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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhai«.
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Marburg,
Sonnabend, 18 April 1896
AnMgeu nimmt «ug,g« bt« Expedition dieses Blauer, sowie bt« Annonttll-Vnreanr von Haasmstrin n Vogler in SrraffMit o. M., Eaffel, Magdeburg «nd Mm; Siudolf XIII Roffe in Frankfurt M., Bulin, Münchm n. Köln; S. L.
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Der Zusammenstoß zweier deatscher Torpedoboote,
welchem mehrere deutsche Seeleute zum Opfer gefallen find, gicbt im Ausland mehr als bei unS Anlaß zu allerlei Betrachtungen, die nicht gerade fteundlicher Statur sind. Unsere Torpedoflotte gatt bisher als ganz ausgezeichnet einexerziert, als so ausgezeichnet, daß,, als im Jahre 1890 eine deutsche Torpedoflottille unter dem Kommando des Prinzen Heinrich von Preußen nach England kam, die britischen See- leitte nur eine Stimme des Lobes hatten. Seitdem find mehrere Unfälle vorgckommen, deren Urfachen auch nach Kräften klar gelegt wurden; bezüglich des zuletzt stattgehabten Unglücks steht eine genaue Dar- legung von berufener Stelle noch zu erwarten. Aus Allem, was jetzt wie ftüher ermittelt wurde, geht unzweifelhaft aber so viel hervor, daß von einer verminderten Tüchttgkeit unserer Torpedobesatzungen ebenso wenig die Rede sein kann, wie von einer solchen der Torpedoboote und ihrer Maschinen selbst. Die Torpedoboote bleiben ihres ganzen Baues wegen immer eine schwierige Waffe, von der man wirklich sagen kann, daß das Unglück dabei nicht schläft; der Bau kann aber nicht wohl verändert werden, ohne die Schnellig- kett zu beeinttächttgen, oder aber die Boote zu einem guten Zielobjekt für feindliche Geschütze zu machen. Lei uns gilt der Torpedodienst als sehr schwer, aber »ie hat, selbst in krittschen Berhältniffen nicht, die Tüchttgkeit der Besatzung versagt. Der Seedienst erfolgt auf einem Element, das bekanntlich keine Balken hat; mit einem Unglück, das fteilich so sorgfältig wie möglich zu verhüten gesucht wird, wird daher immer zu rechnen sein.
Die deuffche Kriegsflotte hat erst zwei wirklich große Schiffsunfälle im Dienst erlitten, den Untergang des „Großen Kurfürsten" und die Kesselexplosion auf dem Panzer „Brandenburg" während einer Uebungs- sahrt in der Kieler Bucht. Ein drittes schweres Unglück war der Untergang der „Kaiserin Augusta" im Wirbelsturm im Indischen Ozean, gegen dessen Wüthcn alle menschliche Macht ohnmächttg war. Aber auch in den beiden ersten Fällen ist unseren Schiffsoffizieren kein schweres Verschulden nachzuweisen, wie etwa bei dem vor gar nicht langer Zeit in den sizilianischen Gewässern erfolgten Untergange ein s großen engli- schen Panzerschiffes, der nachweislich durch den falschen Befehl des kommandierenden englischen Admirals verursacht wurde. Deßhalb hat von deuffcher Seite Niemand der drttischen Flotte als solcher Vorwürfe gemacht, alle Stunden im Leben sind selbst bei einem ergrauten Marineoffizier nicht gleich. Aber man mag «rch uns mit Krittken verschonen, die gar nicht be- rechttgt sind. In der ftanzösischen Marine sind vier bis fünf Jahre hindurch Jähr für Jahr drei bis vier Torpedoboote gekentert, zusammengerannt oder sonstwie verunglückt, wobei in der Mehrzahl der Fälle die ganze Besatzung in den Wellen verschwand, und doch hat Niemand die Franzosen in Grund und Loben
vemrtheilt. Mehr noch, in Frankreich mußte eine ganze Jahresklasse von Torpedobooten, vierzig an der Zahl, umgebaut werden, weil sie die offene See nicht zu halten vermochte. Mit diesen Fahrzeugen war in der That eine runde Summe von Millionen in's Wasser gefallen.
