s
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «ad Kirchhai«.
^Srt4Uioa8itiD^D*yo^lmertt"*ibrU1Inti3fiarbnre' Jllustrirtes Sonatagsblatt. L«ian^oEchn^RcdaItm^^F^n, Io^-ls°Ubr'BormtltaA»"^"^'
Jts. 79
Marburg,
Tonnerstag, 2 April 1896.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- and Feiertagen. - Quartal-AbcnnementS-PrriS bei der Expedition 2 Ml., bei allen Postämter» 2 Mk. 26 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsrrtionSgebühr für di» gespaltene Zeil» »der btren Raum 10 Pfg. Reklamen für di« Zeil« 26 Ma.
Anzeigen nimmt «uytytn oi« «sxpeoitwn vieles Blattes.
sowie di« Snuoncen-Bureaux von tzaasenftetn u Vogler in
Frankfurt a. M., Eastel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXII H-avra Masse in Frankfurt a. M., Berlin, Machen u Köln; C. L. x) V »
Daube u. Eo. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover Paris
Abonnements-Erneuerung.
Wo im Ester des häuslichen und geschäftlichen Lebens »od Treibens wenige Tage vor dem Osterfest die prompte Abonnements-Erneuerung unseres Blattes bei der Post übersehen sein sollte, da bitten wir die Versäumniß schleunigst »achholen zu wollen. Wenn man eS ja oft sagen hört, »nach Ostern gehe eS auf den Sommer ju und da passire nichts mehr in der Welt', so ist das doch, für dies Jahr Vrxz stcher, ein gründlicher Jrrthum. Wir haben im Reicht- tagt, unmittelbar nach dem Feste beginnend, eine Reihe von ganz außerordentlich wichtigen bürgerlichen Gesetzen, die tief ia das gewerbliche und wirthfchafiliche Leben des Einzelnen ringreifen und die ganz bedeutsame Neuerungen bringen. Wir Heven nur die wichtigsten dieser Gesetzentwürfe he vor: Dar Gesetz über die unlautere Koukuirenz, daS neue Margarinegesetz, die neuen, sehr schwerwiegenden Bestimmung en der Gewerbeordnung, da» neue Gesetz über Geld- und Produktenbörse, Abänderungen der Gerichtsverfassung, Zuckersteuer, daS neue bürgerliche Gesetzbuch, die Vorlag» über die ZwangS-Organisaiion drS Handwerk», der neue Arbeitstag für die Bäckereien, die drohenden Bestimmungen über di« Geschäftszeit in Ladengeschäften. Zu wissen, waS in diesen Gesetzen steht, ist für den deutschen Bürger nicht allein erwünscht, eS ist direkt nothwendig, und nachgerade weiß man eS ja doch, daß Unkenntniß der Gesetze nicht vor Nachtheilen schützt. Sctt manchem Jahre nicht stand dem deutschen Volke zu ein- und derselben Zett eine so große Zahl so wichtiger Gesetze bevor, eS hat allen Anlaß, sich darnach umzusrhen.
Etatsdebatte im Herrenhause.
* Im preußischen Herrenhause ist bekanntlich der Staatshaushaltsetat in einer dreitägigen Berathung erledigt worden. Die Debatte erstreckte sich in der Hauptsache auf die laklrwirthschastliche Nothlage7 ?^r bereu Hebung die konservativen Herrenhaus-Mitglieder, die Herren Grafen von Mirbach und von Klinckowstroem, auf das Wirksamste einttaten. Gab Herr Graf v. Mirbach im Allgemeinen der trüben Stimmung, die allenthalben auf dem platten Lande herrscht, Ausdruck, so schilderte Herr Graf von Klinckowstroem des Näheren die Nothlage der ost- preußischen Landwirthschast und die üblen Folgen der Handelsvertragspolittk.
Man wird ohne Weiteres zugeben müssen, daß Herr Graf von Mirbach vollkommen wahrheitsgetteu berichtet hat, als er ausführte, der Bund der Land- wirthe verdanke seine Entstehung zunächst der liberalen Presse, die in keinem Lande so wie bei uns die
(Nachdruck verboten.)
Aus niedrem Stand.
