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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

®«4t «nb Verlag: Ioh 8«g. Koch. UniverfitLtS-Buchdruck»rei in Marburg. V«r«mworilich*r Redakteur: Friedrich Coldayky m Marburg.

Redaktion und Evxdition: Markt 21. V IHHwJIvV Sviech ^runden der Redaktion: 0 - Ubr Vormittags

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagrn. - Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exü. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für di« gespalte»« Zeil« »d«r diren Raum 10 Pfg. Reklamen für die Zeil« 25 Pfg.

Marburg,

Freitag, 8 Mai 1896

Auz«igm nimmt «ntgegen di« Expedition dieses Blattes fowi, di« Annonc«n-Burraux von Haasenstein u Vogler in Frankfurt a. M., Taffrl, Magdeburg und Wien; Rudolf Most« in Frankfnrt a. M., Berlin, München u. Köln; C. L. Daube u. Eo. in Frankfurt a. M>, Berlin Hannover Paris

XXXI. Jahrg.

Die Feier in Ungarn.

* Die Magyaren begehen in diesem Jahre das tausendjährige Bestehen ihres Staates, der trotz aller Anfechtungen, die ihm vom Osten drohten, doch eine unverwüstliche Lebenskraft offenbart hat. Lange Zeit herrschte in der Hauptstadt Ofen ein türkischer Pascha, «hrgeizige Fürsten von Nachbarländern vereinigten hie ungarische Krone mit der ihrigen, und mit der Selbstständigkeit war auch der Name des Staates verschwunden. Aber immer wieder tauchte das Magyarenthum aus der dunklen Tiefe empor, in reiche es durch übergewaltige Ereignisse geschleudert »urde und ruhmvolle Helden gaben ihm Macht und Ehre wieder. Kühne Reiterschaaren brachen vor tausend Jahren in die weiten Steppen des heutigen Ungarn ein und gründeten sich dort eine Heimath; hie Nachkömmlinge dieser der europäischen Kultur ftemden Reiterschaaren waren dann berufen, eine Blauer gegen den Islam zu werden, der von Asien her Europa ernstlich bedrohte, eine Mauer, die wohl überstiegen und zeitweise überfluthet, aber doch niemals ganz gebrochen wurde. Die Magyaren, wie sie sich selbst heute nennen, haben ein Recht, stolz zu sein auf ihre Vergangenheit und ihre Geschichte, und die Tausend-Jahr-Feier wird darum mit einem hervor­ragenden Aufwand von Glanz und Pomp begangen. Kaiser Franz Joseph, der mit der Krone des heiligen Stephan gekrönte König von Ungarn, weilt selbst in her Hauptstadt Budapest, um durch seine Gegenwart die großartigen Festveranstaltungen verherrlichen zu helfen, und die deutsche Nation kann der ungarischen, die mit im FriedenSbündniß vereint ist, nur einen ingestörten und frohen Verlauf ihrer nationalen Erinnerungsfeier wünschen.

Die Ungarn sind ein heißblütiges, tapferes, oft «ehr wagendes, als wägendes Volk. Sie sind durch Sprache und Charakter den germanischen Volks­stämmen frember, als die romanischen Volksgruppen. Aber die Magyaren sind in ihrer großen Politik doch auch ein Schutzwall des Germanenthums gegen Slawen, wie Muhamedauer gewesen. In Ungarn lebt auch heute noch ein unbezähmbarer Haß gegen Alles, was slawisch heißt, dieser Haß ist neu geweckt und neu gekräftigt durch die russifche Intervention während der ungarischen Revolution von 1848,49. Die Magyaren haben darnach auch lange Zeit er­bittert der habsburgischen Monarchie gegenüber jeftanben, bis sich zum Enbe bet sechsziger Jahre der Ausgleich vollzog, welcher heute tiefe Wurzeln

(Nachdruck verboten.)

Die seltsame Heirath.

Roman nach dem Amerikanischen von August Leo (Fortsetzung.)

Zweites Kapitel.

Krieg.

