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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.

* Äte6m* Jllustrirtes Sonntagsblatt.

SprrlMwdm bcr fltboftwn: 1011 Uhr Bormittag6"16'

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täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal XbonurmentS-Preir bei der Expe­dition 2 ML. bei allen Postämtern 2 Rk. 25 Pfg. (exkl. veftellgeld). Inirrtiourgebübr für di» gespalten« Zeil» bei deren Raum 10 $fg. «rfianiw für di» Zeile 25 Pfg

Marburg,

Donnerstaq, 16 April 1896

Kngrigcn nimmt entgegen di» Expedition dieses Blattes, sowie di» Annonttn-Bureaux von Haas«nst»in u Vogler in Frankfurt a. M., Eassel, Magdeburg und Men; Rudolf Moff« in Frankfurt a. M., Berlin, München n. Köln; L. 2. Da«b« u. Ko. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover Paris

XXXI. Jahrg.

Landwirlhschaftliche Nothlage und Sterblichkeit.

* G. von Mayr hat festgestellt, daß die Sterb­lichkeitsziffer für das Jahr 1894 günstiger gewesen ist, als jemals zuvor, und daraus den Schluß ge­zogen,daß man es nicht mit einer absoluten, die Existenz breiter Schichten gefährdenden Nothlage, sondern in der Hauptsache mit jener relativen Noth­lage zu thun hat, welche aus der Störung gewohnter und ersehnter, aber über d.n Nothbedarf hinaus­greifender Bedürfnißbeftiedigung entsteht". Diese Bemerkung ist, so führt dieKorresp. d. B. d. L." aus, von freisinnigen Blättern dazu ausgebeutet worden, wieder einmal von der Uebertreibung der landwirth- schastlichen Noth durch die Agrarier zu reden. Nun wäre aber doch eine Steigerung der Sterblichkeits­ziffer in Folge der landwirchschaftlichen Depression nur deßhalb zu erwarten, weil die Landwirthe sich nicht mehr genügend ernähren könnten. Zum Thei! mag das eingetreten sein und zu einer Erhöhung der Sterblichkeitsziffer geführt haben, aber welchen Um­fang müßte diese Erscheinung angenommen haben, bis sie in der Sterblichkeitsziffer der gesummten Be­völkerung zum Ausdruck käme! Wir haben im deutschen Reich 1862 798 selbstständige Landwirthe, mit den Angehörigen macht das eine Bevölkerung von etwas über 11 Millionen aus. Die Sterblich­keitsziffer der ganzen Bevölkerung war 23,5 auf das Tausend, soll diese durch eine größere Sterblichkeit des landwirthschaftlichen Dheiles der Bevölkerung auch nur auf 24,5 steigen, so müßte sie sich tei diesem landwirthschaftlichen TheUe schon auf 28 erhöhen. Etwas Derartiges kann aber natürlich Niemand er­warten. Ehe das direkte Hungern beginnt, weiden die letzten Kapitalreserven aufgebraucht, es werden Schulden gemacht, dann wird in der Wirthschaft ge­spart an Neuanschaffungen von Maschinen, an Repara­turen bei Gebäuden und Inventar usw. usw. Endlich werden die übrigen Bedürfnisse der Lebenshaltung herabgesetzt. Es ist hier ein bemerkenswerther Unter­schied zwischen Stadt und Land. In der Stadt be­folgt man wohl das Wort:Wohne nach deinem Stande, kleide dich über deinen Stand und unter deinem Stande!" Der Umstand, daß in der Stadt jeder Bissen, der gegessen wird, baar Geld ist und daß Jeder dem Anbern auf den Kragen, aber nicht in den Magen sieht, legt die Befolgung jenes Satzes nahe. Auf dem Lande spielt der unmittelbare Mund­bedarf, soweit er der Wirthschaft selbst entnommen

