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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Jllnstrirtes Sonntagsblatt.Tsawffias-Äta*

Auzftgm ntnnm entgegen die Expedition diese» Blatte», sowie dir Annoncev-Bllreanx von Haasenstein u Bögler in

Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXII Qrtfirft Moss« in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; C. L. ' »

Daube u. Co. iu Frankfurt a. M., Berlin Hannover Pari»

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; Graf Goluchowski in Berlin.

* Der österreichisch-ungarische Minister des Aus- vSrttgen, Graf Goluchowski, ist Montag Abend in Berlin zu mehrtägigem Aufenthalte eingetroffen und vom österreichischen Boffchafter von Szögyeny empfangen worden. Dienstag Abend 6 Uhr hatte derselbe eine Audienz beim deuffchcn Kaiser. Se. Majestät empfing den Grafen ganz allein; während der dreiviertelstündigen Unterredung war Niemand zugegen. Graf Goluchowski trug kleine Minister- uniform. Die AudienzGoluchowski's bei derKaiserin währte 10 Minuten. An den Besuch, den Goluchowski Dienstag Vormittag dem Reichskanzler machte, knüpfte sich eine mehr als einstündige Unterredung beider Staatsmänner.

Dem Berllner Aufenthalte des österreichischen Staatsmannes wird allerorten eine große aktuelle Bedeutung für die internationale Politik zugesprochen. Bei der Uebereinstimmung, die bezüglich der Endziele der auswärttgen Politik seit Jahren zwischen den Regierungen der beiden verbündeten Kaiserreiche herrscht, ist anzunehmen, daß es ohne Schwierigkeiten gelingen werde, auch betreffs der augenblicklich im Vordergründe stehenden Fragen eine vollkommene Verständigung zu erzielen. Was insbesondere das Verhältnis zu Italien betrifft, so ist man an den maßgebenden Stellen in Berlin und in Wien keinen Augenblick darüber im Zweifel gewesen, daß der Dreibund als solcher in seinem Bestände durch die jüngsten Ereignisse nicht berührt sei, und ebenso ist man dort wie hier von der Nothwendigkeit über­zeugt, dem Bundesgenossen im Unglück Beweise treuer Freundschaft und Hilfsbereitschaft zu geben. Natürlich ist jede direkte Hilfe nach Lage der Verhältnisse von vorn herein ausgeschlossen. Ebenso muß es völlig dem freien Ermessen der leitenden Kreise Italiens überlassen bleiben, wie sie sich zu den afrikanischen Ereignissen stellen, ob sie den Feldzug gegen Menelik fortsetzen oder abbrechen wollen. Aber Pflicht der beiden Bundesgenossen ist es, dem Dritten im Bunde nach jeder Richtung die Möglichkeit zu gewähren, unbeeinflußt durch andere nicht in der Sache selbst liegende Rücksichten seine Entschließung zu treffen. Sie müssen Italien den Rücken gegen Jeden decken, der etwa auf den Gedanken kommen könnte, die augenblicklichen Verlegenheften dieses Staates für sich auszunutzen. Darüber hinaus werden wahrscheinlich in den bevorstehenden Besprechungen der Berliner leitenden Stellen mit dem österreichisch-ungarischen Minister des Auswärfigen auch Maßnahmen erörtert werden, die geeignet erscheinen, Italien über die durch die aftikanischen Vorgänge bedingten finanziellen Schwierigkeiten hinwegzuhelfeu.

Von welchen Gesinnungen Kaiser Wilhelm Italien gegenüber beseelt ist, davon legt die That- fache Zeugniß ab, daß er sich gerade in diesen Tagen beim italienischen Botschafter Grafen Lanza zu Gast geladen hat, nachdem er ihm schon zuvor einen längeren Besuch abgestattet hatte. Aehnliche sympathische Ge­fühle für Italien darf man beim Kaiser von Oester­reich voraussetzen.

Auch von Berliner offiziöser Seite wird betont, daß für Deuffchland und Oesterreich - Ungarn die Zwischenfälle des Krieges in Abessinien keinen Einfluß auf die Stellung Italiens im Dreibünde ausüben können. So schreibt dieNordd. Allg. Zig.", in dem Gedankenaustausch zwischen Goluchowski und den leitenden deutschen Staatsmännern könne an eine Lockerung der Beziehungen zu Italien nicht gedacht werden. Die gehässigen Auslassungen einzelner englischer Blätter seien lediglich ein neuer Ausfluß der Liebhaberei eines Theiles der englischen Presse für Brandstiftung auf dem europäischen Kontinent, «n Verfahren, welches dem Urtheil der besonnenen englischen Polittker überlasten bleiben kann.

