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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg nnd Kirchhain.
Jllnftrirtes Sonntagsblatt, »«»“«sä*
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. - Quartal- Abonnements-Preis bei der Expe- dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 M. 25 Pfg (»xkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltv« Zeil« ober deren Raum 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
AttMburg,
Freitag, 13 März 1896
Antigen nimmt entgegen di» Expedüion dieses Blatte», sowie di« Annoncen-Bureaux von Haasenstein u Vogler in Frankfutt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXII Qflfirrt Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u Köln; C. L. * 'UUV‘|J'
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover Paris
Die Justiznovelle.
* Nach langen Debatten nähert sich nun endlich die Kommissionsberathung der Justiznovelle ihrem Ende. Man hätte erwarten dürfen, daß diese dem Reichstag schon in der vorigen Session überwiesene Borlage eine schnellere Erledigung finden würde, denn sie ersttebt einige Neuerungen von allerhöchster Bedeutung für das deutsche Volk, nämlich die Wiedereinführung der Berufung gegen die Urtheile der Strafkammern und die Entschädigung unschuldig Ver- urtheilter. Der gegenwärtige Reichstag liebt in besonderem Maße die deutsche Gründlichkeit und hatte schon bei der ersten Berathung der Novelle so viele Meinungsverschiedenheiten zu begleichen und Sonderwünsche zu berücksichtigen, daß sie natürlich im vorigen Jahre nicht zum Abschluß kam. In der gegenwärtigen Tagung wieder vorgelegt und mehrfach zeitgemäß ergänzt, faßt sie nunmehr eine Rcforni der Gerichtsverfassung und des Reichsstrafprozesses nicht nur in den vorstehend gedachten beiden Hauptpunkten, sondern auch noch nach mehreren anderen Seiten hin in's Auge. Sie ersetzt den dem deutschen Volke immer fremd gebliebenen Voreid durch den Nacheid, will überhaupt eine Beschränkung der Vereidigungen und entspricht hiermit Wünschen, deren Erfüllung ebenso werthvoll für das Ansehen der Rechtspflege, wie begehrenswerth für das große Publikum ist.
Im Weiteren wird der Zulässigkeit des Kontu- macial-Verfahrens gegen Abwesende ein größerer Spielraum angewiesen, auch die Zulässigkeit von Privatklagen vermehrt und die Zuständigkeit der Schöffengerichte und der Sttaskamniern erweitert. Tie im vorigen Jahre gestellte, doch lebhaft bekämpfte Forderung, daß die Zusammensetzung der Strafkammern von der Landes-Justizverwaltung bestimmt werden solle, ist dem diesjährigen Entwurf fern geblieben. Obwohl derselbe so den allseittg empfundenen Mängeln des Strafprozesses und auch vielen Parteiwünschen weit gerecht wird, ist eine Annahme des Gesetzes vom Plenum doch noch nicht über alle Zweifel gestellt. Die Kommission hat sich über die meisten Punkte der Vorlage mit der Regierung verständigt, aber sich doch die alte freisinnige Forderung der Abschaffung des Zengnißzwanges bei Preßvergehen und der Beschränkung der gerichtlichen Zuständigkeit auf den Ort des Erscheinens eines angeschuldigten Preßerzengnisses zu eigen gemacht.
Trotz des lebhaften Einspruchs des Regierungsvertreters ist von ihr ein Beschluß gefaßt worden, »ach welchem Verleger, Redakteur und Trucker einer
periodischen Zeitschrift, sowie deren zur Herstellung der Druckschrift verwandtes Hilfspersonal berechtigt sein soll, das Zcugniß über die Person des Verfassers und Einsenders zu verweigern. Die Forderung in Bezug auf die Zuständigkeit der Gerichte in der Verfolgung von Preßerzeugnissen dürfte schließlich zu einer Verständigung sichren. Die Abschaffung des Zeugnißzwanges der Presse betrachten die verbündeten Regierungen indessen für eine unannehmbare Forderung; legen also die Parteien auf diesen Punkt ein größeres Gewicht, als auf die Wiedereinführung der Berufung gegen die Strafkammerurtheile und auf die Entschädigung unschuldig Venirtheilter, so wird das deuffche Volk wohl noch vergeblich aus die großen Verbesserungen der Justiznovelle warten können.
