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Nürburg,

Donnerstag, 19 Marz 1896

Anzeig«, nimmt entgrgen die Expedition diese» Blatte» Anuoncrn-Burranx von Haasenftein u Vogler in

Frankfurt a. M.. Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXII Qrtfirrt Mosse m Frankfurt a. M., Berlin, München u Köln; C L AJLA1, xJa9r9* Daube u. Co. in Frankfurt c. M., Berlin Hannover Pari»

öchentliche Beilage«: Kreisblatt fiir die Kreise Marburg «ad Kirckbain __Jllustrrrtes Sonntagsblatt,

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Deutsches Reich

die Regierung nachher einfach annehmen

zum Etat ein-

England, der Sudan und Italien.

*** Den guten Engländern haben wir wir müssen es reumüthig eingestehen doch allesammt bitter Unrecht gethan. In welcher Glorie ersttahlt jetzt ihre Uneigennützigkeit und ihre Selbstlosigkeit, wenn man liest, daß sie einen energischen Borstoß nach dem Sudan machen wollen, vornehmlich, um den bei Kassala bedrängten Italienern Luft zu machen. Zwar haben die Engländer die italienische Afrikapolittk veranlaßt und Italien hinterher im Stich gelassen, zwar haben sie durch ihre ursprüngliche Weigerung, den Italienern den Durchmarsch durch Zeilah zu gestatten, die Katasttophe, die Italien betroffen hat, mitver­schuldet, zwar haben sie für das Unglück Italiens nicht viel weniger Spott gehabt, als die natürlichen Gegner der Italiener, aber jetzt wollen sie Alles gut machen, wollen edelmüthig den Italienern, wenn schon nicht gegen die Abessinier, sondern gegen die! Derwische zu Hilfe kommen.

' * (Gnadenerlaß-Prozeß.) Die vorzeitige

' Veröffentlichung des Kaiserlichen Gnadenerlasses durch 1 denVorwärts" wird am Donnerstag vor dem Amts­gericht J. Berlin zur Verhandlung kommen. Gegen

1 die drei Diebe wird, was bisher beim Amtsgericht , noch niemals der Fall war, der Erste Staatsanwalt ' am Landgericht ', Oberstaatsanwalt Drescher, die 1 Anklage selbst vertreten. Die Sttafsache ist, so wird : derPost" geschrieben, nicht allein der Enthüllung 1 eines Redaktions-Geheimnisses desVorwärts" wegen interessant, sie entbehrt auch nicht eines juristischen Interesses, da nämlich, wäre die Sttafkammer zu- ; ständig, aus rechtlichen Gründen wahrscheinlich Frei­sprechung erfolgen würde. § 242, Strafgesetzbuches be- " Mülmt, daß wegen Diebstahls bestraft werden soll, wer eine fremde bewegliche Sache einem Andern in der Ab­sicht fortnimmt, sich dieselbe rechtswidrig zuzueignen. Das Reichsgericht hat nun in einer Aufsehen erregenden Enffcheidung ausgeführt, daß nur Derjenige, welcher sich" die Sachen aneignen wollte, zu bestrafen sei, daß aber in einem Falle, in welchem der Dieb die Sachen ohne Weiteres fortgab, der Thatbestand des Dieb­stahls nicht vorliege. Es würde unter diesem Gesichts­punkte des Nachweises bedürfen, daß die Angeklagten im Auftrage desVorwärts" den Diebstahl begangen hätten. Wäre aber ein solcher Nachweis geführt, dann müßte mindestens ein Redakttonsmitglied des Vorwärts" mit angeklagt sein. Da nun nicht die Strafkammer, sondern das Amtsgericht zu urtheilen hat, würde nicht das Reichsgericht, sondern das Kammergericht in Berlin die letzte Instanz sein, und deßhalb ist.hier nicht abzusehen, welche Stellung das Amtsgericht einnehmen wird. Hierin besteht aber das juristische Interesse des Falles.

j vor die Alternative - . , den ganzen Etat mit diesem Anttag anzunehmen oder zu verwerfen. Da die Budget­kommission den Anttag Lieber einstimmig angenommen hat, ist kaum anzunehmen, daß die Entscheidung des Plenums anders ausfällt. Innerhalb der Regierang ist man bisher zu einer endgilttgen Stellungnahme noch nicht gelangt, aber es ist durchaus unrichtig, daß die hier in Frage kommenden Meinungsver­schiedenheiten schwerwiegender Art sind. Gin Aus­gleich wird erfolgen, alle Krisengerüchte, z. B. der Rückttitt des Grafen Posadowsky, gehören in das Reich der Erfindung.

vorgehen als damals, als sie den unglücklichen Gordon ungerächt ließen.