wird, in dem Gesammtetat keine Rolle und der Bauer, der heute gezwungen ist, sich und seiner Familie die Brodratton herabzusetzen, kann sich in ein paar Tagen sicher auf den Gerichtsvollzieher gefaßt machen. Eine Erhöhung der Sterblichkeitsziffer wird man in Folge einer wirthschaftlichen Nothlage nur erwarten können, wenn sie diejenigen Kreise erfaßt hat, deren Lebens­haltung fast auf die absoluten Bedürfnisse beschränkt ist. Es ist daher wohl möglich, daß auch die land- wirthschaftliche Noth zu dieser Folge führt, wenn nämlich die Landwirthe nothgedrungen ihren Mangel auf ihre Arbeiter abzuwälzen anfangen. Es ist all­gemein anerkannt, daß dies bisher nicht geschehen ist, aber eb nso anerkannt, daß es geschehen muß, wenn keine Besserung der Verhältnisse eintritt. Falsch aber wäre es, aus der Thatsache, daß die augenblickliche Nothla. e, die in der Lebenshaltung am tiefsten stehenden Kreise der Bevölkerung unmittelbar noch nicht ergriffen hat, einen Trost entnehmen zu wollen. Es ist in dem Organismus der Gesellschaft nicht anders, wie in dem des menschlichen Körpers: Je höher die von der Krankheit ergriffenen Theile stehen, desto gefährlicher ist das Leihen für den ganzen Körper. Arm und Bein können zur Noth amputtrt werden, ohne Lunge und Herz aber kann Niemand leben.

Deutsches Reich.

* Berlin, 14. April. (Tagesbericht.) Aus Wien wird telegraphirt: Kaiser Wilhelm und Kaiserin Auguste Viktoria mit den beiden Kaiserlichen Prinzen sind 10* 4 Uhr Vormittag? auf dem festlich geschmückten Südbahnhofe eingetroffen, wo sie von Kaiser Franz Joseph und seiner Nichte, der Erzherzogin Maria Josepha, letztere in Vertretung der auf Korfu weilenden Kaiserin Elisabeth, und den in Wien anwesenden Erzherzogen empfangen wurden. Die Begrüßung trug den Charakter größter Herzlich­keit. Die Fahrt zur Hofburg erfolgte in offenen Wagen ä la Daumont durch die Geugasse über den Schwarzenbergplatz und die Ringstraße zum äußeren Burgthor, welches die Standarten beider Kaiser trug. Eine ungeheure Menschenmenge füllte die Straßen und brach beim Anblick der Kaiserlichen Gäste in stürmische Hochrufe aus. In der Hofburg wurde das deutsche Kaiserpaar am Fuße der Stiege durch den stellvertretenden Obersthofmeister Fürsten zu Liechtenstein und den Oberceremonienmeister Grafen Hunyady empfangen. Im Pietradura-Zimmer erwarteten die obersten Hofchargen, die Leibgardekapitäne, der General­lieutenant Frhr. v. Bezecny, der Oberfthofmeister der

Kaiserin Graf Bellegarde, die Obersthofmeisterin der Kaiserin Gräfin Goöß, die Reichsminister, die Minister­präsidenten Grafen Badeni und Banffy, die in Wien anwesenden österreichischen Minister und Generaladjutant Feldmarschall-Lieutenant von Bolftas die erlauchten Gäste. Das Kaiserpaar bewohnt die großen Fremden­appartements, die Prinzen die Radetzkyappartements. Der den deutschen Majestäten zugetheilte Ehrendienst war denselben Morgens bis Baden «ntgegengefahren. Nachmittags empfing Kaiser Wilhelm den in Wien anwesenden deutschen Reichskanzler, den Minister des Auswärtigen, Ministerpräsidenten Grafen Badeni und stattete den Erzherzogen Besuche ab. Auch die Kaiserin unternahm eine Ausfahrt. Nach­mittags 5 Uhr war großes Galadiner, der öster­reichische Kaiser führte die deuffche Kaiserin, Kaiser Wilhelm die Erzherzogin Maria Josepha zur Tafel. Nach derselben unterhielten sich die Majestäten mit zahlreichen geladenen Gästen. Nach der Tafel wurde die Hof-Oper besucht, in welcher den hohen Herr­schaften enthusiastische Ovafionen dargebracht wurden. Wien war in den Hauptstraßen am Abend festlich beleuchtet. Um 10 Uhr Abends reist die Kaiserin mit ihren beiden ältesten Söhnen nach Berlin ab, wo morgen Mittwoch die Ankunft erfolgt. Der Kaiser wohnt morgen der großen Wiener Frühjahrs- Parade bei und reist am Abend zur Auerhahnjagd nach Baden. Die Herzlichkeit der Gesinnung, welcher aus dem Willkomm der Wiener Bevölkerung sprach, giebt sich auch in allen Zeitungen wieder, die zugleich den Dreibund als Friedenshort feiern. Nach einer offiziellen Meldung aus D a r m st a d t reisen der Großherzog und die Großherzogin von Hessen am 16. Mat über Berlin nach Moskau zur Kaiscrkiönung. Der Verein zum Schutz desDeutschthums in den O st marken verlegt seinen Sitz von Posen nach Berlin. Wie verlautet, wird der Papst in diesem Jahre der Fürstin von Bulgarien die goldene Tugendrose verleihen.