Deutsches Reich.
* Berlin, 11. März. (Tagesbericht.) Heute Morgen besichtigte Se. Majestät der Kaiser im Atelier des Bildhauers Schott den Entwurf zu einem Denkmal des Markgrafen Albrecht des Bären, Nach dem Schlosse zurückgekehrt, nahm der Monarch den Vortrag des Chefs des Civilkabinets entgegen und empfing den Fürsten zu Fürstenberg anläßlich dessen Ernennung zum Oberstmarschall. Zur Tafel war Graf Goluchowski cingeladen. Abends wohnte Se. Majestät dem Diner beim italienischen Boffchafter Grafen Lanza bei. — Bei dem heutigen Frühstück im Königlichen Schlosse hat der Kaiser dem Grafen Goluchowski das Großkreuz des Rothen Adlerordens mit Brillanten verliehen. — Ter schwedische Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Graf Tonglas, hat den Rothen Adler- Orden erster Klasse erhalten. — Nach den neuesten Bestimmungen über die Kaiserreisen führt der Kaiser nicht nach Abbazia oder in ein österreichisches Bad, sondern reist nach Genua, wo er sich an Bord seines dorthin befohlenen Dampfers begiebt. Von Genua aus werden einige Dampferfahrten im Mittelmeer unternommen. Die Kaiserin wird ihren Gemahl auf allen diesen Reisen begleiten. Weiter heißt es, daß das Kaiserliche Paar mit den ältesten Prinzen in Rom mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen zusammentreffen m™, um daselbst das Osterfest zu feiern. — Ihre Majestät dieKciiserin Friedrich wird einen Theil des Sommers in Gnadenwald nächst Innsbruck zubringen.
(Der neue italienische Minister- präsident über den Dreibund.) Die „Köln.
Ztg." veröffentlicht einen Brief des neuen italienischen Premiers Rudini, der ihr von einem seiner Freunde übersandt wurde und worin Rudini über den Dreibund sagt: „Eine lange Zeit des Friedens ist für Italien unbedingt nothwenig. Wir brauchen Frieden nach Innen und Außen. Der Dreibund nnd die wirksame Vertheidigung unserer Staats- e i n r i ch t u n g e n gegen die Umsturzparteien sichern diesen Frieden, ohne den Italien seiner wirth- schaftlichen Lage nicht aufhelfen könnte. Täuschen wir uns doch nicht: Wer weiß, wieviel Blut und Thränen ohne den Dreibund schon vergossen wären, wer weiß auch, wie dann erst die wirthschaftlichen Verhältnisse darniederlägen." — Der Dreibunds- vertrag läuft am 6. Mai 1897 ab, bleibt ober- weitere sechs Jahre in Kraft, wenn er nicht ein Jahr zuvor gekündigt wird. Es wird versichert, daß das neue Ministerium dcu Kündigungstermin stillschweigend verstteichen lassen wird.