Original-Roman von I r«n e ».Hellmuth.
(Fortsetzung.)
Ehe Frau Frida eintrat, flog ihr Blick hinüber nach dem Friedhof des Städtchens, wo eben die Mutter ihres Pflegeiöchterchens begraben wurde, dann setzte fie sich still auf das Bänkchen nieder. Lautlose Stille herrschte rings um sie her. Draußen brütete die Julihitze, greller Sonnenschein lag auf den Bäumen, kein Blättchen regte sich. Leise tönte jetzt der Klang einer Glocke durch die Lnft. Tief bewegt drückte die schöne Frau daS Kind au ihre Brust und flüsterte ihm freundlich zu: „Ja ja, ich will Dir eine treue Mutter sein. Du armes, kleines Geschöpf!"
Die Kleine lächelte fie an, al5 könnte fie verstehen, waS man mit ihr sprach.
Nach der Beerdigung war Liberti noch einmal dagewesen, unter heißen Thränen hatte er Abschied genommen von seinem Kinde, dabei erzählte er allerlei von seiner verstorbenen Frau, die er sehr geliebt haben mußte.
Einen reichlichen Zehrpfennig gab ihm Wolfhardt noch mit auf den Weg, dann zog er weiter mir seinen Gen offen.
Mitleidige Menschen wollten ihm auch das andere Mädchen noch atnchmen, allein er weigerte sich auf das Entschiedenste, daS Einzige, was ihm noch geblieben, auch noch herzugeben, und so ließ man ihn ziehen.
* *
Die Erntcarbeiten waren in vollem Gange, Wolfhardt schrttt eilig dahin, um auf seinen Feldern
Landwirthschast und ihre Bertteter angreift und ver- dächttgt; dann aber auch dem Wirken des Grafen von Caprivi, des „großen Infanteristen', der den Landwirthen in ihrer größten Noth zurief, sie sollen „Abschreibungen" machen. In der Thctt haben diese beiden Faktoren zur Verbitterung, aber auch zum Zusammenschlüsse der Landwirthe geführt, und die fortgesetzten liberalen Angriffe sowie die befremdende Erscheinung, daß heute noch von Regierungsverttctern von einem „Segen" der fast allseittg verurtheilten Handelsverträge gesprochen wird, sind nichts weniger als geeignet, die Verbitterung der Landwirthe zu verringern.
Sprach daher Herr Graf von Mirbach davon, daß die Landwirthschast das Gefühl habe, man sei zwar mit Worten überaus entgegenkommend, lasse aber mit Thaten überall auf sich warten, so hat er der Stimmung in den landwirthschaftlichen Kreisen durchaus tteffenden Ausdruck verliehen, und wenn der Redner darauf hinwies, daß diese Sttmmung nicht das Ergebniß einer Agitation sei, sondern inneren, bedeutungsvollen Gründen entspringe, so ist daS eine unwiderlegbare Wahrheit, die man doch endlich einmal anerkennen sollte.
Daß die Großstadtpolittker, als deren Wortführer im Herrenhause die Oberbürgermeister figuriren, in dieser Sache anderer Ansicht sind, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden: daß von dieser Seite aber auch in die preußische Erste Kammer der biedere „volksthümliche" Ton getragen werden soll, den Herr Eugen Richter parlamentsfähig gemacht hat, fordert zum enffchiedenen Protest heraus. Herr Oberbürgermeister Sttuckmann hatte die Stirn, dem Herrn Grafen von Mirbach „ein wenig Hetze" vorzuwerfen. Wer ist denn aber der Gehetzte und wer hetzt? Das ^kann^och,Mx.MiLm.ZMlül^mttrrllMu^.chaß-^iL. Landwirthe, die „Agrarier", die Gehetzten und daß die Großstadtpolitiker und die linksliberalen Blätter die Hetzer sind.
