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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
Redaktion «und Sswbiltonf Marti *" Mardura. Zllustrirtes Sonntagsblatt.
Verantwortlicher Redakteur: Friedrich Colbatzky in Marburg. Sprechstunden der Rcdaklion: 10 11 Uhr Vormittage.
JH 127.
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Marburg,
Dienstag, 2. Juni 1896.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenfteiu u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wter; Rudolf Moffe in Frankfurt a M, Berlin, München u. Köln C L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M , Berlin, Hannover, Paris.
HU Iahrg.
Deutsche Gelehrte über das Studium der Frau.
* Bereits in Nr. 6 der „Oberhessischen Zeitung" tonnten wir auf das Erscheinen eines Buches Hinweisen, dessen Heiausgabe nunmehr in baldiger Aussicht steht. Es führt den Titel „Dieakademische Frau" und enthält 130 motivirte Gutachten i.ervor- ragender deutsch r Universitätsprofessoren, sowie einiger bekannter Frauenlehrer und Schriftsteller über die Befähigung der Frau zum wissenschaftlichen Studium und Berufe. Der Herausgeber ist bei Zusammenstellung des interessanten Sammelwerkes von den wissenschaftlichen Kreisen Deutschlands aufs Wärmste unterstützt und hat zugleich interessante und werthvolle Daten über das Resultat des Frauenstudiums an außer deut scheu Universitäten gesammelt. Da wir in Deutschland mit dem akademischen Frauenstudium noch beim Experimente stehen, das in diesem seinem jetzigen Stadium kaum auf die Dauer wird bestehen können, dürste das Buch voraussichtlich lebhaftem Interesse begegnen. Ein Einblick in das Werk fördert insofern ein überraschendes Resultat zu Tage, als es zeigt, wie die Forderungen der Frauen nach Zulassung zum Universitäisstudium in unseren Gelehrtenkreisen eine im raschen Steigen begriffene Zahl von wohlwollenden Beurtheilern gesunden haben. Die Zahl absoluter Gcgner ist unter jenen 130 Gutachten jedenfalls eine verschwindende, und dies ist um so überraschender, als z. B. noch vor wenigen wahren die Zahl der Professoren an unseren Universitäten, die für die Zulassung der Frauen zu den Vorlesungen waren, die Minorität bildete. Es sei n daher für heute wiederum einige interessante Stellen aus dem Werke bekannt gegeben.
Unter den Vertretern der theologischen Fakultät, von denen wir den bekannten Königsberger Theologen Professor Dörner und den derzeitigen Prorektor an der Berliner Universität Professor Pfleidercr neunen, findet sich kein einziger Gegner des Frauenstudiums, wenngleich alle betonen, daß der eigenlliche Wirkungskreis des Weibes das „Hans" ist. Auf den von den Gegner n des Frauenstudiums vielfach aufgeworfenen Einwand, daß das Studium der Frau dem natürlichen Berufe derselben als Gattin und Mutter zuwiderläuft, äußert sich Professor Freiherr v o n S o d e n-B e r l i n:
.Auf die Bedenken der Wenn- und Aber-Mcnichen einzugehen, lohnt nicht. Sie haben zu schweigen, wenn das gute Recht der Sache nachgewusen ist. Rur das eine sei ausdrücklich betont, daß für das Familienleben, das der göttliche End-
(Rachdruck oerdoien.,
Die seltsame Heirath.
Roman nach dem Amerikanischen von August Leo (Fortsetzung.)
Plötzlich wandten sich Duvar's Gedanken auf Annette Bcli. „Dir bin ich Etwas schuldig," murmelte er finster, „und derartige Schulden bezahle ich immer! Ich muß heiausbekommen, weßhalb Dn Dich vor dem „Fäustliug" so fürchtest? War:e nur!"
Der Regen fiel jetzt in Strömen und der Sturm war zu einem Orkan angewachfeu; mitunter donnerte und blitzte es auch.
„Desto besser!' jubelte Dubai aufs »Reue.
Der Wagen hielt endlich in einer Art Gehölz. Dort war ein Boot unter überhängendem Gestrüpp verborgen, auf welches Duvar sogleich mit Sicherheit zuschritt.