Unsere Manne und ihre Besatzung ist zuverlässig soweit, als Menschenwerk und Menschen überhaupt zuverlässig sein können. Sie hat noch keine Gelegenheit im großen Stil gehabt, sich im Ernstfälle zu bewähren, fern von uns sei cs auch, eine solche Gelegenheit herbeizuwünschen, aber darauf können wir uns verlassen, daß sie im Ernstfall auch ihre Wirksamkeit nicht versagen wird. Darnach sind die Fahrzeuge ausgerüstet, darnach ist die Mannschaft ein- exerziert. Wenn man im Auslände eine jede Gelegenheit ausnützt, uns die Freude an unserer Manne zu verderben, so vermögen wir das nicht zu ver- hindern, brauchen uns daran aber auch nicht zu kehren. Die Unglücksliste ist in ftemden Kriegsflotten sehr viel größer, als bei uns, und Niemand läßt sich dadurch das Verttauen auf die Kriegstüchtigkeit seiner Flotte rauben. Daß Deuffchland eine Verstärkung seiner schnellsegelnden Schiffe vornehmen will, wird auch verschiedentlich nicht gern gesehen, sollte uns aber in keiner Weise beeinflussen. Wir haben uns nur nach unseren Bedürfnissen zu richten, aber nicht nach ftemden Worten.
Deutsches Reich.
* Berti«, 16.April. (Tagesbericht.) Ueber die Ankunft des Kaisers in Karlsruhe wird gemeldet: Der Kaiser ist heute Vormittag gleich nach 11 Uhr mittels Sonderzuges von Wien kommend hier ««getroffen. Da sich Sc. Majestät jeden Offiziellen Empfang verbeten hatte, waren am Bahn- Hofe nur der Großherzog, der Erbgroßherzog, die Prinzen Wilhelm und Karl, sowie der preußische Gesandte v. Eisendecher und Vertreter der Oberhof- und Hofchargen anwesend. Nach überaus herzlicher Begrüßung fuhren der Kaiser, der Großherzog und der Erbgroßherzog im offenen Wagen durch die festlich geschmückten Sttaßcn der Stadt unter den brausenden Hurrahrufen der zahlreich versammelten Bevölkerung nach dem Restdenzschloß. Nachmittag begab sich der Monarch mit dem Erbgroßherzog nach Kaltenbronn zur Aunhahnjagd. — Das 25jährige Jubiläum der deutschen Verfassung darf am heuttgen Tage gefeiert werden. Das Grundgesetz des Reiches trägt das Datum des 16. Apttl 1871. — Das Reichsgericht hat nunmehr beschlossen, gegen den Mühlenbesitzer und Ingenieur Eneillon aus Urgeville Anklage wegen LandeSverraths zu erheben. Ein Termin zur Verhandlung wurde noch nicht festgesetzt. — Aus Paris werden die Gerüchte von einer soeben wieder eingettetenen schweren Erkrankung des russischen Thronfolgers für unbegründet erklärt. _■
* (Zum Duell Kotze-Schrader) theilt der „Reichs anzeig er" jetzt mit, daß die Genehmigung zu der in der Garnisonkirche zu Potsdam beabsichttgten Trauerfeier für Herrn v. Schrader nicht Seitens des Kaisers, sondern vom Kommandanten von Potsdam selbstständig nach Lage der bestehenden Bestimmungen versagt worden ist. — Tie Nachricht, Herr v. Kotze sei nach dem Süden abgereift, ist erfunden. — Zu dem Kapitel „Duellunfug" schreibt das „B. T.": In Bezug auf das parlamentarische Vorgehen gegen den überhandnehmenden Duellunfug schweben im Augenblick Erör- terungen unter den Parteien des Reichstags. ES steht noch nicht fest, ob man die Form einer Interpellation oder einer Resolution wählen wird. Jedenfalls überwiegt die Absicht, daß der über den Fall Kotze tief erregten öffentlichen Meinung Genüge zu thun und die Regierung mit Nachdruck aufzuforden ist, daß sie mit allen zulässig-n gesetzlichen und disziplinarischen Mitteln dem Duellunwesen entgegentritt.