Laby Sylvia Dare war bie Wittwe des Lorb Fergus Dare auf Schloß Keulis ober wie es. noch öfter genannt würbe, Schloß Dare, einem der herr­lichsten Grunbbesitze des Laubes.

Lorb Fergus war sehr plötzlich gestorben, ungefähr sechs Jahre nach seiner Verheimthung unb hinterließ seine Frau mit einem Kinde Regirna. Laby Dare hätte seit der Zeit schon viele Male wieber hettathen können, wenn sie es gewollt hätte, boch sie schien ihre Unabhängigkeit unb bie Verfügung über die fürstlichen Dare'schen Einkünfte vorzuziehen.

Regima war bie Erbin von Allem, da der Titel sowohl wie das Vermögen auch auf die weibliche Nachkommenschaft überging.

Nach dem Testamente deS Lord Fergus war Houptmarm Sever Vormund des Kindes und im Verein mit Lady Dare Verwalter des Vermögens. Magnus Sever, ein entfernter Verwandter des ver­storbenen Lords, war auch dessen innigster und treuester Freund gewesen.

Sie hatten beide dieselbe Frau geliebt da­mals Sylvia Zucar, jetzt Lady Dare. Doch Liebe ist wohl kaum das richtige Wort für die süße be­rauschende Leidenschaft, welche sich der Herzen dieser beiden Männer bemächtigt harte.

Bei Sever war es ein kurzer, wilder Wahnsinn lewesen, den er bekämpfte und, als er wußte, daß stiu Freund sie liebte, mit eisernem Willen unterdrückte.!

geschlagen hat. Die Ungarn waren auch von vorn- he>ein begeisterte Anhänger des Friedensbundes, be­geistertere Anhänger, als manche Herren in Wien, die die Ereignisse von 1866 nicht zu vergessen ver­mochten ; denn in dem Friedensbunde lag gerade auch für den magyarischen Staat eine Garantie für einen selbstständigen, ungefährdeten Bestand, und auch die übrigen Mächte des Friedensbundes mögen sich dieses starken und kräftigen Bundesmitgliedes freuen.

Aber wo helles Licht, ist auch Schatten. Den Magyaren ist ihr weitgehender Nationalstolz und ihre Leidenschaftlichkeit nicht immer zum Vortheil gediehen, und dies erkennt man besonders in der inneren Politik Ungarns. Die Leidenschaftlichkeit der Magyaren hat einen überaus scharfen Gegensatz in den politischen Parteien hervorgerufen, der polittsche Kampf ist fast ausschließlich ein Machtkampf geworden, und die, welche die Macht in den Händen haben, sind An­wandlungen von Willkür uicht immer ganz unzu­gänglich. Früher sagte man unter Bezug auf solche Vorkommnisse mit manchem Recht, daß der Orient schon in Budapest beginne. Damit ist es heute so ziemlich vorbei, aber ein Schatten von orientalischem Despotismus liegt doch noch über Manchem, was in Ungarn geschieht. Vor Allem zeigt sich das in der Behandlung der fremden 'Nationalitäten, welche die Länder der ungarischen Krone mitbewohnen. Die Angehörigen dieser fremden Nationalitäten sind zahl­reicher, als die Magyaren in ihrer Gesammtheit, aber trotzdem haben die Regierungen in Budapest recht häßliche und sehr nach Zwang schmeckende Versuche uniernommen, die Mitglieder anderer Nationalitäten zu Magyaren zu machen. Man ist hierbei nicht auf dem Rechtspfad geblieben, sondern man hat diesen recht bedenklich verlassen, die Deutschen in Ungarn, voran bie ftebenbürger Sachsen, wissen ein Lieb baüon zu fingen. Das ist eine buntle Stelle in der Ge­schichte des magyarischen Staates, unb man kann nur wünschen, daß nach der Tausend-Jahr-Feier den Magyaren eine großherzigere unb verständnißvollere Auffassung von ben Rechten unb Pflichten einer herrschenben unb leitenben Nation zu Theil wirb. Unter ben Programmnummern ber Feier steht auch bie Errichtung von 400 weiteren Volksschulen, gewiß eine ber Anerkennung würdige Thatsache. Aber hierüber darf nicht unbeachtet gelassen werden, baß bie Magyaren Hunberte von Schulen unterbrächen, bie nicht ihrem Stamme angehörten. Man soll in Bubapest nie vergessen: Eine Geschichte von tausenb Jahren ver- bient gewiß eine Feier, aber eine Geschichte von tausenb Jahren legt auch Pflichten unb Rechtsachturig

