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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck unb Verlag: Zoh. «ug. Koch, Unioerfitäts-Buchdruckerei in Marburg. Brrantwvrtlicher Redakteur: Friedrich Colbatzkh in Marburg
Redaktion und Erpedition: Markt LI. Sprechstunden der Redaktion: 10—11 Uhr Vormittag»
JVi 73
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-AbonnementS-PrriS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 M. 25 Pfg. (exll. Bestellgeld). Jniettionsgebühr für die gespalten« Zeil« oder deren Raum 10 Psg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Dearbnrg,
Donnerstag 26. März 1896
Anzeigen nimmt «ntgrgen die Expedition dieses BlatteS. sowie di« Aunoncrn-Bureaux von Haasenstein u Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; C. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover Paris
XXII. Jahrg.
Zweites Blatt.
Kaufmann und Kaufhaus.
Ein Geschäftsmann, der in der heutigen Zeit, wo das geschäftliche Treiben sich immer mehr zuspitzt und fortwährend eine Entdeckung der anderen folgt, nicht stets ganz mit Äug' und Ohr auf dem Posten ist, wird überrannt und bleibt als ein Angehöriger der sogen, guten alten Zeit zurück — aber nicht zu seinem Vortheil.
Wer heute in seinem Geschäfte vorankommen will, muß sich bekannt machen und zeigen, daß er lebt. Woher sollen seine Nebenmenschen sonst wissen, daß er Dieses oder Jenes zu verkaufen hat? Es ist in unserer Zeit nicht mehr genug, daß einer die und die Waare zu verkaufen hat, er muß sie auch zweckentsprechend dem Publikum vor die Augen führen — und dazu gehört die Reklame, hierunter versteht man das Annonciren und nicht zum wenigsten die Einrichtung des Verkaufsraumes selbst. Nicht genug, daß Alles in Reih' und Glied aufgestapelt dali gt und man einen blank gepullten Laden vor sich hat, wie es zu unserer Großelte.n Zeiten der Fall war; der Käufer von heute macht ganz andere Ansprüche an den Kaufmann. Vor allen Dingen erstreckt sich dieser Anspruch auf eine dem Geschäfte entsprechende Einrichtung, die insbesondere verlangt, daß das Verkaufslokal hell, luftig und groß genug ist und der Aufenthalt in demselben nicht dem öffentlichen Markte ähnlich, sondern wohn- lich einen Jeden anmuthet. Der Hauptpunkt aber ist das Schaufenster und die richtige Art und Weise der Waarenansstellung.
Soll das Schaufenster von guter Wirkung sein, so muß es vor allen Dingen zu den anszustellendcn Waaren in ein richtiges Gleichgewicht kommen. Ein Stahlwaarenhändler kann nicht die Schaufenster eines Konfektions-Geschäftes gebrauchen und eine Handlung für Kolonialwaaren nicht diejenigen einer für Schnh- waaren.
Es sind in dieser Sache bisher noch wenig Grenzen gezogen worden, und nur einzelnen Geschäftstreibenden ist es gelungen, die richtige Anordnung der Schaufenster-Anlagen in ihrer vollen Feinheit zu verstehen. Und doch wie wichtig ist gerade diese Art der Reklame — so billig und so einfach.
Raum, Licht und Luft in eine passende, schöne Form zn kleiden, das ist das Arbeitsfeld des schaffenden Architekten. Auch „Luft" ? wird da Mancher fragen. Gewiß auch die Luft; sehr wichtig ist es für einen Geschäftsraum, eine reine, zugfreie Luft zu besitzen, die den Aufenthalt so angenehm und heimisch macht.
Und was die Schaufenster angeht, woher kommt es, daß z. B. im Winter das Glas so vieler Schaufenster einfriert ? Meistens nur durch den Mangel an Luft, d. h. an einer dem Zweck entsprechenden Luft.
Ferner darf auch der Eingang zu einem Ladengeschäfte nicht mehr das Aussehen einer Zimmerthör zu sehr streifen, wodurch man zwar weiß, daß eine
Thür sich dort befindet, aber nicht der Eingang zu einem Verkaufslokal.
Auch beün Anbring, n der Firmentafel am äußeren Gewände des Hanfes wird viel gesündigt. Je nach der Branche und der Lage wird hier die Entscheidung von Fall zu Fall getroffen werden müssen.
Es ist für jeden Geschäftsmann von höchster Wichtigkeit, dem Drange nach Fortschritt im geschäftlichen Leben zu folgen, nnd keine Konkurrenz kann es verübeln, wenn Jemand in anständiger Form diesen Grundsatz zur Geltung bringt.
Vermischtes.