* (Fakultative Civilehe.) Tie freikonservative Fraktion trat heute zur Berathung des von den Abg. Himburg und Frhrn. v. Maltzcm in der 12. Kommission gestellten, auf Einführung der fakultativen Eioilehe gerichteten Anttages zilsammen. Nach eingehender Diskussion wurde mit 16 gegen 2 Stimmen folgender Antrag zum Beschluß erhobui: „Ter Antrag Himburg ist geeignet, das Zustandekommen des bürgerlichen Gesetzbuches ernstlich zu gefährden. Die Fraktion spricht sich entschieden gegen dessen Annahme aus und erwartet von ihren Kommissionsmitgliedern, daß sie gegen die Abschaffung der obligatorischen Civilehe stimmen werden." — lieber die Stellung des Kultusministers zurCivilehe bringen die „Bcrl. Pol-Nachr." solgeude Erklärung: „Tie Behauptung, als sei Knlttlsministcr hr. Bosse im preußischen Staate Ministerium für die faknltattve Civilehe ein= getreten, oder als sei dort über einen solchen Antrag abgestimmt worden, entbehrt jeder Begründung. Das Staatsministerium war stets einstimmig der Meinung, von der Ausnahme der fakultattven Civilehe in das bürgerliche Gesetzbuch könne keine Rede sein. Besonders Kultusminister Bosse hat keine andere Auf- sassting vertreten." Wie die „Volkszeitung" dazu mittheilt, ist der Oberkirchenrath allerdings während der Vorverhandlungen zu einem Gutachten über die Civilehe aufgefordert worden, er habe sich aber keineswegs für die fakultative, sondern für Beibehaltung der obligatorischen Civilehe ausgesprochen.
y (Ur. Karl Peters) beabsichtigt gegen Ende März den Geheimrath Behring aus Capri zu besuchen und mit ihm eine Reise durch Süditalien nnd
Sizilien zu machen. Bei dieser Gelegenheit wird er in der Geographischen Gesellschaft zu Rom und der tiocieta atricana dell’ Ita'ia, bereit Ehrenmitglied er ist, Vorträge halten. Wahrscheinlich dürften bet dieser Gelegenheit auch die Anknüpfungen betteffs seiner Somali-Expedition zum Abschluß gelangen.
** (Berufung.) Berechtigtes Aufsehen erregt die Nachricht, daß der Kaiser den Geh. Kommerzien- rath Frentzel, den Präsidenten des Deutschen Handelstages, der gestern gegen das Börsen- und das Margarinegesetz Stellung nahm, ans Allerhöchstem Vertrauen auf Lebenszeit in's Herrenhaus berufen hat. Geheimrath Frentzel war ftüher auch Vorsitzender der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft, wurde jedoch nach heftigem Wahlkampf nicht wieder gewählt, weil er in der Börsen- Enguete-Komtnission für das Börsenregister gestimmt hatte. Die „Freis. Ztg." glaubt, diese Berufung scheine eine Folge der Anregung zu sein, welche jüngst Abg. Friedberg im Abgeordnetenhause gab, dem Handel und der Industrie durch Berufttng ans Allerhöchstem Verttauen eine größere Vertretung im Herrenhause zu sichern. Frentzel steht auf dem Standpunkt der freisinnigen Vereinigung, als bereit Kanbibat er bei bett letzten Reichstagswahlen in Rostock auftrat.
** (Der inkonsequente „Vorwärts".) Konsequenz sucht man beim sozialbcmokrattschen Blatt „Vorwärts" immer vergebens. „Eine große Spekn- latton auf bie Dummheit" nennt er heute mit strenger Miene bie Veranstaltung ber Gewerbeausstellungslotterie. Auf bie Dummheit seiner Leser spekulirt bas Blatt, bas bie Wissenschaft unb bie Aufklärung in Erbpacht genommen hat, inbem es Ziehungslisten von Lotterien brücken unb seinen „werthen Abonnenten" gleichzeittg mit ben Schimpfartikeln gegen bas korrumpirenbe Lotteriespiel zugchcn läßt.
* (K o l o u i a l e s.) Ein Ergänzungstransport für bie ost afrikanische Schntztrttppe ging in ber vergangenen Woche unter Führung des Premier- lientenants Brosig von Berlin nach Neapel ab und bat dort gestern auf dem Reichspostdantpfer „Bundesrath" die Ausreise nach Tar-es-Salaam angetreten. — Zur Komplettirnng der durch Abgänge stark geschwächten Schutztruppe in Südwestafrika werden Ausgangs Mürz unter Lieutenant v. Zülow 160 Mann verschiedener Waffengatttingen Berlin verlassen und in Hamburg auf einem Dampfer der Wörmanulinie nach Swakomund eingeschifft.