* (Bürgerliches Gesetzbuch.) Die Aussichten des bürgerlichen Gesetzbuches lassen sich jetzt, sagt die „Post", dahin übersehen, daß, wenn nicht außergewöhnliche Umstände eintteten, die zweite Lesung bis Pfingsten in der Kommission erledigt werden wird. Für die Berathung im Plenum noch in dieser Session dürfte bei allen Parteien eine loyale Geneigtheit sein, die Diskussion auf das Nothwendigste zu beschränken. Eine Ausnahme machen nur die Sozialdemokraten, welche mit allen Anttägen im Hause wiederkommen wollen. Damit ist die Verabschiedung des Entwurfs in dieser Session ein- fach unmöglich gemacht.
* (Kolonialgesellschaft.) Zu der Spaltung in der Berliner Ortsgruppe des Deuffchen Kolonial- Vereins (vergl. Telegramm in gestriger Nummer. D. Red.), sodaß also in Berlin jetzt zwei getrennte Ortsgruppen desselben Vereins nebeneinander bestehen, schreibt die „Post": Es ist klar, daß die Spaltung der hier vorhandenen, für Kolonialpolitik sich inter- efftrenben Kräfte in zwei in einem gewissen Gegensatz stehende Gruppen den kolonialen Interessen nicht enffpricht und daher mit den Zielen des Kolonialvereins in einem gewissen Widerspruch steht. ES unterliegt auch wohl keinem Zweifel, daß die Gegner einer kräftigen Kolonialpolitik aus solchen inneren Wirren Honig saugen werden. Auch wäre es zweifellos richttger gewesen, einen solchen Schritt zu unterlassen, bis die Untersuchung gegen Dr. Peters abgeschlossen ist, weil jetzt ohne Zweifel von fteistnniger und sozialdemoftattscher Sette der Schluß gezogen wird, daß die Sezession die Ver- urtheilung des Dr. Peters in sich schließe, welchem Verdacht sich auSzusetzen, doch den Wünschen ehrenhafter Männer nicht entsprechen kann.
Parlamentarisches.
Deutscher Bundesrath.
♦* «rlin, P. April. Ter BunbeSratb hat in fein« mutigen Sitzung den Entwurf von Voischristen über die Einrichtung uub den Betrieb der Buchdruckei eien und Schrift- »ießereien beut Ausschuß für Handel und Verkehr und die vom Reichstag bei der Berathung des Reich«HaushaltSrtatS für 1896/97 gefaßten Resolutionen theil« dem Reichskanzl«, thrtt» den zuständigen Ausschüssen überwiesen.
Deutscher Reichstag.
* Berlin, 16. April. (69. Sitzung.) Der Reichst«, , ute, in der ersten Sitzung nach den Osterferien, recht Banke. Zuerst machte der Präsident von rin« reichlichen Zahl »en Urlaubsgesuchen Miltheilung. Darauf trat das Haus in die zweite Lesung des Gesetzentwurfes bett, den unlauteren Wettbewerb ein. Abs. 1 richtet ftd; gegen unrichtige Angaben in öffentlichen Bekanntmachungen A #,n fürtintn größeren Personenkieis berechneten Mittheilunaen und flieht den interefjtrten konknrrtrenden Gewerbetreibenden das Recht, gegen den Betreffenden ans Ullterlaffung der unrichtigen Angaben zu klagen, soweit die- beheffen geschäftliche Verhältnisse, insbesondere dir Beschaffenheit, Herstellung »der Prei»bemessung der Maaren, Bezugsquelle, Anlaß und Zweck des Verkaufs. Abg. Lenz- m a-2ri,yIctf-Llinb Singer (Soz.) wollten die Worte „geschäftliche Verhältnisse", weil zu allgemein gehalten, gestrichen sehen, während Abg. Bassermann (natl.) daran &*t, ebenso Abg. Roeren (Ctr.). Staat«sekretär D; Bot t i ch e r versprach sich von diesen von der Kommission eingeschalteten Worten keine Wirkung. Abgg v. Langen kons) und Viel Haden (Antisemit) waren für die Ein- schaltung. Ueber Abs. 2 entstand keine Debatte. Abs 3 macht für unrichtige Angaben in Zeitungs-Inseraten auch bie für den Inhalt der Zeitung verantwortlichen Personen haftbar, „wenn der Redakteur die Unrichtigkeit der Angaben kannte, oder nicht einen Berfaffer oder Einsender nachweist, der in Deutschland gerichtlich zu soffen ist". Ang. Roeren (Centr) wollte die Worte streichen „ober nicht einen Ver-