Er hatte im Laufe des Tages sich Zeit genommen, mit der Eisenbahn herauszufohr en und Alles vorzubereiten. Er hatte an Alles gedacht, um es für eine solche Gelegenheit bereitzuhalten, obwohl er nicht geglaubt hatte, daß sich ihm d esilbe so bald bieten würde.
Bis jetzt war ihm Alles geglückt, und jetzt war bei dem Augenblicke der Entscheidung avgclangt. Mit dem Beistände des Kutschers brachte er das Boot an eine passende Stelle, Mrs. Sever wurde aus dem Wagen gehoben und vorsichtig — noch immer bewußtlos — in das Boot gelegt.
Doch jetzt fing Mr. Duvar's bis jetzt so williges Werkzeug an, sich zu widersetzen, und als ersterer 'agte: „Kommt!" blieb er, statt zu gehorchen, mit über der Brust verschränkten Armen'still stehen.
Duvar stieß einen wüthenden Fluch aus.
„Ich kann doch nicht das Boot regieren nud das Lebrige auch lhun, Dummkopf!" rief er.
. zweck der Scheidung der Menschheit in Geschlechter ist, nur I Segen zu ermatten ist. Ist ras, was wir als Haupt" ! aufgabe der Frau auseben, so wenig tief in ihrer Natur begiünbet, daß sie durch wissenschaftliches Studium und ötsemliche Berufsthätigkeil den Smn dafür verlieren könnte, — so wäre es nur doppelt eite Gewaltthätigkeit, wollte man fie auf jene Aufgabe deschiänken. lieber dahin ge ende Beiorgniß aber wild, der die Geschlechter schuf, lächeln; und wer die Frauennatur kennt, wird auch lächeln. Sv gut der »Mann neben seiner wtsienschaftlichen Vorbereitung Zeit findet, sich für seinen erwählten Lebensberuf vorzubilden, so gut wird eS die fiudirende Frau für ihren angeborenen Lebensberuf auch tbun, zweifellos oft genug ernster und sachgemäßer, wenn sie in bet Wissenschaft gelernt hat, was ernste, konzemrirle, allseitige Vorbereitung auf einen Berus ist."
Interessant ist, was Professor L o rn rn a t s ch- Berlin über die „Auffassung" der studireudeu Damm sagt, nachdem tr am Anfang feine Stellung zur Frauentage mit den Worten charakterisirt:
„Das Bedürfniß unserer Frauenwelt, sich weitere Gebiete einer gebildeten Thätigkeit zu erschließen, darf weder verkannt, noch gewaltsam zurückgediängt werden. Darf ich noch ein Wort über das Frauenstudium im Allgemeinen sagen, so war es mir von Werth, die Auffassungsweise der »Männer und Frauen zu vergleichen, als ich den Diiektor des Berliner Königlichen Lehrerinnenseminars vertrat und gleicher Zeit Vorlesungen an der Universität hielt und baba Studenten und Kandidaten examinirte. Da kann ich den Fleiß und die Talente der jungen Damen nur rühmen; aber es trat mir so recht beutltd) entgegen, wie sehr viel mehr die Receptivität bei den Damen aus gebt: bet war. Die jungen Herren schwören gelegentlich wohl auch In verba Magistri aber doch nicht so unbedingt w e die Damen Sie sind doch zugänglicher für die Gründe einer Ansicht, während die Damen auf das Resultat ihr Hauptaugenmerk richten. Wird darüber geklagt, daß unsere Studenten zu sehr in verba Magistri schwören, so wird das, wenn es wahr ist, eine gewisse Schlaffheit des Denkens bei unserer männlichen Jugend voraussetzen. Doch glaube ich, daß man hier nicht zu schnell generaliftren darf. Jedenfalls ist aber für den wissens: östlichen Dozenten eine pädagogische Differenz in der Behandlung der Gegenstände vor Studenten und Studentinnen nothwenoig, wenn d e Vorlesung den rechten Nutzen bringen soll. Beides zn ver einen, wird ja unter Umständen nothwendige, aber nicht leichte Kunst sein.'