* (Moltke's militärische Korrespondenz.) Dem Bande der Moltke'schen militärischen Korrespondenz, der das Jahr 1866 umfaßt, ist rasch ein weiterer gefolgt:Aus den Denkschriften des Krieges 1870, 71; erste Abheilung: Der Krieg bis zur Schlacht bei Sedan". Naturgemäß können die auf diesen Krieg selbst bezüglichen Schriftstücke nur wenig Neues bringen. , Für weitere Kreise intereffanter sind eine Anzahl in diesem Bande vorliegender Moltke'scher Entwürfe aus der Zeit vor 1870. Bis in das Jahr 1857 gehen seine Denkschriften über die Aufftellung

der preußischen resp. deuffchen Streitkräfte für den Fall eines französischen Angriffs zurück; alle tragen sie den gleichen Stempel des Patrioten, der immer an das ganze Deuffchland denkt, und des kühnen Strategen, der allezeit den Zweck im Auge hat und ihm alle untergeordneten Erwägungen opfert.

* (Duell v. Kotze-Schrader.) Der tobte Frhr. v. Schrader soll keine Ruhe finden. Wie ein Abendblatt meldet, hat der Geistliche an St. Georg in Ratzeburg, wo die Schrader'sche Familie eta Erbbegräbniß besitzt, seine The lnahme an einem kiichlichen Begräbniß versagt. Die Leiche Schrader's ist heute in der Leichenhalle de» alten Kirchhofs in Potsdam aufgebahrt. Die Er- laubniß, die Leichenfeier in der Garnisonkirche zu Potsdam abzuhatten, ist, wie bereits mitgetheilt, vom Kaiser verweigert. Betreffs der Friedensküche war dagegen die Ablehnung von der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen worden in einer Sitzung, welcher auch der PatronatSverweser Oderhofmeister v. Mirbach beiwohnte. Wie der Reichsbote" erzählt, hatte noch am Charfreitag Hofprediger Rogge in der Garnisonkirche zu Pots­dam das Duellunwesen, über welches in der Be­völkerung Potsdams steigende Erregung herrsche, icharf gegeißelt. In ihrem Beileidstelegramm hat die Kaiserin Friedrich gleichzeilir ihrem Unwillen über das Duell Ausdruck gegeben. Der Ceremonienmeister von Kotze hat mit seiner Familie Berlin verlassen, um eine Reise nach dem Süden zu unternehmen Ucber das Endziel und die Dauer der Reise wird zunächst Stillschweigen be­wahrt.

* (Parlamentarisches.) Für die Reichs­tagsersatzwahl in Ruppin-Templin wollen die Konservativen und der Bund der Landwirthe einen gemeinsamen Kandidaten in der Person des Landtags­abgeordneten, Rittergutsbesitzers Lamprecht auf Klein- Mutz aufstellen. DieStaatsb.-Ztg." ist entlüftet darüber, daß der Bund der Landwirthe für den kon­servativen Kandidaten anstatt für den anttsemittschen eintritt

* (Ein sozialdemokratisches Argument.) DerVorwärts" schreibt in Nr. 86:Für die im Zuchthaus schmachtenden Opfer des Essener Meineids­prozesses hat man. selbst in dem durch zwei Ozeane von uns geschiedenen Austtalien gesammelt. Aus Melbourne ist dem Kassirer des Unterstützungsfonds für die Verurtheilten, Wunderlich in Bochum, ein Beittag von 12 Pfd. Sterl. 240 Mk. zugesandt

(Nachdruck verboten.)