Lady Dare batte mit beiden ihr Spiel getrieben; so sehr sie es imstande war, hatte sie vielleicht Haupt­mann Sever geliebt, boch Lorb Fergus hatte sie ge- heirathet, ba er eine bessere Parthie war.

Sever hatte später ein schönes Mädchen von hoher Abkunft geheirathet und Frau und Kind unter seltsamen Umständen verloren.

Sobald Magnus Sever abgereift war, zog sich Lady Dare in ihr Zimmer zurück.

Er hat den Krieg gewählt gut, so mag es denn Krieg sein!" sagte sie mit einem zornigen Blicke ihrer schönen Augen, als sie durch die Reihe ihrer luxuriösen Zimmer schritt, bereit Thüren alle offen waren unb bie Ereignisse bes Morgens über­buchte.Ich bin jetzt froh, baß er meine Anspielung, ihn selbst zu Heiratheu, nicht annahm,' murmelte sie, indem eine dunkle Röthe bei der Erinnerung an seine verächtliche Zurückweisung ihre Wangen überzog. Es wäre ber lächerlichste Wahnsinn meinerseits ge­wesen und ist nicht einmal für bie Durchführung meiner Pläne nölhig, wie Du erfahren wirst, mein lieber Magnus Sever."

Sie hob ihre feine, weiße, geballte Hand unb schüttelte sie brohenb.

Wie Du es noch auf Deine Kosten erfuhren wirst, Huuptinann Sever I" wieberholte sie rnst lang­samer unb gehässiger Bedeutsamkeit.O, wie ich ihn hasse! Wie ich diesen Menschen Haffe und fürchte!"

In diesem Augenblick wurde an die Thür ge­klopft.

Ich hoffe, daß es Derrick ist!" sagte fie.

Doch es war nur ein Diener, welcher zu sagen kam, daß bie kleine Laby Regima bar auf bestehe, die schwarze Jeß zu reiten und Niemand mit ihr fertig werden könne. i

auf. Gerade die deutsche Nation würde Erfolge in dieser Beziehung als die schönste und würdigste Feier bes tausenbjährigen Bestehens bes ungarischen Staates sreubig begrüßen.

Deutsches Reich.

* Berti«, 6.Mai. (Tagesbericht.) Kaiser Wilhelm hat bent Schah von Persien telegraphisch sein Beileid über die Ermordung seines Vaters unb seine besten Wünsche für die neue Re­gierung ansgedräckt. Der Schah bezeigte in ber Antwort feinen lebhaften Dunk für bie Antheilnahme. Heute früh "hörte Se. Mujesrät ben Vortrag des Chefs bes Civilkabinets v. Lucanus, empfing btn Oberpräsibenten von Posen v. Wilumowitz unb fuhr darauf zur Besichtigung des Augusta- unb bes Elifubkthregiment nach Spanban. Nach einem Früh­stück im Kreise bes Offizierkorps kehrte Se. Majestät nach Berlin zurück, wo er ber Generalprobe ber Oper Fra Francesco" im Kgl. Opernhause beiwohme. Später erfolgte die Heimkehr des Kaisers nach Wild­park bezw. dem Neuen Palais. Das Ka iser- paar wird am Sonnabend Vormittag ll'/2 Uhr auf der Haltestelle Strehlen zum Besuch der Garten­bauausstellung eintreffen unb am selben Abend nach Frankfurt a. M. Weiterreisen. Die Kaiserin verlebte den heutigen Tag bei ihren Söhnen in Plön, wo ber Kronprinz feinen Geburtstag feierte. Die Rückreise nach Potsbam erfolgte Abenbs. Die Vermählung b e 8 Prinzen Friebri ch vp,n Schaumburg-Lippe mit ber ältesten Tochter des dänischen Kronprinzen, Prinzessii» Luise, hat in Amalünborg bei Kopenhagen stattgefunden. Den Gesandtenposten in Tanger erhält der bisherige Gesandte in Peking Legationsrath Frhr. Schenck zu S ch w ein s b erg. Der Hosprediger a. D. Stöcker ist mit mehreren anderen Mitgliedern aus dem evangelisch-sozialen Kongreß ausgeschieben. Seine Thätigkeit für bie christlich-soziale Sache wirb ba burch nicht berührt. Das Konsistorium zu Magbe- burg erkannte im Disziplinarverfahren gegen ben Pfarrer Kötzs chke-Sangerhausen,berSaale- Zeitung" zufolge, auf Versetzung.