In gleichem Sinne äußert sich bei einer Be­sprechung der Berliner Reise des Grafen Goluchowski das offiziöseWiener Fremdenblatt". Es sagt, durch die schon vor längerer Zeit in Aussicht genommene Reise lebt die alte Gepflogenheit des persönlichen Verkehrs der deuffchen und österreichisch-ungarischen Staatsmänner wiederauf, welche so viel zur Festtgung »nd innigen Vertiefung des die Kaiserreiche ver­einigenden Bundes beitrug, welche so lange als stets Irisch spmdclnde Quelle gegenseitigen Vertrauens Mrfte. Wenn die Reise Goluchowski's eine über den

gleichsam feststehenden trabitionellen Werth hinaus­gehende Bedeutung beanspruchen darf, so ist dies aus dem Umstande abzuleiten, daß der österreichisch-unga­rische Minister des Auswärttgen zum ersten Male in seiner neuen Stellung mit den für die deutsche Po­litik entscheidenden Männern zusammenkommt, nament­lich mit dem erlauchten Träger der deuffchen Reichs- polittk, Kaiser Wilhelm. Das Blatt bezweifelt keinen Augenblick, daß das persönliche Auftreten des Grafen Goluchowski in Berlin zu jener sympathischen Be- urtheilung seiner Individualität sichren wird, die er sich in Oesterreich - Ungarn so rasch zu erringen ver­mochte.

Deutsches Reich.

* Berlin, 10. März. (Tagesbericht.) Se. Maj. der Kaiser wohnte heute Vormittag der Offiziers Reitstunde der in Potsdam gamifonirenben Kavallerie-Regimenter bei Nachmittags empfing der Monarch ben österreichischen Minister Grasen Goluchowski im Schlosse und entsprach später mit der Kaiserin einer Einladung des österreichischen Botschafters von Szögyenyi. Morgen Abend wird bekanntlich der Kaiser das Diner beim italienischen Botschafter Grafen Lanza einnehmen. Der Erbgroßherzog von Oldenburg, Generalmajor und Kommandeur der 49. Kaoalleriebrigade, will, nach derOld Zig.", seinen Abschied nehmen.

* (Die vierten Bataillone.) Betteffs der vierten Bataillone bestätigt dieNordd. Allg. Zig.", daß die Aenderungcn in deren Organisation erst am 1. April 1897 zur Durchführung gelangen sollen, so daß die enffteheuden Mehrkosten in ben nächstsolgenben Etat eingestellt werben würben. Daß ein biese Angelegenheit betreffenber Nachttagsetat mit Forderungen für Unterbringung ber neu zu bilbenben Formationen 2c. noch in biefer Session an ben Reichstag gelange, wäre jedoch keineswegs ausgeschlossen.

* (Verein vom Rothen Kreuz.) Vom Centtalcornfts ber beuffchen Vereine vom Rothen Kreuz ist beim italienischen Comite angefragt worben, ob ihm eine Unterstützung bei ber Ver­wundeten- unb Krankenpflege in Abessinien erwünscht fei. Von Rom ist barauf eine bantenbe Erwiderung unter Vorbehalt weiterer Mittheilung über bie etwaige Annahme bes Anerbietens eingegangen.

