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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
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Erschrint täglich cußet en Werttagm nach Sonn« mb Stitrtagen. - Quartal-AbonuememS-Brri« bet der Expedition 2 Ml., bei allen Postämtern L Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile
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Marburg,
Sonnabend, 2 Mai 1896
Anzeigen mntmt entgegen Ote Expedition dieses Blattes tzw« bk Annoncen-Bureanx von Haaseastein n Vogler in Frankfurt «. M., Gaffel, Magdeburg und Wim; Rudolf Most' in Frankfurt a. M., Berlin, Münchm u Köln; C. L. Daube «. Ko. in Strertffnrt a M„ Berlin Hannover Bari«
XIII. Jahrg.
England und Transvaal.
* In der englischen Kammer hatte unter lautloser Stille der Staatssekretär Chamberlain ein Telegramm vorgelescn, in dem ihm die Mittheilung wurde, daß fünf Führer des Johannesburger Reform- «omites von den Boercn zum Tode vcrurtheilt worden seien. Er hatte darauf Namens der Regierung durch den Gouverneur Robinson dem Präsidenten Krüger die Erwartung aussprechin lassen, daß er das Urtheil umändcrn werde. Diese Erklärung war erfolgt, nachdem erst wenige Stunden »ergangen waren, seitdem die Mittheilung eintraf, Präsident Klüger weigere sich, der Einladung zu folgen und von der angebotenen Gastfreundschaft Gebrauch zu machen. Wenn schon in dieser Absage ein für England tief verstimmendes, für die Minister wenig erfreuliches Moment liegt, wenn die Niederlage des Kabinets mit aller Deutlichkeit hervortreten mußte, so ist es natürlich, daß die Nachricht von dm in Johannesburg gefällten Todesurthcilen die Erbitterung in London auf einen außerordentlichen Grad steigern mußte, und daß wiederum das Auftreten des Herrn Chamberlain, der schon neulich mit »nqualifizirbarem Hochmuth sich über die südaftikanische Republik ausgesprochen hatte, in Transvaal keinen anderen Erfolg erzielen kann, als den einer außerordentlichen Entrüstung. Die Gefährten Jameson's sind Rebellen gewesen, wie Kaiser Wilhelm sie mit Recht in seinem Telegramm genannt hat. Wer im Frieden mit bewaffneter Macht die Grenzen eines Landes überschreitet oder wer im eigenen Lande die Pläne von Hochverräthern unterstützt, der erfährt nur gerechtes Schicksal, wenn die härteste Strafe ihn trifft. Die Boeren haben nur ihr Recht verfolgt, wenn sie die Führer des Einbruchs zum Tode verdammten. Niemand würde es den Engländern verargen, wenn sie den Versuch machten, durch freundliche Vorstellungen und Bitten das Loos ihrer stevelhaften Landsleute zu mildern und sie vor dem Aeußersten zu bewahren. Die Sprache aber, die Mr. Chamberlain zu wählen für gut hielt, ist lediglich die Sprache des Hochmuths, sie mag geeignet fein für die Häuptlinge eines abhängigen Koloniallandes, aber sie kann nur verletzend wirken auf ein unabhängiges nnd freies Volk, das wiederholt bewies, in welcher Weise es versteht, sich Unabhängigkeit und Freiheit zu sichern. Und wenn nun jetzt wiederum Chamberlain ein Telegramm verlesen konnte, wonach die Begnadigung der zum Tode ver- »rtheilten Johannesburger erfolgt ist, so ist dies
abermals als ein Zeichen der weisen Mäßigung zu erachten, welche Präsident Klüger bereits einmal, im Falle Jameson, gezeigt hatte. Es ist die schlagenste Widerlegung derverleumderischenJnjuneChamberlains, der dein Boerenregiment den Vorwurf der „Korruption" zu machen sich nicht gescheut hatte. Europa kann danach nicht länger zweifelhaft sein, auf wessen ©eite, wenn überhaupt, die Korruption zu suchen ist.
