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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Shbeftbo «ab SvMtiou: M«v H. S&'vUlllUHPVWll’« SvEmck« der Ätbtition: 10-11 Uhr Lorwitta«,
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Marburg,
Sonntag, 3. Mai 1896.
AMtg« nimmt entgegen bi« Srpchittou dieses Blatte», tmb bk «unonceo-Burtaur von Haafrusteiu u Bogle in Frankfurt a. M., Kassel, Magdeburg und Wi«; Rudolf XXXI. c>-abra. Most« in Frankfurt «. M., Belin, DLuchm u. Köln; K. L. *U *r D*
Daube u. Co. tu Frankfurt e. M., Berlin Hannover Bari«
Die ftanzösische Revolution und der sozialdemokratische Zukunftsstaat.
II. Die soziale Grundidee.
cf Wie unsere Sozialdemokratie ganz und gar in den Ideen eines einzigen Mannes (Marx) aufgeht, uud wie die bisherige Geschichte der sozialdemokratischen Partei hauptsächlich nur in der allmähligen Aneignung der Ideen dieses Euren besteht, so hat auch die französische Revolution ihren Papst gehabt, der, obwohl ein Jahrzehnt vor ihrem Ausbruch schon gestorben, doch während ihres ganzen Verlaufes die Heister beherrscht hat: Jean Jacques Rousseau (1712—1778).
Der Grundgedanke seines Hauptwerkes, Contrat social (Gesellschastsvertrag) ist: ES giebt nur eine gerechte Gesellschaft, die nämlich, die auf dem sozialen Vertrage beruht, nur eine wahre Souveränität, die Souveränetät des Volkes. Die Bedingungen des sozialen Vertrags lassen sich alle auf eine einzige Forderung zurückführen: die gänzliche Selbstent- iutzerung jedes Individuums, die llebertragung aller Rechte des Einzelnen, vor Allem auch seiner Eigen- chumsrechte, auf die Gemeinschaft. Wie die Natur jedem Menschen die unbedingte Herrschaft über alle seine Glieder giebt, so verleiht der soziale Vertrag dem sozialen Körper die unbedingte Herrschaft über alle seine Angehörigen. Der Mensch, wie er sich geschichtlich entwickelt hat , ist ein verunstaltetes Wesen, knechtisch, eigensüchtig; die Hauptaufgabe der reuen Gesellschaft besteht darin, ihn in den Naturzustand zurückzuversetzen. Alles, was jetzt besteht, ist faul und zerfressen, wir müssen es zerstören und dann den Naturmenschen frei machen uud aus ihm de» soziale» Menschen entwickeln.
Wenn der Egoismus der Kardinalfehler ist, und da das Privateigentum die Nährquelle der Selbstsucht ist, warum sollen wir da nicht das Privateigentum ganz beseitigen? Nicht erst der Verschwörer Babeuf hat diese letzte Folgerung gezogen, auch Saint Juste, der Gehilfe Robespier's in den Schreckenstagen, war derselben Meinung. Die großartigen Güterkonfiskationen beruhten auf dem vermeintlichen souveränen Recht des sozialen Körpers auf Selbstentäußerung jedes Einzelwillens, und der Gemäßigtsten Einer, Mirabeau, sagte schon in der Kammersitzung vom 10. August 1789: „ES giebt »ur drei Arten des Daseins in der Gesellschaft, Bettler, Dieb oder Besoldeter sein; der Eigentümer
(Nachdruck verboten.)
Das neue Dienstmädchen.
Humoreske von B. W. Zcll.
„Nein, es ist nicht mehr zum Aushalten mit diesem Mädchen!* Mü diesem Stoßseufzer sank Frau Doktor Braune, ganz erregt und verärgert aus der Küche kommend, erschöpft auf einen Stuhl.
„Hab' nur Geduld, Mama,* tröstete Ella, die älteste Tochter. „Bald ist ja die Zeit überstanden und von dem neuen Mädchen verspreche ich mir, ihren Zeugnissen nach zu urteilen, das Beste."