* (DeutscherHandelstag.) Der dritte Hanbelstag hielt heute hier eine Plenarversammlung ab Zu berselben erschien wie üblich zur Begrüßung ber Staatssekretär v. Boetticher unb hielt eine kurze Ansprache, in ber er ben erfreulichen Aufschwung oon Handel und Industrie konstatirte und der Landwirihschaft in ihrer derzeitigen Nothlage jede er­forderliche Unterstützung verhieß, wozu er die Mit­wirkung auch der Handel- und Gewerbeiretbenden erbatt Sodann kam der Minister auf die Gesetz­entwürfe zu sprechen, zu deren Bekämpfung der Handelstag zusamrnengetteten fei. Es find dies in erster Linie der Börsengesetzentwurf und die Margarine­vorlage. Es sei richtig, führte Herr v. Bötticher aus, daß diese Gesetzentwürfe an verschiedenen Orten eine gewiße Erregung hervorgerufen hätten, aber es ei deßhalb kein Grund zu Mtßttauen gegen die Reichsregierung vorhanden. Letztere habe kein Miß- tranen verdient; aber der Regierung sei eine Kritik bie|er Gesetzentwürfe sehr willkommen; die Regierung werde daraus entnehmen, daß die Gesetzentwürfe noch der Korrektor bedürfen. Die Regierung werde den Rath des Handelstags gern hören und prüfen. Im Laufe der Verhandlungen nahm die Versamm- ung mehrere Refolmionen an, die sich mit ben derben genannten Vorlagen und mit dem Gesetz­entwurf bett, den Verkehr mit Handelsdünger be- aften, und zwar einstimmig den Anttag Kaempf- Berlin, wonach der deutsche Handelstag eine Gesetz- gebung zurückweist, welche in die Verkehrsfteiheit eingreist, die Selbstsrändigkeit der Handelsvertretungen tei ber Börsenverwaltung herabgedrückt und das Selbstgefühl im Handelsstande beleidigt. Ebenso einstimmig wurde der Leschlußanttag Frentzel-Berlin angenommen, welcher ausdrückt, daß in dem Morgaiinegesetz, dem Börsengesetz upd dem Handels- düngergentz Bestrebungen, Hanbel und Jndusttie emzuengen, ausgedrückt seien. Der deutsche Handels- tag billige alle Vorschriften gegen Auswüchse, verwahre

sich aber entschieden gegen Maßnahmen, welche wichtige Berufsstände in der allgemeinen Achtung herabsetzen, deren Mitglieder in der berechtigten Jnteressenwahrung hindein und dadurch dm Einzelnen, wie die Gesammtheit unberechenbar schädigen.

* (Afsaire v. Hammerstein.) Freiherrvon Hammerstein kommt im April vor das Schwurgericht. Er führt, nach derVolkszeitung", die Vertheidigung auf der Basis, daß er int Parteidienste zu angestrengt gewesen sei, um seine zerrütteten Privatverhältnisse zu ordnen. Sein Prozeß liegt insofern sehr günsttg, als alle Unterschlagungen und Fälschungen bis au eine verjährt sind.

* Cassel, 11. März. (Konservativer Verein.) Gestern Abend fand die General-Ver­sammlung des Konservativen Vereins für Hessen und Waldeck im Saale des Hotel Viktoria statt. Für dm verstorbenen Herm Regie ruugsrath Besser wurde Herr v. Lübbecke als Vorsitzender gewählt. Statuten­gemäß wurde die Neuwahl dreier ausscheivender Vorstandsmitglieder vorgenommen und wählte man als solche die Herren Major v. Alvensleben-Rusteberg, Kammerherr von Malsburg-Escheberg und Rechnungs­rath NauhauS wieder. Neugewählt wurde in den Vorstand Herr Generalmajor v. Mallizewski. Herr Reichstagsabgeordneter Professor Hüpedcn hielt so­dann einen Vortragüber den Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuches". Im Anschluß an denselben beschloß die Versammlung fast einstimmig eine Eingabe folgenden Inhalts an den Reichs­tag abzusenden:Dem hohen Hause deS Reichstage« unterbreiten die Unterzeichneten folgendes Gesuch, dem Paragraph 1300 des bürgerlichen Gesetzbuches dochgeneigtest folgende Fassung zu geben:Die Eheschließung kann durch einen Standesbeamten ober durch einen Geistlichen geschehen. Im letzterem Falle hat ber Stanbesbeamte nach erfolgtem Auf­gebot zu bescheinigen, baß bet Eheschließung nichts entgegensteht unb hat ber Geistliche, ber bie Trauung vollzieht, dem zuständigen Standesamt in der er­folgten Eheschließung innerhalb zweimal 24 Stunden amtlich Mittheilung zu machen." (Fakultative Civilehe.) Endlich beschloß man noch eine Petetion zu Gunsten der Mannevorlage an dm Reichstag zu richten.

Parlamentarisches.

Deutscher Reichstag.