Man wird sich des Eindruckes nicht erwehren können, als suche man in England geflissentlich die herrschende Spannung zu erhöhen, als wolle man nach einer Waffenentscheidung hindrängen, und viellicht ist nur die klare Stellung, die Deuffchland in dem Konflikte gewählt hat, die Ursache dafür, daß nicht längst schon die Flinte zu schießen und der Säbel zu hauen begonnen hat. Vorläufig ist das Eine klar, daß wir noch keineswegs an das Ende der bestehenden Verwickelungen gelangt sind. Auch find die Boeren einer ähnlichen Meinung, sie bewaffnen sich mit den neuesten Gewehren, vervollständigen ihre Artillerie, bilden Freiwilligenkorps und knüpfen Beziehungen mit dem Oranjefteistaat und dem Afrikabunde an. In England selbst werden warnende Stimmen laut, aber sie verhallen wie die des Predigers in der Wüste. Eist neulich schrieben die „Daily News" ganz vernünftig: „Die Strafen der Gefährten Jameson's werden jedenfalls schwer ausfallen, aber wir sehen keinen Grund, daß die Gefangenen oder irgend Jemand das Recht besäße, dagegen Klage zu erheben. Wcr Revolution anzettelt, muß auf die Folgen gefaßt sein." Und eine konservative Wochenschrift erklärt : „Wenn, wie Chamberlain sagt, unser Ziel vor allen Dingen auf die Wiederherstellung der Verhältnisse vor btm Einfalle gerichtet sein muß, so gestehen wir, daß wir ihn gern etwas mehr unsere eigenen Pflichten betonen hören würden und weniger „der Boeren verächtliche Zurückweisung billiger Forderungen". Mit polternden Drohungen, Einschüchterungen und Verdrehungen von Thatsachen, als ob die Boeren und nur sie allein zu tadeln wären, beruhigt man unsere eigenen Afrikaner nicht, und noch weit weniger versöhnt man die halsstarrigen Burghers von Transvaal." Vielleicht gelangt allmählig die Besonnenheit in London zum Siege, vielleicht gelangt man auch zu der Ueberzeugung, daß man durch die Polittk der Rastlosigkeit in Südafrika nichts zu gewinnen, wohl aber Alles zu verlieren vermag, aber vorläufig scheint es, als wenn der britische Dünkel sich noch immer gegen eine so unendlich naheliegende Erkenntniß sperrt und als ob man das Feuer, das so leicht das
Alterrungene verzehren kann, geflissentlich noch schürt. Herr Cecil Rhodes hat es eben ttefflich verstanden, den britischen Chauvinismus mobil zu machen zu Gunsten seiner eigenen, finanziellen Spekulationen und zu Gunsten verkrachter Bankgesellschaften.
Und doch können die Engländer in den Ereignissen des Matabele-Aufstandes eine dringende Mahnung und Warnung erblicken. Denn wie auch die Dinge liegen mögen, so steht doch >er Aufstand dieses kriegerischen Stammes in direttem Zusammenhänge mit dem Raubeinfall Jameson's in Transvaal. Die Niederlage bei Krügersdorp hat die Matabele er- muthigt, und die Verschiffung der gefangenen Truppen nach England hat die gefährdeten Gegenden von ihren Vertheidigern entblößt. Die Matabele find wohlbewaffnet; wenn einmal einige Gewehre in die Hände der Engländer fallen sollten, so würden sie vielleicht zu ihrer Ueberraschung den eigenen Stempel an ihnen entdecken. Man hätte die Gefahr beschwören können, wenn man das Anerbieten der Boeren, den Angegriffenen zu Hilfe zu kommen, angenommen hätte. Aber das hat natürlich der britische Dünkel nicht erlaubt. Umgekehrt hat man vielmehr bei den Boeren den Argwohn wachgerufen, als sei der Aufstand nur künstlich hervorgerufen, um einen Vorwand zu haben, unter dem man englische Truppen nach Afrika schicken und die Republik selbst bedrohen kann.