Bedauerlicherweise hat der Ministerpräsident, Fürst zu Hohenlohe, infolge eines Mißverständnisses Anlaß genommen, sich gegen einige Ausführungen des Herrn Grafen von Mirbach zu wenden; allein er hat in loyalster Weise sofort brieflich seinen Jrrthum berichtigt, nachdem Herr Graf von Mirbach ihm in einer Zuschrift die Angelegenheit an der Hand des unkorrigirten stenographischen Berichts auseinandergesetzt hatte. Nach letzterem hatte der bett. Passus der Rede des Grasen Mirbach gelautet: „Meine Herren, die (Situation ist also die: Wir Landwirthe, die wir den Dingen näher stehen, haben die Ueberzeugung, daß
nach dem Rechten zu sehen, als sein Freund Förster ibn einholte. Er erkundigte sich lebhaft nach dem Ergehen des kleinen Pflegeiöchterchens. Wolfhardt berichtete von dem sichtlichen Wohlbefinden des Kindes und wie sehr seine Frau sich schon an die liebliche Kleine gewöhnt habe. „Das war ein glücklicher Gedanke von mir, das Kind in's HauS zu nehmen," sagte er lächelnd, „Frida lebt förmlich auf, seit sie dadurch Anregung und Zerstreuung bekommen hat. Du kommst ja in letzter Zeit seltner als sonst zu uns, sage mir doch, aus welchem Grunde?"
: »34 mußte in den paar Tagen wirklich rech
nothwendige Briefschaften erledigen, die ich schon lange aufgeschoben hatte. Und dann, Du weißt ja, meine Mutter hatte Besuch, eine junge Nichte, ich glaube, man will mich verheiratben, wenigstens machte meine Mutter eine derartige Anspielung; aber ich fühle nicht die geringste Neigung, mein schönes Junggesellenleben aufzugeben, einer launischen Frau wegen, und so zog das Nichtchen heute wieder ab," entgegnete der Gefragte.
„Nun, alt genug wärst Du eigentlich zum Heirathen; weißl Du, Ernst, wenn man so lange »artet, dann verpaßt man oft den richtigen Augenblick."
„Ach, mit fünfundzwanzig Jahren ist jedenfalls noch nichts verpaßt, und ich kann gut noch zehn Jahre warten."
Lange drehte sich die Unterhaltung der Beiden um diesen Punkt, bis ihre Aufmerksamkeit plötzlich durch zwei Kindcr in Anspruch genommen wurde. Sie saßen in einem eleganten Wagen, der mit zwei kleinen, allerliebsten jungen Pferdchen bespannt war, deren braunes Fell in der Sonne glänzte. Ein reizender Junge, in weißem Matrosenanzug, mit blauem Kragen, einen großen Sttohhut auf den
man hier die Situation nicht richtig kennt, sie unter- schätzt; aber im Lande hat man allerdings ein anderes Gefühl, das Gefühl nämlich, daß man, möchte ich 'sagen, sich freut über jede Existenz, die auf dem platten Lande vernichtet wird. Meine Herren, Sie werden noch sehr bittere Stimmungen erleben. Es ist ein hartes Wort, das ich ausgesprochen habe, aber ich spreche es in voller Ruhe und Ueberlegung aus. Man wird ja lächelnd an dem Ministertische über diese Dinge hinweggehen, bis man eine Bewegung erlebt, die der Regierung nicht mehr angenehm sein wird ufto.“ Nach der Erklärung des Grafen Mirbach richtete der Reichskanzler an denselben folgendes Schreiben: „Berlin, den 28. März 1896. Euer Hochgeboren gefälliges Schreiben von heute habe ich zu erhalten die Ehre gehabt. Ich ersehe aus der beigefügten beglaubigten Abschrift des unkorrigirten Stenogramms zu meiner Freude, daß Sie nicht gesagt haben, der Ministertisch freue sich über jede vernichtete Existenz. Sie werden aber zugeben, daß Ihre Aenßerung „im Lande habe man das Gefühl, daß man sich hier über jede Existenz freue, die aus dem platten Lande vernichtet wird" in Verbindung mit der darauf folgenden Aeußenmg „am Ministertische werde man über diese Dinge lächelnd hinweggehen", mich zu der Auffassung führen mußte, daß die obige Aeußerung an die Adresse der Staatsregierung und damit des Staatsministeriums gerichtet war. Indem ich Euer Hochgeboren usw. F. Hohenlohe".
