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Marburg,
Mittwoch, 3 Juni 1896
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhai«.
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, ... wrvwwtwuwm»»« Lprcomundkn der Redaktion: 10 11 Ui>r Vormittags.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in
Frankfurt a. M., Gaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXII. Habra. Moste in Frankwrt a M., Berlin, München u. Köln, C L. Ivu“lo'
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin,'Haunover, Paris.
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Deutsche Gelehrte
über das Studium der Frau.
(schlug des Artikels aus voriger Nummer.)
* Der bekannte Gynäkologe Professor Ols-- hausen-Berlin schreibt:
.Daß gewichtige Gründe dagegen sprechen, Fra en Medtzm studtren zu laffen, liegt auf der Hand. Die Funktionen des weiblichen Kö>per« werden oft ein Hinderniß abgeben, den Pflichten, welche an den Arzt hetantreten, jederzett nachzukommen. Wenn das Mädchen heiralhct, werden dtefc Hindernisse sich steigern. Vor Allem liegen dann die Pflichten der Frau auf gai z anderem Gebiete. Sie hat dem Hause vorzustehen und sich der Erziehung der Kinder zu widmen. Ein weiteres Moment von großer Bedeutung in der ganzen Frage ist die Verantwortung, welche der Arzt zu tragen bat.....Ich denke hier vor
zugsweise an die Verantwortung betreffs operativer Eingriffe. ... Vielen Frauen und gerade denen mit echt weiblichem Charakter, wird es schwer werden, im entscheidenden Augenblick diese Verantwortung auf sich zu nehmen.....
Gegenüber solchen Nachtheilen hätte aber auch die Ausübung der praktische,! Medizin durch Frauen unleugbare Vortheile. Wenngleich ich von mancher Frau die Aeußerung gehört habe, sie würde niemals zu einem weiblichen Arzte gehen, Ut es doch ganz sicher, daß sehr viele Frauen und besonders Maschen vorziehen würden, einen weiblichen Ar,t zu konsultiien; dies würde zweitel-ohne den Vortheil herbei- führen, boß manche lridende Frau welche sich scheut, einen Arzt zu fragen, doch zu einer Aerztin gehen würde, und es wurde dann manchmal ein Leiden r.-chtzeitig erkannt und behandelt werden, welches so, st aus Furcht und Scheu so lange unerkannt bliebe, bis die Heilung schwierig oder unmöglich geworden wäre
Daß im Gebiet der Frauen- und Kinderheilkunde die zartere Hand der Frau, ebenso wie ihr zarteies Gemuth und Gefühl den Kranken angenehmer sein und Vortheile ge- wahren wurde, liegt auf d r Hand ... . Mag nun aber bte Ansicht des Einzelnen in der Frage des äiztlichen Berutes rur die Frauen fern wie sie will, so wird doch Nremand den Strom der Zeit aufhalten. Die Frage wird flch praktisch dahin lösen, und zwar voraussichtlich binnen dirzer Frist, daß die Zulassung der Frauen zum Studium m Medizin in allen Landern Europas zur Ttzatsache wird flr rote lange dann und mit welchem Erfolge, wer möchte «S ermessen?
„Nur das ist meine Ueberzegung, daß die medizinische Wrsien,chatt dabei nicht viel Profitiren, daß der Fortschritt »er Medtzm durch das Studium der Frauen nicht besonders gefordert werden wird."
