bau geziert, jenes von Epheu über und über umrankt, dies mit Schindeln, jenes mit Stroh gedeckt. Süll ist s, nur von der Schmiede her tönt ab und zu ein Hammerschlag und die Spatzen können sich tummeln, ohne viel gestört zu werden. Zuweilen treibt sie der Schütt eines Wunderes auseinander, oder ein herrschaftliches Gefährt rollt in scharfem Trabe dem Bahnhofe zu, oder ein paar Kühe werden des Weges getrieben. Dann erscheinen an den Fenstern des Wlühshauses die Gesichter eifriger Beobachter: „Carvelitzer sind's," versichert ein Kundiger und be- füedigt kehren die Neugierigen an dm Tisch zurück und sprechen wetter vom Vieh und von der hohen Politik. Ja, viel anders wird's wohl auch damals nicht gewesen sein, als die hohe Gestalt des Herm Deichhauptmanns mti seiner jungen Frau durch die Dorf- sttaße schritt. Frülich, so manches Haus , ist seitdem nm aufgebaut, worden und das stattliche Posthaus war damals noch nicht. Aber beredeter als Alles spricht vom Unterschiede der Seiten das hübsche Denkmal, das dien Schönfmusener ihrm 1866 und 1870 71 gefallenen Vatern, Brüdern und Söhnen gesetzt habm, und die vier französischen Rartonen, die vor dem Schlosie stehm und ihre Mündung drohend in das ftiedliche Land üchteu.
Das Aelteste im Dorfe ist die Kirche, die in einzelnen.Thetlen bis in die vorgothische Zett, bis in'S 13. Jahrhundeü zurückgeht. Es ist ein fester Bau ouh er hat Manches erlebt. Im drüßigjähügen Stiege verwundete den Thurm eine Stückkugel, und darum hat ein Bismarck von ihm gesungen:
der Kirchthurm der alte, i
- Ties in der Biuft die klaffende Spalts < >, SBte ein verwundeter greiser fe'b;
Aber er wankt nicht im CturmSbransen, Markig fest steht d r Thurm ron Schönhausen, Weithin beherrschend das weite Feld."
sÄLt68ln Werktagen nach Soun- und
Ntarburg,
Ä’ÄÄWÄ« Mittwoch, 1 April 1896.
Eine denkwürdige Seme sah das Gotteshaus. Im Anfänge unseres Jahrhunderts, als die Lützower Freischaar hier eingesegnet wmde: Jahn war damals unter der kampfesmuthigen Jugend und Friesm mid Theodor Körner. Die Kirche zeigt die norddeutsche Backsteinarchitektur, die zwar hier nicht so kunstvoll ousgestaltet ist, wie in der benachbarten Marienkirche zu Stendal, aber manchen kleinen Schmuck doch hergegeben. hat. Der Thurm ist eigentlich nichts anderes, als ein den Längsschiffen vorgelagertes hoch aufragendes Querschiff mit einem Giebeldache. Noch zeigen die Mauerbögen, daß hier eigenttich ein großes Hauptportel geplant war; die Roth der Zett war vielleicht irgenbtoann die Veranlassung, daß das Portal zugemauert wurde. Im Inneren ist Ler Raum eht wenig beengt durch umlaufende Chore, von denen einer sich durch kunstreiche alte Schnitzerei auS- zeichnet.
Diese Kirche ist, man möchte fagen, dtt steingewordene Geschichte deS Hauses Bismarck ES ist seine Grabstätte; Steinbilder, Gemälde und Inschriften erzählen von den Mitglttdern der Familie und sie erzählen so manche intereffaute und ergreifende Geschichte. Hier stehen wir vor dcr Ruhestätte der Mutter des Fürsten, Louise Wilhelmine geb. Menken und beredt spricht von ihrem Geschicke'die Inschrift: „Schwer prüfte sie Gott durch körperliche Ltiden, sie ertrug selbige mit großer Geduld und Sanstmuth." Eine Tragödie aus dem 18. Jahrhundert enthält die Grabschrist der Herrn Ernst Friedrich von Bismarck (f 1780): „Hier verlohr in zwey Monden durch vier Schlage des Todes den Gemahl, ihr einziges Glück, dreh Kinder, Hre gantze Hoffnung, eine trostlose Gattin." Die Erbauer des jetzigen Schlosses, „der kgl. preußische Lanbrath der Altmark," Herr AugustuS von Bismarck" und seine
harte Arbeit von feinen Kindern verlangt; aber sie "uch kräftig und rüstig macht. Wer seine Schönhelten empfinden will, der muß Sinn haben für das leichte Bräunen der Erde im Frühlingstriebe, für dre schaukelnde Birke, für den unermeßlichen Honzont, in dessen Ferne sich Himmel und Erde zu emander neigen. Aber im Westen —t- da ist die große Schönheit des Landes: die majestätisch breite 6lbe mtt ihrem lehmgelben Waffer, mit ihren Werdern und Inseln, überspannt von der gewaltigen Elsenbahnbrucke, eingedämmt von den Deichen, deren Sorge vordem dem Herrn von Bismarck oblag. Emst war der große Fluß eine Völkerscheide, bis die Deutschen herüberkamen und Schritt für Schritt den Slaven das Land abkämpften. Sie schützen den Uebergang durch das. feste Tangermünde und erbauten das: roebrgafte Stendal, reich an Kirchen und mächitg int Lande.