Und Italien? Es mag wohl sein, daß sie durch den Vorstoß der Engländer gegen die Mahdistcn in Kassala entlastet werden, aber was kann ihnen dieser vorgeschobene Posten nützen, wenn nach Süden hin die Abessinier, nach Westen die Engländer die weitere Ausbreitung verwehren. In jener Zeit, als Eng­land die Italiener veranlaßte, nach Massauah zu gehen, und auch noch später, als die italienischen Waffen sowohl den Abessiniern gegenüber wie gegen die Mahdisten siegreich waren, stand Italien in Nord- ostafrika so geachtet da, daß England sich wohl au ein gemeinsames Vorgehen gegen den Sudan und eine Thcilung der Beute eingelassen hätte. Jetzt aber hoffen die Engländer nicht nur allein mit den Mah- dlsten fertig zu werden, sondern sie sind auch über­zeugt, von Italien keine thatträftige Hilfe geleistet zu erhalten. Und England sucht sich nicht gern Bundesgenossen aus, die ihm nicht viel leisten können. Im Gegentheil, es ist gar nicht so ehrgeizig, daß cs nicht gern den Anderen das Meiste zu thun überließe; so hat es sich im spanischen Erbfolgettiege, im sieben­jährigen Kriege und in den Kämpfen von 1813 bis 1815 von Preußen die Hauptlasten abnehmen lassen, «n Krimkriege von den Franzosen. Daß sich aber

vernehmen, daß die zwischen Fräulein Herbst und mir nothwendig gewordenen Erkläiunzen ich sprach Ihnen davon die Verlobung rückgängig gemacht haben!"

Großer Gott! Armer, armer Freund! Welch' bittere Erfahrung! Ach, gewiß leiden Sie unendlich?"

Die vorhergehenden Tage voll quälender Zweifel waren schwerer zu ei tragen," sagte Kron er, einer ireften Antwort ausweichend. Er strich mit der Sand langsam über Stirn und Augen und setzte dann in eigeuthümlich gepreßtem Zone:Und nun eine Bitte, verehrte Frau! Ich halte ti für meine Pflicht, meine gütige Wttthin, Fräulein Wildow, von dem Geschehenen zu unterrichten: würden Sie dies übernehmen?"

Frau Gerty versprach es bereitwillig; ihr fein­fühlendes Herz fand es begreiflich, daß es Doktor Kroner überaus peinlich sein mußte, selbst den leidigen Gegenstand zu erörtern. Aber nun brannte das Geheimniß ihr auf der Seele, sie wünschte, es so bald wie möglich Charlotten mitzutheilen. Die Ge­legenheit bot sich ganz von selbst.

Ahnte Kroner Frau North's Wunsch? Traf er mit dem seinen zusammen? Ein dringende Arbeit vorschiebend, beendete er heute die Vorlesung früher, zum großen Bedauern von Fräulein Wildow und Hans, der heute mit heruntergekommen, wie es dann und wann geschah, wenn es Doktor Wildow be­sonders gut ging.

An diesem Abend hatte erAnttgone" gelesen.

SBor es die schwungvolle Sprache? Riß die hohe Tragik in der Dichtung ihn hin? Charlottens feinem Gehör entging nicht der eigeuthümlich schwer klingende

Ton in Doktor Kroner's (stimme, sie glaubte sogar in den beredten Zügen seines bleichen Gesichts eine tiefe innere Ergriffenheit sich widerspiegeln zu sehen; sein Vorttag war von hinreißender Gewalt und nun brach er ihn unerwartet bald ab.

Wie schade!" konnte Charlotte, als die Thür hinter Kroner zufiel, sich nicht enthalten zu bemerken, es war henlich! Man fühlte sich von dem Zauber­baun der Dichtung ganz und gar umstrickt."

3a," nickte Frau Gcrty gedankenvoll,dabei ergriff die Vorstellung: daß eineAntigone" von llcich" kindlicher Opfersreudigkeit in meiner Nähe tzt, mich doppelt. Ich möchte behaupten, Doktor

Kroner drängte derselbe Gedanke sich auf."

Nein, nein! o FrauGerty, wiebeschämend wäre das!"

Helle Röthe überflog Charlottens Antlitz, ihre umklen Augen blickten flehend abwehrend.

(Fottsetzung folgt.)

* (Kronrath.) lieber den jüngsten Kronrath wird berichtet, daß der Kaiser, der glaubte, die Sitzung würde im Reichskanzlerpalais abgehalten, sich zuerst dotthin begeben hatte. Jrn Reichstage traf er gleich nach 2 Uhr ein und über­nahm sofort den Vorsitz. Er leitete die Verhandlungen bis gegen 5 Uhr. Nach dem Fortgang Sr. Majestät dauerten die Berathuugen noch bis nach 6 Uhr unter Vorsitz des Fürsten Hohenlohe. An der Sitzung nahm auch Reichsschatzsekretär Graf Posadowsky theil NchLu andLreu. Frag«» beschäftigte stch der Krmirath mit der Stellung der Regierung zu dem Beschluß der Budgetkom Mission des Reichstags: die Hälfte der den Einzelstaaten zustehenden Ueberweisungen über die Mattikularbeittäge hinaus zur Schulden­tilgung zu verwenden. Ueber diesen Anttag Lieber sind nun g e t h e i l t e A n s i ch te n vorhanden. Begreiflicherweise steht der Reichsschatzsekretär dem Gedanken, in dieser Weise mit der Tilgung der Reichsschulden zu beginnen, sympathisch gegenüber, während von anderer Seite prinzipielle Bedenken er­hoben werden, in die Finanzen der Einzelstaaien, namentlich der kleinen Einzelstaaien, dadurch ein- ugreifen, daß man ihnen im Laufe des Etatsjahres steichszuschüffe entzi ht, auf welche sie gerechnet haben, da sie doch zu den Bedürfnissen des Reiches nach wie vor in gleicher Weise herangezogen werden. Diesen Standpunkt Beitritt am entschiedensten Finanz­minister Miquel, dem die erwähnte Neuerung auch mseine Reichsfinanzrcform, die er bei günsttger Ge-

Wifsenschast, Kunst und Leben.