Sehr reich vertreten ist auch die philosophische Fakultät, bei der wir die begeisterten Verfechter des akademischen Frauenstudiums finden. Prof. Wilhelm Wundt-Leipzig schreibt:
»Ich meine, die Frau, öte nach bestimmten Richtungen hm die gleichen Fähigkei-en hat wie ter Mann, ist genau ebenso wie dieser an und für sich berechtigt, diele Fähigkeit auszubilden und anzuwenden. Da, so oft gehörte Argu- ment: es seien schon in allen Gebieten die Angebote mäun- licher Bewerber zahlreich genug, es bestehe daher kein Bedürfniß
auch noch nach weiblicher Frauenarbeit (Kookurreuz) u. dgl. - dieses Argument erscheint mir lediglich als der Ausdruck eines brutalen Geschlechtsegoismus, der nicht besser ist, alS irgend ein Klassenegoismus, der Vorrechte für sich in An- lpruch tummt.^ Neben dieser ethischen steht allerdings noch die v>attische Frage, in welchem Umfange der Staat Einrichtungen zu treffen hat, um den Frauen d e Zulassung zu gewissen Berufs- oder auch Studienzweigen zu ermöglichen l'lese prakiiscke Frage ist einerseits eine Bedürfnis, anderer- ctta eine Besähi^ungs frage.....Wenn ein Bediu stütz
auch nur nach der Richtung vorhanden ist, daß sich in einer hinreichend großen Anzahl von Frauen der Tr eb nach höherer Bildung regt, zu der sie befähigt sind, wird der Staat auf die Tamr sich der Gewährung der erfordeilichen Hilfsmittel hierzu (z B. Zulassung zum Studium event. Giundung eigener Unterrichlsansialten) nicht entziehen können. . . . Doch scheint es nicht nur t erechtigt, sondern auch geboten, wenn der Staat in allem dem, was er für Errichtung des Frauenstudiunis lhui, langsam und vorsichtig vorgedt" ....
Als entschiedener Gegner erklärt sich der Kieler Historiker Professor Georg Busolt. Derselbe schreibt:
.Was meine D sziplin, d. h. die Geschichte betrifft, so gehör- zur Lösung der von ihr gestellten Aufgaben: ein lange methodisch geschulter, streng auf die Erforschung der Thatsachen gerichteter Blick, eine reife Lebenserfahrung und Menschenkenntniß, ein politisches Unheil und ein das ganze Gebiet des wiithtchaftlichen, staatlichen und theilweise auch des religiösen Lebens umfassendes Wiffen. Das sind Eigenschaften, die, wie schon Ni: uhr irgendwo gesagt hat, eine Frau ihrer ganzen Natur nach nicht besitzen kann, so daß auch die fähigste niemals sich zum Historiker eignen wird."
Zum Schlüsse sei noch das Gutachten eines Berliner Theologen, Professor Kunze, erwähnt, der in seinem gleichzeitigen Wirken als Frauenlehrer über eine reiche Erfahrung verfügt. Protessor Kunze schreibt in einer Einleitung, in der er konstatirt, daß die durchschnittliche Bildung, wie sie gegenwärtig die höheren Mädchenschulen gewährt, eine unzureichende ist, wie folgt:
Bildung beim W ibe gilt den meisten Mannern, oft auch Ichernbar banausischen Realisten, als etwas überaus Anziehendes, vorausgesetzt, daß die echte Weiblichkeit nicht darunter gelitten tat; sie fördert jenen Idealismus, der den deutschen Studenten auszeichnet und von dem kein Bürger der akademischen Welt ganz unberührt bleibt Mit diesem Idealismus ausgestattet würde manches junge Mädchen die Schwierigkeiten, welche vom ökonomischen Standpunkt einer Eheschließung im Wege stehen, dem Manne seiner Wahl hinroegränmen helfen; wäre bei den Männern mehr Vertrauen zu diesem Idealismus der Mädchen vorhanden, so würde in den Fahren der Heirathrlnst manch segensreicher Entschluß gefaßt werden, dem heute das Mißtrauen tm Wege steht. Die Wurzel der Frauenfrage liegt nicht in ber „jungfernfrage“, wie Ed. v. Ha tmann meint, sondern in der mangelnden Bildnngsgleichheit und de Halbbildung der Frauen, deren Kehrseite dann die lleberhastiing und Ue erspannung der auf einen sebstständigen Jnngsernbeiuf htnardetteuden Nothdiidnug ist.“
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(Nachdruck verboten.)
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Die seltsame Heirath.
Roman nach dem Amerikanischen von August Leo
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(Fortsetzung.)
11. Kapitel.
Regimas Flucht.
Am dritten Tage, nachdem er von dort abgereist t war, kam Derrick Duvar um drei Uhr Nachmittags wieder nach Kenlis zurück. Er ging.direkt in die eleganten Privatzimmer seiner Schwester, ohne sich such nur anmelden zu lasten.