* (Zum Geburtstage bes Kron- pingen) bringt bieN. A. Z." folgenbe Zeilen: Bereits ist ber älteste Sohn unseres Kaiserpaares in das Alter getreten, in welchem für ihn ber Ernst ber Pflichten, bie innere Vorbereitung zu dem künftigen schweren Herrscherberuf beginnt. In ber langen Reihe großer Vorfahren finb bem Geburtstags-

Das schöne Gesicht ber Laby verfinsterte sich unb ihre Augen zeigten, baß fie verbrießlich war.

Sie sagt, Mylaby," fuhr ber Diener fort,daß Sie es ihr erlaubt hätten, boch Kennet behauptet, die Stute sei zu wild."

Schicken Sie das Kind zu mir," begann Lady Dare,doch nein, ich will selbst zu ihr gehen."

Sie ging schnell hinaus auf einen Balkon, von bem man ben Hof übersah.

Die schwarze Jeß, eines der feurigften Thiere, das man nur finden konnte, stampfte unten den Boden, schäumte in das Gebiß und riß an dem Zaume, an dem eS der Stallknecht festhielt.

Regima stand in rothem Jagdanzuge und einem Hute mit wallenden Federn daneben und ließ ihren Zorn in ärgerlichen Worten über den unglücklichen Kennet heiabströmen. Beim Anblicke ihrer Mutter wandte sich dieser die Fluth ihrer Aufregung zu.

Du hast es doch erlaubt, Mamck, und ich laffe mir es jetzt entschieden nicht wehren! Der dumme Kennet hier behauptet, ich werde den Hals brechen Das ist mir ganz gleich; ich werde sie doch reiten."

Willst Du denn denHalS brechen, abscheuliches Kind?" lief die Mutter

Regima machte eine Bewegung leidenschaftlicher Verachtung unb rief:

Es ist ferne Gefahr unb Kennet weiß es auch! Jetzt will ich sie gerabe reiten unb wenn ich wüßte, daß ich alle Knochen dabei breche! Hörst Du, Kennet, ich will es!"

Lady Dare lächelte verächtlich.

Lege einen Sattel auf, wir wollen sehen, wie sich das Thier benimmt," sagte sie zu dem Diener.

Einer der Stalljungen brachte einen schönen Damensattel und es gelang ihm nach ziemlichen Schwierigkeiten, denselben zu befestigen. (Forts, folgt)

kiude so leuchtende Vorbilder jener seltenen Pflicht­erfüllung gegeben, die von jeher bie Regenten ans bem Hause Hohenzollern ausgezeichnet hat, baß das preußische unb bas beutsche Volk mit vollem Ver­trauen und in berechtigter stolzer Hoffnung auf seinen Kronpinzen blicken bars. Von ber Liebe bes hohen Elternpaares behütet unb getestet, wirb ber Erbe ber Kaiser- unb Königs kröne an seinem Geburts­tage von ben Glück- unb Segenswünschen der Nation mit besonderer Wärme unb Innigkeit um­fangen."

* (Kaiser Wilhelm unb bas englische Volk.) Nach einer Mittheilung ber LondonerDaily News" soll Lorb Lonsbale, ber jüngst ben Kaiser besuchte, erklärt haben, bie Ansichten ber englischen Zeitungen, bie versuchten, bie öffentliche Meinung gegen eine Reise bes Kaisers nach Englanb zu be­einflussen, seien nicht bie Ansichten des englischen Volkes. Wenn ber Kaiser kommen wolle, werbe er den'elben begeisterten Empfang finben, wie bei früheren Gelegenheiten.