Frau Doktor richtete sich ueubelebt empor.
„Auch ich. Schon, daß es keine Berlinerin ist, beruhigt mich. Die Berliner Mädchen leisten jetzt wahrlich an Unverschämtheit Unglaubliches. Ich kann den Tag nicht erwarten, au dem unser neues Mädchen anzieht und wir diese impertimente Mamsell Minna los werden."
Nach Verlauf einer Woche war der so herbrigewünschte Tag erschienen und Minna zog ab: die Ersehnte freilich war vorläufig noch nicht da, sondern hatte durch eine fast unleserliche Karte mitgetheilt, daß sie erst zwei Tage später zuziehen könne, da die Reise einen Tag erfordere und sie vorher noch zu ihren Eltern auf's Land fahren und sich dort verabschieden müsse. Als die beiden schweren Tage überstanden waren, erhob sich eine neue Kalamität: das Mädchen mußte vom Bahnhof abgeholt werden, denn wie sollte sie sich wildfremd und unerfahren, in dem Höllentrubel eines weltstädtischen Eentralbahnhofes zurcchtfinden?
Herr Doktor mußte also das Kursbuch studiren uud seine Hausehre machte sich auf, den weiten Weg zum Bahnhof anzutreten.
Nach drei Stunden kam sie zurück, matt, nervös,
ist der erste der Besoldeten, er ist nur Agent und Verwalter für den sozialen Körper."
Was bei Rousseau und in dem Programm der Jakobiner sozialer Körper heißt, heißt bei Marx und den Sozialdemokraten kommunistische Gesellschaft, ein souveränes Fabelwesen, das Alles kann und Alles macht und einen Himmel auf Erden schafft, sobald der Mensch von allen Fesseln (Kirchenglauben, Privateigenthum, Rangunterschieden u. s. w.) befreit ist, die ihn jetzt hindern, sich frei und natürlich zur höchsten Tugend und Glückseligkeit zu entfalten. Auf beiden Seiten derselbe wahnwitzige Optimismus, dieselbe Verkennung der wahren Natur des Menschen mit ihren Interessen und Begierden, dieselben Deklamationen im Namen der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit, dieselbe radikale Umsrurzwuth.
Und was hat der soziale Körper geleistet, nachdem ihm die Souveränetät zugefallen war? Wie hat sich der natürliche Mensch nach Entledigung aller Fesseln entwickelt ? „Diktatur des Proletariats", ein Meer von Blut, Verödung blühender Provinzen, die Herrschaft von Bestien wie Marat, Hebert, Ehaumette, Henriot, das ist die Antwort.
Deutsche- Reich.
* Berlin, 1. Mai. (Tagesbericht.) Der Kaiser und die Kaiserin kamen heute Vormittag mittels Sonderzuges von Potsdam nach hier, fuhren sodann nach dem Kgl. Schlosse und bestiegen an der Terrasse den dort bereitliegenden Dampfer, der sie nach Treptow brachte. Nachmittags erfolgte die Rückkehr. — Die Kaiserin wird auch in diesem Sommer mü ihren jüngsten Kindern auf Wilhelms- höhe einige Wochen zubringen.
* (Rücktritt de? Mini st ersv. Berlepsch?) Der schon wiederholt an gekündigte Rücktritt des Handelsministers Frhrn. v. Berlepsch scheint nun in der That bevorzustehen. Auch die „Kölnische Ztg." versichert, daß die seit einigen Tagen darüber verbreiteten Gerüchte nicht ohne Grundlage seien; den letzten Anstoß zu dem Entschlüsse des Ministers, seine Entlassung zu nehmen, habe das Scheitern des Gesetzentwurfes, betreffend die Handelskammern, gegeben. Das Blatt meint, im Hinblick auf die wiederholten parlamentarischen Niederlagen des Frhrn. v. Berlepsch erscheine nunmehr dessen Rücktritt nicht auffallend.