Jedenfalls also stehen wir nicht am Ende, sondern erst int Anfang der südafrikanischen Verwickelungen. Ist auch Deutschland nicht selbst in direkter Weise an den Vorgängen betheiligt, so gebietet ihm doch sein Verhalten in der letzten Zeit ebenso wie seine Interessen, im Lande nicht die Vermuthung aufkommen zu lassest, als stände es den Dingen gleichgiltig gegenüber. Die Sympathien unseres Volkes für die Boeren sind groß und sie sind natürlich. Sie legen auch der Regierung die Verpflichtung auf, ihren bisherigen Standpuntt zu wahren und in London die lieber« zeugung zu festigen, daß wir eine Vergewaltig ung unserer Stammesbrüder unter gar feinen Umständen dulden würden.
Demi cbeS Reich.
* Berti«, 30. April. (Tagesbericht.) Se. Majestät der Kaiser fuhr heute früh von der Wildparkstatton bis zum Bahnhofe Groß - Görschensttaße, stieg hier zu Pferde und ritt nach dem Tempelhofer Felde, um daselbst der Besichtigung des dritten Garde- Regiments z. F. beizuwohnen. Hierauf nahm er das Frühstück im Kreise des Offizierkorps des genannten
Regiments ein und kehrte kurz nach 2 Uhr nach dem Neuen Palais zurück. Zur gestrigen Frühstückstafel bei dem Kaiser und der Kaiserin war auch der hier eingetroffene Earl of Lonsdale mit einer Einladung beehrt worden. Heute Abend fand int Neuen Palais aus Anlaß der Anwesenheit des Fürsten Ferdinand von Bulgarien eine Tafel zu etwa 100 Gedecken statt, zu welcher sämmtliche Minister und die Generalität geladen waren. — Der General-Feldmarschall Graf Blumenthal hat Montag Berlin verlassen und sich zu längerem Aufenthalte nach Italien begeben. Der Marschall wird zunächst in Lugano Aufenthalt nehmen.
* (Fürst Ferdinand von Bulgarien) traf heute Nachmittag auf dem Centtalbahnhofe Friedrichstraße um 4 Uhr 45 Minuten ein und nahm im Königlichen Schlosse Wohnung. Abends um 7 Uhr 5 Min. begab sich der Fürst vom Potsdamer Bahnhofe aus zu dem oben genannten Diner. Morgen Vormittag wohnt der Fürst der Eröffnung der Gewerbeausstellung bei. Am Sonnabend, 2. Mai, Abends, findet zu Ehren des Fürsten in der türkischen Botschaft ein größeres Diner statt. — Die „Nordd. Allg. Ztg." widmet dem Fürsten an hervorragender Stelle folgende Begrüßungsworte: „Fürst Ferdinand von Bulgarien trifft heute zum Besuche des Kaisers nach dem Besuche des Sultans, des Kaisers von Rußland und des Präsidenten von Frantteich hier ein. Die ursprüngliche Absicht, den Kaiser auf der Reise von Petersburg nach Paris zu besuchen, ist wegen der Abwesenheit des Kaisers unausführbar gewesen. Der Fürst, als nunmehr von oen Großmächten anerkannt, wird in Berlin Aufnahme finden, entsprechend seiner persönlichen Stellung und den guten Beziehungen Deutschland? zu Bulgarien. Heute Abend giebt der Kaiser ein Mahl zu Ehren des Fürsten; morgen ist der Fürst zur feierlichen Eröffnung der Gewerbeausstellung eingeladen. Deutschland verfolgt in Bulgarien keine eigenen politischen Interessen. Wir hegen den Wunsch auf Erhaltung guter Verkehrsbeziehungen zum Fürstenthum und einer weiteren stetigen und friedlichen Entwickelung des strebsamen bulgarischen Volkes. Möge es dem Fürsten gelingen, eine weise und glückliche Regierung zu führen." — Auf Befehl des Sultans wird während der Dauer des hiesigen Aufenthalts des Fürsten der türkische Botschaftsrath Morel Bey dem Fürsten attachiri. Auf Befehl des Kaisers war ein Hofzug dem Fürsten bis an die Grenze entgegengesahren.