* Berlin. 10 März. (56 Sitzung.) Der Reichs­tag setzte heute bei Artikel 6 bk Berathung der Ge- werbeordnungs -Novelle fort. Angenommen wird die Bestimmung, daß die Verordnungen über die Sonntags­ruhe de» Personal» auch auf Konsum- und andere Vereine ausgedehnt werden. Ein Antrag Gröber (Centrum), v. Holleufer ( ons.), den Ausschank und den Verkauf von Branntwein vor 8 Uhr Morgen» zu verbieten, wird zurück­gezogen. In Artftel 7 wird auf Antrag bt» «6g. Richter < freif.) die Bestimmung gestrichen, welche den Hausir- und Markthandel'n landw rthschaftlichen und Gärtnerei-Produkten konzessionspflichtig machen will. Abg. Lenz mann (freis.) beantragt das Verbot de» Feilbieten» und Hausiren» für Kinder unter 14 Jahren. Für bestimmte Zeitperioden, aber led-Snal nur auf höchsten» zwei Wochen, soll die Polrzei Ausnahmen gestatten können. Der «ntrag wird angenommen, vorbehaltlich einer genaueren Feststellung der Bestimmung über die Ausnahmen in der brüten Lesung Artikel 8 verbietet da» Tetailreisen, b. h. die Aufsuchung von Bestellung auf Maaren beim Privat-Publikum durch Reisende. Da« Besuchen von Gewerbetteibenden durch Reisende wird hierdurch nicht berührt. Abg. e. Stumm (freikons) will das Detailreisen gestatten, wenn der betr Reisende ausdrücklich vom Privatmann zum Kommen aufgefordett wird. Abg. Hitze (Ctr., will da» Detail­reisen iu Druckschriften, Schttsten und Bildwerken gestatten, und dem Bundesrath anbeimgeben, von dem sonstigen Ver­bot Ausnahmen für gewisse Maaren, Gegenden oder Grup­pen von Gewer ettttbenden zuzulassen. Abg. Quentin (natl) wünscht auch Seinen, Wäsche, Wein bei Detailreisen znzulassen. kbg. Humana (Ctr) will allen seit fünf Jahren bestehenden Gewerbebetrieben, welche bisher da» DelaUreisen übten, dies Letztere bi» zum Ausscheiden de» eitherigen Inhaber» der Firma gestatten. Abg. Quen­tin (natl.) will dasselbe für alle vor dem ersten Januar 1896 errichteten derartigen Geschäfte. Nach weiterer Debatte, die aber etwa» Neues nicht bringt, werden die zu dem Art. 8 gestellten Anttäge di» auf ben Antrag Hitze abgelehnt und hiernach die Wefterderathung bi» Mfttwoch 1 Uhr vertagt.

3» der ReichrtagSkommission für da» bürger­liche Gesetzbuch wurden zunächst die §§ 574 bi» 603, welche Pacht, Leihe und Darlehn behandeln, unverändert angenommen und sodann in die Berathung de» Abschnitts Dienstvertrag" eingetreten. Hierzu liegt ein Antrag ber Sozialdemokraten vor bett. Abschaffung der bestehenden Ge­

sindeordnungen und Gleichstellung des Gesindes und ber ländlichen Arbeiter mit den gewerblichen Arbeitern. Statt Dienstvertrag" sollArbeitSvertrag" gesagt werden. Auch Abg Grober (Ctr.) hat eine Reihe von Abänderungen be­antragt.

Die Berathung ber Extraforderungen de» C ?"xC e£?1 ? ,tourbt Dienstag in ber Budgetkommission fortgesetzt. Abgelehnt wurden 191800 Mk. für Strand­ausschüttungen am Kieler Hafen, sowie die bereit» in den früheren Sessionen abgelehnte Forderung der ersten Baurate von 1. Mill. Mk. zum Bau eines Trockendocks auf der Werst zu Knl. Die vom Ordinarium des Marineetats der Kommission überwiesenen Theile wurden darauf bewilligt.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