Auch unter den Vertretern der Jurisprudenz finden wir warme Anwälte für die Forderungen der Flauen: So erklärt der bekannte Berliner Rechtslehrer Professor Kohler:
.Ich bin der Ansicht, daß man dem weiblichen Geschlecht die Gelegenheir zur Erlangung von Kenntu ssen und zur Entwickelung der geistigen Strafte im reichsten »Maße gestatten solle. Schon von allgemeinen Erwägungen aus halte ich es für utt ere Aufgabe, dahin zu streben, baß je:e? Talent und jeder Genius, oyne Rücksicht auf das Geschlecht, feine Förderung und Ausbildung erlange .... Auf dem Gebtete der Geistes- und Soztalwiff nschaften, ins-
Der Kutscher blieb ruhig stehen.
»Ich bin soweit gegangen, wie ich überhaupt fletje, Herr," sagte er fest, „fitzt müssen Sie sich ohne mich behelfen, so gut Sie können "
«Fällt mir gar nicht ein!" rfif Duvar fluchend. Er zog einen Revolver ans der Brusttasche und stand an eimm Ende des Bootes, trotz des strömenden Regens und der zuckenden Blitze auf seinen früher bereitwilligen Gehilfen zielend.
„Beeilt Euch und steigt ein," befahl er, „ober ich schieße Euch nieder, ro t Ihr da steht."
Der Fäustling war trotz seiner riesigen Gestalt und Körperkraft im Grunde des Herzens eigmtlich ein Feigling; er that deßhalb, was Duvar befahl, und ietrat wüthend das Boot.
„So lasse ich mir's gefallen," sagte Duvar. „Jetzt nehmt die Ruder und rudert bis in die Milte der Strömung!"
„Ich kann nicht rudern," erwiderte der Mensch, „und der Fluß ist furchtbar reißend. Wir werden Alle mit foitgeriffen weiden "
„Wenn ich rudere," sagte Duvar bedeutsam, „so habt Ihr das andere Geschäft zu besorgen."
„Dann will ich lieber rudern!" rief der Fäustling, hastig und verzweifelt die Ruder ergreifend.
Duvar wandte sich wild zu ihm; seine Augen blitzten selbst durch die Dunkelhest.
„Verstehen wir uns recht, mein Lieber," sagte er mit drohendem Nachdrucke, „wenn cs durch diese Geschichte zum Hängen kommt, seid Ihr gerade so schuldig wie ich. Also nehmt Euch in Acht, mich zu venathen. Glaubt Ihr, daß ich Euch in einer solchen Sache trauen würde, stecket Ihr nicht eben so tief darin wie ich? Ich bezahle Euch fürstlich für die Kleinigkeit, die Ihr in Wirklichkeit thnt, und habe nicht Lust, noch viel Worte darüber zu verlieren!"
Der Wechsel von dem engen Wagen in die freie
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Hilfe tu ber Echaltuna unb Durcharbeitung ber Probleme '
Am reichsten ist die medizinische Fakultät vertreten, in der wir Namen von ausgezeichnetem wissenschaftlichen Rufe begegnen. Wir geben einem ber bekanntesten deutschen Chirurgen, Professor Czerny-Heidelberg, das Wort:
„Daß Frauen zum akademischen Studium befähigt sind, haben sie schon burch zahlreiche Beispiele bewiesen und naben dadurch auch meines Erachtens die Berechtigung zu diesem Studium nachgewiesen."
.Vom Standpunkte allgtmeiner Kultur sollen alle menschlichen Fähigkeiten auch Gelegenheit zu ihrer Aur- b.loung erhalten unb im Interesse de- Fortschrittes ist es sicher gelegen, daß auch Frauen an allen Regungen des menschlichen Geistes Antheil nehmen."
.Ob sie es in Kunst und Wtff nschast so weit oder ncch weite , als die Männer bangen werden, läßt sich a priori absolut nicht sagen, da der Versuch im großen Matznabe noch ntcht gemacht ist unb dieser allein entscheiden kann." ....
(Schluß dieses Artikel» in morgender Nummer.)
Deutsches Reich.