* (Maifeier.) Der 1. Mai ist im deutschen Reiche im Allgemeinen sehr still verlaufen. In Berlm wurde fast nirgends gefeiert; in allen größeren
abgehetzt. Sie hatte vier Züge aus dem Osten ab- gewartet, sämmtliche weibliche Insassen der vierten Wagenklasse liebevolle gefragt, ov sie sich vielleicht bei Frau Doktor Braune als Mädchen für Alles vermlethct hätten — immer dasselbe negalive Resultat!
»Aber jetzt in der Mittagszeit kommen wieder zwei Züge, da mußt Du hin, Ella."
„Aber Mama I"
»Weißt Du vielleicht andern Rath? Soll das arme Ding gleich bet ihrer Ankunft Bauernfängern in die Hände fallen?"
Dagegen ließ sich nichts sagen uud gehorsam machte sich das Töchterlein auf den Weg, um nach einigen Stunden in gleicher Verfassung und gleich resultatlos, wie vorhin die Mutter, heimzukehren.
Abends erschien wie gewöhnlich Ellas Verlobter, um mit der Familie den Thee zu nehmen.
»Das neue Mädchen noch nicht hier?" fragte er verwundert, als er Mama in der Küchenschürze erblickte.
»Nein, aber Du mußt gleich zur Bahn, lieber Ernst — gerade jetzt kommen wieder Züge."
Ella war wütheud und ihr Bräutigam sah nichts weniger als entzückt aus. Da es aber sein Grundsatz war, es mü der Schwiegermama nie zu verderben, nahm er schnellstens seinen Hut und ging.
Die Stunden verrinnen, Ernst erscheint nicht. Ella fitzt im Erker und weit vor Aerger. Endlich, wenige Minute» vor zehn, stürmt der Abgesandte die Treppen hinan — natürlich allem.
»Keine Spur von einem Mädchen aus Gollub, Mama —berichtet er. „Hab' wie ein Detektiv herumgefrogt — Alles vergebens. Um Mitternacht soll allerdings noch ein Zug kommen."
„So wird Karl hingehn," entscheidet Frau Doktor. Karl ist der Sohn des Hauses und seines Zeichens
Fabriken und Etablissements war fast Keiner der Arbeit ferngeblieden. Auch auf den Sauten, wo sich die Maurer dem Streik nicht angeschlossen haben, wurde rüstig fortgearbeitet. Die 22 Demonstrationsversammlungen waren nicht stärker besucht als im Vorjahr. Reichstagsabgeordnete waren diesmal als Redner nicht aufgetreten. Neben der Bedeutung des 1. Mai als Arbeiterfeiertag wurde von den Rednern insbesondere das Vorgehen der Herrenkonfektionäre, der Achtuhr - Ladenschluß und das Verhalten der bürgerlichen Parteien gegen den Bäckerschutz als Thema gewählt; auch an Hinweisen auf die Eröffnung der Gewerbeausstellung fehlte eS nicht. Die meisten Versammlungen verliefen völlig ruhig. Trotz der „Warnung" der Gewerkschafts-Kommission ließ es sich ein großer Theil der feiernden Arbeiter nicht nehmen, den Eröffnungsfeierlichkeiten der Ausstellung zuzuschau«. Einzelne Gewerkschaften veranstalteten Ausflüge in die Umgegend. Auch in anderen deutschen Städten ging die sozialistische Maifeier, wenn überhaupt von einer solchen zu reden, ruhig von Statten. Umzüge warm verboten. In Oesterreich - Ungarn fandm Umzüge statt in dm verschiedensten Städtm; überall aber befleißigte man sich größter Mäßigung und Ruhe. Die Wiener Blätter hatten ihrm Arbeitern auf deren Wunsch den Tag freigegeben. Aus Frankreich liegen Meldungen über die Maifeier von Belang nicht vor. In Paris herrschte, tote gewöhnlich, großer Trubel. Dagegen ist es in Jtalim ohne blutige Köpfe nicht abgegangm — bekanntlich nichts Neues. Besonders in Mailand ge- riethm die Mai-Feierndm mit der Gmsdarmerie scharf zusammen.