Ob die linksliberale Presse, die den bedauerlichen Zwischenfall bereits in „hetzerischem" Sinne auf daS Beste fruktifizirt hat, auch von dem erwähnten Briefwechsel berichtigend Notiz nehmen wird, möchten wir bezweifeln. „Geschickt" sind jene Blätter wohl, aber ehrlich sind sie nicht.
---Wäre»-sie-ehrlich, fe-toürbtn fie beispielsweise die — auch von den Herren Oberbürgermeistern ignorirten — folgenden Schlußworte des Herrn Grafen von Klinckowstroem nicht verschweigen dürfen. Diese Worte lauten: „Wir — und wenn ich „wir" sage, so kann ich im Namen des gesammten Bauern- und Bcsitzerstandes sprechen— wir erkennen voll und ganz die Berechtigung und Nothwendigkeit des Handels an. Wir gönnen ihm seinen vollen, reellen Verdienst, wie jedem anderen Stande. Aber wir wollen nicht die einzigen sein, die schwer und ohne Lohn arbeiten; wir verlangen gleiches Recht kund gleiche Pflicht für Alle, und dazu erbitten und erwarten wir die Mitwirkung der Königlichen Staatsregierung." An dieser Haltung der Landwirthe sollten sich die Vertreter der Großstadtpolitik ein Beispiel nehmen.
blonden Locken, die ihm fast bis auf die Schultern fielen, hielt stramm die Zügel. Neben ihm kauerte sich ängstlich ein vielleicht dni'ähriges Mädchen, das dem Jungen zum Verwechseln ähnlich sah. Das weiße, gestickte Kleidchen ließ Hals und Arme frei, was das Kind vorzüglich kleidete.
„Mußt Dich nicht fürchten, Grete, g-h', sei doch kein Hasenfuß," sagte eben der Knabe, „es wird Dir nichts geschehen, wir fahren ja ganz langsam."
„Die gehören dem neuen Besitzer von Schloß Friedenau," flüsterte Förster seinem Begleiter zu, „die Herrschaften haben bereits gestern bei uns Besuch gemacht und werden wohl in der allernächsten Zeit Euch beehren."
„Ihr Name?"
„Herr und Fran Baron von Reichenbach."
„Ah, also eine adelige Nachbarschaft."
„Soviel ich aus dem ersten Besuch Meßen konnte, ist die Frau recht liebenswürdig, der Mann dagegen scheint mir sehr hochmüthig zu sein."
„Nun, ich dränge mich ihm nicht auf."
„Wie man hört, sollen die Leute sich vor Schulden gar nicht zu retten wissen, und aus diesem Grunde zogen sie wohl auf das Land; freilich kann man hier auch billiger leben ..."
Förster hatte die letzten Worte noch nicht völlig ausgesprochen, als hinter dem Rücken der beiden Männer ein lauter Schrei ertönte. Erschrocken eilten sie zurück, das leichte Wägelchen war umgetippt und seine Insassen sahen sich in den Straßengraben geschleudert, glücklicherweise ohne Schaden genommen zu haben.
(Fonsetzung folgt)
Deutsches Reich.