* (Prof. v. Treitschke f). Der Familie des verstorbenen Prof. v. Treitschke sind vom Kaiser,
der Akademie. Der neue König, der Soldatenkönig, hatte für sie weder Interesse noch Geld und strich alle ihre Ausgaben bis auf 200 Thaler jährlich zu- ammeu. Das kaum entzündete Flämmchen verlosch. Es gab in Wahrheit keine Lehrer und keine Schüler, keine Sitzungen und keinerlei Thätigkest mehr. Die ! hmf! floh verhüllten Angesichts aus der Mark. Aber da war ein Mann, der es sich zur Aufgabe eines Lebens machte, die junge Gründung durch diese chweren Zetten hindurchzuführen. Es war der alle Weydemann. Es hat etwas Rührend-Komisches, zu ehen, wie er allein schrieb, lehrte, Sitzungen hielt Prämien vertheilte, kurz alle Z.ichen eines Lebens erhielt, das doch in Wirklichkeit nicht existirte. Eine schwere Enttäuschung mag es für den treuen Mann
worden wäre. In Berlin jedenfalls erfüllte er die «ui ihn gesetzten Hoffnungen nicht, weil er die Geisler nicht zu lenken verstand und bald erwiesen sich Reformen in der Einrichtung der Akademie nölhig. Aber dieser Störungen ungeachtet siand sie bald in erfreulicher Blüthe Kurfürst Friedrich hatte einen guten und segensreichen Gedanken gehabt, al? er dies Institut gründete, das sich auf einer Medaille stolz „die dritte in Europa, die erste tti Deutschland" nennen durste. Sie genoß bald ein weitreichendes Ansehen, sie besaß Lehrer von Ruf und zog Schüler an, sie hob und beförderte den Kunstgeschmack in Berlin und die nüchterne Borussenstadt war auf gutem Wege, mit Hilfe der neuen Akademie den farbenfrohen Schmuck der Künste zu gewinnen.
Aber auf zwei Jahrzehnte glücklichen Anfangs olgten lange, lange Jahre ttüber Schicksale.
1713 starb der Gründer und warme Gönner
(Nachdruck verboten.) Bon Terwesten zu Anton v. Werner. Zur 200jübrigen Jubelfeier der Akademie der Künste zu Berlin, 2. Mai 1896.
Von Theodor Lamprecht
Entvölkert und verarmt, war Berlin nach dem dreißigjährigen Kriege keine Stätte für die Kunst. Zwar hatte der Große Kurfürst auch für die Künste Interesse, unterstützte gern begabte Landeskinder und kaufte trotz der Knappheit der Kasse ab und zu aus Holland ein Werk. Aber erst seinem Nachfolger Friedrich, der für Schmuck und Repräsentation so viel Sinn hatte, war es vergönnt, der Kunst in der preußischen Hauptstadt ein Heim zu gründen. Die schwersten Jahre waren damals vorüber, man besann sich freier zu regen und mit Hoffnung und Liebe an eine schönheitsvollere Gestaltung des bisher kargen Daseins zu denken.
Ein frischer Schwung, ein großer Zug lag auch in den Entwürfen zu der neuen Akademie, in denen sie als eine hohe Schule der Kunst, als eine Stätte für Männer bezeichnet wurde, die nie müde werden wollten, selbst zu lernen. Neben dem großen Schlüter war es vor Allem Augustin Terwesten, ein holländischer Maler von Talent und Ruf, der bei fcu Vorbereitungen zur Gründung der Anstalt her- bonagenben Fleiß, ja entscheidenden Antheil gekommen hatte und mit Fug durfte sich Terwesten Hoffnung auf den Direktorsposten machen. Diese Hoffnung wurde — wir wissen nicht recht, warum 7- enttäuscht; man zog einen Schweizer Maler, ^osef Werner vor, den erst Dohme jüngst au8 seiner |UWtlt mag to |ur oen treuen mann
Vergessenheit hervorgezogen, um ihn uns als einen! gewesen sein, daß auch der neue König, Friedrich 11. caler von Welttuf vorzustellen, nm den man sich? der Akademie wenig Theilnahme schenkte. Ertränke Rom riß, der in Paris fast peintre du roi ge-1 seinen plumpen Deutschen fein Talent für die Kunst
zu und als das Akademiegebände 1743 abbrannte, liefe er zunächst die Ruinen ruhig stehen und ver- miethete sogar die übrig gebliebenen Räume als .Kaffeeklappe". Erst 1770 konnte die Akademie wieder ihr Heim beziehen. Auch als sie in dem glatten Maler ßefueur einen neuen Direktor bekam, änderten sich die Dinge nicht. Denn der Franzose war passiv und interesselos und die Akademie führte im Innern wie nach Aufeen ein würdeloses Scheinleben.