2C„ bis zum Schluß. Damit sollte also die Haftpflicht nicht allein auf den Redakteur, sondern gegebenenfalls auf Verleger oder Drucker angewenbet werden. — Abg Basser- mann (natlib.) wünschte daß die Haftpflicht der Preffe, namentlich für die Fälle des unlauteren Wettbewerbes, durch anonyme Inserate festgelegt werde. Staatrsekretär von Bötticher trat für einen Antrag Bassermann ein, der 0,.®,ne 'ingednrgerte Bezeichnungen als erlaubt gelten laffen will, wenn auch die Angabe der Herkunft rc nicht zutreffend ist. - Ber der Abstimmung wurde der Absatz 1 des 8 1 mit der tn Bestimmung entsprechend dem Anttage der Kom- mtsston angenommen. Ferner wurde der Absatz 2 und ubfafe 3 mit der Aenderung des Antrages Roeren und Absatz 4 und 5, letzterer handelt von den OuanlitätS- Verschleierungen, mtt dem Zusatz Baffermann und endlich der gesummte Paragraph angenommen. - Ohne Diskussion wurden erledigt 2, 3, 4. Zum z 5, der im KommissionS- Beschluß dem Bundesrath das Recht giebt, für bestimmte t»aaJen rin Einheitsinaß zu verfügen, sprach UnterstaatS-
~ *?.?• Singer (Soz.) sprach gegen Ernhertsbestimmungen für Flaschenbier, die durch Ver- thenerung der Flaschen eine Vertheuerung des Bieres herbri- muffe. - Nach einer befürwortenden Erklärung de« Berichterstatters, Abg. Meyer-Halle, wurde der Paragraph uugenornmen. Die Vorlage wird bie § 5 erledigt - Um 5 . Uhr vertagte sich das Haus auf Freitag Mtttag 1 Uhr ?ur Fortsetzung b« heutigen Berathung.
®en Erlaß de, Bunde,raths über bie Arbeitszeit in Backereien wollen die Konservativen im Reichstage in Farrn einer Interpellation zur Sprache bringen.
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z (Nachdruck verboten.)
Aus niedrem Stand.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzung)
Warum hatte man sie nicht ziehen laffen mit chrem Vater, ober begraben mtt ihrem tobten Mütterlein in btt kühlen Erbe. Elli schien sich nur in ewigem Leibe in bet Welt unb öfter wie einmal kamen ihr bie Worte über bie Lippen: „O, wäre ich ^>ch tobt, lieber Gott, laß mich sterben, benn ©eiter» kben jetzt, auf’8 Nene mit biefer Qual, das kann sich nicht, ba8 nicht, es ist zu viel!"----
Unterdessen hatte sich unten im Wohnzimmer bei Gutshauses eine bewegte Scene abgespielt. Frennb Förster war zu ganz ungewöhnlicher Zett unb mit allen Zeichen einer heftigen Erregung bei demWolf- harbt'schen Ehepaare eingetreten „Ich muß mit Dtt sprechen, Fritz," begann er ohne jegliche Einleitung, ien Schweiß von ber Stirne trocknend unb als Frau Friba Miene machte, bas Zimmer zu verlaffeu, bat «r herzlich: „Bitte, bitte, bleiben Sie, vor Ihnen habe ich keine Gehettnniffe " Gehorsam setzte sie sich lieber auf ihren Platz am Fenster; Förster Zauberte aufgeregt in dem ziemlich große» Raum »»her, wie es seine Gcwohnhett in Fälle» besonberer •Regung war.
„®ä geht so nicht länger, Fritz," begann er nach kurzer Pause, „ich muß enblich Gewißhett haben unb vor Allem Dich um Deine Meinung befragen."
Gespannt betrachtete Wolfharbt ben Freund, so. hatte er ihn noch nie gesehen.