Jamrsou-Komödie. Einem Bericht über den Jameson-Prozeß in London entnehmen wir: Es war nur eine Galavorstellung für die obern Zehntausend Londons, die euch nicht verfehlten, jedes Plätzchen in dem Gerichtrsaale zu besetzen und auch dort eiv- zudringen, wo sonst nur Richter und Anwälte ihr.s Amtes walten. Damen in eleganten Toiletten bildeten das Stammpublikum und machten es sich namentlich neben dem Richter bequem, der hoffentlich nicht der Bestechlichkeit geziehen werden wird, da er von einer der reizenden Anwältinnen der Theilnehmer am „Hkldenritt" eine Blumengabe entgeeenuahm und oft mit Wohlbehagen zur Nase hielt. Die Pr.sse brummte wieder auf der Anklagebank, und die angetlagten Missetbäter machten es sich in den für sie besorgt.n Sesseln bequem. Am gemüthlichsten ging es während der.Frühstückspause zu. Den bestehenden Vorschriften gemäß sind die Angeklagten während derselben im Untersuchungsgefängniß zu halten, wo sie ihr Lunch einnehmen können; für Jameson und seine Mitgefangenen hatte man aber einige Zimmer frei gemacht, wo sie Empfang hielten und in Gesellschaft ihrer Freunde und Freundinnen ihr Mahl einnahmen, das vom feinsten Strand-Restaurant bestellt war und bei dem die Champagnerkorke lustig knallten. Nach dem Frühstück rauchten die Herren in den Corridors ihre Cigaretten, und das regste Leben herrschte, bis endlich die Ausrufung der Namen der Gefangenen diese wieder auf ihre gepolsterten Anklagestühle zurückrief, wo Oberst Willoughby bald darauf in ein anscheinend sehr erquickendes Nachmittagsschläfchen verfiel und im Tranm dazu lächelte, als einer seiner als Zeugen vorgernfeuen Unteroffiziere den „Heldenritt" in allen Einzelheiten erzählte, und schilderte, wie schließlich bei Krügersdorp die Waffen gestreckt werden mußten.
Die „Getreuen von Jever" werden in diesem Jahre dem Fürsten Bismarck zum 25. Male ihre Sendung Kibitzeier überreichen. Aus diesem Anlaß wird unter dem Titel: „Die Getreuen von Jever" eine Sammlung der sogenannten Kibitzverse, d. i. der den jedesmaligen Sendungen beigefügten Begleit- verse, in Buchform erscheinen und dem Fürsten überreicht werden.
Die Tochter Emin Pascha's, Ferida, wird nunmehr in aller rechtlichen Form in den Besitz des von einer in Konstantinopel lebenden früheren Frau Emins
angefochtenen väterlichen Vermögens gelangen. Durch Jepson, den treuen Gefährten des Verstorbenen, ist dem Reichskanzler das Testament Emms zugegangen. Daraus geht hervor, daß sich das Baarvermögen auf 130 000 Mk. beläuft. Alleinige Erbin ist seine Tochter Ferida. Ferner enthält das Testament die Bestimmung, daß alle bewegliche Habe und sein Haus verkauft werden soll, um die Gläubiger zu befriedigen. Ein etwaiger Ueberschuß soll seiner Tochter vermacht werden, während ein Fehlbetrag aus ihrem Baar- vermögcu zu decken ist. Bücher und wissenschaftliche Instrumente lverden einem Freunde in treuer Anhänglichkeit und zur Erinnerung vermacht.
Der Rekord im Weinpreise, den vor wenigen Tagen der Bremer Rarhskeller anfgestellt hatte, als er ein Fuder Scharzhofberger mit 10 500 Mk. bezahlte, ist, wie aus Trier berichtet wird, geschlagen worden. Es wurde nämlich von den Weinbergen des Freiherrn v. Stumm ein Fuder Wein für 11010 Mk. und ein anderes im Auftrage des Fürsten Pleß für den augenblicklich noch nicht übertroffenen „Jahrhundertpreis" von 12 750 Mk. erstanden.
Ein gewiß selten dastehender Fall ist in der Umgebung von Weißenfels geschehen. In Bothseld erhielt der zur Vertretung anwesende Lehrer ans Zöllschen von dem Schulknaben W., der wegen Ungehorsams bestraft werden sollte, eine Ohrfeige. Auf Anzeige beim Amtsgericht sind die Eltern dieses hoffnungsvollen Burschen mit einer Geldstrafe von 30 Mk. und den Kosten des Verfahrens bestraft worden.
Bestrafte Neugierde. Zwci Sekundaner vom Gymnasiiun zu Löbau, Sßeftjr,,. hatten bereits die schriftliche Prüfung abgelegt und wünschten gern zu wissen, welches Prädikat sie erhalten hatten. Sie drangen daher mittels eines Nachschlüssels in das Dienstzimmer des Direktors, wurden jedoch hierbei ertappt und — relegirt.