* Darmstadt, 11. März. (Militärisches.) Die Erinnerungsfeier aus Anlaß des 275jährigcn
(Nachdruck verboten.)
Die Salon-Fee.
Roman von 8L Marbh.
(Fortsetzung au» Nr. 60.)
„Wie schade!" bemerkte Hilda mitleidig. „Es ist heute so amüsant, auch die Eisbahn ausnehmend prächtig. Aber Du siehst in der That bleich aus."
„Armes Kind!' — bedauerte Käthe Zeller heuchlerisch. „Hast Du etwa eine so ernste, an- greifenbe Konversation mit Deinem interessanten Begleiter geführt? — Aber" sie blickte suchend umher — „er scheint ja, kaum aufgetaucht, schon wieder spurlos verschwmtben zu sein? — Beliebt's dem Herrn Obersteuerconttoleur, henke Versteckens zu spielen?'
„Herr Obersteuercontroleor' — verletzte Dora, bemüht, ihrer Stimme Festigkeit zu geben — „sieht sich nach Friedrich um. Es ist mir dies ein großer Gefallen, denn ich wüßte nicht, wo ich zuerst suchen stllte."
„Freilich — unter den vielen Menschen! Im Falle er nicht zu finden —" — Fräulein Käthes Stimme erhielt einen scharfen Klang — „bann wirb her galante Apollo sich sicher ein Vergnügen daraus machen, Dich zu begleiten, was ja auch von einem so nahen Freunde Eure» Hauses —"
„Da kommt Herr Hartmann, Dora! Dort steht auch Euer Diener!' fiel Hilda von Wulfen, innerlich empört über Käthchens spöttischen Ton, derselben rasch in's Wort.
„Gefunden, mein gnädiges Fräulein!' rief Hartmann, nachdem er die beiden anderen'Damen artig begrüßt hatte, Dora zu. „Darf ich mir erlauben!' Er bot ihr den Arm.
„Ich bin Ihnen aufrichtig dankbar, Herr Ober- teueicontroleur" — erwiderte sie für ihre „guten" Freundinnen vernehmbar laut — „könnte mir aber nM verzeihen, Sie noch eine Minute länger der Ge- ellschaft zu entziehen."
Trotzdem sie seinen Aim nicht nahm, blieb er an ihrer Seite.
. .Herzlieb, was hast Du?" fragte er leise, voll tiefer Zärtlichkeit. „Laß mich Dich begleiten und gleich heute mit Deinen Eltern —"
„Nein, nein, heute nicht," lehnte sie hastig ab ' C.T- ihre Augen standen voll Thränen — „eS ist vielleicht bester, wenn ich zuerst ber Mama — ° ,bi"e" — unterbrach sie sich — „bleibe jetzt zuruck. Käthe hat uns vorhin gesehen, sie beobachtet uns voll Argwohn."
„Wirklich? - Nun beßhalb, Lieb', beunruhige Dich nicht, ich werbe mich unter so kühlem Ceremoniell verabschieden, baß bie fromme Taube mit dem Schlangenherzen sich schier verwunb rn soll! Gute Nacht, mein herzliches Mäbchen! Ich gehe auch bald nach Hause! Diese fröhlich schwatzenden Menschen sind heute meiner von einem viel holderen Bilde erfüllten, nach Einsamkeit dürstenden Seele zuwider Träume süß, meine — meine Dora!'__
Nach ein heißer, heißer Blick — dann dine Verbeugung, so förmlich, daß wohl Keinem bie Ver- rnuthung sich aufbrängett konnte: es verabschiebeten sich hier zwei Menschen, bie vor wenigen Minuten einen Bund sür's Leben geschlossen hatten.
„Darf ich mich fertig machen, Edmund? Gehen wir nun bald?" fragte Frau Steuerrath Herbst, die Thür zu ihres Gatten Arbeitszimmer öffnend, hörbar ungeduldig.