Aus niedrem Grand.

Original-Roman von Irin» v. Hxllmuth.

(Fortsetzung.)

Grete hätte wohl manchmal gern die Beiden allein gelaffen, aber der Vater ließ es niemals dazu kommen und wußte es stets einzurichten, daß es nicht geschah. Er war stets zugegen, und wenn man es am wenigsten vermnthete, trat er herzu. Er wünschte dieschwarze Zigeunerin" im Sttllen dahin, wo der Pfeffer wächst, und suchte Robert auf alle mögliche Weise von ihr zu entfernen, sei es durch Geschäfte, mit denen er den jungen Man» beauf- ttagte, sei eS durch Briefschreiben oder dergleichen.

Vergebliches Beginnen, die jungen Herzen hatten fich doch gefunden, ttotz aller weisen Vorsicht des eiten Barons, der dies unter allen Umständen ver­meiden wollte. Zwar hatten sie sich ihre Liebe noch nicht mit Worten gestanden, weil ihnen die Gelegen- hett dazu fehlte, aber die Sprache, die sie redeten, verstanden die Beiden gut. Ein heißer Blick, ein inniger Händedruck verräth ost mehr als Worte.

Ein nie gekanntes Sehnen schwellte des jungen Mädchens Brust, sie fühlte fich tat innersten Herzen zu dem schönen, eleganten Manne hingezogen, er war ihr Ideal, sie fühlte sich glücklich, wie nie zu­vor. Das Alles war so plötzlich gekommen, wie eS ft über Nacht Frühling wttd.

Ob Robert mich liebt?" fragte sich Elli hundert Mal. Wie anders sollte man auch die glühenden Blicke deuten, die er in unbewachten Momenten ihr itttoarf, dies Aufflammen der Augen, wenn fie kam, die stumme Bitte darin, wenn fie ging. Das sollte doch offenbar nichts Anderes heißen, al»:Komme

bald wieder, Du bist mir unentbehrlich, ich kann nicht leben ohne Dich!"

Aber wie viel süßer mußte es sein, wenn er ihr etae8 Tages das Alles selbst sagte, und noch viel mehr, was fie jetzt nur ahnte.

Und er kam, dieser Tag.

Ein herrlicher Sommerabend war's, die Nachttgall schlug, fie schien zu singen von LiebeSlust und Liebes­leid, von süßem, berauschendem Glück. Den Duft der Reseden ttug der Abendwind in die Fliederlaube, »o die beiden Glücklichen saßen. Grete hatte sich davongeschlichen, wohl in der richtigen Erkenntniß, daß man ihrer hier nicht bedurfte.

Der Baron war auf einige Tage verreist, die Baronin hatte Besuch und befand fich tat Schlosse.

»Endlich, endlich allein," flüsterte Robert erregt beut bcbenben Mädchen zu.Wie lange schon sehne ich mich darnach, Dir sagen zu dürfen, daß ich Dich lieb habe, unaussprechlich, grenzenlos." Dabei zog er die leise Widerstrebende an seine Brnst und be­deckte den Mund mit heißen Küssen.Sag' Elli, geliebtes Mädchen, hast Du mich ein wenig lieb?" fragte er leidenschaftlich, ihr tief in die schönen Augen schauend.

Sie nickte leffe, ein Beben ging durch die schlanken Glieder, aber kein Wort wollte ihr über die Lippen, ihr Kops sank an seine Schulter, ihr war so unbeschreiblich selig zu Muthe.

Sprich doch nur ein Wort, Elli; Du mußt e8 doch schon lange wiffen, was i ch für Dich empfinde!"