„Es wirb Dich zwar überraschen unb Dir wunberlich erscheinen, ober ich bitte Dich, Fritz, thue mir bett einzigen Gefallen unb sprich mtt Elli, siehst Du, Du kannst ihr bas Alles viel befler sagen, was ich ihr sagen möchte. Ich liebe nämlich Eure Elli so unaussprechlich, sie hat mft's angeihan, ich kann nicht anberi — unb ich möchte sie gern zu meiner Frau machen, wenn sie bas nur will. Sage ihr, ich »erbt sie auf ben Händen tragen, ich will ihr jeden Wunsch von den Augen ablefen, fagq ihr, daß ich vorläufig nichts von ihr verlange, als die Hoffnung, daß sie mich später ein klein wenig gern haben wirb, sage ihr, baß ich nichts in ber Welt so lieb habe als sie, lange, lange schon unb bann sage ihr noch, meine Mutter würbe mtt Freuben bie Tochter willkommen heißen und wenn —"
„Nun, nun," wehrte lachenb ber Hausherr bem ungestüm hervorbrechenben Redestrom des Freundes, „so viel aus einmal kann ich aber nicht merfen, Du mußt ihr doch auch noch etwas zu sagen haben, ober bringe mir Papier unb Tinte, bann will ich mir's auffchreiben."
Er suchte unter einem Scherze feiner eigenen Bewegung Herr zu werben, bann streckte er Förster herzlich beibe Hände entgegen.
„@o sehr überraschend, als Du denkst, kommt mir die Sache gerade nicht, denn wer Auge« hatte, zu sehen, der mußte wohl bemerken, wie Du das Mädchen mit den Blicken förmlich verschlangst, daß Elli selbst das noch nicht bemerft haben sollte, glaubt ich kaum, denn in diesem Punkte sind uns bekanntlich die Weiber über. Doch Scherz bei Sette, ich kann Dtt versichern, Ernst, baß ich Keinem, wer er auch immer sei, unsere Elli lieber anvertrauen möchte, als Dir, den ich von frühester Jugend auf kenne und liebe, wie einen leiblichen Bruder. Was an mir liegt, das soll geschehen, doch will ich daS Mädchen nicht zwingen, — sie ist so ein eigentümlicher Charkter. Ich glaube auch nicht, daß sie irgend einem Zwang gehorchen würde, doch wen» Elli Dich will, so —"
„Das ist'S ja eben, Fritz!" rief Ernst ungeduldig, „vielleicht bin ich ihr zu alt, ober ist mir ein Anderer zuvorgekommen, aber wie gesagt, ich erwarte ja nicht, baß sie mir mit auSgebretteten Armen entgegen fliegen wftd; wenn Elli nur nicht „nein" sagt, so ist'S schon halb gewonnen, benn sicher muß eine so große Liebe, wie bie meinige, Gegenliebe erwecken."
Frau Friba hatte sich mit keinem Wort an bem Gespräch beteiligt, man war baS so gewöhnt von
ihr, boch »errieten bie Züge ber noch immer hübschen Frau rege Theilnahme.
Etwa» ruhiger geworben, wanbte sich Först« ihr zu mit b« Frage: „Was meinen sie benn zu unfern Plänen, verehrte Frau?
•’ Ein Lächeln huschte über das angenehme Gesicht. „Ich werde ebenfalls mein Möglichstes thun, das Mädchen für Sie zu gewinnen, man könnte Elli dann >och in der Nähe behalten; ich fürchtete längst, auch sie noch verlieren zu rnüffen und bann sind wir Beibe wieb« ganz allein. ES ist ja so natürlich, baß Elli einmal Heiratheu wftb, es wäre wirklich baS Vernünftigste, wenn das Rink in eine Ehe mtt Ihnen einwilligen möchre." —
Ein erleichternd« Athem hob die Brust des Manne», als er sah, baß man ihm von biefer Sette wenigstens bereitwillig entgegenkam. Fast hatte er >as Gegenteil befürchtet, benn wenn er sich auch agte, daß Wolfharbt ihn sehr lieb hatte, so konnten och »och ttubere Bedenken austauchen. Ab« kein Dort war laut geworden und wenn Elli einwilligte, >ie Seine zu w«den, bann erfüllte sich bie schönste Hoffnung seines Lebens. "MK.1
(Forffetzung folgt.)