„Stehe im Augenblicke zu Deinen Befehlen, liebe Frau. So" — ber Steuerrath spritzte die Schrcib-
feber aus unb erhob sich — „verzeih', Tinka! Die Arbeit bauerte länger, als ich gebucht, boch ba es sich um eine schleunige Sache handelt, die noch heute an die Regierung abgesandt werden muß, so begreifst Tu —"
„Daß Hcrrendienst jedem Vergnügen vorgeht! Ties bringst Du mir heute nicht zum ersten Male zum Bewußffein, lieber Mann!" lächelte Frau Steuererrath. „Ich hoffe übrigens, wir kommen noch ftüh genug."
„Wahrhaftig, Altchen" — der zustimmend nickende Ehemann zog die weiße Hand feiner noch immer begehrenswerth schönen Gattin galant an die Lippe». „Du bist doch die vernünftigste Frau der Welt" — er legte ihr den schwarzen Sammetpelz sorgsam um die Schultern — „die vernünftigste und — die schönste dazu!"
„Und Dn" — lachte die Dame — der größte Schmeichler, welcher" — sie brach aufhorchend ab — diese flüchtigen, leichten Schritte im Hausflur waren doch nur Tora eigen? Sie ttat rasch auf die Thür zu, doch noch ehe ihre Hand den Drücker berührte, trat Tora bereits über bie Schwelle.
„Tn kommst schon? Ter Spektakel schon zu Ende? Wir stehen eben im Begriffe, hinauszugehen!" Tragteil bie Eltern erstaunt.
„Bitte, laßt Euch nicht zurückhalten!" versetzte >aS junge Mäbchen hastig. „Alle unsere Bekannten nd noch draußen."
„Natürlich! Nach ben Wallsahrten zu schließen, die mir auf bem Heimwege vom Zollamte begegneten, muß ganz Grünau auf den Eise versammelt fein. Aber ag’ mal, Häschen," fuhr der Steuerrath in feiner ooialeu Weise fort, — „was treibt Dich denn schon o früh nach Hause? Hast Du bas erwartete Vergnügen nicht gefunden?"
„Mir wor — ich habe Kopfweh!" erwiderte Dora ausweichend. Sie warf Hut und Jaquet achtlos auf den ihr zunächst stehenden Stuhl, ließ sich, wie ermüdet, in einen Sessel sinken und stützte den blonden Kops in die Hand, um der Mutter, deren forschenden Blick sie auf sich ruhen fühlte' die in ihr Antlitz schießende brennende Röthe zu verbergen.
Frau Steuerrath Herbst, durch ein befremdetes Etwas in Doras Wesen, selbst im schwankenden Ton ihrer Stimme, beunruhigt, streifte ihre Handschuhe langsam wsidcr ab und glitt dann mit ihren kühlen Fingern leicht über des Mädchens Stirn.
„Du scheinst Dich ernstlich unwohl zu fühlen!' bemerkte sie besorgt. „Deine Stirn ist fieberheiß. Deine Hände dagegen äußerst kalt — unb wie heftig sie zittern! Soll ich den Arzt holen laffen?*
„Warum nicht gar! Nur nicht gleich so ängstlich, Liebe!" kam ber Steuerralh Doris Protest zuvor. „Das Kind hat sich erkältet, ich rathe: Du trinkst >eißen Glühwein, Kleine, der —"
„Danke, bitte, quält mich nicht mit Fragen, es wird vorübergehen!' sagte Dora abweisend.
„Nun" — Fran Steuerrath nahm von einem Pfeilertische einen Brief unb legte ihn vor Dora hin — vielleicht ist dies ein probates Beschwichtigungsmittel?"
Ihres Verlobten Handschrift erkennend, war es üora, als greife eine kalte Hand nach ihrem Herzen, ie schauerte sichtlich zusammen, schneeige Blässe überlief ihr Antlitz.
»Ich — ich kann jetzt nicht — ich will auf mein Zimmer," murmelte sie tonlos. Sie wollte ich erheben, sank aber, von Schwindel erfaßt, wieder zurück.
„Um Gotteswillen" — Frau Steueirath Herbst