* Berlin, 31. März. (Tagesbericht.) Das deutsche K a i f e r p a a r hat gestern in Neapel die Civil- und Militärbehörden der Stadt empfangen und bei dieser Gelegenheit vorzüglich seiner Theil- nahme für die in Neapel befindlichen, im afrikanischen Feldzuge verwundeten italienischen Soldaten Ausdruck gegeben. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten die weltberühmte Aussicht auf Neapel und den Golf, die Kai'erin das Kloster zu Camaldoli, während die Prinzen eine Wanderung durch das alte Pompeji unternahmen. Ihre Majestät, welche bei der Rück- kehr von einer Besichtigung des Museums einen Blumenstrauß mitgebracht hatte, überwies diesen dem General Sterpone mit dem Ersuchen, die Blumen an die in Afrika verwundeten Soldatin zu vertheilen. Heute empfingen die Majestäten den Kardinal-Erzbischof an Bord der „Hohenzollern". Nachmittags 3 Uhr ging die „Hohenzollern", mit dem Kaiserpaar, den Prinzen und dem Gefolge an Bord und begleitet von der „Kaiserin Augusta", nach Palermo in See. — Ter K a i s e r hat dem Fürsten Bismarck ein Kolossalbtld der ganzen Kaiserlichen Familie in kunstvollem Rahmen als Geburtstagsgeschenk übersandt. Ferner ernannte der Monarch den zur Disposition stehenden außerordentlichen Gesandten, bisherigen Geheimen Legationsrath Gras Rantzau (Schwiegersohn des Fürsten Bismarck) zum Wirklichen Geheimen Rath mit dem Prädikat Exzellenz. — Im Auftrage des Herrenhauses hat dessen erster Vizepräsident Frhr. von Manteuffel dem Fürsten Bismarck zum 81. Geburtstage gratulirt. Der Fürst hat dafür in einem Schreiben bereits seinen Dank ausgesprochen. — Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe empfing gestern den neu ernannten Botschafter der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, Uhl. — Zn den bevorstehenden olympischen Spielen in Athen wird sich von deutschen fürstlichen Herren der Prinz Friedrich Karl von Hessen dorthin begeben. Außerdem sollen ihr Erscheinen zugesagt haben der König von Schweden, der König von Serbien, der Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich.
* (Fürst Hohenlohe's Geburtstag.) Reichskanzler Fürst Hohenlohe feierte heute seinen 78. Geburtstag, aus welchem Anlaß das Trompeterkorps des zweiten Garde-Dragoner-Regiments ihm bereits in früher Stunde ein Morgenständchen brachte, während am Mittag des Musikkorps der Garde- Kürassiere konzertirte. Der Kaiser ließ dem Fürsten
(Nachdruck verboten.)
Die Kunstschöpfung eineö deutschen Fürsten.
Zu« 70. Geburtstage des Herzogs Georg von Meiningen, 2. April 1896.
Von August Hagemann.
Im Meininger Hoftheater wurde Björuson's „Maria Stuart in Schottland" geprobt. Der Herzog selbst leitete die Probe. Mitten in der eifrigsten Arbeit rief er den Darstellern zu: „Meine Herrschaften, wenn die» Drama keinen Erfolg hat, so II gt die Schuld an Ihnen und an mir."
Diese Aeußerung ist bezeichnend für den Fürsten, an besten 7<. Geburtstag das ganze kunstfreuudliche Deutschland aufrichtigen und herzlichen Antheil nimmt. Er fühlte sich für die Auffahrungen seiner Bühne mitverantwortlich, und er durste eS, da sie seine eigensten Schöpfungen waren — in höherem Maße, als dar Publikum im Allgemeinen anzunehmen geneigt ist. Der Herzog von Meiningen ist kein Dilettant, wie andere Fürsten, die e» liebten, ab und zu einmal das Regieren auf der Bühne zu versuchen. Er ist ein geborener Regiffeur, wie er Goethe, Jmmermann, Laube waren; er ist, wie Adolph Glaßbienner hübsch gesagt hat, unser geistvollster.Jnscen« Dichter". Und kraft dieser Gabe hat er ein Stück Arbeit geleistet, vor dem selbst der ergraute Theatermann Respekt haben muß, und taS ihm und seiner R.sidenz für immer einen Ehrenplatz in unserer Theater- geschichl« sichert.
Die anderen deutschen Kleinsürsten, die dem Theater günstig g> sinnt waren, pflegten die Oper zu bevorzugen. Als Herzog Georg 18f 6 zur Regierung kam, erkannte er sofort, daß für die anspruchsvolle und kostspielige Oper in der kleinen thüringischen Risidenz kein Raum sei. Seine Neigung gehörte dem Drama, dem ernsten, künstlerisch werthvolleu Drama. Freilich wurden die Stücke dieser Gattung auf allen größeren und mittleren deutschen Bühnen regelmäßig gespielt; aber fie standen dem Herzog in einer ungleich würdigeren und eindrucksvolleren Form vor Augen. Er verband eine vielseitige künstlerische Andblldung mit einem nüchternen praktischen Sinne für die Bühne; und diese Vereinigung gab ihm einen Vorsprung vor den beiden großen