** 3'«-, U. März. (Universität.) Die ordent­liche Professur für Staat»-, Völker- und Verwaltung-recht dn diesen U eisität wurde km außerordentlichen Professor Rosenthal übertragen.

. ' .^üuchto.lS. März. (Ludwig Fulda.) Der

dramatische Schriftsteller Ludwig Fulda siedelte heute von München nach Berlin über.

n-TL/F^J^ibmnfenm.) Chicago hat einen neuen g schädlichen Gedanken ausgebrütet. Da»Hall House Settlement verleiht nämlich Bilder, gerade so, wie die Leihbibliotheken Bücher verleihen. Die AbonneMen können lebe» Blld vierzehn Tage lang behalten und sich dann ein anderes bestellen.

Es ist nur zu traurig, daß das übrige Europa an englische Großmuth so schwer zu glauben vermag, und um so schwerer, als die Engländer, wie alle Leutt, die mit der Wahrheit auf gespanntem Fuße stehen, sich zu rasch selbst desavouiren. So haben denn die englischen Blätter ziemlich schnell zugegeben, ... ............. uuu ccn ^anzoien Lall Heb

lhnen die deutsche und französische Presse von dasFriedensministerium" Rudiltt nickt acra auf vornherein auf den Kopf zugesagt haben, daß neben weitschauende Unternehmungen einläßt i/in bei mancherlei anderen triftigen Granden die Eroberung! wenigen Tagen seit es die Geirstöfte er, t A Mahdist.-«»- di. »«WM. ist, n,t6W! LT SmÄÄ*

tat d.° -r-X sL CTÄffiX?

zunächst einige Schlappen erleiden, wie es z. B.l sondern die aünftiaeren her SS t t Ut bi° in 6.** 6W. f.® Lto

sS SS? MWWM sst-Äitd« rSJS?

MeSffi'BrÄ Energie <^"tr htrvorzugehen ver^agE"

(Nachdruck verboten.) I Freudigkeit zurück. Nun glaube ich an Deine Ver- Salon-Ree der Geliebten die tröstliche

o I Versicherung bringen, daß die Wunde, die wir Dir

Ao«a» von «. Ma rbh. lschlugen, vernarben wird. Nicht wahr, mein Freund

(Fortsetzung.) ist noch nicht zu spät?"

.Hön auf/B.m°, Dich aniu!I«g<,- fi.1 _ Ä

Doktor Kroner, als Hartmann, schwer Athem holend,! für mich " Uflte Sroner Iei,e

vielleicht nicht ohne Schuld, ich habe Doras eigen | 19.

S'*!«Si° s-h- -.rmitzt und warm .ft.

g* stjä.*

»'m , vkksönlich-s gegmfkitiges I Scelcaftimmuag d.r heftigst« Aufruhr "in "der"Natur

»b°. dich -m b-stm h-^-nirt L di- L« La»!!.. E h-h-ch, M* -»pftnduu- d-, gehaliml schnellsten stchst. «an wirfm

Wen durchbohrend auf Kroner's AntlitzDank! Kroner, den bestürzten tam'XiLwV?

bieft Werte, sie geben mir Lebensmuth undjjungen Frau begegnend, hastiger fortwenn Sie

Staatssekretär v. Marschall im Auswättigen Amt. Abends wohnten die Majestäten dem Diner in der russischen Botschaft bei. Jeder Bestätigung ent­behrt vorläufig das in auswärtigen Blättern ver­zeichnete Gerücht, daß das russische Kaiserpaar im Juni dem Berliner Hofe einen Besuch ah- ftatten werde. Das schwedische Königspaar beabsichttgt, am 30. März zusammen von Stockholm nach Hamburg abzureisen, von wo aus sich der König über München nach Cannes zu einem sechswöchent- licfjen Aufenthalt bezieht, während die Königin au: zwei Monate nach Honnef am Rhein reift. Polizei­lich beschlagnahmt wurde die Märznummer desVorwärts". In der Expedition wurden etwa 5000 Exemplare gefunden.

ttgeuheit wieder aufzunehmcn hofft, nicht hineinpaßt.

* Berlin, 17 Mär; (Taaesberickt) ~t> . ur$' äa& der Abgeordnete Lieber feinen An- Maj-stät der Kaiser nahni heute Vormittag ff 3nitiatib5®efe6entn)urf,

Vorträge des Chefs des Militärkabincts v. HahnkeLder ablebnen £ und des Korrespondenz-Sekretärs Mießner entgegen, gebracht^wttd bie Sraiml«