Aber schon war der Mann zur Stelle, der bescheiden und unermüdlich des alten Weydemann Arbeit aufnehmen und zugleich zum ersten Male der Akademie den Glanz einer wer-hvollen künstlerischen Persönlichkeit schenken sollte: Daniel Chodowiecki. Chodowiecki hatte am eigenen Leibe den Jammer erfahren, ohne ordentlichen Unterricht vorwärts kommen zu sollen, und seitdem er selbst der Akademie augehörie (1764), hat er eine lange Reihe von Jahren beharrlich für die Verbesserung der Anstalt gearbeitet. Er selbst wurde ein eifriger Lehrer und im Vereine mtt den besseren einer Kollegen, mtt Tassaert, Meil n. A., rief er 1777 eine Art Aktklasse in's Leben. Dafe der ttäge Lesueur 1782 starb, wurde von geringer Bedeutung, da sich leider auch sein Nachfolger Bernhard Rode als untauglich erwies. Aber mit bewundersweriher Beharrlichkeit arbeitete Chodowiecki weiter, und endlich gelang es ihm, den Minister von Heinitz zu iufereffiren. Das Jahr 1786 brachte die ersehnte Reform, die Akademie wurde reich ausgestattet, die akademischen Kunstausstellung n in's Leben gerufen, die sich ja ortab dauernd am Leben erhielten, Chodowiecki selbst zum Sekretär und nach Rode's Tode 1797 zum Direktor ernannt. Fortab bedeutete doch die Akademie wieder etwas. Freilich fehlte es ihr an genialen Persönlichkeiten und grofeen Kräften; der große Trieb, mit dem sie vor hundert Jahren begonnen, war jetzt
W einer bescheiden-nüchternen Arbeitsamkeit geworden. Aber es wurde doch wenigstens wieder wirklich gearbeitet und die alljährlichen Kunstausstellungen gaben Zeugniß von dieser Arbeit und intereffirien die preußische Hauptstadt wieder für die bildende Kunst. So schloß die Akademie ihr erstes Jahrhundert ab.*)
DaS neue brachte bald wieder schwere Schläge. Der Feind besetzte Berlin, dann rief das Vaterland alle Kräfte zum Kampfe, auch die Künstlerateliers verödeten, Pinsel und Meißel ruhten. Nach dem Kriege nahm Johann Gottfried Schadow die Leitung der Akademie in die Hand (1816), um sie fortab länger als ein Menschenalter zu führen. Schadow hat als Bttdhauer unsere Bildhauerkunst von der Schablone zur Natur geführt und die glänzendste deutsche Blldhauerschule des 19. Jahrhunderts gegründet. In dieser Hinsicht gab er und gaben feine Schüler Rauch, Tieck usw., der Akademie Ehre und Bedeutung. Aber um so ttister stand's mit der Malerei. Wir stehen vor einer Epoche, in der die Malerei die bedeutsamste Entwickelung durchmachte. Von leerem Idealismus schritt die Malerei zu stimmungsvoller Romanttk, von der Romanttk zu kraftvollem Realismus. Düffeldorf, Paris, München wurden Schauplätze lebhafter Kunstkämpfe. Wie verhielt sich zu all diesen Bewegungen die Berliner Akademie? Sie stand thettnahmslos seitab. Ueberatt draußen Entwickelung und Kampf, in Berlin Stillleben. Karl Wach und Karl Begas waren die leitenden Akademiker, beide voller Anmvth und Feinheit, aber beide auch ohne alle schöpferische Eigenart und beide keine hervorragenden Persönlichkeiten. In
*) Von Chodowiecki'? Thötigkeit für die Akademie giebt W. von Dettingen in feinem ouszezeichnelen neuen Buche über CH. Merlin, G. Grote) eine höchst intereffante Darstellung.