Das zähe Volk, das hier wohnt, hat. in jahrhundertelanger Arbeit dem kargen Boden Wohlstand ^Semngen. So wett das Auge reicht, liegt wohl- « =er nc^.n Atstr, die die wilden. Fluthen des Flusses nun nicht mehr verheerend überschwemmen Schonhausen selbst ist ein. gar wohlhabendes Dorf geworden: „hier braucht sich Niemand besonders zu plagen , gestehen wohl die Bewohner' selber zu- ^neben ein. Behäbig nnd freundlich sehen die Höfe und Häuser aus,, alle wohlgehalten und beinahe so ordentlich., und so peinlich sauber, wie.die Bauernhöfe aus dem Theater. Was dem Dorfe einen besonderen lst_die überraschende Breite der Dorfftraße. Dre deutsche Dorsstraße —, wer könnte wohl ihrm stillen Zauber m Worten festhalten? Von den alten Anden umsäumt, die schon auf die Vorväter nieder- bltckten, von den niedrigen Häusern begrenzt, die emander so ahnltch sehen und doch alle von einander untergeben sind; dies ist durch einen kleinen Vor
®in Zufall fügt es, daß die Feier des Geburtstages des kraftvollen Lenkers jener großen Ereigniffe gleichsam das Präludium wie das Nachspiel des gewaltigen Völker-Oratoriums bilden sollte. Ein 'Jahr Bismarck-Leben, eng verschlungen mit einem Jahr deutschen Volkslebens! Es ist, als ob das Schicksal uns mahnen wollte, daß der große Mann Fleisch von unserem Fleisch, Blut von unserem Blut ist, daß Deutschlands Leben die Voraussetzung seines Lebens, sein Dasein die Voraussetzung unseres Glückes und Gedeihens war.
Mit anderen Empfindungen, als wir den achtzigsten Gebnrts- tag des greifen Recken begingen, feiern wir heute seinen einnnd- achtzigsten. Damals war er uns der Vorkämpfer unseres Volks- Hums, der Rächer alter Schmach, der zürnende Donar mit dem fcatnmer in der Rechten, mit dem er die feindlichen Riesen zu Boden schmetterte. Heute steht er vor uns als der Friedenbringer nach Außen und nach Junen, als der tteue Eckaü, der das Unheil rechtzeitig erkannt und abzuwenden wußte, als der redliche Vermittler . zwischen den einzelnen Stämmen, der gerechten Sinnes Jedem seinen Antheil zumaß, der Großes hinzugeben wußtt, um Größeres zu erringen. 9tur die höchste Staatskunst, die klügste Selbstbeschrcinkuu'g ^mochte aus dm versprengten Trümmern des alten deutschen Bundes ^ein neues, lebenskräftiges Gebilde zu formen, die Brücke der Ver- ; söhnung über den Main zu schlagen und den Norden mit dem Süden 4 tnbgiltig zu vereinen.
L. Bismarck'S hochragende Gestalt ist dem Parteikampfe noch nicht . entrücft, er ist geblieben, was er war: ein feftumriffener Charakter, . eine in sich selbst und dem väterlichen Boden wurzelnde PersönUchkeit , rnü allen Knorren und Santen, die vom germanischen Jndividualis- . mus nun einmal nicht zu trennen find. Ihm, der die verkörpeüe Thatkrast darstellt, war cs nicht beschieden, ans Erdm Ruhe und ,<in beschauliches Phäakenglück zu finden. Als die große öffentliche t Fehde, aus der er noch vor nicht allzu ferner Zeit einsam wie eine
nimmt eKtg««en vl« ^xpesmon vieles Blauer, von Haaseaftein u Vogler in
??■'Magdeburg und Wien; Rudolf XXXI Qftfirrt SM* in Fr-mkmtt a. M., Berlin, München u Köln; C. L. *
X)aub* Co. in Frantkutt a. M.. Berlin Hannover Paris
.••«y, ,>ic ;• i . (Nachdruck verboten.)
Iu Bismarck'S Heimath.
Von Herma«» Bauer.
