," sagte fie. „Es ist die höchste Zeit, diesen Jungen aus dem Wege zu schaffen."
Ohne es zu wissen, sprach fie diese Worte laut, so daß MrS. St. Ulm, welche die Galler'e entlang nach ihren Zimmern ging, sie hörte. — Die schöne Austialierin wunderte sich, welchen „Jungen" sie meine, und sah, als fie der Richlung ihrer Blicke folgte, Rupert Sever im Garten. Ihre Augen blitzten, als fie dieselben wieder auf Lady Dare richtete, die sie nicht da vermuthete.
Mrs. St. Ulm ging schweigend weiter und dachte sich schaudernd: „Gott helfe Denjenigen, die Mylady Sylvia Dare aus dem Wege zu schaffen beschließt."
Cie hatte cs schon bemerkt, wie sthr die hoch- müthige Lady Rupert Sever haßte, und hätte vielleicht auch nicht fehlgerathen, wenn man fie um den «rund gefragt hätte. Ihr selbst gefiel der hübsche Jüngling ganz außerordentlich.
(Fortsetzung folgt.)
„Du sollst nicht an mir zweifeln, Ru!" sagte die süße Stimme mit Nachdrnck.
„Das geschieht auch nicht!" rief er reuig „Doch Du mußt wich das mit Lord Alwyn abmachen lassen."
„Ich will nicht, daß Du mit ihm streitest!"
„Ich glaube nicht, daß es dazu kommen wird. Alwyn ist ein Ehrenmann, und es genügt, wenn ich ihm die Sachlage darstelle. Lady Dare versucht eben, uns auf jede Weise auseinanderzureißen."
Doch als Rupert Regima unruhig sah, fragte er: „Was hast Du, Geliebte? Ich werde mich nicht hinreißen lassen mit Alwyn — habe darum keine Angst!"
„Nein," sagte sie in derselben ernsten nachdenklichen Weise.
„Mein geliebtes Herz," fragte Rupert, als Regima plötzl ch zu weinen anfing, „ist sonst noch etwas?"
Es kam keine Antwort; sie hing, heftig schluchzend, in seinen Armen.
„Geliebte!" rief er wieder, „willst Tu mir nichts sagen?"
Sie blickte endlich auf, und er erschrak, als er sah, wie bleich das schöne Gesicht geworden, das von Thränen überströmt war.
„Es ist elwas Anderes," sagte sie. „Ich wollte Dich nicht damit beunruhigen; doch jetzt ist mir, als ob ich es müßte, als ob ich es sollte. Höre: Meine Mutter hat heute Abend neun Uhr eine Zusammenkunft mit dem Herzog von Berwick. Während sie mit ihm zusammen ist, kann sie sich nicht darum kümmern, wo ich bin; ich will mich also bann hin- ivegstehlen unb mit Dir bei ber unteren Fontain zusammentreffen.
„Wenn Du es mir doch jetzt sagen könntest," bat Rupert angstvoll.
Ohne auf eine Antwort zu waiten, nahm sie den Arm ihres jungen Gatten und ging mit diesem fort
„Nicht dem Hause zu," sagte fie, ihn ans einen Seitenweg ziehend. „Ich hake eine Unzahl Sachen mit Dir zu besprechen."
Rupert ließ sich von ihr führen. Sie gingen eine ziemliche Strecke stillschweigend und Regima beobachtete ihn mit lächelnden Blicken-
„Rnpy," sagte sie endlich plötzlich, „Du bist eifersüchtig! Bekenne es nur!"
„Ich gestehe es zu, Geliebte!" antwortete er.
„Aber weßhalb? Ich bin niemals auf Miß France eifersüchtig," sagte sie lachend.
Doch Rupert lachte nicht.
„Was sagte er Dir? Auf Ehrenwort!" fragte er.
„Verprichst Du mir, nicht löse zu fein?"
„Ich verspreche nichts!" erwiderte er schnell.
„Rupy," flüsterte Regima, „wenn Du mich av- fiehst, will ich Dir es sagen — wenn nicht, fange ich an zu meinen."
Er blickte sie an, drückte fie leidenschaftlich an seine Brust unb bebeckte ihr Gesicht mit Küffeu.
„Alwyn sagte mir," entgegnete nun Regima. „baß Mama behaupte, unsere Heirath sei nur ein« Verlobung gewesen, und bat mich, ihm zu sagen, ob es so sei."
„Nun -?"
„Das war Alles; weiter war cr nicht gelangt, als Du kamst und ich sagte, baß wir ein Tableau einüben."
„Er hat schon vorher in bieser Weise zu Dir ge- p.ochen?"
„Niemals!"
Rupert blickte sie fest an; sie erröthete unb ihre Augen blitzten unwillig.
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Wir bringen novellistische Beiträge u A. von Otto Elster, Clariffa Lohde, Julius Lohmeyer, Emil ! Peschkau, Z. von Reuß, Carl Tanera, Konrad Tel mann, B. W. Zell. Ferner eine große Anzahl von st interessanten Aufsätzen auS allen Gebieten, aus denen wir anführen: Blumenmoden, von B. W Zell. Europas jüngster König, von E. Pardo de Bazän. Am italienischen Köuigshofe, von R. M. Amadori. Die Hygiene der Ferien, von Dr. Max RadziejewSki. Der eiserne Zar (zu Nikolaus' I. 100. Geburtstage), von Robert Berndt:c zc. Ans der Feder des Herrn Kapttän-Lieutenants a. D. von Nießen bringen wir eine „AuS dem Leben der l deutschen Kriegsmarine" betitelte Artikelserie, die bei dem großen Interesse für die Entwickelung unserer Seemacht hohe Attualität beanspruchen darf. Wir erwähnen aus dieser 6 Artikel umfassenden Reihe u. A.: Auf dem Torpedoboot; in fremden Häfen; Klaischiff zum Gefecht Mußestunden an Bord. — Nach alledem können wir also auch für das kommende Quartal ein c6cnfo reichhaltiges als interessantes Material versprechen, das alle Ansprüche befriedigen wird.
Die Bezugbedingungen für die „Oberh. Ztg " sind aus dem Kopfe des BlatteS zu ersehen. Dieselben sind in Ansehung der Reichhaltigkeit der Zeitung sehr mäßig gestellt, was auch nur infolge der großen Verbreitung
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