Kleine Nachrichten. Das Schulschiff „Moltke" ist Montag vom Mittelmeer in Kiel eingetroffen. Kurz vor dem Passireu des Nordostseekanals stürzte der Obermaat Schoettke vom Mast auf Deck und verstarb. — Infolge eines Bergrutsches wurden auf der Herminengrube bei Ohrbeck 15 Arbeiter verschüttet, zehn konnten gerettet werden, fünf erstickten. — Das Schwurgericht in Wiesbaden verurtheilte den Professor der Kunstgeschichte, Dr. v. Bamberg, zuletzt in Hattenheim wohnhaft, wegen betrügerischen Bankerotts zu vier Monaten Gefänguiß. — Die Erdfenkungen in Eisleben dauern noch immer fort. Wiederum hat behördlich eine Räumung von Häusern angeordnet werden müssen. Eine Reihe von Hausbesitzern hat die Schadenersatzklage gegen die Gewerkschaft beschritten. — Wegen Ermordung des Schuhmachers Hildebrandt in Buchholtz bei Rostock wurde der Geselle desselben, Albert Wiese aus Wedtlenstedt, vom Schwurgericht in Güsttow zum Tode verur- lheilt. — Der Ausbruch eines großen Bergarbeiters streiks wird aus Belgien gemeldet, alle Zechen des rechten Maasufers im Bezirk von Saraing feiern. Dreitausend Bergarbeiter sind ausständig. Ein Ausstand der linksuftigen Zechen wird beftirchtet. — Eine peinliche Scene spielte sich in Wien in der inneren
Stadt ab. Ein Offizier griff mit einem Revolver eine elegant gekleidete Dame auf offener Straße an; er wurde schließlich von zwei Kameraden zum Platzkommando gebracht. Die angegriffene Dame erklärte, den Offizier nicht zu kennen. — In den Dardanellen ist ein türkisches Segelschiff mit 35 000 Hektoliter Getreide untergegangen. Siebzehn Mann von der Besatzung ertranken. — Ein Aufstand ist unter den Indianern von Pallaska (in dem etwa gerade in der Mitte der peruanischen Küste gelegenen Departement Ancachs) ausgebrochen. Auf beiden Seiten wurden Viele getödtet und verwundet.
Bei Hämorrhoidalleiden,
Unbehagen, Schwindelamällen re., welch« sehr häufig durch sitzende Beschöfiigung hervorgerufen werden, ist, nach dem Rath berühmter Aerzte, eine tägliche ergiebige Leibesöffnung von größter Wichtigkeil und bediene man sich, wenn nöthig, der seit vielen Jahren rühmlichst bekannten und von bat Professoren und Aerzten wie kein anderes ähnlicher Präparat empfohlenen Apotheker Rich. Brandt'S Schweizerpillen.
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Geschäftliche Mittheilung.
Zur Gesundheitspflege. Mit der öffentlichen, von Staat und Gemeinde bewirkten Gesundheitspflege müßte, um einen bestmöglichen allgemeinen Gesundheitszustand zu erzielen, die Privat-Hygiene Hand in Hand gehen, letztere läßt aber leider noch viel zu wünschen übrig. Da» Lüften und die Reinhaltung der Wohnungen, zwei weseutli 6t Bedingungen zur Erkaltung der Gesundheit, werden beispielsweise theil« ungenügend und theilr ganz falsch ausgeführt; jeder Arzt wird dies bestätigen. Da» Lüsten einer Wohnung hängt nur vom „Wollen" ab; wenn man die Fenster lang« genug offen hält, wird der Zweck mühelos erreicht; da» Reinigen dagegen bedingt Zeit nnd Arbeitskräfte, «i liegt also im Jnteresie der Hausfrauen, die rationellste Art der Zimmer-Reinigung mit der hygienisch richtigst n zu verbinden. Salons, Speisezimmer u. s. w. mag ma.i nach beliebigem System behandeln, aber in Schlafzimmern, Korridoren und Wiithschaftsräurnrn lasse man den Fußboden täglich naß auswischen, denn es wird hierdurch die Zimmerlust erheblich gebessert und das Wohlbefinden geförtert. Die H ui frauen wissen dies auch ganz gut und wenn sie trotzdtM diese hygienische Vorschrift außer Acht laffen, so geschieht dies au8 Sparsamkeitsrücksichten, weil sie befürchten, daß die Fußböden durch die Näffe leiten und neu gestrichen werden müssen, was viel Geld kostet, auch für bewohnt« Räume schwer ausführbar ist. DaS stimmte nur so lange, als man die Fußböden noch mit Orlfarbe und Oellack strick, de en unangenehmer Geruch und langsame- klebriges Trocknen es allerdings fast unmöglich macht«, bewohnte Räume renovir n zu lassen; seit längerer Zeit hat man aber ein toe t praktischeres Präparat für Fußboden - Anstrich, den foginannten Glanzlack! Bon verschiedenen Fabrikaten Me er Art bewährt sich am besten der Fußboden Glanzlack von Franz Christoph in Berlin (Mittelstraße 11), er ist ganz streichfertig, kann daher ohne Vorkenntniffe vom Dienstpersonal verai beitet werden, rockn-t, bei absoluter Geruchlosigkeit, während des Streichens, und ist somit bei jeder Witterung, auch bei geschlossenen Fenstern verwendbar. In den meisten Otten Deutschlands bestehen Niederlcgrn der Firma, wo so che nicht voihanben sind, wende man sich direkt an das Berliner Stammhaus, Mittel- straße 11, welches Farben Musterkarten gra.iS liefert unb Poststücke für 9,fio Mk. versendet, beten Inhalt zu« Erneuerungs-Ansttich zweier Zimmer genügt.
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