Der Frühlingssturm fährt brausend von der Havel zur Elbe; er pfeift um den würdigen alten Doland von Stendal, in dessen Bann und Schutz deremst die Bismarcke als Gildenmeister und Rctth- mannm thctteten und ratheten; er schüttelt die alten Anden in der Dorfstraße von Schönhausen und schlägt heftig an die Fenster des Herrenhauses. So mag er das Schloß auch an jenem Frühlings- i tage umheult haben, da der junge Otto von Bismarck zum ersten Male in der Welt seine Stimme erhob. 81 Jahre ist das nun her, eine kurze Spanne in her Ewigkeit, und doch — welch'. ein schier unermeßlicher Zeitraum für unsere vaterländische Ge- ;. schichte! Damals rang man im Westen noch gegen t ben Würger Europas, in lebhaftester Erinnerung ’ waren Allen noch hie Baschkiren und die Lützower, dre vor wenigen Jahren das Dorf passirt hatten, : und noch vor drei Lenzen hatte der Preuße wenige Mertelstunden westlich, am Ufer der Elbe, grollend an der Grenze, seiner Heimath gestanden. Auch für me Schönhausener Bauern war es damals eine rfätoere Zeit, ein neues Recht kam auf, alte Lasten ^ jouten abgelöst, neue Pflichten übernommen werden. Alles war voller Unruhe, Unsicherheit, Unbehaglichkett.
Das war vor 81 Jahren.
: ,®er Annie wohl heut' ohne Bewegung auf das stattliche Dorf blicken, deffen ungefüger alter Kirch- thurm «eben dem wunderlichen, glockenähnlichen, hohen Schornsteme des Schlosses ans den Bäumen vor uns hervorschaut! Unendlich dehnt sich um nnS, von keiner Wallung unterbrochen, das altmärkische Land. Es ist ein ernsthaftes und karges Land, das
Zum "81. Geburtstag des Fürsten Bismarck
— fltofec Atdenkjahr, di, ©rinitemngSfcicr übermenschlich,, Sämpfe, weltgeschichtlicher Siege und Errungenschaften, ist nun verrauscht. Die wuchtigen Akkorde der „Wacht am Rhein", die schmetternden Siegesfanfaren verklingen sanft in einem andächtigen Fnedenspsalm, einem das ganze, weite Vaterland durchbrausenden „Nun danket Alle Gott!"
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. Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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__Svreckstundm ber Redaktion: 10-11 Ur Vormittags
wetterharte Eiche aus dem Windbruch aufragte, ihren Höhepunkt erreicht hatte, da schrieb Wilhelm Jordan die mannhaften Verse:
„Ihr grollt nun, daß der Weltbezwinger ,
In wildem Wetterzorn erbraust, Und wünscht ihm sauste Stteichelfinger Zur schlagbereiten Eisenfaust!"
Nein, für diesen Mann ist Ruhe gleichbedeutend mit Erstarrung, glatte Allerwelisfteundlichkett gleichbedeutend mit einem Verzicht aus sich selbst und seine überguellende Kraft.
Fernab vom Parteigetriebe jedoch, im deuffchen Hause, das außer seinem Glauben, seiner Sitte und seinem Deutschihnm keine weiteren Interessen und Bestrebungen kennt, da hat sich eine große, stille Bismarckgemeinde gebildet, die in ihrem Helden nicht den Diplomaten, den zweckbewußten Politiker, den Mittelpunkt ber blutig- eisernen Zeit sieht, sondern nichts Anderes, als den treuen Hüter deutscher Zucht und deutschen Wesens. Daß das deutsche Haus seinen Giebel ftiedlich und frei zum Himmel emporstrecken kann, umhegt von der schützenden Mauer eines mächtigen, gefürchteten Gemeinwesen?, das dankt es ihm, das wird es ihm nie und nimmer vergessen. Unbekümmert um den Lärm des Tages, um den Stteit der Männer, darf die deutsche Jungfrau heute an die Büste des Gewaltigen herantteten, sie mit zarten, duftigen Blumengewinden um- kränzen.
'• Das ist der Gruß, den die heitere Jugend dem emften Atter, der sonnige Frühling dem stürmischen Lebenswinter fpenbet. Das ist der Dank, den der unentweihte Friede des deutschen Hauses dem ehernen Heros darbringt, der ihn in furchtbaren Gefahren und tttanischen Anstrengungen ersttitten hat. Durch Kampf führte er rum Siege und im Siege sicherte er voll weiser Besonnenheit den Frieden. . . . .
Verheißungsvoll bauscht sich Deutschlands junge Fahne im Winde und kündet uns in ihren Farben die schöne Losung: „Nach Sturmesnacht und Winterschnee deS Frühlings Morgenroth!" Möge dieses Morgenroth fein greises Haupt umspielen, als ein Sinnbild der glänzenden Zukunft seines Volkcs, einer Zukunft, zu ber er die grundlegende Vergangenheit geschaffen hat!
Eberhard Krans.