Bis jetzt hatte er weder Reue noch Gewissens- s btste über seine Schandthat gefühlt, sondern ein dämonischer Jubel zeigte sich auf seiner glatten Weißen Stirn und in seinen tiefen azurblauen Augen «d als er sich mst der einen Hand die graugelben r Locken zurückstrich und die andere seiner Schwester zum Gruße reichte, rief er lachend:
.Abgemacht!*
Dann warf er sich in einen seidenen Fauteuil; doch Mylady, welche von Natur mißttauisch und argwöhnisch war, sah ihn wieder prüfend an.
Duvar verstand den Blick und zog plötzlich einen 'tm9 aus der Tasche, welchen er im Wagen, als sie bewußt los war, von Elix' Finger gezogen. Detfelbe war fast einen viertel Zoll breit und ringsherum mit Saphiren besetzt.
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Das schöne Gesicht der Lady Dare erbleichte un- hrrmlich beim Anblicke desselben.
Er reichte ihr ihn — doch sie fuhr zurück mit mem Schauder, der fie vom Kopfe bis zu den »ußen schüttelte.
„Bist Du zufrieden?" ftagte er bedeutungsvoll mit höhnischem Lächeln.
»Ja.*
* * *
»Was willst Du, Derrick, mit Bluthunden?" fragte Lady Dare einige Tage später, als sie in das Früystückszimmer trat, in dem ihr Bruder saß, seine Chocolade schlürfend und einige Briefe durchsetzend. Sie sah die eigenthümliche Blässe nicht, die sein Gesicht überzog, und bemerkte nicht, wie die weißen Oberzähne sich in die Unterlippe eingruben.
■sie hatte die Frage nur aus reiner Neugierde gestellt, selbst ohne ihn anzusehen, als sie sich an den reichbesetzteu Frühstückstisch setzte und ihre Chocolade von dem Diener nahm.
.Es ist ein Mann da," fuhr sie dann, als er nicht antwortete, fort, .welcher sagte, daß Du wegen einiger Bluthunde annonctttest. Das ist wohl ein Jntbum — nicht wahr?"
Dnvar wandte sich etwas m ehr von ihr ab. , Nein!" antwortete er dann rauh.
.Nicht? — Wozu in aller Welt brauchst Du denn solche Bestien?" fragte erstaunt Lady Sylvia.
„Das ist meine Sache!" antwortete ihr Bruder, indem er aufstand, um das Zimmer zu verlassen.
„Ach, ein Geheiumiß!" lachte Lady Dare, ihn aber doch jetzt argwöhnisch bettachtend.
Er gab ihr keine Antwort, sondern setzte seinen Weg fort, der ihn in den Hof führte, wo ein Mann Mei wilde, blutdürstige Doggen an einer Leine fest- h'elt. Duvar schüttelte sich bei ihrem Anblicke, als ob ihn unwillkürlich fröstelte.
„Hu!" murmelte er vor sich hin, „mich schüttelt's i beim Anblicke dieser Bestien. Wenn ich abergläubisch! wäre, könnte ich denken, es wäre ein Vorgefühl, daß! mir Unheil von ihnen drohe. „Sind sie sicher zu
Zum Schluffe des Aufsatz s, der sich durch die leidenschaftlose Behandlung res Themas auszeichnet, spricht Professor Kunze den „wahlfreien Kursen", wie sie seit 1895 an vielen höheren Mädchenschulen eingerichtet sind, das Wort.
„Er weist sich diese Einrichtung als lebensfähig," schreibt Professor Kunze, „so läßr sich von da aus eine Regeneration der höheren weiblichen Bildung, ein neuer Lebensheerd für Gewinnung einer gediegenen Zwrigart nationalen Bildungs- weiens ermatten: die Gewinnung einer allgemeinen verbreiteten, echl weiblichen, zugleich gründlichen und doch mit Lust und Liebe erftrer ten, weil das Maß dis weiblichen ttönnenS nicht übersteigenden Ausbildung ber geistigen Fähigkeiten."
Ob sich auch Marburger Professoren an der Rundfrage betheiligt haben, konnten wir noch nicht feststellen, da uns das Werk in seiner Vollständigkeit erst nach der definitiven Herausgabe zur Verfügung gestellt werden wird.
Deutsches Reich.