* Berlin, 30. Mai. (Tagesbericht.) Im Weißen Saal und den angrenzenden Gemächern des Königlichen Schlosses sand Abends 6 Uhr im Anschluß an die Frühjahrsparade das Paradediner statt, an dem u. A. der Gesandte in Rio de Janeiro, Lr. Krauel, theilnahm, der sich in den nächsten Tagen auf feinen Posten zurückbegiebt. Nach dem Diner wohnte das Kaiserpaar der Festvorstellung int Opernhause bei und kehrte bann nach dem Neuen Palais zurück.Ihre Majestät die Saif er in—empfing heute Nachmittag im Schlosse die Gemahlin des amerikanischen Boffchasters Uhl in Anttittsaudienz. — Zur Nordlandreise des Monarchen wird berichtet, daß derselbe anläßlich derselben mit dem König von Schweden eine Zusammenkunft haben wird. — Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist heute Abend von feinem Gut Grabowo hierher zurückgekehrt.
** (Ein Trinksprnch des Kultusministers.) Auf dem Festmahl des Chirurgenkongresses im „Kaiserhof" brachte der Kultusminister Bosse einen vielbemerkten Trinkspruch aus, in -dem er unter lebhaftem Beifall der Versammlung erklärte, in den Krankenhäusern habe Niemand als der Chirurg zu befehlen, weder der Geistliche, noch die „Schwestern" hätten dem ärztlichen Leiter dreinzureden. Herr Bosse sagt mit diesem Worte nur Selbstverständliche-, trotzdem aber verdient er vollen Dank dafür. Man erinnert
Luft und der kalte Regen, der ihr in's Gesicht schlug, übten eine wohlthuende Wirkung auf Elix aus. Ihr Bewußtsein kehrte zurück, ihre Geisteskräfte erholten sich und mit diesen auch die körperlichen.
Als sie da auf dem Boden des Bootes lag hörte sie die Beiden miteinander sprechen, und plötzlich wurde ihr Alles klar. Sie wußte, daß sie sie tobten wollten, unb sie beschloß, nicht zu sterben, ohne für ihr Leben zu kämpfen, gleichviel wenn der Kampf auch fruchtlos fei.
Tas Seil, welches zum Anbinden des Bootes diente, lag zusammengerollt neben ihr, und sie berührte es zufälliger Weife mit der Hand. Es gelang ihr, dasselbe an der Seite, an der sie lag, in das Wasser fallen zu lassen, ohne beobachtet zu werden. Dann kroch sie leise zwischen den Kutscher, sodaß dieser zwischen ihr und Tavar stand.
Letzterer hatte nickt nach dieser Richtung geblickt, sonst hätte er sie bei dem Leuchten her Blitze bemerken müssen.
Elix streckte die kleine» Hände aus und ergriff den Arm des rohen Menschen. Sie blicke flehend zu ihm auf, und ihre Lippen schienen die Worte: „Rettet mich!" zu spreche»; doch fein Ton war hörbar.
Eine Art Schauder überlief den Man», und als Duvar jetzt Elix erblicke, trat er vor, so daß sein riesiger Körper den Mörder von seinem Opfer trennte.
„Sie werde» sie nicht berühre» I" schrie er entsetzt.
Der Exchirurg lachte wild mb zog wieder seinen Revolver heraus.
„Tretet zur Seite," rief er befehlend, „oder es gilt Euer geben!"
Der Kitt scher zögerte einen Moment nnb — gehorchte.
Niemand befand sich hinter ihm; der Platz war leer.