* (Verfügung für die Kolonien.) Der »Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Verfügung des Reichskanzlers wegen Ausübung der Strafgerichtsbarkeit und der Disziplinargewalt gegenüber die Eingeborenen in dm deutschen Schutzgebieten von Ostaftika, Kamerun und Togo. Besonders für die Vollstreckung der Prügelstrafe, die ja bei den Eingeborenen nun einmal unumgänglich ist, werden sehr eingehende Bestimmungen getroffen, sowohl bezüglich der Sträfwerkzcuge als auch bezüglich der Personen, die die Strafe verwirkt haben. Zu den S traf Verhandlung en sind angesehene Eingeborene hinzuzuziehen. Die Verhängung der Todesstrafe steht einzig dem Gouverneur zu. lieber die Strafsachen ist ein genau vorgeschriebenes Strafbuch zu führen.
•|- (Neue Bauern.) Die natürliche Richtung des Bevölkerungsstromes geht vom Lande in die
Primaner. Er ist empört über die Zumuthung, der neuen Rieke wegen — bei ihm heiße» alle Mädchen Rieke — seine Nachtruhe opfern zu sollen, aber Mama befiehlt und da ist nichts zu machen. Wüthend zieht er um halb Zwölf los, um gegen Zwei zurückzukehren — allein.
Am nächsten Morgen ruht Frau Doktor nach der zerstörten Nacht und allen Strapazen etwas länger als gewöhnlich. Da tönt draußen rasendes Klingeln. Frau Doktor fährt auf. Gleich darnach steckt Ella den Kopf zur Thür herein: „Das neue Mädchen, Mama."
„Gott sei Dank!"
Die Hausfrau hastet in die Kleider und stürmt in die Küche. „Aber liebes Kind — wir haben Sie feit drei Tagen erwartet —"
„Hab' ich Zug versäumt — und nochmal Zug versäumt — aber alle Arbeit nachholen!"
Frau Doktor betrachtet nun die neue Gehilfin näher. Eine kleine, dralle, bäuerische Gestalt mit zinnoberrothm Backen und strohgelbem Haar, das, festgeflochten, sich wie angeklebt um den Kopf legt. Der Anzug buntscheckig, armselig und vorsündfluihlich, altmodisch — nein, nett und ansprechend sieht das mue Mädchen durchaus leicht aus I Dennoch ist ihre Herrin entzückt.
„So Heb’ ich es," meint sie zu ihrer Tochter, die ganz niedergeschlagen dreinschaut bei dem Gedanken, welch' einen Eindruck diese unkultivirte Zofe auf Fremde machen wird. „Fein wird sie schon schnell genug werden. Nun Dienstbuch und Papiere" — wendet sie sich wieder zum Mädchen. »Und wie heißen Sie eigentlich — ich konnte den Namen uia t entziffern."
»Pelagia Przh' ycrz."