* Berkin, 1. Juni. (Tagesbericht.) Das Kaiser paar besuchte am gestrigen Sonntag den Gott sdienst in der Friedenskirche zu Potsdam. Nachmittags machte der Monarch in Begleitung mehrerer höherer Marineoffiziere eine Segelfahrt von der Matrosenstation bis Wannsee und zurück. Heute empfing der Kaiser nach der Parade im Lustgarten den bayerischen Ministerpräsidenten v. Crailsheim. — Der frühere Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Oberst Frhr. v. Schele, Flügeladjutant des Kaisers, ist mit Führung der 2. Garde-Kavallerie-Brigade beauftragt worden. — Der Zar hat den deutschen Offiziers-Deputationen Auszeichnungen verliehen. Es erhielten u. A. der Kommandeur des 2. Garde-Dragonerregiments Kaiserin Alexandra, Oberst Prinz Heinrich Reuß, den Weißen Adlerorden, der Kommandeur des Alexander Garde-Grenadier- Regiments, Oberst v. Saussin, den Annenorden 2. Klasse mit Brillanten. — Das Befinden des Prinzen Wilhelm von Cumberland hat sich nach einer Meldung aus Gmunden wesentlich gebessert; das Fieber nimmt ab.
* (Kaiserparade in Potsdam.) Während die Frühjahrsparade in Berlin am Sonnabend bei regnerischem Wetter vor sich ging, fand d,ie Parade der Garnison Potsdam am heutigen Tage bei hellem Sonnenschein statt. Die Kaiserin traf vom Neuen Palais aus in offenem Viererzug im Lustgarten ein und begab sich in das Sladtschloß, von wo aus sie mit den jüngeren Kaiserlichen Prinzen und der kleinen
leiten?" fragte er den Mann, „das heißt, ich meine für Andere, nicht nur für Sie?"
„Nicht ohne Maulkorb, Euer Gnaden — wenn sie Sie nicht kennen. Ich habe ihnen die Maulkörbe absichtlich abgenommen, damit Sie die Rachen sehen können. Sind fie nicht prachtvoll?"
Duvar schauderte wieder und beeilte sich, das Geschäft abzuschließeu.
„Aber legen Sie ihnen ordentlich die Maulkörbe vor," befahl er. Und trotz seines Abscheus vor ihnen, der wirklich ganz sonderbar war, verließ er noch vor Mittag, sie an der Leine führend, ganz allein Schloß Dare.
Am folgenden Morgen kehrte er zurück und als eine Schwester, welche jetzt wttklich neugierig war, ihn wieder fragte, sagte er ihr, er hätte fie für einen Freund gekauft, den sie nicht kenne.
„Wie heißt der Freund?" fragte fie verwundert.
Doch er stieß einen bösen Fluch aus und sagte ihr, sie solle sich um ihre eigenen Sachen kümmern.
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Di ei Jahre waren verflossen, seitdem Rupert Sever so sehr ge^en feinen und Regimas Willen aus dem Schlosse verbannt war.
Er lebte unter der Aufsicht eines Geistlichen, eines alten Bekannten Sylvias, an einem Orte, welchen man Grayson-Rectory nannte, in Derbeshire, und der Geistliche hatte den Befehl, seinen Zögling sehr streng zu halten.
Er durfte nicht einmal auf eine Stunde in die nächste Stadt gehen — er hatte kein Geld, nicht einmal etwas Taichergcld. Was er brauchte, kaufte Mr. Berl für ihn und setzte es auf die Rechnung. Er hatte gute Kleider, viele Bücher und ein Pfeid. Doch es war ihm streng angesagt, daß bei der erfteu Uebertretung, die er sich zu Schulden kommen ließe,
Prinzessin ber Parade beiwohnte. Der Kaiser erschien um lü Uhr in der Uniform des Regiments der Gardes-dn-Korps und wurde von einem zahlreichen Publikum enthusiastisch begrüßt. Zur Parade, die der Kommandeur ber 1. Garbe-Jufanterie-Division, Generallieutenant v. Klitzing, kommanbirte, waren verschiebene Fürstlichkeiten, bte Generalität von Berlin unb alle ftembherrlichen Offiziere erschienen. Die drei ältesten Kaiserlichen Prinzen, sowie Prinz Friebrich Wilhelm, ber Sohn bes Prinzregenten Albrecht von Braunschweig, waren bei bem 1. Garderegiment z. F. eingetreten. Es fanb zweimaliger Parademarsch statt, das erste Mal in Zügen, das zweite Mal in Kompagnie- resp. Eskadronsfront. Der Kaiser fühtte bei beiden Vorbeimärschen seiner Gemahlin das Regiment der Gardes-dn Korps vor. Eine größere Tafel im Marmorsaal beschloß das militärische Schauspiel.