sich der Vorgänge in der Universitätsklinik zu Kiel, wo die Vorsteherin des weiblichen Pflegepersonals ein Oberaufsichtsrecht geltend machen wollte, gegen we ches die ärztlichen Leiter mit erfolgreicher Ettt- fchiedenbeit proteftiren mußten. Vielleicht hat dem Minister auch die unerfreuliche Affaire vorgeschwebt, die sich kürzlich im Berliner Augustahospital zugetragen. Ein Generalmajor v. d. Lippe wurde gegen Wissen unb Willen des birigirenben Arztes, des Professors Ewald, von einem Dresdener Magnetiseur in der Anstalt selber behandelt und angeblich von seinem Rückenmarksleiden auch befreit. Nur der gutmütigen Nachgiebigkeit des Professors Ewald war es z» danken, daß die Sache nicht zu einem Konflikt führte, der für einige hochgestellte Personen nichts weniger als angenehm hätte ausgehen müssen. Es ist uns im Augenblicke nicht erinnerlich, ob der Vorgänger des Herrn Bosse seinerzeit mit dem sonderbaren Anspruch des Pastors v. Bodelschwingh, wonach die Behandlung von Wahnsinnigen dem Anstaltsgeistlichen mit zustehen sollte, mit gleicher Entschiedenheit zurückgewiesen hat. Seit dem Aachener Prozeß wird dieser Anspruch freilich nicht mehr gehoben, und wenn es doch geschehen sollte, würde er nur dem Hohngelächter der ganzen Welt verfallen.
* (Der französischeBotschafterwechsel.) In diplomatischen Kreisen wird als bemerkenswerth bezeichnet, daß der bisherige französische Boffchafter Her bette ohne jede Auszeichnung von hier geschieden ist. — lieber den neuen Botschafter, den Marquis de Noailles, hatte sich der „Hamb. Korr." in einem längeren Artikel sehr warm ausgesprochen unb feine Ernennung als einen Erfolg ber belttschen Diplomatie gefeiert. In bett „Neuesten Nüchr.", dem Berliner Organ des Fürsten Bismarck, wird demgegenüber bemerkt, daß es jedenfalls ganz ungewöhnlich fei, den Botschafter einer fremden Macht unb zumal Frankreichs, in einer solchen Weise zu feiern, noch bevor er einen Fuß nach Berlin gesetzt hat. Im Großen unb Ganzen paßt bie Ernennung des Marquis de Noailles ganz in bie augenblickliche Situation hinein, erwähnt kann noch werben, baß auch von der Ernennung des Prinzen von Arenberg, Pariser Deputirtcn, eines Vetters des deutschen Reickstagsabgeordneten Prinz Franz v. Arenberg, zum Botschafter in Berlin die Rede gewesen sein soll. So heißt es im „Hamb. Korr." weiter. Darauf wird in den „Neuesten Nachr." entgegnet: Wäre Fürst Bismarck noch an der Spitze des Geschäfts, so würde der Marquis de Noailles mit seinen pol-
3» dem Boote wäre» nur zwei Personen.
Duvar blicke über den Rand des Bootes in das reißmde Wasser, doch es war nichts zu sehen als das eilig dahinr uschende dunkle Element. Nicht einmal einen Schrei hatte man gehört.
Ter „Fäustling" warf seinen Rock ab, doch Duvar brüllte:
„Laß das, Narr! Sie ist hineingesprungen, das erspart uns ein schönes Stück Arbeit. Wir wollen fitzt ein Ruder nehmen und so schnell als möglich an's Land zurückrudern!"
Der Kutscher schauderte auf’? Neue, und ein kalter Schweiß trat ihm auf die Siir», als er schweigend gehorchte. Er hatte seinem Weibe oft gedroht, daß er sie tödten wolle, unb war in der Wuth der Trunkenheit auch manchmal nicht wett davon entfernt gewesen. Doch hier war es etwas ganz Anderes, und das Blut erstarrte ihm in den Adem.
Sein Verbrechergenosse war im Gegentheile in bester Laune. „Rudere, Mensch, rubere!" rief er aufgeregt. „Wir müssen vor dem Morgengrauen wieder in der Stadt fein, damit wir keine uunöthigen Fragen zu beantworten haben."
Der Sturm fing an, sich zu legen, und es wurde merklich Heller. Da sich die Kräfte beider vereinigten, flog bas Boot förmlich über bas Wasser.
Als sie an's Land stießen, hörte Duvar's geübtes Ohr Pferdegetrappel in der Entsemung.
„Schnell aus dem Boote!" befahl er. „Wir dürfen nicht gesehen werden!"
Er sprang in den Wagen, der Kuffcher auf de» Bock, und — fort ging's in sausendem Galopp.
„Abgemacht!" jubelte Duvar, als sie in die Stadt einfuhre».
(Fortsetzung folgt.)