* Berlin, 10. März. (39. Sitzung.) Tie Straf- arbeit, welche dem Abgeordnetenhause für seine gestrigen a b e n b I-i a) e n Nachntzstunden auferlegt war, bestand in ben Anträgen, welche die in ben Titeln 34, 36 und 38 de» KavitelsElementarschulen" aufgefühtten DiS- posttionsgelder betrafen. In Titel 34 weiden zu Bei- dilsen an Schuloerbände wegen Unvermögens für die lau« fenben Ausgaben der Schulunterhaltung 73991 0 Mark n, Ditel zur Errichtung neuer Schulstellen J27 768 Mark; in Triel 38 zur Unterstützung von Schul- verbanden wegen Unvermögens bei Eleuentarschulbauten ,000000 B ark. Das Ergebniß ber mehr als dreistündigen Berathungen war, d.tz die Staatsregierung aufgefordett werden soll: 1) Grundsätze, nach denen diese Beihilf n zu mvCv. v.m Kultusminister gemeinsam mit dem M'-nster d-» Innern und der Finanzen aufzustellen; i) bie 5onb» auf di- Regierungsbezirke zu vertheilen; 3) rie Ber- therlung durch die Regierungspräsidenten nach Anhörung der Krers-Aurschusse vornehmen zu lassen; 4) alljährlich dem Landtage einen Spezialnachweis über die erfolgte V-rtheilung Doriulegen.-Der Kultusminister hatte gegen die Beschlüsse nichts einzuwend n mit Ar, r «ahme des Punktes , rn dessen Inhalt er eine Aendemng ber ge» l-tzlichen Grundlagen erblickt; eine Aeuderung, über bie er nicht befugt sei, sich ohne Zustimmung des Staatsministeriums zu äußern. In seiner heutigen Sitzung nahm das TrielDienstalterszulagen für VolkSfchullehrer und Lehrerinnen" einen Antrag des Abg. v Strombeck (Ctr.) an, wonach auch die an einer konzessionirten Privatschule verbrachte Dienst­zeit angerechnet werden s. tt. Au» der Debatte über das und Wissenschaft" in hervorzu- heben, daß die freikoniervaiiven Abgg. v. Dziembowski und v Tiedemann-Bomsi baten, ber Provinz Posen auf diesem Gebiete mehr Zuwendungen als bisher zu ein Verlangen, dem sich u. A. auch der pol- nssche Abg. v. I a, d z e w s k i anschloß. Bei dem Titel: 5onb8 zur Verbefieriing ber äußeren Lage der Geistlichen aller Ifefenntniffe" lagen zwei Centrumsanträge vor, die Jahr für Jahr an dieser Stelle immer wieder erscheinen. Ter eine will auch Geistlichen in ber Diaspora" - womit auch Diejenigen gemeint sind, bie mabrenb des Kulturkampfes sich außerhalb Preußen» uu/hielten, diese Unterstützungen zubilligen; ber andere fordert Gleichstellung der kathol-.scheu Geistlichen mit ben evan- ttschen im Gehalt. - Reg.-Ralh Schwartzkoppen wie» schlagend nach, daß bie «.haltSunierschiede auf der Entwickelung der gefammten kirchlichen Verhü tniffe hüben unb brühen beruhten, und daß sie nur berechtigt seien, weil der evangelische Geistliche nicht blos, wie seine katholischen Amtrbrüder, für seine Familie im Allgemeinen, sondern ür die Erziehung seiner Kinder erhebliche Ausgaben habe. Dre Anträge wurden denn auch diesmal abgelehnt und die übrigen da, Unterrichtswesen betreffenden Titel erledigt. - Morgen li Uhr wird die Spezialberathuna des Kultusetats beim Mediziualwesen fortgesetzt V U

Ausland. Italic«.

* Rom, 10. März. (Zur Lage.), Das neue Ministerium Rudini ist nunmehr gebildet worden. Der Ministerpräsident Marchese di Rudini ist kein Neuling in seinem Amte, er war schon einmal der Nachfolger Crispi's und zwar 1891. Er ist ein persönlicher Gegner des letzteren, wird aber die Politik des Königs fortsetzen, wie er auch damals seinen Namen unter die Verlängerung des Dreibunds-Ver- ttagcs setzte. Der neue Kttegsminister, Cesare Francesco Ricotti - Magnani, ist Generallieutenant z. D. und Mitglied des Senats und bereits 73 Jahre alt. Als Offizier hat er sich in den Feldzügen von 1848, 1855, 1859 und 1866 ausgezeichnet. Bereits 1884 war er einmal Kriegsminister, welches Amt er bis 1887 behielt. Von den übrigen Mitgliedern des neuen Kabinets hat der Marineminister Brin schon zweimal dieses Portefeuille innegehabt, 1876 bis 1878 unter Depretis und 1884 bis 1891 unter Cnspi. Dem Kabinet Giolitti gehörte er als Minister des Aeußern an. Er verhandelte damals mit Menelik über die Abänderung des Verttags von Udschalli. Brin ist Schiffbauer von Berus. Der neue Schatz­minister Colombo hat bereits dem Ministerium Crispi als Unterrichtsminister angehött. Von den übrigen Ministem gehören der Arbeitsminister Perazzi und