* (W ißman n.) Der Gouverneur von Ost- aftika, Major v. Wißmann, ist in Berlin eingetroffen. Die „Post" erfährt aus wohlunterrichteter.Quelle, sein Zustand sei keineswegs derart, daß sein Rückttitt auch nur erwogen werden könnte. Das Blatt hört, Wißmann beabsichtige nach Beendigung seines nicht auf lange Zeit bemessenen Urlaubs wieder auf feinen Posten zurückzukehren. Es dürfe als sicher angenommen werden, daß, wenn nicht außergewöhnliche, unvorhergesehene Ereignisse eintreten, Wißmann noch lange an der Spitze der Verwaltung des ost- afrikanischen Schutzgebietes bleibe.
□ (Ein freisinniger Musterlaudwirth) scheint der Kandidat des Wahlkreises Ruppin-Templin zu fein. Er äußerte nämlich in einer Versammlung W Groß-Mutz: „Von einer Nothlage der Landwirth- schaft könne überhaupt nicht die Rede fein, das könnte er nach seiner eigenen Wirthschaft Beurteilen." Dieser Ausspruch des Herrn Gutsbesitzers Gotthold Lessing- Meseberg verdient zum Tröste der deutschen Land- wirthe weite Verbreitung. Nun wird doch gewiß Jedermann glauben, daß kein landwirthscha'tlicher Nothstand herrschedenn Herr Gotthold Lessing hat es gesagt und dieser muß es doch am besten wissen.
* (Haftpflicht des Staates in Fällen beamtlicher Mißgriffe.) Nach § 823 des Entwurfs zum bürgerlichen Gesetzbuch hat ein Beamter, ber vorsätzlich ober fahrlässig bie ihm einem Dritten gegenüber obliegenbe Amtspflicht verletzt, bem Dritten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen. Fällt dem Beamten nur Fahllässigkeit zur Last, so kann er nur dann in Anspruch genommen werden, wenn
dm das Pferd — seine einzige Zerstreuung — weggenommen werden würde.
Es war ein sehr ödes Leben für ihn; sein Lehrer war kein strenger oder grausamer Mensch, doch er war von einer eisernen Gewissenhaftigkeit, und was er Lady Dare versprochen hatte, das hielt er auf's Genaueste.
Mylady halte ihre Wnth über die erzwungene Heirath Ruperts mit ihrer Tochter, der Lady Regima, niemals verschmerzt, und sie hatte sich das Wort darauf gegeben, daß Magnus Sever die Absicht, die er hatte, indem er ihr diese unwillkommene Hettath aufnöthigte, niemals durchführen solle; fie hatte auch diesen Entschluß festgehalten.
Da der tapfere, unerschütterliche Hauptmann aus )em Wege geräumt war, und fie die „Kinder" unter ihrer alleinigen Leitung hatte, glaubte sie leichtes Spiel zu haben.
Doch sie hatte die Rechnung ohne — Regima gemacht.
Im Anfänge war es ihr gelungen, das wider- etzliche und eigenwillige Mädchen damit zu beruhigen, daß sie ihr erlaubte, mit ihrem jungen „Gatten" zu korresponbiren, wobei fie beu größten Theil ber Briefe unterschlug.
Doch sie erlaubte ihm nie, nach Kenlis zu kommen, wenn auch nur für einen kurzen Besuch, unb erfand eine Ausrede nach der andern, so daß bas junge Paar sich seit ber Zeit nicht gesehen halte. Laby Dare selbst hatte währenb dessen ein ehr heiteres Leben geführt und den größten Theil desselben in ber Hauptstabt zugebracht. Sie liebte Gesellschaft, Bewunderung und Glanz, und genoß di:s Alles in vollstem Maße
Sie war schön — durch und durch kokett — und ie war in der Mode.