Ach Robert, so bist Du wirklich mein? Wirklich?"

Ganz Dein, Du süßes, kleines Mädchen!"

Sie hatten fich so viel zu sagen, doch die wieder- einttetende Schwester störte das Liebesgeflüster der Beide«.

Ein Glück war es, daß eS bereits dunkel war in der Laube, sonst wäre der Grete die sonderbare Erregung des Brubers nicht entgangen.

Elli trat bald darauf den Heimweg an, begleitet von den Geschwistern. An Schlaf war diese Nacht freilich nicht zu denken. Lange noch saß das glück­liche Mädchen am Fenster, sinnend und ttäumend, und starrte auf die mondbeschienene Landschaft hinaus, und dachte an ihn, dem ihre heiße Liebe schon lange gehörte, lange schon. Noch einmal zog die Erinnerung an die letztvergangene Stunde an ihrem Geist vor­über, o, wie war die Welt doch so schön, wie sie es nie geträumt.

Nun folgte eine Zett süßen, unbeschreiblichen Glückes für Elli. Zwar wußte und ahnte Niemand ihr Seheimniß, Robert hatte die Geliebte gebeten, vorläufig gegen Jeben zu schweigen, selbst die Pflege- eltern dursten nichts erfahren.

Das junge Mädchen fragte nicht warum und fügte fich unbedenklich seinem Wunsche. Was lag auch daran, ob die Menschen wußten, daß fie glücklich war, genug, da fie selbst e» wußte und fühlte. Die Wett, Vergangenheit und Zukunft war versunken, nur der beglückenden Gegenwart gehörten alle ihre Gedanken und Wünsche. Im rosigen Lichte erschien ihr Alles, wie ein süßer Traum war das Leben. Sie sah sich an der Seite ihres geliebten Mannes in dem herrlichen Schloß schatten und Watten, konnte es etwas Schöneres geben?

Daß der ganze Reichenbach'sche Besitz mit Schulden überlastet war, wußte Elli nicht, ebensowenig, daß der alle Baron fast täglich seinen Sohn bestürmte, doch bald eine reiche Frau in's Hau» zu bringen, damit man der immer drückender werdenden Schuldenlast fich endlich entledigen könnte.

(K>rtsetz«ug folgt.)

(Nachdruck verboten.)

Die Katze des Bankiers

Rovellette nach dem Englischen von R. Mell.

(Schluß.)

Langsam vergingen die neun Monate. Inzwischen erhielt ich mehrere ermunternde Briefe von meinem Bruder. ES gehe ihm gut, er legte Geld beiseite und war sicher, mir das Geld zur richttgen Zell senden zu können. Der Wucherer seinerseüS kam mehrere Male auf die Bank, um nachzusehen, ob ich noch da sei, und mich zu v rsichern, wenn das Geld nicht am Verfallstage bezahlt würde, so werde er meinen Ehef von der ganzen Geschichte in Kenntniß setzen.

Wie der Zahlungstermin näher und näher rückte, wuchs meine Angst immer mehr. In ben letzten Wochen erwachte ich jeben Morgen in her Erwartung eines Briefes von meinem Bruber. Aber es kam nichts. Der Verfalltag kam aber kein Brief von meinem Bruber.

An biefem Tage ging ich wie gewöhnlich in'S Comptoir. Nachmittags würbe ich mit 4000 Mark in bie Ehttyfiliale zu Sillery geschickt. Wie ich hin­kam, saß er in seinem Privatcomptoir. Er sah aus, als ob er getrunken hätte, unb war fich nur halb bewußt, was er that. Er empfing mich mit einer Fluth von Schimpfreden, nahm mir das Geld ab und befahl mtt, ba ich so spät gekommen sei, noch nach ben Anbern im Comptoir zu bleiben und da zu warten, bis er zurückkomme. Eine kleine Weile später wurde die Bank geschloffen, und nun saß ich da und wartete auf Sillery's Rückkehr.

Wie lange ich da saß, weiß ich nicht. ES tourbe aber sehr spät, bis Sillery kam. Er war «och voller, wie vorher, und in noch brutalerer Laune. Er ging