Mutter und Tochter staunen sich sprachlos an
Stadt. Herrschte einmal die umgekehrte Richtung, so ist dabei nie viel herausgekommen, am allerwenigsten aber, wenn da» bei den oberen Gesellschaftsklassen der Fall war. Die Landwirihschast gehört eben zu jenen praktischen Berufen, in denen man mit der Logik des Verstandes sehr wenig, mit Erfahrung und praktischem Blick aber sehr viel ausrichtet. Die aber bringt Jemand, der in der Stadt ausgewachsen ist, nicht mit. Deßhalb ist eS ein Zeichen recht weitgehender Naivität, wenn jüngst, so schreibt die „Korrespondenz des Bundes der Landwirihe", der Casseler Oberbürgermeister im Herren- Hause meinte, es sei volkswirthschaftlich kein Unglück, wen» der Grund und Boden an andere Besitzer übergehe, die „dem Betriebe besser gewachsen" seien. Abgesehen von der in diesem Ausspruch liegenden Brutalität zeigt er den alten Fehler deS wirthschaftlichen Liberalismus, davon zu abstrahieren, was ben eigentliche Politiker ausmacht, von der Schätzung und Würdigung der Menschen. Wären sie, wie hier wieder die liberalisirende Betrachtung annimmt, nicht Individualitäten, sondern gleiche Größen, wir wüßten wahrlich nicht, waS dann noch der Einführung der sozialistischen Gesellschaftsordnung entgegenstünde. Sollte der Herr Oberbürgermeister Westerburg solchen Argumenten nicht zugängig sein, so sieht er vielleicht etwas, was wirklich nahe genug liegt und wofür Herren seiner Richtung mehr Sinn zu haben pflegen. Man braucht sich nur einmal oberflächlich auf einem zur Zwangsversteigerung stehendem Gute umgesehen zu haben, um einen Eindruck davon zu bekommen, welche ungeheueren Werihe dem Nationalvermögen durch den Vermögens verfall der Landbesitzer verloren gehen. Das macht mehr aus, als wenn eine Stadt eine langwierige Belagerung über sich ergehen lassen muß.
* (Transvaal.) Bei den fünf zum Tode veruriheilten Mitgliedern des sogen. Reformcomites, dessen Begnadigung aber durch Präsident Krüger ausgesprochen wurde, sind Depeschen gefunden worden, die es zur Evidenz beweisen, daß sowohl der brave Premierminister des Kaplands, Ce<Zl Rhodes, als auch die Chartere!)-Company selbst mit Jameson und seinen Freibeutern unter einer Dcke stecken. Selbst die englischen Blätter sehen sich jetzt zum Einge- ständniß dieser von ihnen bisher so hartnäckig geleugneten Thatsache genöthigt, verlang-» nun aber auch die Bestrafung des wirklich Schuldigen, der nicht Jameson, sondern Rhodes heißt.
und machen gar nicht erst den Versuch, den Familiennamen mit seinen, deutschen Lippen unmöglichen Zisch- und Nießlauten auszusprechen. Aber der Vorname — „wir können Sie in keinem Fall Pelagia nennen," entscheidet endlich Frau Doktor. ^Jch werde Sie in Marie umtaufen." Das Mädchen, das augenscheinlich das klare Hochdeutsch nur schwer versteht, meint „Kascha" wäre ihr lieber."
„Gut denn, Kascha klingt wenigstens originell."
Ella aber findet „Kascha" schauderhaft und macht sich ein Vergnüge» daraus, die neue Duenna den ganzen Vormittag recht schwungvoll „Pelagia" zu benamsen. Karl spricht, als er Mittags aus der Schule kommt, einfach nur von „Ricken", die er übrigens gräulich findet und der Doktor erklärt bei der Heimkehr, es fiele ihm nicht ein, sich fortwährend an neuen Namen die Zunge zu zerbrechen, für ihn heiße das Mädchen Minna, wie das frühere. So hat denn Pelagia P-zydycrcz vier Rufnamen, aif die fie übrigens sämmtlich nicht hört. Sie versteht nichts, weder die Zimmer zu reinig«, noch zu scheuern und zu putzen oder den Tisch ordentlich zu deck« — vom Kochen garnicht erst zu reden.
Nach Verlauf der ersten Woche ist Frau Doktor sehr niedergedrückt, ihre Tochter erschöpft von all' der ungewohnten Arbeit, nur der Hausherr hat ferne gute Laune nicht verloren — was Wunder auch! Er selbst hat eben unter der Mädchenkalamität nicht zu leiden. Wenn er nur das Spotten lassen wollte, denkt seine geplagte Gattin; aber er läßt's eben nicht.
„Ja, liebes Kind, es ist wirklich etwas Schönes um so ein unverdorbenes Geschöpfchen vom Lande," witzelt er eben wieder. „Man kann Dir wirklich gratuliren zu Deinem guten Griff — ich finde übrigens, daß diese Pelagia - Minna - Kascha - Rieke