* (lieber bie kirchliche Feier bes 25- jährigen Geb enktages) bes Frankfurter Friedens heißt es in einem Erlaß des Evangelischen Ober­kirchenraths an das Königl. Konsistorium zu Berlin: Wir dürfen vertrauen, baß bie Gemeinben unserer Landeskirche auch an heiliger Stätte gern des 10. Mai als des Schluß- und Denksteins göttlicher Barm­herzigkeit, bie unserem Volke widerfahren ist, ge­denken und die Herren Geistlichen den rechten Festton als am Sonntag Nogate in Danken unb Loben, aber auch in Bitten unb Beten anzuschlagen wissen werben, baß Gott unserem Volke in allen seinen Ständen und Schichten zum Friedensfeste auch ben Friebens- geist aus ber Höhe schenken unb mehren wolle,für solche Barmherzigkeit bem Herrn zu danken und bas neu geschenkte Gut des Friedens in aufrichtigem unb demüthigem Geiste zu Seines Namens Ehre zu pflegen", wie unser in Gott ruhenber Helbenkaiser sein Volk bamals gemahnt hat. Wir veranlassen bas Kon­sistorium, biefen Erlaß zur Kenittniß ber Herren Geist­lichen zu bringen."

* (Fürst Bismarck über Prof. Geffcken.) lieber Prof. Geffcken schreiben bie53er!. N. Nachr.", welche Beziehungen zum Fürsten Bismarck unterhalten, an leitenber Stelle:Geffcken war ein leidenschast- licher, aber unschädlicher Gegner ber Politik des Fürsten Bismarck. Wenn bieFrkf. Ztg." ihm bas Verbienst" zuweist, burch bie Veröffentlichungber historischen Wahrheit" gebient zu haben, so ist das

(Nachdruck verboten.)

Die Kaiserkrönung in Moskau.

Von G. Fedorow (Moskau).

Vor einigen Tagen ist bas Vorspiel zu bem großartigen Ausstattungsstück, das sich nach wenigen Wochen vor unseren Augen abspielen soll, in Scene gegangen: bie Ueberführnng der Kaiserlich n Regalien aus bem Petersburger Winterpalais, wo sie für gewöhnlich aufbewahrt werben, in bie Rüstkammer bes Moskauer Kreml, wo sie währenb ber Krönungs­zeit verbleiben. Mit einem Extrazuge ber Nikolai- bahn trafen bie Reichskleinobien, geleitet von einer Anzahl höherer Hofbeamten unb Militärs, in Moskau ein, wo sie am Bahnhofe von bem Generalgouverneur, Großfürsten Ssergei Alexanbrowitsch, unb einer Ehrenkompagnie empfangen wurden.

Mit biefer Cerrnonie hat bie Krönungszeit gewissermaßen offiziell ihren Anfang genommen. Ihre Schatten hat sie freilich, wie alle großen Ereignisse, schon seit Monaten vorausgeworfen. Mütterchen Moskau rüstet sich zum würbigen Empfange ihres Herrn unb Kaisers unb bereitet für biefen großen Tag ihr schönstes Prachtgewanb. Ueberall, wohin man blickt, herrscht eine fieberhafte Thätigkeit. Die Häuser werben angestrichen und man macht sogar ernsthaftes Versuche, das berüchtigte Moskauer Straßenpflaster in einen Zustand zu bringen, der einer Großstadt wenigstens nicht ganz unwürdig ist.

Auch Vorbereitungen zur Illumination, die wahr­haft großartig zu werden verspricht, werden schon seit einigen Monaten getroffen. Bei strengster Käste wurde die Goldkuppel des Iwan Weliky (des höchsten Thurmes in Moskau) mit einem Baugerüste umgeben und man sah in dieser schwindelnden Höhe Menschen beschäftigt, welche das Kreuz und bie